Vortrag 21.2.2013 ICAN

Guten Abend,

Erst eine Gliederung meines Vortrags:   Anfangs werde ich ein paar Bilder aus Japan und damit einen Überblick über das Thema zeigen, danach über Vorkongress, Kongress und dem Fukushimaausflug danach und dann von der ICAN Tagung sprechen und den damit zusammenhängenden Gedanken, dann werde ich einen Vorschlag für Braunschweig machen.

„Die schrecklichen Zwillinge“

Was will die ICAN-Bewegung?

Vor dem 20. IPPNW (Ärzte für die Verhinderung eines Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung)-Weltkongress im August 2012 in Hiroshima fand diesmal eine ICAN-Tagung statt, sodass ich diese Bewegung erstmalig bewusst kennenlernte.

ICAN ist die Abkürzung für: „International Campaign to Abolish Nuclear Weapons“ und hat sich zum Ziel gesetzt, sich für die Abschaffung aller Atomwaffen und der Atomenergie einzusetzen. Passenderweise entspricht in etwa die Abkürzung dem Motto „Yes, we can, (I can, you can, we can)“ von Obama.

Die Organisation gründete sich 2005 mit erheblicher Unterstützung der IPPNW und ist jetzt eine eigenständige Organisation, aber noch mit enger Zusammenarbeit.

Jetzt also einige Bildern meiner Reise nach Hiroshima,  Picasa bzw. Internet: https://picasaweb.google.com/115109311005248499349/ICANVortragBS?authkey=Gv1sRgCIvpm5WQha_IYw.

Ich bin schon 2 Wochen eher dorthin gefahren, weil ich einerseits mich einstimmen wollte,

andererseits mit Hilfe des von mir für Japaner vorbereiteten Konzepts für 100% erneuerbare Energien des ZGB (Zentralverband Großraum Braunschweig) in Form eines Links http://helmutkaess.de/Wordpress/?p=543 darauf hinweisen wollte, wie  in Braunschweig mit diesem Thema umgegangen wird und dass eine Versorgung mit 100% erneuerbaren Energien keine Utopie ist.

Im traditionsbewussten und im Vergleich mit Europa ziemlich obrigkeitsgläubigen Japan sind die Menschen verunsichert. Es deckt ja seinen Energiebedarf zu einem großen Teil aus Atomenergie, obwohl auch dort auf Grund von Überkapazitäten die Atomenergie nicht wirklich gebraucht wird,

hat aber im März 2011 den Gau in Fukushima erlebt. Die Regierung geht mit den Vorkommnissen sehr ähnlich um wie 1986 mit Tschernobyl umgegangen wurde, nämlich mit Verdrängen und Verschleiern der Probleme.

Mit dem Thema erneuerbare Energien hat sich die Regierung bisher wenig auseinander gesetzt, weil sie voll auf Atomenergie setzte.

Ich bin in dieser Vorkongresszeit auf Japaner gestoßen, die sich für eine Änderung in Japan einsetzen, mein mitgebrachtes Konzept für 100% erneuerbare Energien sehr interessant fanden und mich u.a. zu einer Anti-AKW-Demo mitgenommen haben.

Hiroshima, wo 1945 die erste Atombombe explodiert ist, ist meiner Meinung nach ein sehr geeigneter Ort für Aktionen gegen Atomwaffen und  Atomenergie und für die Einführung von erneuerbaren Energien .

Nach dem Atombombenabwurf beschloss die Führung der Stadt, den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Schaffung einer friedlichen Welt zu legen, damit dieses Grauen nie wieder geschehen möge.

U.a. gründeten sich dort die „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden), zu denen auch der Braunschweiger und der Wolfsburger Bürgermeister gehören.

Auf dem Kongress berichteten mehrere Hibakusha (Atombombenüberlebende)  über ihre furchtbaren Erlebnisse und die an der Stelle der Explosion errichteten Mahnmale und Museen zeigen sehr eindrucksvoll die unvorstellbar grausamen Folgen. Wenn wir uns klar machen, wie es auf dem Kongress immer wieder betont wurde, dass die Menschheit immer noch nicht in der Lage ist und es auch nie sein wird, auf eine Atombombenexplosion so zu reagieren, dass wenig Schaden entsteht, bekommen diese Erzählungen und Bilder die Bedeutung, aufzurütteln, aufzuklären und zu mahnen.

Nun ein paar wichtige Schlüsselsätze vom IPPNW-Kongress (Lars Pohlmeier):

–         Wenn Japan die Atomenergie nicht beherrscht, kann das niemand.

–         Es gibt keine absolut sicheren Atomkraftwerke. Die russischen Atomkraftwerke sind genauso sicher wie die deutschen.

–         Bei Atomenergie und Atomwaffen überkreuzen sich viele Dinge, weswegen Atomenergie immer eine Option für Atomwaffen ist.

–         Die Unterscheidung zwischen Atomenergie und Atomwaffen ist eine Falle. Mit der Atomenergie verbreiten sich auch die Atomwaffen weltweit. Darin liegt eine Tragik des Nichtverbreitungsvertrages.

–         Die Gefahr, die von Atomwaffen ausgeht, übersteigt alle anderen Gefahren, aber Atomkraftwerksunfälle sind ebenfalls sehr gefährlich.

–         Die beim Uranabbau freiwerdende Radioaktivität schädigt die Gesundheit der damit in Kontakt kommenden Menschen.

–         Die schrecklichen Zwillinge „Atomenergie und Atomwaffen“ sind unmoralisch und müssen gehen.

Nach einem Besuch in Fukushima sagte bei einer Pressekonferenz Prof. Tilmann Ruff, Co-Präsident der IPPNW:

Unsere oberste Pflicht gegenüber den Vielen, die bei der Katastrophe von Fukushima verletzt wurden, ist es, Atomwaffen unwiderruflich zu eliminieren und stufenweise aus der Atomenergie auszusteigen.

Die grundlegenden Prozesse in Atomreaktoren sind dieselben wie bei Atomwaffen. 1998 bezog die IPPNW zum ersten Mal aus medizinischer Sicht klar Position für einen Ausstieg aus der Atomenergie.

Atomenergie ist auf allen Ebenen inakzeptabel, gefährlich für die Gesundheit, birgt das Risiko katastrophaler Strahlenfreisetzung und ist untrennbar verbunden mit der Herstellung von angereichertem Uran und Plutonium, die für Atomwaffen verwendet werden können, der größten und akutesten Bedrohung für die globale Gesundheit.

Bedauerliche Fehlinformationen sind verbreitet worden, auch von erfahrenen Experten und in Materialien für den Schulunterricht, die die Risiken ionisierender Strahlung herunterspielen.

Es existiert keine effektive Behandlung für die katastrophalen Folgen einer Atomexplosion oder eines Reaktordesasters. Wenn die Notwendigkeit zu verhüten, was man nicht kontrollieren kann, so groß ist, ist es offensichtlich, dass weder Atomwaffen noch Atomenergie Platz in einer sicheren, nachhaltigen Welt haben können.

Auf der ICAN-Tagung  wurde zunächst auf die Gefahren der Atomenergie, der sog. „nukleare Kette“, hingewiesen:

  1. Ihr Zusammenhang mit Atomwaffen.
  2. Entstehung von GAU en wie in Tschernobyl und Fukushima.
  3. Der „Killer“ Uranbergbau, der ursprünglich auch in der DDR als besiegtem Land und jetzt aber überwiegend von indigenen, als „minderwertig“ betrachteten Menschen, z.B. in Niger, durchgeführt wird.
  4. Der strahlende Atommüll, für den es noch kein einziges Endlager gibt.
  5. Sogar der Normalbetrieb von Atomkraftwerken tötet Kinder, wie die Kikk-Studie belegt, deren Ergebnisse angeblich nicht erklärt werden können. Die Leukämierate von Kleinkindern ist im Umkreis von 5km um Atomkraftwerke um über 100% erhöht, die allgemeine Tumorrate ebenfalls in Abhängigkeit von der Entfernung zum Akw.

Auf einer Weltkarte wurde gezeigt, dass keine Region ohne Strahlenopfer ist.

Der Schlachtruf der ICAN-Leute ist deswegen: „Hibakusha weltweit“.

Tschernobyl und Fukushima haben die Menschheit aufgerüttelt. Für die Folgen, die beide Unglücke hatten und haben werden, erstaunt es einen, wie schnell die offizielle Verdrängung und Verschleierung durch die Politik vor allem in den betroffenen Regionen funktioniert.

Verschiedene Waffensysteme sind weltweit geächtet worden: die biologischen, die chemischen, die Landminen und Streubomben. Die schlimmsten und für das Überleben der Menschheit gefährlichsten noch nicht: die Atomwaffen.

Nach dem NPT, dem „Non Proliferation Treaty“, dem Nichtverbreitungs-Vertrag, schien das Problem gelöst: Die Atomwaffenstaaten verpflichteten sich, die Atomwaffen abzurüsten. Allein, sie taten es nicht. Auch die IPPNW mahnte und drängte, ohne Reaktion. Wegen der daraus resultierenden Frustration gründete sich die ICAN-Bewegung.

Die ICAN-Bewegung braucht Unterstützung. Nach ihrer Sichtweise braucht es einen letzten Sprint, um eine atomwaffenfreie Zukunft zu schaffen. ICAN hält es für sinnvoll, dass die Initiative dafür von den Nichtatommächten ausgehen solle. Trunkenbolde würden ihren Alkoholismus auch nicht selbst behandeln.

In 2011 seien 100 Milliarden Dollar für Atomwaffen ausgegeben worden.

ICAN empfiehlt, dass jeder seinen eigenen Staat ansehen solle. Wenn dieser keine Atomwaffen habe, solle er zu diplomatischen Aktivitäten angeregt werden. Wenn er Atomwaffen habe, solle dagegen protestiert werden.

Auf der Facebookseite von ICAN International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) wird über Aktionen berichtet, die ICAN durchgeführt hat, z.B.

–         Herstellung von Papierkranichen durch japanische Schüler, wovon je 1000 an die Regierungschefs der Welt versendet wurden mit der Bitte, sich für eine atomwaffenfreie Zukunft einzusetzen

–         Herausgabe der Broschüre „Catastrophic Humanitarian Harm“, in der die grauenvolle Wirkung von Atomwaffen gezeigt wird und auf die Schäden der „nuklearen Kette“ (Radioaktivitätsfreisetzung beim Uranabbau, bei der Anreicherung, Testung und ungeklärter Endlagerung, usw)

–         Vorstellung einer Atombombenentfremdung, wo die Leute gefragt werden, was ihnen einfällt, um diese zu „entschärfen“

ICAN vertritt die Meinung, dass es sinnvoll ist, Wege zu erarbeiten, mit den Problemen aktiv und kreativ umzugehen anstatt den Menschen Angst zu machen.

Andere Initiativen gegen Atomwaffen sind:

Das internationale Rote Kreuz hat einen Beschluss gegen Atomwaffen gefasst, in dem empfohlen wird, die Verantwortlichen darauf anzusprechen und zur gemeinsamen Arbeit anzuregen.

In Schweden hat eine Initiative die Banken angesprochen „Don`t bank the Bomb“  mit dem Ziel, die Banken dazu zu bringen, nicht mit Atomwaffenherstellern zusammenzuarbeiten.

Die „Mayors of Peace“ sind ein weiteres Beispiel für Aktivitäten gegen Atomwaffen. ICAN gab eine Rate von neu hinzugewonnenen Bürgermeistern von 1 pro Tag an. Die Mayors haben auf der Nichtverbreitungskonferenz Rederecht.

Eine Nuklearwaffenkonvention könnte die Lösung für das Atomwaffenproblem sein.

Anfang März wird eine UNO-Konferenz in Oslo stattfinden, wo es um den Humanitären Schaden von Atomwaffen gehen wird. Als Vorbereitung findet ab 1.3., also in etwa einer Woche das nächste ICAN-Treffen in Oslo statt, wo ich  hinfahren werde.

Nun ein paar eigene Ergänzungen und Betrachtungen zum ICAN Kongress:

Nach der Atombombenexplosion 1945 in Hiroshima sagte Albert Einstein: „Die entfesselte Gewalt des Atoms hat alles verändert, nur nicht die menschliche Denkweise und daher steuern wir auf eine nie dagewesene Katastrophe zu.“

Während des kalten Krieges kam es zu einem aberwitzigen Rüstungswettlauf, der erst nach dessen Ende zum Stillstand kam. Aber es existieren immer noch über 19.000 Atombomben, die eine mehrfache Vernichtung der gesamten Menschheit, auch „Overkill“ genannt, ermöglichen würden.

1999 sagte der ehemalige hohe US-General Lee Butler, dass die Welt während des kalten Krieges dem atomaren Holocaust nur durch eine Mischung von Sachverstand, Glück und göttlicher Fügung entgangen sei, wobei er befürchtete, dass die letztere den größten Anteil daran gehabt hätte.

Die meisten Menschen wissen wenig über Atomwaffen, sie wollen auch gar nicht so viel darüber wissen, weil das Ängste erzeugt. Und weil sie denken, sie hätten keinen Einfluss darauf, verdrängen sie dieses Thema. Dabei kommt es meiner Meinung nach darauf an, beharrlich und mit immer mehr „man und female power“ auf die Regierungen einzuwirken, um die Atomwaffen und Atomenergie abzuschaffen.

Die Lage ist weiterhin gefährlich. Ähnlich wie GAU e passieren, zwar selten, aber eben doch, kann es zu einem Einsatz von Atomwaffen kommen. Der einzige Schutz davor ist die Abschaffung mit guter Kontrolle.

ICAN verweist, wie oben gesagt, auf die Konventionen zu biologischen, chemischen Waffen, Landminen und Streubomben, und fordert eine entsprechende Konvention für Atomwaffen. Das muss rechtzeitig geschehen, bevor eine Sicherung durchbrennt.

Für mich ist die Abschaffung der Atomwaffen eines der wichtigsten Themen, wenn nicht sogar das wichtigste. Deswegen schlage ich vor, dass wir in Braunschweig mit einer

ständigen Arbeitsgruppe des Friedensbündnisses mit freier Beteiligung daran mitwirken sollten, die Gefahren und Lösungsmöglichkeiten bewusst zu machen.

Ich schlage als Termin für ein erstes Treffen Donnerstag, den 14.3., einen Tag nach dem Friedensbündnistreff am 13.3., um 19:00 Uhr im G3 im zweiten Stock der Brunsviga vor

Mögliche Handlungsansätze könnten sein:

–         Kontakt zum lokalen Roten Kreuz aufnehmen, das einen internationalen Beschluss gegen Atomwaffen abgefasst hat

–         Kontakt zu Reservistenvereinigungen und fragen, ob sie uns unterstützen

–         Kontakt zum OB von BS, weil er ein Mayor for Peace ist, und zur

–         deutschen Mayors for Peace-Bewegung mit der Frage, ob auch dort eine Arbeitsgruppe dazu beim nächsten Treffen tagen sollte.

–         Kontakt zur IPPNW, und zu der http://www.atomwaffenfrei.de/-Bewegung,

–         zur ICAN-Zentrale mit der Anfrage, wie wir sie unterstützen können

–         Für Unterstützung von ICAN in Deutschland und der ganzen Welt werben

–         Informieren über die Non Proliferation Treaty = NPT-Konferenzen mit einer Bewertung

Wer von Euch würde bei einer solchen Arbeitsgruppe mitmachen?

Und wen könnten wir noch dazu gewinnen?

Diskussion des Vortrags,

Diskussion des Vorschlags:

Schluss:

–         Bei Vortrag Hiroshimaufer erwähnen,

–         die Bürgermeisterin Annegret Ibe begrüßen,

–         auf  Mayors for Peace hinweisen,

–          Material mitnehmen

–          Nun möchte ich nochmals auf das nächste Bündnistreffen am Mittwoch, 13. März, 20:00 Uhr im Wendentorwall 20 hinweisen.

–          Außerdem auf unsere nächsten Sendungen: jeweils am 3. Mittwoch im Monat auf Radio Okerwelle 104,6. Sie wird immer am 3. Donnerstag im Monat um 10:00 Uhr dort wiederholt.

–          Unsere Sendung über Atomwaffen kann nachgehört werden auf dem Blog von Hans Kottke(an die Tafel schreiben): www.hanskottke.de/wordpress/

–          Dazu liegen Materialien neben der Tür.

Dr. med. Helmut Käss

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0176 381 376 31, http://www.helmutkaess.de/Wordpress/

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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