Friedenskonferenz Mü 2015, zu Aggression und Gewaltlosigkeit

 Fr. 6.2., 19.00 Uhr, Altes Rathaus, Marienplatz, Eingang in der Passage: Internationales Forum
  1. Friedenskonferenz, Clemens Ronnefeld, Freising, Versöhnungsbundreferent

Zuerst sprach Frau Beatrix Zurek, Stadträtin der Stadt München, in Vertretung des OB, die das Grußwort der Landeshauptstadt München hielt: Die Welt ist weiter denn je von einer friedlichen Entwicklung entfernt, es gab Attentate von unglaublicher Brutalität. 51 mal fanden Wehrkundetagen statt, die diskutieren über Sicherheit, aber die die Welt wurde dadurch nicht sicherer, noch mehr Krieg ist nicht die Lösung. Ein Zitat von Goethe. Allen Gewalten zum Trutz sich enthalten.

Zwischen den Beiträgen spielte ein Mann von den USA gute Musik, geboren in Dakar.

Dann sagte Clemens Ronnefeld, Hans Peter Dürr ist gestorben, der entscheidend für das Vorbereitungskomitee im Jahr 2003, im Jahr des Irakkrieges war. „Hans Peter, wir werden Dein Erbe, unbequemer Mahner zu sein, fortsetzen.“ Schwerpunkte in diesem Jahr war einmal gestern Uwe Krüger, der über große deutsche Leitmedien sprach. Zum Beispiel den Bericht im Spiegel: “stoppt Putin jetzt“, wer stoppt diese Art der konfliktverschärfenden Medienberichte? Es geht vielen Menschen schlecht, ungleiche politische Beurteilungen kann man an der Hebdo Karikatur von einigen Jahren und der Nachempfindung eines 16 Jährigen sehen, (Fotos) der für seinen Facebook Eintrag verhaftet wurde. Bush und Blair gehören nach seiner Meinung vor ein internationales Gericht. Ein Franzose schrieb ein Fachbuch über das Auseinandergehen von Arm/Reich. Es geht um eine Umkehr der Umverteilung, es geht um Gerechtigkeit

und jetzt geht es um einen Vortrag: Gewaltfreier Widerstand ist erfolgreich!

Erica Chenoweth, Ph.D., Denver, USA, Gewaltfreier Widerstand ist erfolgreich, Autorin der Studie: “Why Civil Resistance works” hat abgesagt!  Dr. Susanne Luithlen, Forum Ziviler Friedensdienst, übernimmt den Vortrag

Frau Dr. Susanne Luithlen:     Gewaltfreier Widerstand ist erfolgreich

Es geht um die Wirksamkeit gewaltfreier Aktionen. Erika C. bezeichnete sich als Konvertitin, sie habe erst an die Wirksamkeit der Gewalt geglaubt. Sie habe seit dem zweiten Weltkrieg (?) alle Aufstände mit mehr als 1000 Personen untersucht, wo es um Besatzungsmacht, Sezession oder Territoriumsveränderung ging: 1/3 waren gewaltfrei, 2/3 waren gewaltsam, was ist wirksamer? Die gewaltfreien Kampagnen seien doppelt so häufig erfolgreich wie gewaltanwendende gewesen, zu etwa 50%. Die Ursache sei die Gewaltfreiheit selber. Dort sei der Erfolg aus der Bewegung selber begründet. Dagegen sei es bei der gewaltsamen Konfliktaustragung besondere erfolgreich, wenn äußere Mächte sich beteiligen, so wie die UCK versuchte, die Nato zu einem Angriff auf Jugoslawien zu bewegen. Daher bestehe in diesen Fällen ein Vorteil, wenn geschossen wird. Bei beiden Formen ist es ausschlaggebend für den Erfolg, dass möglichst viele Menschen sich beteiligen. Da ist es wiederum ein strategischer Vorteil der Gewaltlosigkeit, dass sie viele Möglichkeiten hat, die Aktivität zu dosieren, so zum Beispiel, ob man irgendwo hingehen oder nicht gehen solle. Bei gewaltsamen Konflikten seien meist Männer von 18-28 überwiegend vertreten. Um die Regimemacht zu erodieren, sei die gewaltlose Methode näher an den „Pillars for support“, man müsse sich in die Nähe begeben und die Fühler ausstrecken, dürfe nicht angreifen und nicht beschimpfen, man müsse das systemisch betrachten, die Ambivalenz sei bei gewaltlosen Bewegungen viel größer, aber das sei auch ein Vorteil, da auch die Mächtigen zu großen Teilen ambivalent seien. Grenzen, die nicht definierbar sind, nicht “die Guten und die Bösen“. Zum Beispiel können Polizisten sich zur Protestbewegung hingezogen fühlen.

Keine Macht ist monolithisch, es gibt immer Ambivalenzmöglichkeiten, sie ist nie so monolithisch, wie es von außen scheint. Das Regime müsse sich, um die Macht zu erhalten, jedes Mal in der Aktion bestätigen. Bei Gewaltfreiheit könne sich die Interessenlage der Machthabenden ändern, Gruppen, von denen ein Regime abhängt, seien diesem gegenüber wirkungsvoll. Gewaltfreiheit der ausgegrenzten Juden sei gegen die Nazis nicht erfolgreich gewesen, wohl aber die der nichtjüdischen Bevölkerung, auf die sei Hitler angewiesen gewesen, (was auch im dem Buch „Gewaltfrei gegen Hitler“ nachgewiesen wird). Die Ausgegrenzten müssten sich bemühen, Dritte ins Spiel zu bringen. Dagegen dürfe bei gewaltsamer Eskalation, „ich gut, der schlecht“ keiner mehr neutral sein. Gewaltfreiheit versuche dagegen, die Ambivalenzen zu unterstützen. Gesellschaften müssten lernen, unsere Ambivalenz auszuhalten, wir müssten das aus der deutschen Geschichte lernen. Es sei kein Zeichen für Verantwortung, wenn wir uns wieder trauen, auf Leute zu schießen. Es sei aber falsch, davon zu sprechen, dass Gauck schlecht sei, sondern die richtige Einstellung sei, dass er Unsinn rede. Wir müssten aufhören, in Gut/Schlecht zu denken…

Dann kam der Vortrag: Menschliche Aggression und Friedenskompetenz aus Sicht der Hirnforschung. Autor von „Prinzip Menschlichkeit“ und „Schmerzgrenze“, Bauer lehrt in Freiburg.

Prof. Dr. Joachim Bauer, Freiburg

Gewalt ist kein Naturgesetz

„Ich gehöre zu den Fossilien, die den Kriegsdienst vor einem Gericht verweigerten“. Er erklärte dem Richter, das (schlechte) Protokoll unterschreibe ich nicht, worauf der, weil er zum Mittagessen wollte, gereizt sagte, dann diktieren Sie es doch meiner  Sekretärin selbst. Damit bekam er seine Anerkennung.

Es habe Neurobiologische Gründe, warum Frau Luithlen Recht habe. Der Aggressionstrieb wurde vermutet, Freud habe dies „verbrochen“, den Einstein mit anderen wegen der heraufziehendem Gefahr eines neuen Weltkriegsim Auftrag des Völkerbund befragte.

Siegmund F sagte, die Tötung des Feindes sei eine triebhafte Neigung. Konrad Lorenz, der viele Verdienst habe, aber seine erste Professur unter den Nazis bekommen hätte und sich bei denen eingeschleimt habe, habe da auch falsch gelegen.

Was treibt den Menschen? Die Motivation aus neurobiologischer Sicht. Darwin sagte, er vermute „Pleasurer sensations“, Zentren, die gute Gefühle machen und das habe sich bestätigt. Es gibt Nervennetzwerke im Mittelhirn, mit Botenstoffen mit Motivations- und Belohnungssystemen. Was muss einwirken, was muss ich machen? : soziale Erfahrung, Akzeptanz, Zuwendung wird in stoffliche Formen überführt…. Dies kann man im MRT sichbar machen. Gute Gefühle, (er wechselt die Seite des Saals, damit sich die andere Saalhälfte besser fühlt) in jeder Minute, aus der sozialen Biologie, das sei die wahre Sucht des Menschen. „Is social an addictive disorder?“ Dies ist die Riesensehnsucht, neurobiologisch ticken wir so. Da trägt auch Sport zu bei, daher bewegen sich die Kleinen. Ebenfalls Musik, „bevor sie Antidepressiva versuchen, versuchen sie es mit einem Chor“….

Wenn man jemand schädigt, reagieren dann die Glückgefühle?

Bei 95-97% der psychisch durchschnittlich gesunden Menschen, die nicht provoziert wurden, sei das nicht der Fall. Charles Darwin betrachtete zu Recht die Aggression als reaktives Programm. Und Darwin sagte, es gelte, die Liebe derer zu gewinnen, mit denen wir zusammenleben. “Der Aggressionstrieb ist tot”, aber die Aggression lebt. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass Männer, die gewalttätig sind, nicht gesund sind! Das Motivationssystem hat auch eine böse Seite. Wir sind bereit, Böses zu tun, um zugehörig zu sein. Das gibt es zum Beispiel bei Kommentaren bei Facebook, die man gar nicht meine, sondern die man mache, um “likes“ zu bekommen… (Pegida lässt grüßen)

Wir sind bereit. Outgroups zu definieren, um Ingroups zu schaffen, damit hat Hitler Erfolg gehabt, nichts passte zusammen. (Ebenfalls Pegida…) Er schuf das Phantasma einer Volksgemeinschaft, Outgroups: Juden, Szinti und Roma und Kommunisten. „Da draußen bist Du ein Niemand, hier bist Du ein Jemand.“. Man muss gucken, dass die Leute sich auf zivile Weise zugehörig fühlen, damit sie nicht auf Rattenfänger hereinfallen.

Wie werden sie aggressiv? Der Schmerz schafft das, klemmen Sie sich die Hand, „so wie mir das jüngst passierte“, das macht solche Wut, obwohl man selbst schuld war. Die menschliche Natur versuche dadurch, die körperliche Unversehrtheit durch Aggression zu bewahren. Die Schmerzmatrix reagiere auch, wenn ich jemand demütige. Das ist ähnlich wie körperlicher Schmerz. Früher in der Steinzeit war der nach kurzer Zeit tot, der ausgeschlossen wurde. Wenn jemand privat und beruflich gut vernetzt seien, reagierten die Schmerzrezeptoren viel schwächer. Auch bei dem, der zuschaue, reagierten die Schmerzrezeptoren, Abu Graib sei das Schmerzprogramm im Irak gewesen.. Auch die Diskrepanz Reich/Arm sei auch Ausgrenzung und werde als Schmerz empfunden, obwohl das Gehirn nicht kommunistisch sei. Dabei gehe es um eine Fairness Grenze. In Ländern mit stärkerer Ungleichheit, gibt es einen Index, den Gini Index, (ital Soziologe) Wenn der Index krass ist, müsste Gewalt höher sein, und so ist es. (dazu auch der wilkinson-Link )

Die politische Dimension daraus sei, Gewalt sei kein Naturgesetz.

Wieso gelinge es, Kriege anzuzetteln?

Stellen Sie sich vor, jemand schneidet mit einem Fleischermesser bei der gemeinsamen Essensvorbereitung Zwiebeln und hat sich, zack, die Fingerkuppe abgeschnitten… Da haben Leute aus dem Publikum reagiert, gestöhnt, „das machen die Spiegelneurone“, wenn wir sehen, dass andere leiden, …

Jetzt denken Sie daran, dass andere Menschen uns fair oder unfair behandelt hätten. Bei Frauen mache der Unterschied beim Betrachten von deren Schmerz die Hälfte der Mitreaktion aus. Männer dagegen reagierten bei Leuten, die sie als unfair empfinden, sogar mit Lust, wenn diese Schmerzen erleiden. Also müssten andere Gruppen und Völker dehumanisiert werden, sie müssten als „schlimme Finger“ dargestellt werde, die Kinder misshandeln und Säuglingsystemen den Strom abschalten, wie bei dem Irakkrieg in Kuweit.

Oder die Massenvernichtungssysteme im Irak. Später werde das aufgeklärt, aber dann sei der Krieg schon vorbei…

Das wichtigste Gegengewicht : Bildung und Aufklärung,  nimm mal die Position des anderen ein…

 

 

 

 

 

 

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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