Die Nakba-Ausstellung in Braunschweig

Die Nakba-Ausstellung in Braunschweig

 Ich möchte eine Übersicht der Ereignisse zur Nakba-Ausstellung geben.

Bisher sind sechs Briefe zur Nakba im BS-Spiegel veröffentlicht worden, die unter dem Suchwort „Nakba“ erscheinen.

Ein Kommentar zu dem Problem Die Naqba-Ausstellung und sogenannter Antisemitismus in Braunschweig

Zuerst etwas zur Vorgeschichte: 2010 fand eine Podiumsdiskussion statt zum Thema: „Welche Verantwortung haben wir für Israel und Palästina?“ mit Joachim Hempel, Michael Kleber und Edo Medicks,  einem ehemaligen israelischen Soldaten. Bei der Podiumsdiskussion wurden Flugblätter vor dem Gebäude verteilt, die besagten, dass die Veranstaltung nicht stattfinden dürfe und dass es „infam sei“, einen Israeli als Kronzeugen gegen den Staat Israel zu Wort kommen zu lassen: ein Flugblatt

Einige Monate davor war ich in dem Vortrag von Thomas Haury: „Zum Verhältnis von Antisemitismus, Antizionismus und linken Denkmustern“. veranstaltet durch die „AGB“, die „Antifaschistische Gruppe Braunschweig“. So wie ich Thomas Haury verstand, war er der Meinung, Uri Avnery, Rolf Verleger, Norman Finkelstein (ein ausführlicher, aber zu sehr “anti” Artikel) , alles Juden  und Norman Paech seien alles Antisemiten. Entsprechend engagiert war die Diskussion auch mit meiner Beteiligung. Bei der nächsten Veranstaltung der AGB wurde mir mitgeteilt, dass ich an Veranstaltungen der Gruppe nicht mehr teilnehmen dürfe. In diesem Frühling  war eine  Veranstaltung „Krise…“ der AGB und der Jugendgruppe des DGB. Da wurde ich ebenfalls nicht hereingelassen. Dies führte zu einer Auseinandersetzung mit dem DGB. Im weiteren Verlauf kam es zu einer Entschuldigung der Jugendgruppe, aber zu keiner echten Entschuldigung  der AGB, und zu einem Nahostseminar des  DGB, wo ich die Probleme zur Sprache brachte. Es wurde vereinbart, dass ich mit einem Freund der AGB sprechen könnte. Ich sprach mit ihm und er sagte, dass er der AGB berichten werde. Ich hörte danach nichts mehr trotz gelegentlicher Erinnerungen meinerseits.

Ebenfalls in diesem Frühjahr  referierte Professor Dr. Ralf Pingel im April diesen Jahres über dieNationale Katastrophe oder Unabhängigkeit?” , wobei es um das palästinensisch Israelische Geschichtsbuch ging, das ja wesentlich vom Georg Eckert Institut in Braunschweig ins Leben gerufen wurde.

Währenddessen bereitete Angela Vorwerk die Nakbaausstellung vor. Sie sammelte vier Vereine, die die Organisation trugen und sorgte für Sponsorengelder. Die Vereine: „Kunst macht Politik“, das Friedensbündnis, das Friedenszentrum und der deutsch-palästinensische Verein. Die Brunsviga war bereit, die Ausstellung zu zeigen. Hier der Flyer der Ausstellung:  Es zeigte sich, dass verschiedene Organisationen sich gegen die Ausstellung aussprachen, insbesondere der DGB und die deutsch-israelische Gesellschaft.   Dabei wurde Thesen formuliert und an den Eingang der Ausstellung gestellt.

Wir, das heißt die vier unterstützenden Gruppen, schickten seine Thesen an die Fachpersonen, die uns nahe standen. Die Thesen von Hansi Volkmann mit Antworten.

Dann kam die Eröffnung mit Prof. Werner Ruf mit etwa siebzig Personen in der Cafeteria in der Brunsviga.

Die Eröffnung wurde begleitet von einer Demonstration auf der Straße vor der Brunsviga mit folgendem Bettlaken:

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Das Bild zeigt das Plakat einer Demonstration 2012 gegen die Nakba-Ausstellung in Braunschweig. Das kam mir lächerlich vor. Deshalb zeige ich es. Dazu eine kurze Antwort hier und Ausführlicheres unter dem Stichwort Nakba-Ausstellung.

Der Beitrag von ihm, der die wesentlichen Argumente enthält.

Fotos der Gegenveranstaltung und von der Ausstellung

Video zur Eröffnung

Dann kam die erste Podiumsveranstaltung mit folgendem Bericht, der leider nicht aufbewahrt wurde:

Meine Fotos der Veranstaltung

Ein Video der Veranstaltung hier

Es folgte am 16.06.2012 die Lesung der Journalistin Marléne Schnieper  aus ihrem neuen Buch: „NAKBA – eine offene Wunde, die Vertreibung der Palästinenser 1948“.  Dazu  mein Bericht und der erste Bericht in der Braunschweiger Zeitung

Dann folgte eine Veranstaltung der deutsch-israelischen Gesellschaft:  Am 26. Juni 2012, auch in der Brunsviga, sehen sie hier Fotos vom  Vortrag und Diskussion mit Daniel Dagan statt, in der dieser die Probleme der Region aus seiner Sicht erläuterte.

Und dann kam die Abschlussveranstaltung, die zweite Podiumsdiskussion. Dazu ein Bericht von Inge Gerlach,  der leider nicht aufbewahrt wurde, dazu  mein Bericht

Fotos der Veranstaltung

Video des zweiten Podiums

und zum Abschluss kam noch ein Gastkommentar in der BZ  von Johan Galtung zu Israel erst am dritten Montag, den 23.7.12:

Mein Fazit:

Der Kampf um den Frieden dieser Welt ist am Beispiel des Nahostkonfliktes in Braunschweig möglich und nötig!

 Helmut Käss

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, 350513

 

Über admin

Hausarzt, i.R., seit 1976 im der Umweltorganisation BUND, seit 1983 in der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW (www.ippnw.de), seit 1995 im Friedenszentrum, seit 2000 in der Dachorganisation Friedensbündnis Braunschweig
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7 Antworten zu Die Nakba-Ausstellung in Braunschweig

  1. DerOhneNamen sagt:

    Lieber Herr Käss,
    ich erinnere mich noch gut an Sie. Sie haben mich mal zum Kaffee eingeladen. In ihr Haus in einer der besseren Wohngegenden Braunschweigs. Es ist schon länger her. Es ging um Jugoslawien. Ich, d.h. unsere Familie hatte seinerzeit Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien bei uns zu Hause aufgenommen. Leider machte ich den Fehler, Ihnen zu sagen, welcher Volksgruppe sie angehörten. Denn weil es keine Serben waren, wurde ihnen im Verlauf des Gesprächs die Opferrolle abgesprochen. Auf meine Frage, warum die beiden 2 und 4 Jahre alten Kinder mich an Silvester gewarnt hätten, es sei gefährlich draußen, man würde schießen, ob dass nicht als Beweis für eine tatsächliche Kriegserfahrung meiner Verwandten wäre, meinten Sie damals, dass sei alles nicht so schlimm gewesen… Sie hielten lieber an ihren Dogmen fest. Ich halte sie für einen gutgläubigen Menschenverachter, von denen es zu viele in der Friedensbewegung gibt. Es gibt viele von Ihnen, lesen sie nur mal die Kommentierungen der tagesschau.de-Artikel zu Syrien.
    Sie beurteilten in meinem Fall die Glaubwürdigkeit von 2-4-jährigen Kindern nach der Volkszugehörigkeit. Sie können mich ja gerne wegen Verleumdung anzeigen, aber so war es damals. Sie haben mich damals zur Verzweiflung getrieben. Aber ich habe durch sie gelernt, wie Konflikte entstehen: durch die menschliche Eigenschaft, komplexe Probleme zu vereinfachen. Im Alltag ist dies sinnvoll und überlebenswichtig. Im Fall von Kriegen ist dies gefährlich und konfliktfördernd. Verleitet es doch zu Einseitigkeit. Sie haben mir also auf eine schräge merkwürdige Art meine damaligen Fragen beantwortet.
    Ich sehe, sie haben nichts gelernt. Leider haben A.G.B. – wer auch immer das ist – und andere in Braunschweig recht. Sie sind einseitig, verbohrt und fördern eher Konflikte als dass sie sie eindämmen. Schade eigentlich.

    • admin sagt:

      Hallo Herr Coordes,

      es tut mir leid, dass Sie sich durch mein Verhalten und meine Äußerungen verletzt fühlten und fühlen. Ich habe das nicht absichtlich getan. Ich neige dazu, wenn ich etwas verstanden zu haben glaube, dies laut und deutlich zu vertreten. Allerdings halte ich mich nicht für rassistisch. Wenn ich damals die Serben in Schutz nahm, so deshalb, weil sie von unseren Medien überwiegend verteufelt wurden, nicht weil ich sie für bessere Menschen halte. Aber Kriegsverbrechen haben alle Seiten begangen. Allerdings verblüffte mich, dass ich bei meinem Besuch in Serbien mit meiner den Westen anklagenden Meinung ziemlich allein dastand. Dort wurde das Eingreifen des Westens durchaus auch als Befreiung wahrgenommen, bzw. wollte man sich zu meiner Meinung aus irgendwelchen Gründen nicht äußern. Ich bin aber weiterhin der Meinung, dass die Anerkennung Kroatiens durch Deutschland, wie seinerzeit von Bosnien befürchtet, den Krieg und das Morden sehr angefeuert hat.

      Meine Frau erinnerte sich, dass Sie bei Ihrem Besuch bei uns damals sehr berührt von der gerade erfolgten Flucht der Angehörigen Ihrer Frau(?) standen. Im Nachhinein erkenne ich, dass meine damals geäußerte Meinung Ihnen gegenüber nicht mitfühlend genug war. Das bedaure ich. Leider passiert es mir immer wieder, dass ich auf Grund meiner Meinungsäußerungen als hartherzig, einseitig und arrogant eingeschätzt werde. Wenn ich das verbessern könnte, wäre ich froh und ich arbeite daran. Vor allem meine Familie ist in dieser Hinsicht mein härtester Kritiker und wir führen ständige Dispute über meine Wirkung nach außen.

      Die Karikatur mit den zwei Jungen nehme ich ganz anders wahr: Israel ist ja viel, viel stärker als die Palästinenser und es werden oft völkerrechtswidrig Palästinenser per Drohnen und Flugzeugen mit vielen Kollateralschäden getötet. Die ebenfalls völkerrechtswidrigen israelischen Opfer bei Gegenangriffen der Palästinenser verurteile ich genauso. Ich halte die Karikatur nicht für einseitig, sondern für sehr realitätsnah. Die israelische Opposition, zu der u.a. Uri Avnery und Adam Keller gehören, sieht das nach meiner Meinung auch so wie ich.

      Frau Hecht-Galinski habe ich auch erlebt. Sie wirkt verbittert, aber ich verstehe sie. Sie ist die Tochter des schon lange verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden. Der Zentralrat ist ein weitgehender Unterstützer der Israelischen Regierung. Aber wie Rolf Verleger sagte, die Juden Deutschlands sind weitgehend vertrieben oder ausgerottet. Unsere jetzigen Juden sind meisten aus dem Osten zu uns gekommen. Die ursprünglichen deutschen Juden waren weit überwiegend keine Zionisten. Und er ist es auch nicht.

      Ich bin für keine Gewalt, keiner Seite, weder in Jugoslawien noch im Nahen Osten. Ich verteidige auch keine Morde und Gewaltanwendung, weder von Serben, noch von Kroaten, noch von Bosniern oder anderen Menschen. Genau darum geht es, mit Intelligenz und durch „Buntheit“ Gewalt zu verhindern und sich verbal auseinanderzusetzen anstatt militärisch.

      Das Nakba-Begleitprogramm war übrigens trotz Klagen durchaus erfolgreich. Bei der Eröffnung zählte ich 70 Leute, beim ersten Podium auch 70 Leute, bei Frau Schnieper glaube ich nur 17, aber da zumindest mit einem ersten Artikel in der Braunschweiger Zeitung und beim zweiten Podium über 100. Und wir hatten bei beiden Podien den DGB, Prof. Kirchner und „Freunde“ des AGB dabei. (Der AGB fühlt sich verfolgt und tarnt sich deshalb.) Rolf Verleger sagte, so eine spannende Diskussion habe er noch nicht erlebt. Beim zweiten Podium war es genauso. Der Konflikt mit dem AGB hatte sich ausgezahlt. Er wurde in den DGB hineingetragen und dieser hat damit reagiert, dass er ein Nahostseminar veranstaltet hat, wo beide Parteien sich begegneten. Wir haben uns ein wenig angenähert, auch wenn da noch viel zu bearbeiten ist. Aber es ist nötig, die Streitigkeiten hier zu führen, damit man sie nicht in fremden Ländern in Kriegen umsetzen muss.

      Ích bin gänzlich anderer Meinung zu Norman Paech: Er ist Völkerrechtler und ein ziemlich zurückhaltender Mensch. Und er hat äußerst differenziert argumentiert. Weshalb er bei dem Gedenken an die Progromnacht anscheinend den Saal verlassen habe, weiß ich nicht. Und selbst wenn das Friedenszentrum die Darstellung der Vorfälle auf der „Mavi Marmera“ als Verschwörung der westlichen und israelischen Medien abtun würde, gäbe es einen anderen Grund kritisch mit Herrn Paech umzugehen. Er verließ absichtlich den Plenarsaal als u.a. seine Fraktion der Partei „die Linke“ im Bundestag den Opfern der Reichprogrammnacht von 1938 gedachte.

      Ich habe ihn gefragt. Seine Antwort: „Lieber Helmut, das ist kompletter Unsinn, er muss irgendetwas durcheinandergebracht haben. Ich würde nirgends und nie bei einem solchen Gedenken einen Saal verlassen. Herzliche Grüße Norman “

      Herzliche Grüße

      Helmut

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