Ukraine: USA, Nato und Russland, ein Beitrag von Jürgen Rose

Jürgen Rose,    Aufschrei...

Betreff: Re: ein hochgefährlicher Krieg// ein Wut- und Verzweifelungsschrei
Datum: Wed, 23 Mar 2022 01:05:47 +0000
Von: Jürgen Rose <j-rose@t-online.de>
An: Helmut Käß <helmut_kaess@web.de>

Jürgen Rose
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Lieber Helmut,

im Dateianhang übermittle ich Dir ein Schlüsselzitat für das Verständnis dieses Krieges, welches von dem Politikberater und Leiter des US-Thinktanks George Friedman stammt. Darüber hinaus zwei meiner Beiträge zu den Hintergründen des von den USA inszenierten Putsches in Kiew 2014 und zur Frage der sogenannten “Werte- und Interessengemeinschaft” der NATO. Außerdem noch eine kleine Graphik zu den Hauptprofiteuren des Krieges in der Ukraine, die ebenfalls sehr nachdenklich stimmen sollte. Im übrigen halte ich die Lektüre des Buches von Zbigniew Brzezinski, “The Grand Chessboard/Die einzige Weltmacht”, welches dieser extrem einflußreiche Politikberater in der Zeit von Jimmy Carter bis zu Barack Obama nach dem grandiosen Sieg im ersten Kalten Krieg veröffentlicht hat und in dem er ausführlich im Kapitel mit dem bezeichnenden Titel “Das schwarze Loch” auf die Bedeutung der Ukraine eingeht, für unabdingbar, wenn man auch nur ansatzweise verstehen will, was da momentan vor sich geht.

Äußerst interessant sind auch die Ausführungen eines unverdächtigen, neutralen schweizer Armeeobersten, der jahrelange Erfahrungen als Mitarbeiter bei der NATO, der UNO und der OSZE aufzuweisen hat – siehe Dateianhang. Das meiste war mir aus anderen Quellen bereits bekannt (und das hatte ich ja in meinen Beiträgen auch aufgeschrieben!), manches auch nicht, aber was vor allem hervorsticht, ist die konzise, faktengesättigte Darlegung des Obersts Jacques Baud.

Auf den Punkt gebracht führt m. E. die NATO in der Ukraine mit Hilfe der UAF (Ukrainian Armed Forces) einen insbesondere von den USA systematisch und vorsätzlich über Jahre herbeigeführten Krieg gegen Rußland, und zwar bis zum letzten ukrainischen Mann, solange bis Rußland ruiniert ist, wie sich unsere amtierende Außenministerindarstellerin auszudrücken beliebte. Neben einem vom Westen entfesselten, nahezu totalen Wirtschaftskrieg (cui bono?) sowie massiven Waffenlieferungen werden die UAF auch militärisch umfassend durch die NATO unterstützt: Im Luftraum der an die UKR angrenzenden NATO-Staaten befinden sich permanent AWACS-Maschinen zur Luftraumüberwachung, die Hunderte Kilometer tief in die UKR hineinblicken und hierdurch die UKR-Luftwaffe/Luftverteidigung unterstützen können (Herstellung und Übermittlung eines Luftlagebildes). Darüber hinaus fliegen auch JSTARS-Maschinen, die Aufklärungsergebnisse über die Truppenbewegungen/-aktivitäten auf dem Boden gewinnen, die dann u. a. zur Feuerleitung genutzt werden können (im Golfkrieg 2003 konnten so irakische Heeresverbände bei Nacht und Nebel, auch im herrschenden Sandsturm bekämpft und vernichtet werden, Stichwort: “Regen aus Stahl”). Bereits aus dem ersten Golfkrieg (1980-88) ist bekannt, daß die USA den irakischen Truppen Satellitenbilder über die iranischen Truppen, u. a. bei Basra, zur Verfügung gestellt hatten, damit die iranischen Verbände effektiv mit chemischen Waffen bekämpft werden konnten. Mit Sicherheit unterstützen die USA und die NATO-Verbündeten auch jetzt die UAF mit derartigen Satelliten- und ggf. auch Drohnenbildern. Ich gehe davon aus, daß im NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons ein Gefechtsstand eingerichtet wurde, von dem aus umfassende  Unterstützung für die Operationsführung der UAF geleistet wird; mit den heute verfügbaren Kommunikations- und Führungsmitteln ist es ein Leichtes, die Operationen von Streitkräfteverbänden auch aus der Distanz zu unterstützen oder sogar zu leiten. Dies hieße, daß die Operationsplanung und -führung der UAF von der NATO bei SHAPE zumindest umfassend unterstützt, wenn nicht sogar komplett vorgenommen wird. Für eine solche Annahme spricht auch, daß die UAF beginnend mit Aktionen im Rahmen der NATO-PfP (Partnership for Peace) seit Mitte der 90er-Jahre an die NATO-Strukturen und -Verfahren herangeführt und ab 2014 massiv aufgerüstet, ausgerüstet und ausgebildet wurden; zudem legt der bisherige Kriegsverlauf nahe, daß in enger Koordination mit NATO-Militärs ein GDP (General Defense Plan) zur militärischen Verteidigung der Ukraine entwickelt wurde, ähnlich dem, wie er während des ersten Kalten Krieges in der NATO existierte und von den NATO-Truppen permanent geübt wurde.

Die Kriegspropaganda des Westens, die Doppelmoral, Heuchelei, Bigotterie und moralische Verkommenheit hat mittlerweile unerträgliche Ausmaße angenommen – so stellt sich mir u. a. die Frage, wo angesichts des mindestens ebenso klar völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA und ihrer willfährigen Koalitionäre gegen den Irak und seine Menschen im Jahr 2003 auch nur im Ansatz vergleichbare Sanktionen gegen die “einzige Weltmacht” geblieben waren.

Mit besten Grüßen,
Jürgen Rose, Oberstleutnant a. D. und
Vorsitzender des Förderkreises Darmstädter Signal

Seine fünf Anhänge noch einmal getrennt:

NATO weggetreten! https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/03/Rose-International_2017.pdf
Mourir pour Kiev?   https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/03/Mourir-pour-Kiev.pdf
Friedmann: “the Germans down…”  https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/03/George-Friedman-STRATFOR.pdf
Die 15 größten Waffenhersteller der Welt  https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/03/Graphik-Waffenhersteller.pdf
Schweizer Offizier Baud https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2022/03/Baud-2022_03_21_D_International_Baud_Hintergruende-des-Ukrainekriegs.pdf

 

Helmut Käß schrieb:

Liebe Freunde

Wie können wir den Ukrainekrieg beenden? Das muss als Problem der ganzen Erde betrachtet werden.

Wir brauchen zusätzlich zu den beiden Parteien einen Vermittler, zum Beispiel den UN Chef Guterres oder China. Wir brauchen ein Eingehen auf die Sicherheitsinteressen von der Ukraine und Russland und wir brauchen ein Angebot an die Ukraine, was sie für einen zukünftigen neutralen Status bekommt, der von allen möglichst anerkannt wird.

Hier sind sehr überzeugende Aussagen zu den Ursachen des Krieges von zwei Russen, die für mich zweifellos nicht auf Putins Gehaltsliste stehen und die beide Seiten anerkennen sollten, um weiterzukommen.

– Nikolaj Platoschkin, russ. Oppositioneller (hatte ich an einige von euch schon geschickt): jetzt auch bei Youtube, er spricht Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=KuYJxhn6GHo&t=33s  Er sagt zum Beispiel, die Ukrainische Armee beschoss den Donbas seit 2014 fast jeden Tag. 14.000 Menschen starben, darunter 1500 Kinder! Der Westen hat weggeschaut! Die Minsker Abkommen wurden von der Ukraine nicht eingehalten…

– und Andrej Makin, russ.-franz. Schriftsteller, Mitglied der Académie francaise, im Interview mit LeFigaro:   https://artofuss.blog/2022/03/10/andrei-makine-pour-arreter-cette-guerre-il-faut-comprendre-les-antecedents-qui-lont-rendue-possible/ Er sagt z.B. “Um diesen Krieg zu beenden, muss man die Hintergründe verstehen, die ihn möglich gemacht haben.” … Das Schicksal des leidenden Volkes ist mir wichtiger als das der Eliten…

oder gleich auf Deutsch:  https://helmutkaess.de/andrej-makines-sicht-auf-die-ukraine/

Wie beurteilt Ihr deren Aussagen?

Zur allgemeinen Lage:

Seit 1955 gilt das Manifest von Russell und Einstein. Wir haben die Aussage Einsteins bisher mit viel Glück überlebt, besonders in der Kubakrise Jetzt steht die Doomsdayclock auf noch nie dagewesenen 100 Sekunden vor Mitternacht.

Ihr seid doch zum Teil Großeltern mit geliebten Enkeln und Eltern mit geliebten Kindern. Da müsst Ihr doch überlegen, wie wir die Welt in Ordnung kriegen. Viele lassen sich verrückt machen gemäß unseren Leitmedien, die zum Teil in Richtung Krieg argumentieren. Der Industriell-Militärische Komplex existiert immer noch. „Dieser furchtbare Putin, der verrückt ist, bedroht uns alle“. Das ist eine falsche, durch unsere eigene Propaganda erzeugte Sichtweise. Putin sieht das genau andersherum. 20 Jahre hat er gute Miene zum bösen Spiel gemacht, jetzt reagiert er genauso, wie es die USA in der Kubakrise gemacht hatte. Und völkerrechtswidrige Kriege hat ihm die „westliche Wertegemeinschaft“ genügend vorgemacht. Willy Brandt und Egon Bahr hatten den russischen Bären auf die richtige Weise gezähmt. Nämlich mit der „gemeinsamen Sicherheit“, mit seinem Kniefall und langen, ausführlichen Verhandlungen.

Wacht bitte auf und lasst Euch nicht von falschen Aussagen und übertriebenen Feindbildern irre machen. Krieg ist sowas von mittelalterlich. Und Angriffswaffen sollten alle verboten werden.

Herzliche Grüße, Helmut

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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