Lobrede zum 70.ten

Helmut 70. Geburtstag, 28. April 2016, von Rainer Hanke

Lieber Helmut Käss,

außer einer guten Freundschaft verbinden uns noch einige Dinge.

Es sind jetzt über 30 Jahre her, dass wir uns zu den Stammtischen im
Magniviertel beim Friedrich im Kastaniengarten regelmäßig getroffen, kennen und schätzen gelernt haben.

Du warst damals mit Deiner Niederlassung als Allgemeinarzt in Rhüme befasst.

Ein langer Lebensabschnitt begann, der inzwischen abgeschlossen ist.
Schon damals fiel mir angenehm auf, dass sich Deine Interessen und Dein
Lebensentwurf nicht darin erschöpften, ein guter Arzt zu sein.

Dein soziales Gewissen, Dein Engagement für Umwelt und ökologische
Überlebensprobleme, für Frieden und Gewaltlosigkeit waren durch die schweren beruflichen Anforderungen nicht verschüttet worden.

Ich war besonders beeindruckt, damals Jemanden getroffen zu haben, dessen
Lebensentwurf und Perspektive über Berufsbewältigung, Urlaub, Familie und
Hobbys noch weit hinaus ging, der aus der – Aufbruchsstimmung der
sogenannten 68 er Generation – Ideen weiter entwickelt hatte und Konsequenzen
gezogen hatte.

Und zwar solche, die für unseren Berufsstand durchaus ungewöhnlich sind.

Dir genügte es nicht, über Missstände, sowie politische und ökologische Gefahren nur

zu diskutieren, – nein – Du wolltest auch verändern und gestalten.

Ja, das war dann damals der Beginn einer langen Freundschaft.

Du hast mir imponiert weil Du hartnäckig und zielstrebig an Deiner Sache
drangeblieben bist, eine Charaktereigenschaft, die sich nicht abgeschliffen hat,
sondern die nach Deiner Pensionierung eben nicht weniger gewoden ist, sondern sogar zugenommen hat.                                        

Bei Dir führt das. Alter nicht zur Verflachung, sondern eher zur Radikalität, yor Allem aber zur  Meisterschaft bei Ideen und Wirkung. Insofern gehörst Du auch nicht zu den mehr oder weniger depravierten Altlinken, sondern zu den aktiv Gestaltenden. Junger Mann muss immer vorwärts gehen.

Lieber Helmut, wenn wir hier sitzen, als Deine Gäste, sollten wir alle Deine Freunde sein:

Du lässt uns an Deinem Leben, an Deinem 70. Geburtstag als Freunde teilhaben.
Und es ist wichtig Freunde zu haben: Und wie wichtig es ist, möchte ich mit den
Worten einer Frau sagen: Es ist Katharina Elisabeth Goethe:

„Gäbe man einem Menschen alle Herrlichkeit auf Erden, was hilft es, wenn er
keinen Freund hat, dem er es sagen kann. „

Lieber Helmuth, wir wünschen Dir immer Menschen um Dich, immer einen
Freund, dem Du etwas sagen kannst.

Wir wissen, Dein bester Freund ist eine Freundin – Deine Frau Marlies, die mit
Dir redet, die mit Dir Freude und Schmerz teilt, die mit Dir aus dem noch vollen
Glas des weiter vor Euch liegenden Lebens trinken wird.

Man sagt: „Und sie tranken aus einem Glase.“

Lieber Helmuth, Marlies ist diejenige, die Dich bei allen Deinen Aufgaben
unterstützt, die Deinen Weg begleitet, die bei deinem ganzen Engagement dafür
sorgt, dass Du noch auf dem Teppich bleiben musst und das Leben als Solches
nicht verlernst und nicht vergisst.

Den Freund möchte ich erklären: „es ist ein Mensch, vor dem man laut denken
kann.“.

Lass Deine Frau Dein Freund sein, ich glaube, es gibt nichts Besseres auf Erden.

Helmuth, 70 Jahre und kein bisschen weise!

Ich möchte das Wort Weisheit durch Erfahrung oder Reife ersetzen; denn die
Weisheit eines Pythagoras werden wir beide nie erreichen, bestenfalls verstehen
wir seine Anwendung.

Weise werden wir wohl alle nicht, oder möchte Jemand??

Aber ich kann mir vorstellen, dass Du reif wirst für Dein Alter mit 70, für diese
Zeit Deines Alters, in der Du gerade lebst.

Aber jeder Altersabschnitt hat etwas Weises für uns gebracht.

In der Familie erlebten wir das Wunder der Menschwerdung. Wenn Kinder
kommen, groß werden und wenn wir sie ins Leben hinausgehen lassen müssen.

Auf Deinen Internetseiten, „Streiten für die Kultur des Friedens“ berichtest Du
ja stolz über Deine beiden prächtigen Söhne Friedrich und Felix.

Ja, das ist eine Erfahrung, die wir alle durchmachen, und die uns reifen lässt.

Aber lassen wir doch noch einmal einen weisen Mann (???) zu Wort kommen.

David Ben Gurion hat gesagt: „Der Sinn des Lebens ist, sich seiner zu erfreuen
und es für andere Menschen schöner zu machen!“

Lieber Helmuth, Du hast dies in Deinem Beruf und in der Familie in die Praxis umgesetzt.

Deine Ruhe und Deine Fähigkeit auf Menschen zuzugehen-
nur ein Lächeln im Mundwinkel – mit einem freundlichen Wort eine
Verbindung herzustellen und Vertrauen zu wecken – und auch Schmerz und Kummer anzuhören, um sie dadurch zu teilen – wie wir sagen: Geteilte Freude
ist doppelte Freude – geteilter Schmerz ist halber Schmerz -.

Dies, lieber Helmuth ist die wunderbare Lebensweisheit, die Du beherrschst und

die Dich in Deiner Umgebung zu einem ruhenden Pol und guten Arzt werden
ließ.

Wir wissen, dass auch in Deinem Leben Freude und Schmerz oft dicht
beieinander lagen.

Man muss Freude genießen, um daraus die Kraft zu schöpfen, um die täglichen
Belastungen, die Alltagssorgen und die Unbilden des Lebens besser überwinden
zu können.

Freude und Schmerz sind gleich kostbare Gaben und es gilt sie, Eines wie das
Andere, völlig auszukosten, jedes in seiner Reinheit ohne, dass man sie zu
vermischen sucht.

~Lieber Helmut, dies ist etwas ;von dem, was wir Dir heute sagen möchten, nicht
zuletzt auch als Anmerkung zu „Streiten um eine Kultur des Friedens.“

Wir fassen unsere Gesundheits- Glück-und Segenswünsche zusammen und
lassen Helmut Käss hochleben.

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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