Waffenlieferungen, Flugverbotszone, Ukraine muss den Krieg gewinnen?

Lieber Peter

Am Samstag sagtest Du nach meiner Erinnerung in Deiner Rede vor dem Kohlmarkt vor allem dreierlei: Erstens dass wir die Ukraine mit Waffen versorgen sollten, was wir schon tun, zweitens dass eine Flugverbotszone eingerichtet werden solle und drittens, dass es wünschenswert sei, dass die Ukraine den Krieg gewinne. Ich schrieb Dir deshalb schon einen privaten Brief, aber jetzt ein grundsätzlicher Brief „an alle“ mit solchen Forderungen.

Fangen wir mit der Flugverbotszone an: Russland ist mehrheitlich der Überzeugung, dass ihre Sicherheitsanforderungen katastrophal vernachlässigt worden sind und dass es keinen anderen Weg mehr wusste, als diesen Krieg zu beginnen. (insbesondere Nato-Osterweiterung, Krieg der Ukraine gegen ihre Ostprovinzen) Auf Grund dieser Forderung und der Tatsache, dass es konventionell mit einem Abstand von zur Zeit dem Faktor 20 in den Kosten für das Militär konventionell der Nato haushoch unterlegen ist, verweist es auf seine Nuklearmacht. Es ist sehr realistisch damit zu rechnen, dass eine Flugverbotszone, wie sie brutal von Natomächten gegen Libyen ausgeführt wurde mit der Folge der scheußlichen Ermordung von Gaddafi, zum Einsatz von Atomwaffen führen würde und damit zu ungeheuren Schäden bis hin zum möglichen Untergang der Menschheit. Das heißt, diese Forderung ist selbstmörderisch.

Zur zweiten Forderung, der Versorgung von der Ukraine mit Waffen. Es ist richtig, dass das Völkerrecht die Unterstützung eines militärisch Angegriffenen erlaubt. Aber ist das sinnvoll? Zwei Möglichkeiten: Die Ukraine wird von Russland auf die Dauer doch besiegt: Dann wird sie auf Grund dieser Waffen auf Grund der länger andauernden Kämpfe viel größere Zerstörungen erleiden als wenn sie früher aufgibt. Siehe auch das Prinzip der nichtverteidigten Städte wie zum Beispiel Paris im zweiten Weltkrieg.  Kriege sind laut Albert Einstein wegen der bei Eskalation möglichen Vernichtung der Menschheit sowieso verboten. Das gilt sowohl für Angriffs- aber auch für Verteidigungskriege. Das heißt, die Friedensbewegung lehnt deshalb mehrheitlich die Lieferung von Waffen ab.

Nehmen wir den anderen Fall: Die Ukraine gewinnt wider jede Erwartung durch die starke Unterstützung der Nato und durch die Lieferung überlegener Waffen den Krieg und fällt in der Folge rachedurstig in Russland ein. Was wird Russland dann machen? Nach meiner Überzeugung auch auf Nuklearwaffen zurückgreifen, siehe oben.

Das heißt, das Problem ist nicht von Ende her gedacht. Wir müssen sowieso zu einem Frieden kommen, da können wir gleich mit dem Kämpfen aufhören und gleich verhandeln. Und das Verhandeln wird durch das Kämpfen nicht erleichtert. Im Moment hat die Ukraine lokal durch Unterstützung der Nato eine bessere Position, obwohl sie das auf Grund von vielfältigen Aspekten, siehe zum Beispiel hier https://helmutkaess.de/belege-ueber-die-natur-des-ukrainekriegs/, diese auf die Dauer m.E. nicht haben wird. Von daher wird ein „Siegfrieden“ von Russland nicht erreicht werden, sondern auch nur ein Kompromissfrieden. Andere Dinge, wie der m.E. viel größere wirtschaftliche Schaden der EU durch die Sanktionen gegenüber dem Schaden für Russland, habe ich hier gar nicht angesprochen.

Diese drei Aspekte zeigen schon den ganzen Wahnsinn der deutschen politischen Reaktion auf.

Herzliche Grüße, Helmut

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Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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