Coronapolitik +/-

——– Weitergeleitete Nachricht ——–

Liebe politisch Interessierte,

ein Leser hat mich auf folgenden Beitrag auf den “NachDenkSeiten” aufmerksam gemacht, der in hohem Maße in die Richtung der Argumentation in meiner E-Mail geht, die ich Ihnen vor ein paar Stunden geschickt habe (weiter unten noch mal wiedergegeben):

Jens Berger: Covid-19-Daten – wie viele Infektionen gab es im Frühjahr?
https://www.nachdenkseiten.de/?p=65980

Sehr interessant, sehr erhellend, sollte man gelesen haben.

Schöne Grüße!
Egbert Scheunemann

Am 20.10.2020 um 12:11 schrieb Egbert Scheunemann:

Liebe politisch Interessierte,
vieles lief in der Coronapolitik in den letzten Monaten in die richtige Richtung. In aller gebotenen Kürze: weg von pauschalen, nationalen oder auch nur (,nur’) landesweiten Zwangsmaßnahmen (nationaler, landesweiter etc. Shutdown) und hin zu intelligenter kleinräumiger Bekämpfung von Hotspots (z. B. Schließung von Schlachtbetrieben auf Zeit) sowie zu ebenso kleinräumiger Virusprophylaxe (Maske, Abstand, Hygiene), die hochgradig wirksam ist, aber nicht die verheerenden volkswirtschaftlichen und sozialen ,Nebenwirkungen’ hat wie pauschale Shutdowns. Leider geht in den letzten Tagen einiges wieder in die falsche Richtung. Weil ich im Moment keine Zeit habe, meine Kritik an den jüngsten Maßnahmen in einem eigenständigen Artikel auszuformulieren, möchte ich im Folgenden nur die beiden jüngsten Einträge (Meldung und Kommentar) in meiner “Chronik des (nicht nur) neoliberalen Irrsinns” zitieren, die die Sache auf den Punkt bringen: „CoronaKrise in Bayern. Strikte Maßnahmen im Berchtesgadener Land. Im Berch­tes­gadener Land treten heute drastische Beschränkungen in Kraft. Da die Corona-Zahlen Rekordwerte erreichten, schließen Kitas und Schulen. Bewohner dürfen ihre Woh­nun­gen nur noch zum Einkaufen und Arbeiten verlassen.“       (www.tagesschau.de; 20. Oktober 2020) (Nichts dazugelernt, die gleichen Stumpfsinnsmaßnahmen wie im März. Als Infektionsherde nennt das RKI vor ein paar Tagen (Lagebericht vom 14.10.2020) „Feiern im Familien- und Freun­deskreis (…), Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser, Einrichtungen für Asylbewerber und Ge­flüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, fleischverarbeitende Betriebe und (…) religiöse Ver­an­staltungen“. Das sind Hotspots, die genau zu lokalisieren sind und gegen die zielgerichtet vorge­gangen werden kann. Wie das geht, hat sich zum Beispiel im Hamburger Schanzenviertel vor wenigen Wochen gezeigt: In einem Szenetreff junger Leute kam es zu einem Infek­tions­ausbruch. Der Laden wurde schnell auf Zeit geschlossen, über die Medien wurde intensiv in­for­miert und betroffene Gäste wurden dringend gebeten, sich bei den Behörden zu melden. Am Folgetag wa­ren es schon über hundert. Nach der Durchsetzung noch schärferer Sicher­heits­maßnahmen hat der Laden (ich laufe fast täglich an ihm vorbei) bald wieder geöffnet und die Sache war gegessen. So könnte es gehen. Überall. Stattdessen hat der Hamburger Senat vor ein paar Tagen eine allgemeine Sperrstunde ab 23 Uhr verhängt – für alle Gastronomiebetriebe und Kneipen etc. Und das vor dem Hintergrund von Infektionszahlen, die weit unter dem liegen, was im März zu ver­zeichnen war, rechnet man die derzeit wohl zehn Mal höhere Testquote auf die Zahlen im März zurück (siehe die folgende Meldung und meinen Kommentar dazu). E.S.):

 „7830 Corona-Fälle (Stand 17. Oktober 2020; E.S.). Das Robert Koch-Institut (RKI) hat wieder einen Rekordwert an Neuinfektionen in Deutschland gemeldet. Demnach wur­den 7830 neue Fälle gemeldet. Das sind rund 500 mehr als gestern und so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am vergangenen Samstag hatte der Wert noch bei 4721 gelegen.“       (www.tagesschau.de/inland/rki-deutschland-fallzahlen-brinkhaus-101.html; 17. Oktober 2020) (Mit dem Recherchieren, Denken und der Analysefähigkeit ist das so eine Sache. Im März 2020 lag der damalige Höchstwert bei knapp 6.300 gemeldeten (!) Corona-Fällen. Man muss aber selbstverständlich berücksichtigen, dass damals weit, weit weniger getestet wurde als heute. Nehmen wir zurückhaltend und konservativ an, dass heutzutage zehn Mal mehr getestet wird als Mitte, Ende März. Rechnet man die heutige Testquote zurück auf den damaligen Höchstwert, wäre damals also genauso intensiv getestet worden wie heute, wären die gemeldeten Corona-Fälle im März also eher bei 63.000 gelegen. Diese Zahl muss man in Relation mit der oben ge­nannten Zahl von 7.830 Corona-Fällen am 17. Oktober 2020 setzen. Haben Sie diese Über­le­gungen in den letzten Tagen von irgendeinem Experten oder Politiker gehört und erläutert be­kommen? Ich auch nicht. Also zum Mitdenken: Die derzeit ablaufende zweite Welle verläuft dra­matisch zurückhaltender als die erste, was auch zu erwarten war. Unter Denkfähigen und Infor­mierten zumindest. An dieser Tatsache sollten sich die viruspro­phy­lak­tischen Maßnahmen orien­tieren – dann gäbe es kein Beherbergungsverbot und anderen Schwachsinn. Bis zur Bewusstlo­sigkeit sei wiederholt: Wir brauchen die konsequente Durchsetzung punktgenauer kleinräumiger Maßnahmen (Maske, Abstand, Hygiene). Die helfen nachweislich (wie seit einem halben Jahr sämtliche Supermärkte beweisen, von denen sich keiner zu einem Hotspot entwickelt hat; vgl. www.egbert-scheunemann.de/Maskenball-am-Hofe-Coronas-Scheunemann.pdf). Großräumige Maßnahmen, die Absperrung ganzer Städte, ganzer Landstriche, ganzer Bundesländer und das (teilweise oder völlige) Herunterfahren ganzer Branchen (Beherbergungsverbot, Sperrstunde etc.) sind völliger Blödsinn, regional-, volkswirtschaftlich und sozial hochgradig schädlich und für viele Menschen existenzbedrohend, wenn nicht -vernichtend. E.S.) Vgl. www.egbert-scheunemann.de/chronik-des-neoliberalen-irrsinns-16.pdf
Ich bitte um Weiterleitung dieser E-Mail an andere politisch Interessierte. Danke! Schöne Grüße!
Egbert Scheunemann


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Egbert Scheunemann
Oelkersallee 32
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Tel.: 0049(0)40-4397000
Mobil (bitte nur in dringenden Fällen):
0049(0)163-6834501
www.egbert-scheunemann.de/lektorat

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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