Connie Hackbarth

Di, 23. April 2013

Noch einmal fuhren wir nach Jerusalem, wo wir uns mit der israelischen Jüdin Connie Hackbarth von http://www.alternativenews.org/    trafen.

Sie sagte, dass sie das Unmögliche versuchen wolle, nämlich uns die israelische Gesellschaft  in einer Stunde zu erklären.

Es sei eine rassistische Hochkultur. Die Juden brauchen ein Land, wo sie leben können. Wir sind eine koloniale Gesellschaft. Der Zionismus entstand im 19. Jahrhundert. Die Ideologie wurde am Anfang von den meisten Juden abgelehnt.

Was bedeutet es, Jude zu sein? In alten Zeiten bedeutete es, Deine Mutter war Jude und Du praktiziertest das Judentum.

Seit dem Zionismus kam es auf die ethnische Definition und die kulturelle Identität an. Die Religiösen und die Säkularen waren getrennt. Es kam darauf an, die Last zu teilen. Teilnahme am Militärdienst war sehr wichtig, Männer für drei Jahre, Frauen für zwei. Aber nur 60% der Menschen gehen zur Armee, 40% tun es nicht; zum Beispiel die Palästinenser nicht, die 20 % der Population stellen. Bisher wurde der Armeedienst als Privileg angesehen, jetzt kommen Gedanken auf, warum sollte ich die besten Jahre meines Lebens bei der Armee verbringen? Eine kleine Gruppe sagt, wegen der Besatzung. Oder um ein Anrecht auf einen Platz in der Gesellschaft zu haben. Die Säkularen sagen zu den Religiösen, wir sind nicht bereit, Euer Studium mit der Freistellung vom Militärdienst zu gewährleisten, nur die Siedler sind glücklich in der Armee. Die sind noch die alten Zionisten. Die Zahl der Religiösen in der Armee hat zugenommen. Ursprünglich wurden die Offiziere überwiegend von Kibbuz-Führern gestellt.

7% der Bevölkerung lesen Haaretz, eine der kritischsten Zeitungen von Israel. (Dort stand kürzlich, dass laut Umfrage die Mehrheit der Israelis die Araber für minderwertig halten.) Jeder Staat lehrt seine Kinder seine Ideologie, der unsere lehrt Rassismus.

( im Moment gibt es einige kritische Bewegungen mitten in der israelischen Gesellschaft: natürlich Uri Avnery, aber jetzt auch Miko Peled, im Juli 2012 lief Dror Morehs Dokumentarfilm “Shomrei Hasaf” (deutsch: „Töte zuerst!“) in den israelischen Kinos an. In Englisch„The Gatekeepers“ und dann noch, „Breaking the silence“ )

22% Palästinenser lebten vor Jahrzehnten in Jerusalem. Ihre Zahl nimmt zu trotz der Schikanen. Eine Millionen Juden aus Russland kamen nach 1991 nach Israel.

Die Siedler gehen meist nach Ostjerusalem, schlicht aus Preisgründen, z.B. nach Ma’ale Adumim in der Westbank, das hat nichts mit Ideologie zu tun. 90% der „Siedler“ leben so, die anderen kämpferischen in Hebron denken, wir wären echte Zionisten.

Das bedeutet nicht, dass sie nicht bereit wären, für ihr Haus im palästinensischen Gebiet, z. B. in Ma’ale Adumim zu kämpfen. 70% der Israelis sagen: „Keine Siedlungen mehr”, aber das internationale Recht meint natürlich alle Siedlungen in der Westbank und in Ostjerusalem. Der Konflikt ist ein internationaler, finanziert überwiegend durch die USA.

Wir können die Siedler nicht los werden, die die zionistischen Ideale hochhalten. Wir können nur vorankommen, wenn die Besatzung jetzt endet. Wie kriegen wir eine Balance im Leben der Leute hin, wie lösen wir die Probleme langfristig. Busse werden gesprengt, aber bei den Boykotten ist keiner erfolgreicher als der kulturelle, z.B. indem Künstler und Professoren es ablehnen, nach Israel zu kommen.

Politisch geschieht genau das Gegenteil. Israel ist für die OECD akzeptiert worden und die EU hat ihm schon wieder Steuer-begünstigungen erteilt.

Der Vorteil der BDS Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) ist, dass Du entscheiden kannst, was Du tust. Du kannst es nutzen, um die Leute aufzuklären. „Wir boykottieren nicht Personen, sondern Institutionen“. Der kulturelle und akademische Boykott ist besonders wichtig. Benutzt uns als „Juden gegen die Besatzung“, die Boykottbewegung der Juden, um den Leuten das zu erklären.

Es gab diese Diskussion auch in Südafrika. Und die „Women in Black“ brauchen unsere Solidarität.

Wir sind bereit, für die Änderung der Politik zu leiden.

Zum Teil können die Palästinenser nicht unter palästinensischen Labeln exportieren.

Connie bezeichnete sich selbst als deutsch-amerikanische Mischung.
 

 

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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2 Antworten zu Connie Hackbarth

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