Joachim Guilliard: AKW Saporischschja

Joachim Guilliard: AKW Saporischschja

Betreff: Re: [Ak_s-n_intern] Wochenbericht der Öffentlichkeitsarbeit für die 33. KW – AKW Saporischschja
Datum: Sat, 20 Aug 2022 13:57:10 +0200
Von: Joachim Guilliard <Joachim.Guilliard@t-online.de>
An: AK Süd Nord Intern <ak_s-n_intern@ippnw-lists.de>

Hallo zusammen,

die Forderung einer entmilitarisierte Schutzzone um das AKW Saporischschja unter internationaler Aufsicht klingt zwar sympathisch, geht aber an den Realitäten vorbei.

Da russische Truppen sich nicht selbst beschießen, kommt der Beschuss des AKWs zweifelsohne von ukrainischer Seite. Kiew verfolgt damit – offenbar mit Rückendeckung der NATO-Verbündeten – genau den Plan, Russland durch drohende gravierende Beschädigungen und massivem internationalen Druck zum Rückzug seiner Truppen aus dem Gebiet um das AKW zu zwingen. Moskau wird – realistisch gesehen – ein solches Gebietes an der Front, direkt am Dnepr aber sicherlich nicht aufgeben, das wäre nun mal gegen jegliche militärische Logik. Die der russische Arme hat lieber – wenig beruhigend – die Luftabwehr verstärkt.

Es gibt keinerlei belastbare Hinweise dafür, dass die russische Truppen aus dem AKW-Gelände heraus Angriffe durchführen, es gäbe dafür auch keinen militärisch Grund. Die ukrainischen Angriffe darauf sind daher nicht gerechtfertigt und vermutlich Verstöße gegen Kriegsrecht.
Die Raketen und Granaten samt Raketenwerfer und Haubitzen dazu haben jedoch die NATO-Staaten geliefert, möglicherweise auch die BRD.  Wir sollten daher von ihnen fordern, für die sofortige Einstellung der Angriffe zu sorgen. (s. dazu mein heutiger Kommentar in der UZ “NATO-Raketen auf AKW? – Über die Hysterie gegen Amnesty und deutsche Waffen in der Ukraine”)

Zudem sollte, wie von Moskau schon lange und nun auch von Macron gefordert, schleunigst eine IAEA-Kommission zum AKW geschickt werden – auch gegen den Willen Kiews – und möglichst dort länger bleiben.

Der einzige vernünftige Weg, die enorme Gefahren durch Kämpfe in der Nähe ukrainischer AKWs zu beseitigen, ist schleunigst zu einer Waffenruhe zu kommen. Vertreter der russischen Regionalverwaltung, die das Gebiet ums AKW Saporischschja aktuell kontrolliert, hat sich z.B. für die Aushandlung einer Feuerpause dort ausgesprochen.

Dass die EU die Vorschläge der italienischen Regierung und der Vatikan-Gruppe dazu ignoriert und Bemühungen der Türkei überlässt, ist verbrecherisch.

Beste Grüße,
Joachim

P.S.: Das neue Friedensjournal, das unter dem Motto Kulturkampf: Der „Westen“ gegen den Globalen Süden” erschien, enthält auch einen Zusammenfassung meines Vortrags “Deutschland und EU im Wirtschaftskrieg ” in der Friedenswerkstatt „Stopp Ramstein 2022″, dessen Manuskript mittlerweile auch auf meinem Blog steht, unredigiert aber mit vielen Quellenangaben

https://jg-nachgetragen.blog/2022/08/11/deutschland-und-eu-im-wirtschaftskrieg/ 
Die UZ brachte heute ebenfalls Auszüge: Wirtschaftsblockaden – keine „zivile Alternative“

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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