Daoud Nassar

Mittwoch, 24.4.

Anschließend besuchten wir Dahers Weinberg mit dem Tent of Nations, wo die palästinensischen Besitzer aktuell in Zelten wohnen und in der Vergangenheit in Höhlen.

Dort erzählten uns mehrere Familienmitglieder, dass der Großvater sein dort liegendes von ihm bewirtschaftetes Land registrieren ließ. Dies haben nur wenige gemacht, da mit der Registrierung Steuerzahlungen zusammenhingen. Das rächte sich für „die Nutzer des Landes“, nicht die Besitzer.

Israel hat sich als den gültigen Staat bezeichnet, die Leute von der Nutzung abgehalten und wenn das über 3 Jahre passierte, war nach ottomanischem Recht eine Enteignung möglich  und es wurden dann ganze Hügel enteignet. Wir sind der letzte Hügel in der Nachbarschaft mit palästinensischem Besitzer.

Tent of Nations ist der letzte Hügel mit palästinensischem Besitzer. Sie seien die Einzigen gewesen, die ständig dort  waren: Pflanzzeit, Erntezeit, die Großeltern haben ihr ganzes Leben hier verbracht. Sie hatten auch  israelische Dokumente , die sie als Besitzer auswiesen. Die israelische Verwaltung war darüber schockiert. Sie behaupteten dann, dass sie die alte Karte mit der Hand nachgemacht hätten. Deswegen mussten sie eine neue Landvermessung durchführen lassen, die sie 5000 € kostete. Sie führten 12 Jahre einen juristischen Kampf vor dem Militärgericht mit einer Ablehnung, worauf sie das oberste Gericht anriefen. Sie hätten bisher 150.000 Dollar an Gerichtsgebühren gezahlt. Siedler haben sie angegriffen, weswegen es seit 2002 eine permanente internationale Präsenz durch Volontäre bei ihnen gibt. Die Wasserbehälter und 250 Olivenbäume wurden zerstört. Europäische Juden haben ihnen 200 Bäume gesponsert und gepflanzt. Darauf wurde von der israelischen Verwaltung argumentiert, „wie viel Millionen wollt Ihr haben“. Sie antworteten, das Land ist unsere Mutter, die darf man nicht verkaufen. Jetzt bedroht sie der Mauerbau. Sie werden auf der israelischen Seite der Mauer sein. Das würde bedeuten, dass sie nach Bethlehem 5 Stunden statt 20 Minuten unterwegs seien. Städte werden zu Homelands, es ist eine frustrierende Situation, worauf man mit Gewalt, Resignation oder Emigration reagieren kann. Niemand aber kann sie zum Hass zwingen. Die Gewaltlosigkeit ist der vierte Weg. Sie schrieben auf Hebräisch, „wir weigern uns, Feinde zu sein“ und den Vers eines Psalms:  „Wie schön, wenn die Geschwister zusammenkommen“. Die Frustration versuchen sie positiv zu kanalisieren. Sie planen, Brücken zu bauen, „kommen und sehen“, auch für Israelis. Sie wollen nicht in der Opfermentalität bleiben, sie müssten immer kreativ sein. Wie kann man das entwickeln? Sie haben eine 4,5kw Solaranlage, Windräder, eine Biogas- und eine Kläranlage (sie sind ja total vom Regenwasser abhängig), für die sie Hilfe zur Selbsthilfe bekamen. Die Höhlen sind im Winter warm und im Sommer kühl.

Bisher hatten sie sich von anderen abhängig gemacht, andere entschieden für uns. Jetzt machen sie jedes Jahr eine Baumpflanzaktion, sie brauchen 10€ für  jeden Baum, die ersten Oliven erhalten sie nach 10 Jahren.

  1. Friede soll von unten wachsen, die Basis sind z. B. Camp-Aktionen für Kinder im Sommer, damit Kinder ihre Talente entdecken. Sie tun damit etwas für palästinensische Kinder. Dabei gehe es um Verständnis, nicht um Sympathie.
  2. eine Unterstützung der Demonstrationen gegen die Israelis ist gut, aber die Hauptaufgabe ist  die Arbeit zu Hause.
  3. Sie tun etwas für die Frauen. Die Ehefrau eines Sohnes ist Lehrerin, sie leben in einem sehr konservativen Dorf. Es sei wichtig, dass die Frauen für einige Stunden aus dem Haus herauskommen. Z.B. skypen sie am nächsten Tag mit einer muslimisch/christlichen Gruppe aus England. Sie müssten voneinander lernen. Während der Ernte haben  sie internationale Helfer im Einsatz, z.B. schickt der katholische deutsche Verein vom Heiligen Land Leute dafür. Sie sind weltweit vernetzt. Die Webseite „Woof“ vermittelt ihnen die Volontäre. 2012 hatten sie 6000 Gäste. Es gab Abrissbefehle für ihre Zelte, das Militär war von den Siedlern beauftragt worden und hatte die Straße blockiert, siehe bei  www.tentofnations.org.  Sie haben vor, eine Berufsschule zu gründen. Wie können sie Lehrer dafür bekommen? Ich sprach von Frau Rania Salsaa, die kannte er schon…

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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1 Antwort zu Daoud Nassar

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