August 2023 IPPNW Formum
Liebe Kollegen
die vor wenigen Tagen veröffentlichte Aktualisierung der Daten zur Krebssterblichkeit in der INWORKS-Kohortenstudie für Arbeitnehmer in der Nuklearindustrie ist von großer Bedeutung: https://www.bmj.com/content/382/bmj-2022-074520
Sie fügt ein weiteres Jahrzehnt der Nachbeobachtung hinzu, und die Zahl der Krebstodesfälle in der Kohorte ist im Vergleich zur vorherigen Studie von fast 20.000 auf über 31.000 gestiegen.
Ihre Schlussfolgerung:
Diese umfassende Aktualisierung der INWORKS-Studie liefert eine direkte Schätzung des Zusammenhangs zwischen lang andauernder Niedrigdosis-Exposition gegenüber ionisierender Strahlung und der Sterblichkeit an soliden Krebserkrankungen auf der Grundlage einiger der weltweit aussagekräftigsten Kohorten von Strahlenarbeitern. Die zusammenfassende Schätzung der überhöhten relativen Rate der Sterblichkeit an soliden Krebserkrankungen pro Gy ist größer als die Schätzungen, die derzeit dem Strahlenschutz zugrunde liegen, und einige Hinweise deuten auf eine steilere Steigung der Dosis-Wirkungs-Assoziation im Niedrigdosisbereich hin als über den gesamten Dosisbereich. Diese Ergebnisse können dazu beitragen, den Strahlenschutz zu verstärken, insbesondere bei niedrigen Dosen, die in der heutigen medizinischen, beruflichen und umweltbezogenen Umgebung von vorrangigem Interesse sind.
Sie untermauern die bereits schlüssigen Beweise für das Fehlen eines Dosisleistungseffekts (die in den ICRP-Dokumenten noch immer vertretene Auffassung, dass die gleiche Dosis, die über einen längeren Zeitraum verabreicht wird, weniger Schaden anrichtet), für das Fehlen eines Schwellenwerts, unterhalb dessen keine Wirkungen auftreten, und für den eindeutigen Hinweis darauf, dass die Dosis-Wirkungs-Kurve bei niedrigen Dosen am steilsten verläuft (d. h. pro Dosiseinheit ist der Schaden bei niedrigen Dosen proportional größer).
Um den Trend im unteren Bereich der kumulativen Dosis zu bewerten, haben wir die Assoziationen zwischen der kumulativen Dosis und der Sterblichkeit an soliden Krebserkrankungen über begrenzte Bereiche von 0-400 mGy kumulativer Dosis (überschüssige relative Rate 0,63 (0,34 bis 0. 92) pro Gy), 0-200 mGy kumulative Dosis (0,97 (0,55 bis 1,39) pro Gy), 0-100 mGy kumulative Dosis (1,12 (0,45 bis 1,80) pro Gy), 0-50 mGy kumulative Dosis (1,38 (0,20 bis 2,60) pro Gy) und 0-20 mGy kumulative Dosis (1,30 (-1,33 bis 4,06) pro Gy) (zusätzliche Tabelle C).
Die Gesamtschätzung des Risikos ist um 60 % höher als die aus der japanischen Lifespan-Studie abgeleitete (obwohl sie technisch statistisch kompatibel ist), und das Konfidenzintervall ist enger.
Interessant ist, dass die überschüssige relative Rate pro Gy ansteigt, wenn frühere Arbeitnehmer, die vor 1958 eingestellt wurden, und noch mehr für diejenigen, die vor 1965 eingestellt wurden, ausgeschlossen werden. Die überschüssigen relativen Raten steigen an – 1,12 (0,68-1,60) bzw. 1,23 (0,49-2,04) im Vergleich zu 0,52 pro Gy für die gesamte Kohorte, was darauf hindeutet, dass die frühere Dosisüberwachung die Dosen unterschätzt.
In Anbetracht anderer Faktoren – bei der Bewertung geht es hauptsächlich um Photonenstrahlung, nicht um interne, Alpha-, Neutronen- oder Betastrahlung mit größerer biologischer Wirkung, einen Effekt auf gesunde Arbeitnehmer, die Tatsache, dass die Kohorte zu 85 % aus Männern besteht (etwa 40 % geringeres Strahlenkrebsrisiko als bei Frauen), dass erwachsene Männer ein 3 bis 5 Mal geringeres Risiko haben als Kinder, dass die Übersterblichkeit durch chronische Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in etwa mit der Übersterblichkeit durch Krebs vergleichbar ist, und dass das Risiko für die am stärksten gefährdeten Personen, um die sich der Schutz der Bevölkerung drehen sollte, eine Neubewertung der geltenden Normen sicherlich gerechtfertigt ist.
tilman
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Dear colleagues,
This major update of the solid cancer mortality data from INWORKS nuclear industry worker cohort study published a few days ago is important: https://www.bmj.com/content/382/bmj-2022-074520
It adds another decade of follow-up and cancer deaths in the cohort have increased from almost 20,000 to over 31,000 compared with the previous study.
Their conclusion:
This major update to INWORKS provides a direct estimate of the association between protracted low dose exposure to ionising radiation and solid cancer mortality based on some of the world’s most informative cohorts of radiation workers. The summary estimate of excess relative rate solid cancer mortality per Gy is larger than estimates currently informing radiation protection, and some evidence suggests a steeper slope for the dose-response association in the low dose range than over the full dose range. These results can help to strengthen radiation protection, especially for low dose exposures that are of primary interest in contemporary medical, occupational, and environmental settings.
It strengthens the already conclusive evidence of the absence of a dose rate effect (the idea still in ICRP documents that the same dose delivered over a longer period of time does less harm) the absence of a threshold below which there are no effects, and the clear indication that the dose response curve is steepest at low doses (ie per unit of dose, the harm is proportionally greater at low doses).
To assess the trend over the lower cumulative dose range, we estimated associations between cumulative dose and solid cancer mortality over restricted ranges of 0-400 mGy cumulative dose (excess relative rate 0.63 (0.34 to 0.92) per Gy), 0-200 mGy cumulative dose (0.97 (0.55 to 1.39) per Gy), 0-100 mGy cumulative dose (1.12 (0.45 to 1.80) per Gy), 0-50 mGy cumulative dose (1.38 (0.20 to 2.60) per Gy), and 0-20 mGy cumulative dose (1.30 (−1.33 to 4.06) per Gy) (supplementary table C).
The overall estimate of risk is 60% higher than derived from the Japanese Lifespan Study (though technically statistically compatible), and with a narrower confidence interval.
Its interesting that the excess relative rate per Gy increases when earlier workers, hired before 1958, and even more for those hired before 1965, are excluded, the excess relative rates increase – 1.12 (0.68 –1.60) and 1.23 (0.49-2.04) respectively compared with 0.52 per Gy for the whole cohort, suggesting earlier dose monitoring underestimated doses.
Considering other factors – the assessment is principally about photon radiation, not internal, alpha, neutron or beta exposures with greater biological effect, a healthy worker effect, the fact that the cohort is 85% male (around 40% reduced radiation cancer risk than females), that adult males are 3-5 fold less at risk than children, that excess mortality from chronic especially cardiovascular disease is roughly comparable to excess cancer mortality; and that the risk for the most vulnerable, whom population protection should be about, re-assessment of current standards is certainly warranted.
tilman















„Wir müssen langsam wieder zurück in die Realität kommen“
Spätestens seit Corona läuft der öffentliche Meinungsaustausch im Westen nicht mehr entlang der Realität, sondern entlang der Narrative, die von der Politik oder den Medien vorgegeben werden.
In diesem Ideologischen Austausch geht es nicht um Argumente, die sich an der Realität messen lassen müssen, sondern um Übereinstimmung mit der Narrativ. Argumentierst du gegen das Narrativ, bist du böse, ein Nazi, Antisemit oder Verschwörungstheoretiker, unterstützt du das Narrativ bist du ein Guter genau wie alle Politiker im Wertewesten. Die anderen sind die Machthaber, Leugner und Undemokraten. Und die Wortführer dieser Antidemokraten müssen fertig gemacht werden. Kündigen, Verklagen, Verurteilen, aus dem Land treiben, Inhaftieren.
Aus diesem Modus kann man nicht einfach aussteigen.
Putin wurde gestern von einem Journalisten gefragt, wie er die Zukunft der Ukraine nach dem Krieg sehe.
Hier ist seine Antwort:
Ich habe gehört, dass die Ukraine ihre Identität und ihre Eigenständigkeit sucht, sich darum bemüht, ihre Identität zu festigen. An sich ist nichts Falsches daran, schließlich ist die Ukraine seit 1991 ein unabhängiger Staat, und es ist nur natürlich, dass sie ihre Identität sucht.
Aber warum muss die Suche nach der Identität auf Grundlage des Neonazismus erfolgen? Warum sollte die Identität der modernen Ukraine mit Handlangern Hitlers wie Bandera und Shukhevych verbunden sein? Warum sollten Menschen, die anderthalb Millionen Juden, Russen und Polen ermordet haben, als Grundlage für die Identität der heutigen unabhängigen Ukraine dienen? Es erstaunt mich, wie naiv die Menschen sind, die das tun. Denn ja, momentan, während die Ukraine als Werkzeug im Kampf gegen Russland verwendet wird, erfreut es unsere Gegner. Sie sind bereit, alles dafür zu nutzen, egal was es ist, genau wie sie Al-Qaida im Kaukasus gegen uns eingesetzt haben. Al-Qaida in Europa ist schlecht, aber Al-Qaida im Kampf gegen Russland ist gut. Das Gleiche gilt für den Nazismus. Nazismus im Allgemeinen – schlecht, aber wenn er im Kampf gegen Russland eingesetzt werden kann, ist es in Ordnung. Beide Seiten irren sich. Diejenigen, die versuchen, Neonazis gegen uns einzusetzen, irren sich, weil es letztendlich auf sie zurückkommen wird, genauso wie der Terrorismus zu ihnen zurück gekommen ist. Und diejenigen, die ihre Identität auf nazistischen Ideen aufbauen wollen, irren sich, weil sie damit in eine Sackgasse geraten werden.
Wieder mal ein Interview mit Jaques Baud, dass mich überhaupt nicht überzeugt.
Er sieht wieder sehr einseitig und ziemlich unbelegt alle Trümpfe auf Seiten der Russen (wie so viele hier) und glaubt, dass der Krieg bald zuende sein wird.
Das wäre ja schön, und wenn der Ukraine bald Waffen und Munition ausgehen und sie um Frieden bitten muss, soll mir das nur recht sein, besser jedenfalls als wenn die Russen klein-bei geben müssten, denn das hätte wohl weit schlimmere Folgen.
Nur, ich kann den russsichen Erfolg noch nicht am Horizint erkennen. Selbst bei pro-russischen Militärbloggern hört man nicht so viel Positives in der Hinsicht. Die ukrainische Offensive ist zwar kein Erfolg, bohrt sich aber langsam ähnlich systematisch und ähnlich weit in die russische Front hinein wie die Russen im Winter es umgekehrt getan haben. Das ist wie Verdun und folgend die Somme-Schlacht im WK1. Ein komplettes Patt.
Wie weit die Verluste an Soldaten bei den Ukrainern größer sind, ist unbewiesen und unklar. Möglicherweise sind sie aber nicht so viel größer als bei den Russen, nicht so viel größer, dass sie das nicht noch für Jahre weiter machen könnten. Dass dem Westen die Waffen ausgehen, ist vielleicht nur Wunschdenken. Wenn der Westen wirklich will, wird er die Mittel finden – ist doch logisch. Geld und Mittel sind vorhanden. Man sollte auch den Westen nicht unterschätzen. Die Frage ist eben nur _ob_ er will.
Wie gesagt ich will nicht ausschließen, dass den Ukrainern die Soldaten ausgehen und dem Westen die Waffen und dass Russland in allem ein wenig überlegen ist. Das sagen ja Viele hier schon seit 1,5 Jahren. Aber so wirklich offenkundig ist es bisher nicht geworden, sondern mehr Wunschdenken geblieben.
Und ich finde, wenn man nicht später als der Depp dastehen will und außerdem noch andere, mit irrenden, allzu sicheren Vorhersagen mitreißen möchte, sollte man sich etwas vorsichtiger äußern und sich hauptsächlich auf wirklich erwiesene Dinge stützen. Und wenn man Vermutungen anstellt, sollte man diese auch als solche kenntzeichnen und nicht als Tasachen hinstellen.