Wolfgang Richter
Ukraine-Krieg: Die neue Realität nach der US-Kehrtwende
Strategische Interessen, geopolitische Verschiebungen und neue Verhandlungsansätze. Interview mit dem renommierten Sicherheitsexperten Oberst a. D. Wolfgang Richter (Teil 1).
Es lohnt sich sehr den Beitrag des ehem. obersten dt. Militär bei der OSZE und früheren Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik zu lesen. Er bietet eine solide Basis für Diskussionen darüber.
16.3.25: Jeffrey Sachs, das Video und die Abschrift der Rede im Europaparlament… https://wp.me/paI27O-62d
16.3.25: Jeffrey Sachs, das Video und die Abschrift der Rede im Europaparlament… Zuerst die Rede. Danach noch 5 Seiten Diskussion und Anmerkungen, auch sehr gut. Publiziert am 16. März 2025 von admin
Es ist ein wunderbarer Vortrag. Schau Dir z.B. bitte auch die Antwort auf zwei Fragen an, die bei dem Video 10 Minuten vor Schluss bei 1.23.38 beginnen…
Professor Jeffrey D. Sachs: «Der Krieg in der Ukraine ist vorbei. Der Verlierer, der durch Verhandlungen gerettet werden wird, ist die Ukraine. Der zweite Verlierer ist: Europa» Weltwoche
60 Min Dieser Text ist die überarbeitete Abschrift von Professor Jeffrey Sachs Rede «Die Geopolitik des Friedens» vor dem Europäischen Parlament vom 19. Februar 2025. Wir dokumentieren sie im Wortlaut und übersetzt.
Einleitung
Michael, vielen Dank, und vielen Dank an Sie alle für die Gelegenheit, zusammen zu sein und gemeinsam nachzudenken. Dies ist in der Tat eine komplizierte und sich schnell verändernde Zeit und eine sehr gefährliche.
Daher brauchen wir wirklich klare Gedanken. Ich bin besonders an unserem Gespräch interessiert, daher werde ich versuchen, mich so kurz und klar wie möglich auszudrücken. Ich habe die Ereignisse in Osteuropa, der ehemaligen Sowjetunion, Russland und der Ukraine in den letzten 36 Jahren sehr genau beobachtet.
Ich war 1989 Berater der polnischen Regierung, 1990 und 1991 Berater des Wirtschaftsteams von Präsident Gorbatschow, 1991 bis 1993 Berater des Wirtschaftsteams von Präsident Jelzin und 1993 bis 1994 Berater des Wirtschaftsteams von Präsident Kutschma in der Ukraine.
Ich half bei der Einführung der estnischen Währung. Ich habe mehreren Ländern im ehemaligen Jugoslawien geholfen, insbesondere Slowenien. Nach dem Maidan wurde ich von der neuen Regierung gebeten, nach Kiew zu kommen, und ich wurde über den Maidan geführt und habe viele Dinge aus erster Hand erfahren.
Ich stehe seit mehr als 30 Jahren in Kontakt mit russischen Führungspersönlichkeiten. Ich kenne auch die amerikanische politische Führung aus nächster Nähe.
Unsere ehemalige Finanzministerin Janet Yellen war vor 52 Jahren meine wunderbare Makroökonomie-Lehrerin. Wir sind seit einem halben Jahrhundert befreundet. Ich kenne diese Menschen.
Ich sage das, weil das, was ich aus meiner Sicht erklären möchte, nicht aus zweiter Hand ist. Es ist keine Ideologie. Es ist das, was ich in dieser Zeit mit eigenen Augen gesehen und erlebt habe.
Ich möchte Ihnen meine Sicht der Ereignisse darlegen, die Europa in vielerlei Hinsicht heimgesucht haben, und ich werde nicht nur die Ukraine-Krise, sondern auch Serbien 1999, die Kriege im Nahen Osten, einschliesslich Irak, Syrien, die Kriege in Afrika, einschliesslich Sudan, Somalia, Libyen, mit einbeziehen.
Diese sind zu einem sehr grossen Teil das Ergebnis einer zutiefst fehlgeleiteten US-Politik. Was ich sagen werde, mag Sie überraschen, aber ich spreche aus Erfahrung und Kenntnis dieser Ereignisse.
Die Geopolitik des Friedens
US-Aussenpolitik
Diese Kriege wurden von den Vereinigten Staaten angeführt und verursacht. Und das schon seit mehr als 30 Jahren. Die Vereinigten Staaten kamen zu der Ansicht, insbesondere in den Jahren 1990 bis 91 und dann mit dem Ende der Sowjetunion, dass die USA nun die Welt regieren und dass die USA auf niemandes Ansichten, rote Linien, Bedenken, Sicherheitsstandpunkte, internationale Verpflichtungen oder irgendeinen Uno-Rahmen Rücksicht nehmen müssen.
Es tut mir leid, dass ich es so deutlich sagen muss, aber ich möchte, dass Sie es verstehen.
Ich habe mich 1991 sehr bemüht, finanzielle Hilfe für Gorbatschow zu erhalten,[2] den ich für den grössten Staatsmann unserer modernen Zeit halte. Vor kurzem habe ich das archivierte Memo der Diskussion des Nationalen Sicherheitsrates über meinen Vorschlag vom 3. Juni 1991 gelesen und zum ersten Mal erfahren, wie das Weisse Haus ihn völlig ablehnte und meinen Appell an die USA, der Sowjetunion bei der finanziellen Stabilisierung und mit Finanzhilfen zur Durchführung ihrer Reformen zu helfen, im Grunde vom Tisch lachte.
Das Memo dokumentiert, dass die US-Regierung beschloss, nur das Nötigste zu tun, um eine Katastrophe zu verhindern, aber eben nur das Nötigste.[3] Sie beschlossen, dass es nicht die Aufgabe der USA sei, zu helfen. Ganz im Gegenteil.[4]
Als die Sowjetunion 1991 unterging, wurde diese Ansicht noch übertriebener. Ich kann Kapitel und Verse nennen, aber die Ansicht war, dass wir [die USA] das Sagen haben. Cheney, Wolfowitz und viele andere Namen, die Sie inzwischen kennen werden, glaubten buchstäblich, dass dies jetzt eine Welt der USA ist und wir tun werden, was wir wollen.
Wir werden die ehemalige Sowjetunion aufräumen. Wir werden alle verbliebenen Verbündeten aus der Sowjetzeit ausschalten. Länder wie der Irak, Syrien und so weiter werden verschwinden. Und diese Aussenpolitik erleben wir nun schon seit 33 Jahren.
Europa hat einen hohen Preis dafür gezahlt, weil Europa in dieser Zeit keine Aussenpolitik hatte, soweit ich das beurteilen kann. Keine Stimme, keine Einheit, keine Klarheit, keine europäischen Interessen, nur amerikanische Loyalität.
Es gab Momente, in denen es Meinungsverschiedenheiten gab, und ich denke, es waren sehr wunderbare Meinungsverschiedenheiten. Das letzte Mal von Bedeutung war 2003 im Vorfeld des Irakkriegs, als Frankreich und Deutschland sagten, dass wir die Vereinigten Staaten nicht dabei unterstützen, den Uno-Sicherheitsrat für diesen Krieg zu umgehen.Dieser Krieg wurde direkt von Netanjahu und seinen Kollegen im US-Pentagon angezettelt.[5]
Ich sage nicht, dass es eine Verbindung oder Gegenseitigkeit gab. Ich sage, dass es ein Krieg war, der für Israel geführt wurde. Es war ein Krieg, den Paul Wolfowitz und Douglas Feith mit Netanjahu koordinierten. Und das war das letzte Mal, dass Europa eine Stimme hatte.
Ich habe damals mit europäischen Staats- und Regierungschefs gesprochen, und sie waren sehr deutlich, und es war wunderbar, ihre Ablehnung eines inakzeptablen Krieges zu hören. Danach, aber vor allem im Jahr 2008, verlor Europa seine Stimme vollständig.
Was nach 1991 geschah, und um uns auf das Jahr 2008 zu bringen, ist, dass die Vereinigten Staaten beschlossen, dass Unipolarität bedeutete, dass die Nato sich schrittweise von Brüssel bis Wladiwostok ausdehnen würde.
Nato-Erweiterung
Die Osterweiterung der Nato würde kein Ende nehmen. Dies wäre die unipolare Welt der USA. Wenn Sie als Kind wie ich das Spiel «Risiko» spielen, ist dies die Idee der USA: die Figur auf jedem Teil des Spielbretts zu haben. Jeder Ort ohne eine US-Militärbasis ist im Grunde ein Feind. Neutralität ist ein Schimpfwort im politischen Lexikon der USA.
Neutralität ist in der US-Denkweise vielleicht das schmutzigste Wort. Wenn man ein Feind ist, wissen wir, dass man ein Feind ist. Wenn man neutral ist, ist man ein Subversiver, weil man eigentlich gegen uns ist, es uns aber nicht sagt. Man gibt nur vor, neutral zu sein. Das war also tatsächlich die Denkweise, und die Entscheidung wurde 1994 formell getroffen, als Präsident Clinton die Nato-Osterweiterung absegnete.
Sie werden sich daran erinnern, dass Hans-Dietrich Genscher und James Baker III am 7. Februar 1990 mit Gorbatschow sprachen. Genscher gab anschliessend eine Pressekonferenz, in der er erklärte, dass die Nato sich nicht nach Osten ausdehnen werde.[6]
Deutschland und die USA würden die Auflösung des Warschauer Pakts nicht ausnutzen. Bitte verstehen Sie, dass diese Verpflichtung in einem juristischen und diplomatischen Kontext eingegangen wurde, nicht in einem beiläufigen Kontext. Diese Verpflichtungen waren von zentraler Bedeutung für die Verhandlungen zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs, die den Weg für die deutsche Wiedervereinigung ebneten.
Es wurde vereinbart, dass die Nato sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen wird.[7] Und das wurde ausdrücklich festgelegt und ist in unzähligen Dokumenten festgehalten. Wenn Sie im National Security Archive der George Washington University nachschlagen, finden Sie Dutzende von Dokumenten.[8]
Es handelt sich um eine Website mit dem Titel «What Gorbachev Heard About Nato». Schauen Sie sich das bitte an, denn alles, was Ihnen die USA über dieses Versprechen erzählen, ist eine Lüge, aber die Archive sind vollkommen eindeutig.
Also wurde 1994 von Clinton die Entscheidung getroffen, die Nato bis in die Ukraine auszudehnen. Dies ist ein langfristiges Projekt der USA. Es ist nicht auf die eine oder andere Regierung zurückzuführen. Es handelt sich um ein Projekt der US-Regierung, das vor mehr als 30 Jahren begann. 1997 schrieb Zbigniew Brzezinski «The Grand Chessboard» und beschrieb darin die Nato-Osterweiterung.
Dieses Buch ist nicht nur das Hirngespinst von Herrn Brzezinski. Es ist seine öffentliche Präsentation von Entscheidungen, die die Regierung der Vereinigten Staaten bereits getroffen hat, und so funktioniert ein Buch wie dieses. Das Buch beschreibt die Osterweiterung Europas und der Nato als gleichzeitige und miteinander verbundene Ereignisse. Und es gibt ein gutes Kapitel in diesem Buch, in dem gefragt wird, was Russland tun wird, wenn Europa und die Nato sich nach Osten ausdehnen?
Ich kannte Zbig Brzezinski persönlich. Er war sehr nett zu mir. Ich habe Polen beraten und er war eine grosse Hilfe. Er war auch ein kluger Mann, und dennoch lag er 1997 mit allem falsch.
1997 schrieb er ausführlich, warum Russland nichts anderes tun könne, als der Osterweiterung der Nato und Europas beizutreten.[9] Tatsächlich sagt er, die Osterweiterung Europas und nicht nur Europas, sondern auch der Nato. Dies war ein Plan der USA, ein Projekt. Und Brzezinski erklärt, dass Russland sich niemals China anschliessen wird. Undenkbar. Russland wird sich niemals dem Iran anschliessen.
Laut Brzezinski hat Russland keine andere Berufung als die europäische. Wenn sich Europa also nach Osten bewegt, kann Russland nichts dagegen tun. So sagt es ein weiterer amerikanischer Stratege. Ist es eine Frage, warum wir ständig im Krieg sind? Weil wir in Amerika immer «wissen», was unsere Gegenspieler tun werden, und wir liegen immer falsch!
Und ein Grund, warum wir immer falsch liegen, ist, dass man in der nicht-kooperativen Spieltheorie, die amerikanische Strategen spielen, nicht wirklich mit der anderen Seite spricht. Man weiss einfach, welche Strategie die andere Seite verfolgt. Das ist wunderbar. Das spart so viel Zeit. Man braucht einfach keine Diplomatie.
iii. Die Schwarzmeerstrategie
Dieses Projekt wurde also 1994 ernsthaft in Angriff genommen, und wir haben 30 Jahre lang eine kontinuierliche Regierungspolitik verfolgt, bis gestern vielleicht.[10] Ein dreissigjähriges Projekt. Die Ukraine und Georgien waren der Schlüssel zu diesem Projekt. Warum? Weil Amerika alles, was es weiss, von den Briten gelernt hat.
Wir sind das Möchtegern-Britische Empire. Und was das Britische Empire 1853 mit Mr. Palmerston, entschuldigen Sie, Lord Palmerston [zusammen mit Napoleon III], verstanden hat, ist, dass man Russland im Schwarzen Meer umzingelt und Russland den Zugang zum östlichen Mittelmeer verwehrt.
Was Sie hier beobachten, ist ein amerikanisches Projekt, das im 21. Jahrhundert dasselbe tun soll. Die Idee der USA war, dass die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien alle der Nato angehören würden, was Russland jeglichen internationalen Status nehmen würde, indem das Schwarze Meer blockiert und Russland im Wesentlichen als wenig mehr als eine lokale Macht neutralisiert würde. Brzezinski ist sich über diese Geographie im Klaren.
Nach Palmerston und vor Brzezinski gab es natürlich Halford Mackinder im Jahr 1904: «Wer Osteuropa beherrscht, beherrscht das Kernland; wer das Kernland beherrscht, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel beherrscht, beherrscht die Welt.»[11]
Ich habe die Präsidenten und/oder ihre Teams gekannt. Von Clinton über Bush Jr. und Obama bis hin zu Trump und Biden hat sich nicht viel geändert. Vielleicht sind sie Schritt für Schritt schlechter geworden.
Biden war meiner Meinung nach der Schlimmste. Vielleicht liegt das auch daran, dass er in den letzten Jahren nicht bei Verstand war. Das meine ich ernst, nicht als bissige Bemerkung.
Das amerikanische politische System ist ein Schein-System, System der täglichen Medienmanipulation. Es ist ein PR-System. Man könnte einen Präsidenten haben, der im Grunde genommen nicht funktioniert, und diese Person zwei Jahre lang an der Macht haben und zur Wiederwahl antreten.
Das Einzige, was er tun musste, war, 90 Minuten lang allein auf einer Bühne zu stehen, und das war’s dann. Wäre dieser Fehler nicht passiert, hätte er seine Kandidatur fortgesetzt, egal ob er nach 16 Uhr nachmittags geschlafen hat oder nicht. Das ist also die Realität. Alle machen mit. Es ist unhöflich, das zu sagen, was ich sage, denn wir sprechen derzeit über fast nichts auf dieser Welt die Wahrheit.
Dieses Projekt lief also seit den 1990er Jahren. Die Bombardierung Belgrads an 78 Tagen im Jahr 1999 war Teil dieses Projekts. Die Spaltung dieses Landes, obwohl Grenzen «unantastbar» sind, nicht wahr?
Außer im Fall des Kosovo.
Grenzen sind unantastbar, es sei denn, Amerika ändert sie.
Die Spaltung des Sudan war ein weiteres damit verbundenes US-Projekt. Denken Sie an den Aufstand im Südsudan. Ist das einfach passiert, weil die Südsudanesen rebelliert haben? Oder soll ich Ihnen das CIA-Drehbuch vorlesen?
Lassen Sie uns bitte als Erwachsene verstehen, worum es hier geht. Militärische Kampagnen sind kostspielig. Sie erfordern Ausrüstung, Ausbildung, Basislager, Geheimdienst und Finanzen. Diese Unterstützung kommt von Großmächten. Sie kommt nicht von lokalen Aufständen.
Der Südsudan hat den Sudan nicht in einer Stammesfehde besiegt. Die Spaltung des Sudan war ein Projekt der USA. Ich war oft in Nairobi und bin dort auf US-Militärs, Senatoren oder andere Personen mit einem «tiefen Interesse» an der Innenpolitik des Sudan gestoßen. Dieser Krieg war Teil des Spiels der Unipolarität der USA.
US-Aussenpolitik und Nato-Erweiterung
Wie Sie wissen, begann die Nato-Erweiterung 1999 mit Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik. Russland war darüber äußerst unglücklich, aber diese Länder lagen noch weit von der russischen Grenze entfernt. Russland protestierte, aber natürlich ohne Erfolg. Dann kam George Bush Jr. ins Amt. Als der 11. September geschah, versprach Präsident Putin den USA jegliche Unterstützung. Und dann beschlossen die USA um den 20. September 2001 herum, dass sie in fünf Jahren sieben Kriege beginnen würden!
Sie können sich auf Video anhören, wie General Wesley Clark darüber spricht.[12] Er war 1999 Oberbefehlshaber der Nato. Er ging um den 20. September 2001 herum ins Pentagon. Man reichte ihm ein Blatt Papier, auf dem die Aussicht auf sieben Kriege nach Wahl der USA erläutert wurde. Dies waren in der Tat Netanyahus Kriege.
Der Plan der US-Regierung bestand zum Teil darin, alte sowjetische Verbündete zu beseitigen und zum Teil darin, Anhänger der Hamas und der Hisbollah auszuschalten.
Netanyahus Idee war und ist, dass es in ganz Palästina vor 1948 einen Staat geben wird, danke. Ja, nur einen Staat. Es wird Israel sein. Israel wird das gesamte Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer kontrollieren. Und wenn jemand Einwände hat, werden wir ihn stürzen.
Nun, nicht Israel, genau genommen, sondern genauer gesagt unseren Freund, die Vereinigten Staaten. Das war bis heute Morgen die Politik der USA. Wir wissen nicht, ob sich das ändern wird. Das einzige Problem ist jetzt, dass die USA vielleicht «Eigentümer von Gaza» sein werden [laut Präsident Trump], anstatt dass Israel Eigentümer von Gaza ist.
Netanyahus Idee gibt es schon seit mindestens 25 Jahren. Sie geht auf ein Dokument namens «Clean Break» zurück, das Netanyahu und sein amerikanisches politisches Team 1996 zusammenstellten, um die Idee der Zweistaatenlösung zu beenden. Sie können dieses Dokument auch online finden.[13]
Es handelt sich also um langfristige US-Projekte. Es ist falsch zu fragen: «Ist es Clinton? Ist es Bush? Ist es Obama?» Das ist die langweilige Art, die amerikanische Politik zu betrachten, als ein Spiel von Tag zu Tag oder von Jahr zu Jahr. Aber so ist die amerikanische Politik nicht.
Nach 1999 kam 2004 die nächste Runde der Nato-Erweiterung mit sieben weiteren Ländern: den drei baltischen Staaten, Rumänien, Bulgarien, Slowenien und der Slowakei. Zu diesem Zeitpunkt war Russland ziemlich verärgert.
Diese zweite Welle der Nato-Erweiterung war ein völliger Verstoß gegen die Nachkriegsordnung, die zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung vereinbart worden war. Im Grunde war es ein grundlegender Betrug oder Verrat der USA an einer kooperativen Vereinbarung mit Russland.
Wie sich jeder erinnert, weil wir gerade letzte Woche die Münchner Sicherheitskonferenz hatten, ging Präsident Putin 2007 zur MSC, um zu sagen: «Stopp, genug ist genug.» Natürlich haben die USA nicht zugehört.[14]
2008 drückten die Vereinigten Staaten Europa ihr langjähriges Projekt auf, die Nato auf die Ukraine und Georgien auszuweiten. Dies ist ein langfristiges Projekt. Ich hörte Herrn Saakaschwili im Frühjahr 2008 in New York City zu, als er vor dem Council on Foreign Relations sprach. Er sagte uns, dass Georgien im Herzen Europas liege und daher der Nato beitreten würde. Ich bin rausgegangen, habe meine Frau angerufen und gesagt: «Dieser Mann ist verrückt, er wird sein Land in die Luft jagen.»
Einen Monat später brach ein Krieg zwischen Russland und Georgien aus, in dem Georgien besiegt wurde. Die jüngsten Ereignisse in Tiflis sind für Georgien erneut nicht hilfreich, da Ihre Europaabgeordneten dorthin reisen, um Proteste anzuheizen. Das rettet Georgien nicht, das führt zur Zerstörung Georgiens, zur vollständigen Zerstörung.
Wie jeder weiß, schickte unser ehemaliger CIA-Direktor William Burns, der damals US-Botschafter in Russland war, 2008 ein langes diplomatisches Telegramm an Außenministerin Condoleezza Rice, das den berühmten Titel «Nyet means Nyet» trug.[15] Burns‘ Botschaft lautete, dass die gesamte politische Klasse Russlands, nicht nur Präsident Putin, gegen die Nato-Erweiterung sei.
Wir wissen von dem Telegramm nur durch Julian Assange. Glauben Sie mir, das amerikanische Volk erfährt heutzutage von unserer Regierung oder unseren führenden Zeitungen kein Wort über irgendetwas in dieser Angelegenheit. Wir haben also Julian Assange für das Memo zu danken, das wir im Detail lesen können.
Wie Sie wissen, wurde Viktor Janukowitsch 2010 auf der Grundlage der Neutralität der Ukraine zum Präsidenten gewählt. Russland hatte keinerlei territoriale Interessen oder Pläne in der Ukraine.
Ich weiß das, weil ich in diesen Jahren immer wieder dort war. Was Russland 2010 verhandelte, war ein 25-jähriger Pachtvertrag bis 2042 für den Marinestützpunkt Sewastopol. Das war alles. Es gab keine russischen Forderungen nach der Krim oder nach dem Donbass. Nichts dergleichen.
Die Vorstellung, Putin würde das russische Reich wieder aufbauen, ist kindische Propaganda. Entschuldigung.
Wenn jemand die Geschichte von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr kennt, dann ist das kindisches Zeug. Aber kindisches Zeug scheint besser zu funktionieren als erwachsenes Zeug.
Vor dem Putsch von 2014 gab es also überhaupt keine Gebietsansprüche. Dennoch beschlossen die Vereinigten Staaten, dass Janukowitsch gestürzt werden müsse, weil er für Neutralität war und die Nato-Erweiterung ablehnte. Das nennt man eine Operation zum Regimewechsel.
Seit 1947 gab es etwa hundert Regime-Change-Operationen der USA, viele davon in Ihren Ländern [an die Abgeordneten gerichtet] und viele auf der ganzen Welt.[16] Das ist der Beruf der CIA. Bitte seien Sie sich dessen bewusst. Das ist eine sehr ungewöhnliche Art von Außenpolitik.
Wenn man in der amerikanischen Regierung die andere Seite nicht mag, verhandelt man nicht mit ihr, sondern versucht, sie zu stürzen, vorzugsweise verdeckt. Wenn es verdeckt nicht funktioniert, macht man es offen. Man sagt immer, es sei nicht unsere Schuld. Sie sind der Aggressor. Sie sind die andere Seite.
Sie sind «Hitler». Das kommt alle zwei oder drei Jahre auf. Ob es nun Saddam Hussein ist, ob es Assad ist, ob es Putin ist, das ist sehr bequem. Das ist die einzige außenpolitische Erklärung, die dem amerikanischen Volk jemals gegeben wird.
Nun, wir stehen vor München 1938. Wir können nicht mit der anderen Seite reden. Sie sind böse und unversöhnliche Feinde. Das ist das einzige außenpolitische Modell, das wir jemals von unserer Regierung und den Massenmedien zu hören bekommen.
Die Massenmedien wiederholen es vollständig, weil sie vollständig von der US-Regierung beeinflusst werden.
Die Maidan-Revolution und ihre Folgen
Im Jahr 2014 arbeiteten die USA aktiv am Sturz von Janukowitsch. Jeder kennt den von meiner Kollegin an der Columbia University, Victoria Nuland, und dem US-Botschafter Peter Pyatt abgefangenen Telefonanruf. Einen besseren Beweis kann es nicht geben. Die Russen haben ihren Anruf abgefangen und ins Internet gestellt. Hören Sie sich das an.[17]
Es ist faszinierend. Dadurch wurden sie alle in der Biden-Administration befördert. Das ist der Job. Als der Maidan stattfand, wurde ich kurz darauf angerufen. «Professor Sachs, der neue ukrainische Premierminister möchte Sie sehen, um über die Wirtschaftskrise zu sprechen.» Also flog ich nach Kiew und wurde über den Maidan geführt. Mir wurde erzählt, wie die USA das Geld für all die Menschen rund um den Maidan, die «spontane» Revolution der Würde, bezahlt haben.
Meine Damen und Herren, bitte, wie kamen all diese ukrainischen Medien zum Zeitpunkt des Maidan plötzlich zustande?
Woher kam all diese Organisation? Woher kamen all diese Busse? Woher kamen all diese Menschen?
Soll das ein Scherz sein?
Das ist eine organisierte Aktion.
Und es ist kein Geheimnis, außer vielleicht für die Bürger Europas und der Vereinigten Staaten. Alle anderen verstehen es ganz klar.
Nach dem Putsch kamen dann die Minsker Abkommen, insbesondere Minsk II, das übrigens nach dem Vorbild der Südtiroler Autonomie für die ethnischen Deutschen in Italien gestaltet wurde. Auch die Belgier können sich sehr gut mit Minsk II identifizieren, da es Autonomie und Sprachrechte für die russischsprachige Bevölkerung in der Ostukraine forderte.
Minsk II wurde vom Uno-Sicherheitsrat einstimmig unterstützt.[18] Dennoch beschlossen die Vereinigten Staaten und die Ukraine, es nicht durchzusetzen.
Auch Deutschland und Frankreich, die Garanten des Normandie-Prozesses, ließen es ignorieren.
Diese Missachtung von Minsk II war eine weitere direkte amerikanische unipolare Aktion, bei der Europa wie üblich eine völlig nutzlose Nebenrolle spielte, obwohl es der Garant des Abkommens war.
Trump gewann die Wahl 2016 und weitete dann die Waffenlieferungen an die Ukraine aus. Es gab viele Tausende Tote bei den Beschießungen durch die Ukraine im Donbass. Das Minsker Abkommen II wurde nicht umgesetzt.
Dann kam Biden 2021 ins Amt. Ich hoffte auf Besserung, wurde aber wieder einmal zutiefst enttäuscht. Ich war früher Mitglied der Demokratischen Partei. Jetzt bin ich Mitglied in keiner Partei, weil beide sowieso gleich sind. Die Demokraten wurden im Laufe der Zeit zu absoluten Kriegstreibern, und es gab nicht eine Stimme in der Partei, die zum Frieden aufrief. Genauso wie bei den meisten Ihrer Parlamentarier.
Ende 2021 unternahm Putin einen letzten Versuch, mit den USA zu einer Vorgehensweise zu gelangen, und zwar in Form von zwei Entwürfen für Sicherheitsabkommen, eines mit Europa und eines mit den Vereinigten Staaten. Am 15. Dezember 2021 legte er den Entwurf für ein russisch-amerikanisches Abkommen vor.
Danach hatte ich ein einstündiges Gespräch mit [dem Nationalen Sicherheitsberater] Jake Sullivan im Weißen Haus und flehte ihn an: «Jake, vermeiden Sie den Krieg. Sie können den Krieg vermeiden. Die USA müssen nur sagen: ‘Die NATO wird sich nicht auf die Ukraine ausdehnen.’» Und er sagte zu mir: «Oh, die Nato wird sich nicht auf die Ukraine ausdehnen. Machen Sie sich darüber keine Sorgen.»
Ich sagte: «Jake, sag es öffentlich.» «Nein. Nein. Nein. Wir können es nicht öffentlich sagen.» Ich sagte: «Jake, du wirst einen Krieg wegen etwas haben, das nicht einmal passieren wird?» Er sagte: «Mach dir keine Sorgen, Jeff. Es wird keinen Krieg geben.»
Das sind keine sehr klugen Leute. Ich sage Ihnen, wenn ich Ihnen meine ehrliche Meinung sagen darf, das sind keine sehr klugen Leute. Sie reden mit sich selbst. Sie reden mit niemandem sonst. Sie spielen Spieltheorie.
In der nicht-kooperativen Spieltheorie redet man nicht mit der anderen Seite. Man legt einfach seine Strategie fest. Das ist die Essenz der nicht-kooperativen Spieltheorie. Es ist keine Verhandlungstheorie. Es ist keine Theorie der Friedensstiftung. Es ist eine einseitige, nicht-kooperative Theorie, wenn man sich mit formaler Spieltheorie auskennt.
Das ist es, was sie spielen. Diese Art von Spieltheorie wurde [in der Anwendung] bei der RAND Corporation eingeführt. Das ist es, was sie immer noch spielen. Im Jahr 2019 gibt es ein Papier von RAND mit dem Titel «Extending Russia: Competing from Advantageous Ground»[19].
In diesem öffentlich zugänglichen Papier wird die Frage gestellt, wie die USA Russland ärgern, verärgern und schwächen sollten. Das ist buchstäblich die Strategie. Wir versuchen, Russland zu provozieren, zu versuchen, Russland auseinanderzubrechen, vielleicht einen Regimewechsel herbeizuführen, vielleicht Unruhen, vielleicht eine Wirtschaftskrise.
So nennt man das in Europa, wenn man einen Verbündeten hat. Da stand ich also mit meinem frustrierenden Telefonat mit Sullivan in der eisigen Kälte. Ich hatte eigentlich vor, einen Skitag zu machen. «Oh, es wird keinen Krieg geben, Jeff.»
Wir wissen, was als Nächstes geschah: Die Biden-Regierung weigerte sich, über die Nato-Erweiterung zu verhandeln. Die dümmste Idee der Nato ist die sogenannte Politik der offenen Tür, die auf Artikel 10 des Nato-Vertrags (1949) basiert. Die Nato behält sich das Recht vor, dorthin zu gehen, wo sie will, solange die Regierung des Gastlandes zustimmt, ohne dass ein Nachbar – wie Russland – irgendein Mitspracherecht hat.
Nun, ich sage den Mexikanern und den Kanadiern: «Versucht das nicht.» Trump könnte ja versuchen, Kanada zu übernehmen. Dann könnte die kanadische Regierung zu China sagen: «Warum baut ihr nicht eine Militärbasis in Ontario?» Ich würde davon abraten. Die USA würden nicht sagen: «Nun, es ist eine offene Tür. Das ist Kanadas und Chinas Angelegenheit, nicht unsere.» Die USA würden in Kanada einmarschieren.
Und dennoch wiederholen Erwachsene, auch in Europa, in diesem Parlament, in der Nato, in der Europäischen Kommission, das absurde Mantra, dass Russland bei der Nato-Erweiterung nichts zu sagen habe. Das ist völliger Unsinn. Das ist nicht einmal Baby-Geopolitik. Das ist einfach überhaupt nicht durchdacht.
Der Ukraine-Krieg eskalierte also im Februar 2022, als die Biden-Regierung jegliche ernsthaften Verhandlungen ablehnte.
Der Ukraine-Krieg und die Kontrolle von Atomwaffen
Was war Putins Absicht bei diesem Krieg?
Ich kann Ihnen sagen, was seine Absicht war. Er wollte Selenskyj dazu zwingen, über Neutralität zu verhandeln. Dies geschah innerhalb weniger Tage nach Beginn der Invasion. Sie sollten diesen grundlegenden Punkt verstehen und nicht die Propaganda, die über die Invasion geschrieben wird und behauptet, dass Russlands Ziel darin bestand, die Ukraine mit einigen Zehntausend Soldaten zu erobern.
Meine Damen und Herren, bitte verstehen Sie etwas Grundlegendes. Russland wollte mit seiner Invasion die Nato aus der Ukraine fernhalten. Und was ist die Nato eigentlich? Sie ist das US-Militär mit seinen Raketen, seinen CIA-Einsätzen und allem anderen.
Russland wollte die USA von seiner Grenze fernhalten. Warum ist Russland so daran interessiert? Stellen Sie sich vor, China oder Russland würden beschließen, eine Militärbasis am Rio Grande oder an der kanadischen Grenze zu errichten. Nicht nur würden die Vereinigten Staaten ausflippen, sondern wir hätten innerhalb von etwa zehn Minuten einen Krieg. Als die Sowjetunion dies 1962 in Kuba versuchte, wäre die Welt beinahe in einem nuklearen Armageddon untergegangen.
All dies wird noch erheblich verstärkt, weil die Vereinigten Staaten 2002 einseitig den ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile Treaty) aufkündigten und damit den Rahmen für die nukleare Rüstungskontrolle, der für relative Stabilität sorgte, beendeten. Es ist äußerst wichtig, dies zu verstehen.
Der Rahmen für die nukleare Rüstungskontrolle basiert zum großen Teil auf dem Versuch, einen Erstschlag (Enthauptungsschlag) zu verhindern. Der ABM-Vertrag war ein entscheidender Bestandteil dieser Stabilität. Die USA sind 2002 einseitig aus dem ABM-Vertrag ausgetreten. Das brachte Russland zur Weißglut.
Alles, was ich über die Nato-Erweiterung gesagt habe, geschah also vor dem Hintergrund der Zerstörung des nuklearen Rahmens durch die USA. Ab 2010 begannen die USA, Aegis-Raketenabwehrsysteme in Polen und später auch in Rumänien zu stationieren. Russland gefällt das nicht.
Eines der Themen, die im Dezember und Januar 2021 und Januar 2022 auf dem Tisch lagen, war die Frage, ob die Vereinigten Staaten das Recht beanspruchen, Raketensysteme in der Ukraine zu stationieren. Laut dem ehemaligen CIA-Analysten Ray McGovern teilte Blinken Lawrow im Januar 2022 mit, dass sich die Vereinigten Staaten das Recht vorbehalten, Raketensysteme in der Ukraine zu stationieren.
Das, meine lieben Freunde, ist Ihr vermeintlicher Verbündeter. Und jetzt wollen die USA Mittelstreckenraketen in Deutschland stationieren. Denken Sie daran, dass die Vereinigten Staaten 2019 aus dem INF-Vertrag ausgetreten sind. Derzeit gibt es keinen Rahmen für Atomwaffen.[20] Im Grunde genommen gibt es keinen.
Als Selenskyj wenige Tage nach dem Einmarsch Russlands erklärte, die Ukraine sei bereit für die Neutralität, war ein Friedensabkommen in greifbare Nähe gerückt.
Ich weiß das im Detail, weil ich mit den wichtigsten Verhandlungsführern und Vermittlern ausführlich gesprochen habe und aus den öffentlichen Äußerungen anderer viel gelernt habe.
Kurz nach Beginn der Verhandlungen im März 2022 wurde ein Dokument zwischen den Parteien ausgetauscht, das Präsident Putin gebilligt und Lawrow vorgelegt hatte. Dies wurde von den türkischen Vermittlern geleitet.
Ich flog im Frühjahr 2022 nach Ankara, um aus erster Hand und im Detail zu erfahren, was bei der Vermittlung geschah.
Das Fazit lautet: Die Ukraine ist einseitig von einer fast abgeschlossenen Vereinbarung zurückgetreten.
vii. Das Ende des Ukraine-Krieges
Warum ist die Ukraine von den Verhandlungen zurückgetreten?
Weil die Vereinigten Staaten ihnen das gesagt haben und weil Großbritannien dem Ganzen noch die Krone aufsetzte, indem BoJo [Boris Johnson] Anfang April nach Kiew in die Ukraine reiste, um dasselbe zu sagen. Keir Starmer erweist sich als noch schlimmer, noch kriegslüsterner. Es ist unvorstellbar, aber es ist wahr.
Boris Johnson erklärte, und das kann man im Internet nachlesen, dass es hier um nichts Geringeres als die westliche Hegemonie geht! Nicht die Ukraine, sondern die westliche Hegemonie.
Michael von der Schulenberg und ich trafen uns im Frühjahr 2022 im Vatikan mit einer Gruppe von Experten und verfassten ein Dokument, in dem wir erklärten, dass ein anhaltender Krieg nichts Gutes bringen kann.[21] Unsere Gruppe argumentierte energisch, aber vergeblich, dass die Ukraine sofort verhandeln sollte, da Verzögerungen zu massiven Todesfällen, dem Risiko einer nuklearen Eskalation und möglicherweise zu einer vollständigen Niederlage im Krieg führen würden.
Ich würde kein Wort von dem, was wir damals geschrieben haben, ändern wollen. In diesem Dokument war nichts falsch. Seit die USA der Ukraine die Verhandlungen ausgeredet haben, sind vielleicht eine Million Ukrainer gestorben oder schwer verwundet worden.
Und amerikanische Senatoren, die so bösartig und zynisch sind, wie man es sich nur vorstellen kann, sagen, dass dies eine wunderbare Ausgabe von US-Geldern ist, weil keine Amerikaner sterben. Es ist der reine Stellvertreterkrieg.
Einer unserer Senatoren aus der Nähe des Staates New York, Richard Blumenthal aus Connecticut, hat dies laut gesagt, Mitt Romney hat dies laut gesagt. Es ist das beste Geld, das Amerika ausgeben kann. Es sterben keine Amerikaner. Es ist unwirklich.
Nun, um uns auf den gestrigen Tag zu bringen, ist das US-Ukraine-Projekt gescheitert. Die Kernidee des Projekts war die ganze Zeit über, dass Russland die Waffen strecken würde. Die Kernidee war die ganze Zeit über, dass Russland nicht widerstehen kann, wie Zbigniew Brzezinski 1997 argumentierte. Die Amerikaner dachten, die USA hätten mit Sicherheit die Oberhand.
Die USA werden gewinnen, weil wir sie bluffen werden. Die Russen werden nicht wirklich kämpfen. Die Russen werden wirklich mobil machen. Wir werden die wirtschaftliche «nukleare Option» einsetzen und Russland aus dem SWIFT-System ausschließen. Das wird die Wirtschaft zerstören.
Unsere Sanktionen werden Russland in die Knie zwingen. Die HIMARS werden sie erledigen. Die ATACMS, die F-16, werden sie erledigen – ehrlich gesagt höre ich mir diese Art von Gerede seit mehr als 50 Jahren an. Unsere nationalen Sicherheitsführer haben jahrzehntelang Unsinn geredet.
Ich habe die Ukrainer angefleht: Bleibt neutral, hört nicht auf die Amerikaner.
Ich habe ihnen das berühmte Sprichwort von Henry Kissinger wiederholt, dass es gefährlich ist, ein Feind der Vereinigten Staaten zu sein, aber dass es tödlich ist, ein Freund zu sein. Lassen Sie mich das für Europa wiederholen: Es ist gefährlich, ein Feind der Vereinigten Staaten zu sein, aber es ist tödlich, ein Freund zu sein.
viii. Die Trump-Administration
Lassen Sie mich mit ein paar Worten über Präsident Donald Trump schließen. Trump will Bidens verlierende Hand nicht. Deshalb werden Trump und Präsident Putin wahrscheinlich einer Beendigung des Krieges zustimmen.
Selbst wenn Europa seine Kriegstreiberei fortsetzt, wird das keine Rolle spielen. Der Krieg ist zu Ende. Also, bitte, verinnerlichen Sie das.
Bitte sagen Sie es Ihren Kollegen. «Es ist vorbei.» Er ist vorbei, weil Trump nicht an einem Verlierer festhalten will.
Der Verlierer, der durch die derzeit stattfindenden Verhandlungen gerettet werden wird, ist die Ukraine. Der zweite Verlierer ist Europa.
Ihr Aktienmarkt ist in den letzten Tagen aufgrund der «schrecklichen Nachrichten» über Verhandlungen und einen möglichen Frieden gestiegen. Ich weiß, dass die Aussicht auf einen ausgehandelten Frieden in diesen Hallen blankes Entsetzen ausgelöst hat, aber das sind die besten Nachrichten, die Sie bekommen können.
Ich habe versucht, einige der europäischen Staats- und Regierungschefs zu erreichen. Ich habe gesagt: «Fahren Sie nicht nach Kiew, fahren Sie nach Moskau. Verhandeln Sie mit Ihren Amtskollegen. Sie sind die Europäische Union. Sie sind 450 Millionen Menschen und eine 20-Billionen-Dollar-Wirtschaft. Verhalten Sie sich auch so.»
Die Europäische Union sollte der wichtigste Handelspartner Russlands sein. Europa und Russland haben komplementäre Volkswirtschaften. Die Voraussetzungen für einen Handel zum gegenseitigen Nutzen sind sehr gut. Übrigens, wenn jemand darüber sprechen möchte, wie die USA Nord Stream in die Luft gejagt haben, würde ich auch gerne darüber sprechen.
Die Trump-Regierung ist im Kern imperialistisch. Trump glaubt offensichtlich, dass die Großmächte die Welt beherrschen. Die USA werden rücksichtslos und zynisch sein, und ja, auch gegenüber Europa. Bitten Sie Washington nicht um etwas. Das wird nicht helfen. Es würde wahrscheinlich die Rücksichtslosigkeit noch verstärken. Stattdessen sollte es eine echte europäische Außenpolitik geben.
Ich sage also nicht, dass wir uns im neuen Zeitalter des Friedens befinden, aber wir befinden uns derzeit in einer ganz anderen Art von Politik, einer Rückkehr zur Großmachtpolitik. Europa braucht eine eigene Außenpolitik und nicht nur eine Außenpolitik der Russophobie.
Europa braucht eine Außenpolitik, die realistisch ist, die die Situation Russlands versteht, die die Situation Europas versteht, die versteht, was Amerika ist und wofür es steht, und die versucht zu verhindern, dass die Vereinigten Staaten in Europa einmarschieren.
Es ist sicherlich nicht ausgeschlossen, dass Trumps Amerika Truppen in Grönland landen lässt. Das ist kein Scherz und ich glaube nicht, dass Trump scherzt.
Europa braucht eine Außenpolitik, eine echte. Europa braucht etwas anderes als: «Ja, wir verhandeln mit Herrn Trump und kommen ihm entgegen.» Wissen Sie, wie das aussehen wird? Rufen Sie mich danach an.
Bitte machen Sie eine europäische Außenpolitik. Sie werden noch lange Zeit mit Russland zusammenleben, also verhandeln Sie bitte mit Russland. Es stehen echte Sicherheitsfragen auf dem Spiel, sowohl für Europa als auch für Russland, aber der Bombast und die Russophobie dienen Ihrer Sicherheit überhaupt nicht.
Sie dienen der Sicherheit der Ukraine überhaupt nicht. Dieses amerikanische Abenteuer, dem Sie zugestimmt haben und für das Sie jetzt die führende Befürworterin sind, hat zu etwa 1 Million ukrainischen Opfern beigetragen.
Zum Nahen Osten und zu China
Was den Nahen Osten betrifft, so haben die USA vor 30 Jahren die Außenpolitik vollständig an Netanjahu abgegeben. Die Israel-Lobby dominiert die amerikanische Politik. Bitte, daran besteht kein Zweifel.
Ich könnte stundenlang erklären, wie das funktioniert. Es ist sehr gefährlich. Ich hoffe, dass Trump seine Regierung und, was noch viel schlimmer wäre, das palästinensische Volk nicht wegen Netanjahu zerstören wird, den ich als Kriegsverbrecher betrachte, der vom IStGH ordnungsgemäß angeklagt wurde.[22]
Der einzige Weg für Europa, um Frieden an seinen Grenzen zum Nahen Osten zu haben, ist die Zweistaatenlösung. Es gibt nur ein Hindernis dafür, und das ist das Veto der Vereinigten Staaten im Uno-Sicherheitsrat, auf Geheiß der Israel-Lobby. Wenn Sie also wollen, dass die EU Einfluss hat, sagen Sie den Vereinigten Staaten, sie sollen das Veto fallen lassen. Damit wäre die Europäische Union mit etwa 160 anderen Ländern der Welt einer Meinung. Die einzigen, die sich einem palästinensischen Staat widersetzen, sind im Grunde die Vereinigten Staaten, Israel, Mikronesien, Nauru, Palau, Papua-Neuguinea, Argentinien und Paraguay.[23]
Der Nahe Osten ist ein Ort, an dem die Europäische Union einen großen geopolitischen Einfluss haben könnte. Doch Europa hat sich zum JCPOA und zum Iran ausgeschwiegen, und etwa die Hälfte Europas hat sich zu Israels Kriegsverbrechen und der Blockade der Zweistaatenlösung ausgeschwiegen.
Netanyahus größter Lebenstraum ist ein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Und er gibt nicht auf. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es auch zu einem Krieg zwischen den USA und dem Iran kommt.
Doch Europa könnte ihn verhindern – wenn Europa eine eigene Außenpolitik hätte.
Ich hoffe, dass Trump Netanyahus Einfluss auf die amerikanische Politik beenden wird. Selbst wenn nicht, kann die EU mit dem Rest der Welt zusammenarbeiten, um Frieden in den Nahen Osten zu bringen.
Abschließend möchte ich noch etwas zu China sagen: China ist kein Feind. China ist lediglich eine große Erfolgsgeschichte. Deshalb wird es von den Vereinigten Staaten als Feind angesehen, weil China eine größere Wirtschaft hat als die Vereinigten Staaten (gemessen in internationalen Preisen).
Die USA verschließen die Augen vor der Realität. Europa sollte das nicht tun. Ich wiederhole: China ist kein Feind und keine Bedrohung. Es ist ein natürlicher Partner Europas im Handel und bei der Rettung der globalen Umwelt. Das ist alles.
Frage aus dem Publikum: Sollte Europa seine Militärausgaben erhöhen?
Professor Jeffrey Sachs Antwort: Ich wäre nicht gegen einen Ansatz, bei dem Europa zwei bis drei Prozent des BIP für eine einheitliche europäische Sicherheitsstruktur ausgibt und in Europa und in europäische Technologie investiert, ohne dass die Vereinigten Staaten die Nutzung europäischer Technologie diktieren. Die Niederlande stellen die einzigen Maschinen für fortschrittliche Halbleiter unter Verwendung der extremen Ultraviolettlithographie her. Dieses Unternehmen ist natürlich ASML. Dennoch bestimmt Amerika die gesamte Politik von ASML. Wenn ich Sie wäre, würde ich nicht alle Sicherheit und Technologie den Vereinigten Staaten überlassen. Ich würde vorschlagen, dass Sie Ihr eigenes Sicherheitskonzept haben, damit Sie auch Ihr eigenes außenpolitisches Konzept haben können. Europa steht für viele Dinge, für die die Vereinigten Staaten nicht stehen. Europa steht für Klimaschutz. Unser Präsident ist in dieser Hinsicht völlig verrückt. Und Europa steht für Anstand, für Sozialdemokratie als Ethos. Europa steht für Multilateralismus. Europa steht für die Uno-Charta. Die USA stehen für nichts davon. Unser Außenminister Marco Rubio hat kürzlich seine Reise nach Südafrika abgesagt, weil Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung standen. Das ist ein anschauliches, wenn auch düsteres Abbild des angelsächsischen Libertarismus. Egalitarismus ist kein Wort im amerikanischen Lexikon. Nachhaltigkeit auch nicht. Sie wissen vielleicht, dass von den 193 Uno-Mitgliedstaaten 191 der Uno im Hochrangigen Politischen Forum (HLPF) Pläne für die SDG (Sustainable Development Goal) vorgelegt haben. Nur drei Länder haben dies nicht getan: Haiti, Myanmar und die Vereinigten Staaten von Amerika. Bidens Finanzministerium war es nicht einmal gestattet, den Begriff «Sustainable Development Goals» zu verwenden. Ich erwähne all dies, weil Sie Ihre eigene Außenpolitik brauchen. Ich erstelle jedes Jahr zwei Berichte. Einer davon ist der World Happiness Report. Im Bericht von 2024 sind acht der zehn führenden Länder europäische Länder. Europa hat die höchste Lebensqualität auf der ganzen Welt. Die USA belegten den 23. Platz. Der andere Jahresbericht ist der Sustainable Development Report. Im Bericht von 2024 sind 19 der 20 führenden Länder in Bezug auf nachhaltige Entwicklung europäische Länder. Die USA rangieren auf Platz 46.
Frage aus dem Publikum: Wie sollte Europa diplomatisch mit Russland umgehen?
Professor Jeffrey Sachs Antwort: Ich denke, dass es enorm wichtige Themen gibt, die Europa direkt mit Russland verhandeln sollte. Daher möchte ich Präsident Costa und die Führung Europas dazu auffordern, direkte Gespräche mit Präsident Putin aufzunehmen, denn die Sicherheit Europas steht auf dem Spiel. Ich kenne die russischen Staats- und Regierungschefs, viele von ihnen, recht gut. Sie sind gute Verhandlungsführer, und Sie sollten mit ihnen verhandeln, und Sie sollten gut mit ihnen verhandeln. Ich würde den russischen Amtskollegen einige Fragen stellen. Ich würde sie fragen, welche Sicherheitsgarantien funktionieren können, damit dieser Krieg endgültig beendet wird? Welche Sicherheitsgarantien gibt es für die baltischen Staaten? Teil des Verhandlungsprozesses ist es, die andere Seite nach ihren Bedenken zu fragen. Ich kenne Außenminister Lawrow seit 30 Jahren. Ich halte ihn für einen brillanten Außenminister. Sprechen Sie mit ihm. Verhandeln Sie mit ihm. Erkunden Sie seine Vorstellungen. Legen Sie Ihre Vorstellungen auf den Tisch. Das Wichtigste ist, mit dem Schreien aufzuhören, mit der Kriegstreiberei aufzuhören und mit den russischen Amtskollegen zu diskutieren. Und betteln Sie nicht darum, mit den Vereinigten Staaten am Tisch zu sitzen. Sie müssen nicht mit den Vereinigten Staaten im selben Raum sein. Sie sind Europa. Sie sollten mit Europa und Russland im selben Raum sein. Überlassen Sie Ihre Außenpolitik niemandem, nicht den Vereinigten Staaten, nicht der Ukraine, nicht Israel. Behalten Sie eine europäische Außenpolitik bei. Das ist der Grundgedanke.
Frage aus dem Publikum: Länder wie Polen, Ungarn und die Tschechische Republik wollten der Nato beitreten. Die Ukraine auch. Warum sollte ihnen das nicht erlaubt werden?
Antwort von Professor Jeffrey Sachs: Die Nato ist keine Option für Ungarn, Polen, die Tschechische Republik oder die Ukraine. Die Nato ist ein von den USA geführtes Militärbündnis. Die Frage, vor der Europa 1991 und heute steht, ist, wie man den Frieden sichern kann. Wenn ich 1991 Entscheidungen getroffen hätte, hätte ich die Nato nach der Auflösung des Warschauer Pakts und sicherlich nach dem Ende der Sowjetunion selbst ganz aufgelöst. Als Länder um eine Nato-Mitgliedschaft baten, hätte ich ihnen erklärt, was unser Verteidigungsminister William Perry, der führende Staatsmann George Kennan und der letzte US-Botschafter in der Sowjetunion, Jack Matlock, in den 1990er Jahren alle gesagt haben. Sie alle sagten im Grunde: «Wir verstehen Ihre Gefühle, aber die Erweiterung der Nato ist keine gute Idee, weil sie leicht einen neuen Kalten Krieg mit Russland provozieren könnte.» Es gibt ein sehr gutes neues Buch von Jonathan Haslam, das bei Harvard University Press erschienen ist und den Titel «Hubris» trägt. Es bietet eine detaillierte historische Dokumentation der Nato-Erweiterung. Es wird erklärt, dass die USA zu arrogant waren, um zu diskutieren, zu verhandeln und die roten Linien Russlands zu respektieren, selbst nachdem sie versprochen hatten, die Nato nicht zu erweitern.
Frage aus dem Publikum: Was sind die langfristigen Folgen dieses verlorenen Krieges?
Professor Jeffrey Sachs Antwort: Wir befinden uns im größten technologischen Fortschritt der Menschheitsgeschichte. Es ist wirklich erstaunlich, was man heutzutage alles machen kann. Ich staune darüber, dass jemand, der sich mit Chemie kaum auskennt, den Friedensnobelpreis für Chemie gewonnen hat, weil er sich hervorragend mit KI und tiefen neuronalen Netzen auskennt, ein Genie, Demis Hassabis. Er und sein Team bei DeepMind haben herausgefunden, wie man KI nutzen kann, um das Problem der Proteinfaltung zu lösen, ein Problem, das Generationen von Biochemikern beschäftigt hat. Wenn wir also unseren Verstand, unsere Ressourcen und unsere Energie darauf verwenden, können wir das Weltenergiesystem im Sinne des Klimaschutzes umgestalten. Wir können die Artenvielfalt schützen. Wir können sicherstellen, dass jedes Kind eine hochwertige Bildung erhält. Wir können jetzt so viele wunderbare Dinge tun. Was brauchen wir für den Erfolg? Meiner Meinung nach brauchen wir vor allem Frieden. Und mein grundlegender Punkt ist, dass es nirgendwo tiefgreifende Gründe für Konflikte gibt, denn jeder Konflikt, den ich untersuche, ist nur ein Fehler. Wir kämpfen nicht um Lebensraum. Diese Idee, die im Wesentlichen von Malthus stammt und später zu einer Nazi-Idee wurde, war schon immer falsch, ein grundlegender intellektueller Fehler. Wir hatten Rassenkriege, nationale Überlebenskriege, aus der Angst heraus, dass wir nicht genug für alle auf diesem Planeten haben, so dass wir in einem Kampf ums Überleben sind. Als Ökonom kann ich Ihnen sagen, dass es auf diesem Planeten genug für die nachhaltige Entwicklung aller gibt. Genug. Wir befinden uns nicht in einem Konflikt mit China. Wir befinden uns nicht in einem Konflikt mit Russland. Wenn wir uns beruhigen, wenn wir langfristig denken, dann ist die Zukunft sehr gut, das heißt, wenn wir uns nicht vorher selbst in die Luft jagen. Das ist also mein Punkt. Die Aussichten sind sehr positiv, wenn wir den Frieden aufbauen.
Frage aus dem Publikum: Glauben Sie, dass der Ausweg aus diesem Konflikt eine Finnlandisierung der Ukraine ist?
Professor Jeffrey Sachs Antwort: Ausgezeichnete Frage. Lassen Sie mich nur einen Aspekt zur Finnlandisierung ansprechen. Die Finnlandisierung hat Finnland Jahr für Jahr auf Platz 1 des World Happiness Report gebracht. Finnland ist reich, erfolgreich, glücklich und sicher. Ich spreche hier vom Finnland vor der Nato. Die «Finnlandisierung» war also eine wunderbare Sache für Finnland. Als Schweden, Finnland und Österreich neutral waren, bravo. Klug. Als die Ukraine neutral war, klug. Wenn man zwei Supermächte hat, sollte man sie ein wenig voneinander trennen. Wenn die Vereinigten Staaten nur ein bisschen Verstand hätten, hätten sie diese Länder als neutralen Raum zwischen dem US-Militär und Russland belassen, aber die USA haben viel zu wenig Verstand.
[1] Überarbeitete Abschrift der Rede von Professor Jeffrey Sachs im Europäischen Parlament auf einer Veranstaltung mit dem Titel «Die Geopolitik des Friedens», die am 19. Februar 2025 vom ehemaligen stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen und derzeitigen MdEP der BSW, Michael von der Schulenburg, ausgerichtet wurde. Die Abschrift wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit bearbeitet und mit Fussnoten und Hyperlinks versehen. Die unbearbeitete Abschrift und die Audioversion finden Sie hier: https://singjupost.com/transcript-jeffrey-sachs-on-the-geopolitics-of-peace-in-the-european-parliament/?singlepage=1
[2] Dies wurde Teil eines Projekts unter der Leitung von Prof. Graham Allison an der Harvard Kennedy School of Government mit Gorbatschows Wirtschaftsberater Grigory Jawlinski und in dem Buch Window of Opportunity: The Grand Bargain for Democracy in the Soviet Union, Pantheon Books, 1991, veröffentlicht.
[3] Richard Darman vom OMB drückte es so aus: «Bei der Definition der Interessen der USA müssen wir ein wenig machiavellistisch vorgehen. Was ist das Minimum, das notwendig ist, um ein Regime zu besänftigen, mit dem wir in anderen Angelegenheiten zusammenarbeiten möchten? Mit anderen Worten, was ist das absolute Minimum, um die Dinge in Bewegung zu halten? Ich glaube nicht, dass wir uns über den Zerfall der UdSSR Sorgen machen müssen. Wenn dies unser internes Verständnis ist, können wir öffentlich vorgehen.» Später fügte Darman hinzu: «Ich möchte ernsthaft wirken, ohne uns etwas vorzumachen. Wir haben bereits genug Zutaten für ein gutes PR-Paket.» (Hervorhebung im Original)
[7] Es handelte sich um eine Vereinbarung, wenn auch nur mündlich, da Gorbatschow gegenüber den USA und Deutschland die Bedeutung des Versprechens der USA und Deutschlands betonte, die Nato nicht nach Osten auszudehnen.
[9] Brzezinski schreibt: «Russlands einzige echte geostrategische Option – die Option, die Russland eine realistische internationale Rolle verschaffen und auch die Möglichkeit der Transformation und sozialen Modernisierung maximieren könnte – ist Europa. Und nicht irgendein Europa, sondern das transatlantische Europa der sich erweiternden EU und NATO. Ein solches Europa nimmt Gestalt an, wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, und es wird wahrscheinlich auch weiterhin eng mit Amerika verbunden bleiben. Das ist das Europa, zu dem Russland eine Beziehung aufbauen muss, wenn es eine gefährliche geopolitische Isolation vermeiden will.» Brzezinski, Zbigniew. The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives (S. 118). Basic Books. 1997.
[10] Ich beziehe mich auf das Telefongespräch zwischen Trump und Putin vom 12. Februar 2025 und die darauf folgenden Erklärungen, die in rascher Folge folgten.
[11] Mackinder schrieb 1919 das Buch «Democratic Ideals and Reality», das auf seinem früheren Werk «The Geographical Pivot of History» aus dem Jahr 1904 aufbaut.
[12] Siehe das Interview des ehemaligen Nato-Oberbefehlshabers General Wesley Clark aus dem Jahr 2011 mit Democracy, in dem ihm ein Beamter des Pentagons sagte: «Wir werden in fünf Jahren die Regierungen in sieben Ländern angreifen und zerstören – wir werden mit dem Irak beginnen und dann nach Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und Iran weiterziehen.»
[13] 1996 veröffentlichten Netanyahu und seine amerikanischen Berater das Dokument «Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm» (dt. «Clean Break: Eine neue Strategie zur Sicherung des Reiches») mit dem Institute for Advanced Strategic and Political Studies. Diese neue «Clean-Break»-Strategie forderte Israel auf, das Rahmenkonzept «Land für Frieden» abzulehnen. Dies bedeutete im Grunde, dass Israel sich nicht aus den 1967 besetzten palästinensischen Gebieten zurückziehen würde, um Frieden in der Region zu schaffen. Stattdessen würde Israel seine Besatzungspolitik fortsetzen, bis es «Frieden für Frieden» erreicht hat, indem es den Nahen Osten nach seinem Geschmack umgestaltet. Die Umgestaltung der Landkarte der Region bestand darin, Regierungen zu stürzen, die sich der Vorherrschaft Israels widersetzten. Link hier: https://www.dougfeith.com/docs/Clean_Break.pdf
[16] Die Politikwissenschaftlerin Lindsey O’Rourke dokumentierte 64 verdeckte US-amerikanische Regime-Change-Operationen zwischen 1947 und 1989 und kam zu dem Schluss, dass «Regime-Change-Operationen, insbesondere solche, die verdeckt durchgeführt wurden, oft zu anhaltender Instabilität, Bürgerkriegen und humanitären Krisen in den betroffenen Regionen geführt haben». O’Rourke, Covert Regime Change: America’s Secret Cold War, 2018. Nach 1989 gibt es zahlreiche Belege dafür, dass die CIA in Syrien, Libyen, der Ukraine, Venezuela und vielen anderen Ländern involviert war.
[17] Link zur Abschrift des durchgesickerten Telefongesprächs zwischen der stellvertretenden Aussenministerin Victoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt https://www.bbc.com/news/world-europe-26079957
[18] Das Minsk-II-Abkommen wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen durch die Resolution 2202 gebilligt, die am 17. Februar 2015 einstimmig angenommen wurde. https://press.un.org/en/2015/sc11785.doc.htm
[20] Die Vereinigten Staaten sind am 2. August 2019 nach einer sechsmonatigen Aussetzungsfrist, die am 2. Februar 2019 begann, offiziell aus dem Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) ausgetreten
Das „Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung“ und auch unsere Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“ rufen auf zu einer großen, von möglichst vielen Gruppen und Friedensaktivisten getragenen bundesweiten Aktion unter dem Titel:
KEINE NEUEN US-MITTELSTRECKENWAFFEN IN DEUTSCHLAND, BEFEHLSKOMMANDO In WIESBADEN AUFLÖSEN, FRIEDENSGEBOT DER HESSISCHEN VERFASSUNG EINHALTEN!
Wir gehen dorthin, weil von hier die geplanten US-Mittelstreckenwaffen gesteuert werden sollen. Im Aufruf wird u.a. gefordert, die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland zu unterbinden, das US-Raketenbefehlskommando in Mainz-Kastel abzuziehen und weder dort noch anderswo in Deutschland zu stationieren.
Der Ortsvorsteher des Wiesbadener Stadtteils Mainz-Kastel, Hartmut Bohrer stellt zur Betroffenheit der Wiesbadener Bevölkerung fest:
„In engem Zusammenhang mit dem Hauptquartier der US-Armee stehen zwei Militärgelände in Mainz-Kastel. Diese beiden Militärgelände mitten in Mainz-Kastel, umgeben von Wohnbebauung, Schulen und Kindertagesstätten werden für die Reaktivierung eines 56th Artillerie-Kommandos und einer Second Multi-Domain Task Force, die im Zusammenhang mit der geplanten Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen stehen, vorbereitet. In einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der LINKEN Landtagsfraktion wurde bestätigt, dass es sich bei dem Artilleriekommando um eine Einheit handelt, die Ende der 80er Jahre für die Steuerung des Einsatzes von atomaren Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing und anderen zuständig war. Die Einheit war aufgrund der Abrüstungsverträge zwischen der Sowjetunion und der USA und deren Umsetzung deaktiviert worden. Nun aber wurde diese Einheit reaktiviert und zusammen mit der genannten Task Force in Mainz-Kastel stationiert.“
Die Auftaktkundgebung findet am Samstag, 29. März 2025 um 12:00 Uhr am Wiesbadener Hauptbahnhof statt; nach einer Demonstration durch Wiesbaden soll gegen 14:30 Uhr die Abschlusskundgebung auf dem Kranzplatz stattfinden. Näheres findet ihr über den folgenden Link:
Über diesen Link findet ihr auch Flugblätter und Plakate zum Downloaden. Das Plakat für die Aktion kann dort auch bestellt werden. Bitte organisiert in euren Regionen auch Mitfahrmöglichkeiten für die Kundgebung und Demonstration in Wiesbaden. Über den obigen Link könnt ihr uns diese auch mitteilen, damit sie auf unserer Webseite bekannt gegeben werden.
Wer im letzten Jahr bei der Veranstaltung „110 Jahre 1. Weltkrieg“ dabei war, der hat eine Vorstellung über die besondere Qualität der bevorstehenden Veranstaltung.
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, anliegend findet ihr eine Einladung zur Veranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus. Sie wird am 13. April 2025, 17 Uhr im KufA-Haus am Westbahnhof stattfinden.
Über zahlreichen Besuch würden wir uns freuen. Die Einladung kann gerne weiter verbreitet werden.
unser Bundeskanzler tritt laut Michael Lüders mit seiner Aussage, Israel übernehme die Drecksarbeit für uns, er tritt damit das Völkerrecht in die Tonne und ist meines Erachtens als Bundeskanzler untragbar. Wie konnte Deutschland soweit runterkommen?
Wichtiges „Annual Threat assemblance “
Letztes Buch von Herbst 24:
Krieg ohne Ende?: Warum wir für Frieden im Nahen Osten unsere Haltung zu Israel ändern müssen – SPIEGEL-Bestseller
BUNDESAUSSCHUSS FRIEDENSRATSCHLAG
AUFRUF ZU AKTIONSTAGEN VOM 13. – 18. MÄRZ
Keine Grundgesetzänderung für Hochrüstung und Kriegstüchtigkeit!
Reden statt rüsten!
Die CDU/CSU als vermutliche zukünftige Kanzlerpartei versucht noch vor der
Installierung der neuen Regierung, zusammen mit der SPD und der noch regierenden
GRÜNEN-Partei in einem unglaublichen Coup das Grundgesetz erneut zu ändern, um
dieses Mal Hunderte Milliarden Euro Kredite für die militärische Hochrüstung zu
bewilligen. Damit soll der Waffenexport in die Ukraine weiter angekurbelt und die
Bundeswehr „kriegstüchtig“ gemacht werden.
Die Angst vor einem Angriff Russlands auf NATO-Gebiet dient als Begründung, wie
schon bei der geplanten Stationierung der US-Mittelstreckenwaffen auf deutschem
Boden. Beides wird uns verkauft als Abschreckung gegen Russland, das uns bedroht.
Die Mittelstreckenwaffen sind aber keine Abschreckung, sondern Angriffswaffen.
Das Schüren von Angst gegen den östlichen Nachbarn war schon zweimal erfolgreich,
um die Deutschen bereitwillig dazu zu bringen, einer immensen Aufrüstung
zuzustimmen, die letztlich in Weltkriegen endeten.
Eine Angst, die keine Grundlage hat, weil für einen solchen Angriff eine mindestens
dreifache militärische Überlegenheit Russlands in den Hauptwaffensystemen seines
Heeres und seiner Luftwaffe nötig wäre. Die Angst wäre nicht einmal dann
gerechtfertigt, wenn die EU oder die europäischen NATO-Staaten auf sich allein gestellt
blieben, denn sie verfügen schon heute auch ohne die USA über eine zwei bis
dreifache Überlegenheit.
Das martialische Aufrüstungsgebaren der deutschen Regierung und der EUKommission, die zusätzliche 800 Milliarden Euro Schulden für denselben
Aufrüstungszweck locker machen will, befeuert die gegenseitige militärische Aufrüstung
in Europa, steigert die Inflation, belastet zukünftige Generationen und versucht eine
europäische Militärunion zu bilden, die als Globalplayer in einer multipolaren Welt
Machtpolitik betreibt – und das unter deutscher Führung. Wir protestieren gegen die Grundgesetzänderung zur Aufrüstung der Bundeswehr und fordern die Bürgerinnen und Bürger überall im Lande auf, vom 13. März (1. Lesung im Bundestag) bis zum 18. März (2./3.Lesung und Abstimmung) örtliche Protestaktionen zu organisieren. Eine solche nie dagewesene Aufrüstungsorgie darf von der Friedensbewegung nicht unbeantwortet bleiben.
Europa darf nicht zurück zur atomaren Abschreckung!
Unsere Organisationen, europäische Partnerorganisationen der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN), sind alarmiert über die gefährliche und sich ausbreitende Rhetorik einiger Staats- und Regierungschefs, die sich für einen französisch-britischen Nuklearschirm aussprechen. Diese Entwicklung untergräbt jahrzehntelange europäische Verpflichtungen zur nuklearen Abrüstung, zur Nichtverbreitung und zum Völkerrecht und offenbart eine tiefe Heuchelei: An einem Tag wird behauptet, die internationale Sicherheitsarchitektur – insbesondere der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) – zu wahren; am nächsten Tag wird offen über nukleare Aufrüstung debattiert. Derartige Verurteilungen atomarer Drohungen durch andere Staaten verlieren dadurch zunehmend an Glaubwürdigkeit.
Wenn solche Projekte verwirklicht werden, sinkt die Sicherheit für Europa und für die Welt.
Nukleare Abschreckung ist Teil des Problems, nicht die Lösung
In ganz Europa wird die Darstellung von Atomwaffen als Sicherheitsstrategie immer lauter. Doch wir sind der Überzeugung: Nukleare Abschreckung kann niemals eine verantwortungsvolle oder nachhaltige Sicherheitsstrategie sein. Sie bedeutet ständige Bereitschaft, Fähigkeit und Drohung, Massenmord an Zivilbevölkerungen zu begehen – ein zynisches Verständnis von Sicherheit. Besonders verwerflich ist diese Haltung für Staaten, die vorgeben, Demokratie, Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht zu vertreten.
Europa öffnet die Tür zur nuklearen Verbreitung
Europäische Regierungen haben sich lange als Verfechter des Völkerrechts und als Stütze des NVV positioniert. Reduktionen von Atomwaffenarsenalen und Förderung der Rüstungskontrolle galten als Belege dafür. Doch ausgerechnet zum 55. Jahrestag des NVV kündigte Präsident Macron an, Europa für eine nukleare Schutzdoktrin zu öffnen. Das schwächt die internationale Sicherheitsarchitektur zu einem Zeitpunkt, da das Risiko eines Atomkrieges so hoch ist wie nie zuvor.
Wenn Europa schwankt, was sagt das dem Rest der Welt?
Europäische Staaten, die nukleare Aufrüstung in Erwägung ziehen, können kaum glaubhaft andere wegen nuklearer Drohungen kritisieren. Die internationale Ordnung wird geschwächt, wenn europäische Staaten sich von ihren eigenen Prinzipien entfernen.
Nicht panisch reagieren, sondern besonnen handeln
Im 80. Jahr nach Hiroshima und Nagasaki führen wir eine überstürzte Debatte, die kritische Stimmen ausblendet und die Folgen übersieht: Reaktionen anderer Staaten, Zusammenbruch des nuklearen Rüstungskontrollsystems, neue Rüstungswettläufe – und das Ende des nuklearen Tabus von 1945.
Gerade in schwierigen Zeiten braucht es:
Besonnenheit
Mut
Konsequentes Festhalten an den eigenen Werten
Es gibt einen Weg: Der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW)
800 europäische Städte sowie die Staaten Österreich, Irland, Malta, San Marino, Liechtenstein und der Heilige Stuhl stehen bereits hinter dem Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW). Der TPNW, seit 2021 in Kraft und von 94 Staaten unterzeichnet, verbietet nicht nur Besitz und Einsatz, sondern auch jegliche nukleare Drohung – ob implizit oder explizit. Dies stärkt unsere kollektive Sicherheit.
Hoffnung aus der Staatenkonferenz
Vom 3. bis 7. März 2025 fand die 3. Staatenkonferenz zum TPNW bei den Vereinten Nationen statt. Zum ersten Mal diskutierten Staaten die realen Sicherheitsbedenken, die von Atomwaffen ausgehen, und stellten damit den Mythos der nuklearen Abschreckung infrage.
Wir als europäische Zivilgesellschaft begrüßen diese Diskussion und verpflichten uns:
Unsere Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen
Für internationales Recht und Menschenrechte einzutreten
Eine gerechte und sichere Welt für alle zu schaffen
Unser Auftrag: Europa muss Verantwortung übernehmen – und dem TPNW beitreten.
Unterzeichnende Organisationen: (Auswahl)
ICAN Germany / France / Austria / Norway / Finland
IPPNW Deutschland / Norwegen / Griechenland / Finnland
Friedenswerkstatt Mutlangen (Deutschland)
Ohne Rüstung Leben (Deutschland)
PAX for Peace (Niederlande)
Medact UK & Scotland (Vereinigtes Königreich)
Rete italiana Pace e Disarmo (Italien)
Pax Christi Vlaanderen (Belgien)
Vrede vzw (Belgien)
Swedish Peace and Arbitration Society
World Without Wars and Violence (Griechenland) … und viele mehr.
Singapor Spitzendiplomat Kishore Mahbubani sagt seine Meinung über Europa und sein Verhältnis zur Welt… Sie ist vernichtend! Wir müssen unsere Stratgie völlig ändern… Mit deutschen Untertiteln
Singapore’s Top Diplomat Reveals TRUTH About Ukraine and Future of Europe
Geopolitik ist ein sehr grausames Geschäft – und wer naiv und schlicht in seiner geopolitischen Analyse ist, leidet immer darunter. Zugleich sind einige Regeln der Geopolitik sehr klar: Alle Großmächte – einschließlich der Vereinigten Staaten – stellen immer ihre eigenen Interessen an erste Stelle. Sie werden ihre Interessen niemals für selbst die besten Freunde opfern, auch nicht für ihre europäischen Freunde. Es war sehr naiv von den Europäern zu glauben, dass die USA immer die europäischen Interessen – etwa im Umgang mit Russland – an erste Stelle setzen würden.
Das ist Kishore Mahbubani – einer der angesehensten geopolitischen Experten der Welt, ehemaliger Präsident des UN-Sicherheitsrats und Senior Fellow am Asia Research Institute. Professor Mahbubani ist Autor mehrerer Bücher, darunter Living in the Asian Century und das bahnbrechende Werk Has China Won? über Chinas wachsenden Einfluss auf der Weltbühne.
In diesem Interview sprechen Kishore und ich über die Rolle Europas bei den Verhandlungen zur Beendigung des Ukrainekriegs. Angesichts zunehmender Spannungen finden sich europäische Führungspersönlichkeiten immer mehr am Rand des Geschehens wieder – ohne klare Stimme zwischen den USA und Russland.
Professor Mahbubani hat kürzlich in der Zeitschrift Foreign Policy einen Artikel mit dem Titel „Es ist Zeit für Europa, das Undenkbare zu tun“ veröffentlicht. In diesem Gespräch gehen wir auf drei Optionen für Europas Zukunft ein – und darauf, wie der Krieg in der Ukraine tatsächlich beendet werden kann.
Später richten wir den Fokus auf China. Ich frage Professor Mahbubani als Singapurer nach seiner Einschätzung zu Chinas wachsendem Einfluss weltweit – insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz und erneuerbare Energien. Ich stelle ihm direkt die Frage: Hat China gewonnen?
Zum Abschluss diskutieren wir das wohl gefährlichste geopolitische Thema überhaupt: die Zukunft Taiwans – aus der Sicht von Professor Mahbubani.
Vertrau mir: Du willst keine Minute dieses Gesprächs verpassen. Und sieh dir das Video unbedingt bis zum Ende an, denn dort enthüllt Professor Mahbubani seine ganz konkrete Strategie, wie westliche Länder mit China umgehen sollten.
Warum der Ukrainekrieg vermeidbar war
Meine Damen und Herren, es ist mir eine große Ehre, Professor Kishore Mahbubani heute im Studio begrüßen zu dürfen. – Vielen Dank, dass Sie heute bei uns sind.
Mahbubani: Mein Vergnügen. Danke, dass ich hier sein darf.
– Professor Mahbubani, ich möchte mit dem größten geopolitischen Konflikt unserer Zeit beginnen: dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Es gibt viele Debatten darüber, was diesen Krieg ausgelöst hat – manche sagen, es war die NATO-Erweiterung, andere nennen Putin. Aber Sie haben kürzlich einen sehr interessanten Kommentar gemacht: Sie sagten, das Fehlen von Pragmatismus in der europäischen Kultur sei ein großer Faktor. Können Sie das bitte näher erläutern?
Mahbubani: Ja, die Tragödie des Ukrainekriegs ist, dass dieser Krieg völlig vermeidbar war. Er war ein Unfall, der nicht hätte passieren müssen. Und der Grund, warum er dennoch passiert ist, liegt darin, dass die Europäer geopolitisch inkompetent geworden sind.
Ich sage das mit gewisser Sicherheit, denn derjenige, der mir diesen Einblick gab, war Henry Kissinger. Ich hatte ein Einzelgespräch mit ihm, etwa ein Jahr vor seinem Tod im Oktober 2022. Er beklagte, dass die europäischen Führer nicht mehr im großen Maßstab und langfristig denken – dass sie den Gesamtzusammenhang nicht mehr einbeziehen, bevor sie politische Entscheidungen treffen.
Zum Beispiel möchte ich eines ganz klar betonen, damit es keinen Zweifel gibt: Die russische Invasion der Ukraine ist illegal. Nichts kann diese Invasion rechtfertigen. Ganz klar.
Aber gleichzeitig hätte diese Invasion verhindert werden können – wenn die Europäer irgendeine Form von geopolitischer Kompetenz gezeigt hätten. Wenn sie anerkannt hätten, dass sie mit Russland die nächsten 100, vielleicht 1.000 Jahre leben müssen, hätten sie vielleicht Russlands Sicherheitsbedenken ernst nehmen sollen. Besonders dann, wenn Russland sich durch bestimmte Entwicklungen bedroht fühlt.
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Einleitung zu Kishore Mahbubani
Geopolitik ist ein sehr grausames Geschäft. Menschen, die in ihrer Analyse der Geopolitik naiv und vereinfachend sind, leiden immer. Und doch sind einige Regeln der Geopolitik auch sehr klar: Alle Großmächte – einschließlich der Vereinigten Staaten – stellen immer ihre eigenen Interessen an erste Stelle. Sie werden niemals ihre eigenen Interessen selbst für die besten Freunde – einschließlich ihrer europäischen Freunde – opfern. Es war sehr naiv von den Europäern zu glauben, dass die USA beispielsweise im Umgang mit Russland immer europäische Interessen voranstellen würden.
Das ist Kishore Mahbubani. Er ist einer der profiliertesten geopolitischen Experten der Welt, ehemaliger Präsident des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und Distinguished Fellow am Asia Research Institute. Professor Mahbubani ist Autor mehrerer Bücher, darunter Living in the Asian Century und sein bahnbrechendes Werk über Chinas wachsenden Einfluss in der Welt mit dem Titel Has China Won?
In dem heutigen Interview sprechen Kishore und ich über die Rolle Europas bei den Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges. Während sich die Spannungen verschärfen, finden sich die europäischen Führer zunehmend an den Rand gedrängt, ohne klare Stimme in den Gesprächen zwischen den USA und Russland. Professor Mahbubani hat kürzlich einen Artikel im Magazin Foreign Policy veröffentlicht, mit dem Titel It’s Time for Europe to Do the Unthinkable – „Es ist Zeit für Europa, das Undenkbare zu tun“.
In diesem Video diskutieren wir die drei Optionen, die Europa für die Zukunft hat, und wie der Ukrainekrieg effektiv beendet werden kann. Später im Interview wechseln wir den Fokus nach China, und ich bitte den Professor als Singapurer um seine Einschätzung, wie China seinen weltweiten Einfluss ausbaut. Wir sprechen über Chinas jüngste Fortschritte in KI und erneuerbaren Energien, und ich stelle ihm ganz direkt die Frage: Hat China gewonnen?
Abschließend debattieren wir über das gefährlichste geopolitische Thema der Welt – das aus Sicht von Professor Mahbubani die Zukunft Taiwans ist. Glaub mir: Du willst jede Minute dieses Gesprächs hören – und bleib unbedingt bis zum Ende dabei, wenn Professor Mahbubani seine genaue Strategie verrät, wie westliche Länder mit China umgehen sollten.
Warum der Ukraine-Krieg vermeidbar war
Meine Damen und Herren, es ist mir eine große Ehre, heute Professor Kishore Mahbubani im Studio begrüßen zu dürfen. Kishore, vielen Dank, dass Sie heute hier sind – wir freuen uns sehr auf dieses Gespräch.
Mahbubani: Es ist mir eine Freude, danke für die Einladung.
Moderator: Professor Mahbubani, ich möchte mit dem derzeit größten geopolitischen Konflikt beginnen – dem Russland-Ukraine-Krieg. Wir könnten sicherlich lange darüber diskutieren, was diesen Krieg ausgelöst hat. Viele sagen: NATO-Erweiterung, andere sagen: Putin. Aber Sie haben kürzlich eine sehr interessante Aussage gemacht, nämlich dass das Fehlen von Pragmatismus in der europäischen Kultur ein wesentlicher Faktor sei. Können Sie das etwas näher erläutern?
Mahbubani: Ja, die Tragödie des Ukraine-Krieges besteht darin, dass dieser Krieg absolut vermeidbar war. Er war ein Unfall, der nicht hätte passieren müssen. Der Grund, warum er dennoch ausbrach, ist, dass die Europäer geopolitisch inkompetent geworden sind.
Ich sage das mit gewissem Selbstbewusstsein, weil mir dieser Gedanke von niemand Geringerem als Henry Kissinger vermittelt wurde. Ich hatte etwa ein Jahr vor seinem Tod im Oktober 2022 ein persönliches Gespräch mit ihm. Er beklagte, dass europäische Führer nicht mehr im großen Maßstab denken, nicht langfristig planen und das Gesamtbild nicht betrachten, bevor sie politische Entscheidungen treffen.
Ich möchte eines ganz klarstellen, um Missverständnisse zu vermeiden: Der russische Einmarsch in die Ukraine ist illegal. Nichts kann diese Invasion rechtfertigen. Punkt.
Aber gleichzeitig hätte diese Invasion verhindert werden können, wenn die Europäer irgendeine Form von geopolitischer Kompetenz gezeigt und anerkannt hätten, dass sie mit Russland noch 100, vielleicht 1.000 Jahre zusammenleben müssen. Vielleicht hätten sie dann Russlands Sicherheitsbedenken in Betracht ziehen sollen – insbesondere wenn Russland sich durch bestimmte Schritte bedroht fühlt.
Die Russen haben sehr deutlich gemacht, dass die fortgesetzte Osterweiterung der NATO ihre Sicherheit gefährdet. Sie haben viele Warnungen gegeben. Amerikanische Wissenschaftler wie John Mearsheimer und Jeffrey Sachs haben zahlreiche Belege dafür geliefert, dass diese Warnungen sehr klar waren.
Es ist daher äußerst verwunderlich, dass die europäischen Führer diese Warnungen ignoriert haben und weiterhin auf die Erweiterung der NATO gedrängt haben.
Hier ist der Englische Text:
Intro to Kishore Mahbubani
see geopolitics is a very cruel business and people who are naive and simplistic
in their analysis of geopolitics always suffer and yet at the same time some of
the rules of geopolitics are also very clear all great Powers including the United States will always put its own
interest first he will never sacrifice his interest for even the best of friends including his European friends
it was very naive for the Europeans to believe that the United States would always put European interest first in
say IND dealing with Russia this is Kor maani he is one of the most accomplished geopolitical experts in the world the
former president of the United Nations security Council and a distinguished fellow at the Asia Research Institute
Professor mapani is the author of several books including living in the Asian century and his groundbreaking
book about China’s growing influence in the world entitled has China won in
today’s interview Kor and I dive into the European role in the negotiations surrounding the end of the war in
Ukraine as tensions rise European leaders find themselves sidelined with no clear voice in the negotiations
between the US and Russia Professor maani recently authored an article for foreign policy entitled it’s time for
Europe to do the unthinkable and in today’s video we go through Europe’s three options for the future and how the
war in Ukraine can effectively end later in our interview we shift Focus to China and I asked the professor to share his
thoughts as a Singaporean on how China is increasing its influence throughout the world we discussed China’s latest
developments in Ai and renewable energy and I bluntly asked the professor the same question of his book title has
China won finally we end our discussion debating the most dangerous issue in the world which in Professor M bui’s opinion
is the future of Taiwan trust me you’ll want to hear every minute of today’s conversation and make sure you watch to
the end as Professor mapani Reveals His exact strategy on how Western countries should handle China let’s begin well
Why the Ukraine War Was Preventable
ladies and gentlemen it is a great honor to welcome into the studio professor k maani um Kure thank you so much for
joining us today and we’re look so forward to this discussion my pleasure thanks for having me absolutely um
Professor maani I want to start off um you know discussing the biggest geopolitical conflict that’s in the
world right now of course the Russia Ukraine war and I’m sure that we could have a very long discussion on what
triggered this war a lot of people saying it’s NATO expansion it’s you know Putin but I you recently had a very
interesting comment that said that the absence of pragmatism in European culture is a big factor I’d like you to
explain a little bit more about that yes I mean the the tragedy about the Ukraine War uh is that this war was uh eminently
preventable it was uh it was an accident that need not have happened and the
reason why it happened is because the Europeans have become geopolitically
incompetent and I say this with some confidence because the person who gave
me this Insight was was Henry Kissinger I had a one-on-one conversation with him
uh about a year before he passed away in October 2022 and he was lamenting the fact that the European leaders are no
longer thinking big picture long-term and looking at the uh overall uh
environment before arriving making political judgments so for example you know I want to emphasize one fact to so
that there’s no misunderstanding the Russian invasion of Ukraine is illegal nothing can justify that invasion very
clear right but at the same time that Invasion could have been prevented if
the Europeans had shown any kind of geopolitical competence and acknowledge
that since they have to live with Russia over the next 100 maybe a thousand years
maybe they should take into consideration Russia’s security concerns and and especially if Russia feels
threatened by some moves that they’re making and the Russians made it abundantly clear that the continuous
Why Did Europe Push for NATO Expansion?
eastwards expension of NATO was endangering their security and they gave all kinds of warning signs and you know
American Scholars like John mimer and Jeff sax have actually provided a lot of
data that shows that These Warnings were very very clear and it’s very puzzling
that the European leaders chose to ignore these warnings and continue to push for the expansion uh of NATO and
and I think of course right now as you know the Europeans are paying a very heavy price price for their geopolitical
incompetence because the one lesson of history and this goes back 2,000 years
Europe’s Biggest Mistake
never put all your geopolitical eggs in one basket and the Europeans put all their geopolitical eggs in one basket
called the United States of America on the assumption that the United States of America would always you know in one way
or another protect European interests even by sacrificing American interest
that was an absurd geopolitical assumption because all all great power will always put their interests first so
in a sense whatever Donald Trump is doing now is behaving like a logical great power leader whereas the Europeans
have been behaving as incompetent leaders by not considering worst case
options when they enthusiastically supported the expansion of NATO yeah
that’s a very good insight there um so do you think with you know Donald Trump’s pivot now and really you know
Why the US Will Sacrifice Europe
changing 180 degrees from from the previous administration h would you just say that that is more him acting in the
United States best interest and act like you said acting like a superpower is so this is really come to be expected this
Donald Trump’s move well and uh unfortunately you see geopolitics is a
very cruel business and people who are naive and simplistic in their analysis
of geopolitics always suffer and yet at the same time some of the rules of
geopolitics are also very clear all great Powers including the United States will always put its own interest first
right he will never sacrifice his interest for even the best of friends including his European friends it was
very naive for the Europeans to believe that the United States would always put European interests first in say in
dealing with Russia why should the United States do that the United States has got his own interest and the United
States is now trying to work out a new relationship with Russia and this could have been anticipated uh some time ago
and so I think it’s important for the Europeans to sit back and reflect and ask themselves why we why were we so
naive where did we go wrong and what can we do to make sure that we don’t make the same mistakes again in my article I
Europe’s 3 Options for Future
gave three specific suggestions for the Europeans one consider withdrawing from NATO to send a signal that you’re
autonomous and independent two work out a new grand strategic bargain with Russia and three also consider working
out a grand strategic bargain with China so in a sense act in your own interest
and not in the interest of any other great power absolutely I I love that and I the article that you’re referring to
we’re going to put a link that down in the description it’s it was an article published in foreign policy entitled it’s time for Europe to do the
unthinkable and I you hit on each one of those three points I wanted to dig a little bit deeper into those though
because you say the first thing that you’re you know one one solution right you’ve given three practical Solutions
here for Europe and I love the way that you’ve prayed that you know they’ve made some mistakes they’ve got to really think think about their future because
they were very naive geopolitically so what would that look like if if Europe were to you know leave NATO and for
What if Europe Leaves NATO?
example your first suggestion what what would that actually look like well I I think it would send a very clear signal
that Europe is declaring his geopolitical independence and hence from
now on Europe will act as an autonomous strategic actor on the world stage
putting his own interests first you know and as I even as I even concede in the
article Europe may not necessarily have to pull out on N but but by just declaring that it is prepared to leave
NATO it is sending a signal that if you don’t take my interest into consideration why should I remain a
member of this club and the best way for Europe to be treated with respect is to declare that it is willing to leave NATO
because it’s it insistence on staying on in NATO even though the United States
has completely set aside European interest gives the impression that the Europeans
as I say in a somewhat cruel fashion gives the impression that the Europeans are licking the boots that are kicking
them and that’s very unwise extremely unwise in geopolitics because in geopolitics you got to be equally cruel
and canny and shrewd if you want to protect your interests and the best way to do that is to declare that if
European interests are not taken into consideration Europe is prepared to leave NATO right um Professor tell us
Should Europe Work with Russia?
about the second option I think you br it very interesting thing is actually what I like I like what you said earlier
is is that Europe knowing that they’re going to have to live next to Russia for the next 100 years or a thousand years
is actually you know working closer with Russia and and you know and I’d like you to expand upon that I mean we know
before the war you know for example most of the natural gas that was going into Germany obviously going through
nordstream pipeline that was a very very key element to Germany’s manufacturing prowess I’d like you to expand upon the
second point you know is is it possible for Europe to actually move closer to Russia after this conflict and after
what we’ve seen definitely see in in geopolitics you must always put all
options on the table including as I emphasize the unthinkable options and
you know people forget I mean this this is why I wish the Europeans would study southeast Asia for a bit longer you know
when the asan was set up in 1967 in the Cold War as a pro-american
organization uh it was his creation was denounced by both Moscow and Beijing in
1967 and you know what so one would assume that okay because of that asan will for for forever be caught in an
antagonistic relationship with his neighbor China right but you know the asan countries are extremely pragmatic
they said hey we have to live with China for the next 1,000 years and we got to make sure that we find ways or means of
getting along in such a way that on on issues that are important to us we stand up with China and yet on other issues
that are important to China we find ways and means of getting along with China so you know this is what pragmatism is all
about you you adapt and adjust and you negotiate a fair compromise and then you
have a good relationship for the long term and I’m astonished that the Europeans didn’t make any such effort at
all to understand Russian concerns and to work towards building up the trust of
the Russians uh with Europe and and you know this is this is an obvious thing
that the Europeans should have been doing because you know right now the United States is clearly the number one
power in the world no question whatsoever we we one of the biggest lessons of history is that no one power
Remains the number one power forever and 100 years from now United States may not
be the number one power may not be the number two power maybe the number three number number four power geopolitics is
going to change you must always keep keep your options open but one thing that doesn’t change uh are your
neighbors your neighbors never go away and a strong country like Russia a resilient country like Russia is not
going to disappear anytime soon so at the end of the day the Europeans have to live with Russia over the next 10,000
years and live with Russia in where the United States is no longer the great power so why not work out your own
autonomous arrangements with Russia instead of saying oh when it comes to Russia we’ll just loyally follow follow
whatever the United States does and that’s very unwise of the Europeans and I say this as a friend of the Europeans
I’m trying to say hey take care of your interest first yeah absolutely I I think both of these options are you know
Should Europe Work with China?
fantastic and very very insightful I’d like to talk about the third one because this one specifically involves China and
I think you bring up a very interesting point here you know we see a tremendous amount of migrants you know moving away
from Africa you know you know certainly going into Europe you know and why because they’re they’re searching for a
better life they’re more opportunity as we know Africa has a tremendous amount of potential but has not been as
developed as it probably should have been um but there’s an opportunity now you know potentially to move closer to
China and I think we saw very interesting you know the um German trade Minister had said that you know for
example if they get caught in a Terra war with Donald Trump in the United States you could potentially see Germany
combating that by actually shifting closer to China so I’d like you to talk about option three you know in the sense
that Europe can actually move closer to China that would mean well I think you know in in in one of the key points I
emphasized about geopolitics uh is that you got to be very cold and calculating
in trying to assess where your next big threat is going to come from and in the case of Europe the next big threat the
The Biggest Threat to Europe
next big threat is not going to come from Russian tanks at all it’s going to come from the demographic explosion in
Africa I think here’s one statistic that every European should know in the year 1950 Europe’s population uh was uh twice
the size of Africa now Europe’s Africa’s population is more than two and a half
times more than Europe by 2100 uh Africa’s population will probably be 10
times the population of the combined population of the European Union 10 times wow so if you have a lot of
Africans and unless you promote the growth and development of Africa there’ll be more and more Africans
trying to cross the Mediterranean into Europe so how do you prevent a major migrant ation from Africa to Europe I
mean assuming that you’re not going to start killing people in your borders so the only way to do that is to is to
support the economic development of Africa and support any country which invests in Africa because every piece of
Why Chinese Investment in Africa is Good
investment in Africa is a gift to Africa and a gift to Europe at the same time so
if the Europeans were smart they should they should welcome Chinese investment in Africa but what I find quite shocking
is that that leaders like Elizabeth vand delion and andelina bayback are
sacrificing European interests by criticizing Chinese investments in
Africa this goes against European interests why are you doing that actually China is doing European Union a
favor by investing in Africa and the European Union in fact should be working
with China to promote more Chinese investment in Africa rather trying rather than trying to oppose it because
the United States opposed es it so again this is another example of geopolitical
naivity on the part of the Europeans so this is this is something that I hope
that the Europeans will consider seriously and I understand that the Spanish government in addition to the German trade Minister the Spanish
government has also come out to say that it’s time for Europe to forge its own independent policy towards China yeah I
think that’s you know very big big shift that we’re seeing from Europe and I and I think they’re going to have to I think
The Truth About the Belt and Road Initiative
they’re going to have to shift closer towards China and I want to segue I think this kind of Segways perfectly into our next point which I want to talk
specifically about the Bel and Road initiative the belt and road brri is over 10 years old now we’ve seen
trillions of dollars invested from China over aund I believe it’s 150 countries
now around the world have signed up which is an incredible number if there’s 193 nations in the world I’d like to get
your thoughts on on the brri in general you know how has it been successful you know what does the future of that look
like and and your thoughts as a Singaporean as you’re looking at China’s investment not just in your your region
in your backyard but really all over the globe I mean they have a massive footprint now please share your thoughts
well I think you know you’re absolutely right uh it’s quite remarkable that over
150 countries have signed up uh to join projects uh affiliated with the belt and
Road initiative or BR and the reason why that’s remarkable is that the Biden Administration actually went door too to
every country in the world and said don’t join the Bri don’t join the Bri don’t join the brri and you know so
countries have to choose between get taking the advice of their Biden Administration or joining the Bri and
most countries in the world said the brri is going to give me an opportunity to improve the infrastructure of my
country improve the trade Links of my country why should I say no to it right just because the United States asked me
to say no to it so it was very unwise of the United States to try and persuade
countri not to join the brri the fact that 150 countries have joined showed that the American campaign against brri
has essentially failed now of course there are some countries that have refused to join the B and they have every right to do so I mean Japan hasn’t
joined India hasn’t joined Australia hasn’t joined but that’s fair enough they can do so but the the the fact of
the matter is that most countries in the world have decided to do so because it has led to concrete benefits so you take
for example Singapore’s neighbor Indonesia the IND as you know work with China to build a fast train between
Jakarta and band and the Indonesians are elated that they have this incredibly
fast train and Indonesia as you know is a in relative terms still a developing country it’s per capita income is much
lower than that of the United States but Indonesia now is a much faster train than United States does a train that I
think is called swo if I’m not mistaken okay and and and you know so
it’s remarkable so this this is not just about infrastructure because when you build a fast train and Country and
people in Indonesia say wow my country can have build a fast train guess what else my country can do it also enhances
the psychological confidence and also the psychological well-being of the population to see successful
infrastructure projects uh being built and completed uh in their countries and
in then therefore it was very unwise of the United States uh to oppose the brri
Should USA Join the BRI?
and I think the United States frankly should now try to do the opposite which is to welcome the brri investment in
United States because frankly much of United States infrastructure looks
pretty third world if you go to United States airports if you take a fast train in the United States and in fact if you
you see some of the bridges collapsing in the United States it would make sense for United States to work with China and
BR rather than to oppose the Bri now I know it’s not going to happen anytime soon but it’s is is an unthinkable
option that the United States should consider uh for the Future Would wouldn’t that be amazing United States
signing up to be on the BR I mean I completely agree with you as far as the infrastructure and you know how this
country is operating right now and I think I’d like to talk a little bit more about China because I know this is a
China’s Big Wins in 2025
country that you’ve studied tremendously and I think what’s you obviously traveled there many times I I’d like to
get your thoughts because in 2020 you authored a book called has China won and and I think 2025 has been a very
interesting year we you know we’ve seen these Tick Tock refugees you know mer millions of Americans you know being
frustrated with the US government wanting to ban Tik Tok and then go to xia hongu which is red note the Chinese
app and and having these amazing cultural exchanges millions of Americans millions of Chinese exchanging and
learning more about each other’s culture we then saw deep seek come out and completely revolutionize the future of
AI almost overnight it seemed like but really a breakthrough just last week we’ve seen you know China launch this
animated film that grossed a billion US dollars in the first 11 days in the box office I ask you five years later here
in 2025 you know has China won well uh as you know in my thesis in in my book
Has China Won?
called has China won that is a question mark there at the end of question great so the title is not China has won right
but as no question that uh a lot of the key uh points I made in the book still
remain valid even though the book was published in 2020 the first point I emphasize is that the United States has
launch a geopolitical contest against China and I said American Presidents may
come American president may go it makes no difference because this contest is driven by structural factors and
fortunately or unfortunately my predictions have come true you’ve had two very different presidents Trump and
Biden since the book was written but the fact this despite their differences the consistent American policy of trying to
stop the rise of China has continued and secondly I do have a make a key point
Why USA Should Never Bet Against China
that whatever the United States does it must never underestimate China because
China at the end of the day is still represents the world’s oldest continuous
civilization he’s been around for over 4,000 years there’s a reason for that
and in fact all the remarkable achievements that you point to whether it’s uh you know deep sake or China’s
manufacturing powers or right uh you know what it does in Battery Technology
EVs and so on and so forth China is a remarkable country and I think many Americans make a serious mistake of
underestimating China but a third and equally important I point I make in in
China Must Never Underestimate USA
the form of a fictional memo to president XI chin ping in chapter one of my book is that now that the
geopolitical contest between us and China has begun China of course must
believe that it’s going to win but whatever China does China must never underestimate the United States of
America because the United States of America is a remarkably successful society and has achieve wonders I mean
just to give you one statistic in the year 2000 uh the European Union and United States economies were about the
same size right now the European Union is only about 2/3 the size of United States so you know know the European
Union clearly as I’ve indicated in my earlier remarks has lost its way but the United States Still Remains a formidable
great power and it has a culture of innovation and Entrepreneurship that
keeps his economy very very very strong and that’s why I encourage the Chinese
to also treat the United States with respect just as I encourage the Americans to also treat China with
respect yeah that’s fantastic fantastic uh advice I completely agree with with that and I’d like to get your thoughts
Biggest Threat to Future of our World
uh being a Singaporean and being you know right in the middle of Asia and and you know we have these two great Powers
the US and and China um what is what is really the one you know geopolitical
conflict or situation that that you would fear the most for the future of our world is it potentially a us China
conflict happening somewhere in the Taiwan Strait for example is it you know the continuing problems that we see in
Europe is it something else that we’re not aware of what what is you know given your analysis and your in Singapore what
for for you what is that one big event that you’re looking for in the future well I think the the the most dangerous
issue in the world ban uh is a Taiwan issue no question whatsoever and in fact
I explained that of course in my book has China won Taiwan at the end of the day is a very hot potato politically
because it is the last living symbol of the century of humiliation that China
suffered from 1842 to 194 9 and I think it’s very important for every American
policy maker to study what this Century of humiliation means for the Chinese
mind and that’s why I came out with an edex edx course a short four lecture course on the century of humiliation so
that Americans could understand it better and you know as you know Taiwan was first separated from China when
China suffered a humiliating defeat at the hands of Japan in 1895 and from the
Chinese point of view until Taiwan is reunified by the century of humiliation has has not been closed and that’s why
you have to manage the taiwan’s issue very very delicately now this doesn’t mean that Taiwan should be returned to
Why Taiwan Status Quo is Important
China tomorrow overnight in fact the best way to preserve peace in the Taiwan
stat is to not change the status quo and as part of the status quo this is a very important point you have both countries
both of which claim that they’re representing China so Taiwan declares itself as a Republic of China and wiser
for Taiwan to continue to call itself the Republic of China and to continue to claim all of China because that
reaffirms the fact that Taiwan and China are one country corre but if Taiwan
declares independence then it may Force Tha China to declare war on Taiwan which
would be very very dangerous and at the same time if the even if the Taiwan did that they would find themselves
completely isolated in the world because while the passport of the Republic of China is now accepted in over 150
countries in the world any passport issued by Republic of Taiwan be will be recognized by barely a handful of
countries in the world so the Taiwan will be isolating themselves if they change the status quo so therefore the
the wisest thing to do in on the issue of Taiwan is to leave the status quo
alone as much as possible and not change it and this is where I thought from time
to time uh some of the things the Biden Administration did was a bit dangerous
like for examp example when Joe Biden gave an absolute security grantee to Taiwan and without any qualifications
and that was dangerous because the Strategic ambiguity prevented the Taiwanese from declaring independence
but once you give Taiwan an absolute security guarantee you’re also saying go ahead and declare independence and you
you’ll have my support and that’s very an unwise thing for the Biden Administration to have done cor right
thank you so much for that expert analysis that’s a very good point I think a lot of people haven’t thought
about is the fact that the Republic of China Taiwan right now they do claim all of China you know they do claiming
mainland China as well they’re one and it reaffirms that one China policy if they were to declare independence the
very few countries would be recognizing that that’s actually a very interesting point that I think a lot of people don’t
understand uh Professor mapani I have one final question you know on our YouTube channel here we we focus we bring in experts to talk about China and
What is One Thing You Want to Know About China?
we really try to help a lot more people understand China I think there there’s a lot of people in Western culture that
haven’t been exposed don’t have the knowledge I know that you’ve traveled to China extensively you’ve studied it for
many years what is one thing that you want the world to know about China that would be useful for them in the future I
think the one thing that everyone in the world especially every American should
understand is that China represents the world’s oldest continuous civilization
and and why has China survive for so long why has it demonstrated that it is
the most resilient civilization and the reason for that is that there is a lot
of wisdom in the Chinese body Politics on how to manage their Affairs
domestically and how to manage their affairs with their neighbors so clearly
I think it’s important for all of us who deal with China to deal with it on the
basis of respect and Americans especially should stop pouring scorn on China
Why America Should Treat China with Respect
should stop demonizing China should stop speaking of China in such insulting
terms and you know I wish the Americans would go around the world and listen to how other countries speak about China
and they’ll find that the vast majority of countries in the world treat China with a great deal of respect and I would
say that that’s one thing that Americans should learn to do to treat China with great respect even when they disagree
with it and to find ways and means of getting along with China because at the end of the day China has been around for
4,000 Years it’ll be around for another 4,000 years and Americans must remind
themselves that the United States of America has only been around 250 years it is still a child on world history and
a child in world history should show respect for their longest continuous civilization of humanity those are such
powerful words professor and I want to end there because that is just a perfect conclusion to our conversation today I
want to thank you so much for your time and you want to tell everybody how they can follow your work we’d love to continue to follow you I know we can
Conclusion
follow you on Twitter anywhere else or anything else that we could should be aware of but fortunately I have uh
active links in uh Twitter uh in Facebook uh in LinkedIn and I also have
a website called ww m.net and also a substack uh page so I guess you can uh
follow me but what I have found actually to my absolute astonishment is that
videos of all my interviews seem to be circulating widely without any
intervention on my part at all and I don’t understand how they’re circulating
or who’s circulating them but I’m nonetheless happy that for example my Harvard University lecture on happens
when China becomes number one has now been viewed over 4 million times and my book The Asian 21st century which is a
free Open Access book has been downloaded uh over 3.9 million times wow
and these this are this this is all this is happening without any effort on my part and so for all those of you who are
cting my work uh on your own I want to say a big thank you to all of you oh
fantastic well Professor you have such amazing insights you’re we just love to listen to you speak and to to hear your
Insight so thank you for sharing your message thank you for everything you do for our world and we’re going to make sure to put all those links down in the
description and everybody please make sure that you drop a comment down below and you know like the professor said let’s keep circulating this conversation
today to help get that message out thank you all for your continued support we’ll see you all in our next interview soon everyone thank you as always for your
incredible support I’m really grateful to invite guests like Professor mapani on the channel to help us all understand
the fast changing world of geopolitics if you enjoyed today’s discussion and made it to this point in the video
please make sure you subscribe to my geopolitics newsletter to stay up to-date on the latest developments
around the world I’ll drop the link down below also make sure you check out our other interviews by clicking here for
our next video thank you all for your continued support and I look forward to seeing you again in a future video soon
Es wurde von verschiedener Seite, z.B- der chinesischen, vorgeschlagen, sich an dem alten Friedensvorschlagsentwurf für einen neuen zu orientieren.
Welche Seite will ein Ziel des Friedensvertrages defininieren, das im alten, abgebrochenen Friedensvrtragsentwwurfs nicht definiert wurde?
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Welche Forderungen könnten von mir und der Braunschweiger Friedensbewegung und von aller Friedensbewegung und der weltweiten Friedenesbwerungen ausgehen, um den Frieden in der Welt voranszubringen?