Demenz aktuell, August 26, klassische Meinung

 

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Neue Forschungsergebnisse

Bluttest zeigt Alzheimer-Risiko – Forscherin ordnet ein

Laut einer neuen Studie könnte es bald einen Test geben, der zeigt, ob man ein erhöhtes Risiko hat, später an Alzheimer zu erkranken. Wie eine Expertin die neue Studie einstuft.

Eine internationale Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern des Mass General Brigham Neuroscience Institute in Boston macht Hoffnung auf eine bessere Früherkennung von Alzheimer. Mit einem einfachen Bluttest kann das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen geschätzt werden – Jahre bevor erste Symptome eintreten. Für die Studie wurden sechs Langzeituntersuchungen mit insgesamt 2.684 älteren, geistig gesunden Erwachsenen ausgewertet.

Dabei zeigte sich: Je höher der p-Tau217-Wert zu Beginn der Studie war, desto größer war das Risiko für spätere kognitive Beeinträchtigungen – ein Hauptsymptom der Alzheimer-Krankheit. Bei sehr hohen Werten lag das Fünfjahresrisiko für kognitive Beeinträchtigungen bei 38 Prozent, bei hohen Werten bei 24 Prozent und bei niedrigen Werten bei 12 Prozent.

Was ist p-Tau?

  • Der Biomarker p-Tau217 im Nervenwasser (Liquor) oder Blutplasma hat sich als besonders genau erwiesen, um Alzheimer von anderen Demenzerkrankungen abzugrenzen. Auch für die Früherkennung spielt p-Tau217 eine wichtige Rolle. Bereits bei milden kognitiven Einschränkungen sind die Werte erhöht.

Die Studienautoren können sich vorstellen, dass Bluttests zur Einschätzung des Alzheimer-Risikos langfristig ähnlich wie Cholesterintests zum Einsatz kommen: Menschen mit unauffälligen Werten könnten engmaschig getestet, Personen mit erhöhtem Risiko frühzeitig für Präventionsprogramme oder klinische Studien ausgewählt werden.

Oft werden kognitive Auffälligkeiten von Betroffenen zunächst als normale Begleiterscheinungen des Alterns interpretiert. Erst wenn es stärkere Einschränkungen gibt, führt das zu einer medizinischen Abklärung. Die Diagnose und genaue Zuordnung von Demenzerkrankungen sind aufwendig: umfangreiche körperliche Untersuchungen, kognitive Tests, bildgebende Verfahren wie MRT, PET oder CT.

Über Alzheimer

  • Alzheimer ist die häufigste Demenzerkrankung. Die Veränderungen im Gehirn beginnen lange, bevor erste Symptome wie leichte Gedächtnislücken, Orientierungsprobleme oder subtile Wesensveränderungen auftreten.
  • Zwei Eiweiße spielen eine entscheidende Rolle: Amyloid-beta und Tau. Amyloid-beta lagert sich zunächst zwischen den Nervenzellen im Gehirn ab und stört ihre Kommunikation. Die Ansammlungen werden als Plaques bezeichnet. Im Laufe des Krankheitsprozesses lagert sich Tau im Gehirn an, verklumpt und schädigt Nervenzellen in Hirnregionen, die für Gedächtnis und Orientierung wichtig sind. Auch der Entzündungsbotenstoff Interleukin-12 rückt vermehrt in den Fokus der Forschung.

Das sagt eine Alzheimer-Expertin zur Studie

Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative (AFI), hält die Studienergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht für sehr interessant. Ihrer Einschätzung nach wird ein Bluttest zur Risikoeinschätzung in der Praxis vorerst aber keine Rolle spielen.

„Solange wir kein Mittel haben, das gegeben werden kann, wenn klar ist, dass das Risiko erhöht ist, halte ich die Vorhersage nicht für zielführend“, argumentiert Pfitzer-Bilsing. „Es wäre wünschenswert, einen Bluttest zu haben, der die Liquoruntersuchung bei der Diagnosestellung ersetzt, da diese sehr invasiv ist.“

Bei der Liquoruntersuchung wird Nervenwasser aus dem Wirbelkanal im unteren Rücken entnommen und im Labor auf krankheitstypische Veränderungen untersucht.

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Weiter sagt sie: „Aber selbst da sind wir noch nicht angekommen. Aktuell ist es so, dass Bluttests noch nicht zur Standarddiagnostik gehören, da sie nur einen Hinweis geben können, aber die Liquor- oder bildgebende Untersuchung nicht ersetzen können.“ Derzeit stellen Bluttests auf Biomarker daher vor allem eine Ergänzung zur Untersuchung des Nervenwassers dar.

Expertin: Alzheimer-Prävention statt Verunsicherung

Der Biomarker-Test liefert Informationen über das individuelle Alzheimer-Risiko, kann aber lediglich eine Wahrscheinlichkeit abschätzen. Hohe Werte bedeuten nicht, dass eine Person zwangsläufig kognitive Beeinträchtigungen entwickelt oder an Alzheimer erkrankt.

Die Bevölkerung zu screenen, um das Risiko zu ermitteln, hält Pfitzer-Bilsing nicht für sinnvoll. Das Wissen um ein erhöhtes Alzheimer-Risiko könnte psychisch als sehr belastend empfunden werden und sogar zu Depressionen führen. Die wiederum erhöhen das Risiko für Demenzen. „Außerdem ist die Vorhersagekraft nicht bei 100 Prozent, was das Leben mit solch einer Aussicht sogar unnötig belasten könnte.“

Pfitzer-Bilsing befürwortet, mehr Bewusstsein für wissenschaftlich belegte Präventivmaßnahmen zu schaffen, die nicht nur das Alzheimer-Risiko, sondern auch das Risiko für andere Erkrankungen senken. „Die präventiven Maßnahmen – es gibt 14 wissenschaftlich belegte modifizierbare Risikofaktoren – sollten von jeder und jedem berücksichtigt werden und Einzug in den Alltag finden.“

Risikofaktoren für Demenzerkrankungen erkennen

Zu den bekannten Risikofaktoren zählen geringe Bildung und zu wenig geistige Anregung, nachlassende Seh- und Hörkraft, Depressionen, Bewegungsmangel, zu hohe Cholesterinwerte, Rauchen, soziale Isolation, Kopfverletzungen, Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, übermäßiger Alkoholkonsum und Luftverschmutzung.

Pfitzer-Bilsing sagt: „Wichtig wäre es, sich zu überlegen, wo noch Defizite bestehen und dort mehr zu machen. Wenn man bereits sportlich ist, geht es nicht darum, noch mehr im Bewegungsbereich zu unternehmen, sondern nach seinen echten Defiziten zu schauen.“ In Deutschland könnten laut einer Studie rund 36 Prozent aller Demenzfälle durch die Vermeidung aller Risikofaktoren verhindert werden.

Prävention ernst zu nehmen und mögliche Symptome einer Demenzerkrankung rechtzeitig ärztlich abzuklären, ist allemal ratsam. Neue Medikamente wie die in der EU zugelassenen Antikörper-Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab können das Fortschreiten der Erkrankung bei bestimmten Personen verlangsamen – wenn sie in einem frühen Stadium diagnostiziert und behandelt wird. Geheilt werden kann die Demenzerkrankung aber noch nicht.

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Kann man das Risiko für Alzheimer privat testen lassen?

Bisher sichern Biomarker-Bluttests die Alzheimer-Diagnose unterstützend ab. In der EU sind bereits drei Alzheimer-Bluttests zugelassen – allerdings nicht für die Risikoeinschätzung. Auch nicht für Menschen mit einem genetisch bedingten erhöhten Alzheimer-Risiko? „Tests zur pauschalen Vorhersage des Risikos gibt es bisher nicht auf dem Markt und das aus guten Gründen. In nur ein bis fünf Prozent der Fälle von Alzheimer spricht man von der familiären Variante“, sagt Anne Pfitzer-Bilsing.

„Das bedeutet, dass man eine Mutation in einem von drei bekannten Genen hat, die zu einem 100-prozentigen Ausbruch führt. Die familiäre Form kann vorliegen, wenn besonders viele Menschen in der Familie besonders früh erkrankt sind. Wenn bei einem Familienmitglied die Mutation bekannt ist oder die Häufung auffällig ist, kann man sich in einer humangenetischen Sprechstunde beraten und testen lassen.“

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Auch das ApoE4-Gen erhöht das Alzheimer-Risiko. Es führt jedoch nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Erkrankung und wird deshalb erst vor einer geplanten Alzheimer-Antikörper-Therapie im frühen Stadium getestet. Personen, die das Gen von beiden Elternteilen geerbt haben, haben ein hohes Risiko für schwere Nebenwirkungen. Zum Abschluss betont die wissenschaftliche Leiterin der Alzheimer Forschung Initiative erneut: „Allgemein sollten die vorbeugenden Maßnahmen berücksichtigt werden.“

Über die Gesprächspartnerin

  • Dr. Anne Pfitzer-Bilsing leitet seit 2024 bei der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) die Abteilung Wissenschaft.

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, schon lange in der Umweltwerkstatt, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de und ippnw.org), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig, und ich bin seit etwa 15 Jahren in der Linkspartei// Family doctor, retired, since 1976 in the environmental organization BUND, for a long time in the environmental workshop, since 1983 in the medical peace organization IPPNW (www.ippnw.de and ippnw.org), since 1995 in the peace center, since 2000 in the umbrella organization Friedensbündnis Braunschweig, and I am since about 15 years in the Left Party//
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