Das Deutsche Vorwort der „China Study“

China Study: Pflanzenbasierte Ernährung und ihre wissenschaftliche Begründung

von T Colin Campbell und Thomas M Campbell

Unter diesem Link ist auch das Englische Vorwort bei Amazon zu lesen. Ihr müsst Euch die „Introduction“ raussuchen, dort steht der Text wie bei der Deutschen Ausgabe auf acht Seiten. Für mich umwerfend! Ihr könnt auch so vorgehen: Amazon aufrufen, China Study aufrufen und „Blick in das Buch“ anwählen, da fehlt nur die Seite 7 … 

Das immense Bedürfnis der Öffentlichkeit nach Ernährungsrichtlinien erstaunt mich immer wieder, obgleich ich mein Arbeitsleben der Durchführung experimenteller Forschungen von Ernährungs- und Gesundheitsfragen gewidmet habe. Ernährungsbücher sind beständige Bestseller. Nahezu jede gängige Illustrierte bietet Ernährungsratschläge. Zeitungen bringen regelmäßig Artikel, und in TV- und Radiosendungen laufen ständig Diskussionen über Ernährung und Gesundheit.

Sind Sie angesichts dieser Informationsflut wirklich sicher, was Sie tun können, um ihren Gesundheitszustand zu verbessern?

Sollten Sie Nahrungsmittel aus biologischem Anbau kaufen, um eine Pestizidbelastung zu vermeiden? Sind Umweltgifte die Hauptursache für Krebs? Oder ist Ihre Gesundheit durch Ihre Gene von Geburt an vorherbestimmt? Machen Sie Kohlehydrate wirklich dick? Sollten Sie mehr wegen der Gesamtmenge der konsumierten Fette besorgt sein oder bloß wegen der gesättigten Fettsäuren und Transfette? Welche Vitamine, wenn überhaupt, sollten Sie einnehmen? Kaufen Sie Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Belaststoffen angereichert sind? Sollten Sie Fisch essen, und wenn ja, wie oft? Verhindert der Verzehr von Sojaprodukten die Entstehung von Herzkrankheiten? Ich vermute, dass Sie sich der Antworten auf diese Fragen nicht ganz sicher sind.

Wenn das der Fall ist, sind Sie nicht alleine. Obwohl Informationen und Meinungen im Überfluss vorhanden sind, wissen sehr wenige Menschen wirklich, was sie zu ihrer Gesundheit beitragen können.

Der Grund dafür ist nicht, dass es keine Untersuchungen gibt. Es gibt sie. Wir wissen enorm viel über die Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit. Aber die wahre Wissenschaft wird unter einem Wirrwarr von unsachlichen oder sogar gesundheitsgefährdenden Informationen begraben – verursacht durch Pseudowissenschaft, Modediäten und Propaganda der Nahrungsmittelindustrie.

Dies möchte ich ändern. Ich möchte Ihnen ein neues Rahmenwerk zum besseren Verständnis von Ernährung und Gesundheit bieten, ein Rahmenwerk, das Verwirrung ausschließt, Krankheit verhindert oder behandelt, und Ihnen erlaubt, ein erfüllteres Leben zu führen.

Beinahe fünfzig Jahre lang war ich Teil “des Systems”, arbeitete auf höchster Ebene, entwickelte und leitete große Forschungsprojekte, entschied, welche Forschungen finanziell gefördert werden sollten und arbeitete gewaltige Mengen an wissenschaftlichen Daten in Berichte für nationale Expertenausschüsse ein.

Nach einer langen Laufbahn in Forschung und gesundheitspolitischer Öffentlichkeitsarbeit verstehe ich jetzt, warum Amerikaner so verwirrt sind. Als Steuerzahlende, die die Rechnung für Forschung und Gesundheitspolitik in Amerika begleichen, haben Sie das Recht zu erfahren, dass viele der gängigen Auffassungen über Ernährung, Gesundheit und Krankheit, die Ihnen vermittelt wurden, falsch sind:

  • Synthetische Chemikalien in der Umwelt und in Nahrungsmitteln – so problematisch sie auch sein mögen – sind nicht die Hauptursache für Krebs.

  • Die Gene, die Sie von Ihren Eltern erben, sind nicht die entscheidenden Faktoren dafür, ob Sie einer der zehn führenden Todesursachen zum Opfer fallen.

  • Die Hoffnung, dass die genetische Forschung letztendlich zur Entwicklung von Arzneimitteln zur Heilung von Erkrankungen führt, lässt sehr viel machtvollere Lösungsansätze außer Acht, die man heutzutage anwenden kann.

  • I Zwanghaftes Kontrollieren der Aufnahme jeglicher Nährstoffe, wie zum Beispiel Kohlenhydrate, Fette, Cholesterin oder Omega-3-Fettsäuren, führt nicht zu langfristiger Gesundheit.

  • I Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel gewährleisten keinen langfristigen Schutz gegen Erkrankung.

  • I Medikamente und operative Eingriffe heilen nicht die Krankheiten, an denen die meisten Amerikaner sterben.

  • I Ihr Hausarzt weiß wahrscheinlich nicht, was Sie brauchen, um so gesund wie nur möglich zu sein

Ich beabsichtige nichts Geringeres als eine Neudefinition dessen, was wir als gesunde Ernährung betrachten. Die provozierenden Ergebnisse aus meinen vier Dekaden biomedizinischen Forschens, inklusive der Untersuchungsergebnisse einer 27 Jahre dauernden Laborversuchsreihe (finanziert von einem der angesehensten Leistungsträger), belegen, dass eine angemessene Ernährungsweise Ihr Leben retten kann.

Ich werde nicht von Ihnen erwarten, dass Sie den Schlussfolgerungen glauben, die auf meinen persönlichen Beobachtungen beruhen, so wie es einige populäre Autoren tun. In diesem Buch befinden sich über 750 Literaturangaben, und die überwältigende Mehrheit besteht aus primären Informationsquellen, einschließlich Hunderter wissenschaftlicher Publikationen anderer Forscher, die einen Weg zu weniger Krebs, weniger Herzerkrankungen, weniger Gehirnschlägen, weniger Fettleibigkeit, weniger Autoimmunerkrankungen, weniger Osteoporose, weniger Alzheimer, weniger Nierensteinen und weniger Erblindungen aufzeigen.

  • Viele Forschungsergebnisse, die in den renommiertesten Wissenschaftsjournalen veröffentlicht wurden, zeigen Folgendes:

  • Eine Änderung der Ernährungsweise ermöglicht es (Mein Hinweis: erwachsenen) Diabetikern, ohne Medikation auszukommen.

  • Herzerkrankungen können allein mit Ernährung rückgängig gemacht werden.

  • Brustkrebs korreliert mit der Menge gewisser weiblicher Sexualhormone im Blut, die durch Nahrungsmittel aufge-

    nommen werden.

  • Der Verzehr von Milchprodukten kann das Risiko von Prostatakrebs erhöhen.

  • Antioxidanzien, die in Obst und Gemüse vorkommen, stehen in direktem Zusammenhang mit der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter.

  • Nierensteinen kann mit einer gesunden Ernährungsweise vorgebeugt werden.

  • Diabetes vom Typ I, eine der verheerendsten Erkrankungen, die einem Kind widerfahren kann, steht in direktem Zusammenhang mit den Ernährungspraktiken im Säuglings- und Kleinkindalter.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine angemessene Ernährung die mächtigste Waffe gegen Erkrankungen ist. Das Verständnis dieser wissenschaftlichen Belege ist nicht nur zur Förderung unserer Gesundheit wichtig, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft. Wir müssen wissen, warum Fehlinformationen unsere Gesellschaft beherrschen und warum wir enormen Irrtümern unterliegen, was das Erforschen von Ernährung und Krankheit betrifft, und wie wir Gesundheit fördern und Krankheiten behandeln können.

In vieler Hinsicht versagt das amerikanische Gesundheitssystem. Unsere Pro/Kopf- Ausgaben für das Gesundheitswesen sind weit höher als in jeder anderen Gesellschaft der Welt, und dennoch sind zwei
Drittel der Amerikaner übergewichtig, und über 15 Millionen Amerikaner leiden an Diabetes – eine Zahl, die rapide ansteigt.
Herzerkrankungen fallen wir genauso oft zum Opfer wie vor dreißig Jahren, und der Kampf gegen Krebs, der in den Siebzigerjahren begann, hat kläglich versagt. Die Hälfte aller Amerikaner leidet an einem Gesundheitsproblem, das die wöchentliche Einnahme eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels erfordert, und über 100 Millionen Amerikaner weisen einen erhöhten Cholesterinspiegel auf.

Zu allem Übel führen wir unsere Jugend steil bergab auf einen Weg, auf dem sich Krankheit immer früher in ihrem Leben manifestiert. Ein Drittel der jungen Menschen in diesem Land ist übergewichtig oder gefährdet, übergewichtig zu werden.
Zunehmend werden sie Opfer einer Form von Diabetes, die früher nur bei Erwachsenen festgestellt wurde, und diese jungen Menschen nehmen jetzt mehr Medikamente ein als je zuvor. All diese Probleme laufen auf drei Punkte hinaus: Frühstück, Mittagessen und Abendessen.

Vor mehr als vierzig Jahren, zu Beginn meiner Karriere, hätte ich nie vermutet, dass Essen in einem so engen Zusammenhang mit Gesundheitsproblemen steht. Jahrelang dachte ich nicht viel darüber nach, welche Nahrungsmittel man am besten essen sollte. Ich aß einfach, was jeder andere auch aß: das, wovon man mir sagte, es sei gutes Essen. Wir alle essen, was schmackhaft oder praktisch ist, oder das, was uns unsere Eltern an Vorlieben mitgegeben haben. Die meisten von uns leben innerhalb kultureller Grenzen, die unsere Essgewohnheiten und Vorlieben festlegen.

So war es bei mir. Ich wuchs in einem Milchviehbetrieb auf, wo Milch essenziell für unser Leben war. In der Schule brachte man uns bei, dass Kuhmilch stark machen und die Knochen und Zähne gesund erhalten würde. Sie stellte das vollkommene Nahrungsmittel aus der Natur dar. Auf unserem Bauernhof brachten wir die meisten unserer Nahrungsmittel aus dem Garten oder der Viehwirtschaft hervor.

Ich war der erste in meiner Familie, der auf eine Hochschule ging. Ich studierte vorklinische Veterinärmedizin an der Penn-State-Universität, besuchte danach ein Jahr lang die Veterinärschule an der Universität von Georgia, als die Cornell- Universität mit einem Stipendium für eine Forschung über “Tiernahrung” winkte. Ich stieg um, zum Teil, weil man mir das Studium bezahlen würde, anstatt dass ich dafür bezahlen musste. Dort machte ich meinen Magister.
Ich war der letzte Hochschulabsolvent von Professor Clive McCay, ein Cornell-Professor, berühmt dafür, dass er das Leben von Ratten verlängerte, indem er ihnen viel weniger zu essen gab, als sie normalerweise essen würden. Die Forschung für meine Dissertation an der Cornell- Universität war dem Auffinden besserer Methoden für ein schnelleres Wachstum von Kühen und Schafen gewidmet. Das war mein Versuch, unsere Möglichkeiten zur Produktion von tierischem Eiweiß zu verbessern, dem Grundpfeiler “gesunder Ernährung”, wie man mir weismachte.

Ich wollte Gesundheit fördern, indem ich für den Verzehr von mehr Fleisch, Milch und Eiern eintrat. Dies war eine naheliegende Fortsetzung meines eigenen Lebens auf einem Bauernhof, und ich war zufrieden in dem Glauben, dass die amerikanische Ernährungsweise die beste der Welt war.
Während dieser prägenden Jahre begegnete ich einem immer wiederkehrenden Thema: Wir aßen die vermeintlich richtigen Nahrungsmittel, insbesondere eine Fülle an qualitativ hochwertigem Tierprotein. Den Großteil meiner anfänglichen Laufbahn arbeitete ich mit zwei der giftigsten Chemikalien, die je entdeckt worden waren:

Dioxin und Aflatoxin. Ich arbeitete zunächst am MIT (Massachusetts Institute ofTechnology), wo ich einem rätselhaften Problem bezüglich Hühnerfutter zugeteilt war. Millionen von Küken starben jedes Jahr an einer unbekannten toxischen Chemikalie im Futter, und ich sollte dieses Gift isolieren und seine chemische Struktur ermitteln. Nach zweieinhalb Jahren trug ich zur Entdeckung von Dioxin bei, wohl die giftigste chemische Verbindung, die je gefunden worden war.
Diese Chemikalie hat inzwischen weit verbreitete Beachtung erhalten, insbesondere weil sie Teil des Unkrautvertilgungsmittels 2,4,5- T oder auch des Entlaubungsmittels “Agent Orange” war, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.

Nachdem ich das MIT verlassen und eine Fakultätsposition an der Virginia- TechUniversität angenommen hatte, begann ich, die technische Unterstützung für ein landesweites Projekt mit unterernährten Kindern auf den Philippinen zu koordinieren. Teil des Projekts war die Untersuchung des ungewöhnlich hohen Auftretens von Leberkrebs bei philippinischen Kindern – normalerweise eine Erkrankung im Erwachsenenalter. Es wurde angenommen, dass eine erhöhte Aufnahme von Aflatoxin, ein Schimmelgift, das in Erdnüssen und Getreide vorkommt, die Ursache für dieses Problem war. Aflatoxin wird als eines der stärksten Karzinogene bezeichnet, das je entdeckt worden ist.

Über zehn Jahre hinweg war unser Hauptziel auf den Philippinen, die Unterernährung der armen Bevölkerung im Kindesalter zu verbessern. Ein Projekt, das von der U.S. Agency for International Development” gefördert wurde. Schließlich etablierten wir landesweit 110 “Selbsthilfe”- Bildungszentren für Ernährung.

Das Ziel dieser Bestrebungen auf den Philippinen war ein Einfaches: Die Kinder sollten so viel Eiweiß wie möglich bekommen. Es war eine weit verbreitete Annahme, dass ein Großteil der Unterernährung bei Kindern weltweit durch einen Proteinmangel verursacht war, insbesondere durch einen Mangel an tierischem Eiweiß. Universitäten und Regierungen auf der ganzen Welt arbeiteten daran, die Auswirkungen dieses wahrgenommenen Proteinmangels in den nicht industrialisierten Ländern zu mildern.

In diesem Projekt deckte ich jedoch ein dunkles Geheimnis auf: Kinder, die am meisten Protein zu sich nahmen, bekamen am ehesten Leberkrebs! Es waren die Kinder der wohlhabendsten Familien.

Zu jener Zeit hörte ich von einem Forschungsbericht aus Indien mit sehr provokativen und aussagekräftigen Ergebnissen. Indische Forscher untersuchten zwei Gruppen von Ratten. Eine Gruppe erhielt krebserregendes Aflatoxin und wurde daraufhin mit Futter, bestehend aus 20%  Protein, gefüttert, was ungefähr dem Proteinanteil der westlichen Ernährungsweise entspricht.
Der anderen Gruppe wurde die gleiche Menge Aflatoxin verabreicht, erhielt dann aber Futter, das nur 5% Protein enthielt. Erstaunlicherweise bekam jedes einzelne Tier Leberkrebs, das mit der Nahrung mit dem hohen Proteinanteil gefüttert wurde, wohingegen die Tiere, die mit nur 5% Protein gefüttert wurden, keinen Leberkrebs entwickelten. Das Ergebnis bestand aus 100 zu 0 Fällen, was keinen Zweifel darüber lässt, dass Ernährung chemische Karzinogene – sogar sehr starke Karzinogene – in ihrer Wirkung übertrifft und die Entstehung von Krebs verhindern kann.

Diese Aussagen standen im Widerspruch zu allem, was ich bis dahin gelernt hatte.
Zu behaupten, dass Protein nicht gesund wäre oder sogar die Entstehung von Krebs förderte, war ketzerisch. Dies stellte ein Schlüsselerlebnis meiner Karriere dar. Indem ich Protein und generell Nahrungsmittel tierischen Ursprungs in Frage stellen würde, ging ich das Risiko ein, als Ketzer hingestellt zu werden, selbst wenn es sich um Ergebnisse der allgemeingültigen “guten Wissenschaft” handelte.

Aber ich war noch nie für die Einhaltung von Vorschriften um ihrer selbst willen. Als ich lernte, eine Gruppe von Pferden oder eine Rinderherde einzutreiben, Tiere zu jagen, in unserem Bach zu fischen oder auf den Feldern zu arbeiten, kam ich zu dem Schluss, dass eigenständiges Denken Teil des Lernprozesses war. Es musste so sein.
Draußen auf dem Feld auf Schwierigkeiten zu stoßen, hieß herauszufinden, was als Nächstes zu tun war. Es war wie ein großes Klassenzimmer, was Ihnen jeder Bauernjunge bestätigen würde. Dieses Gefühl der Eigenständigkeit blieb mir bis heute erhalten.

Auf diese Weise mit einer schwierigen Entscheidung konfrontiert, entschloss ich mich, eine gründliche Laborstudie zur Untersuchung der Rolle der Ernährung – speziell der des Proteins – bei der Krebsentstehung durchzuführen. Meine Kollegen und ich waren vorsichtig bei der Ausarbeitung unserer Hypothese, rigoros in der Methodik und zurückhaltend, was die Auswertung unserer Ergebnisse betraf. Ich entschied mich, diese Forschung als Grundlagenstudie durchzuführen, in der die biochemischen Faktoren bei der Krebsentstehung untersucht wurden. Es war wichtig, nicht nur zu verstehen, ob sondern auch wie Protein die Entstehung von Krebs begünstigen würde. Es war eine hochklassige Studie.
Indem ich sorgfältig die Regeln der gültigen “guten” Wissenschaft befolgte, war ich in der Lage, eine provokante Fragestellung zu untersuchen, ohne die reflexartigen Reaktionen hervorzurufen, die oft als Antwort auf radikale Ideen auftreten. Letztendlich wurde die Studie über einen Zeitraum von 27 Jahren finanziell erheblich von anerkannten Instituten gefördert (größtenteils durch die National Institutes of Health- (NIH), die American Cancer Society” und das American Institute for Cancer Research”). Dann wurden unsere Ergebnisse vor der Publikation in vielen der besten wissenschaftlichen Journale noch ein zweites Mal geprüft.

Unsere Ergebnisse waren schockierend. Eine proteinarme Ernährungsweise hemmte die Krebsentstehung durch Aflatoxin, unabhängig von der Menge des Karzinogens, die den Tieren verabreicht worden war.
Auch nach bereits erfolgtem Auftreten von Krebs hemmte eine proteinarme Ernährung ein späteres Krebswachstum. In anderen Worten, die krebserzeugende Wirkung dieser hoch karzinogenen Substanz wurde durch eine proteinarme Nahrungszufuhr vernachlässigbar. Der Einfluss des Nahrungsproteins erwies sich tatsächlich als so gewaltig, dass wir lediglich durch die Änderung der Proteinmenge das Krebswachstum anregen oder hemmen konnten.

Außerdem entsprach die verabreichte Proteinmenge derjenigen, die normalerweise Menschen zu sich nehmen. Wir benutzten keine außergewöhnlich hohen Dosen, wie es in Krebsstudien sehr oft der Fall ist.

Aber das ist nicht alles. Wir entdeckten, dass nicht alle Proteine diesen Effekt haben. Welches Protein erwies sich durchwegs stark und nachhaltig als krebserregend?
Kasein, das 87% des in der Kuhmilch enthaltenen Proteins ausmacht, förderte alle Stadien des Krebswachstums. Welche Proteinart erwies sich auch bei Verabreichung hoher Dosen als nicht förderlich für die Krebsentstehung? Die gefahrlosen Proteine waren pflanzlichen Ursprungs, z.B. aus Weizen und Soja. In Anbetracht dieser Ergebnisse wurden einige meiner bisher meist geschätzten Thesen zunächst in Frage gestellt und dann zerschlagen.

An diesem Punkt waren die experimentellen Tierstudien noch nicht beendet. Ich übernahm die Leitung für die umfassendste Studie über Ernährung, Lebensweise und Krankheit, die jemals mit Menschen in der Geschichte der biomedizinischen Forschung gemacht wurde. Es war ein gewaltiges Unterfangen, das gemeinsam von der Cornell-Universität, der Oxford-Universität und der Chinesischen Akademie für Präventivmedizin durchgeführt wurde. Die New York Times bezeichnete die Studie als “Grand Prix der Epidemiologie”. In diesem Projekt wurde eine enorme Bandbreite an Erkrankungen sowie Ernährungs- und Lebensstilfaktoren im ländlichen China – und in jüngster Zeit auch Taiwan – untersucht.
Allgemein mehr als die China Study bekannt, brachte dieses Projekt letztendlich mehr als 8.000 statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ernährungsfaktoren und Krankheiten hervor!

Was dieses Projekt besonders bemerkenswert machte, ist, dass unter all den relevanten Beziehungen zwischen Ernährung und Krankheit derart viele auf das gleiche Ergebnis hindeuteten: Diejenigen Menschen, die die meisten Nahrungsmittel tierischen Ursprungs zu sich nahmen, litten am meisten unter chronischen Erkrankungen. Sogar relativ kleine Nahrungsmittelmengen tierischen Ursprungs waren mit nachteiligen Wirkungen assoziiert. Diejenigen Menschen, die den größten Nahrungsmittelanteil pflanzlichen Ursprungs zu sich nahmen, waren am gesündesten und tendierten dazu, keinerlei chronische Erkrankungen zu haben. Diese Ergebnisse konnten nicht ignoriert werden. Von den anfänglich geführten experimentellen Tierstudien über die Wirkung tierischen Proteins bis zu dieser gewaltigen Personenstudie über Ernährungsmuster stimmten die Ergebnisse überein. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs von Nahrungsmitteln tierischer oder pflanzlicher Herkunft waren außergewöhnlich verschieden.

Ich konnte und wollte mich aber nicht nur auf die Ergebnisse unserer Tierstudien und der gewaltigen Humanstudie in China stützen, wie eindrucksvoll sie auch gewesen sein mögen. Ich fand auch die Untersuchungsergebnisse anderer Forscher und Kliniker, und diese erwiesen sich als die erstaunlichsten Forschungsergebnisse der letzten fünfzig Jahre.

Diese Ergebnisse, die im zweiten Teil des vorliegenden Buches vorgestellt werden, zeigen, dass Herzerkrankungen, Diabetes und Adipositas” mit Hilfe einer gesunden Ernährungsweise reversibel sind, also rückgängig gemacht werden können. Andere Untersuchungen zeigen, dass verschiedene Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, der Zustand von Knochen und Nieren, das Sehvermögen und altersbedingte Hirnschäden (wie kognitive Störungen und Alzheimer) in einem überzeugenden Ausmaß durch Ernährung beeinflusst werden. Am wichtigsten ist der Umstand, dass die Ernährungsweise, die diese Erkrankungen rückgängig machte und/oder verhindern konnte, aus denselben vollwertigen pflanzlichen Nahrungsmitteln bestand, die sich sowohl in meinen experimentellen Forschungen als auch in der China Study als optimal gesundheitsfördernd erwiesen hatten. Die Ergebnisse stimmten überein.

Und trotz der Macht dieser Information, trotz der Hoffnungen, die sie hervorruft, und trotz der Notwendigkeit, diesen Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit zu verstehen, sind die Menschen nach wie vor verunsichert. Freunde von mir, die unter Herzerkrankungen leiden, haben sich schicksalsergeben und mutlos dem ausgeliefert, was sie als eine unvermeidbare Erkrankung ansehen. Ich habe mit Frauen gesprochen, deren angst vor Brustkrebs derart groß ist, dass sie ihre eigenen Brüste und sogar die Brüste ihrer Töchter operativ entfernen lassen wollen, als ob dieser Weg der Einzige wäre, um das Risiko der Erkrankung zu verringern. So viele Menschen, die ich getroffen habe, sind auf einen Weg der Krankheit, Mutlosigkeit und Verunsicherung geführt worden, was ihre Gesundheit und ihren eigenen Beitrag zu deren Erhaltung betrifft.

Die Menschen sind verunsichert, und ich werde Ihnen sagen warum. Die Antworten, die in Kapitel 4 dieses Buches erörtert werden, haben etwas mit der Art zu tun, wie Informationen über Gesundheit gebildet und übermittelt werden, und von wem diese Abläufe und Informationsflüsse kontrolliert werden. Da ich so lange hinter den Kulissen Informationen über Gesundheit erforscht und formuliert habe, konnte ich sehen, was wirklich vor sich geht – und ich bin bereit, der Welt mitzuteilen, was in diesem System falsch läuft. Die Grenzen zwischen Regierung, Industrie, Wissenschaft und Medizin sind im Laufe der Zeit verschwommen. Die Grenze zwischen dem Erzielen eines Gewinns und der Förderung der Gesundheit sind unscharf geworden.
Die Probleme mit dem System erscheinen nicht in Form von Korruption im Hollywood-Stil. Die Probleme sind viel subtiler und dennoch viel gefährlicher. Das Resultat sind gewaltige Mengen an Falschinformationen, für die durchschnittliche amerikanische Konsumenten gleich zweimal bezahlen. Zum einen stellen sie das erforderliche Steuergeld für die Forschungen zur Verfügung, zum anderen erbringen sie das Geld für die medizinische Versorgung ihrer größtenteils vermeidbaren Erkrankungen.

Diese Geschichte, die mit meinem persönlichen Hintergrund beginnt und in einem neuen Verständnis von Ernährung und Gesundheit gipfelt, ist Gegenstand dieses Buches. Vor sechs Jahren organisierte und lehrte ich ein neues Wahlfach – vegetarische Ernährung – an der Cornell- Universität. Es war der erste Kurs dieser Art an einer amerikanischen Universität, und er war viel erfolgreicher als ich erwartet hatte. Schwerpunkt dieses Kurses ist der gesundheitliche Nutzen einer Ernährung pflanzlichen Ursprungs. Nach meiner Zeit am MIT, der Virginia – Tech – Universität und der Rückkehr an die Cornell-Universität vor dreißig Jahren wurde ich mit der Aufgabe betraut, die Konzepte und Prinzipien von Chemie, Biochemie, Physiologie und Toxikologie in einem Ernährungskurs auf hohem Niveau miteinander zu verbinden.

Nach vier Jahrzehnten Tätigkeit in wissenschaftlicher Forschung, Bildung und Politik auf höchster Ebene unserer Gesellschaft fühle ich mich nun imstande, diese Disziplinen zu einer überzeugenden Geschichte zusammenzufügen. Das ist es, was ich in meinem neuesten Kurs getan habe, und viele meiner Studenten bestätigten mir, dass sich ihr Leben am Ende des Semesters zum Besseren hin verändert hatte. Das ist es auch, was ich für Sie tun möchte:  Ich hoffe, dass sich Ihr Leben ebenso verändern wird.

 

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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1 Antwort zu Das Deutsche Vorwort der „China Study“

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