Klimakrise: Mit welchen Argumenten und Fakten…

Interessant ist, dass der Meerespiegelanstieg schon 48 cm beträgt, wie unten dargestellt und dass uns eine Warmzeit droht. Aber es ist meine Meinung, dass die Menschheit dadurch nicht ausstirbt: Wir können durch PV und Wind viel mehr Energie erzeugen, als wir brauchen. Wir können mit PV bedeckten Glashäusern überall, auch in Wüsten, Gemüse und anderes erzeugen und damit unsere Ernährung sicherstellen. Der Mensch ist in einer überwiegenden Heißzeit in turbulenten Wärmewechseln entstanden, wenn auch die Unterfamilie sapiens erst vor etwa 300.000 Jahren im warmen Afrika in überwiegenden Kaltzeiten entstand und sich in den kalten Norden ausbreitete. Durch unsere technischen Fähigkeiten können wir die Krisen alle meistern. Wir müssen die Konfrontation durch Kooperation überwinden, das ist unser wirkliches Problem!

https://web.de/magazine/wissen/klima/klimakrise-argumenten-fakten-klimawandelleugnern-entgegentreten-36520576

Mit welchen Argumenten und Fakten man Klimawandelleugnern entgegentreten kann

Seit Beginn der Industrialisierung nimmt die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre und damit die weltweite Erwärmung zu.

© imago images/Rupert Oberhäuser

Klimakrise: Mit welchen Argumenten und Fakten man Klimawandelleugnern entgegentreten kann

127 Kommentare

Von Brigitte Bonder

Aktualisiert am 28.01.2022, 08:54 Uhr

  • Einige Menschen leugnen das Problem des Klimawandels.
  • Studien belegen jedoch die menschengemachte Klimaerwärmung und ihre Folgen.
  • Mit Fakten können insbesondere Zweifler überzeugt werden

Mehr Klimathemen finden Sie hier

Nach wie vor gibt es Menschen, die den Klimawandel leugnen. Andere wiederum bezweifeln, dass die aktuelle Erderwärmung von den Menschen verursacht wird. Dabei existieren zahlreiche Studien, die genau das nachweisen. „Wir wissen, wie viel Kohle, Öl und Gas wir verbrennen und können den dadurch verursachten Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts der Luft messen“, erklärt Georg Feulner, Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Seit dem 19. Jahrhundert ist bekannt, dass Kohlendioxid ein Treibhausgas ist, das die Erde wärmt. „Die vom Menschen verursachte Erwärmung können wir an Tausenden Wetterstationen rund um die Welt nachweisen“, betont Feulner. „Das Klima hat sich seit Beginn der Industrialisierung schon um rund ein Grad erwärmt, aber wir können durch beherzten Klimaschutz das Schlimmste noch verhindern.“ Dazu ist auch ein großes Maß an Überzeugungsarbeit notwendig.

Bei der Diskussion hilft, dass die scheinbaren Argumente der Klimawandelleugner in der Wissenschaft altbekannt und längst widerlegt sind. Es liegen wissenschaftlich fundierte Informationen zum Klimawandel vor, Modellrechnungen geben verlässliche Aussagen über zukünftige Entwicklungen. Selbsternannte Klimawandelleugner hingegen wollen die Menschen mit eigenen Behauptungen vom Gegenteil überzeugen. Beispiele sind, dass es schon immer Klimaveränderungen gebe oder der CO2-Anteil der Luft viel zu niedrig für derartige Effekte sei.

Lesen Sie auch: Weltklimabericht: Klimawandel-Folgen werden drastisch

Studien zeigen menschengemachten Klimawandel

Seit Beginn der Industrialisierung nimmt die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre und damit die weltweite Erwärmung zu. „Der größte Teil der beobachteten Klimaerwärmung ist eindeutig von uns Menschen verursacht“, betont Dirk Notz vom Institut für Meereskunde an der Universität Hamburg.

Wie wir arbeiten

Warum wir ab sofort noch häufiger über die Klimakrise berichten werden

von Christian Zechel

„Wir verstehen die möglichen Ursachen von Klimaschwankungen inzwischen so genau, dass wir den Anteil von natürlichen Schwankungen und unseren menschlichen Beitrag gut beziffern können.“ Entsprechende Studien zeigen, dass die heutige Klimaerwärmung vor allem durch den Menschen verursacht wurde.

„Wir haben durch die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas eine riesige Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre freigesetzt, die Aufgrund fundamentaler physikalischer Gesetze zu einer Erderwärmung führen“, erklärt der Klimawissenschaftler.

„Im Gegensatz dazu waren die natürlichen Antriebe des Klimasystems wie zum Beispiel die Sonneneinstrahlung in den letzten Jahrzehnten weitestgehend konstant.“ Sie konnten daher nur minimal zu der jetzt beobachteten Änderung des Klimas beitragen.

Behauptung der Leugner: „Es gab schon immer Klimaveränderungen – und auch diese ist natürlich“

Leugner behaupten, dass es schon immer Klimaveränderungen mit Warm- und Kaltzeiten gab und auch der aktuelle Wandel natürlichen Ursprungs ist. Während sich das Klima in der Vergangenheit jedoch über sehr lange Zeiträume veränderte, hat sich die Luft an der Erdoberfläche gegenüber der vorindustriellen Zeit im globalen Mittel bereits um rund 1 Grad Celsius erwärmt.

Ein solches Temperaturniveau gab es Experten zufolge noch nie im Laufe der Geschichte des modernen Menschen. „Zum ersten Mal in der Erdgeschichte trifft ein einschneidender, globaler Klimawandel auf eine hochentwickelte, verletzliche Zivilisation“, sagt Notz. Die gesamte Menschheitsentwicklung von der Steinzeit bis zur heutigen Hochkultur konnte in den letzten 10.000 Jahren unbehelligt von einem größeren Klimawandel stattfinden.

„Die menschliche Infrastruktur, unsere Handelsbeziehungen, unsere Landwirtschaft, die Lage der Küstenstädte, sie alle sind an diesen vergangenen, stabilen Klimazustand angepasst. Diese Phase eines stabilen Klimazustands beenden wir jetzt, mit ungeahnten Folgen für jeden Bewohner dieser Erde.“

Behauptung der Leugner: „CO2 ist nicht für Erderwärmung verantwortlich“

Skeptiker behaupten, dass Kohlendioxid aufgrund seines geringen Gehalts in der Atmosphäre nicht für die Erderwärmung verantwortlich sein kann. Doch viele Stoffe haben trotz winziger Konzentration eine starke Wirkung. Ein Beispiel sind lebenswichtige Vitamine für den menschlichen Körper.

„In der Erdatmosphäre ist es ähnlich“, erklärt Notz. „Nur die in winzigen Konzentrationen enthaltenen Treibhausgase wie Kohlendioxid oder Methan sind in der Lage, größere Mengen an Wärmestrahlung an die Erdoberfläche abzugeben.“ Durch diesen Treibhauseffekt wird die Erde zu einem lebensfreundlichen Planeten. Ohne diese Treibhausgase, die extrem effizient Wärme an die Erdoberfläche abstrahlen, würde die Erde als gefrorener Schneeball durchs Weltall treiben. Wächst jedoch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre, verstärkt sich der Effekt und die Temperaturen steigen.

Behauptung der Skeptiker: „Wetterextreme sind kein Beleg für den Klimawandel“

Einige Menschen bezweifeln, dass extreme Wetterereignisse zunehmen und ein Beleg für den Klimawandel sind. „Dass in einem sich erwärmenden Klima Temperaturextreme und Hitzewellen zunehmen, ist eindeutig“, betont Klimawissenschaftler Notz. „Die beobachtete Häufung und zunehmende Stärke dieser Extreme sind eine der Auswirkungen der Klimaerwärmung.“

Auch für Deutschland sind diese Hitzeextreme eine kimawandelbedingte Gesundheitsgefahr. Studien belegen, dass Hitzewellen bereits Tausende Todesopfer gefordert haben.

Klimaveränderungen in Deutschland

© 1&1 Mail & Media

Aus Sicht der Wissenschaft ist es jedoch schwierig, bestimmte Extremwetterereignisse wie Stürme oder Niederschläge ganz sicher auf die Klimakrise zurückzuführen. Erst mit neueren Daten hat sich die bereits beobachtete Zunahme vieler Wetterextreme deutlich von dem abgehoben, was noch durch Zufallsschwankungen erklärbar gewesen wäre.

Zudem hat der neue Forschungszweig „Meteorologische Attributionsforschung“ für eine Reihe von Wetterextremen den Beitrag des Klimawandels nachgewiesen und beziffert. Laut Notz werden zurzeit hochauflösende Klimasimulationen entwickelt, die in Zukunft sowohl genauere Prognosen als auch genauere Zuweisung der Ursachen von Extremereignissen erlauben werden.

So klären Sie Skeptiker über Leugner auf

Insbesondere im Internet finden sich viele Stimmen, die den menschengemachten Klimawandel vehement leugnen. Um Menschen zum Umdenken und Handeln zu bewegen, reicht die reine Wissensvermittlung oftmals nicht aus. Vielmehr spielt die richtige Kommunikation eine wichtige Rolle.

„Mit hart gesottenen Leugnern direkt zu diskutieren, hat meistens wenig Sinn“, betont Bärbel Winkler von „skepticalscience.com„. Gegründet vom australischen Kognitionswissenschaftler John Cook, veröffentlicht das Portal seit knapp 15 Jahren Faktenchecks und Argumentationshilfen zu Falschbehauptungen rund um die Klimakrise. „Ein Großteil der Leugner ist kaum für Fakten zugänglich, diskutiert nicht ergebnisoffen und will nicht überzeugt werden.“

Deutlich erfolgversprechender sei das Diskutieren mit Menschen, de sich noch keine eigene Meinung gebildet haben, bei denen die Leugner aber mit Falschinformationen Zweifel säen können. „Diese sind oft anfällig für irreführende Behauptungen“, erklärt Winkler. „Im Gespräch kann man einzelne Mythen mit Fakten widerlegen. Hilfreich ist jedoch auch die Aufklärung über die Argumentationstricks der Leugner.“

Natur & Umwelt

Der Klimawandel lässt die Tropopause seit Jahrzehnten ansteigen

Ein Beispiel sei die „Rosinenpickerei“, bei der gezielt nur bequeme Fakten aus der Klimaforschung gewählt und in einen falschen Kontext gesetzt werden. Dazu kommen Pseudo-Experten und logische Trugschlüsse ins Spiel. Wichtig sei es daher, dass die Menschen durch die Beschäftigung mit den Argumentationsmustern bekannter Falschinformationen zukünftig eine Desinformation selbst erkennen und im besten Fall widerlegen.

„Als universelle Impfung gegen Falschinformationen gibt es die Cranky Uncle App demnächst auch auf deutsch“, gibt Bärbel Winkler einen Tipp. Mit Hilfe der Comic-Figur des „grantigen Onkels“ klärt das Spiel über die Techniken der Wissenschaftsverleugnung auf. „Die gezielte Aufklärung über die Strategien kann immunisieren.“

Über die Experten:

Bärbel Winkler: Die Schwäbin ist seit Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin der Website „skepticalscience.com“ – der englischsprachigen Partnerseite von „klimafakten.de“. Gegründet vom australischen Kognitionswissenschaftler John Cook, veröffentlicht das Portal seit 2007 Faktenchecks und Argumentationshilfen zu Falschbehauptungen rund um den Klimawandel.

Professor Dr. Dirk Notz: Professor Dr. Dirk Notz ist Klimawissenschaftler und Leiter der Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“ am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Der Experte arbeitet am Institut für Meereskunde an der Universität Hamburg und ist zudem Mitglied im Exzellenzcluster für Klimaforschung CLICCS und im Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Bärbel Winkler, Mitarbeiterin von SkepticalScience.com
  • Schriftliche Anfrage an Prof. Dr. Dirk Notz, Mitglied im Exzellenzcluster für Klimaforschung CLICCS und im Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg.
  • Klimafakten.de: „Mit Klimaleugnern diskutieren, ohne den Verstand zu verlieren“
  • Deutsches Klima Konsortium: „Was wir heute übers Klima wissen“

Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik „Einblick“ finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Kein grünes Licht für Kampfdrohnen

Gesendet: Donnerstag, 27. Januar 2022 um 08:16 Uhr
Von: „Lara-Marie Krauße“ <krausse@ippnw.de>
An: ippnw-deutschland@ippnw-lists.de, ippnw-studies@ippnw-lists.de
Betreff: [Ippnw-deutschland] IPPNW-Pressemitteilung: IPPNW fordert: Kein grünes Licht für Kampfdrohnen

Pressemitteilung vom 27. Januar 2022

IPPNW fordert: Kein grünes Licht für Kampfdrohnen

Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen

Im Vorfeld des grünen Parteitages am Wochenende fordert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW die Delegierten dazu auf, sich gegen eine Bewaffnung von Drohnen zu positionieren und den entsprechenden Antrag zu unterstützen. Dieser stellt die letzte grüne Positionierung zu Kampfdrohnen infrage und fordert den Verzicht auf die Bewaffnung innerhalb dieser Legislaturperiode. Der Antrag sieht eine parteiinterne grüne Debatte über die Folgen des Einsatzes bewaffneter Drohnen vor.

„Die Drohnenbewaffnung ist ein entscheidender Schritt in Richtung eines autonomen Krieges. Eine bewaffnete Drohne, die von Menschen gesteuert wird, kann durch Austausch der Software zu einer autonomen Waffe werden“, erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Ralph Urban. Davor hätten im November 2021 KI-Forscher*innen aus Deutschland, Großbritannien und Österreich gewarnt. Das Bedrohungsszenario eines autonomen Krieges werde durch ferngesteuerte, automatische, teilautonome und autonome Waffen immer wahrscheinlicher. Es bestehe die Gefahr von ungewollter Eskalation und von Hackerangriffen.

Seit 2014 sind keine Bundeswehr-Soldat*innen mehr durch „gegnerische Einwirkung” getötet worden. Viele Bundeswehrsoldat*innen, die beim ISAF-Einsatz in Afghanistan bis 2014 getötet wurden, verloren ihr Leben durch Selbstmordattentate oder Sprengfallen. Davor schützen bewaffnete Drohnen nicht. Die Einsatzregeln von Drohnen sind grundsätzlich änderbar. Sie bieten keine langfristige Sicherheit gegen Missbrauch. Auch die Vorgaben der US-amerikanischen Armee sollen einen Schutz der Zivilist*innen im Einsatzland sicherstellen. Dass das nicht der Fall ist, zeigten die letzten Einsätze bewaffneter Drohnen in Afghanistan im August 2021. Allein bei dem Angriff in Kabul wurden zehn Zivilist*innen getötet, darunter sieben Kinder. Laut einem Bericht der New York Times vom Dezember 2021 wurden die US-Einsatzregeln unter anderem dadurch aufgeweicht, dass immer mehr Angriffe als Verteidigungsmaßnahmen umdefiniert wurden. Zahlreiche Zivilist*innen kamen in der Folge ums Leben.

Die Ärzt*innenorganisation verweist in ihrem Brief an die Delegierten auf die humanitären Folgen von Drohnen. Laut einer Studie von Larry Lewis, Wissenschaftler beim Center for Naval Analysis, besteht bei Drohnenangriffen in Afghanistan im Vergleich zu Kampfjets eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, Zivilist*innen zu töten. Die Verletzungen durch Drohnen sind zudem besonders schwerwiegend. Laut einer Studie zum Gazakrieg waren die Drohnenangriffe die häufigste Ursache für Amputationsverletzungen. Sie waren mit mehr zusätzlichen Operationen verbunden als Verletzungen, die durch andere Explosivwaffen verursacht wurden.

Zu den psychologischen Folgen von Drohneneinsätzen für die betroffene Bevölkerung gehören Angsterkrankungen, Depressionen, Schlafstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen. Auch die physische und psychische Gesundheit der Soldat*innen, die Drohnen steuern, ist beeinträchtigt. Sie leiden vermehrt an Posttraumatischen Belastungsstörungen.

Weitere Informationen:
Sie finden den Antrag zum grünen Parteitag unter https://antraege.gruene.de/47bdk/aufruestungsspirale_beenden_entschiedene_friedenspolitik_statt_drohen_-27683
Den vollständigen IPPNW-Brief an die Delegierten des Parteitages finden Sie unter https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Brief_an_die_Delegierten_des_Bundesparteitages.pdf
IPPNW-Studie zu humanitären Folgen von Drohnen: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Drohnenreport_2019.pdf

Kontakt:
Lara-Marie Krauße (IPPNW), Tel. 030 / 69 80 74 15, Email: krausse@ippnw.de

-- 
**********************
Lara-Marie Krauße
Referentin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IPPNW - Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/
Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.
Körtestr. 10
10967 Berlin
Tel. 030 / 69 80 74 15
Fax 030/ 6938166
Email: krausse@ippnw.de
Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Das Scheitern des Afghanistaneinsatzes…

Liebe Mitglieder und Interessierte,
Ihr findet die Aufzeichnung unserer Vortragsveranstaltung vom 20.1.2022
“Das Scheitern des Afghanistaneinsatzes – ein Aus für Auslandseinsätze?”
Referentin: Claudia Haydt
nun auf dem Youtube-Kanal des Friedenszentrums:
Grüße
Huber
Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

 Film zu Impfschäden und Übersterblichkeit

Film zu Impfschäden und Übersterblichkeit  https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa1uhra88dp5llzqs7cp/

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

NATO-Osterweiterung Sarotte Tagesspiegel 22.10.2019

NATO-Osterweiterung Sarotte Tagesspiegel 22.10.2019

Startseite1

Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel

22.10.2019, 08:57 Uhr

Machtpoker nach dem Mauerfall „Wir haben uns durchgesetzt, sie nicht“

Hat der Westen die Sowjetunion betrogen, als es 1990 um die Frage ging, ob die Nato gen Osten erweitert wird? Ein Gastbeitrag.

Mary Elise Sarotte

Prof. Mary Elise Sarotte ist Zeithistorikerin und Autorin von „The Collapse: The Accidental Opening of the Berlin Wall“  (2014)  und „1989: The Struggle to Create Post-Cold War Europe“. Dieser Artikel ist die gekürzte Fassung ihrer Rede an der Körber-Stiftung. Am 8. November 2019 um 19 Uhr wird sie bei einer Veranstaltung der Stiftung Berliner Mauer zu hören sein.

Als ich 1989 in Berlin studierte, schien gerade eine neue Ära der Harmonie anzubrechen – in den transatlantischen Beziehungen, aber auch in den amerikanisch-russischen Beziehungen. Damals war ich sicher, dass dieser neue Geist mindestens andauern würde, solange ich lebe und darüber hinaus. Der Kalte Krieg, meinte ich damals, sei nun Geschichte.

Kaum 30 Jahre nach diesen Ereignissen allerdings stellt Donald Trump das transatlantische Verhältnis grundsätzlich in Frage. Wladimir Putin greift in europäische und amerikanische Wahlen ein und stachelt Nationalisten auf beiden Seiten des Atlantiks auf. Trump und Putin zerreißen Rüstungskontrollverträge in der Luft. Es fühlt sich an, als würde ein Versprechen gebrochen werden – das Versprechen von 1989.

In diesem neuen Konflikt zwischen Europa, Russland und den USA spielt ein vermeintlich gebrochenes, historisches Versprechen immer wieder eine große Rolle. Es ist ein wichtiger Bestandteil in der Putinschen Weltanschauung; ein Russland, das vom Westen betrogen worden sei. Es geht um die Nato-Osterweiterung, im Zuge derer viele Staaten Osteuropas und auf dem Balkan der Verteidigungsallianz beitraten. Mit der Osterweiterung hätten die USA ein Versprechen gebrochen, so Putin, dass sie Russland im Zuge der Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands gegeben hätten.

Die Unterlagen wurde erst jetzt „declassified“

Ich forsche seit fast 15 Jahren zu der Frage, ob es dieses Versprechen tatsächlich gegeben hat. In sechs Ländern – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Russland, und den USA – habe ich Dokumente eingesehen, Zeitzeugen interviewt und Fernseharchive durchsucht. Zwei Bücher sind bereits dazu erschienen, derzeit arbeite ich an einem dritten, dessen Ergebnisse ich hier teilweise vorwegnehme. Ich untersuche darin die frühen 90er-Jahre und habe in den USA Unterlagen mühselig über das Informationsfreiheitsrecht deklassifizieren lassen, sowohl aus dem Aktenbestand der George-H.-W.-Bush- als auch der Bill-Clinton-Regierung. Darunter sind fast alle Protokolle der Gespräche zwischen Clinton und Boris Jelzin.

Die kurze Antwort ist: Das Thema kam in den Verhandlungen im Jahr 1990 wiederholt auf. Doch eine schriftliche Zusicherung der USA oder der Allianz selbst, die Nato nicht zu erweitern, gab es nicht.

Der Grund dafür war, dass die US-Regierung unter Bush nach dem Fall der Mauer an der Sicherheitsarchitektur des Kalten Krieges festhalten wollte – und damit an der Führungsrolle der USA in der europäischen Sicherheitspolitik. Alternativen zur Nato sind zwar damals vorgeschlagen worden, zum Teil von den Dissidenten, die maßgeblich dazu beigetragen hatten, das friedliche Ende des Kalten Krieges herbeizuzaubern. Sie waren der Meinung, dass die Nato mit dem Ende der Sowjetunion und des Kalten Krieges ihre Mission erfüllt habe. Friedensaktivisten schlugen damals vor, Mittel- und Osteuropa zu einer demilitarisierten Pufferzone zwischen Ost und West zu machen – aus Sicht der USA war das damals die schlechteste Idee von allen. Ein weiterer Gedanke war es, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit auszubauen, die ja ohnehin schon sowohl Mitglieder der Nato als auch Mitglieder des Warschauer Pakts umfasste.

Die Nato sollte den Kalten Krieg überleben

Nach dem Fall der Mauer hatten aber die Friedensaktivisten keine ausreichende Unterstützung der Wähler mehr, um sich durchzusetzen, wie die Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März 1990 zeigte. Stattdessen arbeiteten Bush und Bundeskanzler Helmut Kohl entschlossen und schnell zusammen, um sicherzustellen, dass die Nato – und damit die führende Rolle der USA in diesem Bündnis und in der europäischen Sicherheitspolitik – den Kalten Krieg überlebte.

Der Erfolg von Bush und Kohl prägte die Epoche danach. 1989 war eine Revolution „von unten“. Die Menschen erstritten neue Lebensbedingungen. Von der Straße aus entstand eine neue Welt. „Von oben“ aber blieb ein ähnlicher Wandel aus. Eine wahrhaft neue Weltordnung in der Außen- und Sicherheitspolitik wurde nicht geschaffen, wiederholten amerikanischen Ankündigungen einer „New World Order“ zum Trotz.

Das amerikanische Narrativ dieser Ereignisse hat in den folgenden Jahren schnell triumphalistische Züge angenommen. Philip Zelikow und Condoleeza Rice, die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates unter Präsident George H.W. Bush waren, urteilten: „Staatsmänner, die ihre Chance sahen, handelten geschickt und schnell und unter Rücksichtnahme auf die Würde der Sowjetunion.“ In den Jahren nach der Wiedervereinigung behaupteten viele amerikanische Kommentatoren fälschlicherweise, die Frage einer Nato-Erweiterung sei in den Verhandlungen zwischen Deutschen, Amerikanern und der Sowjetunion nie aufgekommen.

Interessanterweise hat der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow diese Sichtweise 2014 öffentlich gestützt. Keins der osteuropäischen Länder habe die Frage angesprochen, ebenso wenig einer der westlichen Staatsmänner oder Diplomaten. Also hört auf, empörte er sich, es so darzustellen, als seien die Sowjetvertreter Naivlinge gewesen, die vom Westen über den Tisch gezogen worden seien. Dokumente aus dem Jahr 1990 allerdings zeigen, dass es durchaus einen Moment gab, in dem Gorbatschow das Gefühl hatte, in die Falle gegangen zu sein – und sich sehr emotional bei Kohl darüber beklagte. Die Dokumente zeigen auch, dass die Frage der Nato-Osterweiterung von den westlichen Diplomaten durchaus diskutiert wurde. Kohl persönlich erzählte Bush 1990, Gorbatschow habe „große Probleme. Seine osteuropäischen Verbündeten sagen, sie wollen in die Nato“.

Ein Schlüsselmoment in den Verhandlungen war der Februar 1990. Die Unterlagen zeigen, dass der damalige bundesdeutsche Außenminister, Hans-Dietrich Genscher, davon ausging, dass Gorbatschow als Preis für seine Einwilligung zur deutschen Wiedervereinigung eine Garantie einfordern würde, die Nato nicht zu erweitern.

Genscher besuchte Washington Anfang Februar 1990, um dieses Thema zu erörtern. Der damalige US-Außenminister James Baker hatte für Mitte Februar einen Besuch in Moskau geplant, und Genscher reiste an, um eine gemeinsame Position abzustimmen. Genscher berichtete kurz darauf seinem britischen Amtskollegen Douglas Hurd vom Inhalt seines Gespräches mit Baker. Er habe Baker gesagt, es werde nötig sein, den Sowjets zu versichern, dass die Nato ihr Territorium nicht auf das Gebiet der DDR oder anderswohin in Osteuropa erweitern werde.

In Moskau traf Baker sowohl den damaligen sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse als auch Gorbatschow und erklärte, die Nato werde „keinen Inch von ihrer derzeitigen Position ostwärts rücken“. Gorbatschow antwortete laut Baker, dass eine Verschiebung der Nato nach Osten inakzeptabel wäre.

Nichts wurde schriftlich festgehalten

Dieses Gespräch war allerdings ein hypothetisches und hatte kein konkretes Ergebnis. Nichts wurde schriftlich festgehalten, nichts vereinbart. Der nächste Tag, der 10. Februar 1990, war anders. Baker verließ die Verhandlungen, und Kohl reiste an. Kohl bekräftigte im Gespräch mit Gorbatschow Bakers Linie: Die Nato könne ihr Territorium nicht auf die DDR ausdehnen. Danach bekam Kohl nach eigenen Worten „grünes Licht“ für die deutsche Wiedervereinigung.

Ob Gorbatschow ihm zu dem Zeitpunkt ein so klares Signal geben wollte, ist zweifelhaft. Kohl jedoch hatte den Eindruck – oder fand das Gespräch im Ergebnis eindeutig genug, um es nutzen zu können. Noch am selben Abend berief der Bundeskanzler eine Pressekonferenz in Moskau ein und verkündete das Ergebnis, um sicher zu gehen, dass Gorbatschow es nicht zurücknehmen konnte. Kohl begann auch sofort, die Wirtschafts- und Währungsunion vorzubereiten. Das Gespräch hatte also letzten Endes ein konkretes Ergebnis, Gorbatschow aber bekam nichts schriftlich.

In Washington allerdings sorgte man sich über diesen Verhandlungsstand. Was, fragten sich Präsident Bush und sein Berater Brent Scowcroft, sollte das denn konkret bedeuten, wenn Deutschland wiedervereinigt wäre, sich Artikel 5 des Nato-Vertrages aber nur über einen Teil seines Gebietes ausdehnte? In der Folge wurde Baker aufgefordert, die Zusage der Nicht-Erweiterung nicht zu wiederholen.

Bush sagte: „Zur Hölle damit“

Und auch Kohl wurde bei einem Gipfeltreffen in Camp David von Bush auf Linie gebracht. Wie Bush Kohl klarstellte, waren die Sowjets nicht in der Position, das deutsche Verhältnis zur Nato zu bestimmen: „Zur Hölle damit. Wir haben uns durchgesetzt, sie nicht. We can’t let the Soviets clutch victory from the jaws of defeat wir können es nicht zulassen, dass die Sowjets in allerletzter Minute eine Niederlage in einen Sieg wandeln].“ Kohl war wohl etwas überrascht – aber fügte sich. Die neue Verhandlungsstrategie war es nun, „to bribe the Soviets out die Sowjets auszukaufen]“, wie es der spätere US-Verteidigungsminister Robert Gates, damaliger stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater, in seinen Memoiren formulierte.

Gorbatschow fiel auf, dass das Thema Nato-Erweiterung von der Agenda der Gespräche verschwand. Er machte Vorschläge für eine alternative europäische Sicherheitsarchitektur, musste aber im September 1990 feststellen, dass er keinen Erfolg hatte. Das war der Moment als er gegenüber Kohl äußerte, er habe das Gefühl, in die Falle gegangen zu sein. Kohl bot Gorbatschow 15 Milliarden Deutsche Mark als Ausgleich. Gorbatschow willigte ein, alle sowjetischen Truppen aus dem Osten Deutschlands abzuziehen und dem vereinigten Deutschland volle Souveränität zu geben. Eine schriftliche Zusicherung über die Nicht-Erweiterung der Nato erhielt er nicht, im Gegenteil. Die Übereinkunft, die er unterschreibt, erlaubt es der Nato explizit, die Grenze von 1989 zu überschreiten.

Was also war die Folge dieser Politik?

US-Außenminister James Baker sagt gern, dass jeder Erfolg die Saat eines zukünftigen Problems enthält. Das ist weise. Der Erfolg von Bush und Kohl in den Jahren 1989 und 1990 stellt keine Ausnahme dar. Sie bekamen die Wiedervereinigung. Sie verhinderten ein nationalistisches Moment, indem Deutschland in das transatlantische Bündnis und die Nato eingebettet blieb. Aber sie verpassten die Chance, die nötigen Reformen an der internationalen Sicherheitsarchitektur vorzunehmen. Stattdessen setzten sie eine Struktur fort, die für das geteilte Europa und den Kalten Krieg geschaffen worden war. In der Folge gab es in Europa faktisch weiterhin eine Frontlinie: zwischen den EU- und Nicht-EU-Staaten – und zwischen Nato-Europa und Nicht-Nato-Europa.

Russland verändert heute wieder europäische Grenzen mit Gewalt. Das Land führt Krieg im Cyberspace – und statt sich dem eindeutig entgegenzustellen, hat Trump geradezu eine Obsession für Putin. Die Ära, die unmittelbar auf den Kalten Krieg folgte, ist 2014 mit dem Einmarsch Russlands auf der Krim zu Ende gegangen.

Wir brauchen diese Leitplanken wieder

 

Steuern wir, trotz des Zerfalls des alten Wettbewerbs zwischen Kapitalismus und Kommunismus, sogar auf einen neuen Kalten Krieg zu – verstärkt durch die Erzählung vom gebrochenen Versprechen der Nato?

Die Antwort ist, dass ein neuer Kalter Krieg sogar eines der besseren Szenarien für die Zukunft ist. Ich will damit einen neuen Kalten Krieg nicht herbeireden. Ich verspüre nicht die geringste Nostalgie, wenn ich an diese Zeit denke. Ich bedauere zutiefst, dass der Optimismus meiner Studienjahre verschwunden ist. Aber der Kalte Krieg erzeugte seine eigenen Errungenschaften. Er verhinderte einen „heißen Krieg“. Zudem endete er friedlich – daran erinnern sich Berlin und Deutschland in diesen Tagen anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls. Wichtig war auch das in vielen Verträgen geregelte Abrüstungsregime in der Entspannungsphase des Kalten Krieges.

Diese Entspannungsphase könnte Vorbild auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte im europäisch-amerikanisch-russischen Verhältnis sein: eine Phase zäher Verhandlungen und kleiner, mit viel Geduld errungener Erfolge um neue Rüstungskontrollen. Wir brauchen diese Leitplanken wieder. Und wir brauchen die Nato. Anders als 1989-90 ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, die Sicherheitsarchitektur Europas zu ändern. Wenn das Haus brennt, sollte man nicht anfangen, die Küche zu renovieren.

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

NATO-Osterweiterung Dohnanyi

NATO-Osterweiterung Dohnanyi ZEIT Juni 2019

Nato-Osterweiterung: Russland im Visier

Wie der Westen sich Moskau wieder zum Gegner machte: Aktuelle Bücher über den diplomatischen Vorlauf der Nato-Osterweiterung.

Von Klaus von Dohnanyi

  1. Juni 2019, 16:55 Uhr Editiert am 24. Juni 2019, 18:32 Uhr DIE ZEIT Nr. 26/2019, 19. Juni 2019 21 Kommentare

Aus der ZEIT Nr. 26/2019

Nato-Osterweiterung: Ist ein neuer Kalter Krieg im Anzug oder doch nur Väterchen Frost? Der Kreml im November 2018

In der „National Defense Strategy 2018“ nimmt das Verteidigungsministerium der USA, neben Terrorismus und den üblichen „Schurkenstaaten“ Nordkorea und Iran, Russland und China ins Visier. Russland, vor kaum dreißig Jahren noch der erhoffte Partner der Neuen Weltordnung, ist wieder Feind Nummer eins der USA, ist wieder das traditionelle „evil empire“, wie fast immer seit mehr als 150 Jahren. An der Grenze der Ukraine zu Russland bestehen kriegsähnliche Zustände, militärische Einheiten aller Waffengattungen der Nato und Russlands begegnen sich in Osteuropa, im Schwarzen Meer und im Nahen Osten.

Klaus von Dohnanyi ist SPD-Politiker und war unter anderem Bundesminister für Bildung und Wissenschaft

 

Im März 2019 erschienen zu dieser gefährlichen Entwicklung zwei wichtige Bücher: Russisches Roulette von Horst Teltschik, einst außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Kohl und später Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz; und The Back Channel, politische Erinnerungen von William Burns, unter anderem ehemaliger US-Botschafter in Moskau und später stellvertretender Außenminister der USA.

Horst Teltschik dokumentiert die Schritte vom Kalten Krieg durch eine kurze Phase der Entspannung hindurch zu einem neuen „Kalten Frieden“. Er beklagt, „in den heutigen Russland-Debatten dominieren holzschnittartige Sichtweisen“; die einen meinten, „der Westen hat sich in dieser Interpretation im Umgang mit Russland nichts vorzuwerfen (…). Die anderen sehen (…) Russland als (…) wehrloses Opfer (…) des Westens. Dieser habe durch die Nato-Osterweiterung seine 1990 gemachten Versprechen gebrochen.“ Teltschik schließt: „Beide Sichtweisen sind falsch.“

William Burns diente unter beiden Präsidenten Bush, unter Clinton und Obama; seine Arbeit wird von allen bewundert. Die Erinnerungen beeindrucken durch eine immer loyale Selbstkritik US-amerikanischer Politik. Auch er hält einseitige Schuldzuweisungen an Russland für unbegründet und berichtet kritisch über einen sinnlos verletzenden Umgang der USA mit russischen Interessen und Gefühlen nach 1990.

Drei Reflexe Russlands, darin sind sich beide Autoren einig, machten nach dem Ende des Kalten Krieges eine Verständigung mit dem Westen schwierig: das Selbstverständnis russischer Sicherheit; die gefühlte Missachtung russischer Interessen; und die „Würde“ Russlands. Aber im Mittelpunkt steht bei beiden Autoren immer wieder die Erweiterung der Nato auf Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26/2019. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Natürlich bereitet die Nato-Erweiterung keinen Überfall auf die Russische Föderation vor, aber Sicherheit ist auch ein Gefühl. Und es gab tatsächlich häufiger Angriffe des Westens auf Russland als umgekehrt: durch Karl XII., durch Napoleon, durch England und Frankreich im Krimkrieg mit der Zerstörung Sewastopols, durch US-Truppen im Bürgerkrieg 1922, durch Hitler. Könnte Putins These, die Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Paktes sei „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ gewesen, auch Ausdruck eines russischen Gefühls verlorener Sicherheit sein? Hatte nicht auch Präsident Roosevelt 1945 vor dem US-Kongress erklärt, mit den geopolitischen Vereinbarungen von Jalta – die nun nach 1990 wieder aufgelöst wurden! – würde „ein stabileres politisches Europa bestehen als je zuvor“?

Russlands Würde? Teltschik verweist unter anderem auf den robusten Umgang mit Moskaus Interessen im Jugoslawienkrieg 1994, auf die Trennung Serbiens vom Kosovo oder auf die Äußerung Präsident Obamas, Russland sei schließlich nur eine „mittlere Regionalmacht“. Alles Nebensächlichkeiten? Wir wissen doch selbst aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, wie gefährlich Gefühle der Demütigung werden können!

So lud man Genscher einfach aus

 

„Verpasste Chancen, enttäuschte Liebe“, so überschreibt Teltschik die Jahre der Entfremdung in der Ära Jelzin. Man liest betroffen, wie oft der Westen die Konsequenzen für die russische Innenpolitik in seinen Entscheidungen unberücksichtigt ließ. Teltschik und Burns verweisen beide auf diese Mitverantwortung des Westens für die heutige Lage, wie übrigens auch Robert Hunter, der ehemalige Nato-Botschafter der USA (1993–1998), der 2015 in der Financial Times mit eingehender Begründung schrieb, die Hauptschuld treffe hier die USA, auch wegen der Expansion der Nato.

An dieser Stelle muss man eine weitere Quelle amerikanischer Forschung heranziehen: das Buch 1989 der Harvard-Professorin Mary Elise Sarotte. Seit der zweiten Auflage mit dem zweiten Nachwort (2014) ist heute unbestreitbar – wie, im Gegensatz zu Teltschik, auch Burns eindeutig bestätigt –, dass der US-Außenminister James Baker in seinen Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung mit Gorbatschow Anfang Februar 1990 vereinbarte, über die damaligen Ostgrenzen der DDR hinaus werde es keinerlei Erweiterung der Nato geben. Baker hielt dieses mündliche Versprechen in einer Notiz fest: „End result: Unified Ger. anchored* in a changed (polit.) NATO –* whose jurisd. would not move* eastwards!“ (Die Sternchen sind nach Sarotte als Hervorhebung gedacht; „jurisd.“ meint den rechtlichen Raum, in dem die Nato gelten soll.)

Sarotte berichtet auch die Antwort Gorbatschows: „Ganz gewiss wäre jede Erweiterung der Nato über ihren bisherigen Bereich inakzeptabel.“ Der Inhalt des Vermerks wurde einen Tag später in einem Brief an Bundeskanzler Kohl anlässlich dessen Besuchs in Moskau übermittelt. Sarotte geht deswegen wohl zu Recht davon aus, dass Gorbatschow und Kohl die von Baker eingegangenen Verpflichtungen auch ihren Beratungen zugrunde legten. Und aufgrund des amerikanischen Versprechens gab Gorbatschow dann Kohl die Zustimmung zur Währungsunion – und damit zur Wiedervereinigung.

Es bleibt unverständlich, warum Teltschik diese neuen Erkenntnisse verschweigt, wie übrigens auch die meisten deutschen Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigen. Präsident George H. W. Bush pfiff zwar seinen Außenminister gleich zurück: „Wieso, wir haben gewonnen und nicht die“, wusste aber auch, dass die Bundesregierung in Sachen Nato anderer Meinung war. Doch Kohl brauchte die USA angesichts des verzögernden Widerstands von Frankreich und Großbritannien in den Verhandlungen zur Wiedervereinigung. So lud man bei den Beratungen auf Camp David Außenminister Genscher, den Gegner der Nato-Erweiterung, einfach aus und beschränkte die Zwei-plus-Vier-Verhandlungen eng auf die deutschen Fragen. Obwohl Baker doch auch den Auftrag von Bush hatte, „auf eine schnelle deutsche Vereinigung zu drängen (…) und dabei der Sowjetunion zu versichern, dass die Nato nicht weiter östlich erweitert werde“, so Burns.

Sarotte schreibt, wer die Entwicklung zwischen Washington und Moskau heute verstehen wolle, „sollte diese Sequenz der Ereignisse nicht aus den Augen verlieren“. Denn für die russische Seite blieb das eindeutige Versprechen des US-Außenministers Baker die vereinbarte Ausgangslage der weiteren Entwicklungen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Burns und Teltschik ständig auf das Thema Nato zurückkommen müssen. Das gilt übrigens ebenso für die Memoiren (2002) von Strobe Talbott, dem Architekten der Russlandpolitik von Präsident Clinton. Dieser berichtet, Präsident Chirac habe sich noch 1997 beschwert, dass man die „Empfindlichkeiten“ Russlands und seine Gefühle der „Einkreisung“ und „Demütigung“ nicht berücksichtige. Und Burns schreibt, Jelzin habe einmal eine vom Westen geforderte Zustimmung zur Nato-Erweiterung als „Verrat an seinem Volk“ zurückgewiesen! Wenn also der 1990 stellvertretende Sicherheitsberater Gates später behauptete, man habe damals „die Sowjets bestochen“ („bribed“), indem man D-Mark aus Deutschland fließen ließ, so kann es ein solches Geschäft „Geld gegen Nato-Erweiterung“ schon wegen der von Anbeginn massiven russischen Kritik an der Nato-Erweiterung nie gegeben haben!

Hätte es zur Sicherung der osteuropäischen Staaten einen anderen Weg als den Nato-Beitritt gegeben? Burns hatte 1994 aus Moskau auf solche Möglichkeiten gedrängt und warnte eindringlich, ein unmittelbarer Nato-Beitritt könne erhebliche negative politische Folgen auslösen. So argumentierte im Juni 2015 auch der ehemalige Sicherheitsberater von Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, und forderte, der Westen solle endgültig auf den Nato-Beitritt der Ukraine verzichten und Lösungen suchen, wie sie zum Beispiel schon lange für das neutrale Finnland bestünden; auch Österreich, Schweden und Irland sind ja keine Nato-Mitglieder.

Internationale Politik wird nicht von Freundschaften getrieben

Sarotte ist einfach ehrlicher als Teltschik: Sie hat sich offen korrigiert, die nun aufgefundenen Fakten dargelegt. Und so rezensierte auch die New York Times: „Sarotte zeigt uns, es hätte auch anders verlaufen können.“ Anlässlich eines Vortrags im deutschen Generalkonsulat in New York bekannte Sarotte mutig, ihr sei es „um die Ehrlichkeit der amerikanischen Außenpolitik gegangen“. Vielleicht könnte das endlich auch für uns gelten?

Denn die Nato-Frage hat inzwischen auch das schwierigste Hindernis für eine Wiederbelebung der Entspannungspolitik geschaffen: die Annexion der Krim. 2008 wurde in Bukarest der Ukraine gegen den Rat Deutschlands und Frankreichs die Tür zur Nato weit geöffnet. Sarotte meint, „Besorgnis über die Nato war ein erheblicher Teil der Gründe“ für die Annexion. Auch diesmal hatte Burns vor den schwerwiegenden Folgen gewarnt, aber Bush und Cheney hätten die Entscheidung aus Gründen einer „legacy“, eines „Vermächtnisses“, der zu Ende gehenden Präsidentschaft George W. Bushs erzwungen. Sewastopol als möglicher Nato-Hafen für amerikanische Kriegsschiffe? Das war aus innenpolitischer und historischer russischer Sicht eine unannehmbare Perspektive: Tolstoi verteidigte Sewastopol im Krimkrieg 1854 (Sewastopoler Erzählungen); auch bei Puschkin, Tschechow, Brodski geht es immer wieder um die Krim. Natürlich rechtfertigt die historische Verbundenheit heute völkerrechtlich keine Annexion, aber hätte man nicht – wie Burns und Brzezinski anrieten – diese Kränkung der verwundeten Seele Russlands vermeiden und die Folgen voraussehen können?

Im Rückblick, schreibt Burns, war die Expansion der Nato „bestenfalls verfrüht und schlimmstenfalls eine sinnlose Provokation“. Und: „Wir müssen uns der Gefahren der Hybris und des amerikanischen Unilateralismus bewusst werden.“ Er meint damit aber nicht nur die Präsidentschaft Trumps! Er gräbt tiefer als Teltschik und erkennt in der amerikanischen Diplomatie einen grundsätzlichen Trend zu Nationalismus und Militarisierung. Auch George F. Kennan, der Architekt der „Eindämmung“ der Sowjetunion nach 1945, habe die „Militarisierung“ seines Konzepts bedauert.

Die Erinnerungen von Burns zeigen: Internationale Politik wird nicht von Freundschaften oder „Wertegemeinschaften“ getrieben, sondern von wahren oder vermeintlichen Interessen. Das hatten im Mai 2018 der damalige Sicherheitsberater Präsident Trumps McMasters und der Vorsitzende des Wirtschaftsrates Cohn so bestätigt: „Wer sich unseren Interessen anschließt, mit dem werden wir offen zusammenarbeiten (…). Wer aber entscheidet, unsere Interessen herauszufordern, der wird auf unsere entschiedene Entschlossenheit stoßen.“

Was sind aber diese Interessen der USA in Europa? Schon ein Blick auf den Globus macht klar, dass die geopolitischen Interessen der USA kaum mit den Interessen Europas übereinstimmen können: Europa hat eine Landgrenze mit Russland, die USA sind durch den Atlantik geschützt. Käme es jemals zu einem nicht nuklearen Konflikt in Europa, dann würde zwar Europa zerstört, aber kein Fußbreit der USA wäre verbrannt. „Privilegierte Zerstörung“ nannte einst der weitsichtige de Gaulle diese Form einer Verteidigung Europas durch die USA.

Was aber bindet dann die USA an Europa? Freundschaft? Werte? Was sind ihre wahren Interessen? Warum arbeiten sie, wie auch Burns beklagt, kaum an einer Entspannung? Warum vermitteln sie den Osteuropäern eher Ängste vor Russland, bemühen sich aber nicht erkennbar, diese Ängste durch Diplomatie abzubauen? Im Übrigen: Eine Politik, der es gelungen ist, das europäische Russland an die Seite Chinas zu drängen, verurteilt sich selbst.

Keiner hat die Frage der europäischen Interessen der USA offener beantwortet als Brzezinski. Dieser große geopolitische Denker der USA schreibt in seinem internationalen Bestseller The Grand Chessboard (1997), Europa sei „in erster Linie (…) Amerikas entscheidender geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent“, und begründet das an anderer Stelle, in Strategic Vision (2012), so: Würden die USA diesen Brückenkopf verlieren, so wäre „Amerikas Status als Weltmacht bedroht“. Was verteidigen also die USA in Europa – uns oder ihre geopolitische Weltmacht? Die politische Praxis der USA gibt leider eine allzu überzeugende Antwort!

Teltschik und Burns plädieren für eine diplomatische Offensive gegenüber Russland. Die USA werden unsere Interessen dabei kaum vertreten. Das müssten wir Europäer selbst übernehmen, mutig und risikobereit. Es wäre Frankreichs und Deutschlands vordringliche außenpolitische Aufgabe. Dafür müssen wir allerdings unsere eigenständige Verteidigung illusionslos stärken. Denn unser Interesse ist ein friedliches, sicheres, aber auch souveränes Europa.

Startseite

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Andreas Zumach und Nato Osterweiterung

Archivfund bestätigt Sicht der Russen bei Nato-Osterweiterung

Natoosterweiterung       Ukraine 

Dieser Bruch der Zusage hat die heutigen Reaktionen bewirkt. z.B:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/putin-russland-ukraine-selenskyj-krieg-nato-corona-proteste-freedom-day-a-ca8c90b9-c613-49b4-8916-2dc603339394

Unten steht der relevante Auszug.

Das Dokument aus England im Spiegel belegt , dass Briten, Amerikaner, Deutsche und Franzosen darin übereinstimmten, dass eine Nato-Mitgliedschaft der Osteuropäer »inakzeptabel« sei. Der deutsche Vertreter Jürgen Chrobog erklärte dabei: »Wir haben in den 2-plus-4-Verhandlungen deutlich gemacht, dass wir die Nato nicht über die Elbe hinaus ausdehnen. Wir können daher Polen und den anderen keine Nato-Mitgliedschaft anbieten.«

und eine IMI-Analyse 2022/02 (Update: 25.1.2022)   NATO-Aggression und Russlands Reaktion https://www.imi-online.de/2022/01/24/nato-aggression-und-russlands-reaktion/ Warum sich Russland betrogen und bedroht fühlt – und warum da einiges dran ist von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 24. Januar 2022

Andreas Zumach spricht  aktuell über  1) Russland, die Ukraine und der Westen -Wege aus der Konfrontation  2) NATO-Osterweiterung – wer wem wann was in den 1990ern versprach, und warum das noch relevant ist mit viel Argumenten:

Dazu sein zweiter Brief:

Betreff: Re: Fw: Artikel: 1) Russland, die Ukraine und der Westen -Wege aus der Konfrontation  2) NATO-Osterweiterung – wer wem wann was in den 1990ern versprach, und warum das noch relevant ist
Datum: Fri, 21 Jan 2022 09:39:30 +0100
Von: Zumach <zumach@taz.de>
An: Helmut Käß <helmut_kaess@web.de>

Lieber Helmut,

danke für Deine Rückmeldung. Und danke für die Mühe der Schreibfehler-Korrekturen.

Selbstverständlich kannst Du beide Artikel (1,2) über den IPPNW-Verteiler und auch darüber hinaus beliebig verbreiten.

Aber für den Artikel „NATO-Osterweiterung….“ nimm bitte die im Anhang beigefügte  aktualisierte Fassung – mit drei Korrekturen/Ergänzungen sowie ebenfalls Schreibfehlerbereinigt. Die fünf Anlagen dazu hast Du ja.

Alternativ  könntest Du auch einfacherhalber diesen Link zum „Beueler Extradienst“ verschicken, auf dem die aktualisierte Fassung in gutem Layout und gut lesbar veröffentlich ist:  https://extradienst.net/2022/01/19/nato-osterweiterung/

1. https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/Russland-die-Ukraine-und-der-Westen-Wege-aus-der-Konfrontation-18.1.2022.docx

2. https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/NATO-Osterweiterung-Wer-wem-wann-was-in-den-1990er-Jahren-versprochen-hat.docx

Herzliche Grüße

Andreas Z.

__________________________________-

Und ein erster Brief:

Lieber R
in den sieben Anhängen zu dieser Mail schicke ich Dir

1) Meinen Artikel „Russland, die Ukraine und der Westen- Wege aus der Konfrontation kurzfristig und auf längere Sicht“  (siehe 0ben)

2) Meinen Artikel „NATO-Osterweiterung – wer wem wann was in den 1990er Jahren versprach, und warum das noch relvant ist“
sowie die fünf in diesem Artikel erwähnten Anhänge.  (oben)

Für eine Weiterverbreitung sei es über den SND-Verteiler oder Deinen privaten Verteiler wäre ich Dir dankbar.

Herzliche Grüße aus Berlin

Andreas Z.

5 Anlagen:

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/NATO-Osterweiterung-SPIEGEL-22.11.2009.docx

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/NATO-Osterweiterung-National-Security-Archive-Washington.docx

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/NATO-Osterweiterung-Mary-Elise-Sarotte-Interview-Oktober-2019.docx

hier noch zwei Anlagen,, deren Umwandlung als Link nicht erlaubt wurde. und  die ich hier kopierte:

NATO-Osterweiterung Dohnanyi ZEIT Juni 2019  und NATO-Osterweiterung https://helmutkaess.de/nato-osterweiterung-dohnanyi-zeit-juni-2019/

Sarotte Tagesspiegel 22.10.2019, https://helmutkaess.de/nato-osterweiterung-sarotte-tagesspiegel-22-10-2019/

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Tilman Ruff und Andreas Zumach zum Kriegsrisiko

Aktuell eine klärende wichtige Aussage zum Versprechen an Gorbatschow von Andreas Zumach zum Ost-West Konflikt (1 ).

Und IPPNW Co-Vorsitzender Tilman Ruff zum anstehenden Treffen in Wien zum Atomwaffenverbotsvertrag (2).

2. here the Original:    https://rdcu.be/cE8b8   und  hier eine hier de deutsche Übersetzung mit deepl.com: https://helmutkaess.de/14002-2/

Herzliche Grüße, Helmut Käss

Dr. med. Helmut Käss, Arzt für Allgemeinmedizin i.R. Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0049 176 577 47 881, https://helmutkaess.de, www.ippnw.de , http://www.friedenszentrum.info/,
Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

john f. Kennedy assasination

https://portside.org/2022-01-19/why-was-john-f-kennedy-assassinated

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

palästina

Palästina

Und eine gute Nachricht nach einer schlimmen…:

Neuer milliardenschwerer U-Boot Auftrag für Thyssen-Krupp – Die Bundesregegierung trägt einen Teil der Kosten !
Danke für diese schreckliche Nachricht.
Neben der kriminellen Häuserzerstörung und ethnischen Säuberung der Salihia Familie aus Ost-Jerusalem, gibt es heute aber auch diese gute Nachricht: Das Bundesverwaltungsgericht hat heute entschieden:
„Themenbezogene Widmungsbeschränkung verletzt Meinungsfreiheit.
Die Beschränkung des Widmungsumfangs einer kommunalen öffentlichen Einrichtung, die deren Nutzung allein aufgrund der Befassung mit einem bestimmten Thema ausschließt, verletzt das Grundrecht der Meinungsfreiheit.

Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute, wohl am 20.1.22 entschieden.“https://www.bverwg.de/de/pm/2022/6

Also dürfen keine kommunale Räumlichkeiten entsagt werden, wenn wir über BDS diskutieren wollen, so verstehe ich zumindest dieses Urteil.

Palästina,

Stellungnahme zu den Vereinbarungen der Ampelkoalition

 

https://www.kopi-online.de/wordpress/?p=5165

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Atomwaffen vernichten, bevor sie uns vernichten. Tilman A. Ruff

Atomwaffen vernichten, bevor sie uns vernichten. Tilman A. Ruff  https://wp.me/paI27O-3DQ

Ending nuclear weapons before they end us:  here the original    https://rdcu.be/cE8b8

Hinweis auf das Journal

Hier die Übersetzung mit der Hilfe von deepl.com https://helmutkaess.de/14002-2/

Accepted: 6. Dezember 2021 © The Author(s), under exclusive license to Springer Nature Limited 2021Abstract

Und eine dramatische Aussage des IPPNW Co-Vorsitzenden Tilman Ruff

Atomwaffen beenden, bevor sie uns beenden: Aktuelle Herausforderungen und Wege zur Vermeidung einer Katastrophe für die öffentliche Gesundheit.

Tilman A. Ruff

Abstract:

Der Vertrag der Vereinten Nationen über das Verbot von Atomwaffen (TPNW) – ein wichtiges planetarisches Gesundheitsgut – ist im Januar 2021 in Kraft getreten. Die Folgen eines Atomkriegs, insbesondere die globalen klimatischen und ernährungsphysiologischen Auswirkungen eines abrupten Eiszeitzustands selbst bei einem relativ kleinen regionalen Atomkrieg, sind gravierender als bisher angenommen. Keiner der neun nuklear bewaffneten Staaten rüstet ab; stattdessen investieren alle enorm in neue und noch gefährlichere Atomwaffen. Auch hat noch keiner der 32 Staaten, die behaupten, auf die Atomwaffen eines anderen Staates angewiesen zu sein, diese Abhängigkeit beendet. Diese Faktoren, die Aufkündigung bestehender Atomwaffenkontrollabkommen, die Politik des nuklearen Ersteinsatzes und der Kriegsführung, die Zunahme bewaffneter Konflikte weltweit und der zunehmende Einsatz von Informations- und Cyberkriegsführung, verschärfen die Gefahr eines Atomkriegs. Ein evidenzbasierter Einsatz von Gesundheitsfachleuten für die Notwendigkeit der Abschaffung von Atomwaffen war noch nie so dringend wie heute.

Stichworte: Vertrag über das Verbot von Atomwaffen – Nukleare Abrüstung – Nuklearer Winter – Nukleare Hungersnot – Existenzielles Risiko

Der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW) ist jetzt rechtskräftig

*Tilman A. Ruff tar@unimelb.edu.au1School of Population and Global Health, University of Melbourne, Melbourne, PO Box 2285, Brighton North, VIC 3186, Australia  T. A. Ruff

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Erkenntnisse, Herausforderungen und Möglichkeiten zur Eindämmung der akutesten existenziellen Bedrohung für die Menschheit und die Biosphäre: die wachsende Gefahr eines Atomkriegs.

In den Jahren 2020 und 2021 haben die dramatische Explosion der COVID-19-Pandemie und die rasch zunehmende Schwere und Häufigkeit von extremen Wetterereignissen und Katastrophen, die durch die globale Erwärmung verursacht werden, die Notwendigkeit öffentlicher Politik muss sich auf gesicherte Erkenntnisse stützen, insbesondere wenn es um katastrophale und existenzielle Risiken geht. Leider ist dies in vielen Rechtsordnungen nicht ausreichend der Fall, was die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Risiken noch verschlimmert. Bei den Atomwaffen klafft die Kluft zwischen der Regierungspolitik und den Erkenntnissen über die Folgen und Risiken in 41 Ländern, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Menschen weltweit mit wahlloser nuklearer Gewalt zu bedrohen oder andere dabei zu unterstützen, weit auseinander. Während der Klimakatastrophe durch die globale Erwärmung endlich weltweit große Aufmerksamkeit von Regierungen, Fachleuten und der Öffentlichkeit zuteil wird, gilt dies nicht für das akute existenzielle Risiko, das Atomwaffen für ein stabiles und gastfreundliches Klima darstellen, das für die menschliche und planetarische Gesundheit notwendig ist.

Ein Artikel auf diesen Seiten aus dem Jahr 2018 mit dem Titel: „Der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen: ein planetarisches Gesundheitsgut ersten Ranges“ [1] beschrieb diesen neuen Vertrag der Vereinten Nationen, der 2017 verabschiedet wurde [2] und der erste ist, der die schlimmsten Massenvernichtungswaffen umfassend und kategorisch verbietet. Er erörterte die Rolle der evidenzbasierten öffentlichen Gesundheitsfürsorge bei seiner Entwicklung.

Als Honduras den Vertrag (im Folgenden TPNW) am 24. Oktober 2020 ratifizierte, erreichte die Welt einen Meilenstein: 50 Staaten ratifizierten den Vertrag und signalisierten damit ihre Bereitschaft, rechtlich an seine Bestimmungen gebunden zu sein. Dies führte dazu, dass der Vertrag 90 Tage später, am 22. Januar 2021, formal in Kraft trat. Von diesem Zeitpunkt an müssen die Staaten ihre Verpflichtungen aus dem Vertrag erfüllen, und zwar 90 Tage, nachdem sie das Verfahren zum Beitritt zum Vertrag abgeschlossen haben und damit „Vertragsstaat“ geworden sind. 86 Staaten hatten den Vertrag bis zum 14. Dezember 2021 unterzeichnet, 57 hatten ihn ratifiziert [3]. Ab 2014 traten 127 Staaten dem von Österreich initiierten Humanitarian Pledge [4] bei und verpflichteten sich, gemeinsam daran zu arbeiten, eine Rechtslücke zu schließen: Atomwaffen als letzte und einzige Massenvernichtungswaffe, die nicht durch einen internationalen Vertrag verboten ist. Im Jahr 2016 unterstützten mehr als 120 Staaten die Entwicklung und Verhandlung des Vertrags bei jedem Schritt in der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA), der eine Abstimmung erforderte, sowie die Verabschiedung des Vertrags im Jahr 2017 und dann erneut bei den nachfolgenden Resolutionen der UNGA zur Unterstützung des Vertrags [5]. Trotz vieler konkurrierender Prioritäten und des heftigen Widerstands von Staaten, die Atomwaffen einsetzen, werden viele der Staaten, die den Vertrag unterstützen, aber noch nicht unterzeichnet haben, ihn wahrscheinlich unterzeichnen. Die 31 Unterzeichnerstaaten, die den Vertrag noch nicht ratifiziert haben, werden dies höchstwahrscheinlich tun. Die regelmäßigen, mindestens alle zwei Jahre stattfindenden Treffen der Vertragsstaaten, einschließlich der mindestens alle sechs Jahre stattfindenden Überprüfungskonferenzen zur weiteren Umsetzung, Förderung und Entwicklung des Vertrags, werden mit dem ersten Treffen beginnen, das derzeit für den 22. bis 24. März 2022 in Wien, Österreich, geplant ist. Zuvor wird eine eintägige zwischenstaatliche humanitäre Konferenz stattfinden, auf der aktuelle Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Atomwaffen und den Risiken eines Atomkriegs vorgestellt werden.

Aktuelle Erkenntnisse über die Folgen eines Atomkriegs

Erste WHO-Bewertung, 1983 

Der Bericht  „Beendigung von Atomwaffen, bevor sie uns vernichten: aktuelle Herausforderungen…“

Im Jahr 1983 befasste sich die Weltgesundheitsversammlung mit dem ersten Bericht eines internationalen Expertenkomitees über die Auswirkungen eines Atomkriegs auf die Gesundheit und die Gesundheitsdienste.

Sie bestätigte die Schlussfolgerung des Ausschusses: „dass es unmöglich ist, die Gesundheitsdienste systematisch auf die aus einem Atomkrieg resultierende Katastrophe vorzubereiten, und dass Atomwaffen die größte unmittelbare Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit darstellen“ [6].

Im Bericht des Ausschusses heißt es: „Es ist offensichtlich, dass kein Gesundheitsdienst in irgendeinem Gebiet der Welt in der Lage wäre, Hunderttausende von Menschen, die durch die Explosion, Hitze oder Strahlung einer einzigen 1-Megatonnen-Bombe schwer verletzt werden, angemessen zu versorgen. Der Ausschuss kam zu dem Schluss: „… der einzige Ansatz zur Behandlung der gesundheitlichen Auswirkungen von Nuklearexplosionen ist die primäre Vorbeugung solcher Explosionen, d.h. die primäre Verhinderung eines Atomkrieges“[7].

Neue Beweise für Klimaauswirkungen

In den Jahrzehnten seit 1983 haben wir viel über die vielfältigen Auswirkungen von Nuklearexplosionen und Kriegen gelernt. Die Beweise für die katastrophalen Auswirkungen werden immer deutlicher. Die wichtigsten neuen Erkenntnisse beziehen sich auf die Auswirkungen auf das Klima. Kernwaffen sind äußerst effizient, wenn es darum geht, eine große Anzahl gleichzeitiger Brände über große Gebiete zu entfachen. Diese würden alle brennbaren Materialien verbrauchen und sich zu riesigen Flächenbränden zusammenschließen, in denen niemand die Hitze von über 800 °C, den starken Rauch und den Sauerstoffmangel überleben könnte. Atmosphärenwissenschaftler schätzten, dass selbst die relativ kleine taktische Kernwaffe, die in Hiroshima explodierte (15 Kilotonnen hochexplosives Äquivalent), in den Bränden, die sie auslöste, etwa 1000 Mal so viel Energie freisetzte wie in der Explosion selbst [8]. In Hiroshima brannten etwa 13 km2 der Stadt vollständig ab. Die Detonation der größten derzeit eingesetzten Nuklearwaffen mit einer Sprengkraft von bis zu fünf Megatonnen würde einen Flächenbrand mit einem Durchmesser von mehr als 45 km und einer Fläche von 1600 km2 auslösen [9].

Atmosphäre und Klimaauswirkungen eines regionalen Atomkriegs: das Beispiel Indien-Pakistan

Das von Atmosphärenforschern am häufigsten untersuchte Szenario für einen regionalen Atomkrieg ist ein Krieg zwischen Indien und Pakistan. Diese Möglichkeit ist nur allzu realistisch, da die beiden Nationen seit ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1949 bereits viermal Krieg geführt und bei zwei weiteren Gelegenheiten bis zu 1.000.000 Soldaten mobilisiert haben. Sie verfügen über zwei der drei am schnellsten wachsenden Atomwaffenarsenale der Welt. Beide haben eine Politik, die in einem Krieg zwischen ihnen ein hohes Risiko der nuklearen Eskalation birgt. An der umstrittenen Grenze in Kaschmir kommt es fast täglich zu Gewaltausbrüchen. Das jüngst aktualisierte Szenario sieht den Einsatz von 250 Kernwaffen mit einer Stärke von 15, 50 oder 100 kt vor [10]. Das sind weniger als 2 % der weltweiten Atomwaffen und weniger als 1 % ihrer Sprengkraft, denn die durchschnittliche Größe der 13.150 Atomwaffen beträgt 200 kt [11]. Ein solcher Krieg würde zwischen 83 und 183 Millionen akute Opfer in den Städten beider Länder fordern, darunter 52 bis 127 Millionen Tote (je nach Größe der eingesetzten Waffen) [10]. Radioaktive Verseuchung, schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Verwerfungen und Menschen, die in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu fliehen versuchen, würden sich über ganz Südasien und darüber hinaus erstrecken.

Ein solcher Krieg würde auch zwischen 16 und 36 Millionen  Tonnen schwarzen Kohlenstoffs im rußigen Rauch der brennenden Städte erzeugen [10]. Dieser Rauch würde schnell in die obere Stratosphäre und Mesosphäre aufsteigen, außerhalb der Reichweite von Wolken und Niederschlägen in der unteren Atmosphäre (Troposphäre). Die Sonne würde den aufsteigenden Rauch um 50 bis 80 °C aufheizen. Der Kohlenstoff würde die Erde über ein Jahrzehnt lang verdunkeln.

Er würde auch die globalen durchschnittlichen Oberflächentemperaturen um 3 bis 6 °C senken, also in den Bereich der Minimaltemperaturen während des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren, die 3 bis 8 °C kälter waren als heute. Ein ungleichmäßig verteilter Temperaturrückgang von 8 bis 15 °C würde einen Großteil der großen nordamerikanischen und eurasischen Landmassen erfassen. Auch die weltweiten Niederschläge würden um bis zu 35 % zurückgehen, wobei insbesondere der südasiatische Monsun gestört würde, von dem die Nahrungsmittelproduktion für 1,5 Milliarden Menschen entscheidend abhängt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese trockeneren Bedingungen und kälteren Temperaturen mit Kälteeinbrüchen und verkürzten frostfreien Wachstumsperioden in den gemäßigten Regionen einhergehen werden. Ein noch nie dagewesener Anstieg des ultravioletten Strahlungsflusses (30-100 % Anstieg im Sommer außerhalb der Tropen) würde diese Veränderungen noch verstärken [12]. Das Ozon in der Stratosphäre würde in großem Umfang abgebaut, was schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung und Gesundheit von Pflanzen und Tieren sowohl in der aquatischen als auch in der terrestrischen Umwelt hätte. Selbst ein kleinerer indisch-pakistanischer Atomkrieg, bei dem 5 Millionen Tonnen Ruß freigesetzt würden, würde zu einem weltweiten Ozonverlust von 25 % und in höheren Breitengraden von bis zu 55 % führen, wobei die Erholung 12 Jahre dauern würde und die mit DNA-Schäden verbundenen ultravioletten B-Wellenlängen in der Spitze um 40 % zunehmen würden [13]. Der größte Teil der landwirtschaftlichen Produktion würde in Regionen mit höheren Breitengraden, darunter Kanada, Nordeuropa, Russland, China, Korea und Japan, zum Erliegen kommen [14]. Radioaktiver Niederschlag und die Verseuchung mit giftigen Chemikalien aus zerstörten Pipelines und Industrie- und Lagerstätten würden große Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen beeinträchtigen. Soziale, wirtschaftliche, verkehrstechnische und handelspolitische Unruhen würden die weltweite Verteilung von Düngemitteln, Treibstoff, Maschinen und Geräten, Saatgut, Pestiziden, Lebensmittellagern und Transportmitteln, von denen die moderne Landwirtschaft, die Lebensmittelvorräte und die Verteilung abhängen, unterbrechen. Und die Folgen? Allein die klimatischen Veränderungen würden einen Rückgang der Nettoprimärproduktivität (NPP) um 10 bis 20 % in den Ozeanen und um 15 bis 40 % an Land über mehrere Jahre hinweg bewirken [10]. Die Nettoprimärproduktivität ist die Nettomenge an Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr, die in pflanzliches Material umgewandelt wird, nachdem berücksichtigt wurde, was Pflanzen für ihre eigene Atmung verwenden. Dieser Verlust wäre vergleichbar mit dem gesamten derzeitigen jährlichen Verbrauch an Nahrungsmitteln und Fasern durch den Menschen. Die Wissenschaftler entdecken immer wieder neue Auswirkungen, die den Schaden noch verschlimmern würden. Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass verschiedene Atomkriegsszenarien ein El-Niño-ähnliches Muster von noch nie dagewesenem Ausmaß über dem Pazifik auslösen könnten, mit einem damit verbundenen Rückgang der Produktivität des Phytoplanktons im äquatorialen Pazifik um etwa 40 % [15]. Forscher haben vor kurzem eine starke und abrupte Verschärfung der globalen Ozeanversauerung als Folge eines Nuklearkonflikts identifiziert, einschließlich der potenziellen Unfähigkeit von kalkbildenden Meeresorganismen wie Muscheln und Korallen, ihre Schalen oder Skelette in einer korrosiven Umgebung zu erhalten [16].

Zerstörung der Nahrungsmittelproduktion

Die Welt ist nicht gut darauf vorbereitet, einen anhaltenden Rückgang der Nahrungsmittelproduktion in diesem Ausmaß zu verkraften. Im Juli 2021 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Jahr 2020 zwischen 720 und 811 Millionen Menschen chronisch unterernährt sein werden, 118 Millionen mehr als im Jahr 2019 [17]. Aufgrund der COVID-19-Pandemie schätzte die FAO die Zahl der Menschen, die im Jahr 2020 von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sind, auf 2,37 Milliarden, 318 Millionen mehr als im Vorjahr.

Ihre Prognose vom November 2021 für das Jahr 2021-22 für die weltweiten Getreidevorräte entspricht einem Verbrauch von 104 Tagen [18]. Wir erwarten, dass in den kommenden Monaten detailliertere länderspezifische Schätzungen der Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion veröffentlicht werden. Ein anhaltender Rückgang der weltweiten Nahrungsmittelproduktion in dieser Größenordnung bedroht über 2 Milliarden Menschen mit dem Hungertod [19]. Epidemien verschiedener Infektionskrankheiten würden unweigerlich mit einer Hungersnot dieses beispiellosen Ausmaßes einhergehen, ebenso wie Konflikte innerhalb und zwischen Nationen wegen unzureichender und schwindender Nahrungsmittelreserven. Diese Kombination würde die Zahl der Opfer wahrscheinlich noch erheblich verschlimmern.

Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und Implikationen

Die unmittelbare lokale Zerstörung würde katastrophale lokale Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit würden durch verstreuten radioaktiven Niederschlag und möglicherweise durch einen elektromagnetischen Impuls aus einer hoch gelegenen Atomexplosion verursacht, der die gesamte zivile elektrische und elektronische Infrastruktur auf dem gesamten Kontinent lahm legen würde.

Die Hauptursache für die weltweiten Opfer eines Atomkriegs wäre jedoch der plötzliche Ausbruch einer nuklearen Eiszeit und die daraus resultierende Massenverhungerung.

Die Erkenntnisse über die eiszeitbedingte Hungersnot selbst bei einem lokal begrenzten regionalen Atomkrieg stützen nicht die gemeinhin behauptete theoretische Grundlage für die nukleare Abschreckung, nämlich die gegenseitig zugesicherte Zerstörung. Stattdessen charakterisieren sie Atomwaffen als Risiko der sicheren Zerstörung durch globale Selbstmordbomben.

Atomwaffen gefährden die Sicherheit aller Völker in hohem Maße und machen jedes Konzept, einen Atomkrieg zu gewinnen, sinnlos [20]. Sie haben keinen legitimen oder legalen militärischen Zweck.

die aktuelle Gefahr eines Atomkrieges

Die Gefahr eines Atomkrieges wächst [21, 22]. Kein Atomwaffenstaat rüstet derzeit ab und führt auch keine Verhandlungen über eine nukleare Abrüstung. Zuerst haben die USA, gefolgt von Russland, die zwischen ihnen ausgehandelten, hart erkämpften Verträge aufgekündigt, die das Ergebnis des ersten Kalten Krieges waren und die Anzahl und Art der Atomwaffen einschränkten. Zusammen verfügen diese beiden Länder über 90 % aller Atomwaffen [11].

Zu diesen Verträgen gehören der Vertrag über die Bekämpfung ballistischer Flugkörper, der Vertrag über nukleare Mittelstreckenraketen (der zunächst die sowjetischen, dann die russischen und US-amerikanischen Atomwaffenarsenale von Kurz- und Mittelstreckenraketen befreite), der Vertrag über den Offenen Himmel (der die Transparenz im Nuklearbereich erhöhte) und in jüngerer Zeit der Gemeinsame Umfassende Aktionsplan (Iran-Atomabkommen, das das iranische Atomprogramm wirksam einschränkte, bis die Trump-Regierung es aufkündigte). Hätte sich die neue Biden-Regierung nicht so schnell darauf geeinigt, den New-START-Vertrag zu verlängern, und zwar nur zwei Tage vor Ablauf der Frist, wo er ausgelaufen
wäre, gäbe es im Jahr 2021 keine vertraglichen Beschränkungen für US-amerikanische und russische Atomwaffen, obwohl der Kalte Krieg faktisch wieder auflebt.

Modernisierung und Ausbau der Atomwaffenarsenale zu enormen und eskalierenden Kosten

Alle neun Atomwaffenstaaten investieren massiv in die Modernisierung und den Ausbau ihrer Atomwaffenarsenale. Modernisierung bedeutet neue, schnellere, heimlichere, flexiblere und präzisere Kapazitäten. Eine Reihe von Waffen kann sowohl mit konventionellen als auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden, die bis zum Aufprall nicht voneinander zu unterscheiden sind. Diese Veränderungen senken die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen insgesamt [23]. Sowohl Russland als auch die USA, die zusammen 90 % aller Atomwaffen besitzen, sind dabei, ihre Sprengköpfe, Raketen und Abschussrampen umfassend zu ersetzen und zu modernisieren. Darüber hinaus erweitern sie die Rolle von Atomwaffen in ihrer Militärpolitik und die Bandbreite der Umstände, unter denen sie eingesetzt werden können, einschließlich der Bekämpfung von konventionellen und Cyber-Angriffen [24, 25]. Russland testet und setzt völlig neue Arten von Atomwaffen ein, darunter nuklear angetriebene Marschflugkörper, Hyperschallträger auf ballistischen Raketen und nukleare Langstreckentorpedos, die in Gewässern in der Nähe von Städten explodieren können [25]. Die USA stellen zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten neue Atomsprengköpfe her und modernisieren alle Arten von Atomwaffen – ballistische Raketen und Marschflugkörper, von Flugzeugen transportierte Bomben sowie die U-Boote, Schiffe und Flugzeuge, die sie tragen [24]. Sie rüstet auch die Atomwaffen auf, die sie dem Vereinigten Königreich zur Verfügung stellt, sowie die Atombomben, die sie in Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Türkei stationiert [24]. Aktuelle Schätzungen der weltweiten Ausgaben für die Entwicklung und Produktion von Atomwaffen belaufen sich auf 72,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020, ein Anstieg von 1,4 Milliarden US-Dollar gegenüber 2019, selbst angesichts der Einschränkungen durch die Pandemie [26]. Die Gesamtkosten von Atomwaffenprogrammen, einschließlich der Kosten für Umweltsanierung und Altlasten, sind weitaus höher. Die USA geben am meisten für Militär und Atomwaffen aus: Im Haushaltsjahr 2021 beliefen sich die Kosten für Atomwaffen auf 74,75 Milliarden US-Dollar [27]. Die Militärausgaben machen die Hälfte aller diskretionären US-Regierungsausgaben aus. In den USA sind die Ausgaben für Nuklearsprengköpfe derzeit so hoch wie nie zuvor, wobei für die nächsten drei Jahrzehnte Ausgaben von über 2 Billionen US-Dollar für die umfassende Erneuerung des Atomwaffenarsenals und der Anlagen zur Herstellung von Atomwaffen prognostiziert werden [23]. Während Russlands Militärausgaben im Jahr 2020 (61,7 Milliarden US-Dollar) auf nur 8 % der Ausgaben der USA (778 Milliarden US-Dollar) geschätzt werden [26], ist der Anteil der Ausgaben für Atomwaffen mehr als 2,5 Mal so hoch wie der der USA [28].

Opportunitätskosten: Waffen im Vergleich zu den Vereinten Nationen und verwandten Programmen

Solche enormen Ausgaben für Waffen, die bereits bei ihrer Herstellung ein gefährliches Erbe hinterlassen, haben enorme soziale, ökologische und gesundheitliche Opportunitätskosten.

Schätzungen des Sustainable Development Solutions Network beziffern die durchschnittlichen jährlichen Gesamtinvestitionen, die zwischen 2019 und 2030 erforderlich sind, um die Erreichung der von allen Nationen vereinbarten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) vollständig zu finanzieren, auf 1011 Milliarden US-Dollar [29]. Das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Militärausgaben, nämlich 1981 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 – 2,6 % mehr als im Jahr 2019 [26]. Dieser Anstieg erfolgte trotz der COVID-19 Pandemie und dem damit verbundenen schweren Wirtschaftsabschwung, der Zunahme der Armut und der Ernährungsunsicherheit. Die jährlichen Budgets der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der UNICEF, der Vereinten Nationen selbst, des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und des UN-Büros für Abrüstungsfragen machen zusammen weniger als 30 % der direkten Ausgaben für Atomwaffen aus [30]. Der Betrieb eines atomwaffenfähigen F-35-Kampfflugzeugs für eine Stunde kostet so viel, wie eine Krankenschwester in einem Jahr verdient (OECD-Durchschnitt); mit den Kosten für ein Atom-U-Boot der Virginia-Klasse könnten 9180 voll ausgestattete Krankenwagen finanziert werden; mit den Kosten für eine Trident-II-Atomrakete könnten 17 Millionen Gesichtsmasken gekauft werden [30]. Bis September 2021 hatte mindestens eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs weniger als 3% der Menschen in einkommensschwachen Ländern erreicht, und der WHO fehlten 900 Millionen US-Dollar an Mitteln, die sie für den Zeitraum bis März 2022 für ihre wesentliche Rolle bei der Beendigung der akuten Phase der Pandemie benötigt – 1,2% der jährlichen direkten Ausgaben für Atomwaffen [31].

Weltuntergangsuhr spiegelt wachsende Unsicherheit wider

Die Führer aller nuklear bewaffneten Staaten haben in den letzten Jahren konkrete nukleare Drohungen ausgesprochen, wobei führende Militärs ihre aktive Planung für einen Atomkrieg bestätigten [32].

Im Jahr 2020 hat das Bulletin of the Atomic Scientists seine maßgebliche Weltuntergangsuhr auf 100 Sekunden vor Mitternacht gestellt, weiter als je zuvor, und erklärt, dass „die internationale Sicherheitslage jetzt noch unsicherer ist als zuvor:

„Die internationale Sicherheitslage ist heute gefährlicher als je zuvor, selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.“ [33] Im Jahr 2021 blieben die Zeiger der Uhr an der gleichen Stelle, da: „Das Potenzial, in einen Atomkrieg zu stolpern, – das immer da war – ist gewachsen.“ [22]

Im Jahr 2019 warnte der US-Geheimdienst in seiner jährlichen Bewertung der weltweiten Bedrohungen für den Kongress, dass die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung den Stress für Gemeinschaften auf der ganzen Welt erhöhen und die globale Instabilität und die Wahrscheinlichkeit von Konflikten verstärken, wodurch die Gefahr eines Atomkriegs steigt [34].

In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der bewaffneten Konflikte stetig zugenommen, insbesondere die Zahl der „internationalisierten innerstaatlichen“ Konflikte, die zwar innerhalb eines Staates stattfinden, an denen aber mindestens eine Nation (in unverhältnismäßig hohem Maße nuklear bewaffnete Nationen) außerhalb des Konfliktstaates beteiligt ist [35].

Cyberwarfare erhöht die Verwundbarkeit nuklearer Waffensysteme

Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem das Risiko des Einsatzes von Kernwaffen zunimmt, ist die zunehmende Nutzung von Cyberwarfare durch staatliche und nichtstaatliche Akteure. Zu den Angriffen auf zivile und militärische Nukleareinrichtungen gehörte im Dezember 2020 ein umfangreicher Hackerangriff auf die US National Nuclear Security Administration, die die US-Atomwaffen verwaltet [36]. Komplexe globale Frühwarn-, Kommando-, Kontroll-, Kommunikations- und Aufklärungssysteme sind mit Kernwaffen verbunden. Sie sind komplex, verstreut und miteinander vernetzt – und anfällig für Cyberangriffe. Wie General James Cartwright, ehemaliger Leiter des Strategischen Kommandos der USA, feststellte: „Es wäre möglich, dass Terroristen sich in russische oder amerikanische Kommando- und Kontrollsysteme einhacken und Atomraketen abschießen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit einen größeren Nuklearkonflikt auslösen würde.“[37]   Britische, französische, russische und US-amerikanische Behörden halten 2000 nukleare Sprengköpfe in höchster Alarmbereitschaft, die alle auf Trägerfahrzeugen montiert und innerhalb von Minuten nach einem Startbefehl einsatzbereit sind [11]. Diese Sprengköpfe sind besonders anfällig für digitale Sabotage und einen versehentlichen oder unbefugten Abschuss. Viele Staaten, darunter China, Iran, Israel, Nordkorea, Russland und die USA, führen offensive Cyberoperationen durch [38]. Zu den Käufern gehören Regierungen, Regierungsvertreter und terroristische Organisationen. Häufig finden Käufer Tools auf einem lukrativen globalen Schwarz- und Graumarkt, auf dem Hacking-Tools, insbesondere „Zero-Day-Exploits“, angeboten werden. Diese Tools nutzen Software- oder Hardware-Fehler und -Schwachstellen aus, für die es noch keinen korrigierenden Patch gibt [38]. Regierungsmitarbeiter, die im Rahmen ihrer Arbeit oder als Schwarzarbeiter tätig sind, oder Auftragnehmer der Regierung können offensive digitale Tools entwickeln. Einzelne oder organisierte Hacker und Cyberkriminelle oder private, gewinnorientierte Unternehmen können sie ebenfalls fast überall herstellen. Zu den bisherigen Zielen von Hacking und digitaler Sabotage gehören Bank- und Gesundheitssysteme, Sony Corporation, Stromnetze, Wasseraufbereitungsanlagen, Flughäfen, Wahlsysteme, Computersysteme von Ölgesellschaften, Zentrifugen zur Urananreicherung und Kernkraftwerke. Die zunehmende digitale Ausgereiftheit von Atomwaffen und Trägersystemen kann deren Anfälligkeit für digitale Sabotage erhöhen [38].

Ausgangsmaterial für Atomwaffen wird nicht angemessen kontrolliert

Umfangreiche Bestände an spaltbarem Material, hochangereichertem Uran und Plutonium, aus dem Atomwaffen gebaut werden können, lagern noch immer in zivilen und militärischen Beständen in Dutzenden von Ländern. Es gibt keine wirksamen internationalen Beschränkungen für die Produktion dieser Materialien. Jeder Staat mit einer zivilen Nuklearindustrie ist auch in der Lage, spaltbares Material zu produzieren, und jeder Staat, der Uran auf Reaktorqualität anreichern kann, kann es auch auf Waffenqualität anreichern. Kernreaktoren wandeln unweigerlich einen Teil des Urans im Brennstoff in Plutonium um. Die durchschnittliche moderne Kernwaffe enthält etwa 4 kg Plutonium und/oder 15 kg hochangereichertes Uran (HEU) [39]. Da der weltweite Bestand an spaltbarem Material Anfang 2020 nach Schätzungen des International Panel on Fissile Materials 1330 Tonnen HEU und 540 Tonnen abgetrenntes Plutonium enthalten wird [40], entspricht dies mehr als 225.000 Kernwaffenäquivalenten [39]. Abgesehen von der Beseitigung relativ bescheidener Mengen hochangereicherten Urans aus zivilen Beständen in 34 Ländern und Taiwan [41] sind die Herausforderungen der Einstellung der Produktion dieser Materialien, ihrer Beseitigung, wo immer dies möglich ist, und der Aufbewahrung der verbleibenden Mengen in konsolidierter Lagerung in der sichersten Form und auf dem höchstmöglichen Sicherheitsniveau noch weitgehend ungelöst.

Der TPNW bietet den besten Weg zur Kontrolle unserer schlimmsten Waffen.

Die Bedeutung und Dringlichkeit der Beseitigung von Kernwaffen und der Verringerung des ständigen Risikos ihres absichtlichen, versehentlichen oder zufälligen Einsatzes war nie größer. Der Vertrag über das Verbot von Nuklearwaffen stellt die wichtigste positive Entwicklung dar. Er ist fest verwurzelt in den Erkenntnissen über die realen Folgen, Kosten und Gefahren von Atomwaffen; er verbietet diese Waffen kategorisch und umfassend; er enthält die ersten vertraglichen Verpflichtungen für Staaten zur Unterstützung von Opfern von Atomwaffeneinsatz und -tests; und er verpflichtet sie, bei der Sanierung der so kontaminierten Umwelt zu helfen. Der Vertrag trägt dazu bei, dass verantwortungsbewusste Finanzinstitute sich von Unternehmen trennen, die von der Herstellung der schlimmsten und jetzt illegalen Massenvernichtungswaffen profitieren [42]. Der Vertrag enthält auch den einzigen international vereinbarten und kodifizierten Rahmen für die Abschaffung von Atomwaffen. Der Vertrag sieht flexible Möglichkeiten für Atomwaffenstaaten vor, vor oder nach dem Beitritt zum Vertrag abzurüsten. Er legt Pläne für den zeitlich begrenzten Abbau der Waffen und der Anlagen zu ihrer Herstellung und Wartung fest. Er unterliegt der Überprüfung durch eine zuständige internationale Behörde. Somit bietet der Vertrag den vielversprechendsten Weg für alle Staaten, ihren Verpflichtungen nachzukommen, in gutem Glauben über die nukleare Abrüstung zu verhandeln. Viele Gesundheits- und humanitäre Organisationen, darunter der Weltverband der Vereinigungen für öffentliches Gesundheitswesen, die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, der Weltärztebund, der Internationale Rat der Krankenschwestern und der Internationale Verband der Medizinstudentenvereinigungen haben sich den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) angeschlossen und begrüßen das Inkrafttreten des Vertrags. Diese Organisationen fordern alle Nationen auf, dem Vertrag beizutreten und ihn getreu umzusetzen [43].

Die Rolle von Wissenschaftlern und Angehörigen der Gesundheitsberufe

Die Dringlichkeit der Abschaffung von Atomwaffen nimmt zu

 

 

Grundlegende Fragen überschatten jeden, der in unserem Atomzeitalter lebt: Wird die Menschheit die Waffen ausrotten, die die akuteste existenzielle Bedrohung für die Gesundheit und das Überleben von Mensch und Biosphäre darstellen? Und werden wir dies rechtzeitig tun, bevor jemand sie wieder einsetzt und damit eine wahllose nukleare Gewalt auslöst, die unser Ende herbeiführen wird? Zu wenige Bürger und Politiker weltweit erkennen und handeln nach dieser Erkenntnis: Das stabile und gastfreundliche Klima, das wir für unsere lebendige Welt brauchen, erfordert Schutz vor einer ungezügelten globalen Erwärmung und vor einer abrupten nuklearen Eiszeit. Die Gesundheit des Planeten hängt von beidem ab.

Gesundheitliche Beweise und Lobbyarbeit können mächtig sein

Effektive, auf Beweisen basierende Lobbyarbeit von Experten, die wissenschaftliche und gesundheitliche Beweise aufbewahren, hat einen Großteil der Fortschritte bei der Begrenzung des nuklearen Wettrüstens ermöglicht.

Prominente, angesehene Persönlichkeiten wie Dr. Albert Schweitzer und der Kinderarzt Dr. Benjamin Spock machten auf die nachweislich stark erhöhten Strontium-90-Werte in den Milchzähnen von Kindern aufmerksam, die auf atmosphärische Kernwaffentests in den 1950er und 60er Jahren zurückzuführen waren. Ihre Bemühungen spielten eine wichtige Rolle für den Teilteststoppvertrag von 1963, mit dem die sowjetischen und US-amerikanischen atmosphärischen Atomtests eingestellt wurden [19]. Der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan erkannten die katastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs. Angesichts der zunehmenden Hinweise auf die katastrophalen Folgen eines nuklearen Winters erklärten sie 1985 gemeinsam: „Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf niemals geführt werden“. Im Jahr 1986 kamen sie verlockend nahe, sich darauf zu einigen, ihre Atomwaffenarsenale innerhalb von 15 Jahren vollständig abzuschaffen [44].

Partnerschaften und Koalitionen sind unerlässlich

Was spielte bei der Humanitären Initiative zu Atomwaffen die entscheidende Rolle? Es war der Beweis für die katastrophalen Folgen eines jeden Einsatzes von Atomwaffen, die Unmöglichkeit einer wirksamen gesundheitlichen oder humanitären Reaktion, die wachsende Gefahr eines Atomkriegs und die schwerwiegenden globalen Auswirkungen, die selbst ein regionaler Atomkrieg in relativ geringem Umfang haben kann – gepaart mit den eindringlichen Aussagen der Hibakusha und der Überlebenden von Atomtests, die die anhaltenden Zerstörungen durch Atomwaffen aus erster Hand erfahren haben [1, 45]. Dieses Projekt von Regierungen und der globalen Zivilgesellschaft führte ab 2010 zur Verabschiedung der TPNW. Es war eine Organisation von Angehörigen der Gesundheitsberufe, „International Physicians for the Prevention of Nuclear War“, die die „Inter-national Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN)“ ins Leben rief. Diese Kampagnenkoalition wurde zum wichtigsten zivilgesellschaftlichen Partner der Regierungen bei der Entwicklung des TPNW, eine Rolle, die zur Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN im Jahr 2017 führte. Wissenschaftlich und gesundheitlich fundierte Kommunikation und Lobbyarbeit zu den Auswirkungen und Risiken eines Atomkriegs spielen weiterhin eine wichtige Rolle für Bürger, Führungskräfte und Regierungen. Zu den Schlüsselfaktoren, die bisher einen Atomkrieg verhindert haben, gehören ein fundiertes Verständnis der Gefahren von Atomwaffen bei den führenden Politikern, eine weit verbreitete Abscheu der Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt vor der wahllosen radioaktiven Gewalt, die ein Atomkrieg auslösen würde, und der Druck von mobilisierten Bürgerinnen und Bürgern [46]. Die Politik, die Atomwaffen rechtfertigt, beruht auf primitivem Denken und nicht auf Fakten und Beweisen. Es ist erwiesen, dass Atomwaffen niemanden sicherer machen, sondern vielmehr eine existenzielle Bedrohung für die Sicherheit aller Menschen darstellen. Wenn sie nicht beseitigt werden, bevor sie wieder eingesetzt werden, ist ein Atomkrieg mit katastrophalen Folgen unvermeidlich. Wie die von der TPNW geförderten Desinvestitionen, also der Geldentzug von Atomwaffenherstellern zeigt, sind die mächtige Trägheit des Militärs, der Regierung und der Unternehmen sowie die Eigeninteressen, die die riesigen Atomwaffenunternehmen antreiben, zwar gewaltig, aber nicht unverückbar [42].

Verträge funktionieren

Die Erfahrung mit Verträgen, die andere Arten von unmenschlichen und wahllosen Waffen verbieten, zeigt, dass sie oft sogar Staaten beeinflussen, die sich dem Vertrag widersetzen und ihn nicht unterzeichnet haben. Biologische und chemische Waffen, Landminen und Streumunition werden nach ihrem Verbot nun seltener gerechtfertigt, hergestellt, verkauft, eingesetzt und verwendet – selbst von Staaten, die den jeweiligen Verboten nicht beigetreten sind [45].

Lehren aus COVID

Die schlimmste globale Pandemie seit einem Jahrhundert forderte die Verantwortlichen heraus, Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen und sie wirksam anzuwenden. Wir müssen die Silberstreifen in einer dunklen Wolke finden und auf ihnen aufbauen. COVID-19 sollte alle Illusionen über die Beherrschung der natürlichen Welt oder selbstgefällige Allmacht gegenüber Krankheitserregern durchkreuzen. COVID-19 hat selbst die reichsten Nationen unzureichend vorbereitet erwischt. Einige, die obszöne Summen in Atomwaffen investieren, die niemals zum Einsatz kommen dürfen, haben sich als unfähig erwiesen, die grundlegendste Schutzausrüstung für viele medizinische Fachkräfte an vorderster Front bereitzustellen. COVID-19 ist eine rechtzeitige Erinnerung an die Bedrohungen für die Sicherheit der Weltbevölkerung, gegen die massive militärische Arsenale und die schlimmsten Massenvernichtungswaffen nur eine nutzlose Ablenkung darstellen. COVID-19 zeigt unsere hochgradig vernetzten Schwachstellen auf, die kooperative Lösungen erfordern. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell Ideologie, Selbstüberschätzung und arrogante Führungspersönlichkeiten zu monumentalem Versagen der Führung und einer großen Zahl leicht vermeidbarer Todesfälle führen. Die Pandemie hat eine wichtige Lektion zutage gefördert: Eine wirksame Politik und ein wirksames Regieren hängen von der Achtung der Wahrheit und der Beweise ab und vom Vertrauen in die Experten, die sie aufbewahren. Maßnahmen, die zuvor als undenkbar galten, wie z. B. die rasche Entwicklung von Impfstoffen und eine groß angelegte soziale Unterstützung, können schnell zum Erfolg führen. Und die Pandemie hat bestätigt, dass weibliche Führungskräfte in einer Krise im Allgemeinen sensibler und zuverlässiger sind; wir brauchen mehr solcher Führungskräfte. All dies kann gesündere und weniger umweltbelastende Städte und Infrastrukturen fördern und uns viel besser auf die nächste Pandemie vorbereiten. COVID-19 sollte Politiker und Bürger dazu motivieren, einen evidenzbasierten, präventiven Ansatz zu verfolgen und eifrig daran zu arbeiten, die globalen Gesundheitsbedrohungen zu beseitigen, die in unserer Kontrolle liegen, allen voran die Atomwaffen. Eine Welt, die zunehmend unter Klimastress leidet, ist noch gefährlicher und unhaltbarer für die Arsenale von Weltuntergangswaffen. Eine wirksame und koordinierte, evidenzbasierte Lobbyarbeit von Wissenschaftlern und Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens für die Notwendigkeit der Abschaffung von Atomwaffen war noch nie so dringend wie heute.

Der Vertrag über das Verbot von Nuklearwaffen: ein planetarisches Gesundheitsgut von höchstem Rang.

Tilman A. Ruff

Erklärungen InteressenkonfliktDer Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht. Referenzen 1. Ruff TA.

Referenzen im Englischen Teil: https://rdcu.be/cE8b8

 

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Die US-Russland-Krise um die Ukraine… JAN 22

https://www.justsecurity.org/79874/the-us-russia-crisis-over-ukraine-all-options-should-not-be-on-the-table/  English below…

Die US-Russland-Krise um die Ukraine: Es sollten nicht alle Optionen auf dem Tisch liegen

von Dr. Ira Helfand und Daryl G. Kimball

18. Januar 2022

Biden-Administration, INF-Vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces), Atomwaffen, Russland, militärisches Engagement zwischen Russland und den USA, Ukraine

Nach der ergebnislosen Runde von Gesprächen zwischen hochrangigen amerikanischen und russischen Beamten über nukleare Rüstungskontrolle, europäische Sicherheit und die Krise in der Ukraine in der vergangenen Woche fragte ein Journalist den nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan am 13. Januar: „Sind alle Optionen auf dem Tisch?“

Sullivan antwortete, dass im Falle eines weiteren Einmarsches Russlands in die Ukraine unter anderem strenge Sanktionen gegen Russland und militärische Hilfe für die Ukraine sowie „Änderungen bei den Streitkräften und Fähigkeiten, die die Vereinigten Staaten und die NATO an der Ostflanke der Verbündeten einsetzen würden, um die Robustheit der verbündeten Verteidigung auf verbündetem Territorium zu stärken und zu verbessern“, in Betracht kämen.

Aber allein die Tatsache, dass die Frage „alle Optionen auf dem Tisch“ aufgeworfen wird, sollte Anlass zu großer Besorgnis sein.

Im Nuklearzeitalter könnte „alle Optionen auf dem Tisch“ in einem Konflikt, an dem Atommächte beteiligt sind, als potenzieller Einsatz von Atomwaffen verstanden werden, auch wenn das in diesem Fall nicht die Absicht war. Die US-amerikanische und die russische Führung müssen den Einsatz solcher Waffen als vom Tisch betrachten – in einem Atomkrieg gibt es keine Gewinner.

Sobald Atomwaffen in einem Konflikt zwischen atomar bewaffneten Gegnern eingesetzt werden, und sei es auch nur in einem so genannten „begrenzten Ausmaß“ mit einer Handvoll „kleinerer“ Bomben von der Größe Hiroshimas, gibt es keine Garantie dafür, dass der Konflikt nicht eskaliert und sich zu einem globalen nuklearen Flächenbrand ausweitet. Zum Thema Eskalationskontrolle sagte Air Force General John Hyten, der Leiter des Strategischen Kommandos der USA, 2018 nach dem jährlichen Kriegsspiel Global Thunder: „Es endet schlecht. Und das Schlechte bedeutet, dass es mit einem globalen Atomkrieg endet.“

Die Regierung Biden hat ausdrücklich erklärt, dass ihre Reaktion auf eine mögliche russische Invasion in der Ukraine keine direkten militärischen Maßnahmen der USA oder der NATO beinhalten wird. Und trotz der sehr besorgniserregenden militärischen Aufrüstung Russlands entlang seiner Grenze zur Ukraine behauptet die russische Führung, sie habe nicht die Absicht, weiter einzumarschieren.

Die Präsidenten Joe Biden und Wladimir Putin sowie die Staats- und Regierungschefs der nuklear bewaffneten Länder Großbritannien, Frankreich und China gaben am 3. Januar eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie erklärten, dass „ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf“ – eine Erklärung, die 1985 von den Präsidenten Ronald Reagan und Michail Gorbatschow unterstützt wurde.

Leider erklärten die Führer der fünf Atomwaffenstaaten auch, dass „Atomwaffen – solange sie existieren – der Verteidigung, der Abschreckung von Aggressionen und der Kriegsverhütung dienen sollten“. Diese weit gefasste Formulierung lässt vermuten, dass sie den Einsatz von Atomwaffen zur „Verteidigung“ gegen ein breites Spektrum von Bedrohungen, einschließlich nicht-nuklearer Bedrohungen, in Betracht ziehen könnten.

Die gegenwärtige Krise könnte, wenn sie falsch gehandhabt wird, nicht nur zu einem viel größeren, verheerenden und langwierigen Krieg zwischen den russischen und ukrainischen Streitkräften führen, sondern auch zu einer noch schwerwiegenderen, wenn auch ungewollten Eskalationsspirale, an der die NATO und die russischen Streitkräfte beteiligt sind, die beide über Atomwaffen verfügen.

Wir sollten uns die schreckliche Gefahr, die von diesen Waffen ausgeht, nicht vor Augen führen müssen, aber das tun wir offensichtlich. Wenn unsere führenden Politiker diese Gefahr wirklich verstehen würden, könnten sie sich unmöglich auf die Art von nuklearem Säbelrasseln einlassen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben.

Die wahllosen und schrecklichen Auswirkungen des Einsatzes von Atomwaffen sind hinlänglich bekannt. Die große Mehrheit der Nationen der Welt hält eine Politik, die mit dem Einsatz von Atomwaffen droht, für gefährlich, unmoralisch und rechtlich nicht zu rechtfertigen.

1985 erhielt die Organisation International Physicians for the Prevention of Nuclear War den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit, mit der sie die Welt auf die katastrophalen medizinischen Folgen eines Atomkriegs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aufmerksam machte. (Mitautor Ira ist Mitbegründer und ehemaliger Präsident der Gruppe.) Es sollte uns alle schockieren, dass es 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges notwendig ist, diese Warnung zu aktualisieren.

Im Jahr 2020 veröffentlichten Forscher des Princeton Program on Science and Global Security eine Schätzung darüber, was passieren könnte, wenn sich die russische oder die NATO-Führung dazu entschließen würde, in einem Konflikt in Europa zuerst Atomwaffen einzusetzen. Das Ergebnis könnte eine schnelle Eskalation von einer lokalen Katastrophe zu einem europäischen Atomkrieg und dann zu einer globalen Katastrophe sein. Millionen, vielleicht Dutzende von Millionen Menschen würden in den ersten 45 Minuten sterben.

In einer 2002 veröffentlichten detaillierten Studie wurden die unmittelbaren Folgen eines nuklearen Konflikts zwischen den USA und Russland nach dem Ende des Kalten Krieges untersucht. Sie kam zu dem Schluss, dass, wenn 350 der strategischen Nuklearsprengköpfe im russischen Arsenal (von insgesamt etwa 1.450 heute) wichtige industrielle/militärische Ziele in den Vereinigten Staaten erreichen würden, 70 bis 100 Millionen Menschen in den ersten Stunden durch die Explosionen und Brände sterben würden. Der US-Präsident könnte schnell mit bis zu 1.350 Atomwaffen auf Langstreckenraketen und -bombern und etwa 160 auf in Europa stationierten Jagdbombern mit geringerer Reichweite zurückschlagen.

Sehr viel mehr Menschen würden einer tödlichen Strahlendosis ausgesetzt werden. Die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur des Landes würde zerstört – das Internet, das Stromnetz, das Lebensmittelverteilungssystem, das Gesundheitssystem, das Bankensystem, das Verkehrsnetz. In den folgenden Wochen und Monaten würde die überwiegende Mehrheit der Menschen, die bei dem ersten Angriff nicht ums Leben kamen, verhungern, sich der Strahlung aussetzen, an Strahlenvergiftung und epidemischen Krankheiten sterben. Ein Gegenangriff der USA würde in Russland das gleiche Ausmaß an Zerstörung verursachen, und wenn die NATO in den Krieg verwickelt wäre, würden Kanada und Europa ein ähnliches Schicksal erleiden.

Neuere wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass der Staub und Ruß, der bei einem nuklearen Schlagabtausch mit 100-200 Detonationen entsteht, dauerhafte und möglicherweise katastrophale klimatische Auswirkungen hätte, die die Nahrungsmittelproduktion zerstören und in vielen Teilen der Welt zu Hungersnöten führen würden.

Um die derzeitige Krise in der Ukraine zu entschärfen und allgemeinere russische und europäische Sicherheitsbedenken auszuräumen, müssen beide Seiten unbedingt eine Vereinbarung über die Reduzierung großer Militärübungen und die Vermeidung enger militärischer Begegnungen zwischen russischen und NATO-Streitkräften aushandeln und nach dem Zusammenbruch des Vertrags über nukleare Mittelstreckenwaffen eine Vereinbarung über die Nichtstationierung von Mittelstreckenraketen in Europa oder Westrussland treffen. Die schriftlichen Vorschläge Russlands zu diesen Fragen sind nicht ausgewogen, bieten aber eine Grundlage für Gespräche, und Washington sollte die Initiative ergreifen und praktikable, ausgewogene Gegenvorschläge unterbreiten.

Fortschritte durch Diplomatie in diesen Bereichen würden Spannungen abbauen, Vertrauen schaffen und das Klima für Gespräche zur Bewältigung allgemeiner europäischer Sicherheitsherausforderungen verbessern.

Die Vereinigten Staaten und Russland müssen außerdem neue Vereinbarungen treffen, die bis 2025 weitere überprüfbare Kürzungen der strategischen und nicht-strategischen Nuklearstreitkräfte sowie Beschränkungen der Langstreckenraketenabwehr vorsehen, bevor der einzige noch bestehende Vertrag zur Begrenzung der beiden größten Arsenale der Welt (New START) Anfang 2026 ausläuft. Andernfalls werden die Staats- und Regierungschefs in Moskau und Washington ihre tödlichen Atom- und Raketenarsenale wahrscheinlich noch weiter aufstocken und den nächsten Showdown zwischen Russland und dem Westen noch riskanter machen.

Im Nuklearzeitalter tragen die US-amerikanische und die russische Führung eine besondere Verantwortung dafür, einen militärischen Konflikt zu vermeiden und die von Atomwaffen ausgehende Bedrohung zu verringern. Ein Scheitern ist keine Option.
IMAGE: Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, wendet sich an Reporter, während er Fragen zum Gespräch von Präsident Joe Biden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Brady Press Briefing Room des Weißen Hauses am 07. Dezember 2021 in Washington, DC, beantwortet. Sullivan berichtete, dass es in dem Gespräch um die Nordstream2-Pipeline und die Aufrüstung des russischen Militärs an der Grenze zur Ukraine ging. Biden sagte, die Vereinigten Staaten seien auf wirtschaftliche Sanktionen vorbereitet, falls Russland einmarschieren sollte. (Foto von Chip Somodevilla/Getty Images)

Die US-Russland-Krise um die Ukraine: Es sollten nicht alle Optionen auf dem Tisch liegen

von Ira Helfand, M.D. und Daryl G. Kimball

The US-Russia Crisis Over Ukraine: All Options Should Not Be On the Table

 

Following the inconclusive round of high-stakes talks between senior U.S. and Russian officials on nuclear arms control, European security, and the crisis in Ukraine last week, a journalist asked National Security Advisor Jake Sullivan on Jan. 13, “Are all options on the table?”Sullivan replied that if Russia further invaded Ukraine, options that would be employed include severe sanctions on Russia and military aid for Ukraine, as well as “changes in the forces and capabilities that the United States and NATO would deploy to eastern flank allies to reinforce and strengthen the robustness of allied defense on allied territory.”But the mere fact that the “all options on the table” question is being raised should be cause for great concern.

In the nuclear age, “all options on the table” in a conflict involving nuclear powers could be understood to mean the potential use of nuclear weapons, even if that wasn’t the intention in this instance. U.S. and Russian leaders must consider the use of such weapons off the table — there are no winners in a nuclear war.

Once nuclear weapons are used in a conflict involving nuclear-armed adversaries, even on a so-called “limited scale” involving a handful of “smaller” Hiroshima-sized bombs, there is no guarantee the conflict would not escalate and become a global nuclear conflagration. On the subject of escalation control, Air Force General John Hyten, the head of U.S. Strategic Command, said in 2018 after the annual Global Thunder wargame: “It ends bad. And the bad meaning it ends with global nuclear war.”

The Biden administration, to its credit, has said explicitly that its response to a possible Russian invasion of Ukraine will not involve direct U.S. or NATO military action. And, despite Russia’s very worrisome military buildup along its border with Ukraine, Russian leaders claim they have no intention to further invade.

Presidents Joe Biden and Vladimir Putin and the leaders of nuclear-armed Britain, France, and China issued a joint statement on Jan. 3 declaring their view that “a nuclear war cannot be won and must never be fought” –- a statement endorsed in 1985 by Presidents Ronald Reagan and Mikhail Gorbachev.

Unfortunately, the leaders of the nuclear five also said, ominously, that “nuclear weapons — for as long as they continue to exist — should serve defensive purposes, deter aggression, and prevent war.” Such broad language suggests they might consider the use of nuclear weapons to “defend” themselves against a wide range of threats, including non-nuclear threats.

The current crisis may, if mishandled, not only lead to a much wider, devastating, and protracted war between Russian and Ukrainian forces, but it could lead to an even more severe, if unintentional, escalatory spiral involving NATO and Russian forces, both of which have nuclear weapons at their disposal.

We should not need to remind ourselves of the terrible danger that these weapons pose, but, clearly, we do. If our leaders truly understood this danger, they could not possibly engage in the kind of nuclear saber rattling that we have seen in recent years.

The indiscriminate and horrific effects of nuclear weapons use are well-established. The vast majority of the world’s nations consider policies that threaten nuclear use to be dangerous, immoral, and legally unjustifiable.

In 1985, the organization International Physicians for the Prevention of Nuclear War won the Nobel Peace Prize for its work alerting the world to the catastrophic medical consequences that would result from nuclear war between the United States and the Soviet Union. (Co-author Ira is a co-founder and immediate past president of the group.) It should shock us all that, 30 years after the end of the Cold War, it is necessary to update that warning.

In 2020, researchers at Princeton’s Program on Science and Global Security published an estimate of what might happen if Russian or NATO leaders chose to use nuclear weapons first in a conflict in Europe. The result could be a quick escalation from a local disaster into a European nuclear war, and then a global catastrophe. Millions, perhaps tens of millions, would die in the first 45 minutes.

A detailed study published in 2002 assessed the direct consequences of a post-Cold War nuclear conflict between the United and Russia. It concluded that if 350 of the strategic nuclear warheads in the Russian arsenal (of approximately 1,450 total today) reached major industrial/military targets in the United States, 70 to 100 million people would die in the first hours from the explosions and fires. The U.S. president could quickly retaliate with as many as 1,350 nuclear weapons on long range missiles and bombers, and about 160 on shorter-range fighter-bombers based in Europe.

Many more people would be exposed to lethal doses of radiation. The entire economic infrastructure of the country would be destroyed — the internet, the electric grid, the food distribution system, the health system, the banking system, the transportation network. In the following weeks and months, the vast majority of those who did not die in the initial attack would succumb to starvation, exposure, radiation poisoning, and epidemic disease. A U.S. counterattack would cause the same level of destruction in Russia, and if NATO were involved in the war, Canada and Europe would suffer a similar fate.

More recent scientific studies indicate that the dust and soot produced by a nuclear exchange of 100-200 detonations would create lasting and potentially catastrophic climactic effects that would devastate food production and lead to famine in many parts of the world.

To defuse the current crisis in Ukraine and to address broader Russian and European security concerns, it is imperative for the two sides to negotiate an agreement to scale back large military exercises and avoid close military encounters between Russian and NATO forces, and, in the wake of the collapse of the Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty, reach a deal to not deploy intermediate-range missiles in Europe or in Western Russia. Russia’s written proposals on these issues are not balanced, but provide a basis for talks, and Washington should take the initiative and offer workable, balanced counterproposals.

Progress through diplomacy in these areas would reduce tensions, build trust, and improve the climate for talks to address broader European security challenges.

The United States and Russia also need to conclude new agreements that achieve further verifiable cuts in strategic and nonstrategic nuclear forces and on constraints on long-range missile defenses by 2025, before the only remaining treaty limiting the world’s two largest arsenals (New START) expires in early 2026. Otherwise, leaders in Moscow and Washington will likely build up their deadly nuclear and missile stockpiles even further and make the next showdown between Russia and the West even more risky.

In the nuclear age, the U.S. and Russian leaders have a special responsibility to avert military conflict and to reduce the threats posed by nuclear weapons. Failure in not an option.

IMAGE: White House National Security Advisor Jake Sullivan calls on reporters while taking questions about President Joe Biden’s conversation with Russian President Vladimir Putin in the Brady Press Briefing Room at the White House on December 07, 2021 in Washington, DC. Sullivan reported that the conversation focused on Nordstream2 pipeline and the Russian military buildup near its border with Ukraine. Biden said the United States is prepared with economic penalties if Russia does invade. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

 

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

The Arab Doctor Who Risked His Life for a Jewish Family

Haaretz, 18.1.22

The Arab Doctor Who Risked His Life for a Jewish Family During the Holocaust

Egyptian-born Dr. Mohamed Helmy is the only Arab to be honored by Yad Vashem as a righteous among the nations – yet the author of a new biography says his actions were not unique

Photos by Dr. Mohamed Helmy and Anna Boros, with Yad Vashem and Nazi soldiers in the background.
Photos by Dr. Mohamed Helmy and Anna Boros, with Yad Vashem and Nazi soldiers in the background.Credit: Anna Gutman Estate/ Carla Gutman Greenspan Family Archives / New York AP World History Archive / Alamy Stock Photo

Jews and Arabs

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Mit Sahra und Rainer…

Mit Sahra und Rainer zur Sanierung unserer Politik!

Sahra Wagenknech Rainer Mausfeld

Mit Sahra Wagenknechts Wochenschau und Rainer Mausfelds Grundsätzen der Demokratie  unsere Demokratie sanieren lernen!

https://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/174.videos-bilder.html

Dafür ist Sahras erste Video in diesem Jahr 2022 wichtig: Lobbyismus, gekaufte Politik, Meinungsmache – Leben wir in einer liberalen Demokratie?, vom 13.1.22...

https://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/3131.jjj.html

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

Eine Arbeit, die mir von Dominik Hölzer zugeschickt wurde …

Be­richt über Ver­dachts­fäl­le von Ne­ben­wir­kun­gen und Impf­kom­pli­ka­tio­nen nach Imp­fung zum Schutz vor CO­VID-19

https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/sicherheitsbericht-covid-19-impfstoffe-aktuell.html;jsessionid=63B14A792FD4CA8053E9741138469A5D.intranet241

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Ein Brief an Politiker für Frieden…

Am 22.12.2021 um 21:27 schrieb Helmut Käß <helmut_kaess@web.de>:

Dr. med. Helmut Käß, Arzt für Allgemeinmedizin i.R.

Sehr geehrter Bundeskanzler Olaf Scholz, geehrtes Bundeskanzleramt

Weihnachten steht bevor, wir leben ziemlich gut und wir haben überwiegend noch Frieden.

An der Westgrenze von Russland steht die Nato und droht. Dabei wurde Gorbatschow vor seinem Beschluss, eine Einigung Deutschlands zuzulassen, von den USA und von Genscher laut Zeugen  versprochen, dass die Nato sich „keinen Inch“ nach Osten ausdehnen werde (1,2,3). Dieses nach Aussagen von Gorbatschow und Putin gebrochene Versprechen ist ein Hauptgrund für den Konflikt. Sogar Ex-Aussenminister Hans-Dietrich Genscher und George Kennan (US-Historiker und Diplomat) haben später die Nato-Osterweiterung als grössten Fehler seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Und etwas Aktuelles: «Raus aus der Eskalationsspirale!»  Leo Ensel / 19.12.2021  Ein aufsehenerregender Appell deutscher Ex-Generäle und Botschafter:   https://www.infosperber.ch/politik/europa/raus-aus-der-eskalationsspirale/

Wir, die „westliche Wertegemeinschaft“, sollten das militärische Drohen sein lassen. Kehren wir zur Politik der „gemeinsamen Sicherheit“ von Brandt und Bahr zurück und verhandeln mit den Russen, wie wir zusammenarbeiten können. Damit wir die Idee von Gorbatschow und Putin eines gemeinsamen, friedlichen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok, in guter Zusammenarbeit mit der ganzen Menschheitsfamilie, verwirklichen können. Das Ganze im „Helsinkiformat“.

Streichen wir die gewaltige Friedensdividende für den Mut zu diesem Friedensangebot ein, die wir bei einer Umrüstung auf reine Verteidigungsfähigkeit und zivile Verteidigung im Sinne von „Sicherheit neu denken“ bekommen können.

Wir wünschen allen Menschen ein glückliches Weihnachtsfest!

1. https://www.heise.de/tp/features/Keinen-Inch-weiter-nach-Osten-Was-den-Russen-zur-Wiedervereinigung-ueber-die-Nato-versprochen-wurde-3918651.html?seite=all,  2. https://www.mdr.de/geschichte/zwei-plus-vier-verhandlungen-deutsche-einheit-100.html, 3. https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2021/nr-2526-16-november-2021/eiszeit-mit-russland.html,

Herzliche Grüße,

Helmut Käß                                                                                                                             Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0049 176 577 47 881, https://helmutkaess.de, www.ippnw.de ,

Im Namen des Braunschweiger Friedensbündnis und der Regionalgruppe Braunschweig der IPPNW (ippnw.de)

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Kronauer, Konkret, 4/21, die weltweite kranke Rüstung

Kronauer, https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/01/Kronauer-Konkret-421-die-weltweite-kranke-Ruestung.docx

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Omikron… Aktualisiert am 09.01.2022,

https://web.de/magazine/gesundheit/omikron-virusvariante-36486866,

Omikron
Die Omikron-Variante weist im Vergleich zum Wildtyp des Corona-Virus viele Mutationen auf.

Omikron: Was bisher über die Virusvariante bekannt ist

  • Omikron bestimmt in vielen Ländern bereits als dominierende Variante das Infektionsgeschehen.
  • Ersten Studien zufolge ist die Variante ansteckender als Delta, das Risiko für einen schweren Verlauf aber geringer.
  • Was bisher über Omikron bekannt ist – und was nicht.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Während die Welt gerade nach Frankreich blickt, wo eine weitere Variante des Corona-Virus entdeckt wurde, schnellen die Infektionszahlen weltweit wegen Omikron in die Höhe. So auch in Deutschland. Doch wie gefährlich ist Omikron im Vergleich zum Wildtyp des Virus und wie sicher können Schnelltests die aktuell dominierende Variante nachweisen? Fragen und Antworten im Überblick.

Wie unterscheidet sich Omikron vom Wildtyp SARS-CoV-2?

Bei Gesundheitsbehörden gilt Omikron als sogenannte „besorgniserregende Virusvariante“. Laut Robert Koch-Institut (RKI) bedeutet das, dass sie sich etwa in Bezug auf Virulenz und Übertragbarkeit von früheren Varianten unterscheidet und damit Einfluss auf die Immunantwort von Nichtgeimpften und Geimpften haben kann.

Tatsächlich weist Omikron – im Vergleich zum erstmalig entdeckten Corona-Wildtypen – deutliche Veränderungen auf: Omikron hat etwa 30 veränderte Aminosäuren am wichtigen Spike-Protein, mit dem das Virus menschliche Zellen befällt und gegen das die Immunantwort des Körpers unter anderem vorgeht. Laut RKI sind noch nicht alle dieser Mutationen erforscht und ihre „Bedeutung“ noch „unklar“. Fest steht aber: Omikron überträgt sich leichter von Mensch zu Mensch und ist damit ansteckender.

Wie schnell verbreitet sich Omikron?

In Deutschland verdoppeln sich die Infektionszahlen durch Omikron aktuell etwa alle vier Tage. Verdopplungen binnen zwei Tagen gibt es in Ländern, in denen fast alle Neuinfektionen auf Omikron zurückzuführen sind. Fachleute gehen derzeit davon aus, dass die Variante, die erstmals in Südafrika entdeckt wurde, um ein Vielfaches ansteckender als frühere Varianten des Virus ist. Laut Catherine Smallwood, einer Sprecherin der Weltgesundheitsbehörde (WHO) könnte die neue Variante bis zu fünfmal ansteckender als die Delta-Variante sein.

Wie gefährlich ist Omikron?

Erste Studien und Preprints weisen darauf hin, dass Omikron weniger häufig zu schweren Verläufen führt. Eine gute Nachricht? Nur bedingt. Zum einen, weil extrem hohe Infektionszahlen trotzdem zu vielen schweren Verläufen und Todesfällen führen können, auch wenn der prozentuale Anteil insgesamt niedriger sein mag. Zum anderen, weil Expertinnen und Experten immer wieder betonen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh für eindeutige Aussagen über Omikron ist.

Eine Studie aus UK zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, wegen Omikron im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, niedriger ist, als wegen der Delta-Variante: Für Ungeimpfte sinkt das Risiko eines schweren Verlaufs demnach um bis zu 24 Prozent, für zweifach Geimpfte um 30 Prozent. Den besten Schutz haben laut der Untersuchung Geboosterte: Ihr Risiko ist der Studie zufolge 63 Prozent geringer.

Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité, ordnet die Studie im Corona-Podcast des NDR ein. „Es wäre voreilig, aufgrund der Beobachtungen aus England zu sagen: Ist alles halb so schlimm“, sagt Drosten. Gerade bei der hohen Zahl älterer Ungeimpfter sei in Deutschland zwangsläufig mit ganz unterschiedlich schweren Verläufen zu rechnen und keine Entwarnung angebracht. Zudem verwies Drosten auf den positiven Effekt der Booster-Impfung: „Der Gewinn nicht geimpft zu zweifach geimpft ist nur zehn Prozent mehr, aber der Gewinn von zweifach geimpft zu dreifach geimpft ist dann fast eine Verdopplung.“

Corona-Pandemie

Gefahr durch Omikron: Virologe Drosten mahnt – und macht Mut

Omikron: Wie gut ist der Impfschutz gegen die Variante?

Erste Studien deuten darauf hin, dass die Antikörper-Antwort auf die neue Variante erheblich niedriger sein könnte. Das RKI schreibt in diesem Zusammenhang, dass der Impfschutz vor einer symptomatischen Infektion bei zweifacher Impfung „deutlich reduziert“ ist und auch nach einer Booster-Impfung niedriger bei Omikron ausfällt, als bei anderen Varianten.

Coronakrise

Schwacher Schutz gegen Infektion mit Omikron: Das empfehlen Ciesek und Drosten

Das zeigt auch eine aktuelle Studie der Gesundsheitsbehörde UK Health Security Agency. Selbst bei Geboosterten fällt der Schutz vor einem symptomatischen COVID-Verlauf nach zehn Wochen wieder deutlich ab. Aber: Eine Booster-Impfung schützt laut der Studie bis zu 88 Prozent vor einem Verlauf mit Hospitalisierung.

Warum wütet Omikron auch in Ländern mit hoher Booster-Impfquote?

Ob im Vereinigten Königreich, in Dänemark oder Israel: Auch dort, wo es eine sehr hohe (Booster-)Impfquote gibt, sorgt Omikron für viele neue Infektionen. Zugleich müssen aktuell aber verhältnismäßig wenige Menschen intensivmedizinisch behandelt werden.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der auf Twitter regelmäßig auf Omikron-Artikel und Studien Bezug nimmt, schrieb in diesem Zusammenhang: „In UK haben sich in 2 Wochen 1,4 Mio Menschen infiziert. Die Tragödie blieb bisher auch aus, weil Ältere hohe Impfquote haben und 75% Boosterimpfung.“

Für Fachleute ist die geringere sogenannte „Krankenlast“ in Ländern mit vielen Geboosterten der beste Beweis dafür, wie wichtig Impfungen sind: Der Booster – und die Corona-Impfung im Allgemeinen – schützen nicht zu 100 Prozent vor der Infektion mit SARS-CoV-2. Die Impfung soll vor einem schweren COVID-Verlauf und daraus resultierender intensivmedizinischer Behandlungsmaßnahmen und dem Tod schützen.

Wird es einen speziellen Omikron-Booster geben?

Fakt ist: Die großen Pharmaunternehmen wie Biontech, Pfizer, Moderna oder Curevac forschen aktuell an Impfstoffen, die auch gegen die Omikron-Variante einen deutlich höheren Schutz liefern als die Vakzine, die aktuell gespritzt werden. Viele Fachleute sprechen sich für einen Impfstoff aus, der auch gegen diese neue Variante einen besseren Schutz erzielt.

Ob es einen Omikron-Impfstoff braucht, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, sagt hingegen WHO-Experte Abdi Mahamud. Omikron könne vor allem für Ungeimpfte gefährlich werden. „Die Herausforderung ist nicht der Impfstoff, sondern die Impfung und das Erreichen der gefährdeten Bevölkerungsgruppen.“

Schnelltests: Wie gut lässt sich die Variante nachweisen?

Eine Untersuchung der Food and Drug Administration (FDA) aus den USA hatte kürzlich für Aufsehen gesorgt. Sie zeigte, dass einige Corona-Antigentests Omikron nicht nachweisen können. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat im Zuge dessen Mitte Dezember 245 Schnelltests getestet, die in Deutschland im Handel erhältlich sind. Das Ergebnis: Die meisten Tests können auch die neue Virusvariante nachweisen. Das liegt laut PEI daran, dass in Tests hierzulande in der Regel das sogenannte N-Protein (Nukleo-Protein) des Corona-Virus nachweisen. Omikron weist zwar Mutationen am N-Protein auf, dies habe aber keinen Einfluss auf die Zuverlässigkeit des Testergebnisses.

Generell können Schnelltests für Zuhause nicht das gleiche leisten wie ein PCR-Test. Der Antigenschnelltest aus der Drogerie kann lediglich eine hohe Viruslast nachweisen. PCR-Tests zeigen hingegen auch Infektionen mit asymptomatischen Verläufen und geringer Viruslast an, wie sie bei vielen Grundimmunisierten und Geboosterten häufig auftreten.

Wieso halten Fachleute ein Ende der Pandemie durch Omikron für möglich?

Fachleuchte halten es für möglich, dass Omikron den Übergang von der Pandemie zur Endemie ebnen könnte. Das heißt, dass Corona zwar weiterhin im Umlauf wäre. Es kann auch noch zu lokalen Ausbrüchen kommen, rasante flächendeckende Anstiege und die Gefährdung der medizinischen Versorgung wie aktuell gibt es im endemischen Zustand allerdings nicht. Möglich wäre das, wenn ein sehr hoher Prozentsatz der Bevölkerung bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen wäre und so eine gute Immunantwort entwickelt hätte.

Corona-Pandemie

Wie lange noch Corona-Pandemie? Welchen Effekt Omikron haben könnte

Mehrere Forschende haben die Hoffnung, dass das bei Corona durch Omikron der Fall sein könnte: Die renommierte dänische Epidemologin Tyra Grove Krause sagte kürzlich während eines Interviews: „Ich denke, die Pandemie wird es noch in den nächsten zwei Monaten geben. Dann hoffe ich, dass die Infektionen sinken werden und wir unser normales Leben zurückbekommen.“ Sie gehe davon aus, dass sich in den nächsten Wochen ein großer Teil der dänischen Bevölkerung mit Omikron infiziere, wo die Variante derzeit schon zu 90 Prozent der Neuinfektionen gesorgt hatte. Die von Omikron Genesenen bauten wiederum eine starke Immunität gegen Corona auf.

Auch die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf hatte kürzlich auf Twitter geschrieben, Omikron könne „unsere Exit-Welle & das ‚Ticket‘ in die endemische Situation“ werden. Es sei so ansteckend, dass es bald keine Menschen ohne Antikörper mehr gibt. Da Omikron den Impfschutz teils unterlaufe, kämen auch Geimpfte damit in Kontakt. Da es in Deutschland aber noch viele Ungeimpfte gibt, sieht Eckerle einen hohen Preis für die Enedmie: Omikron schließe die Immunitätslücken in Rekordgeschwindigkeit, „aber leider nicht so, wie wir uns das eigentlich wünschen würden“, schrieb Eckerle. „Diese Immunität wird hier mit vielen Krankheits- und Todesfällen erkauft.“

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

Computerschutz vor Regierungsausspähung…

Im klassischen Interview von Edward Snowden & Glenn Greenwald – Die komplette acTVism-Videoserie https://www.youtube.com/watch?v=JpcrGwjdKq4  wird auch auf das Torprojekt hingewiesen. Min 1,58,16: https://www.torproject.org/de/download/

Wenn es um die Nutzung von Handys geht, z.B. SMS, benutzt die App Signal,

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar

EU-Taxonomie analysiert: Yellow Deal statt Klimaschutz

EU-Taxonomie analysiert: Yellow Deal statt Klimaschutz

https://www.ausgestrahlt.de/blog/2022/01/05/eu-taxonomie-analysiert-yellow-deal-statt-klimaschutz/?pk_campaign=nl060122&pk_kwd=blog&pk_source=mail

Veröffentlicht unter Blog | Schreib einen Kommentar