drei entscheidende Prinzipien für die Erhaltung der Menschheit, die jeweils mit mehreren stabilen Grundlagen zu versehen sind:
Frieden, das bedeutet Kooperation statt Konfrontation, durch zivile Gruppen organisiert.
planetare Grenzen, zu erhalten mit einer Doughnutökonomie, durch UN gestützte Org. für jede der neun Grenzen, mit gestaffelten Kompetenzen und für ihre Interaktionen…
Medienkompetenz, das bedeutet LEUCHTTURM ARD, MULTIPOLARITÄT – AUSGEWOGENHEIT – STAATSFERNE , das muss wiederum durch zivile auch internationale Gruppen organisiert werden…
ZEIT: Sie haben verschiedene Male gesagt, es habe Sie fürs Leben nachdenklich gemacht, dass die DDR weniger kollabiert war aus einem Mangel an demokratischen Freiheiten, sondern daran, dass sie wirtschaftlich nicht funktionierte. Unser früherer Herausgeber HelmutSchmidt hat als einer, der eine Diktatur miterlebt hatte und dabei auch nicht ganz schuldlos geblieben war, gesagt, ihm sei daraus ein gewisses Misstrauen gegenüber dem eigenen Volk geblieben. Gibt es bei Ihnen auch so etwas? Merkel: Ich würde es nicht Misstrauen gegenüber dem eigenen Volk nennen, sondern ein generelles Misstrauen uns Menschen gegenüber, weil Menschen zu Unfassbarem fähig sind. Deutschland hat das im Nationalsozialismus in furchtbarer Weise auf die Spitze getrieben. Deshalb bin ich so überzeugt, dass der Aufbau unseres Staates und das Grundgesetz ein hohes Maß an Weisheit beinhalten, in dem die Unabhängigkeit der Presse, der Justiz, die demokratischen Prozesse wohldurchdacht sind. Wie schnell ist man dabei, das infrage zu stellen, etwa Gerichtsurteile für nicht einleuchtend zu erklären. Ich selbst bin zum Beispiel vom Bundesverfassungsgericht dafür gerügt worden, 2019 gesagt zu haben, dass das Ergebnis der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen im Februar mit Stimmen der AfD rückgängig gemacht werden muss. Ich hätte zu dieser Entscheidung einiges sagen können, habe das aber nicht gemacht, sondern hatte und habe sie zu respektieren. An der Stelle dürfen wir nie weich werden. ZEIT: Haben Sie die Befürchtung, dass das System auch schnell wiederin sich zusammenbrechen könnte? Merkel: Es muss gelebt werden von jedem Einzelnen, sonst kann es schnell in sich zusammenbrechen. Deshalb finde ich Sprüche wie die von der „Prenzlauer–Berg–Blase“ auch nicht gut. Natürlich ist das nicht ganz Deutschland, aber wir dürfen nie einen Teil der Individuen in einem Land zu Außenseitern erklären und den Rest sozusagen zu Vertretern der echten Demokratie. Das endet mit nichts Gutem. ZEIT: Ihre Kanzlerschaft war stark geprägt von einem Thema, das relativ spät aufkam: der Flüchtlingspolitik im September 2015. In dem Zusammenhang haben Sie auf kritische Nachfragen zu den Folgen Ihrer liberalen Politik gesagt: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Diesen Satz haben viele als sehr autoritär und auch als ausgrenzend empfunden. Es wirkte auf einige so, als hätten Sie den Anspruch, zu bestimmen, wie das Land sein soll. Merkel: Bei diesem Satz hatte ich ganzbesonders die Menschen auf dem Münchner Hauptbahnhof im Kopf, die die ankommenden Flüchtlinge in Empfang nahmen. Ich habe meine Entscheidung, sie einreisen zu lassen, als in Einklang mit unseren Grundrechten und Grundwerten gesehen. Und diese Grundwerte wollte ich mit dem Satz https://www.zeit.de/2022/51/angela–merkel–russland–fluechtlingskrise–bundeskanzler/komplettansicht 3 hochhalten.
ZEIT: Der Satz hatte aber durchaus etwas von einer Ansage an das Volk, oder? Merkel: Ich habe über diesen Satz nicht tagelang vorher nachgedacht. Es war eine sehr emotionale Antwort, aber trotzdem keine zufällige. Dahinter stand mein Verständnis, dass die Würde des Menschen nicht nur etwas aus einer Sonntagsrede sein darf, sondern eine praktische Implikation hat. Das als autoritär zu brandmarken und zu sagen: Na ja, so ist eben der Ostdeutsche, der steht neben dem Land–das fand ich schon kühn. ZEIT: Hat Sie nie der Gedanke belastet, dass Sie mit Ihrer Politik gleichwohl erheblich zur Spaltung des Landes beigetragen haben? Merkel: Natürlich hat mich das beschäftigt. Und natürlich ist es politisch immer wundervoll, wenn90 Prozent einer Meinung sind und am besten auch noch meiner Meinung. Aber es gibt Situationen, in denen man Kontroversen nicht aus dem Weg gehen kann. Den Menschen, die sozusagen vor unserer Haustür standen, habe ich geholfen und zugleich unter anderem mit dem EU–Türkei–Abkommen einen Beitrag dazu geleistet, die Ursachen der Flucht an der Wurzel zu packen. ZEIT: Haben Sie, als eine Politikerin, von der es heißt, sie denke gerne vom Ende her, den Preis dieser Kontroverse geahnt, also in Kauf genommen? Merkel: Ich habe geglaubt, dass man diese Auseinandersetzung gewinnen kann. Und ich war der festen Überzeugung, dass ich dieses Risiko eingehen musste, weil es umgekehrt auch zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt hätte, es nicht zu tun. „Vielleicht sind Krisen der Normalfall menschlichen Lebens“ ZEIT: Würden Sie heute an irgendeiner Stelle anders handeln? Merkel: Nein! ZEIT: An keiner Stelle? Merkel: Natürlich lerne ich. Deshalb würde ich im Rückblick deutlich früher daran arbeiten, dass eine Situation wie im Sommer 2015 gar nicht erst entstehen muss, zum Beispiel mit einer Erhöhung der Beträge zum World-Food–Programm für Flüchtlingslager in besonders von Migration betroffenen Nachbarländern, wie wir sie dann auch gemacht haben. ZEIT: In Ihrer Kanzlerschaft hat die Zahl der Krisen und ihre Gleichzeitigkeit von Jahr zu Jahr zugenommen … Merkel: Die ersten beiden Jahre waren in meiner Erinnerung eine sehr ruhige Zeit, dann ging es los mit der globalen Finanzkrise, der Euro–Krise, immer wieder haben sich auch die Nachrichten zum Klimaschutz verschlechtert. Nach dem ersten Bericht des Club of Rome schien es noch so zu sein, dass es in der Realität ein bisschen besser lief als vorhergesagt. Mit jedem Bericht des internationalen Klimarates IPCC aber wurdees alarmierender, sodass sich die Frage stellt, ob wir überhaupt noch die Zeit haben, angemessen zu reagieren. Vielleicht sind Krisen aber auch der Normalfall menschlichen Lebens, und wir hatten bloß einige Jahre, die eine Besonderheit waren. ZEIT: Stellen Sie sich die Frage, ob die Jahre relativer Ruhe auch Jahre der Versäumnisse waren und Sie nicht nur Krisenmanagerin, sondern zum Teil Verursacherin von Krisen? Merkel: Ich wäre kein politischer Mensch, wenn ich mich nicht damit beschäftigen würde. Nehmen wir den Klimaschutz, bei dem Deutschland im internationalen Vergleich sehr viel getan hat. Bezogen auf das Thema selbst räume ich aber ein: Gemessen an dem, was der Internationale Klimabericht des IPCC heute sagt, ist nicht genügend passiert. Oder schauen wir auf meine Politik in Bezug auf Russland und die Ukraine. Ich komme zu dem Ergebnis, dass ich meine damaligen Entscheidungen in einer auch heute für mich nachvollziehbaren Weise getroffen habe. Es war der Versuch, genau einen solchen Krieg zu verhindern. Dass das nicht gelungen ist, heißt noch nicht, dass die Versuche deshalb falsch waren. ZEIT: Man kann aber doch plausibel finden, wie man in früheren Umständen gehandelt hat, und es angesichts der Ergebnisse trotzdem heute für falsch halten.
https://www.zeit.de/2022/51/angela–merkel–russland–fluechtlingskrise–bundeskanzler/komplettansicht 4 Merkel:Das setzt aber voraus, auch zu sagen, was genau die Alternativen damals waren. Die 2008 diskutierte Einleitung eines Nato–Beitritts der Ukraine und Georgiens hielt ich für falsch. Weder brachten die Länder die nötigen Voraussetzungen dafür mit, noch war zu Ende gedacht, welche Folgen ein solcher Beschluss gehabt hätte, sowohl mit Blick auf Russlands Handeln gegen Georgien und die Ukraine als auch auf die Nato und ihre Beistandsregeln. Und das Minsker Abkommen 2014 war der Versuch, der Ukraine Zeit zu geben.
Anm. d. Red.: Unter dem Minsker Abkommen versteht man eine Reihe von Vereinbarungen für die selbst ernannten Republiken Donezk und Luhansk, die sich unter russischem Einfluss von der Ukraine losgesagt hatten.
Ziel war, über einen Waffenstillstand Zeit zu gewinnen, um später zu einem Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu kommen. Sie hat diese Zeit hat auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht. Die Ukraine von 2014/15 ist nicht die Ukraine von heute. Wie man am Kampf um Debalzewe (Eisenbahnerstadt im Donbass, Oblast Donezk, d. Red.) Anfang 2015 gesehen hat, hätte Putin sie damals leicht überrennen können. Und ich bezweifle sehr, dass die Nato–Staaten damals so viel hätten tun können wie heute, um der Ukraine zu helfen. (um der Ukraine zu helfen: für mich ein Irrsinn!)
ZEIT: Beim ersten öffentlichen Auftritt nach dem Ende Ihrer Kanzlerschaft haben Sie erklärt, Sie hätten schon 2007 erkannt, wie Putin über Europa denkt, und dass die einzige Sprache, die er versteht, Härte sei. Wenn diese Erkenntnis so früh da war, warum haben Sie eine Energiepolitik betrieben, die uns von Russland so abhängig gemacht hat? Merkel: Es war uns allen klar, dass das ein eingefrorener Konflikt war, dass das Problem nicht gelöst war, aber genau das hat der Ukraine wertvolle Zeit gegeben. Natürlich kann man jetzt die Frage stellen: Warum hat man in einer solchen Situation noch dem Bau von Nord Stream 2 zugestimmt? „Wir hätten schneller auf die Aggressivität Russlands reagieren müssen“ ZEIT: Ja, warum? Zumal es schon damals sehr heftige Kritik am Bau der Pipeline gab, zum Beispiel von Polen und den USA. Merkel: Ja, man konnte da zu einer unterschiedlichen Meinung kommen. Worum ging es? Zum einen legte die Ukraine sehr viel Wert darauf, auch weiter Transitland für russisches Gas zu bleiben. Sie wollte Gas durch ihr Gebiet und nicht durch die Ostsee leiten. Heute wird ja manchmal so getan, als ob jedes russische Gas–Molekül des Teufels war. So war das nicht, das Gas war umkämpft. Zum anderen war es auch nicht so, dass die Bundesregierung die Genehmigung von Nord Stream 2 beantragt hatte, das haben die Firmen getan. Für die Bundesregierung und für mich ging es also im Ergebnis darum, zu entscheiden, ob wir als politischen Akt ein neues Gesetz machen, um die Genehmigung von Nord Stream 2 ausdrücklich zu versagen. ZEIT: Was hat Sie daran gehindert? Merkel: Zum einen hätte eine solche Versagung in Kombination mit dem Minsker Abkommen aus meiner Sicht das Klima mit Russland gefährlich verschlechtert. Zum anderen ist die energiepolitische Abhängigkeit entstanden, weil esweniger Gas aus den Niederlanden, aus Großbritannien und begrenzte Fördermengen in Norwegen gab. ZEIT: Und es gab den vorgezogenen Ausstieg aus der Kernenergie. Auch von Ihnen initiiert. Merkel: Richtig, und dazu parteiübergreifend die Entscheidung, auch in Deutschland weniger Gas zu fördern. Man hätte sich entscheiden müssen, teureres LNG aus Katar oder Saudi–Arabien zu kaufen, die USA standen erst später als Exportnation zur Verfügung. Das hätte unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich verschlechtert. Heute wird unter dem Druck des Krieges so gehandelt, was ich unterstütze, aber damals wäre das eine viel massivere politische Entscheidung gewesen. ZEIT: Hätten Sie diese Entscheidung dennoch treffen sollen? Merkel: Nein, zumal es dafür überhaupt keine Akzeptanz gegeben hätte. Wenn Sie mich um Selbstkritik bitten, gebe ich Ihnen ein anderes Beispiel. ZEIT: Die ganze Welt wartet auf ein Wort der Selbstkritik!
https://www.zeit.de/2022/51/angela–merkel–russland–fluechtlingskrise–bundeskanzler/komplettansicht 5 Merkel: Das mag sein, in vielen Punkten entspricht die Haltung der Kritiker aber nicht meiner Meinung. Sich dem einfach zu beugen, nur weil es erwartet wird, hielte ich für wohlfeil. Ich habe mir so viele Gedanken damals gemacht! Es wäre doch geradezu ein Armutszeugnis, wenn ich jetzt, nur um meine Ruhe zu haben und ohne wirklich so zu denken, einfach sagen würde: Ach, stimmt, jetzt fällt’s mir auch auf, das war falsch. Aber ich sage Ihnen einen Punkt, der mich beschäftigt. Er hat damit zu tun, dass der Kalte Krieg nie wirklich zu Ende war, weil Russland im Grunde nicht befriedet war. Als Putin 2014 die Krim überfiel, wurde er zwar aus G8 ausgeschlossen. Auch hat die Nato Truppen im Baltikum stationiert, um zu zeigen, wir sind als Nato zur Verteidigung bereit. Außerdem haben wir im Bündnis beschlossen, zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts fürVerteidigung auszugeben. CDU und CSU waren die Einzigen, die das überhaupt noch in ihrem Regierungsprogramm hatten. Aber auch wir hätten schneller auf die Aggressivität Russlands reagieren müssen. Deutschland hat das Zwei–Prozent–Ziel trotz Erhöhung nichterreicht. Und auch ich habe nicht jeden Tag eine flammende Rede dafür gehalten. ZEIT: Warum nicht? Weil Sie insgeheim dachten, man braucht das nicht? Merkel: Nein, sondern weil ich nach dem Prinzip Helmut Kohls gehandelt habe: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Eine flammende Rede zu halten, um anschließend als Bettvorleger zu landen, hätte dem Etat nicht geholfen. Aber wenn ich in der Geschichte nach erfolgreichen Rezepten schaue, komme ich auf den Nato–Doppelbeschluss … ZEIT: … über diesen Beschluss hat Helmut Schmidt letztlich seine Kanzlerschaft verloren … Merkel: Richtig, was meine Hochachtung für ihn nur noch gesteigert hatte. Das Intelligente am Nato-Doppelbeschluss war eben die doppelte Herangehensweise mit Nachrüstung und Diplomatie.Übertragen auf das Zwei–Prozent–Ziel heißt das, dass wir für die Abschreckung durch höhere Verteidigungsausgaben nicht genug getan haben. ZEIT: Sie haben Alexander Osang für ein Porträt im Spiegel den Satz gesagt: „Kritik auszuhalten ist Teil der Demokratie, aber mein Eindruck ist zugleich, dass ein amerikanischer Präsident mit mehr Respekt in der Öffentlichkeit behandelt wird als ein deutscher Kanzler.“ Was genau meinten Sie damit? Merkel: Ich meinte zum einen, dass heute sehr schnell über politische Entscheidungen der Vergangenheit gerichtet wird, ohne sich den Kontext in Erinnerung zu rufen und Alternativen kritisch zu prüfen. Das Zweite ist: Zum Teil wird einfach damit gehadert, dass ich nach 30 Jahren Politik und 16 Jahren Bundeskanzlerin freiwillig aus dem Amt gegangen bin, im zarten Alter von 67, und jetzt sage, ich möchte „Wohlfühl–Termine“ machen. Das heißt für mich, dass ich mich nicht immer dafür rechtfertigen muss, wenn ich auch meine eigene Agenda bestimmen möchte. Ich möchte nicht immer getrieben sein durch das, was von außen auf mich zukommt. ZEIT: Meinen Sie damit auch die Diskussion um die Ausstattung Ihres Büros? Es gab Unverständnis dafür, dass Sie neun Mitarbeiter beschäftigen. Merkel: Das ist vielleicht ein Nebeneffekt. Welchen Leistungsnachweis muss ich denn erbringen, dass die Ausstattung gerechtfertigt ist? „Kriege gehen am Verhandlungstisch zu Ende“ ZEIT: Sie haben zu Beginn Ihrer Amtszeit darauf hingewiesen, dass es in der Vergangenheit scheinbar unbesiegbare Hochkulturen gab, dieuntergegangen sind, weil sie sich nicht schnell genug verändern konnten. Könnte es sein, dass es die Menschheit trotz aller Erkenntnisse über den Grad der Erderwärmung einfach nicht fertigbringt, ihr eigenes Überleben zu organisieren, weil nicht alle an einem Strang ziehen wollen? Merkel: Mein Motto in der Politik war immer: Wir schaffen das. Und deshalb habe ich mich mit solchen Untergangsszenarien als Politikerin nie auseinandergesetzt, sondern immer Lösungen gesucht. Als Bürgerin kann man sich die Frage schon stellen, aber da ich immer noch in einem Zwischenstadium bin, würde ich sagen: Wir müssen alles daransetzen, dass genau das nicht passiert. ZEIT: 30 Prozent chinesischer CO₂–Ausstoß, knapp zwei Prozent deutscher, das sind die Zahlen. Merkel: Dasist aber keine Legitimation, dass wir nichts tun müssen. Wir können Vorbild sein, auch wenn andere noch nicht mitziehen. China ist heute der größte Emittent, richtig. Es ist gleichzeitig Rivale,
https://www.zeit.de/2022/51/angela–merkel–russland–fluechtlingskrise–bundeskanzler/komplettansicht 6 Wettbewerber und Partner. Das richtig auszutarieren wird diegroße diplomatische Frage der Zukunft sein. Aber durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Chance zur Rettung des Klimas noch einmal dramatisch verschlechtert, weil sie in den Hintergrund zu geraten droht. ZEIT: Haben Sie denn eine Idee, wie dieser Krieg enden kann? Und ist es völlig ausgeschlossen, dass Sie dabei eine Rolle spielen könnten? Merkel: Die zweite Frage stellt sich nicht. Zur ersten: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Er wird eines Tages mit Verhandlungen zu Ende gehen. Kriege gehen am Verhandlungstisch zu Ende. ZEIT: Kann man, gerade weil dieser Krieg so vielfache dramatische Auswirkungen hat, die Frage, wann und unter welchen Umständen Verhandlungen aufgenommen werden, allein der Ukraine überlassen? Merkel: Es gibt einen Unterschied zwischen einem Diktatfrieden, den ich wie viele andere nicht will, und freundschaftlich offenem Gespräch miteinander. Mehr will ich dazu nicht sagen. ZEIT: Es ist so viel Unvorhergesehenes in und nach Ihrer Amtszeit passiert. Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass ausgerechnet aus dem Springer–Verlag–zu dessen Verlegerin Sie ein freundschaftliches Verhältnis haben–in den letzten Jahren Ihrer Kanzlerschaft und bis heute die härteste Kritik kam und kommt? Merkel: Die Pressefreiheit ist ein ganz großes Gut.(schmunzelt) ZEIT: Lassen Sie die Kritik an sich heran? Lesen Sie die Bild? Merkel: Auch wenn ich sie nicht lese, gibt es garantiert jemanden, der mir die Kritik unter die Nase hält. ZEIT: Zu Ihrem Abschied vor einem Jahr durften Sie wie alle ausscheidenden Kanzler drei Lieder aussuchen. Sie haben unter anderem Für mich soll’s rote Rosen regnen ausgewählt. Darin heißt es: „… mich fügen, begnügen. Ich kann mich nicht fügen, kann mich nicht begnügen, will immer noch siegen, will alles oder nichts“ und dann „mich fern von Altem neu entfalten, von dem, was erwartet, das meiste erhalten.“ In welcher Zeile steckt am meisten Angela Merkel drin? Merkel: Ich habe das Lied als Ganzes ausgesucht. Ich wollte sagen, dass ich mich auf einen Lebensabschnitt freue. Ich habe Wunderschönes erlebt, es war auch anstrengend. Aber es war eine tolle Sache: Wer kann schon Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden? Ich habe das immer mit Freude gemacht, und jetzt ist trotzdem wieder eine gewisse Spannung da:Was kann jenseits dessen noch passieren?
Angela Merkel: „Hatten Sie gedacht, ich komme mit Pferdeschwanz?“
Angela Merkel über ihren neuen Lebensabschnitt, mögliche Fehler ihrer Russlandpolitik, ihre Rolle in der Flüchtlingskrise und die Frage, ob mit deutschen Kanzlern ungnädigumgegangen wird Interview: Tina Hildebrandt und Giovanni di Lorenzo 7. Dezember 2022
Schlechtes Gewissen nach einem Seitensprung: Sollte man dem Partner oder der Partnerin alles beichten? Zwei Therapeutinnen raten davon ab – auch wenn dadurch etwas verloren geht.
Würden Sie einen Seitensprung beichten? So einfach die Frage vielleicht klingt, eine pauschale Antwort darauf könne es nicht geben, sagt die Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl aus Trier. Sie rät, in der Regel einen einmaligen Seitensprung nicht zu beichten, sondern „das Ding mit ins Grab zu nehmen.“
Das sieht die Sexologin und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning ähnlich. „Wer weiß, dass es sich wirklich um einen Ausrutscher handelt, der nie wieder passieren wird, hält lieber den Mund.“ Viele wollten mit einem Geständnis das eigene Gewissen erleichtern, machten damit aber die Beziehung kaputt, erklären die Expertinnen.
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Was steckt hinter dem Beziehungsmodell Polyamorie?
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Allerdings geht Henning zufolge ohne Beichte die wahre Intimität in einer Beziehung verloren. „Wir alle können, wenn wir uns beim Sex in die Augen schauen oder tiefgehende Gespräche führen, den Geist des anderen Menschen lesen“, sagt Henning. Vielleicht entdecke man dann dort eine tiefe Traurigkeit, die sich nicht erklären lässt. „Bei einer entsprechenden Nachfrage wird die betrügende Person lügen müssen oder sich bedeckt halten.“
Vorsicht, was wir sagen: Manche Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf
Eine Antwort auf die Gretchenfrage hängt auch von der Art der Beziehung ab. Lebt man (stillschweigend) monogam oder offen polyamorös? Hat man abgemacht, sich stets die Wahrheit zu sagen? „Heutzutage muss das in Beziehungen besprochen und entsprechend vereinbart werden“, so Henning.
In einer polyamorösen Beziehung kann es ebenfalls Seitensprünge geben, nämlich dann, wenn gegen eine Vereinbarung verstoßen wird. Die kann zum Beispiel beinhalten, dass man nicht mit jemandem aus dem Freundeskreis schläft oder nicht zweimal mit derselben Person.
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Fremdverliebt in einer Beziehung: Therapeutin erklärt, warum das gut sein kann
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Liegen die Fakten auf dem Tisch, rät Henning der betrogenen Person dazu zu sagen, was sie braucht und was sie wissen will. „Sie muss das bestimmen können, um das Vertrauen wiederherzustellen.“ Allerdings müsse klar sein: Manche Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf.
Miteinander reden – für viele schwieriger als ein Seitensprung
Thesen wie „zu einem Seitensprung gehören immer Zwei“ oder „da muss ja schon vorher was nicht gestimmt haben“ halten beide Expertinnen für Quatsch. Zum einen kann auch in glücklichen Beziehungen ein Seitensprung passieren, wie Stahl sagt. „Bei langfristigen Beziehungen entsteht immer ein Gefühl von Sicherheit, das ist kontraproduktiv für die sexuelle Leidenschaft.“
Zum anderen ist Fremdgehen nicht die „Schuld“ der betrogenen Person, sondern ein „unreifes Verhalten des Fremdgehers“, sagt Henning. „Untreue ist der schnelle Ausgang aus einer Beziehung, die große Kunst besteht darin, miteinander zu reden und sich gemeinsam zu entwickeln.“ Das sei jedoch für viele schwieriger, als in fremden Betten zu schlafen. Dazu kommt: „Wer untreu ist, nimmt der anderen Person die Wahl und die Mitbestimmung“, so Henning.
Verliebtsein ist ein Ausnahmezustand
Manche Menschen glaubten, wenn der Sex nicht mehr so leidenschaftlich ist wie in der Verliebtheitsphase, dann könne was mit der Beziehung nicht stimmen. Aber: „Verliebt sein ist ein Ausnahmezustand im Gehirn“, erklärt Henning.
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Liebesleben: Diese verbreiteten Mythen zerstören Beziehungen
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In einer langfristigen Liebesbeziehung dagegen schlage die Kindheitsprägung durch, also Erfahrungen aus der Vergangenheit. Und genau die können bewältigt werden, wenn man das möchte, weshalb die Autorin und Podcasterin zu dem Schluss kommt: Eine länger dauernde Beziehung sei ein Bootcamp, also eine Art Trainingslager, für die Selbstentwicklung.
Seitensprung: Warum habe ich es getan?
Ein Seitensprung ist ein großer Angriff auf das Selbstwertgefühl und eine Kränkung, zumindest für denjenigen, der hintergangen wurde. Dabei geht es laut Stahl um drei große psychologische Themen: Bindung und dahinter steckende Verlustängste, Autonomie und Kontrolle sowie Selbstwertgefühl. „Ein Seitensprung ist der totale Kontrollverlust und das macht immer Angst.“ Diese Angst könne Kräfte frei setzen und motivieren, aber eben auch lähmen.
Eine Beziehung könne durchaus von einem Seitensprung profitieren, sagt Stahl. „Das kann, wenn alles gut aufgearbeitet wird, zu einer neuen Tiefe verhelfen“, so die Psychologin. Vielleicht breche eine Erstarrung auf, die Beziehung werde belebt. Wichtig sei, dass derjenige, der betrogen habe, die volle Verantwortung übernehme und eben nicht die Schuld bei der anderen Person suche.
Stattdessen solle man sich fragen: Was sind eigentlich die genauen Gründe für mein Verhalten? „Gegebenenfalls kann man an den Gründen arbeiten und noch mal das Gespräch suchen“, sagt Stahl. Und: „Ein Seitensprung kann dazu führen, dass man die Beziehung für andere Menschen öffnet, dann wird der eigene Sex zu Hause wieder interessant“, so Paartherapeutin Henning. (dpa/af)
Wie so häufig gehen wir davon aus: Wenn das für mich so oder so ist, dann ist das bei dem anderen auch so. In der Beziehung wird das zum klassischen Problem. Wir übersehen sogar die Signale der Liebe, die uns der andere sendet. (Bild: istock/vadimguzhva)
Das Interview ist 45 Minuten lang, und sehr Augen öffnend…
Daniele Ganser kannte ich schon lange, er hat ja auch bei meinen Weltfriedensinterviews mitgemacht: „23. Daniele Ganser“ , 17.8., WFK_Daniele Ganser final https://vimeo.com/448784382/8c390ebdb1 . Trailer: 1. https://vimeo.com/448950188/e9771dd9d0, wobei ich jetzt darauf hinweise, dass der „Kongress“ schon längst vorbei ist…
Ich denke, es ist sehr erfrischend und dem Weltfrieden dienlich, wenn man wöchentlich Beiträge im Navigator aus allen vier Ecken ansieht, die man schlicht anklicken kann und dann auch aus „Oppositionsblättern“ z.B. Nachdenkseiten, Multipolar, oder hier in Braunschweig Braunschweig Spiegel, die Oppositionsblätter heißen, weil sie gegen die Staatsmeinung sich wenden und diese kritisieren, was eigentlich laut Staatsvertrag eine Aufgabe der öffentlich rechtlichen Medien ist.
Unten das Original Englisch, oben die deutsche Übersetzung:
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De: Democracy Now! <column@democracynow.org>
Datum: Dienstag, 18. Mai 2023 um 17:58
Subject: Hiroshimas nukleare Lektion: Die G7 muss den Frieden in der Ukraine vorantreiben
Die Schallmauer durchbrechen
Wöchentliche Kolumne Donnerstag, 18. Mai 2023 Hiroshimas nukleare Lektion: Die G7 muss den Frieden in der Ukraine vorantreiben
Von Amy Goodman und Denis Moynihan
Präsident Joe Biden nimmt am diesjährigen G7-Gipfel teil, bei dem Russlands Krieg in der Ukraine und die Drohungen von Präsident Wladimir Putin, dort Atomwaffen einzusetzen, ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Der G7 gehören Japan, Italien, Kanada, Frankreich, die USA, das Vereinigte Königreich und Deutschland an. Russland war kurzzeitig Mitglied der damaligen G8, wurde aber 2014 nach der militärischen Annexion der Krim ausgeschlossen.
Das diesjährige G7-Treffen findet in Japan statt. Besonders bemerkenswert ist der Ort in Japan: Hiroshima. Dort warfen die Vereinigten Staaten am 6. August 1945 die erste Atombombe der Welt ab, die die Stadt dem Erdboden gleichmachte und schätzungsweise 140.000 Menschen tötete und 100.000 weitere verletzte. Angesichts der drohenden Gefahr eines Atomkriegs haben die in Hiroshima versammelten Staats- und Regierungschefs die Pflicht, an die Auslöschung dieser Stadt vor fast 80 Jahren zu denken und Nein zum Atomkrieg zu sagen.
„Ich möchte, dass sie, die Staats- und Regierungschefs der G7, die Unmenschlichkeit von Atomwaffen ernsthaft anerkennen“, sagte die 85-jährige Teruko Yahata, eine Überlebende der Atombombe von Hiroshima, diese Woche. „Dies sind Waffen, die die Menschheit zerstören können. Ich möchte, dass sie mit Nachdruck …
„Die USA sollten eine Kraft für den Frieden sein“: Nationale Sicherheitsexperten fordern die USA auf, den Ukraine-Krieg zu beenden
STORYMAY 17, 2023
GÄSTE
Dennis Fritz
Direktor des Eisenhower Media Network und Oberstabsfeldwebel der US-Luftwaffe im Ruhestand.
LINKS
Eisenhower Media Network
Mehr als ein Dutzend ehemaliger nationaler Sicherheitsbeamter der USA haben einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie ein diplomatisches Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine fordern. Der Aufruf zum Frieden wurde am Dienstag in der New York Times als ganzseitige Anzeige veröffentlicht und vom Eisenhower Media Network organisiert. Sie bezeichneten den Krieg als eine „unermessliche Katastrophe“, auf deren Beendigung die USA hinarbeiten sollten, bevor er zu einer nuklearen Konfrontation eskaliert. Wir sprechen mit Dennis Fritz, Direktor des Eisenhower Media Network und Oberfeldwebel der US-Luftwaffe im Ruhestand. „Den größten Teil meines Lebens habe ich im Pentagon verbracht, und dies ist wahrscheinlich die größte Angst, die ich je vor einer nuklearen Eskalation hatte“, sagt Fritz.
Abschrift
Dies ist eine Eilabschrift. Der Text ist möglicherweise nicht in seiner endgültigen Form.
AMY GOODMAN: Dies ist Democracy Now!, democracynow.org, der Bericht über Krieg und Frieden. Ich bin Amy Goodman.
Eine Gruppe ehemaliger hochrangiger nationaler Sicherheitsbeamter hat am Dienstag in der New York Times einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie ein diplomatisches Ende des Russland-Ukraine-Krieges fordern. Der Brief wurde von 15 pensionierten Militärs und nationalen Sicherheitsexperten unterzeichnet, darunter der Botschafter von Ronald Reagan in der UdSSR. Sie alle sind Teil des Eisenhower Media Network. Die Überschrift lautet: „Die USA sollten eine Kraft für den Frieden in der Welt sein“. Sie beginnt: „Der Russland-Ukraine-Krieg war ein einziges Desaster. Hunderttausende wurden getötet oder verwundet. Millionen von Menschen wurden vertrieben. Die Zerstörung der Umwelt und der Wirtschaft war unabsehbar. Künftige Verwüstungen könnten exponentiell größer sein, da die Atommächte immer näher an einen offenen Krieg heranrücken.“
Weitere Informationen erhalten wir von dem Erstunterzeichner dieses offenen Briefes an Präsident Biden, der gestern in der New York Times veröffentlicht wurde. Dennis Fritz ist Direktor des Eisenhower Media Network. Er ist Oberfeldwebel der U.S. Air Force im Ruhestand.
Willkommen bei Democracy Now! Es ist schön, Sie bei uns zu haben. Können Sie uns etwas über den Ursprung dieses Briefes erzählen und warum Sie es für so wichtig hielten, ihn zu veröffentlichen?
DENNIS FRITZ: Nun, zunächst einmal, Amy, danke, dass ich hier sein darf. Und das ist die perfekte und wichtigste Überleitungsfrage, die man stellen kann.
Wissen Sie, für uns, die wir seit vielen Jahren im Bereich des Militärs und der nationalen Sicherheit tätig sind, war es so wichtig, dass wir diese Anzeige kaufen. Mit dem kleinen Budget, das uns zur Verfügung steht, haben wir beschlossen, diese Anzeige zu schalten, um Präsident Biden und seiner Regierung sowie dem Kongress die Botschaft zu übermitteln, dass wir diesen Krieg sofort beenden müssen.
Wie Sie bereits über die Verwüstungen und die Zahl der bisherigen Toten gesprochen haben, kann ich mir nur vorstellen, dass er weitergeht. Und wenn wir immer mehr Waffen einsetzen, verursacht das nur noch mehr Tod und Zerstörung. Und das ist, um ganz offen zu sein, zur Unterstützung des ukrainischen Volkes. Wissen Sie, es beunruhigt mich wirklich – und ich muss ganz offen zu Ihnen sein, Amy – dass wir auf Kosten des ukrainischen Volkes einen Stellvertreterkrieg mit Russland führen, um es zu schwächen. Und gleichzeitig gibt es Tod und Zerstörung in der Ukraine und ihrer Bevölkerung. Und das ist verheerend.
Und wir können uns nicht einfach zurücklehnen und das zulassen, wie Sie schon sagten. Wissen Sie, wir haben einen ehemaligen Botschafter in Russland, der versucht hat, die Regierungen der Vergangenheit darauf hinzuweisen, dass die Erweiterung der NATO ein Sicherheitsinteresse Russlands ist. Wissen Sie, wir neigen dazu, uns nicht in die Sicherheitsbedürfnisse anderer hineinzuversetzen. Und es hätte in der Vergangenheit viel getan werden können, um dies zu verhindern.
AMY GOODMAN: Nun ist Russland also in die Ukraine einmarschiert. Das ist jetzt ein Jahr her. Wie sollten Ihrer Meinung nach die Bedingungen für die Verhandlungen aussehen? Ein chinesischer Sondergesandter ist in der Ukraine eingetroffen, um unter chinesischer Führung den seit 15 Monaten andauernden Krieg zu beenden. Xi Jinping hat gerade zum ersten Mal mit Volodymyr Zelensky gesprochen, und sie haben dieses Treffen arrangiert. Machen Sie sich Hoffnungen auf ein solches Treffen? Und wie sollten die Bedingungen für diese Verhandlungen aussehen, Chief Fritz?
DENNIS FRITZ: Nun, Amy, das wäre eigentlich Sache der ukrainischen Führung und von Präsident Zelensky, ebenso wie die Verhandlungen mit Russland. Aber lassen Sie mich zunächst sagen, dass man bei Verhandlungen immer etwas aufgeben muss. Ich denke also, das Erste, was wir tun sollten, ist, die Kämpfe einzustellen und dann zuzuhören und herauszufinden, was Russlands Bedürfnisse und Sicherheitsanforderungen sind. Und ich denke, das hat uns hierher geführt, weil Russland seine Sicherheitsbedürfnisse zum Ausdruck gebracht hat, indem es uns näher an die Grenzen Russlands heranrücken ließ.
Ich meine, schauen Sie sich das an – schauen Sie sich das Stück an, das wir gestern gekauft haben. Wenn Sie sich die Karte ansehen, die wir zur Verfügung gestellt haben, dann wissen Sie, dass man ein Tier gegen ein Tier stellen kann – Sie kennen dieses alte Sprichwort: Wenn man ein Tier an die Wand drückt, wird es reagieren. Es wird sich verteidigen. Und wie ich bereits erwähnt habe, neigen wir dazu, uns nicht in die Sicherheitsbedürfnisse anderer einzufühlen. Wir hatten eine hypothetische Karte, wie es aussehen würde, wenn wir russische Munition und Personal in Kanada und Mexiko hätten. Wir würden tatsächlich den Verstand verlieren. Und genau dagegen wehrt sich Russland im Moment.
Der erste Schritt im Verhandlungsprozess sollte also darin bestehen, Russland tatsächlich anzuhören. Sie versuchen seit Jahren, uns zu warnen, dass die Erweiterung der NATO ihnen ein Anliegen ist. Wir müssen also als Erstes die russischen Bedürfnisse anhören und dann die Entscheidungen treffen, an die wir uns halten. Eines der größten Probleme ist derzeit die östliche Donbass-Region, wo wir russischsprachige Ukrainer haben. Auf diese Bedürfnisse muss eingegangen werden. Sie wissen, dass dort seit langem Krieg herrscht, und Russland hat versucht, sich mit den Minsker Vereinbarungen herauszuhalten, und es hat versucht, sich daran zu halten. Und die ukrainische Regierung bombardierte zu dieser Zeit immer noch die Region Donbas. Das muss also diskutiert werden. Die Frage der Krim muss diskutiert werden, denn ich denke, dass sie Teil des Verhandlungstisches sein muss, weil das Schwarze Meer ein wichtiger Teil der Welt für Russland ist. Der erste Schritt wird also darin bestehen, sich an einen Tisch zu setzen und sich anzuhören, was die Sicherheitsbedürfnisse Russlands, der Ukraine und auch der NATO sind.
AMY GOODMAN: Ich möchte mit dem Whistleblower der Pentagon Papers, Dan Ellsberg, sprechen, mit dem wir Anfang des Monats über seine tiefe Besorgnis über die Gefahr eines Atomkriegs gesprochen haben, da sich die Spannungen zwischen den USA, Russland und China verschärfen.
DANIEL ELLSBERG: Wenn Biden dazu gedrängt wird, direkt Flugzeuge zu schicken, die die Ukrainer noch nicht bedienen können, wie die F-16, Panzer, die sie noch nicht bedienen können, wird die Tendenz, Amerikaner zu schicken, um diese Panzer zu bedienen und sie sofort ins Geschäft zu bringen, sehr stark sein. Ich kann nur hoffen, dass Biden von einem großen Teil der Öffentlichkeit dazu gedrängt wird, die USA nicht direkt in diesen Krieg zu verwickeln und Verhandlungen anzustreben, was er derzeit absolut vermeidet, die Idee von Verhandlungen ablehnt. …
Der Glaube, dass wir weniger Schaden anrichten können, wenn wir zuerst zuschlagen, als wenn wir als Zweiter zuschlagen, konfrontiert uns in der Ukraine mit der realen Möglichkeit eines Atomkriegs, der aus diesem Konflikt hervorgeht – mit anderen Worten, dass das meiste Leben auf der Erde – nicht alles, aber das meiste Leben auf der Erde – ausgelöscht wird, wenn es um die Kontrolle der Krim oder des Donbass oder Taiwans geht. Das ist wahnsinnig.
AMY GOODMAN: Noch einmal, das ist Daniel Ellsberg, der vielleicht berühmteste Whistleblower der Welt, der die Pentagon Papers an die Presse weitergab, bei dem gerade inoperabler Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde, und der sagte, dass er dieses Thema unbedingt diskutieren wolle, dass dies die Botschaft sei, die er der Welt an diesem Punkt seines Lebens vermitteln wolle, nämlich die Bedrohung durch – und die Leute denken an massive Atomwaffen. Er sagte, dass die taktischen Waffen auf niedriger Ebene genauso gefährlich sind, taktische Atomwaffen auf niedriger Ebene. Command Chief Dennis Fritz, Ihre Antwort?
DENNIS FRITZ: Lassen Sie mich nur erwähnen, dass taktische Waffen auch zu interkontinentalen ballistischen Raketen eskalieren können, die Atomwaffen tragen. Die Eskalation ist also der Schlüssel.
Was Herrn Ellsberg betrifft, so standen wir mit ihm in Kontakt. Wir haben uns sogar mit ihm abgestimmt und mit ihm über unseren Brief gesprochen.
Und, Amy, ich muss Ihnen sagen, dass ich einige Jahre im damaligen Space Command verbracht habe, wo unsere landgestützten Raketensysteme dem Kommandanten unterstellt waren, den ich damals beriet. Außerdem war ich im Rahmen einer zusätzlichen Aufgabe Beraterin des NATO-Befehlshabers – nicht des NATO-Befehlshabers, tut mir leid, sondern des NORAD-Befehlshabers. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich seit meinem 22. Lebensjahr im Pentagon ein- und ausgegangen bin. Jetzt bin ich 66 Jahre alt. Den größten Teil meines Lebens habe ich im Pentagon verbracht, und dies ist wahrscheinlich die größte Angst, die ich je vor einer nuklearen Eskalation hatte.
Wir reden hier von zwei Atommächten. Wir reden über ein Land, nämlich Russland, das wir jahrelang versucht haben zu demütigen, indem wir – wir sind die – „Wir haben den Kalten Krieg gewonnen. Wir sind die einzige Supermacht. Wir machen, was wir wollen.“ Nun, ich kann Ihnen gleich sagen, dass auch Russland sein Land liebt. Und ich muss wieder ganz offen sein: Wir sind das einzige Land, das jemals eine Atomwaffe oder eine Kernwaffe gegen ein anderes Land eingesetzt hat. Ich glaube nicht, dass Russland sich zurücklehnen und zulassen wird, dass wir die Ersten sind, die das wieder tun.
Deshalb nehme ich die Drohung Russlands, den Einsatz von Atomwaffen nicht auf sich beruhen zu lassen, sehr ernst. Aus diesem Grund hielten wir es für wichtig, diesen offenen Brief an den Präsidenten zu senden. Wir hoffen, die amerikanische Öffentlichkeit aufklären zu können, damit sie sieht, wie wir an diesen Punkt gelangt sind.
AMY GOODMAN: Nachdem –
DENNIS FRITZ: Und – ja?
AMY GOODMAN: Nach diesem offenen Brief, den Sie in der New York Times veröffentlicht haben, diese ganze Seite, „Die USA sollten eine Kraft für den Frieden in der Welt sein“, haben sich andere nationale Sicherheitsbeamte mit Ihnen in Verbindung gesetzt?
DENNIS FRITZ: Ja, wir hatten andere, die sich mit uns in Verbindung gesetzt haben. Und ich muss Ihnen sagen, Amy, um ganz offen zu sein, dass einige dieser Personen der Meinung waren, dass wir in unserer Botschaft nicht weit genug gingen, um ihre Besorgnis über die Eskalation eines Atomkriegs zum Ausdruck zu bringen. Und ich muss Ihnen sagen, dass wir von einigen angesprochen wurden, die sagten, das sei Panikmache. Nun, ich glaube nicht, dass es Panikmache ist. Im Gegenteil, ich möchte, dass Sie sich fürchten, denn wir stehen kurz vor diesem Punkt. Können Sie sich vorstellen, dass vor ein paar Monaten eine verirrte Rakete in Polen gelandet wäre? Sie wissen, es könnte ein Unfall sein. Es könnte etwas sein, das absichtlich geschieht. Ich meine, wie lange, glauben Sie, wird Russland es zulassen, dass Waffen in die Ukraine eingeführt werden?
Und lassen Sie mich noch etwas anderes erwähnen, das Daniel erwähnte. Wissen Sie, ich finde es erstaunlich, dass ich vorhin gesagt habe, die Ukraine führe einen Stellvertreterkrieg in unserem Namen. Nun, denken Sie einen Moment lang darüber nach. Wir führen einige dieser Waffen ein, aber, oh, übrigens, Ukraine, es wird keine Offensivwaffen geben, mit denen man tief in Russland eindringen kann. Das werden wir nicht zulassen. Warum werden wir das nicht zulassen? Nun, das könnte die Situation eskalieren lassen. Das könnte so weit eskalieren, dass Russland sagt: „Hört zu, ihr führt diese Waffen ein, die tief in unser Land eindringen. Das werden wir nicht zulassen. Das ist eine Bedrohung für unsere nationale Sicherheit. Und deshalb ist jetzt alles möglich.“ Und so kann dies zu einem totalen Krieg werden. Und Russland wird diesen Krieg nicht verlieren.Wenn es also zu einer Bedrohung für ihr Land und ihre Führung wird, gibt es für Sie keinen Zweifel – für mich gibt es keinen Zweifel -, dass sie, wenn es so weit kommt, tatsächlich eine Atomwaffe einsetzen werden. Und was passiert dann?
AMY GOODMAN: Sind Sie besonders besorgt wegen des Drohnenangriffs auf den Kreml? Es ist nicht klar, wer daran beteiligt war, wer hinter diesem Drohnenangriff stand.
DENNIS FRITZ: Nun, sehen Sie, das ist wahr. Wissen Sie, in der Kriegsführung gibt es immer Desinformationen. Aber denken Sie darüber nach, Amy. Das ist genau das, wovon ich spreche. Es kann ein Unfall sein. Es könnte eine weiße Fahne sein, etwas, das wir nicht erwarten, das tatsächlich – sagen wir, zum Beispiel, wissen Sie, einige haben gesagt, es war Russland, was ich nicht glaube. Aber nehmen wir an, sie waren es, und das gab ihnen den Grund, den Krieg zu vertiefen.
Und lassen Sie mich noch etwas anderes erwähnen, wenn wir diesen Krieg weiter verlängern, denn eines der Dinge, über die wir wirklich besorgt sind, wenn wir diesen Krieg weiter verlängern – nun, raten Sie mal. Das bedeutet mehr Tod und Zerstörung in der Ukraine. Es könnte so weit kommen, dass es kein Land mehr gibt, in dem Frieden herrscht, weil Russland, wenn es will, die gesamte Infrastruktur der Ukraine zerstören könnte. Wollen wir das erleben?
AMY GOODMAN: Sie waren der Chef –
DENNIS FRITZ: Ich bevorzuge – fahren Sie fort.
AMY GOODMAN: Sie waren der Hauptunterzeichner dieser Erklärung, und die Kraft dahinter ist das Eisenhower Media Network. Erklären Sie, was das ist.
DENNIS FRITZ: Nun, das Eisenhower Media Network, wir kamen zusammen – ich denke, der Faden, der uns wirklich zusammengebracht hat, war der Irakkrieg. Er basierte definitiv auf einer Lüge. Und wie Sie gesehen haben, hat das, was wir dem Irak angetan haben, das Land zerstört und Millionen von Menschenleben gekostet. Auf amerikanischer Seite wurden 4.500 Militärangehörige getötet und 100.000 oder mehr lebenslang verletzt. Wir haben uns also zusammengetan, um unnötige Kriege und die imperialistische Ideologie, die einige von uns in unserem Land haben, zu verhindern. Das war also der Teil, der uns zusammengebracht hat.
Und wenn man an die Erweiterung der NATO denkt, wenn man an die ständigen Kriege denkt, gibt es jemanden, der davon profitiert. Unser Ziel ist es also, diesen Nutzen des militärisch-industriellen Komplexes zu begrenzen, vor dem uns Eisenhower gewarnt hat. Daher haben wir auch unseren Namen. Unser Ziel ist es also, Kriege zu begrenzen, den Nutzen des Krieges zu begrenzen, der, wie Sie wissen, das Geld, das wir der Ukraine für Waffen geben, irgendwo hingeht. Irgendjemand stellt diese Waffen her, und es ist für ihn von Vorteil. Ich denke nicht, dass das Leben von Menschen für diejenigen, die vom Krieg profitieren, von Nutzen sein sollte.
AMY GOODMAN: Dennis Fritz, wir danken Ihnen, dass Sie bei uns sind, Direktor des Eisenhower Media Network, Oberfeldwebel der U.S. Air Force im Ruhestand, spricht zu uns aus Washington, D.C.
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———- Forwarded message ———
De: Democracy Now! <column@democracynow.org>
Date: jue, 18 may 2023 a las 17:58
Subject: Hiroshima’s Nuclear Lesson: The G7 Must Push Peace in Ukraine
Breaking the Sound Barrier
Weekly Column Thursday, May 18, 2023
Hiroshima’s Nuclear Lesson: The G7 Must Push Peace in Ukraine
By Amy Goodman and Denis Moynihan
President Joe Biden is attending this year’s G7 summit, with Russia’s war in Ukraine and President Vladimir Putin’s threats to use nuclear weapons there at the top of the agenda. The G7 comprises Japan, Italy, Canada, France, the US, the UK, and Germany. Russia was briefly a member of what was then called the G8, but was expelled in 2014 after its military annexation of Crimea.
This year’s G7 meeting is being held in Japan. Of particular note is where in Japan: Hiroshima. There, on August 6th, 1945, the United States dropped the world’s first atomic bomb, leveling the city and killing an estimated 140,000 people and injuring 100,000 more. As the threat of nuclear war looms as a real possibility, the world leaders gathered in Hiroshima have a responsibility, to reflect on the obliteration of that city almost 80 years ago, and to say no to nuclear war.
“I want them, the G7 leaders, to seriously acknowledge the inhumanity of nuclear weapons,” 85-year-old Teruko Yahata, a survivor of the Hiroshima atomic bomb, said this week. “These are weapons that can destroy humankind. I want them to strongly … Read More →
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“The U.S. Should Be a Force for Peace”: Nat’l Security Experts Demand U.S. Push to End Ukraine War
STORYMAY 17, 2023
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Dennis Fritz
director of the Eisenhower Media Network and a retired command chief master sergeant of the U.S. Air Force.
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More than a dozen former U.S. national security officials have released an open letter calling for a diplomatic end to the Russia-Ukraine war. The call for peace was published as a full-page ad Tuesday in The New York Times and organized by the Eisenhower Media Network. They called the war an “unmitigated disaster” that the U.S. should work to end before it escalates into a nuclear confrontation. We speak with Dennis Fritz, director of the Eisenhower Media Network and a retired command chief master sergeant of the U.S. Air Force. “The majority of my life has been in and out of the Pentagon, and this is probably the most fearful I’ve ever been with a nuclear escalation,” says Fritz.
Transcript
This is a rush transcript. Copy may not be in its final form.
AMY GOODMAN: This is Democracy Now!, democracynow.org, The War and Peace Report. I’m Amy Goodman.
A group of former high-ranking national security officials published an open letter in The New York Times Tuesday calling for a diplomatic end to the Russia-Ukraine war. The letter was signed by 15 retired military officials and national security experts, including Ronald Reagan’s ambassador to the USSR. They’re all part of the Eisenhower Media Network. The headline reads, “The U.S. Should Be a Force for Peace In the World.” It begins, “The Russia-Ukraine War has been in unmitigated disaster. Hundreds of thousands have been killed or wounded. Millions have been displaced. Environmental and economic destruction have been incalculable. Future devastation could be exponentially greater as nuclear powers creep ever closer toward open war.”
For more, we’re joined by the lead signatory on this open letter to President Biden published in The New York Times yesterday. Dennis Fritz is director of the Eisenhower Media Network. He’s a retired command chief master sergeant of the U.S. Air Force.
Welcome to Democracy Now! It’s great to have you with us. If you can talk about the origins of this letter and why you felt it was so important to publish?
DENNIS FRITZ: Well, first of all, Amy, thanks for having me. And that is a perfect and first most important segue question you could ask.
You know, for us, who have been around the military and national security business for many of years, we thought it was so important that we purchase this ad. You know, we took the small budget we have, and we decided that we should put this out there so that we could openly get the message to President Biden and his administration, along with Congress, that we must bring this war to an end immediately.
As you already have discussed about the devastation and the number of killings that have happened so far, I can only see it continuing. And as we continue to introduce more weapons, it only causes more death and destruction. And this is, you know, to be quite frank with you, in support of the Ukrainian people. You know, it really disturbs me — and I’m just going to have to be candid with you, Amy — that, you know, at the expense of the Ukrainian people, we are fighting a proxy war with Russia to weaken them. And at the same time, the death and destruction is occurring in Ukraine and its people. And that’s devastating.
And we just couldn’t sit back and allow that to happen, as you mentioned. You know, we have a former ambassador to Russia that tried to alert administrations of the past that expanding NATO, that is a security interest of Russia. You know, we have a tendency not to empathize with others’ security needs. And there could have been a lot done in the past to prevent this from actually happening.
AMY GOODMAN: So, now Russia has invaded Ukraine. It’s been a year. What do you think the terms of the negotiations should be? I mean, our latest news in the headlines, a Chinese special envoy has arrived in Ukraine as part of a Chinese-led effort to end the 15-month-old war. Xi Jinping just spoke with Volodymyr Zelensky for the first time, and they set up this meeting. Do you hold out hope for that? And just what should be the terms of these negotiations, Chief Fritz?
DENNIS FRITZ: Well, Amy, that would actually be up to the Ukrainian leadership and President Zelensky, along with negotiating with Russia. But let me just first say that, you know, in negotiations, you’re always going to have to give up something. So, I will think the first thing would be, let’s stop the fighting, and then let’s listen and to see what Russia’s needs and security needs are. And I think that’s what led us here, is because of the fact as Russia was expressing their security needs of us expanding closer to the borders of Russia.
I mean, look at it as you — look at the piece that we purchased yesterday. If you look at a map that we provided, you know, if you back an animal — you’ve heard this old saying: If you back an animal up against a wall, it’s going to react. It’s going to defend itself. And as I mentioned earlier, we have a tendency to not empathize with the security needs of others. If you note, we had a hypothetical map of what would it look like if we had Russian munitions, personnel assigned in Canada, in Mexico. We would actually lose our minds. And that is what Russia is against right now.
So, the first step in the negotiation process should be actually listening to Russia. They’ve been trying to warn us for years that the expansion of NATO is a concern of theirs. And so, the first thing we have to come to the table is to actually listen to Russian needs, and then whatever decisions abided by. You know, one of the biggest things right now is the Donbas eastern region, where we have Russian-speaking Ukrainians. Those needs must be addressed. You know, there’s been a war going on there for the longest, and Russia, you know, tried to stay out of it, with the Minsk accords, and they tried to abide by it. And, you know, the Ukrainian government at the time was still bombarding the Donbas region. So that has to be discussed. The issue of Crimea will need to be discussed, because I think that needs to be a part of the negotiation table, because the Black Sea is an important part of the world for Russia. And so, you know, the first step will be to actually sit down at the table and have an opportunity to listen to what Russia’s security needs, as well as Ukrainians’ needs and also NATO.
AMY GOODMAN: I wanted to go to Pentagon Papers whistleblower Dan Ellsberg, who we spoke to earlier this month about his deep concerns about the risk of nuclear war as the tensions between the U.S., Russia and China intensify.
DANIEL ELLSBERG: When Biden is urged to send direct planes, that Ukrainians can’t yet operate, like the F-16, tanks that they cannot yet operate, the tendency to send Americans to operate those tanks and get them right away into business will be very strong along with that. I can only hope that Biden will be pressed by a large part of the public, pressed not to involve the U.S. directly in that war, and to be pursuing negotiations, which it is currently absolutely eschewing, is rejecting the idea of negotiations. …
The belief that we can do less bad by striking first than if we strike second is what confronts us in Ukraine with a real possibility of a nuclear war coming out of this conflict — in other words, of most life on Earth — not all, most life on Earth — being extinguished as a matter of the control of Crimea or the Donbas or Taiwan. That’s insane.
AMY GOODMAN: Again, that’s Daniel Ellsberg, perhaps the world’s most famous whistleblower, who released the Pentagon Papers to the press, just diagnosed with inoperable pancreatic cancer, said he absolutely wanted to discuss this issue, that this was the message that he wants to put out to the world at this point in his life, is this threat of — and people think of massive nuclear weapons. He said it’s the low-level tactical weapons that are just as dangerous, low-level tactical nuclear weapons. Command Chief Dennis Fritz, your response?
DENNIS FRITZ: Let me just mention, when you say tactical weapons, you know, guess what: That can escalate to intercontinental ballistic missiles, as well, carrying nuclear weapons. So the escalation is the key.
Regarding Mr. Ellsberg, you know, we’ve been in communication with him. In fact, we even coordinated and talked with him about our letter.
And, Amy, I must tell you, I spent a few years in, at the time, Space Command, where our land-based missile systems were under the commander who I advised at the time. I was also, as part of an additional duty, an adviser to the NATO commander — not the NATO commander, I’m sorry, but the NORAD commander. And I can tell you, I’ve been in and out of the Pentagon since the age of 22. Now I am now 66 years old. The majority of my life has been in and out of the Pentagon, and this is probably the most fearful I’ve ever been with a nuclear escalation.
We’re talking about two nuclear powers. We’re talking about a country, that country being Russia, who for years we have tried to humiliate by way of us — we’re the — “We won the Cold War. We’re the only superpower. We do as we please.” Well, I can tell you right now, you know, Russia loves their country, as well. And I must be quite frank again: You know, we are the only country to ever, ever use an atomic weapon or a nuclear weapon on another country. I don’t think Russia will sit back and let us be the first to do that again.
And so, I take their threat of not taking off their plate the use of nuclear weapons — I take that seriously. And so that is why, once again, we thought it was so important for us to send that open letter out to the president. And so, our hope is to educate the American public so that they could see how we got to this point.
AMY GOODMAN: After —
DENNIS FRITZ: And — yeah?
AMY GOODMAN: After this open letter that you have published in The New York Times, this full page, “The U.S. Should Be a Force for Peace in the World,” did other national security officials get in touch with you?
DENNIS FRITZ: Yes, we had others to get in touch with us. And I must tell you, Amy, to be quite frank, is that some of those individuals didn’t think we went farther enough in our message of their concern about escalation to nuclear warfare. And I will tell you, you know, we’ve been approached by some to say that’s fearmongering. Well, I don’t think it’s fearmongering. In fact, I want you to be fearful, because of the fact we are close to that point. Can you imagine, you know, a few months back, we had an errant missile to land in Poland? You know, it could be an accident. It could be something that’s on purpose. I mean, how long do you think Russia is going to allow weapons to be entered into Ukraine?
And let me just mention something else, too, that Daniel mentioned. You know, I find it amazing when I had said earlier that Ukraine is fighting a proxy war on behalf of us. Well, think about this for a moment. Here it is, we’re introducing some of these weapons, but, oh, by the way, Ukraine, there will be no offensive weapons where that you can strike deep into Russia. We won’t allow that. Why won’t we allow that? Well, that could escalate it. That could escalate to the point where Russia gets to the point of saying, “Listen, you’re introducing these weapons that are hitting deep into our country. We’re not going to allow that. That is a threat to our national security. And so all bets are off now.” And so, this can become an all-out war. And Russia is not going to lose this war. And so, if it becomes a threat to their country and their leadership, let there be no doubt in your mind — there’s no doubt in my mind — that if it came to that, they will actually use a nuclear weapon. And then, what happens then?
AMY GOODMAN: Are you particularly concerned because of the drone attack on the Kremlin? It is not clear who was involved with this, who was behind this drone attack.
DENNIS FRITZ: Well, see, that’s true. You know, you always have disinformation in warfare. But think about this, Amy. That’s exactly what I’m talking about. It can be an accident. It could be a white flag, something that we will not expect, that could actually — let’s say, for instance, you know, some have said it was Russia, which I don’t think so. But let’s say if it was them, and that gave them the rationale to deepen the war.
And let me just mention one other thing, too, as we keep prolonging this war, because one of the things we’re really concerned about, as well, as we continue to prolong this war — well, guess what. That is more death and destruction in Ukraine. It could get to the point where there will be no country for there to be peace, because Russia, if they so desired, could destroy every piece of infrastructure in Ukraine. Do we want to see that?
AMY GOODMAN: You were the chief —
DENNIS FRITZ: I prefer — go ahead.
AMY GOODMAN: You were the chief signatory on this, and the force behind this is the Eisenhower Media Network. Explain what that is.
DENNIS FRITZ: Well, the Eisenhower Media Network, we came together — I think the thread that really brought us together was the Iraq War. You know, it definitely was based on a lie. And as you saw, what we did to Iraq destroyed that country, millions of lives lost. On the American side of the house, you know, 4,500 military members killed, 100,000 or more injured for life. So, we came together to try to keep us out of unnecessary wars, to keep us out of that imperialistic ideology that some of us in our country have. So, that was the piece that brought us together.
And when you think about the expansion of NATO, when you think about these continuous wars, there is somebody that’s benefiting from that. And so, our goal is to limit that benefit of the military-industrial complex, which Eisenhower warned us about. And so, that’s where we got the name from. So our goal is to limit wars, to limit the benefits of war, which, as you know, the money that we give Ukraine for weapons, that money is going somewhere. Somebody is making those weapons, and it’s beneficial to them. I don’t think the lives of people should be beneficial for those that benefit from war.
AMY GOODMAN: Dennis Fritz, we want to thank you for being with us, director of the Eisenhower Media Network, retired command chief master sergeant of the U.S. Air Force, speaking to us from Washington, D.C.
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Der Ausschuß für den Afghanistankrieg muss den grundsätzlichen groben Fehler des Einsatzes in Afghanistan angreifen. Dafür könnten Michael Lüders und Hunko stehen…
Resümee und Konsequenzen aus der deutschen Teilnahme am Krieg in Afghanistan
Das Ende der NATO-Militärintervention in Afghanistan im August 21, nach 20 Jahren Bundeswehreinsatz, war ein Einschnitt, der eine Auswertung und grundsätzliche Einschätzung auch für Regierung und Bundestag erforderte. Unsere IPPNW hatte mit unserer Konferenz Ende Oktober 21 – gemeinsam mit anderen Friedensorganisationen und einer afghanischen Ärztegruppe – bereits Vorarbeit geleistet, allerdings mit anderer Zielrichtung. „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“ lautet das Thema der Bundestags-Enquetekommission – es geht also darum, aus den Fehlern zu lernen, um weitere Truppeneinsätze im Ausland nicht in ähnlichen Desastern enden zu lassen, wie den Krieg am Hindukusch.
Auf einem Hektar lassen sich mit Energiepflanzen sieben Familien versorgen, mit Solarnengergie 23o Familien, also das über 30 fache, und mit Wind gar 6000 Haushalte, also fast das tausendfache… Und man kann viel mehr Energie schon auf den Flächen erzeugen, die zur Zeit für Energiepflanzen gebraucht werden. Die werden allerdings zum guten Teil für technische Zwecke gebraucht werden.
(Laut Prof. Hartmut Graßl Hartmut Graßl, “Energieflussdichten” https://wp.me/paI27O-j0 sind die Sonne und die Pflanzen wirklich auf den Hektar bezogen, während der Wind natürlich von weither kommt. pro m2 ist die „Windenergieflußdichte“ nur etwa ein knappes Zehntel der Solarenergie, aber wenn man nur wenig Windflächen braucht, gilt die obere Rechnung)
In the four-minute German fact-check video „Energie vom Acker – lohnt sich das?“ (Energy from the field – is it worth it?), the results of the study are summarised in an informative and clear way
The German study „Comparison of the area energy yields of different renewable energies on agricultural land – for electricity, heat and transport“ https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/462/682 has been published in the journal „Berichte über Landwirtschaft“, volume 101.
On one hectare (100x100m), energy crops can supply seven families, solar energy 23o families, i.e. more than 30 times, and wind even 6000 households, i.e. almost a thousand times… And much more energy can be produced on the land that is currently used for energy crops. (However, most of this crop will be used for technical purposes).
(According to Prof. Hartmut Graßl Hartmut Graßl, „Energieflussdichten“ https://wp.me/paI27O-j0 the solar energy and the plants are really related to the hectare, while the wind of course comes from far away. per m2 the „wind energy flux density“ is only about a scarce tenth of the solar energy, but if you only need a little wind area, the upper calculation applies)
Die Warnung des Schlussparagraphen des Russell-Einstein-Manifests ist heute so gültig wie damals:
„Vor uns liegt, wenn wir es wählen, stetiger Fortschritt in Glück, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod wählen, weil wir unseren Streit nicht vergessen können? Wir appellieren, als Menschen, an Menschen: Denkt an eure Menschlichkeit und vergesst den Rest. Wenn Euch das gelingt, öffnet sich der Weg zu einem neuen Paradies; wenn es Euch nicht gelingt, so liegt vor euch die Gefahr des allumfassenden Todes.“
Beginn der ursprünglichen Erklärung, übersetzt mit Deepl.com 1 Pugwash Note on Nuclear Arms Control and Disarmament 30Januar 2021 Anfang 2021 gibt es allen Grund zu sagen, dass der globale Rüstungskontroll- und Abrüstungsprozess trotz früherer Erfolge einen kritischen Punkt erreicht hat. Der vollständige oder faktische Untergang von wichtigen Rüstungskontrollverträgen (wie dem ABMVertrag, demCFE -Vertrag und dem INFT-Vertrag) hat ein Vakuum in der Rüstungskontrollarchitektur hinterlassen und damit neue Herausforderungen für Krisen und die globale Stabilität ausgelöst. Der Vertrag über den Offenen Himmel steht vor einer existenziellen Bedrohung. Auch die Chemiewaffenkonvention befindet sich in einer schwierigen Situation, insbesondere im Zusammenhang mit dem Syrien-Problem und der angeblichen Vergiftung einiger russischer Persönlichkeiten. Der CTBT, der vor 25 Jahren abgeschlossen wurde, ist beschämenderweise immer noch nicht in Kraft. Der einzige bestehende Rüstungskontrollvertrag zwischen den USA und Russland ist jetzt New START, der am 5. Februar 2021 auslaufen sollte, da sich seine Erneuerung unter der Trump-Administration als unmöglich erwiesen hatte. Aber jetzt ist bekannt, dass die Aussichten für diesen Vertrag viel besser sind (siehe unten). …
1Pugwash Note on Nuclear Arms Control and Disarmament 30January 2021In early 2021 there is every reason to say that the global arms control and disarmament process, despite earlier achievements, has reached a criticalpoint. The complete or de facto demise of key arms control treaties (such as the ABMTreaty, theCFE Treaty, and the INFTreaty) has left a vacuum in the arms control architecture, thus triggering new challenges for crises and global stability. The Open Skies Treaty is facing an existential threat. The Chemical Weapons Convention is also in a difficult situation, particularly in relation to the Syrian problem and the alleged poisoning of certain Russian personalities. The CTBT, concluded 25 years ago, is shamefully not yet in force. The only existing arms control treaty between the US and Russia is now New START, which was due to expire on 5 February 2021 since its renewal had proved to be impossible under the Trump Administration. But now it is well-known that the prospects for this treaty are much better (see below).
Fritz Bauer Freundschaftsverein Udo Dittmann: letzter Brief:
Infos zu Fritz Bauer – Mai 2023, Wed, 10 May 2023
Mai 2023
Liebe Interessierte des Fritz Bauer Freundeskreises,
anbei wieder einige aktuelle Infos zum Thema Fritz Bauer:
Zum Umzug des Fritz Bauer Platzes in Braunschweig
Dass ein ganzer Platz in einer Stadt umzieht, ist schon eine ungewöhnliche Angelegenheit. Nun ist die Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig vom Domplatz zum Ruhfäutchenplatz in Braunschweig umgezogen und wollte ihre Adresse „Fritz Bauer Platz 1“ mitnehmen. Allerdings ist dort kein eigentlicher Platz, sondern nur ein Bürgersteig mit Parkplätzen. Der Bezirksrat Innenstadt hatte etwas widerwillig dem Wunsch der Generalstaatsanwaltschaft zugestimmt, weil sie das Anliegen verstehen konnte. Nun mahnt der Bezirksrat jedoch an, dass der Platz auch entsprechend gestaltet wird. Ein Wunsch des Fritz Bauer Freundeskreises wäre zusätzlich, dass auch inhaltlich zum Ausdruck kommt, dass die Staatsanwaltschaft zu Fritz Bauer steht. Veranstaltungen oder Vorträge kämen da in Frage, aber auch eine Umbenennung des Schwurgerichtssaals im Landgericht in „Fritz Bauer Saal“. Da ist bisher wenig passiert.
„Wie kann man den neuen Fritz-Bauer-Platz aufwerten?“ Aus BZ vom 21.04.2023 Anhang 1
In Mannheim ist ein neuer Fritz Bauer Platz in Vorbereitung.
Die Staatsanwaltschaft in Mannheim plant, einen Platz in Mannheim nach Fritz Bauer zu benennen.
Zur Umbenennung der Hindenburgstraße in Fritz Bauer Straße in Darmstadt
Die Hindenburgstraße in Darmstadt ist nun endgültig in Fritz-Bauer-Straße umbenannt worden.
Allerdings stimmten 90 % der Anwohner*innen dagegen, wahrscheinlich weil eine Umbenennung mit
einigen Umständen für sie verbunden ist. Das ist schade. In dem Bericht der Frankfurter Rundschau
vom 3. Mai ist angemerkt, dass weitere Umbenennungen erfolgen sollten, darunter eventuell auch die
Stauffenbergstraße. Das wäre schon eigenartig, da es gerade Fritz Bauer darum ging, Stauffenberg und
die Widerstandskämpfer des 20. Juli zu rehabilitieren. Anhang 2
Fritz Bauer in Theater und Oper
In Gießen ist ein neues Theaterstück zu Fritz Bauer zu sehen. Auf der Grundlage des Filmes „Der Staat
gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume wurde ein Theaterstück entworfen, das sich eng an die Vorlage
des Filmes hält. In der Hessenrundschau war allerdings die Bewertung sehr ambivalent. Teilweise gleite
das Stück ab in eine Art „Böhmermann-Humor“. Dazu ein kurzer Beitrag aus hr2 mit der Überschrift
„Zu lustig: ‚Der Staat gegen Fritz Bauer‘ in Gießen“ (hr2 vom 27.04.2023) sowie ein Audiostream zu
dem Theaterstück (8:58 min)
„Zu lustig: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ in Gießen
2015 setzte Lars Kraume dem Generalstaatsanwalt mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ein filmisches
Denkmal. Das Politdrama zeigt Bauers akribische Suche nach Adolf Eichmann, dem meistgesuchten
Nazi-Verbrecher, der hier vor Gericht gebracht werden soll. Im Deutschland der 1950er Jahre fehlt es
aber an Unterstützung zur Aufklärung der Nazi-Verbrechen, Verdrängung und Denunzierung herrschen
vor.
Nun ist der Stoff als Theateradaption in Gießen zu sehen – und gleitet in eine Art Jan-Böhmermann-
Humor ab. Sehr schade, findet hr2-Kritikerin Natascha Pflaumbaum – und schlägt vor, dass die beiden
Schauspieler, die Fritz Bauer und Karl Angermann darstellen, die Inszenierung von Jenke Nordalm
neuer niederländisch-deutscher Blog zu Friedensverhandlungen und internationaler Friedenskongress
Datum:
Wed, 10 May 2023 16:44:38 +0200
Von:
Moegling, Klaus <klaus@moegling.de>
An:
klaus@moegling.de
Liebe Friedensfreunde_innen,
gestern ist ein gemeinsamer Artikel von May-May Meijer (Peace SOS, The Niederlande) und mir zur Forderung nach Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg im Rahmen einer niederländisch-deutschen Kooperation publiziert worden. Er wurde dort in deutscher, englischer und niederländischer Sprache veröffentlicht.
Er findet sich als aktueller Blog 1 frei lesbar auf
Dann möchte ich noch auf die wichtige internationale Friedenskonferenz mit einem hochinteressanten Programm und notwendigen Aktionen am 10./11.6.23 in Wien hinweisen. Programm und Anmeldemöglichkeit finden sich unter
Dann ist unser ‘Appell für den Frieden’ mit bald 8000 Unterzeichner_innen auf Change.org immer noch aktiv und eine Unterzeichnung wert. Bei 10.000 Unterzeichnungen werden die Politiker_innen wieder angeschrieben. Übrigens ist nun nicht nur Österreich sondern auch noch die Schweizer Friedensbewegung zu dem Appell dazu gekommen.
Auch die internationale (englischsprachig und etwas modifiziert) Fassung des Friedensappells (Appeal for Peace) ist immer noch auf Action.Network aktiv. Auch hier gilt es, die eigenen Kontakte ins Ausland hierüber zu informieren (Deutsche können natürlich auch unterzeichnen):
Bisher handelten die USA und als Vasallen „der Westen“ als ehemalige Kolonialmächte im eigenen Interesse, wenn es auch dem Völkerrecht widersprach. Jetzt entwickelt sich vor allem durch China eine Macht, die sich in den BRICS Staaten, im Shanghaiabkommen, in der „nicht mehr Akzeptanz“ des Petrodollars zeigt, die von dem USA nicht mehr leicht zur Seite gewischt werden kann. Aber sie versuchen es, mit dem Risiko eines Atomkrieges, mit dem Einsatz des Überlebens der Menschheit…
Dies ist noch eine Baustelle. Um das PDF anzusehen, bitte auch den oberen Link klicken…
Verdeckte Kriege im Schatten des Völkerrechts.
Norman Paech. Ein Merkmal aller Kriege, an denen die USA und mit ihnen die Staaten der NATO derzeit beteiligt sind, ob in Afrika, im Mittleren Osten oder in Europa, ist ihre globale Bedeutung über den lokalenKriegsschauplatz hinaus. In ihnen manifestiert sich der Anspruch, die Welt nach den eigenen Interessen zu ordnen, als „regelbasierte Ordnung“ diplomatisch im Umlauf. Diese Ordnung unterscheidet sich nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich von der Völkerrechtsordnung, die seit ihrer Gründung in der UNO–Charta 1945 die alleinige Matrix der internationalen Ordnung sein sollte–auch für die NATO. Der Widerstand gegen diese alte Ordnung der Dominanz des Westens und ihren ungebrochenen Herrschaftsanspruchhat offengelegt, dass das koloniale Zeitalter auch nach den erfolgreichen Befreiungskämpfen noch nicht Vergangenheit ist. Die koloniale Herrschaft hat sich in eine postkoloniale Unterwerfung und Abhängigkeit der kleineren und schwächeren Staaten verwandelt. Wer sich dagegen auflehnt, wird mit dem ganzen Arsenal imperialer Gewalt vom Boykott über Embargo und Erpressung bis zum Krieg unter die alte Ordnung gezwungen, so in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien. Alle diese Kriege sind „Systemkriege“, um die „regelbasierte Ordnung“, sprich die Dominanz der alten Mächte, wiederherzustellen und durchzusetzen. Die Völkerrechtsordnung spielt dabei höchstens in den Pressekonferenzen eine Rolle. Der laute Ruf nach dem Völkerrecht und einem internationalen Tribunal, um Präsident Putin vor Gericht zu stellen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier nur um eine weitere Sanktion gegen Russland und seinen Präsidenten handelt, nicht aber eine grundsätzliche Rückkehr zur Völkerrechtsordnung. Prozesse gegen die möglichen Kriegsverbrecher Kissinger (Vietnam), Busch, Rumsfeld, Cheney (Irak) etc. stehen immer noch aus und haben keine Aussicht, je nachgeholt zu werden. In dem Doppelkrieg Russlands gegen die Ukraine und der NATO gegen Russland wird die Systemfrage sehr deutlich. Es geht nicht mehr um West gegen Ost in der ideologischen Auseinandersetzung zwischen Kapitalismus
und Sozialismus, sondern um West gegen Ost und Süd im Kampf um die ökonomische, politische und militärische Vorherrschaft. Der Krieg der NATO gegen Russland greift weit über den Kriegsschauplatz Ukraine hinaus, indem er die VR China schon als nächsten Gegner ins Visier nimmt und die großen Staaten des Südens, Indien, Südafrika und Brasilien, in sein Sanktionsregime gegen Russland einzubeziehen versucht–vergeblich bisher. Die Weigerung dieser und weiterer Staaten, die Front der NATO gegen Russland zu verstärken, ist ein deutliches Zeichen ihrer Absicht, sich aus der nachkolonialen Abhängigkeit von ihren alten Kolonialregimen zu befreien. Dies scheint mir der tiefere Sinn des neuen Begriffs von der Zeitenwende zu sein. Gegenstand der folgenden Untersuchung ist der Graubereich der Interventionen–noch nicht Krieg, aber doch folgenreiche Einmischung in die internen Angelegenheiten der Staaten–, mit denen vor allem die USA auf „friedlichem“ Wege (Regime Change) die Gefolgschaft der Staaten zu sichern versucht. Auch hier erweist sich, dass der juristische Rahmen, den sich die Staaten selbst gegeben haben, von den alten Mächten ohne Konsequenzen ignoriert werden kann. Selbst die internationalen Gerichtshöfe, die nicht ohne Grund ihren Sitz im Westen in den Niederlanden haben, sind gegenüber dem Einfluss der alten Mächte weitgehend machtlos.
Militärische Interventionen Im Oktober 2022 veröffentlichte der „Congressional Research Service“ (CRS), der den deutschen „Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages“ entspricht, eine Untersuchung mit dem Titel „Instances of Use of United States Armed Forces Abroad, 1789–2022“. Danach haben die Vereinigten Staaten in den Jahren zwischen dem Ende des Kalten Krieges 1991 und 2022 mindestens 251 militärische Interventionen in fast allen Staaten der Erde durchgeführt. Geht man auf das Jahr 1789 zurück, waren es nach den Erkenntnissen des Forschungsdienstes insgesamt 469. Bei allen diesen Interventionen haben die USA nur elfmal formell den Krieg erklärt. Zudem räumt der Dienst ein, dass er keine verdeckten militärischen Sondereinsätze oder CIA–Operationen berücksichtigt habe. In dem Bericht heißt es:
allem nach dem Zweiten Weltkrieg jeweils weit in den gegnerischen Staat vorverlagert, um evtl. das Kriegsziel–Regime Change–auch mit zivilen Mitteln der Intervention zu erreichen oder das Feld für einen militärischen Schlag zu bereiten. Maidan–für Demokratie und Freiheit Nehmen wir als jüngstes Beispiel den Putsch gegen den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch, der nach dem Massaker auf dem Maidan in Kiew am 20. Februar nach Russland floh. Allen neueren Erkenntnissen zufolge war dies ein vom Westen gesponserter Putsch, wie der ehemalige CIA–Offizier Ray Mc Govern auf YouTube schon am 21. September 2014 erklärte. Victoria Nuland habe im US–Außenministerium zusammen mit dem US–Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, die Fäden gezogen. Der US– Milliardär Soros, der sich den Regime Change durch die Unterstützung der Farbenrevolutionen von Belgrad über Tbilisi bis Kiew zur Aufgabe gemacht hatte, war schon lange vor dem Maidan in den Aufbau einer Protestbewegung involviert. Über die zahlreichen NGO in der Ukraine wie Open Society, Freedom House, National Endowment for Democracy oder die britische Westminster–Stiftung fließen enorme Gelder nach Kiew. Allein vom US–Außenministerium sind seit 2002 65 Mio. US–Dollar vor allem zur Unterstützung des US–Kandidaten Wiktor Juschtschenko ausgegeben worden. Die Abteilungsleiterin im Außenministerium, Victoria Nuland, spricht sogar von fünf Mrd. US–Dollar, die über die Stiftungen zur Förderung von Demokratie und Freiheit in die Ukraine geleitet wurden. Etliche Dollar sind dabei auch in den Aufbau der Protestbewegung PORA–„Es ist Zeit“ investiert worden, die dann bei denMaidan–Demonstrationen eine strategische Rolle spielen sollte. Mit den Geldern werden nicht nur Vortragsreisen, Ausbildungszirkel, Lehrgänge, Trainings, Schulungen und Seminare finanziert. Auch Material–und Sachspenden wie die Ausrüstung der Maidan–Demonstranten mit orangenen T–Shirts und über 1.500 Zelten kommen ins Land, um den aus allen Provinzen anreisenden Jugendlichen den Aufenthalt im winterlichen Kiew zu ermöglichen. Es sind immerhin anderthalb Millionen, die am 27. November 2014 den Maidan und die angrenzenden Straßen bevölkern–ein Spektakel, welches ohne die massive Unterstützung durch die zahlreichen Stiftungen nicht möglich gewesen wäre. In Belgrad wurden 1999, finanziert von der Freedom–
House–Stiftung, 5.000 Exemplare des Buches „From Dictatorship to Democracy. Ein methodisches Buch zur Befreiung“ des US–amerikanischen Professors Gene Sharp von der Bostoner Albert Einstein Institution verteilt.DER SPIEGELzitiert aus diesem Brevier für „198 Methoden der gewaltfreien Aktion“: „Meine Prinzipienhaben nichts mit Pazifismus zu tun. Sie basieren auf der Analyse der Macht in einer Diktatur und wie sie gebrochen werden kann– nämlich dadurch, dass die Bürger auf allen Ebenen der Staatsmacht und ihren Institutionen den Gehorsam verweigern.“ Mit derartigen Mitteln wird der Boden bereitet, auf dem dann die bunten Revolutionen den Sturz des alten Regimes und die Ersetzung durch ein neues, dem Westen ergebenes Regime vollstrecken sollen. Präsident Petro Poroschenko, der durch den Putsch an die Macht gekommen war, bedankte sich im September 2014 vor dem US–Kongress nicht ohne Grund für die „Solidarität der USA“. Regime Change in Syrien Das Modell dieser oft offenen, aber überwiegend geheimen Organisation des Umsturzes einer dem Westen missliebigen Regierungist die verdeckte Kriegsführung. Ihre Operationen provozieren einen Putsch wie 2014 in der Ukraine oder aber bürgerkriegsähnliche Spannungen und Kämpfe, die den Vorwand für militärische Interventionen bieten, wie in Libyen 2011 und Syrien 2014. So begründeten die USA ihren Bombenangriff auf Syrien vom 23. September mit Terrorbekämpfung, obwohl die Terroranschläge radikaler Dschihadisten der Muslimbrüder, der Al–Nusra–Front, von al–Qaida und dem Islamischen Staat im Irak und Syrien (ISIS) sowie der Freien Syrischen Armee (FSA) den Sturz der Regierung Assad in Damaskus zum Ziel hatten und keine Bedrohung für die USA darstellten. Präsident Obama hatte weder ein Mandat des UNO–Sicherheitsrats noch die Zustimmung von Präsident Assad, er hatte nur das gleiche Zielwie die Dschihadisten–den Sturz der Regierung Assad. Dass das offen völkerrechtswidrig war, hat aber die Intervention und die Präsenz US–amerikanischer Truppen in Syrien bis heute nicht berührt.
Doch der Krieg begann nicht erst mit dem Angriff im September 2014. Schon weit vor dem März 2011, als in der Stadt Dara dicht an der Grenze zu Jordanien die ersten großen Demonstrationen stattfanden, waren geheime Operationen im Gange. Wie der US–amerikanische Journalist Seymour Hersh im April 2016 aufdeckte, gabes bereits 2006 in der US– amerikanischen Administration Überlegungen und Pläne, wie man die Regierung in Damaskus destabilisieren und religiöse Spannungen anheizen könne. Er berichtete von einer Regierungsdepesche aus dem Jahr 2006, die belegte, „dass dieUS–Botschaft fünf Millionen Dollar für die Finanzierung von Dissidenten ausgegeben hatte“. Eine Untersuchung von Mitarbeitern des US–Kongresses datiert den Beginn der Umsturzpläne sogar in das Jahr 2003, unmittelbar nach dem Irak–Krieg, als die US– Administration die Regierung in Damaskus als zu links einschätzte. Diesmal waren aber nicht die USA und ihre europäischen Verbündeten die Hauptsponsoren, sondern vor allem Katar und Saudi–Arabien versuchten, mit Geld und Waffenlieferungen den Sturz der Regierungzu beschleunigen. Die Kollaboration der USA mit den Golfstaaten ergab allerdings nicht eine Arbeitsteilung der Art, dass die einen Geld, die anderen Waffen lieferten. Schon zu Beginn der Zusammenstöße in Dara kamen in Libyen erbeutete Waffen mit unmarkierten NATO–Kriegsflugzeugen über die Türkei nach Syrien in die Hände der Dschihadisten.„Französische und britische Spezialeinheiten trainieren die syrischen Rebellen vor Ort, die CIA und amerikanische Spezialeinheiten beliefern die Rebellen mit Aufklärungsdaten, damit sie starken Verbänden der syrischen Armee ausweichen können“, berichtete der ehemalige CIA–Analytiker Philip Girardi im Dezember 2011. Katar beteiligte sich an dem verdeckten Krieg neben Geld und Waffen mit einer besonders wertvollen Waffe: Der in Katar stationierte Fernsehsender Al Jazeera befeuerte die Auseinandersetzungen von außen. Die USA haben sich immer damit zu rechtfertigen versucht, dass sie nur die „moderaten“ Rebellen unterstützen. Doch in einem Bericht der „Defence Intelligent Agency“ (DIA) vom 12. August 2012 heißt es unmissverständlich: „Die Salafisten, die Muslimbruderschaft und al–Qaida im Irak sind die treibenden Kräfte des Aufstands in Syrien… Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition, während Russland, China und Iran das Regime unterstützen.“
Man scheut offensichtlich keinen Widerspruch. Unter dem Zeichen der Terrorbekämpfung arbeiten die USA und NATO mit den Dschihadisten zusammen, die vor keinem Terror zurückschrecken, weil sie das gleiche Ziel verfolgen, Assad zu stürzen. Sie fördern den Terror, den sie zu bekämpfen vorgeben. Libyen–bis zur Ermordung Gaddafis Nehmen wir als letztes Beispiel Libyen. Schon lange vor der Bombardierung Libyens durch die NATO, die am 19. März 2011 begann, hatten die USA versucht, den unbequemen Muammar Gaddafi zu stürzen. Seit den frühen achtziger Jahren wurde er von den meinungsbildenden Medien in den USA und Großbritannien als „Terroristen–Warlord“ dämonisiert. Im Juli 1981 wurde der Presse ein Plan der CIA durchgestochen, Gaddafi zu stürzen und möglicherweise zu töten. 1982 konnte abseits der großen Medien Hissène Habré mit der Unterstützung der CIA und israelischer Truppen die Regierung von Goukouni Wedeye stürzen. Human Rights Watch berichtete: „Unter Präsident Reagan haben die USA durch geheime paramilitärische Unterstützung der CIA, geholfen, Habré zu installieren, um, so Außenminister Alexander Haig, ‚Gaddafi eine blutige Nase‘ zu verpassen“. Ein Report von Amnesty International berichtete über massive militärische und finanzielle Unterstützung für Habré durch den Kongress. Sie galt dem geheimen Krieg gegen Gaddafi. Doch die USA kamen nicht an ihr Ziel. Verschiedene weitere Pläne scheiterten. Schließlich bombardierte die US–amerikanische Luftwaffe am 14./15. April 1986 zum ersten Mal die Hauptstadt Tripolis und Bengasi. Der Angriff war illegal, nur die Briten unterstützten dieUSA. Präsident Ronald Reagan begründete ihn damals als Reaktion auf den Anschlag in der Berliner Diskothek La Belle, konnte aber nur wenige überzeugen, es handele sich um einen Akt der Verteidigung gem. Art. 51 UN–Charta. Auch dieser Plan scheiterte und die militärischen Aktionen gegen Libyen verschwanden aus den Medien. Doch die CIA arbeitete weiter an ihren Plänen und baute eine geheime Armee auf, die aus zahlreichen Libyern bestand, die in den achtziger Jahren in die Grenzkämpfe mit dem Tschad verstricktwaren. Als
das Gerücht aufkam, Gaddafi ließe chemische Waffen entwickeln, engagierten sich auch die Briten und gründeten mit dem Geheimdienst MI6 verschiedene Oppositionsgruppen in Libyen, die sie finanzierten, darunter auch die „Libysche Nationalbewegung“ in London. Doch alle weiteren Anschläge blieben ohne Erfolg. Die großen Ölreserven und die für die Europäer wichtige Funktion Libyens, die afrikanischen Flüchtlinge vor ihrem Weg über das Mittelmehr nach Europa zu stoppen, konnten die USA und ihre NATO–Verbündeten nur vorübergehend mit Gaddafi versöhnen. Dieser hingegen machte aus seiner anti–imperialistischen Haltung keinen Hehl. Als er in der UNO–Generalversammlung 2009 forderte, dass die Schuldigen des Irakkrieges vor Gericht gestellt werden müssten–„Es war ein Massaker, ein Genozid: Mehr als 1,45 Millionen Menschen kamen ums Leben. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Irak–Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) kommt, und wir wollen die Verantwortlichen dieser Massenmorde vor Gerichtsehen“–, lebten die alten Pläne des Umsturzes wieder auf. Sie sollten sich im Februar 2011 in den Wirren des Arabischen Frühlings verwirklichen lassen, bei denen die von MI6 und CIA aufgebauten Oppositionsgruppen zweifellos eine wichtige Rolle spielten.Am 19. März 2011 begannen Frankreich und USA mit der Bombardierung Libyens. Zwei Tage zuvor hatte der UN–Sicherheitsrat mit seiner Resolution 1973 beschlossen, eine Flugverbotszone über Libyen zu errichten, um die Zivilbevölkerung vor Angriffen der libyschen Luftwaffe zu schützen. Im Mai waren dieser Auftrag und auch das Mandat des Sicherheitsrats erfüllt, die NATO–Verbände setzten ihre Angriffe jedoch fort, bis Gaddafi am 20. Oktober 2011 getötet wurde. Das war völkerrechtswidrig, da die Angriffe nun ohneMandat fortgesetzt wurden. Der Sicherheitsrat schwieg dazu allerdings, was angesichts seiner Zusammensetzung nicht verwundern konnte. Auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sah keine Veranlassung zu einer Untersuchung. Allerdings hatte er bereits am 3. März 2011 auf Initiative der USA eine offizielle Untersuchung gegen Gaddafi wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei seinem Kampf gegen die Rebellen aufgenommen. Der verdeckte Krieg im Völkerrecht
Wenden wir uns der juristischen Bewertung dieser oftmals geheimen Wühlarbeit, Machenschaften und Interventionen, die unter dem Begriff „verdeckter Krieg“ zusammengefasst werden können, zu, so müssen wir zunächst darauf hinweisen, dass das internationale Recht den Begriff „Krieg“ nicht kennt. Dort wird der Krieg enger und präziser als „bewaffneter Konflikt“ definiert. Das bedeutet, dass für den Wirtschaftskrieg oder den Cyberkrieg die Regeln des humanitären Völkerrechts, wie sie in den Haager und Genfer Konventionen sowie weiteren Konventionen und Pakten kodifiziert sind, nicht angewendet werden können. Für diese nichtbewaffneten Konflikte müssen andere Regeln gefunden und vereinbart werden. Ähnlich strikte und verbindliche Regeln wie im humanitären Völkerrecht finden wir hier nicht.Das hat zur Folge, dass die Grenzen zur Illegalität bei diesen „nichtbewaffneten „Konflikten“ weit nach hinten verschoben sind. Die UNO–Charta listet in Art. 33 zwar verschiedene Alternativen auf, die den Streitparteien eine friedliche Beilegung ihrer Streitigkeiten ermöglichen sollen, „durch Verhandlung, Untersuchung, Vermittlung, Vergleich, Schiedsspruch, gerichtliche Entscheidung, Inanspruchnahme regionaler Einrichtungen oder Abmachungen“, stellt aber keine Verfahren zur Verfügung, mit denen diese „friedliche Beilegung“ erzwungen werden könnte. Auch die immer wiederkehrenden Versuche, diese unterschiedlichen Formen des „verdeckten Krieges“ rechtlich einzuhegen, sind bisher nicht über Resolutionen der UN–Generalversammlung hinausgekommen. Ausgangspunkt aller juristischen Überlegungen ist der Art. 2 Z. 7 UN– Charta, der den Vereinten Nationen „das Eingreifen in Angelegenheiten, die ihrem Wesen nach zur inneren Zuständigkeit eines Staates gehören“, verbietet. Da dieses nur für die Organisation der Vereinten Nationen ausgesprochene Verbot aber von so grundlegender Bedeutung für den Schutz der staatlichen Unabhängigkeit und Souveränität ist, wird es heute auch allgemein als zwingendes Verbot zwischen den Staaten angesehen. Zu näheren Angaben über die Konkretisierung, Umsetzung oder Folgen dieses Verbots schweigt das Grundgesetz. Die Charta der Organisation der afrikanischen Staaten (OAS) von 1963 ist aus den eigenen historischen Erfahrungen konkreter. In Art. 3 benennt sie u.a. drei Prinzipien, die verbindlich sind:
„1. Die souveräne Gleichheit aller Staaten, 2. Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten, 3. Respekt vor der Souveränität und territorialen Integrität jeden Staates und für sein unveräußerliches Recht auf eine unabhängige Existenz, 4.Friedliche Beilegung von Streitigkeiten durch Verhandlung, Mediation, Versöhnung und Schiedsbarkeit.“ Doch auch diese Prinzipien lassen noch genügend Raum für unterschiedlichste Interpretationen, sodass sich noch im gleichen Jahr ein Ausschuss der Generalversammlung an die Arbeit machte, sieben maßgebliche „Völkerrechtsgrundsätze für freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen den Staaten“ zu entwickeln. Das Interventionsverbot spielte dabei eine wichtige Rolle und wurde schon 1965 in einer Resolution der Generalversammlung „Declaration of the Inadmissibility of Intervention in the Domestic Affairs of States and the Protection of their Independence and Sovereignty“ als Resolution 2131 (XX) einstimmig beschlossen. Fünf Jahre später wurde das Verbot weitgehend wörtlich in die berühmte „Friendly Relations“ Resolution 2625 (XXV) übernommen und im Konsens abgestimmt. Zum Interventions–und Einmischungsverbot heißt es dort: „Kein Staat und keine Staatengruppe hat das Recht, sich aus irgendeinem Grundunmittelbar oder mittelbar in die inneren und äußeren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Folglich sind bewaffnete Intervention und alle anderen Formen der Einmischung oder Drohversuche gegen die Rechtspersönlichkeit eines Staates oder gegen seine politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bestandteile völkerrechtswidrig. Kein Staat darf wirtschaftliche, politische oder irgendwelche anderen Maßnahmen anwenden oder zu seiner Anwendung ermutigen, um gegen einen anderen Staat Zwang in der Absicht anzuwenden, von ihm einen Verzicht auf die Ausübung souveräner Rechte zu erreichen oder von ihm Vorteile irgendwelcher Art zu erlangen. Desgleichen darf kein Staat subversive, terroristische oder bewaffnete Aktivitäten organisieren, unterstützen, schüren, finanzieren, anreizen oder dulden, die auf den gewaltsamen Sturz des Regimes eines anderen Staates gerichtet sind, oder in bürgerkriegsartige Kämpfe in einem anderen Staat eingreifen.“
Obwohl die Generalversammlung immer wieder in ihren Resolutionen Bezug auf die Prinzipiendeklaration genommen hat, ist sie nicht zu Völkergewohnheitsrecht erstarkt. Allerdings hat der Internationale Gerichtshof (IGH) in seinem berühmten Urteil vom 27. Juni 1986 im Streit zwischen Nicaragua und den USA einzelne Teile des Interventionsverbots als rechtsverbindlich anerkannt. Es heißt in seinem Urteil u.a.: „A prohibited intervention must… be one bearing matters in which each State is permitted, by the principle of State sovereignty, to decide freely. One of these is the choice of political, economic, social and cultural system, and the formulation of foreign policy. Intervention is wrongful when it uses methods of coercion in regard to such choices, which must remain free ones. The element of coercion, which defines, and indeed forms the very essence of, prohibited intervention, is particularly obvious in the case of an intervention which uses force, either in the form of military action, or in the indirect form of support for subversive or terrorist armed activities within other States.“ „Eine verbotene Intervention muss… Angelegenheiten betreffen, über die jeder Staat nach dem Grundsatz der staatlichen Souveränität frei entscheiden kann. Dazu gehören die Wahl des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Systems und die Formulierung der Außenpolitik. Eine Intervention ist unrechtmäßig, wenn sie bei diesen Entscheidungen, die frei bleiben müssen, Zwangsmittel anwendet. Das Element der Nötigung, das die verbotene Intervention definiert und sogar ihr Wesen ausmacht, ist besonders offensichtlich im Falle einer Intervention, die Gewalt anwendet, entweder in Form einer militärischen Aktion oder in indirekter Form der Unterstützung von subversiven oder terroristischen bewaffneten Aktivitäten in anderen Staaten.“ Deutlichere Kriterien für die Unterscheidung von verbotener und erlaubter Intervention liefert die Resolution nicht. Sie sind bisher auch nicht in der Staatenpraxis und der Wissenschaft entwickelt worden. Anhaltspunkte lassen sich allerdings dem Nicaragua–Urteil des IGH aus dem Jahr 1986 entnehmen. In diesem Urteil hat er die Unterstützung der in Nicaragua operierenden Contras durch die USA ausdrücklich als rechtswidrig qualifiziert. Selbst die Verteilung eines Handbuchs „Psychological
Operations in Guerilla Warfare“ an die Contras hat das Gericht als Verletzung allgemeiner Prinzipien der Menschenrechte und Verstoß gegen das Interventionsverbot gewertet. Die Unterstützung von Terroristen muss also nicht immer nur militärische Mittel anwenden, um verboten zu sein. Das gilt auch für den heute häufig angewandten Druck auf Staaten zur Einhaltung elementarer Menschenrechte. Er ist nur insoweit unbedenklich, als er nicht zum Mittel des Zwangs greift. So werden politische und wirtschaftliche Sanktionen, Embargos und Boykotts im Allgemeinen nicht vom Interventionsverbot erfasst–wie etwa die Sanktionen gegen die VR China und Russland. Sobald sie jedoch einen bestimmten Grad der Intensität überschreiten, sei es der Dauer oder der Auswirkung auf die Bevölkerung, wie die viele Opfer verursachenden Sanktionen gegen Irak oder Iran oder das jetzt über 60 Jahre dauernde Embargo der USA gegen Kuba, verstoßen sie gegen das Verbot. Die jährlichen Abstimmungen in der UNO gegen den Wirtschaftsboykott der USA sind nicht nur Ausdruck politischer Ablehnung der US–Praxis, sondern reflektieren ihre Qualifizierung als rechtswidrig. Insbesondere sind Sanktionen zudem verboten, wenn sie einen Regime Change zum Ziel haben. Mangels eindeutiger Kriterien bleibt die Grenzziehung zwischen verboten und erlaubt in jedem Einzelfall problematisch und unsicher. So hat die US– Außenministerin Albright die Auswirkungen des US–Boykotts gegen den Irak anders eingeschätzt als die beiden Sonderbeauftragten des UN– Generalsekretärs, Dennis Halliday und Hans von Sponeck, die ihren Posten quittierten, da sie die Auswirkungen des Boykotts für unverhältnismäßig und menschenrechtswidrig hielten. Auch die jahrelange Einmischung der USA in die politische Entwicklung der Ukraine unter der Überschrift „Förderung der Demokratie“ mit dem zielgerichteten Aufbau einer Opposition und aufwendigen finanziellen und ideologischen Mitteln wird wahrscheinlich in der Regierung des schließlich gestürzten Janukowitsch anders beurteilt worden sein als jetzt in der Regierung Selenski. Sieht man in den Aktivitäten die Vorbereitung eines Regime Change, was nicht weit hergeholt ist, so muss man sie als rechtswidrige Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen Staates einordnen, so willkommen das Ergebnis den Nachfolgern der gestürzten Regierung auch ist.
Fassen wir zusammen, so haben sich die Einmischungen in die politischen Prozesse in allen drei Ländern, Ukraine, Syrien und Libyen, so unterschiedlich sie waren, als schwere, rechtswidrige Interventionen in die Angelegenheiten eines fremden Staates erwiesen. Es gab keinerlei Rechtfertigung für die Aktivitäten, es sei denn, man lässt die nachträgliche Akzeptanz der US–amerikanischen Aktivitäten durch die Regierung Selenski als Rechtfertigung gelten. Die UN–Sonderberichterstatterin über die negativen Folgen einseitigen Zwanges auf den Genuss von Menschenrechten, Alena Douhan, bekannte in einem Interview, „dass ungefähr 98 % der heute beschlossenen Sanktionen die internationalen Pflichten der Staaten verletzen…“ und betonte, „dass diese Sanktionen, die zumeist im Namen der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit verhängt werden, genau diese Grundsätze, Werte und Normen untergraben“. Sie hätte „eindeutig festgestellt“, dass die Anwendung einseitiger Zwangsmaßnahmen „das Recht auf Entwicklung beeinträchtigt und die Erreichung jedes einzelnen nachhaltigen Entwicklungsziels verhindert“. (Xinhua v. 13. Juli 2021,english.news.cn/20220713/860cccd348a24f3e975945980b8476db/c. html, vgl. auch Marc Bossuet,The Adverse consequences of economic sanctions on the enjoyment of human rights, Economic and Social Council, E/CN.4/Sub.2/2000/33, 21.6.2000) Doch bedeutet die Feststellung der Rechtswidrigkeit noch nicht die Tauglichkeit für eine Verfolgung mit juristischen Mitteln vor einem internationalen Gericht. Denn diese folgen nicht nur juristischen, sondern vor allem politischen Überlegungen. SeitMärz 2022 hat der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, in der Ukraine Voruntersuchungen zur Beweissicherung von möglichen, vornehmlich russischen Kriegsverbrechen eingeleitet. In Koblenz hat es einen viel beachteten Prozess gegenzwei Syrer wegen Staatsfolter gegeben, der mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft bzw. viereinhalb Jahre Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit endete. Ermittlungen, die der IStGH im März 2021 wegen möglicher Kriegsverbrechen im Israel–Palästina– Konflikt aufgenommen hat, sind hingegen ohne Fortschritte geblieben. Die gegenwärtigen Machtverhältnisse hinter dem IStGH, der kein Gericht der UNO ist, sondern unabhängig auf einem internationalen Vertrag mit 124 Staaten beruht, sind derart, dass bisher kein Verfahren gegen einen
Mitgliedstaat der NATO eröffnet wurde. In den Fällen, in denen die ehemalige Chefanklägerin Fatou Bensouda es versuchte–gegen USA und Großbritannien wegen Foltervorwürfen in Afghanistan und Irak–, wurden die Untersuchungennach zum Teil massiven Interventionen eingestellt. So bleibt das Resümee zwiespältig. Die Staaten haben zwar nach Jahrzehnte dauernden Verhandlungen einen Kodex internationaler Strafnormen im Römischen Statut von 1998 entwickelt, der auf der Höhe der Zeitdem aktuellen Unrechts–und Strafbewusstsein entspricht, um Straftäter bis in die höchsten staatlichen Ämter zur Verantwortung zu ziehen. Die alte koloniale Spaltung der Welt wirkt jedoch auch nach der formalen Befreiung von der kolonialen Gewalt fort. Sowerden sich die alten Kolonialmächte den von ihnen selbst entwickelten Strafnormen weiter entziehen können. Daher wird auch die Subsumierung der verschiedensten Formen verdeckter Kriege unter die Strafnormen des Römischen Statuts derzeit kein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof ermöglichen. Ich danke Joachim Guillard für wertvolle Hinweise.
Dear friends of peace! War has been raging in Europe again for over a year. We, the peace movement, condemn this war. The attack on an independent country, Russia’sinvasion of Ukraine and the continuing violence cannot be justified by anything. The war violates theright to life of the now more than 200,000 people killed and theright to physical integrity of thecountless injured. And it violates international law. Like every war, it brings nothing but destructionand suffering. That is why we demand an immediate ceasefire. First of all from President Putin, but also from Selenskyj, Biden and all the others who bear responsibility here: Stop this war ! War is a crime. In wars, people die, people are maimed and traumatised for the rest of their lives.And: In every war, in every conflict, there are at least two sides. The fact thatthe West, that NATO and thus also the German government are partly responsible forthis war is usually quickly dismissed as Putin propaganda. But the refusal to see our own shares inthe unfolding catastrophe robs us of the chance to make an important contribution to ending it. Therefore, I will try to demonstrate this to you by naming 4 phases in which the West’s behaviourescalated the conflict instead of de–escalating it: 1. the West was as much responsible for the Cold War and the development of the East–Westconflict as the then Soviet Union together with its allies. The nuclear armament pursued by bothsides, the nuclear deterrence with the threat of comprehensive mutual annihilation that continuesto this day, constitutes per se a jointly committed crime against the whole of humanity. 2. After the end of the Cold War and the dissolution of the Warsaw Pact, the West failed to integrateRussia into a common concept of security in Europe (and beyond) and thus to realise the “dream ofthe common house of Europe” formulated by Helmut Kohl and Mikhail Gorbachev. In this process,NATO should have dissolved itself instead of redefining itself as the military guarantor of the West’seconomic supremacy. The promise made to Gorbachev not to extend NATO to the territory of thedissolved Warsaw Pact, which is not doubted by historians, was broken and 10 former Warsaw Pactcountries are now members of NATO. Russia has repeatedly made it clear that it sees this as a threat to its security interests and has drawn a redline in particular with regard to Ukraine’s NATOmembership. It is not gladly heard by many, but it is an undeniable fact: 3. in the development of the current conflict situation, the security interests clearly formulated byRussia were ignored. On the part of the West, massive influence was exerted on the direction ofUkrainian policy: Towards association with the EU and the discussion of NATO membership. Ukrainefailed to take the steps agreed in the Minsk Agreement to bring peace to the region, while Russiacontinued to support the separatists in the eastern provinces of Donetsk and Luhansk.Draft agreements with NATO and the US presented by Russia in December 2021 were simply ignoredby the West instead of being seen as an entry point for serious negotiations on a new security orderand preventing the conflict from escalating further. 4. Since the Russian invasion of Ukraine on 24 February 2022, the West has actively contributed tothe escalation of the war and has undermined opportunities for a peacefulsettlement.
a. In March 2022, after negotiations between Russia and Ukraine, mediated by Turkey, were well advanced and an agreement was emerging that included far–reaching security guarantees for Russia and, in return, the withdrawal of Russian troops behind the pre–24 February borders, the agreementwas scuttled by Western governments. Instead, there are demands that Russia must now bedefeated and “ruined”. b. Extensive arms deliveries by the West to Ukraine, which had already begun before the Russianinvasion and now include heavy weapons such as modern battle tanks, contribute to the furtherescalation of the war. Meanwhile, the delivery of fighter jets and warships is also being discussed. c. Drastic economic sanctions against Russia are also helpingto destabilise the country and escalatethe conflict.Yes, the belligerent incursion of the Russian army into Ukraine is a crime. But the current policy–onboth sides–threatens to escalate this war into a dimension that we all do not want to imagine.And: the arms deliveries make us a party to the war. Step by step, we are being drawn into this war. More and more red lines are being crossed on both sides, the spiral is being driven further andfurther.There is a real danger today, in my estimation morethan ever before, that we are stumbling into anuclear war. My organisation, the IPPNW, published a study last year. Scientifically proven byclimatologists and nutrition experts. It’s on the internet, you can download it and read it. Searchword: “nuclear famine”. Even the limited use of a relatively small number of 100 nuclear weapons would lead to significantclimate change worldwide, resulting in famine and misery across the globe and exposing up to 2billion people to hunger.But we cannot assume thatnuclear war will remain limited. NATO’s military planning gamesregularly lead to total escalation and mutual annihilation when nuclear weapons are used. The humanitarian consequences and risks of such all–out nuclear war are catastrophic. While even asingle bomb can completely destroy the city centre of a large city like Stuttgart, with hundreds ofthousands of dead and just as many injured and contaminated, the use of numerous nuclear bombs,as would be expected in a nuclear war, would destroy the infrastructure, i.e. the electricity andwater supply, the traffic routes, the food supply and the health system over a large area. Therewould be no chance of restoring this in a sufficiently short time. There would be many millions ofdead. All the injured could not be cared for. Because of the number of casualties, the nature of theinjuries and the extensive destruction that can be expected, we doctors must make one thing veryclear: In the event of a nuclear war, there will be no medical aid. We will not beable to help you–orourselves! Worse still, both sides now possess over 6000 deployable nuclear weapons. The use of some ofthese would lead to catastrophic climate change with sustained temperature drops of over 10°C.Then human life in large parts ofthe planet would no longer be possible, nuclear winter.Then the millions of immediate victims will be the lucky ones, then the living will envy the dead.To put it in the words of one of my US colleagues: If we are lucky enough to survive the presentcrisis, we must see it as a global near–death experience and respond accordingly.With the NEW START agreement, the last remaining effective treaty to limit nuclear arsenals wassuspended in February. The only treaties under international law that point the way out of the spiral of escalation are the Nuclear Non-Proliferation Treaty, which the nuclear-weapon states repeatedly violate, and the Nuclear Banning Treaty, of which they want no part. We are currently observing a phenomenon of habituation.News that would have aroused horrorjust over a year ago is now taken as a marginal note. And so–called experts play down the danger ofnuclear war. The probability is low, they say. What probability of nuclear would be acceptable, I ask? And don’t be fooled: Talk of civil defence and nuclear shelters is dangerous nonsense. There is noprotection in nuclear war.We are led to believe that nuclear deterrence has secured peace for the past 50 years. The truth isthat since the Cold War, and unchanged to thisday, humanity has lived with the constant threat ofbeing destroyed by nuclear war. Some 2000 nuclear warheads are kept on permanent standby,ready to be launched within minutes–this does not make us safer, but more insecure. And the logicof deterrence, to be able to devastate the enemy even after an attack, itself became the motor ofnuclear armament and was partly responsible for the build–up of an insane arsenal with whichhumanity can destroy itself many times over. The principle of deterrence is, contrary to what we are told, extremely unstable. The fact that we arestill alive today, as one US general and commander–in–chief of the US Strategic Command, that weare still alive today is due not only to military discipline but also to sheer luck and,in his opinion,divine providence. But not to the peacefulness and foresight of our governments.We therefore firmly reject nuclear deterrence as the foundation of international security. It is afragile concept, ultimately leading to disaster. Anyone wanting to sell us deterrence as a garantor ofpeace has either not understood the concept or they are cynical haremers who are playing anirresponsible game with our lives. The threat to use nuclear weapons, as recently heard from Russia, and of course the transfer ofnuclear weapons from Russia to Belarus, are unacceptable. And of course it was unacceptable whenPresident Putin raised the nuclear alert just a few days afterthe invasion of Ukraine. But what we must not forget: 1. the mutual threat is part of the logic of nuclear deterrence 2. the threat to use nuclear weapons therefore comes from both sides 3. both sides reserve the option of first use of nuclear weapons 4. in a nuclear war there are no winners, only losers. I consider the following to be decisive 5. a nuclear power cannot be defeated in a war that affects its national security (and that is the casehere from Russia’s point of view). 6. if Russia is cornered militarily, politically or economically, the probability of a nuclear warincreases.And what is often overlooked: 7. if it comes to it, then the question of who is responsible and who started it will no longer berelevant. That is the dimension we are dealing with here, we all have to realise. And then it will dawn on us:Wherever we stand in this situation. Whether Ukrainians or Russians, whether we come fromWestern Europe or the USA. Whether we are pacifists or soldiers: What matters now is whether wesurvive this together–or not. That is why I am calling from here to Berlin. Mr Scholz, Mrs Baerbock: think about steps that will leadto de–escalation. Consider whether the words you speak, the weapons you supply, whether thedestabilisation of Russia withthe help of economic sanctions, whether all this does not contribute tofuelling this war. And whether it is not possible to build bridges instead of tearing them all down. Make sure that there is an immediate ceasefire. And that comprehensive peace negotiations arestarted. And finally sign the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons! The abolition of nuclear weaponsis the only secure way to permanently prevent the nuclear inferno. The war raging in Ukraine seems to have abruptly changed our world.And nightmares we have longwarned about are threatening to come true. And to prevent this, dear friends of pe ace, we need courageous people. Who recognise: There isonly one sensible solution in this situation. Negotiations are necessary and together we mustconsider how to find a way out of this spiral of escalation that threatens us all. Of course, there willalways be conflicts in this world. We are not dreamers who fantasise about paradise. But that isprecisely why we have to ask ourselves how we wantto deal with these conflicts. My hope is that,faced with the threat of our own annihilation, we will learn to do so by peaceful means. The warmongers on both sides must make room for those who are able to imagine and then shape adifferent world. A worldthat sees security not in fighting each other, but in the common effort of allpeople. And in which the problems that threaten us together are tackled: climate change and thedestruction of our environment, the fair distribution of the resources we have left, and thefundamental question of how we as human beings can exist on this planet in the long term and inpeace.
I–and I hope we all–refuse to believe that this should not be possible, dear friends of peace.
Dr Helmut Lohrer is a general practitioner and International Councilor of IPPNW Germany.
8.5.45 Heute ist der Tag des Sieges der Antifaschistischen Koalition. Es folgte die Gründung der UNO und die Charta der Vereinten Nationen und das Manifest von Russell und Einstein: keine Kriege mehr! Die dunkle Zeit der Menschheit sollte vorbei sein. Im Moment haben wir wieder einen Rückfall, aber für unser Glück müssen wir es schaffen.
Gemeinsame Sicherheit, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit, Europäisches Haus, Doughnut-Ökonomie, Multilateralismus statt Unilateralimus der USA. Bekräftigt zum Beispiel in Konferenzen wie dem Weltkongress der IPPNW in Mombasa/Kenia. Das ist das gemeinsame Ziel der Friedenswilligen, die das persönliche und gleichzeitig das allgemeine Glück suchen. Dafür brauchen wir richtige Narrative, zum Beispiel dieses. Lasst uns danach streben.
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Die humanitären Auswirkungen von Atomwaffen (HINW)
Die Welt muss dringend den Kurs ändern
5. Mai 2023
Stichworte: Afrika, bewaffnete Gewalt, katastrophale humanitäre Folgen, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, IPPNW, Atomwaffenverbot, Atomkrieg, Atomwaffen, Ukrainekrieg
von IPPNW
[Die folgende Kongresserklärung wurde zum Abschluss des 23. Weltkongresses der IPPNW in Mombasa, Kenia, vom 27. bis 29. April 2023 veröffentlicht.]
Es ist uns eine Ehre, in Mombasa, einer der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Afrikas, zum ersten IPPNW-Weltkongress auf dem Kontinent zusammenzukommen. Als Ärzte, Medizinstudenten und Angehörige der Gesundheitsberufe, die sich für eine friedliche und gerechte Welt für alle Menschen einsetzen, sind wir solidarisch mit unseren afrikanischen Kollegen, die an vielen Fronten dafür kämpfen, die Spuren des Kolonialismus zu beseitigen, die postkolonialen Konflikte zu beenden, die Millionen von Menschen das Leben gekostet haben, und für eine Politik einzutreten, die nicht nur in Afrika, sondern in der ganzen Welt für Gesundheit, echte Sicherheit, wirtschaftliche Gerechtigkeit und Umweltschutz sorgt.
Wir bedauern daher, dass die hart erkämpften Fortschritte des Sudan auf dem Weg zu einer demokratisch gewählten Regierung in den letzten Wochen einen gewaltsamen Rückschlag erlitten haben, und wir schließen uns den Aufrufen der Afrikanischen Union und anderer führender Politiker der Welt zu einem sofortigen Waffenstillstand an. Gleichzeitig ist der Sudan nur in einen von Dutzenden bewaffneten Konflikten in Afrika verwickelt, die beendet werden müssen. Die Zivilgesellschaft spielt hier wie auch anderswo eine wichtige friedensstiftende Rolle, und wir beglückwünschen unsere Mitgliedsorganisationen in der Region für ihre langjährigen Bemühungen um Frieden und Sicherheit in Subsahara-Afrika. Wir danken ihnen auch für die Ausrichtung dieses 23. Weltkongresses und für die beständige Führung, die sie der Föderation als Ganzes zukommen lassen.
Die Welt im Jahr 2023 steht vor zwei existenziellen Krisen, die durch eine globale Pandemie, von der wir uns noch nicht vollständig erholt haben, noch verschärft wurden. Die Gefahr eines Atomkriegs ist größer als je zuvor seit dem Kalten Krieg in den 1980er Jahren. Und die immer schneller voranschreitende Klimakrise, die durch die Kohlenstoffemissionen aus der unkontrollierten Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht wird, bringt extreme Wetterereignisse, Störungen in der Landwirtschaft, steigende Meeresspiegel und durch Vektoren übertragene Krankheiten in jeden Winkel der Welt. Die Millionen von Todesfällen durch Covid-19 in einem Zeitraum von zwei Jahren haben nicht nur die Fähigkeit der Weltöffentlichkeit auf die Probe gestellt, mit einem gesundheitlichen Notfall dieses Ausmaßes umzugehen, sondern auch die Ungleichheiten beim Zugang zu Impfstoffen und Behandlungen zwischen reichen und armen Ländern aufgezeigt. Es überrascht nicht, dass die Weltuntergangsuhr vor kurzem auf 90 Sekunden vor Mitternacht zurückgestellt wurde, so nah wie noch nie an einer globalen Katastrophe.
Die tragische Invasion in der Ukraine, die nun schon das zweite Jahr andauert, hat bereits Zehntausende ukrainische und russische Opfer gefordert, darunter mehr als 20 000 zivile Opfer und mehrere Millionen Menschen, die in andere Länder vertrieben wurden. Die Auswirkungen des Krieges auf die Weltwirtschaft, einschließlich der Verknappung von Getreide und anderen Rohstoffen, sind enorm. Angesichts von mehr als 110 laufenden bewaffneten Konflikten in der Welt – mehr als 35 davon allein in Afrika südlich der Sahara – werden wir erneut daran erinnert, dass Krieg und Militäraktionen immer und überall auf der Welt inakzeptabel sind.
Doch die schwerwiegenden globalen Auswirkungen eines Krieges, der Russland in einen direkten Konflikt mit den USA und der NATO gebracht hatte, verblassen im Vergleich zu dem, was passieren würde, wenn die nukleare Schwelle überschritten würde. Ob in der Ukraine, in Südasien, wo zwei nuklear bewaffnete Staaten, Indien und Pakistan, vier echte Kriege geführt haben, oder bei jedem anderen Konflikt – der Einsatz von Atomwaffen würde, aus welchem Grund auch immer, mit ziemlicher Sicherheit zu einem Atomkrieg eskalieren, der Millionen von Menschen das Leben kosten würde. Ein Atomkrieg würde eine Klimakatastrophe anderer Art auslösen und die Welt in einen nuklearen Winter stürzen, in dem die Landwirtschaft zusammenbrechen würde und Milliarden von Menschen vom Hungertod bedroht wären, unabhängig davon, wie weit sie von dem eigentlichen Konflikt entfernt wären.
Während ein Atomkrieg die akuteste Gefahr für das von uns benötigte stabile und freundliche Klima darstellt, führt die durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe verursachte globale Erwärmung bereits zu einer zunehmenden Nahrungsmittel- und Wasserversorgungsunsicherheit und hat die Bewohnbarkeit ganzer Regionen durch den Anstieg des Meeresspiegels, extreme Wetterereignisse, Dürre, Überschwemmungen und unerträgliche Hitze beeinträchtigt. Diese raschen Veränderungen des Weltklimas führen zur Vertreibung der Bevölkerung und zur Zunahme bewaffneter Konflikte. Jeder dieser Konflikte, an dem ein atomar bewaffneter Staat beteiligt ist, erhöht das Risiko eines Atomkriegs und schließt damit den Kreis der existenziellen Bedrohungen.
Die Atomenergie, die eine teure, ineffektive und gefährliche Antwort auf die Klimakrise darstellt, treibt auch die Verbreitung von Atomwaffen voran, da sie die Menge an spaltbarem Material und die Kapazität zu dessen Herstellung unaufhaltsam erhöht. Wie wir in der Ukraine sehen, sind Atomreaktoren verwundbare militärische Ziele – im Grunde genommen riesige, vorbereitete radiologische Katastrophen in Wartestellung. Fehlinvestitionen in die Kernenergie verschärfen nicht nur diese Gefahr, sondern verzögern auch den raschen Ausbau erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und die Energiespeicherung.
Die Ausgaben für Militär und Atomwaffen binden enorme Ressourcen und verursachen enorme Opportunitätskosten, die den Klimaschutz beeinträchtigen und verzögern und außerdem Ressourcen aus vielen anderen Bereichen der menschlichen und ökologischen Bedürfnisse, wie Gesundheit, Unterkunft und Bildung, abziehen. Militarisierung und bewaffnete Konflikte schüren Spannungen, die die internationale Zusammenarbeit in vielen Bereichen, einschließlich Klimaschutz und Abrüstung, beeinträchtigen.
Wir müssen dringend einen Kurswechsel vornehmen, wenn wir die katastrophalen Folgen eines Atomkriegs oder eines Umweltkollapses vermeiden wollen. Die diplomatischen und politischen Prozesse, die zum Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW) geführt haben, haben der Welt gezeigt, dass eine gut organisierte Gruppe von Nationen, die nicht mit Atomwaffen bewaffnet sind, stattdessen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischem Fachwissen über Atomwaffen und den Atomkrieg ausgestattet sind und von einer informierten und energischen Zivilgesellschaft unterstützt werden, wirksam dafür eintreten können, dass der Besitz von Atomwaffen illegitim ist und dass die nukleare Abschreckung nicht nur tollkühn, sondern auch unmoralisch ist.
Die afrikanischen Staaten haben den Weg für diesen humanitären Abrüstungsprozess geebnet, als sie den Pelindaba-Vertrag verabschiedeten, der 2009 in Kraft trat und Afrika zu einer atomwaffenfreien Zone machte. Afrikanische Staaten und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich bewusst sind, dass sie unter den katastrophalen Folgen eines Atomkriegs überall auf der Welt leiden würden, insbesondere unter den Folgen für das Klima, trugen dazu bei, den Verbotsvertragsprozess und die Verhandlungen, die zum Vertragstext führten, voranzutreiben. Wir erinnern mit Stolz daran, dass im Juli 2015 ein internationales Team von IPPNW-Medizinstudenten, jungen Ärzten und anderen Aktivisten den Gipfel des Kilimandscharo, des höchsten freistehenden Berges der Welt, bestiegen hat, um auf die humanitären und gesundheitlichen Auswirkungen von Atomwaffen und Uranabbau in Afrika aufmerksam zu machen.
Das TPNW wurde bereits von 33 afrikanischen Staaten unterzeichnet, von denen 15 als Vertragsstaaten beigetreten sind. Während wir in Mombasa tagen, fordern wir die kenianische Regierung dringend auf, den Vertrag zu unterzeichnen und seine Ratifizierung so bald wie möglich abzuschließen. Alle anderen Staaten, die dem Vertrag noch nicht beigetreten sind, sollten dies tun und sich aktiv für die Umsetzung des Verbots von Kernwaffen und anderer Bestimmungen einsetzen, um den Tag zu beschleunigen, an dem diese vollständig aus den Arsenalen der Welt verschwunden sind.
Als Mediziner haben wir schon vor Jahrzehnten gelernt, dass es keine medizinische Reaktion auf einen Atomkrieg geben kann. Jetzt lernen wir, dass unsere Fähigkeit, wirksam auf extreme gesundheitliche Notfälle zu reagieren, die durch vom Menschen verursachte Veränderungen des Weltklimas ausgelöst und vervielfacht werden, auf eine harte Probe gestellt wird. Darüber hinaus sind diejenigen, die den Auswirkungen der Klimakrise am stärksten ausgesetzt sind, häufig diejenigen, die nicht über die Mittel verfügen, um den Schaden zu mindern. Das sehen wir in Afrika und anderen Teilen der postkolonialen Welt, wo der Zugang zu Technologie, Gesundheitsversorgung und Grunddiensten bestenfalls unzureichend ist und wo reiche Nationen die benachteiligten Länder weiterhin nach Ressourcen wie Uran für Atomwaffen ausbeuten.
Unsere Verantwortung ist es, zu verhindern, was wir nicht heilen können. IPPNW widmet sich auf diesem 23. Weltkongress in Mombasa, Kenia, einer bewohnbaren Welt, die frei von der Bedrohung durch nukleare Auslöschung und Klimakatastrophen ist.
News and opinion from the international medical movement to abolish nuclear weapons and to prevent war
[The following Congress Declaration was published at the conclusion of IPPNW’s 23rd World Congress in Mombasa, Kenya, 27-29 April 2023.]
We are honored to gather in Mombasa, one of Africa’s oldest and most historic cities, for the first IPPNW World Congress on the continent. As physicians, medical students, and health professionals committed to a peaceful and equitable world for all people, we join in solidarity with our African colleagues, who struggle on many fronts to erase the vestiges of colonialism, to end the post-colonial conflicts that have killed millions, and to advocate for policies that will provide health, true security, economic justice, and environmental protection not only for Africa but also for the world as a whole.
We regret, therefore, that Sudan’s hard-won progress toward democratically elected governance has faced a violent setback in just the past few weeks, and we endorse the calls of the African Union and other world leaders for an immediate ceasefire. At the same time, Sudan is embroiled in only one of dozens of ongoing armed conflicts in Africa that must come to an end. Civil society, here as elsewhere, plays an essential peace-making role, and we applaud our affiliates in the region for their efforts to bring peace and security to Sub-Saharan Africa over many years. We also thank them for hosting this 23rd World Congress and for the steadfast leadership they have provided to the federation as a whole.
The world in 2023 faces twin existential crises that have been exacerbated by a global pandemic from which we have yet to fully recover. We are at greater risk of nuclear war than at any time since the Cold War of the 1980s. And the accelerating pace of the climate crisis, driven by carbon emissions from the unchecked burning of fossil fuels, is bringing extreme weather events, agricultural disruption, rising sea levels, and vector-borne diseases to every corner of the world. The millions of deaths from Covid-19 over a two year-period not only tested the global capacity to deal with a public health emergency on such a vast scale, but also exposed the inequities in access to vaccines and treatments between wealthy and struggling nations. Unsurprisingly, the Doomsday Clock has recently been reset to 90 seconds before midnight, the closest it has ever been to global catastrophe.
The tragic invasion of Ukraine, now in its second year, has already claimed tens of thousands of Ukrainian and Russian lives, including more than 20,000 civilian casualties and several million displaced to other countries. The repercussions of the war for the world economy, including shortages of grain and other commodities, have been enormous. With more than 110 ongoing armed conflicts in the world today—more than 35 of them in Sub-Saharan Africa alone—we are reminded again that war and military actions are always unacceptable anywhere in the world.
Yet the severe global impacts of a war that has brought Russia into direct conflict with the US and NATO pale by comparison to what would happen if the nuclear threshold were crossed. Whether they are used in Ukraine, in South Asia where two nuclear-armed states, India and Pakistan, have fought four full-fledged wars, or during any other conflict, the use of nuclear weapons, for whatever reason, would almost certainly escalate into a nuclear war that would kill millions of people outright. Nuclear war would cause a climate disaster of another kind, plunging the world into a nuclear winter where agriculture would collapse and food scarcity would threaten billions of people with starvation, no matter how far removed they were from the conflict itself.
While nuclear war poses the most acute risk to the stable and hospitable climate we need, global heating from fossil fuel consumption is already increasing food and water insecurity, and has diminished the habitability of whole regions through sea level rise, extreme weather events, drought, flooding and intolerable heat. These rapid changes to the world’s climate are driving population displacement and increasing the prevalence of armed conflict. Each of these conflicts that involves a nuclear-armed state increases the risk of nuclear war, closing the circle of existential threats.
Nuclear power, which is an expensive, ineffective, and dangerous response to the climate crisis, also fuels nuclear proliferation by inextricably increasing fissile materials and the capacity to produce them. As we are seeing in Ukraine, nuclear power reactors are vulnerable military targets—essentially huge, pre-positioned radiological disasters-in-waiting. Misplaced investments in nuclear power, besides exacerbating this danger, delay the rapid scale-up of renewable energy, increased energy efficiency, and energy storage.
Military and nuclear weapons spending divert massive resources and create enormous opportunity costs that diminish and delay climate action and also steal resources from many other areas of human and environmental need, including health, shelter, and education. Militarization and armed conflict fuel tensions that diminish international cooperation in many areas, including climate action and disarmament.
We urgently need to change course if we are to avoid the catastrophic consequences of either a nuclear war or an environmental collapse. The diplomatic and political processes that produced the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons (TPNW) showed the world that a well-organized group of non-nuclear-armed nations, armed instead with scientific evidence and medical expertise about nuclear weapons and nuclear war, and supported by an informed and energized civil society, could effectively make the case that possession of nuclear weapons is illegitimate and that nuclear deterrence is not only foolhardy, but also immoral.
African states paved the way for this humanitarian disarmament process when they adopted the Pelindaba Treaty, which entered into force in 2009, making Africa a nuclear-weapon-free zone. African states and civil society organizations, fully aware that they would suffer from the catastrophic consequences of a nuclear war anywhere in the world, especially the climate consequences, helped to drive the ban treaty process and the negotiations that produced the treaty text. We are proud to recall that in July 2015, an international team of IPPNW medical students, young doctors, and other activists climbed to the summit of Mt. Kilimanjaro, the world’s highest free-standing mountain, to raise awareness about the humanitarian and health effects of nuclear weapons and uranium mining in Africa.
The TPNW has already been signed by 33 African states, 15 of whom have joined as states parties. As we convene in Mombasa, we urge the Kenyan government to sign the Treaty and complete its ratification as soon as possible. All other states that have not yet joined the Treaty should do so and work actively to implement its prohibitions against nuclear weapons and other provisions, in order to hasten the day when they have been completely eliminated from the world’s arsenals.
As health professionals, we learned decades ago that there can be no medical response to a nuclear war. We are now learning that our capacity to respond effectively to extreme public health emergencies precipitated and multiplied by human-caused alterations to the world’s climate, is being severely tested. Moreover, those who are most vulnerable to the effects of the climate crisis are most often those without the resources to mitigate the harm. We see this in Africa and other parts of the post-colonial world, where access to technology, health care and basic services are inadequate at best, and where wealthy nations continue to exploit disadvantaged countries for resources, such as uranium for nuclear weapons.
Our responsibility is to prevent what we cannot cure. IPPNW rededicates itself at this 23rd World Congress, in Mombasa, Kenya, to a habitable world free from the threat of nuclear extinction and climate catastrophe.
Das Universum des Standardmodells sei wie Reispudding, sagt Heymans, aber ihres sei eher wie Vanillecreme.
Illustration: Eine weibliche Figur sitzt auf einem Miniaturplaneten und blickt auf einen violett-blauen Nachthimmel voller Sterne und Planeten. Der Planet, auf dem sie sitzt, ähnelt einem Covid-Virus
Illustration: Nathalie Lees/The Guardian
Die lange Lektüre
Das dunkle Universum: Kann eine Wissenschaftlerin, die lange mit dem Covid-Virus kämpfte, die Geheimnisse des Kosmos entschlüsseln?
Seit sie vor mehr als einem Jahr an dem Virus erkrankte, kann Catherine Heymans nur noch in halbstündigen Abständen arbeiten. Dennoch könnte ihre Arbeit unser Verständnis des Universums verändern.
von Alex Blasdel
Di 2. Mai 2023 06.00 BST
Zuletzt geändert am Wed 3 May 2023 13.14 BST
Im vergangenen September sollte Catherine Heymans, eine der weltweit führenden Kosmologinnen, an Bord einer Fähre zur nördlichsten Insel des Orkney-Archipels fahren. Die Insel, North Ronaldsay, gehört zu den dunkelsten bewohnten Orten der Erde. In einer klaren Winternacht ist es leicht, sich von den Tausenden von Sternen beeindrucken zu lassen, die mit bloßem Auge sichtbar sind und ihr unverschmutztes Licht auf die Erde werfen. Heymans, die als erste Frau zur königlichen Astronomin von Schottland ernannt wurde, wollte den etwa 60 Einwohnern der Insel erklären, dass diese Sterne und der Rest des wahrnehmbaren Universums nur einen Bruchteil dessen darstellen, was unseren Kosmos ausmacht. Was sie erforscht, ist alles, was wir nicht sehen können: die Dunkelheit.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat die 45-jährige Heymans unser Verständnis für einen riesigen, unsichtbaren Kosmos gefördert, den die Wissenschaftler gerade erst zu verstehen beginnen. Man geht davon aus, dass dieses „dunkle Universum“ mehr als 95 % von allem ausmacht, was existiert. Es besteht aus Entitäten, die geheimnisvoller sind als die gewöhnliche Materie und Energie – das Licht, die Atome, die Moleküle, die Lebensformen, die Sterne und die Galaxien -, die im Laufe der Geschichte Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen waren. In den letzten 10 Jahren hat Heymans gelernt, dass das dunkle Universum den sichtbaren Kosmos auf unerwartete Weise formt und möglicherweise nicht allen Standardregeln der Physik folgt. Ihre Entdeckungen bringen einen breiten Konsens darüber ins Wanken, wie unsere Welt in ihrem größten Maßstab funktioniert. „Ich glaube, dass wir, um das dunkle Universum wirklich zu verstehen, eine neue Physik anwenden müssen, die unsere kosmische Sichtweise für immer verändern wird“, schreibt sie.
Heymans ist mit dieser Ansicht nicht allein. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben Wissenschaftler eine außerordentlich präzise Beschreibung der fast 14 Milliarden Jahre umfassenden Geschichte des Universums entwickelt. Doch immer mehr Wissenschaftler vermuten, dass dieses Modell stark eingeschränkt oder sogar zerbrochen sein könnte. Einige führende Astrophysiker haben vor kurzem erklärt, dass wir in eine Ära der kosmologischen Krise eingetreten sind, die von der Entdeckung neuer Elementarteilchen bis hin zu einer neuen Theorie der Schwerkraft alles hervorbringen könnte. „Der Nobelpreisträger Adam Riess, eine weitere Schlüsselfigur im derzeitigen Umbruch der Kosmologie, sagte mir kürzlich: „Die Verbreitung von Ideen ist so groß wie nie zuvor.
Sechs Monate vor ihrer geplanten Reise nach North Ronaldsay ging es Heymans wie vielen anderen Wissenschaftlern von Weltrang: Sie arbeitete mindestens 12 Stunden am Tag und hatte einen übervollen Terminkalender mit internationalen Reisen. Allein im Juli sollte sie an drei internationalen Konferenzen teilnehmen, zusammen mit Sir Martin Rees bei einem Ideenfestival mit dem Titel Astronomer Royal meets Astronomer Royal auf der Bühne stehen und Do You Matter? aufführen, eine der Standup-Comedy-Shows, die sie seit 2017 mit ihrem Astrophysiker-Kollegen Joe Zuntz macht. (Die Betrachtung eines verpixelten Bildes ferner Galaxien ist „wie der Blick auf Ihre japanische Lieblingspornografie“, so einer ihrer kantigeren Witze). Außerdem sollte sie die Herschel-Medaille der Royal Astronomical Society für „Untersuchungen mit herausragenden Verdiensten in der beobachtenden Astrophysik“ erhalten. Dazwischen sollte sie zwischen der Universität Edinburgh, wo sie Professorin für beobachtende Kosmologie ist, und der Ruhr-Universität Bochum hin- und herpendeln, wo sie einen renommierten, mit 1,5 Millionen Euro dotierten Max-Planck-Humboldt-Preis nutzt, den sie 2018 erhielt, um ein Zentrum zur Erforschung des dunklen Universums zu leiten.
Catherine Heymans in der Königlichen Sternwarte in Edinburgh im Juni 2021.
Catherine Heymans in der Königlichen Sternwarte in Edinburgh im Juni 2021. Photographie: Katherine Anne Rose/Der Beobachter
Doch dann, im März 2022, erkrankten Heymans und ihre Familie an Covid. Während sich ihr Partner und ihre drei Kinder relativ schnell erholten, fühlte sie sich noch einige Wochen später sehr schlecht. „Seltsame Krankheit, aber ich versuche, geduldig zu sein“, schrieb sie mir per E-Mail. Wir wollten uns noch in diesem Sommer in Europa und im Herbst in Schottland treffen. Zwei Monate später meldete sie sich jedoch, um mir mitzuteilen, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte – „ein langsamer und stetiger Verfall“, schrieb Heymans, die normalerweise einen sonnigen Optimismus ausstrahlt. „Leider kämpfe ich mit einem langen Covid“, schrieb sie. Im Juli erhielt ich eine Nachricht von ihr, in der es hieß: „Leider muss ich sagen, dass das lange Covid mein Leben bis auf Weiteres beendet hat.“ In den Wochen zuvor war sie ans Haus gefesselt gewesen und konnte kaum sprechen.
Aber sie arbeitete noch. In einem dunklen Raum, der nur vom grellen Licht ihres Laptop-Bildschirms erhellt wurde, beantwortete Heymans E-Mails und überprüfte den Computercode für eine internationale Zusammenarbeit zur Erforschung des dunklen Universums. Nach einer halben Stunde schrillte der Alarm, und sie tippte eine Notiz, um ihr zukünftiges Ich daran zu erinnern, woran sie gerade arbeitete. Dann klappte sie den Laptop zu und legte sich in die Stille oder schlief ein. (Der Versuch, sich körperlich oder geistig zu überanstrengen, führt bei Menschen, die lange unter Covid leiden, häufig zu einem längeren Zusammenbruch.) Sobald sie sich dazu in der Lage fühlte, stand sie auf, klappte ihren Laptop auf, las die Notiz und arbeitete weiter. Diesen Zyklus wiederholte sie mehrmals am Tag. Dann aß sie mit ihrer Familie auf dem Sofa liegend ein karges Abendessen – Covid hatte ihr den Appetit genommen – und schlief den Rest der Nacht unruhig, wobei sie häufig vor Schmerzen oder Panik aufwachte.
Am nächsten Morgen würde Heymans die Arbeit wieder aufnehmen. Aus der Enge ihres Lebens heraus versuchte sie immer noch, der Menschheit zu helfen, tiefer ins Universum zu blicken. „Ich habe 20 Jahre darauf gewartet, dass die Wissenschaft so weit fortschreitet“, sagte sie mir kürzlich. „Ich werde jetzt nicht aufgeben.“
Die vielleicht tiefgreifendste Erkenntnis der gesamten Kosmologie ist, dass unser Universum eine Geschichte hat. Es hat nicht ewig und unveränderlich existiert; es wurde geboren und entwickelt sich weiter. Das Ziel der Kosmologie ist es, die Geschichte dieser Entwicklung zu erzählen und die physikalischen Prozesse zu erklären, die sie steuern. Wissenschaftler tun dies in der Sprache der Mathematik, mit einer Reihe von Gleichungen, die beschreiben, wie sich das Universum verändert. Diese Gleichungen und die Geschichten, die wir erzählen, um ihnen einen intuitiven Sinn zu geben, werden als „Modelle“ des Universums bezeichnet. Je besser das Modell ist – je genauer es die Welt, wie wir sie beobachten, beschreibt -, desto tiefer gehen wir davon aus, dass wir das Universum verstehen. Was Heymans‘ Arbeit so auffällig macht, ist, dass sie dem genauesten Modell des Universums widerspricht, das wir je hatten.
Der Eckpfeiler dieses Modells ist die Urknalltheorie, die besagt, dass alles im Universum in einem unvorstellbar heißen, kompakten Zustand begann – möglicherweise in einem unendlich dichten Punkt, der als Singularität bekannt ist – und sich dann ausdehnte. Neben dem Urknall umfasst das Modell auch die beiden rätselhaften Bestandteile des dunklen Universums, die Heymans untersucht. Die eine ist die „dunkle Materie“, die kein Licht aussendet, reflektiert oder absorbiert, aber die Anziehungskraft der Schwerkraft ausübt. Die Existenz dunkler Materie hilft zu erklären, warum Galaxien nicht auseinandergerissen werden, während sie durch die Leere wirbeln. „Wenn es nur die Materie gäbe, die wir sehen, würden die Sterne einfach in den Weltraum hinausfliegen“, erklärt Heymans in einem ihrer öffentlichen Auftritte. Der andere Bestandteil ist die „dunkle Energie“, die das Universum dazu bringt, sich immer schneller auszudehnen. Dunkle Energie und dunkle Materie „liefern sich einen epischen Kampf kosmischen Ausmaßes“, wie Heymans zu sagen pflegt – erstere reißt den Kosmos auseinander, letztere versucht, ihn enger zusammenzuhalten. Man geht heute davon aus, dass dunkle Materie und dunkle Energie mehr als 95 % des Universums ausmachen, die gewöhnliche Materie weniger als 5 %.
Der Urknall, die dunkle Materie und die dunkle Energie bilden zusammen mit den aus Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie abgeleiteten Gleichungen das so genannte „kosmologische Standardmodell“ des Universums. Wir können dieses Modell testen, indem wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, um das Universum in seinen Anfängen zu untersuchen. Da das Licht Zeit braucht, um zu uns zu gelangen, sehen wir das Universum, wenn wir ins All blicken, nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern zu vielen verschiedenen Zeiten. Es ist so, als ob wir ein zusammengesetztes Bild des Gesichts einer Person betrachten, das aus Milliarden fragmentarischer Fotografien besteht – eine Sommersprosse aus dem Kleinkindalter, eine Falte aus den 60er Jahren -, die im Laufe des gesamten Lebens aufgenommen wurden. Wenn man das richtige kosmologische Modell hat, dann sollte man in der Lage sein, die Teile des Universums, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt sieht, durch die Gleichungen des Modells laufen zu lassen und das Universum auszuspucken, das man zu einem anderen Zeitpunkt sieht – und damit zu beweisen, dass das Verständnis des Universums korrekt ist.
Ein Bild des Galaxienhaufens Abell 901/902, wobei die magentafarbenen Flecken die dunkle Materie darstellen.
Ein Bild des Abell-Galaxienhaufens 901/902, bei dem die magentafarbenen Flecken für die dunkle Materie stehen. Foto: Alamy
Die weiteste Zeitspanne, die wir sehen können, liegt fast 14 Milliarden Jahre zurück, bis zu einem Moment nur 380.000 Jahre nach dem Urknall, als das Licht in alle Richtungen durch das Universum schoss. Dieser frühe Lichteinfall brummt noch immer durch den Weltraum in Form von Mikrowellen, die weit außerhalb des sichtbaren Spektrums liegen. Wissenschaftler nennen dies den „kosmischen Mikrowellenhintergrund“. Die Kartierung feiner Unterschiede in der Temperatur dieser Mikrowellen gibt uns ein Bild davon, wo Materie und Energie im gesamten frühen Universum verteilt waren. Als der Astrophysiker und spätere Nobelpreisträger George Smoot 1992 die ersten detaillierten Karten des kosmischen Mikrowellenhintergrunds bewunderte, bemerkte er: „Es ist, als würde man Gott sehen: „Es ist, als würde man Gott sehen.“
Mitte der 2010er Jahre waren die Karten des Hintergrunds so genau, dass Physiker erklärten, die Menschheit sei endlich in die Ära der „Präzisionskosmologie“ eingetreten. „In den letzten 20 Jahren wurde mehr über die großräumige Struktur und die Geschichte des sichtbaren Kosmos entdeckt als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor“, sagte der Wissenschaftsphilosoph Tim Maudlin 2014. In der Zwischenzeit schien das kosmologische Standardmodell diese immer detaillierteren Karten des jungen Universums auf beeindruckende Weise mit dem Universum zu verbinden, das wir in der jüngsten Vergangenheit um uns herum gesehen haben. Einige Physiker waren der Meinung, dass wir nur noch herausfinden müssten, woraus die dunkle Materie und die dunkle Energie genau bestehen, und unser Wissen über die Funktionsweise des Universums auf den größten Ebenen wäre vollständig.
Heymans war einer der ersten, der einen Riss im Standardmodell entdeckte. Als im März 2013 die ersten ultrapräzisen Karten des kosmischen Mikrowellenhintergrunds vom Planck-Observatorium der Europäischen Weltraumorganisation veröffentlicht wurden, entsprachen sie den Vorhersagen des Standardmodells mit äußerster Präzision. Doch Heymans stellte schnell fest, dass diese Karten nicht mehr mit einer der Messungen übereinstimmten, die sie für das jüngere Universum vornahm. Sie stellte fest, dass das jüngere Universum weniger großräumige Strukturen aufwies – weniger Galaxienklumpen und -haufen – als unsere Karten des frühen Universums vermuten ließen. Das Universum des Standardmodells sei wie Reispudding, sagt Heymans gerne, aber ihres sei eher wie Pudding. Entweder hatte Heymans einen großen Fehler begangen, oder mit dem Standardmodell stimmte etwas nicht.
Zunächst nahmen nur wenige Menschen Heymans‘ Erkenntnisse ernst. „Niemand glaubte mir, denn ich war damals kein Professor und schon gar kein königlicher Astronom“, sagte Heymans. „Ich war nur eine einfache Dozentin mit einem neugeborenen Baby, und die Leute sagten einfach: ‚Nein, Sie machen etwas falsch.'“
Heymans ist am besten, wenn sie vor einer Herausforderung steht. „Sie ist sehr kreativ und versteht, was die wichtigen Probleme sind“, sagt der Astrophysiker Alan Heavens, der Heymans als Student unterrichtete und im Laufe der Jahre viele Arbeiten mit ihr geschrieben hat. Außerdem ist sie ungeheuer fleißig und unerschöpflich enthusiastisch. Früher wachte sie um 4.30 Uhr auf, bereitete das Abendessen für ihre Familie vor und nahm dann den frühesten Bus von ihrem Haus in Portobello, einem Vorort von Edinburgh, zum Fuß des Blackford Hill. Sie sagt, sie würde buchstäblich den Hügel hinauf zum Royal Edinburgh Observatory hüpfen, um vor allen anderen zur Arbeit zu kommen. „Schlaf wird überbewertet“, sagte sie mir kürzlich während eines ihrer halbstündigen Arbeitsblöcke. „Nun, jetzt habe ich viel davon – aber früher habe ich nicht viel geschlafen.
Bevor sie ein langes Covid entwickelte, war Heymans nach eigener Beschreibung „effizient, aufbrausend und unaufhaltsam“ (außerdem „dumm groß“ – sie ist 1,80 m groß). Heute bezeichnet sie sich selbst als „belastbar“. Selbst unter dem Einfluss ihrer Krankheit schließt sie fast jeden Satz mit einem Lachen ab. Seit dem Studium besitzt sie kein Handy mehr, unter anderem weil sie eine „ziemlich süchtige Persönlichkeit“ ist und befürchtet, dass es sie von Arbeit und Familie ablenken würde. Sie hat sich fast nie geschminkt, weil sie „einfach nicht genug Zeit hat, sich zu schminken“, sagt sie. „Das Ärgerliche an Catherine ist, dass sie produktiver ist, wenn sie zwei Drittel des Tages schläft, als ich es zu meinen besten Zeiten bin“, sagt Zuntz, ihr Comedy-Partner und Kollege an der Universität Edinburgh.
Heymans wurde 1978 geboren, und die Familie erzählt, dass sie im Alter von sechs Jahren beschloss, entweder Astrophysikerin oder Gehirnchirurgin zu werden, nachdem sie ihre Grundschullehrerin gefragt hatte, was der härteste Beruf der Welt sei. Ihre Eltern waren verblüfft, sagt sie: „Sie waren sehr stolz, aber sie haben immer wieder versucht, mich in geeignetere Berufe zu lenken.“ Die Familie lebte in Hitchin, Hertfordshire, im Pendlergürtel der heimischen Grafschaften.
Wie alle Nerds auf der Welt hatten auch die Heymans einen kleinen Kreis kluger, aber gesellschaftlich geächteter Freunde. „Wenn man akademisch begabt war, galt man als ein bisschen traurig“, erzählte mir ihre Jugendfreundin Esther Gamble. „Aber das machte uns nichts aus – wir hatten uns und unsere kleine Gruppe von Strebern.“ (Gamble ist heute Anwältin.) An der Mädchenschule in Hitchin, die heute eine der wenigen staatlichen Schulen mit nur einem Geschlecht ist, hatte Heymans das Gefühl, dass sie die Möglichkeit hatte, in ihren naturwissenschaftlichen und mathematischen Klassen eine führende Rolle zu spielen. „Wenn man eine zufällige Umfrage unter Physikerinnen durchführt, wird man feststellen, dass die meisten von ihnen auf Einheitsschulen gegangen sind“, sagte sie. Ihr Interesse an der Astronomie wurde von einem Lehrer geweckt, der sich für den Weltraum begeisterte und eine internationale Exkursion zum Kennedy Space Center der Nasa in Florida organisierte. „Wir hatten keine Familien, die genug Geld hatten, um uns dorthin zu schicken, und wir waren sehr neidisch auf alle, die mitfahren durften“, erinnert sich Gamble.
Kurz vor ihrem Abitur erkrankte Heymans am Epstein-Barr-Virus und verbrachte das folgende Jahr mit Drüsenfieber im Bett. „Ich hatte diesen kleinen Teil meines Lebens in einem Teil meines Gehirns abgelegt, an den ich nicht gerne denke“, sagte sie mir. „Aber zum Teil, weil meine Tochter jetzt in diesem Alter ist“ – Heymans hat zwei Jungen und ein Mädchen – „schaue ich sie an und denke: ‚Oh, ja, nein, wir haben nie die Dinge getan, die du jetzt tust, weil ich geschlafen habe.'“ Wenn sie in diesem Jahr nicht schlief, schaute sie abwechselnd Tagesfernsehen und brachte sich im Bett Physik für das Abitur bei. „Es ist ziemlich ähnlich, wie ich jetzt arbeite – nur ohne Tagesfernsehen, denn das zerstört die Seele“, sagte sie.
Prof. Catherine Heymans (in der Maske) spricht bei der offiziellen Eröffnung des Aberdeen Science Centre (ASC) im Oktober 2021
Heymans bei der offiziellen Eröffnung des Aberdeen Science Centre im Oktober 2021. Foto: Aberdeen Science Centre
Obwohl sich ihr Gesundheitszustand langsam verbesserte, fühlte sich Heymans nach einem Jahr, das sie überwiegend allein verbrachte, deprimiert. Doch dann bekam sie einen kleinen „Kick“, der ihr half, sich vollständig zu erholen. „Er wird mich wahrscheinlich umbringen, wenn ich das sage, aber ich habe meinen Partner getroffen“, sagte sie. Die örtlichen Schulen hatten einen Ausflug nach Oxford organisiert, um sich die Universität anzuschauen, und sie hatte die Kraft aufgebracht, in den Bus zu steigen. Die Eltern von Rory MacLeod hatten ihn auch mitgenommen. „Wir kamen ins Gespräch und dann – ja“, fuhr sie fort. „Wir sind zusammen, seit wir 17 sind.“ Heymans und der in Schottland geborene MacLeod beschlossen, gemeinsam an die Universität von Edinburgh zu gehen.
Als sie 1996 in Edinburgh ankam, war Heymans eine von nur einer Handvoll Frauen in einer Gruppe von fast 100 Physikstudenten. Alle ihre Professoren waren Männer. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie in Bars, als Kindermädchen und als Fremdenführerin im Royal Observatory, wo sie heute ihr Büro hat. In der Sternwarte überzeugte sie die ehrfürchtige Reaktion eines Jungen, der zum ersten Mal die Ringe des Saturns sah, davon, ihr Leben der Erforschung des Weltraums zu widmen.
Im Jahr 1998 begann sie, sich für die Kosmologie zu interessieren, die Erforschung des Universums als Ganzes. Im Mai desselben Jahres veröffentlichte Adam Riess den ersten Entwurf eines bahnbrechenden Artikels, der zu belegen schien, dass sich die Ausdehnung des Universums entgegen den vorherrschenden Theorien beschleunigt. Wenn sich das Universum immer schneller ausdehnte, musste es eine zusätzliche Form von Energie geben, die es immer weiter ausdehnte. „Ich dachte: ‚Wow, das ist ja cool'“, erinnert sich Heymans, die mit der selbstbewussten Ehrfurcht eines Geeks über die Rätsel des Kosmos spricht. (Auch heute noch reagiert sie auf das Universum so, wie andere Menschen auf die Begegnung mit ihrem Lieblingsfilmstar reagieren würden).
Diese Kraft wurde unter dem Namen Dunkle Energie bekannt. Als Heymans 1998 davon hörte, dachte sie: „Ich will das in meiner Doktorarbeit lösen.“ Der Versuch, die Natur der dunklen Energie innerhalb von drei Jahren zu ergründen, erwies sich als lächerliches Unterfangen – „so lächerlich“, wie Heymans sagt. Aber es war auch ein frühes Zeichen für ihren Eifer, sich an schwierige Probleme heranzuwagen, deren Lösung außergewöhnliche Kreativität erfordert. „Das ist etwas, was die Leute an der Wissenschaft nicht verstehen“, sagte sie. „Sie denken, um kreativ zu sein, muss man Künstler oder Schriftsteller sein. Aber die Wissenschaft ist wahrscheinlich der kreativste Beruf, den es gibt, weil man Fragen stellt, auf die niemand eine Antwort weiß.
„In den letzten 20 Jahren habe ich das Licht in abgelegenen Observatorien auf Berggipfeln überall auf der Welt eingefangen“, sagte Heymans 2018 vor Publikum. Im australischen Outback und im chilenischen Hochland, an den schneebedeckten Hängen eines 4.000 Meter hohen Vulkans auf Hawaii und mit dem Hubble-Weltraumteleskop hat sie das Licht von mehr als 100 Millionen Galaxien eingefangen. Ihre Arbeit wurde durch die zunehmende Leistungsfähigkeit von Teleskopen, Kameras und Computern erleichtert, die es Kosmologen ermöglicht haben, in Ecken des Universums vorzudringen, die sie zuvor nicht sehen konnten.
Heymans‘ Spezialgebiet ist das so genannte „weak gravitational lensing“, eine leistungsstarke, aber teuflisch komplexe Methode zur Kartierung der Verteilung der dunklen Materie im Universum. Bei dieser Methode wird untersucht, wie sich der Weg des Lichts krümmt, wenn es von Galaxien, die bis zu 10 Mrd. Lichtjahre entfernt sind, zur Erde gelangt. Diese Krümmung wird durch die Schwerkraft verursacht, die den Raum krümmt, durch den sich das Licht bewegt. Das Ausmaß der Schwerkraft in einer bestimmten Region des Raums und damit das Ausmaß der Krümmung hängt davon ab, wie viel Masse sich in dieser Region befindet. (Wenn Sie sich den Weltraum schon einmal als ein Blatt vorgestellt haben, das sich unter dem Gewicht einer Bowlingkugel durchbiegt, wissen Sie ungefähr, wovon ich spreche). Da die dunkle Materie den größten Teil der Masse und der Schwerkraft im Universum ausmacht, hat das Licht auf seiner Reise umso mehr dunkle Materie passiert, je mehr es sich gekrümmt hat. Wenn man den Durchgang des Lichts durch große Teile des Himmels aufzeichnet, können Wissenschaftler daher feststellen, wie viel dunkle Materie es im Universum gibt und wo sie sich befindet. Dies wiederum kann uns wichtige Informationen darüber liefern, wie auch die dunkle Energie den Kosmos geformt hat.
Das Kanada-Frankreich-Hawaii-Observatorium auf dem Mauna Kea in Hawaii.
Das Kanada-Frankreich-Hawaii-Observatorium auf dem Mauna Kea in Hawaii. Foto: Tetra Images/Alamy
Als Heymans im Jahr 2000 ihre Doktorarbeit in Oxford begann, wusste noch niemand, wie man schwache Linsen richtig einsetzt. Aber sie war begeistert von den Möglichkeiten und Herausforderungen, die sich daraus ergaben. „Ich dachte: ‚Das ist neu, das ist aufregend, und das kann mir sagen, was dunkle Energie ist!'“ Sie verbrachte einen Teil ihrer Doktorarbeit in einem Observatorium auf dem Rand eines Vulkans auf den Kanarischen Inseln, stellte aber fest, dass die dortige Kamera nicht leistungsfähig genug war, um wirkliche Forschung mit schwachen Linsen zu betreiben. Stattdessen „lernte sie Spanisch, trank eine Menge Whiskey zum Frühstück und lernte, wie man Eis mit flüssigem Stickstoff herstellt“, der zur Kühlung der Instrumente zur Verfügung stand.
Schwache Linsen erfordern die Sammlung und Analyse einer riesigen Menge von Daten, was eine anspruchsvolle Rechenaufgabe ist. Während ihrer Doktorarbeit schrieb Heymans an einer Computersoftware mit, mit der die Form entfernter Galaxien gemessen werden konnte, um zu verstehen, wie die Schwerkraft, die Atmosphäre und die Teleskope den Weg ihres Lichts verzerrten. „Es war eine brillante Idee“, erinnert sie sich mit selbstironischem Stolz, „aber wir hatten auf keinen Fall die Computerleistung, um sie zu nutzen. Fünf Jahre später waren die Rechner jedoch leistungsfähig genug, um ihren Code nutzbar zu machen. Kosmologen nutzen ihn noch heute.
Nach ihrem Doktortitel erhielt Heymans Stipendien in Deutschland, Kanada und Frankreich und beschritt weiterhin neue Wege bei der Kartierung des Universums mithilfe schwacher Linsen. Als sie um die Welt reiste, war MacLeod „so freundlich, mir zu folgen“, sagte sie. Er hatte Biologie studiert, sich dann aber zum Englischlehrer umschulen lassen, weil sich dieser Job gut zum Reisen eignete. Dann, mit Ende 20, beschloss er, dass er Kinder haben wollte. „Ich sagte: ‚Du kannst nicht gleichzeitig Kinder haben und ein hochbegabter Astrophysiker sein'“, erinnert sich Heymans. (Vera Rubin, die vier Kinder hatte, war eine bemerkenswerte Ausnahme.) Aber MacLeod sagte, er würde den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen. 2006 bekamen sie ihr erstes Kind. (MacLeod lehnte es ab, für diesen Artikel interviewt zu werden; Heymans sagte mir, er wolle in ihrem Berufsleben „unsichtbar bleiben“.)
Als 2009 ihr zweites Kind zur Welt kam, hatte Heymans ihre Gravitationslinsen-Techniken erheblich verfeinert und leitete ein Team von Forschern, das das dunkle Universum erforschte. Eine weitere Revolution in der Kosmologie war im Gange. Das Klischee des einsamen Genies gehörte langsam der Vergangenheit an. Die neue Wissenschaft war ein immer größeres gesellschaftliches Unterfangen. In ihren öffentlichen Vorträgen zeigt die in Sri Lanka geborene britische Kosmologin Hiranya Peiris oft eine Reihe von Fotos der Teams, die zur Entdeckung und Kartierung des kosmischen Mikrowellenhintergrunds beigetragen haben. Das erste zeigt die vier weißen Männer, zwei in Princeton und zwei in den Bell Labs, die den Mikrowellenhintergrund in den 1960er Jahren entdeckten. Das zweite zeigt einige der etwa 18 Personen, die ihn in den 1990er Jahren zusammen mit George Smoot kartiert haben, fast ausschließlich weiße Männer. Das nächste Foto zeigt Peiris und einige der anderen Mitglieder eines 30-köpfigen Teams, das in den frühen 2000er Jahren noch detailliertere Messungen des Mikrowellenhintergrunds vornahm; nur eine Handvoll davon waren Farbige oder Frauen. Im Jahr 2010 umfasste das Team des Planck-Weltraumobservatoriums der Europäischen Weltraumorganisation, das die bisher genauesten Messungen des Mikrowellenhintergrunds vorgenommen hat, mehr als 300 Mitglieder aus der ganzen Welt, darunter viele Frauen.
„Das ist heute das A und O in der Wissenschaft, nicht wahr?“ sagte Heymans. „Wenn man in die Geschichte zurückblickt, ging es nur um Wettbewerb. Man liest Geschichten über Newton und Hooke, die sich über die Natur des Lichts stritten, und über Hubble und Sandage, die sich darüber stritten, wie schnell das Universum expandiert. Ich denke wirklich, dass die Wissenschaft heute nicht mehr so sein sollte. Wir haben all die kosmischen Entwicklungen gesehen, die sich ergeben haben, weil Menschen Daten austauschen und zusammenarbeiten. Das ist also die Richtung, in die sich die Kosmologie entwickelt – große Projekte, die zusammenarbeiten.
Als die Ära der Präzisionskosmologie anbrach und die Ergebnisse von Heymans und ihrem Team nicht mehr mit dem kosmologischen Standardmodell übereinstimmten, war sie besorgt. Die Annahme eines Universums, das sich von dem unterscheidet, das durch die Ergebnisse der Planck-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die von einigen der herausragendsten Wissenschaftler auf diesem Gebiet geleitet wurde, hervorgerufen wurde, war eine Ketzerei. „Mein erster Gedanke war: ‚Oh, Gott, ich habe etwas falsch gemacht'“, erinnert sich Heymans. „Ich denke immer, dass ich etwas falsch gemacht habe, das liegt einfach in meiner Natur. Und Planck war die ultimative kosmologische Studie, der heilige Gral. Wenn wir also nicht damit einverstanden waren, war das ein Problem“.
Wissenschaftlich ausgedrückt, war es eine „Spannung“. Viele wissenschaftliche Messungen weisen einen gewissen Grad an Ungenauigkeit auf, und zu einer guten Wissenschaft gehört es, sowohl den Bereich, in den eine Antwort wahrscheinlich fällt, als auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahrheit woanders liegt, genau abzuschätzen. Ein gängiges Beispiel ist die Aussage von Meteorologen, dass es am nächsten Tag mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % ein bis zwei Zentimeter regnen wird – eine Schätzung, die die Möglichkeit eines Wolkenbruchs offen lässt, oder dass Sie Ihren Regenschirm vielleicht gar nicht brauchen.
Wenn aber ein Meteorologe eine 95 %ige Chance auf fünf Zentimeter Regen voraussagt und ein anderer eine 95 %ige Chance auf reinen Sonnenschein, dann haben Sie eine Spannung oder, schlimmer noch, eine Krise. Man kann ziemlich sicher sein, dass entweder einer der Wissenschaftler einen Fehler gemacht hat oder dass mit dem Modell, das sie für ihre Vorhersagen verwenden, etwas nicht stimmt. Im Jahr 2013 öffnete sich eine unwahrscheinlich große Lücke zwischen dem Bereich, den das Standardmodell für die Klumpenbildung im Universum vorhersagte, und dem Bereich, den Heymans und ihr Team fanden.
Die Planck-Karte des kosmischen Mikrowellenhintergrunds aus dem Jahr 2013.
Die Planck-Karte des kosmischen Mikrowellenhintergrunds aus dem Jahr 2013. Bild: Science History Images/Alamy
Heymans wollte unbedingt, dass ihre Messungen mit Planck und dem Standardmodell übereinstimmen. Unter anderem befürchtete sie, dass sie die Finanzierung für ihre zukünftigen Projekte verlieren könnte, wenn ihre Ergebnisse falsch wären oder weiterhin außerhalb des Mainstreams liegen würden. Doch als 2017 ihre nächsten wichtigen Ergebnisse veröffentlicht wurden, widersprachen sie den Vorhersagen des Standardmodells sogar noch mehr. Die Anomalie, die sie entdeckte, erschien nun weniger wie ein Fehler, sondern eher wie eine potenzielle Entdeckung. „Ich fühlte mich weniger schlecht – als ob ich nicht mehr jedermanns Zeit vergeuden würde“, sagte Heymans.
Die Reaktion ihrer Kollegen war nicht durchweg positiv. Vor allem der Cambridge-Professor George Efstathiou, einer der „Väter“ der Planck-Mission, war überzeugt, dass Heymans einen Fehler gemacht hatte. „Wir mögen uns jetzt aufrichtig“, sagte Heymans. „Aber als ich ein junger Akademiker war, war er der Anführer der Gruppe, die sagte: ‚Du machst etwas falsch, du weißt nicht, was du tust.'“ In den Fragen und Antworten nach ihren öffentlichen Vorträgen forderte Efstathiou sie gerne auf, dem Publikum zu sagen, was sie falsch gemacht hatte. „Ich hatte nicht den Mut zu sagen: ‚George, kannst du dem Publikum sagen, was dein Team falsch gemacht hat?'“, sagte sie 2017 dem Magazin New Scientist.
Heymans‘ Ergebnisse waren nicht die einzigen, die nun im Widerspruch zum Standardmodell stehen. Als die ersten Planck-Ergebnisse herauskamen, erkannte Adam Riess bald, dass das junge Universum schneller wuchs, als Planck und das Standardmodell vorhersagten. „Zum Glück hat er einen Nobelpreis, so dass ihm niemand sagen kann: ‚Du weißt nicht, was du tust'“, scherzte Heymans.
„Wir durchliefen die Phasen der Trauer – Verleugnung, Wut und so weiter“, erzählte mir Riess kürzlich, als er über die Zeit nachdachte, in der er und sein Team feststellten, dass sie nicht mehr mit dem Standardmodell übereinstimmten. Es wurden Vorwürfe laut, wer sich in seinen Analysen geirrt habe und wie. „Aber seither wurde viel Arbeit geleistet, und wir haben jetzt ein viel aussagekräftigeres Ergebnis“, so Riess weiter. Seine Teams haben mehr als 1.000 Umläufe des Hubble-Weltraumteleskops genutzt, um ihre Beobachtungen zu machen – eine gewaltige Investition an wissenschaftlichen Ressourcen. Ähnlich verhält es sich mit den Ergebnissen von Heymans. „Unsere Messungen der schwachen Linsen haben sich stark verbessert“, sagte Heymans. „Es gibt jetzt drei verschiedene Teams, die alle das Gleiche finden wie wir vor 10 Jahren“.
Nicht alle sind sich einig, dass es auf diesem Gebiet eine Krise gibt, oder, wenn es eine Krise gibt, wo genau sie liegt. Efstathiou nimmt die Erkenntnisse von Heymans über die Struktur des Universums ernst. Er ist jedoch nicht davon überzeugt, dass sie zu einer Überarbeitung der Physik, wie wir sie kennen, führen werden. Stattdessen hat er zusammen mit Alexandra Amon, einer ehemaligen Doktorandin von Heymans, vorgeschlagen, dass Heymans‘ Ergebnisse auf etwas Alltäglicheres zurückzuführen sein könnten, wie zum Beispiel auf die chaotische Art und Weise, wie sich Galaxien entwickeln. Er argumentierte kürzlich, dass es immer noch völlig plausibel ist, dass Physiker in 50 Jahren sagen werden, dass das kosmologische Standardmodell das Universum „von Grund auf“ beschreibt. (Es gibt auch einige Ausreißer in der aktuellen kosmologischen Landschaft, wie z. B. Pavel Kroupa an der Universität Bonn, die das Standardmodell und das dunkle Universum völlig ablehnen.)
Riess hofft, dass sich die Gemeinschaft als Ganzes auf das letzte Stadium der Trauer zubewegt: die Akzeptanz, dass mit dem Standardmodell wirklich etwas nicht stimmen könnte. Ja, es ist überraschend, Risse in einem so soliden theoretischen Gebäude zu finden. Aber, so fragte er, „was bedeutet überraschend in einem Universum, das wir nicht verstehen?“ Als Heymans über den Stand der Forschung nachdachte, nahm sie einen Ton theatralischer Verzweiflung, gemischt mit Verwunderung, an: „Wir wissen so viel und doch … so wenig!“
Nachdem Heymans im Frühjahr 2022 erkrankt war, entwarf sie eine automatische Antwortnachricht, die sie noch heute verwendet. „Sehr geehrter Absender“, heißt es darin, „Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihre E-Mail im Moment wahrscheinlich nicht beantworten kann. Leider gehöre auch ich zu den mehreren Millionen Menschen im Vereinigten Königreich, die derzeit unter einem langen Covid leiden.“
Heymans stellte sich ihrem Dilemma wie ein Wissenschaftler. Jemand, der Milliarden von Galaxien und unzählige Variablen studiert, muss zwangsläufig in Daten schwelgen. Kurz nachdem sie erkrankt war, eröffnete sie eine Tabellenkalkulation, in der sie begann, in zweistündigen Blöcken alle ihre Symptome und Aktivitäten zu erfassen. Sie versuchte zu verstehen, wie ihre Symptome mit ihrem Aktivitätsniveau zusammenhingen, um eine wissenschaftlichere Grundlage für das Management ihres Wohlbefindens zu finden. Sie stellte fest, dass ihre Brustschmerzen mit Sprechen und Lachen korrelierten, also versuchte sie, beides zu reduzieren, was in ihrem Fall so etwas wie der Versuch war, die Sonne auszulöschen. Stress verschlimmerte ihre Symptome, was sie noch mehr stresste, so dass sie „zur Achtsamkeit konvertiert“ war.
Ihre Genesung verlief langsam und zögerlich, aber sechs Monate nach der Entwicklung des langen Covid spürte Heymans erste Anzeichen einer Besserung. Anfang September erkrankte sie jedoch zum zweiten Mal an Covid. „Das ist ein ziemlicher Rückschlag“, schrieb sie mir kurz darauf. „Obwohl ich nirgendwo hingehe und niemanden treffe, habe ich drei Kinder, die zur Schule gehen und somit eine biologische Gefahr darstellen.“ Die gute Nachricht sei, dass ihre Kinder keine Langzeitsymptome entwickelt hätten, fuhr sie fort. „Die schlechte Nachricht ist, dass ich jetzt nicht mehr ans Haus, sondern ans Bett gefesselt bin – wer hätte gedacht, dass es noch schlimmer werden könnte! Erstaunlicherweise und glücklicherweise bin ich aber immer noch ziemlich gesund und positiv.
Ende September, als die Infektion vorüber war, begann Heymans mit einer fünfwöchigen experimentellen Behandlung, um einige ihrer Symptome zu lindern. Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT) sitzt man 90 Minuten lang in einer Hochdruckkammer, während Sauerstoff in die Lunge gepresst wird (HBOT wird seit Jahren von Menschen eingesetzt, die an myalgischer Enzephalomyelitis leiden, auch bekannt als chronisches Müdigkeitssyndrom, um die Symptome in Schach zu halten). „Stellen Sie sich die Szene aus Star Wars vor, in der Darth Vader in einem Drucktank sitzt“, erklärte sie mir. „Das ist mehr oder weniger das, was ich mir antue – komplett mit schwarzer Gesichtsmaske und Schläuchen.“ Da der Druck dem von 10 Metern unter Wasser entspricht, nennen die Patienten die Sitzungen „Tauchgänge“.
Eine Tabelle, die Catherine Heymans erstellt hat, um ihre langen Covid-Symptome zu verfolgen.
Eine Tabelle, die Heymans erstellt hat, um ihre langen Covid-Symptome zu verfolgen. Foto: Catherine Heymans
Heymans begann, über ihre Wochen in der Kammer Buch zu führen, um sie mit anderen Betroffenen zu teilen, und nannte dies die HBOT-Tagebücher. „Ich bin wie versteinert“, schrieb sie vor einem Probetauchgang am 26. September 2022. „Dies ist das erste Mal, dass ich seit über einem Monat das Haus verlasse, und die Außenwelt ist überwältigend.“ Da es in der Kammer keine Betten gab, war sie gezwungen, zu sitzen. „Mein Kopf beginnt zu pochen, wahrscheinlich weil ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder aufrecht sitze. Nach der Sitzung war das Treppensteigen zurück zu ihrer Wohnung im obersten Stockwerk eines Edinburgher Mietshauses „wie die Besteigung des Mount Everest“. Zwei Tage später litt sie unter Schlaflosigkeit, begleitet von „der üblichen Spirale aus Verzweiflung und Schmerz“. Heymans wurde gesagt, dass die nächsten drei Wochen der Behandlung – vier Tauchgänge pro Woche – zermürbend sein würden. „Wenn man bedenkt, wo ich jetzt stehe, ist das eine Untertreibung“, sagte sie mir nach dem Probetauchen.
In der darauffolgenden Woche begann sie mit dem vollen Protokoll und fühlte sich „müde, ängstlich und schrecklich“. Im Wartezimmer begegnete sie einer „spirituellen Heilerin“, die zu ihr kam und schweigend ihre Hände hielt. „Obwohl wir uns völlig fremd sind“ – der eine ein Astronom, der andere ein Astrologe – „ist es so beruhigend, nicht allein zu sein“. Später in dieser Woche begannen die seltsamen Träume: „Ich verbrachte Stunden damit, große französische Baguettes an riesige Enten zu verfüttern … Wird mich die riesige Ente fressen?“
Long-Covid ist ein höchst unberechenbarer und frustrierender Zustand, der keine eindeutige Entwicklung oder Erzählung bietet. Einer Reihe von guten Tagen kann leicht ein Zusammenbruch vorausgehen. Am Ende der zweiten Woche, Mitte Oktober, konnte Heymans ihrem 10-jährigen Sohn zum Geburtstag einen Kuchen backen, aber sie brauchte den ganzen Tag dafür. An einigen Abenden konnte sie mit der Familie zu Abend essen, was sie seit mehr als sechs Wochen nicht mehr hatte tun können. „Es ist so schön, ihre Gespräche zu hören und mit ihnen zu scherzen“, berichtete sie. Doch drei Tage später lautete ihr Tagebucheintrag: „Mürrischer Absturz“. „Vielleicht habe ich zu viel getan oder es ist nur die übliche Zyklusdelle“ – sie hatte zuvor mindestens zwei größere Rückschläge am 21. Tag ihres Zyklus, wenn der Progesteronspiegel seinen Höhepunkt erreicht – „aber ich fühle mich heute sterbenselend.“
Eine Woche später gab es jedoch eine hoffnungsvolle Nachricht. Heymans schrieb: „Ich kann sehen, wie mein altes Ich auftaucht.“ Sie hatte die gesamte 15. Sitzung damit verbracht, Computercode zu schreiben, und konnte danach mit einer Freundin kurz in der Nordsee baden gehen. Eine Woche später, Anfang November, strahlte sie: „Was für eine Veränderung!“ An ihren Lungen- und Halsschmerzen, ihrem Herzklopfen und ihrem chronischen Schnupfen hatte sich nichts geändert, und ihr Tinnitus wurde immer schlimmer. Doch nach fünf Wochen Behandlung und 20 Tauchgängen waren ihre Müdigkeit, ihre Ohrenschmerzen und die verschwommene Sicht auf dem rechten Auge besser geworden, wenn auch nicht völlig verschwunden. Ihr Gehirnnebel und ihre Schlaflosigkeit hatten sich aufgelöst, und ihre Angstzustände waren verschwunden. Sie hatte sich aus Luftfiltern, einem Ventilator und Klebeband einen eigenen Luftreiniger gebaut, in der Hoffnung, die Gefahr einer erneuten Infektion zu verringern.
Der Aufschub ihrer Symptome erwies sich als schmerzhaft kurz. Anfang 2023 schrieb sie mir: „Ach, zwei Balken beim Lateral-Flow-Test an Heiligabend – was für ein nettes Familiengeschenk von Covid von der Schule meiner Tochter. Ich bin wieder ein Spatzenhirn.“ Sie war frustriert darüber, dass trotz der weiten Verbreitung von Covid – eine Studie vom Juni letzten Jahres ergab, dass im Vereinigten Königreich 2 Millionen Menschen mit Covid leben – die Leute immer noch nicht verpflichtet waren, sich zu maskieren, aber sie war der Meinung, dass sie ihre Kinder nicht zwingen konnte, die einzigen zu sein, die sich maskieren mussten. Ungefähr zu dieser Zeit twitterte sie eine der tiefsten, wütendsten Äußerungen, die ich je von ihr gehört habe: „Ich lege mein Veto ein, weil ich das Gefühl habe, dass ich in unserer „Lass es raus“-Gesellschaft niemals gesund werden darf.
„Es ist ein sehr schöner Tag, und die Sonne scheint auf mein Bett, das ist wunderbar“, sagte mir Heymans kürzlich an einem Nachmittag. Sie war „immer noch sehr aufgewühlt auf der langen Covid-Achterbahn“ und hatte mir die Kopie einer Karikatur geschickt, die in der langen Covid-Gemeinschaft kursierte. Es handelte sich um eine Zeichnung eines Brettspiels namens Long Covid: All Snakes, No Ladders. Eine der Schlangen, die die Spieler um 21 Felder zurückwarf, trug die Aufschrift „Zu viel geweint“. Aber nicht alle Tage waren schlecht. Eines Abends im letzten Monat, nach mehr als einem Jahr Krankheit, hatte ihr Mann sie Huckepack zum Strand von Portobello mitgenommen, wo Merkur und Venus gemeinsam am Himmel zu sehen waren. Merkur wird normalerweise von der Sonne verdeckt, und es war das erste Mal, dass Heymans ihn gesehen hatte.
Bevor sie lange Covid entwickelte, schienen Heymans tausend Gelegenheiten vor die Füße zu fallen. Die Königin hatte sie 2021 zur königlichen Astronomin für Schottland ernannt, und seitdem war sie als potenzielle Leiterin einiger großer wissenschaftlicher Institute angesprochen worden. Nun befürchtete sie, dass zu viel von der neuesten Forschung an ihr vorbeigehen würde. „Vielleicht besteht meine neue Rolle, wenn das alles endlich vorbei ist, darin, die Dinge für die Menschen, die nach mir kommen, besser zu machen“, fragte sie sich laut. „Ihnen zu zeigen, dass sie diese Arbeit machen und normal sein können.“ Als sie in ihrem Bett lag, begann sie zu lachen und fügte hinzu: „Sie werden jetzt sagen, dass ich nicht normal bin.“
Auch sie hatte die Phasen der Trauer durchlaufen, nicht um irgendein wissenschaftliches Ideal, sondern um ihr vergangenes Ich. Sie hatte sich auf den Weg gemacht, zu akzeptieren, dass sich ihr Leben verändert hatte, möglicherweise für immer. „Du kannst nicht dagegen ankämpfen, und du hast nur eine bestimmte Menge an Energie pro Tag, also kannst du sie nicht damit verschwenden, dich richtig aufzuregen“, sagte sie mir im April. „Man muss seine Energie für Dinge verwenden, die einen erfüllen. Für mich ist das die Astronomie.“
Die Milchstraße ist über dem Yesnaby Sea Stack auf den Orkney-Inseln zu sehen. Foto: Mark Ferguson/Alamy
An Arbeit für Heymans mangelt es nicht. Die wissenschaftlichen Fragen, die sie und ihre Mitarbeiter aufgeworfen haben, bleiben unbeantwortet. In der Astronomie „ist die Antwort auf eine große Kontroverse, die man nicht lösen kann, immer der Bau eines größeren Teleskops“, scherzt sie gerne. Derzeit wartet sie darauf, dass die Kuppeln des Vera-Rubin-Observatoriums in der chilenischen Atacama-Wüste geöffnet werden, damit sie und ihre Kollegen damit beginnen können, die detailliertesten Bilder des Weltraums zu machen, die es je gab. Viele Kosmologen hoffen, dass das Observatorium, das mit dem größten Objektiv und der größten Kamera der Welt ausgestattet ist, genügend neue Informationen über das Universum liefern wird, um die Spannungen zwischen dem kosmologischen Standardmodell und den Erkenntnissen von Heymans, Riess und ihren jeweiligen Mitarbeitern zu beseitigen. Es könnte den Wissenschaftlern auch helfen, die Natur der dunklen Energie und der dunklen Materie zu entdecken.
Und es können immer noch größere Teleskope gebaut werden. Eines der vielen Ziele von Heymans ist es, eines auf der dunklen Seite des Mondes zu bauen. Es wäre einen Kilometer breit – 30 Mal größer als sein größter Konkurrent auf der Erde – und hätte einen perfekt glatten Spiegel aus flüssigem Quecksilber. Er wäre immun gegen künstliches Licht, die dunstige Atmosphäre und alle anderen Verunreinigungen hier auf der Erde. Sie träumte einmal davon, selbst zum Mond zu reisen, um durch ihn hindurchzuschauen und das Universum neu zu sehen.
Im Moment ist Heymans noch weitgehend an ihr Bett oder den Stuhl in der HBOT-Kammer gefesselt. Sie weiß, dass die Möglichkeit besteht, dass ihre Krankheit ebenso wie das Universum, das sie erforscht, grundsätzlich rätselhaft bleibt. Aber selbst wenn sie nie wieder ganz gesund wird, wird sie jeden Morgen aufwachen und ihre Arbeit wieder aufnehmen und hoffnungsvoll in die Dunkelheit blicken.
Die Berichterstattung über dieses Projekt wurde durch ein Silvers Grant for Work in Progress der Robert B Silvers Foundation unterstützt.
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The dark universe: can a scientist battling long Covid unlock the mysteries of the cosmos?
Since being laid low with the virus more than a year ago, Catherine Heymans can only operate in half-hour bursts. But her work could still change the way we understand the universe
Last September, Catherine Heymans, one of the world’s leading cosmologists, was supposed to board a ferry for the northernmost island in the Orkney archipelago. The island, North Ronaldsay, is among the darkest inhabited places on earth. On a clear winter’s night, it is easy to be awed by the thousands upon thousands of stars visible to the naked eye, which spill their unpolluted light upon the Earth. Heymans, who is the first woman appointed astronomer royal for Scotland, was planning to explain to the island’s 60 or so residents that those stars, and the rest of the perceptible universe, represent a mere fraction of the stuff that makes up our cosmos. What she studies is everything we cannot see: the darkness.
Over the past two decades, Heymans, who is 45, has advanced our understanding of a vast, invisible cosmos that scientists are only beginning to comprehend. That “dark universe” is thought to constitute more than 95% of everything that exists. It is made up of entities more mysterious than the ordinary matter and energy – the light, atoms, molecules, lifeforms, stars, galaxies – that have been the subject of scientific inquiry throughout history. In the past 10 years, Heymans has learned that the dark universe shapes the visible cosmos in unexpected ways, and may not follow all the standard rules of physics. Her discoveries are unsettling a broad consensus on how our world works on its grandest scales. “I believe that, to truly understand the dark universe, we will need to invoke some new physics that will for ever change our cosmic view,” she has written.
Heymans is not alone in that belief. During the 20th century, scientists developed an extraordinarily precise account of almost 14bn years of the universe’s history. But an increasing number of scientists suspect that model may be profoundly limited, or even broken. Some leading astrophysicists have recently declared that we have entered an era of cosmological crisis, one that might lead to anything from the discovery of new fundamental particles to a new theory of gravity. “The proliferation of ideas is like nothing I’ve ever seen,” the Nobel prize winner Adam Riess, another key figure in cosmology’s current upheaval, recently told me.
Six months before she was scheduled to go to North Ronaldsay, Heymans was like many other world-class scientists: she worked a minimum of 12 hours a day, with an overwhelming schedule of international travel. In July alone, she was due to attend three international conferences, to appear on stage at an ideas festival with Sir Martin Rees, for a session entitled Astronomer Royal meets Astronomer Royal, and to perform Do You Matter?, one of the standup comedy shows that she had been doing with her fellow astrophysicist Joe Zuntz since 2017. (Scrutinising a pixelated image of distant galaxies is “like looking at your favourite Japanese pornography”, runs one of her edgier jokes.) She was also due to receive the Royal Astronomical Society’s Herschel medal for “investigations of outstanding merit in observational astrophysics”. In between all that, she was supposed to shuttle back and forth between the University of Edinburgh, where she is professor of observational cosmology, and Ruhr University in Bochum, Germany, where she uses a prestigious €1.5m-million-euro Max Planck-Humboldt award, which she won in 2018, to run a centre dedicated to exploring the dark universe.
Catherine Heymans at the Royal Observatory in Edinburgh in June 2021. Photograph: Katherine Anne Rose/The Observer
But then, in March 2022, Heymans and her family contracted Covid. While her partner and three children recovered relatively quickly, she continued to feel awful several weeks later. “Strange illness, but I’m trying to be patient,” she emailed me. We still planned to meet in Europe that summer, and in Scotland in the autumn. Two months later, though, she got in touch to say her health was getting worse – “a slow and steady decline”, wrote Heymans, who usually radiates a sunny optimism. “Unfortunately you find me battling long Covid,” she wrote. In July, I got a message from her saying, “Sadly on the long Covid front, it is fair to say that it has cancelled my life until further notice.” She had spent the previous few weeks housebound and barely able to speak.
But she was still working. In a dark room, lit only by the glare of her laptop screen, Heymans would reply to emails and review the computer code for an international collaboration investigating the dark universe. After half an hour, an alarm would go off, and she would type a note to remind her future self what she was working on. Then she would shut her laptop and lie in silence or go to sleep. (Attempting to do too much physically or mentally often causes long Covid sufferers to crash for extended periods.) As soon as she felt able, she would get up, open her laptop, read the note and continue working. She repeated that cycle multiple times a day. Then she ate a meagre supper with her family while lying on the sofa – Covid had taken away her appetite – and slept fitfully for the rest of the night, frequently waking in pain or panic.
The next morning, Heymans would begin work again. From the narrowing confines of her life, she was still trying to help humanity peer deeper into the universe. “I’ve waited 20 years for science to advance this far,” she told me recently. “I’m not about to give up now.”
Perhaps the most profound insight in all of cosmology is that our universe has a history. It has not existed for ever and unchanging; it was born and it evolves. Cosmology’s ambition is to tell the story of that evolution and to explain the physical processes that govern it. Scientists do that in the language of mathematics, with sets of equations that describe how the universe changes. Those equations, and the stories we tell to make intuitive sense of them, are called “models” of the universe. The better the model – the more accurately it describes the world as we observe it – the deeper we presume our understanding of the universe to be. What makes Heymans’s work so striking is that it conflicts with the most accurate model of the universe we have ever had.
The cornerstone of that model is the big bang theory, which holds that everything in the universe began in an unfathomably hot, compact state – possibly in an infinitely dense point known as a singularity – and then expanded. In addition to the big bang, the model includes the two enigmatic constituents of the dark universe that Heymans studies. One is “dark matter”, which doesn’t emit, reflect, or absorb light, but exerts the attractive force of gravity. The existence of dark matter helps to explain why galaxies aren’t torn apart as they whirl through the void. “If all that was there was the stuff that we see, the stars would simply fly out into space,” Heymans explains in one of her public performances. The other constituent is “dark energy”, which causes the universe to expand at faster and faster speeds. Dark energy and dark matter “play out an epic battle of cosmic proportions”, Heymans likes to say – the former ripping the cosmos apart, and the latter trying to bind it closer together. Dark matter and dark energy are now thought to constitute more than 95% of the universe, ordinary matter less than 5%.
Together, the big bang, dark matter and dark energy – along with equations derived from Einstein’s theory of general relativity – make up what is now known as the “standard cosmological model” of the universe. We can test this model by gazing into the past to survey the universe in its infancy. Because light takes time to travel to us, when we look out into space, we are seeing the universe as it appears not at any one moment, but rather at many different ages. It’s as if we are looking at a composite image of someone’s face made up of billions of fragmentary photographs – a freckle from their toddler years, a wrinkle from their 60s – taken over the course of their entire life. If you have the right cosmological model, then you should be able to take the parts of the universe you see at one point in time, run them through the model’s equations, and have it spit out the universe you see at another point in time – thus demonstrating that your understanding of the universe is correct.
A image of the Abell 901/902 supercluster of galaxies, with the magenta patches representing dark matter. Photograph: Alamy
The furthest back in time we can see is nearly 14bn years, to a moment just 380,000 years after the big bang, when light shot through the universe in every direction. That early burst of light still hums throughout space in the form of microwaves that fall well outside the visible spectrum. Scientists call it the “cosmic microwave background”. Mapping subtle differences in the temperature of those microwaves gives us an image of where the matter and energy were distributed across the entire early universe. Admiring the first detailed maps of the cosmic microwave background in 1992, the astrophysicist George Smoot, who later won the Nobel prize, famously remarked: “It’s like seeing God.”
By the mid-2010s, maps of the background had become so refined that physicists declared that human beings had finally entered the era of “precision cosmology”. “More has been discovered about the large-scale structure and history of the visible cosmos in the last 20 years than in the whole of prior human history,” said the philosopher of science Tim Maudlin in 2014. Meanwhile, the standard cosmological model seemed to be doing an impressive job of connecting those ever-more detailed maps of the infant universe to the universe we saw around us in the recent past. Some physicists thought that all we had to do was figure out exactly what dark matter and dark energy consisted of, and our knowledge of the workings of the universe at the largest levels would be complete.
Heymans was among the first people to detect a crack in the standard model. When the first ultra-precise maps of the cosmic microwave background were released by the European Space Agency’s Planck observatory, in March 2013, they fit the predictions of the standard model with exquisite precision. But Heymans quickly realised those maps no longer agreed with one of the measurements she was making of the more recent universe. The recent universe, she found, had less large-scale structure – less clumping and clustering of galaxies – than our maps of the early universe implied. The standard model’s universe was like rice pudding, Heymans likes to say, but hers was more like custard. Either Heymans had committed a major error, or there was something awry with the standard model.
At first, few people took Heymans’s findings seriously. “Nobody believed me because I wasn’t a professor then, and I certainly wasn’t astronomer royal,” Heymans told me. “I was just a lowly lecturer with a newborn baby, and people were just like, ‘No, you’re doing something wrong.’”
Heymans is at her best in the teeth of a challenge. “She is very creative, and she understands what the important problems are,” said the astrophysicist Alan Heavens, who taught Heymans as a student and has written many papers with her over the years. She is also prodigiously hardworking and inexhaustibly enthusiastic. She used to wake up at 4.30am, prepare supper for her family, and then take the earliest bus from her home in Portobello, a suburb of Edinburgh, to the base of Blackford Hill. She says she would literally skip up the hill to the Royal Edinburgh Observatory, arriving at work before anyone else. “Sleep is overrated,” she told me recently, during one of her half-hour working blocks. “Well, now I have a lot of it – but I didn’t use to sleep very much.”
Before developing long Covid, Heymans was, by her own description, “efficient, effervescent, and unstoppable” (also, “stupidly tall” – she’s 6ft 1in). Now, she calls herself “resilient”. Even in the grip of her illness, she completes almost every sentence with a laugh. She hasn’t owned a mobile phone since university, in part because she has “quite an addictive personality” and fears it would distract her from work and family. She’s almost never worn makeup, because “there’s simply not enough time to put it on”, she said. “What’s kind of annoying about Catherine is that she’s more productive when she’s asleep for two-thirds of the day than I am at my best,” said Zuntz, her comedy partner and colleague at the University of Edinburgh.
Heymans was born in 1978, and family lore has it that at the age of six she decided to become either an astrophysicist or a brain surgeon, after asking her primary school teacher what the hardest job in the world was. Her parents were baffled by her, she said: “They were very proud, but they did keep trying to divert me into more suitable careers.” The family lived in Hitchin, Hertfordshire, in the home-counties commuter belt.
Like nerds the world over, Heymans had a small circle of smart but socially ostracised friends. “If you were academically bright, then you were considered a bit sad, really,” her friend since childhood Esther Gamble, told me. “But we didn’t mind – we had each other and our little group of geeks.” (Gamble is now a barrister.) At Hitchin girls’ school, which is now one of the few remaining single-sex state schools in the country, Heymans felt she had the opportunity to be a leader in her science and maths classes. “If you do a random poll of female physicists, you’ll find the majority of them went to single-sex schools,” she said. Her interest in astronomy was nurtured by a teacher who was fanatical about space and organised an international field trip to Nasa’s Kennedy Space Center in Florida. “We didn’t have families with enough money to send us, and we were very jealous of everyone who got to go,” Gamble recalled.
In a precursor to her ordeal with long Covid, Heymans contracted Epstein-Barr virus just before her GCSEs, and spent the next year in bed with glandular fever. “I’d kind of filed that little part of my life away in a part of my brain that I didn’t like to think about,” she told me. “But partly because my daughter’s now that age” – Heymans has two boys and a girl – “I’m sort of looking at her and thinking, ‘Oh, yeah, no, we never did the things that you’re doing right now, because I was asleep.’” When she wasn’t sleeping that year, she alternated between watching daytime television and teaching herself A-level physics in bed. “It’s pretty similar to how I’m working now – except no daytime TV, because that is soul-destroying,” she said.
Heymans at the official opening of the Aberdeen Science Centre in October 2021. Photograph: Aberdeen Science Centre
Although her health slowly improved, after a year spent mostly alone, Heymans felt depressed. But then she got a little “kick” that helped her to fully recover. “He’ll probably kill me for saying this, but I met my partner,” she said. The local schools had organised a trip to Oxford to check out the university, and she had summoned the strength to get on the bus. Rory MacLeod’s parents had put him on it, too. “We got chatting and then – yeah,” she continued. “We’ve been together since we were 17.” Heymans and MacLeod, who was born in Scotland, decided to go to the University of Edinburgh together.
When she arrived at Edinburgh in 1996, Heymans was one of only a handful of women in a cohort of nearly 100 physics students. All her professors were men. To help fund her studies, she worked in bars, as a nanny, and as a tour guide at the Royal Observatory, where she now has her office. At the observatory, the awestruck reaction of a boy upon seeing the rings of Saturn for the first time convinced her to dedicate her life to studying space.
In 1998, she became fascinated by cosmology, the study of the universe as a whole. That May, Adam Riess published the first draft of a seminal article that seemed to establish that, contrary to prevailing theories, the expansion of the universe was accelerating. If the universe was expanding faster and faster, there had to be some extra form of energy stretching it more and more. “I was like, ‘Whoa, so cool,’” Heymans recounted thinking, with the self-aware geeky awe she often uses when discussing the riddles of the cosmos. (Even today, she responds to the universe the way that other people might react to meeting their favourite movie star.)
That force came to be known as dark energy. When Heymans heard about it in 1998 she thought, “I want to solve this in my PhD.” Attempting to discover the nature of dark energy in the span of three years turned out to be a ludicrous ambition – “so laughable”, Heymans said. But it was also an early sign of her eagerness to take on ferocious problems that require exceptional creativity to solve. “That’s something that people don’t get about science,” she said. “They think that to be creative, you need to be an artist, or a writer. But science is probably the most creative job there is, because you ask questions that nobody knows the answer to.”
“For the past 20 years, I have been catching the light in remote mountain-top observatories all the way around the world,” Heymans told an audience in 2018. In the Australian outback and the Chilean highlands, on the snowy slopes of a 4,000-metre-high Hawaiian volcano, and with the Hubble space telescope, she has captured light from more than 100m galaxies. Her work has been facilitated by the growing power of telescopes, cameras and computers, which have allowed cosmologists to poke into corners of the universe they could never see before.
Heymans’s specialty is known as weak gravitational lensing, a powerful but diabolically complex method for mapping the distribution of dark matter in the universe. The method involves studying how the path of light bends as it travels to Earth from galaxies as far as 10bn light years away. That bending is caused by gravity, which curves the space through which light travels. The amount of gravity in a given region of space, and therefore the amount of curving, depends on how much mass there is in that region. (If you have ever been encouraged to picture space as a sheet drooping under the weight of a bowling ball, you know roughly what I’m talking about.) Since dark matter accounts for most of the mass and gravity in the universe, the more light has bent on its journey, the more dark matter it has passed. Charting the passage of light through large swathes of the sky can therefore allow scientists to map how much dark matter there is in the universe, and where. That, in turn, can tell us important things about how dark energy, too, has shaped the cosmos.
The Canada-France-Hawaii Observatory on Mauna Kea in Hawaii. Photograph: Tetra Images/Alamy
When Heymans started her DPhil at Oxford, in 2000, no one yet understood how to do weak lensing properly. But she was thrilled by the possibilities and challenges it presented. “I was like, ‘That’s new, that’s exciting, and that can tell me what dark energy is!’” She spent part of her DPhil at an observatory on the rim of a volcano in the Canary Islands, but found the camera there at the time wasn’t powerful enough to do any real weak lensing science. Instead, she “learned Spanish, drank a lot of whiskey for breakfast, learned how to make ice-cream with liquid nitrogen”, which was available on tap to keep the instruments cool.
Weak lensing requires the collection and analysis of a huge amount of data, which is a demanding computational task. During her DPhil, Heymans co-wrote a piece of computer software to measure the shapes of distant galaxies in order to understand how gravity, the atmosphere and telescopes distorted the path of their light. “It was a brilliant idea,” she recalled, with self-mocking pride, “but there was absolutely no way we had the computer power to use it.” Five years later, though, machines had become powerful enough to make her code viable. Cosmologists are still using it today.
After her DPhil, Heymans won fellowships in Germany, Canada and France, and continued to break new ground in mapping the universe using weak lensing. As she moved around the world, MacLeod was “kind enough to follow me”, she said. He had studied biology, but retrained as an English teacher, because it was an easy job to travel with. Then, in their late 20s, he decided he wanted to have kids. “I said, ‘You can’t have kids and be a high-flying astrophysicist at the same time,’” Heymans recalled. (Vera Rubin, who had four children, was a notable exception.) But MacLeod said he would do the bulk of the childcare. They had their first child in 2006. (MacLeod declined to be interviewed for this article; Heymans told me he wanted to “retain his invisibility” in her professional life.)
By the time their second child came along, in 2009, Heymans had significantly refined her gravitational lensing techniques, and was leading a team of researchers exploring the dark universe. Another revolution in cosmology was afoot. The cliche of the lone genius was receding into history. The new science was an increasingly vast social undertaking. In her public lectures, the Sri Lankan-born British cosmologist Hiranya Peiris often displays a series of photographs of the teams who helped discover and map the cosmic microwave background. The first shows the four white men, two at Princeton and two at Bell Labs, who detected the microwave background in the 1960s. The second shows a few of the 18 or so people who mapped it with George Smoot in the 1990s, almost all of whom were white men. The next photo is of Peiris and some of the other members of a 30-member team that made even more detailed measurements of the microwave background in the early 2000s; only a handful were people of colour or women. By 2010, the team for the European Space Agency’s Planck Space Observatory, which has made the most precise measurements of the microwave background to date, had more than 300 members from around the world, many of them women.
“That’s the name of the game in science now, isn’t it?” Heymans said. “Looking back in history, it was all about competition. You read stories about Newton and Hooke who had these fights over the nature of light, and Hubble and Sandage arguing about how fast the universe was expanding. I really think science shouldn’t be like that now. We’ve seen all of the Covid developments that have happened because people are sharing data and working together. So that’s where cosmology’s heading – big projects working together.”
When the era of precision cosmology dawned, and Heymans and her team’s results no longer fit with the standard cosmological model, she was worried. To posit a universe different from the one entailed by the results of the European Space Agency’s Planck mission, which was led by some of the most towering scientists in the field, was a heresy. “My first thought was: ‘Oh, God, I’ve done something wrong,’” Heymans recalled. “I always think I’ve done something wrong, that’s just inherent in me. And Planck was the ultimate cosmology survey, the holy grail. So for us not to agree with it was – it was a problem.”
In scientific terms, it was a “tension”. Many scientific measurements have a degree of imprecision, and good science involves rigorously estimating both the range within which an answer is likely to fall, and the probability that the truth lies elsewhere. A common example is when meteorologists say there’s a 95% chance of one to two inches of rain the next day – an estimate that leaves open the possibility of a downpour, or that you might not need your umbrella at all.
But if one meteorologist says there’s a 95% chance of eight inches of rain, and another says there’s a 95% chance of pure sunshine, then you have a tension or, worse, a crisis. You can be reasonably sure that either one of the scientists made a mistake, or there’s something very wrong with the model they’re using to make predictions. What happened in 2013 is that an improbably large gap opened up between the range the standard model predicted for the clumpiness of the universe and the range Heymans and her team found.
The Planck map of the cosmic microwave background released in 2013. Photograph: Science History Images/Alamy
Heymans desperately wanted her measurements to agree with Planck and the standard model. Among other things, she worried she might lose funding for her future projects if her findings were wrong or continued to fall outside the mainstream. But when her next major results came out, in 2017, they were in even greater disagreement with the predictions of the standard model. The anomaly she was detecting was coming to seem less like an error, and more like a potential discovery. “I felt less bad – like I wasn’t wasting everybody’s time any more,” Heymans said.
The response of her colleagues was not universally positive. In particular, the Cambridge professor George Efstathiou, one of the “fathers” of the Planck mission, was convinced that Heymans had blundered. “We do genuinely like each other now,” Heymans said. “But when I was a young academic, he kind of led the pack of, ‘You’re doing something wrong, you don’t know what you’re doing.’” Efstathiou, in the Q&A after her public presentations, liked to ask her to tell the audience what she had done wrong. “I didn’t have the balls to say, ‘George, can you tell the audience what your team’s done wrong?’” she told the magazine New Scientist in 2017.
Heymans’s findings were not the only ones now in tension with the standard model. When the first Planck results came out, Adam Riess soon realised that the recent universe was growing faster than Planck and the standard model predicted. “Luckily, he’s got a Nobel prize, so there’s no way people are gonna say to him, ‘You don’t know what you’re doing,’” Heymans joked.
“We went through the stages of grieving – denial, anger, and so on,” Riess told me recently, reflecting on the period in which he and his team realised they were no longer in agreement with the standard model. Accusations were thrown around about who had got their analyses wrong, and how. “But a lot of work has been done since then, and we have a much stronger result now,” Riess continued. His teams have used more than 1,000 orbits of the Hubble space telescope to make their observations – a massive investment of scientific resources. Something similar has been happening with Heymans’s results. “There’s been loads of improvement in our weak lensing measurements,” Heymans said. “There are three different teams now, and they’re all finding the same thing that we were finding 10 years ago.”
Not everyone agrees that there is a crisis in the field, or, if there is a crisis, exactly where it lies. Efstathiou takes seriously Heymans’s findings about the structure of the universe. But he isn’t convinced they will entail an overhaul of physics as we know it; instead, he has proposed, along with one of Heymans’s former graduate students, Alexandra Amon, that Heymans’s results may be due to something more mundane, such as the messy ways that galaxies evolve. He recently argued that it’s still entirely plausible that, in 50 years’ time, physicists will be saying that the standard cosmological model describes the universe “all the way down”. (There are also distant outliers in the current cosmological landscape, such as Pavel Kroupa at the University of Bonn, who reject the standard model, and the dark universe, altogether.)
Riess hopes that the community as a whole is moving towards the final stage of grief: acceptance that there might really be something wrong with the standard model. Yes, it’s surprising to find cracks in such a solid theoretical edifice. But, he asked, “What does surprising mean in a universe we don’t understand?” When Heymans reflected on the state of the field, she adopted a tone of theatrical despair mixed with wonderment: “We know so much, and yet … so little!”
After Heymans became ill in the spring of 2022, she drafted an automatic reply message, which she still uses today. “Dear Sender,” it reads, “Please accept my apologies as I’m unlikely to be able to respond to your email at this time. I’ve unfortunately joined the several million across the UK who are currently suffering from long Covid.”
Heymans faced her predicament like a scientist. Someone who studies billions of galaxies and countless variables must necessarily revel in data. Soon after she became ill, she opened a spreadsheet in which she began to track, in two-hour blocks, all her symptoms and activities. She was trying to understand how her symptoms related to her activity levels, so that she could find a more scientific basis for managing her wellbeing. She found that her chest pain correlated with talking and laughing, so she tried to cut down on both, which in her case is sort of like trying to extinguish the sun. Stress made her symptoms worse, which made her more stressed, so she had become “a convert to mindfulness”.
Her recovery was slow, and faltering, but six months after developing long Covid, Heymans was starting to feel glimmers of improvement. In early September, though, she contracted Covid for the second time. “A bit of an almighty setback,” she wrote to me shortly afterward. “Even though I don’t go anywhere, or see anyone, I have 3 kids who go to school and are therefore biohazards.” The good news was her kids hadn’t developed long-term symptoms, she continued. “The bad news is that I’ve moved from housebound mode to bedbound mode – who would have thought things could get worse!! Amazingly and happily I’m still quite sane and positive though.”
In late September, when the infection passed, Heymans began a five-week course of an experimental treatment to alleviate some of her symptoms. Hyperbaric oxygen therapy, or HBOT, involves sitting in a high-pressure chamber for 90 minutes while having oxygen forced into your lungs. (HBOT has been used for years by people suffering from myalgic encephalomyelitis, commonly known as chronic fatigue syndrome, to help keep symptoms at bay.) “Picture the scene from Star Wars where Darth Vader is inside a pressurised tank,” she told me. “That is more or less what I’m putting myself through – complete with the black face mask and tubes.” Because the pressure is equivalent to being 10 metres under water, patients call the sessions “dives”.
A chart Heymans made to track her long Covid symptoms. Photograph: Catherine Heymans
Heymans began keeping a record of her weeks in the chamber to share with other long Covid sufferers, which she called The HBOT Diaries. “I’m petrified,” she wrote before a trial dive on 26 September 2022. “This is the first time I’ve left the house in over a month, and the outside world is overwhelming.” There were no beds in the chamber, so she was forced to sit. “My head starts to throb, probably because this is the first time I’ve sat upright in a long time.” After the session, climbing the stairs back to her flat at the top of an Edinburgh tenement was “like climbing Mount Everest”. Two days later, she was suffering from insomnia, accompanied by “the usual spiral of despair and pain”. Heymans was told the next three weeks of treatment – four dives per week – would be gruelling. “Based on where I am at the moment I think that is an understatement,” she told me after the trial dive.
The following week, she began the full protocol feeling “tired, anxious and horrible”. In the waiting room, she met a “spiritual healer” who came over and silently held her hands. “Even though we are complete strangers” – one an astronomer, the other an astrologer – “it is so comforting to not be alone.” Later that week, the strange dreams began: “I spent hours feeding large French baguettes to giant ducks … Will the giant duck eat me?”
Long Covid is a highly unpredictable and frustrating condition, and it offers no clear trajectory or narrative. A string of good days can easily precede a collapse. By the end of her second week, in mid October, Heymans was able to bake her 10-year-old son a cake for his birthday, but it took her the entire day. She was able to join the family for dinner on a couple of nights, which she hadn’t been able to do for more than six weeks. “It is so lovely to hear their chatter and join in with the jokes,” she reported. But three days later, her diary entry read: “Glum crash”. “Maybe I’ve done too much or maybe it’s just the usual menstrual cycle dip” – she had previously had at least two major setbacks on day 21 of her cycle, when progesterone levels peak – “but I feel like death today.”
One week later, though, there was a hopeful note. Heymans wrote, “I can see the old me emerging.” She had spent the entirety of her 15th session writing computer code, and afterward she was able to go for a brief dip with a friend in the North Sea. A week after that, at the beginning of November, she was beaming: “What a transformation!” There was no change in her lung pain and sore throat, her heart palpitations, or her chronic runny nose, and her tinnitus was getting worse. But by the end of five weeks of treatment and 20 dives, there were improvements, though not total relief, from her fatigue, ear ache and the blurred vision in her right eye. Her brain fog and insomnia had dissipated, and her anxiety had gone away. She had built her own air purifier, out of air filters, a box fan and duct tape, in the hope of reducing the chances of reinfection.
The reprieve from her symptoms turned out to be painfully brief. At the start of 2023 she wrote to me, “Alas – two bars on the lateral flow test on Christmas Eve – what a kind festive family present of Covid from my daughter’s school. I’m back to mush-brain.” She was frustrated that people weren’t still required to mask, despite the the prevalence of long Covid – a study last June found that there were 2 million people living with it in the UK – but she felt she couldn’t force her children to be the only ones to cover up. Around that time she tweeted one of the lowest, angriest sentiments I’d ever heard her express: “Vetoing ‘get well soon’s as it feels that I will never be allowed to get well in our ‘let it rip’ society.”
“It’s a very lovely day, and the sun is shining on my bed, so that’s wonderful,” Heymans told me on a recent afternoon. She was “still very up and down on the long Covid rollercoaster”, and had sent me a copy of a cartoon that was circulating in the long Covid community. It was a drawing of a board game called Long Covid: All Snakes, No Ladders. One of the snakes, which took players back 21 squares, was labelled “Cried Too Much”. But not all days were bad. One evening last month, more than a year into her illness, her husband had given her a piggyback ride down to Portobello beach, where Mercury and Venus could be glimpsed together in the sky. Mercury is usually blotted out by the sun, and it was the first time Heymans had ever seen it.
Before she developed long Covid, a thousand opportunities seemed to lie at Heymans’s feet. The Queen had appointed her astronomer royal for Scotland in 2021, and she had since been approached as a potential director of some major scientific institutes. Now she worried that too much of the latest research would pass her by. “Maybe my new role, when this finally is all over, is to make things better for people coming up behind me?” she wondered aloud. “To show them that they can do this work and be normal.” Lying in her bed, she began to laugh her dam-bursting laugh and added, “You’re gonna say I’m not normal now.”
She, too, had been through the stages of grieving, not for some scientific ideal, but for her past self. She had been making her way towards acceptance that her life had changed, possibly permanently. “You can’t battle this, and you’ve only got a fixed amount of energy per day, so you can’t waste it on getting really upset,” she told me in April. “You’ve got to spend your energy doing stuff that fulfils you. For me, that’s astronomy.”
The Milky Way visible over Yesnaby sea stack in the Orkney Islands. Photograph: Mark Ferguson/Alamy
There’s no dearth of work for Heymans to do. The scientific questions she and her collaborators have opened up remain unanswered. In astronomy, “whenever you have a big controversy that you just can’t figure out, the answer is always to build a bigger telescope”, she likes to joke. She is currently waiting for the domes to open at the Vera Rubin Observatory in Chile’s Atacama desert, so she and her colleagues can begin making the most detailed images of space ever. Many cosmologists hope that the observatory, which boasts the world’s largest lens and camera, will provide enough new information about the universe to resolve the tensions between the standard cosmological model and the findings of Heymans, Riess and their respective collaborators. It may also help scientists to discover the nature of dark energy and dark matter.
And there are always bigger telescopes to be built. Among Heymans’s many ambitions is to build one on the dark side of the moon. It would be a kilometre wide – 30 times bigger than its biggest rival on Earth – with a perfectly smooth mirror of liquid mercury. It would be immune to artificial light, hazy atmosphere, and all the other contaminations here on the planet. She once dreamed of travelling to the moon herself to peer through it, in order to see the universe anew.
For now, Heymans is still largely confined to her bed or the chair in the HBOT chamber. She knows there is a chance that her disease may remain fundamentally mysterious, as may the universe she studies. But even if she never fully recovers, she will continue to wake up each morning and begin working again, gazing hopefully into darkness.
Reporting for this project was supported by a Silvers Grant for Work in Progress from the Robert B Silvers Foundation
The free press is under attack from multiple forces. Media outlets are closing their doors, victims to a broken business model. In much of the world, journalism is morphing into propaganda, as governments dictate what can and can’t be printed. In the last year alone, hundreds of reporters have been killed or imprisoned for doing their jobs. The UN reports that 85% of the world’s population experienced a decline in press freedom in their country in recent years.
This week marks the 30th annual World Press Freedom Day, a day for everyone to reflect on the importance of free expression as fundamental for all other rights. It is also an opportunity to pledge support for independent media – because without a robust and free press, a healthy democracy is impossible.
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Gesendet: Samstag, 06. Mai 2023 um 04:18 Uhr Von: „Caitlin Johnstone from Caitlin’s Newsletter“ <caitlinjohnstone@substack.com> An: Helmut_Kaess@web.de Betreff: The Kremlin Did Not Kill Itself: Notes From The Edge Of The Narrative Matrix
Der Kreml hat sich nicht selbst umgebracht: Notizen vom Rand der narrativen Matrix
Caitlin Johnstone
6. Mai
Hören Sie sich eine Lesung aus diesem Artikel an (Lesung von Tim Foley):
Der Kreml hat sich nicht selbst umgebracht von Caitlin Johnstone
Caitlin Johnstone
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Ihren Machthabern ist es egal, welcher Rasse Sie angehören. Es ist ihnen egal, ob Sie schwul, transsexuell oder nichtbinär sind. Es ist ihnen egal, wie viele Kugeln du in deiner Waffe haben darfst. Es ist ihnen gleichgültig, ob Sie abtreiben dürfen oder nicht. Es ist ihnen egal, ob Sie rassistisch, sexistisch, behindert, altersdiskriminierend, fremdenfeindlich, homophob, transphob oder fettfeindlich sind. Es ist ihnen egal, ob die Vielfalt in der Politik oder in den Medien vertreten ist, und es ist ihnen auch egal, ob es daran mangelt. Alles, was sie interessiert, ist, dass wir alle weiterhin so denken, sprechen, arbeiten, konsumieren und wählen, dass sie reich und mächtig bleiben und wir arm und machtlos. Und sie werden dafür sorgen, dass wir uns so intensiv wie möglich über die Dinge streiten, die ihnen egal sind, damit wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf die Dinge richten, die ihnen nicht egal sind.
Das bedeutet nicht, dass diese anderen Themen keine wirklichen Sorgen bereiten, und in der Tat haben unsere Machthaber nichts zu gewinnen, wenn sie die Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit Themen, die ihnen egal sind, verschärfen, um die Aufmerksamkeit auf diese bequemen Bereiche zu lenken. Aber die Lösung für die Probleme, die unseren Herrschern egal sind, ist die gleiche wie die Lösung für die Probleme, die unseren Herrschern nicht egal sind: Stürzen Sie unsere Herrscher.
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Die westlichen Massenmedien überschwemmen den Äther mit dem Narrativ, dass der Drohnenangriff auf den Kreml am Mittwoch eine „falsche Flagge“ war, womit sie meinen, dass Russland sich das selbst angetan hat, um eine ruchlose Agenda voranzutreiben.
Falsche Flaggen gibt es, und sie kommen vor, aber so zu tun, als sei dies die wahrscheinlichste Erklärung für den Kreml-Bombenanschlag, wenn sich Russland derzeit im Krieg mit einem Nachbarn befindet, der die Mittel, das Motiv und die Gelegenheit dazu hat, ist etwas, was nur ein Propagandist tun würde. Vor allem, wenn Oligarchen aus diesem Nachbarland offen dazu aufrufen, Russland mit Drohnen anzugreifen und dafür Geld zu erhalten, wenn Zelenskys gleichzeitige Abwesenheit aus dem Land einen sofortigen Vergeltungsschlag verhindert hat und wenn atlantische Propagandisten begeistert über die hochentwickelten Drohnenanlagen schreiben, die sie in der Ukraine besucht haben.
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2017 wurde ich vorübergehend von Facebook gesperrt, weil ich einen Artikel über bekannte False Flags gepostet hatte, denn bis 2022 hielten die Mainstream-Narrativmanager False Flags für ein verrücktes Spinnerkonzept. Das änderte sich in dem Moment, als die Idee für die westlichen Propagandisten nützlich wurde.
Als sich dies Anfang 2022 änderte, waren die Journalisten zunächst überrascht, denn bis dahin hatten sie den Begriff „falsche Flagge“ nur gehört, um Leute wie Alex Jones abzutun:
Please watch this video in which journalist Matt Lee accuses State Dept. spokesman Ned Price of veering into "Alex Jones territory" by making the claim that Russia plans to stage a "false flag" attack with "crisis actors" — Price then sneeringly calls Lee a Russian propagandist pic.twitter.com/5xMsbfWYgz
Ich sage, wir bewaffnen Russland gegen Russland. Wenn es seine eigenen Regierungsgebäude, seine eigenen Pipelines, seine eigenen erbeuteten Kraftwerke bombardiert, dann ist es die beste Stellvertreterkraft gegen Russland, die wir haben. Schicken Sie den Russen sofort Panzer und F-16s.
Russland kämpft dort drüben gegen Russland, damit wir hier nicht gegen Russland kämpfen müssen.
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Ein Westler, der die Hälfte seiner Zeit damit verbringt, das US-Imperium zu kritisieren, und die andere Hälfte seiner Zeit damit, die Feinde des US-Imperiums zu kritisieren, sorgt nicht für „Ausgewogenheit“, sondern trägt nur zur Hälfte seiner Zeit zu einem ohnehin schon sehr unausgewogenen Informationsumfeld bei, das in überwältigender Weise zugunsten US-freundlicher Darstellungen verzerrt ist.
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Die Menschen im Westen reagieren auf Kritik an der US-Außenpolitik ständig mit „Du liebst Putin und hältst ihn für gut“, weil sie wirklich und wahrhaftig einer Weltanschauung aus einem Kinderzeichentrickfilm „Die Guten gegen die Bösen“ anhängen. Für sie bedeutet die Behauptung, eine Seite sei böse, dass man die andere Seite für gut hält.
Für einen reifen Erwachsenen ist Kritik an der US-Außenpolitik nichts anderes als Kritik an der US-Außenpolitik, was jeder ständig tun sollte. Für ein von Propaganda verwöhntes Menschenkind ist dies ein Kampf zwischen Gut und Böse, und wenn man nicht das eine ist, muss man zwangsläufig das andere sein.
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Verrückt, wie die Reaktion auf die Aussage der Demokraten „Ihr müsst für den korrupten Kriegstreiber mit Demenz stimmen, sonst wird Amerika vom Faschismus überrollt“ meist „Okay, wir werden für den korrupten Kriegstreiber mit Demenz stimmen“ und nicht „Okay, dann müssen wir eben das ganze System niederreißen.“
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Die Lektüre von Julian Assanges sardonischem Brief im Stil von Jonathan Swift an den König erinnert uns daran, was sie uns genommen haben. Seine Veröffentlichung und seine Verfolgung haben überschattet, was für einen scharfen Verstand er hat. Wir könnten seine Analysen gerade jetzt gut gebrauchen, aber sie haben ihn vom Netz genommen.
Es ist widerlich selbstgerecht und herablassend, wenn ältere Generationen sich Sorgen darüber machen, was aus den neuen Generationen wird. Stellen Sie sich vor, Sie werden von den Menschen, die sie geschaffen haben, mit einer völlig verrückten Zivilisation und einer sterbenden Welt zurückgelassen und müssen sich anhören, wie sie darüber meckern, dass Ihre Generation es nicht richtig macht.
Wenn Sie sich über die neuen Generationen Sorgen machen, dann nicht darüber, dass sie sich zu sehr von den alten unterscheiden, sondern darüber, dass sie sich zu ähnlich bleiben. Wir haben es hier draußen nicht gerade krachen lassen, Leute. Wir sind gescheitert. Wir sind so hart auf die Nase gefallen, wie eine Generation nur auf die Nase fallen kann. Hoffen wir einfach, dass sie sich so sehr von uns unterscheiden, dass sie unsere Fehler rückgängig machen können.
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Wenn Witzbolde auf dem Gelände einer elitären Krönungsfeier einen riesigen Penis mähen, fühlt sich das an wie der Anfang vom Ende von etwas. Die Menschen finden die Vorstellung eines britischen Königs im Jahr 2023 absurd, und die öffentliche Meinung über die Monarchie wird von nun an nur noch weiter sinken. Idole fallen immer wieder von ihren Sockeln.
So etwas passiert überall: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die einst in hohem Ansehen standen, verlieren immer mehr ihr Gesicht. Der Pädophilie-Skandal der katholischen Kirche war so etwas wie der Anfang. Twitter hat allen gezeigt, dass Prominente nur Idioten mit schlechten Meinungen sind. Die US-Präsidenten sind jetzt lächerliche Karikaturen, der letzte ein zusammenhangsloser Clown und der aktuelle ein dementer Patient, der sich auflöst.
Und es fühlt sich an, als würde es immer schneller gehen. Der Dalai Lama versucht, diesem Kind einen Zungenkuss zu geben. Chomsky trifft sich mit Epstein. Bernie Sanders fällt über sich selbst her, um dem Establishment zu dienen, das er einst lautstark angeprangert hat. Die Menschen können ihre Helden einfach nicht mehr behalten.
Die Podeste, auf die wir Menschen früher gestellt haben, werden durch die Tatsache, dass alles so viel sichtbarer ist als früher, ausgehöhlt. Es wird keine Heiligen mehr geben, denn im Zeitalter der allgegenwärtigen Kameras können die Menschen nicht mehr fälschlicherweise behaupten, dass „Wunder“ geschehen sind, wenn es kein Filmmaterial gibt. Wir sind in der Lage, Beweise, Ideen und Informationen exponentiell schneller und effektiver auszutauschen als früher, und wir können das auf einer Graswurzelebene tun, und es stellt sich heraus, dass dann all die Super Special People, die wir früher über uns gestellt haben, nicht mehr so besonders aussehen.
Und natürlich sehen sie nicht so besonders aus, weil sie nicht so besonders sind. All die Menschen, die wir früher als uns überlegen angesehen haben, waren immer nur Trottel wie wir.
Und ich denke, diese wachsende kollektive Erkenntnis hat etwas sehr Ermächtigendes und Demokratisierendes.
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Die Nato hat viel Schuld auf sich geladen, in Kosovo, in Syrien und hat an dem aktuellen Krieg in der Ukraine viel, viel Mitschuld. Und im Eingeben von „Nato“ rechts oben werden Ihr noch viele von mir notierte Probleme finden…
Redebeitrag für den Ostermarsch Freudenstadt am 8. April 2023
– Es gilt das gesprochene Wort –
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Liebe Freunde des Friedens!
Seit über einem Jahr tobt in Europa wieder Krieg.
Wir, die Friedensbewegung, verurteilen diesen Krieg. Der Angriff auf ein unabhängiges Land, der Einmarsch Russlands in die Ukraine und die anhaltende Gewalt sind durch nichts zu rechtfertigen. Der Krieg verletzt das Recht auf Leben der inzwischen mehr als 200.000 Getöteten und das Recht auf körperliche Unversehrtheit der unzähligen Verletzten. Und er verstößt gegen das Völkerrecht. Wie jeder Krieg bringt er nichts als Zerstörung und Leid. Deshalb fordern wir einen sofortigen Waffenstillstand. Zuallererst von Präsident Putin, aber auch von Selenskyj, Biden und all den anderen, die hier Verantwortung tragen: Stoppt diesen Krieg!
Krieg ist ein Verbrechen. In Kriegen sterben Menschen, Menschen werden verstümmelt und sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert. Und: In jedem Krieg, in jedem Konflikt, gibt es mindestens zwei Seiten.
Dass der Westen, dass die NATO und damit auch die deutsche Regierung für diesen Krieg mitverantwortlich sind, wird meist schnell als Putin-Propaganda abgetan. Doch die Weigerung, die eigenen Anteile an der sich anbahnenden Katastrophe zu sehen, beraubt uns der Chance, einen wichtigen Beitrag zu deren Beendigung zu leisten.
Ich werde daher versuchen, Ihnen dies anhand von 4 Phasen zu verdeutlichen, in denen das Verhalten des Westens den Konflikt eskaliert hat, anstatt ihn zu deeskalieren: 1. Der Westen war für den Kalten Krieg und die Entwicklung des Ost-West-Konflikts ebenso verantwortlich wie die damalige Sowjetunion und ihre Verbündeten. Die von beiden Seiten betriebene nukleare Aufrüstung, die bis heute andauernde nukleare Abschreckung mit der Drohung der umfassenden gegenseitigen Vernichtung, stellt per se ein gemeinsam begangenes Verbrechen an der gesamten Menschheit dar.
2. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des Warschauer Paktes ist es dem Westen nicht gelungen, Russland in ein gemeinsames Sicherheitskonzept in Europa (und darüber hinaus) zu integrieren und damit den von Helmut Kohl und Michail Gorbatschow formulierten „Traum vom gemeinsamen Haus Europa“ zu verwirklichen. In diesem Prozess hätte sich die NATO auflösen müssen, statt sich als militärischer Garant der wirtschaftlichen Vormachtstellung des Westens neu zu definieren. Das Gorbatschow gegebene Versprechen, die NATO nicht auf das Gebiet des aufgelösten Warschauer Paktes auszudehnen, was von Historikern nicht bezweifelt wird, wurde gebrochen, und zehn ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten sind heute Mitglieder der NATO. Russland hat wiederholt deutlich gemacht, dass es dies als eine Bedrohung für seine Sicherheitsinteressen sieht und insbesondere im Hinblick auf die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine eine rote Linie gezogen hat.
Das wird von vielen nicht gerne gehört, ist aber eine unbestreitbare Tatsache:
3. Bei der Entwicklung der aktuellen Konfliktsituation wurden die von Russland klar formulierten Sicherheitsinteressen ignoriert. Von Seiten des Westens wurde massiv Einfluss auf die Ausrichtung der ukrainischen Politik genommen: In Richtung einer Assoziierung mit der EU und der Diskussion um eine NATO-Mitgliedschaft. Die Ukraine versäumte es, die im Minsker Abkommen vereinbarten Schritte zur Befriedung der Region zu unternehmen, während Russland die Separatisten in den östlichen Provinzen Donezk und Luhansk weiterhin unterstützte. Die von Russland im Dezember 2021 vorgelegten Entwürfe für Vereinbarungen mit der NATO und den USA wurden vom Westen einfach ignoriert, anstatt als Ausgangspunkt für ernsthafte Verhandlungen über eine neue Sicherheitsordnung und die Verhinderung einer weiteren Eskalation des Konflikts gesehen zu werden.
4. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat der Westen aktiv zur Eskalation des Krieges beigetragen und die Möglichkeiten für eine friedliche Lösung untergraben.
a. Im März 2022, nachdem die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der Türkei weit fortgeschritten waren und sich eine Vereinbarung abzeichnete, die weitreichende Sicherheitsgarantien für Russland und im Gegenzug den Rückzug der russischen Truppen hinter die Grenzen vor dem 24. Februar vorsah, wurde die Vereinbarung von den westlichen Regierungen zunichte gemacht. Stattdessen wird gefordert, Russland müsse nun besiegt und „ruiniert“ werden. b. Umfangreiche Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine, die bereits vor dem russischen Einmarsch begonnen hatten und nun auch schwere Waffen wie moderne Kampfpanzer umfassen, tragen zur weiteren Eskalation des Krieges bei. Inzwischen ist auch die Lieferung von Kampfjets und Kriegsschiffen im Gespräch. c. Auch die drastischen Wirtschaftssanktionen gegen Russland tragen zur Destabilisierung des Landes und zur Eskalation des Konflikts bei. Ja, der kriegerische Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine ist ein Verbrechen. Aber die derzeitige Politik – auf beiden Seiten – droht, diesen Krieg in eine Dimension zu eskalieren, die wir uns alle nicht vorstellen wollen. Und: Die Waffenlieferungen machen uns zu einer Kriegspartei. Schritt für Schritt werden wir in diesen Krieg hineingezogen.
Immer mehr rote Linien werden auf beiden Seiten überschritten, die Spirale wird immer weiter getrieben. Es besteht heute die reale Gefahr, nach meiner Einschätzung mehr denn je, dass wir in einen Atomkrieg stolpern. Meine Organisation, die IPPNW, hat letztes Jahr eine Studie veröffentlicht. Wissenschaftlich belegt von Klimatologen und Ernährungsexperten. Sie ist im Internet zu finden, Sie können sie herunterladen und lesen. Suchwort: „Atomare Hungersnot“.
Selbst der begrenzte Einsatz einer relativ geringen Anzahl von 100 Atomwaffen würde weltweit zu erheblichen Klimaveränderungen führen, die Hungersnot und Elend auf der ganzen Welt zur Folge hätten und bis zu 2 Milliarden Menschen dem Hunger aussetzen würden. Wir können jedoch nicht davon ausgehen, dass ein Atomkrieg begrenzt bleiben wird. Die militärischen Planspiele der NATO führen beim Einsatz von Atomwaffen regelmäßig zur totalen Eskalation und gegenseitigen Vernichtung.
Die humanitären Folgen und Risiken eines solchen totalen Atomkriegs sind katastrophal. Während schon eine einzige Bombe das Stadtzentrum einer Großstadt wie Stuttgart völlig zerstören kann, mit Hunderttausenden von Toten und ebenso vielen Verletzten und Verseuchten, würde der Einsatz zahlreicher Atombomben, wie er in einem Atomkrieg zu erwarten wäre, die Infrastruktur, d.h. die Strom- und Wasserversorgung, die Verkehrswege, die Lebensmittelversorgung und das Gesundheitssystem großflächig zerstören. Es gäbe keine Chance, diese in einer ausreichend kurzen Zeit wiederherzustellen. Es würde viele Millionen Tote geben. Alle Verletzten könnten nicht versorgt werden. Wegen der Zahl der Opfer, der Art der Verletzungen und der zu erwartenden weitreichenden Zerstörungen müssen wir Ärzte eines ganz klar sagen: Im Falle eines Atomkrieges wird es keine medizinische Hilfe geben. Wir werden nicht in der Lage sein, Ihnen zu helfen – oder uns selbst!
Schlimmer noch: Beide Seiten besitzen heute über 6000 einsatzfähige Atomwaffen. Der Einsatz einiger dieser Waffen würde zu einem katastrophalen Klimawandel mit einem anhaltenden Temperaturabfall von über 10°C führen. Dann wäre menschliches Leben in weiten Teilen des Planeten nicht mehr möglich, nuklearer Winter. Dann werden die Millionen unmittelbaren Opfer die Glücklichen sein, dann werden die Lebenden die Toten beneiden. Um es mit den Worten eines meiner amerikanischen Kollegen zu sagen: Wenn wir das Glück haben, die gegenwärtige Krise zu überleben, müssen wir sie als eine globale Nahtoderfahrung betrachten und entsprechend reagieren. Mit dem NEW START-Abkommen wurde im Februar der letzte noch wirksame Vertrag zur Begrenzung der Atomwaffenarsenale ausgesetzt.
Die einzigen völkerrechtlichen Verträge, die den Weg aus der Eskalationsspirale weisen, sind der Atomwaffensperrvertrag, den die Atomwaffenstaaten nicht einhalten, und der Atomwaffenverbotsvertrag, von dem sie nichts wissen wollen.
Wir beobachten derzeit ein Phänomen der Gewöhnung. Nachrichten, die noch vor gut einem Jahr Entsetzen ausgelöst hätten, werden heute als Randnotiz zur Kenntnis genommen. Und sogenannte Experten spielen die Gefahr eines Atomkrieges herunter. Die Wahrscheinlichkeit sei gering, sagen sie. Welche Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs wäre denn akzeptabel, frage ich?
Und lassen Sie sich nicht täuschen: Das Gerede über Zivilschutz und Atomschutzbunker ist gefährlicher Unsinn. Im Atomkrieg gibt es keinen Schutz. Man gaukelt uns vor, dass die nukleare Abschreckung den Frieden in den letzten 50 Jahren gesichert hat. Die Wahrheit ist, dass die Menschheit seit dem Kalten Krieg und unverändert bis heute mit der ständigen Bedrohung lebt, durch einen Atomkrieg vernichtet zu werden. Etwa 2000 nukleare Sprengköpfe werden in ständiger Bereitschaft gehalten, bereit, innerhalb von Minuten abgefeuert zu werden – das macht uns nicht sicherer, sondern unsicherer. Und die Logik der Abschreckung, den Feind auch nach einem Angriff vernichten zu können, wurde selbst zum Motor der atomaren Aufrüstung und war mitverantwortlich für den Aufbau eines irrsinnigen Arsenals, mit dem
die Menschheit sich selbst um ein Vielfaches zerstören kann.
Das Prinzip der Abschreckung ist, im Gegensatz zu dem, was man uns erzählt, äußerst instabil. Dass wir heute noch leben, so ein US-General und Oberbefehlshaber des Strategischen Kommandos der USA, verdanken wir nicht nur militärischer Disziplin, sondern auch schierem Glück und – seiner Meinung nach – göttlicher Vorsehung. Nicht aber auf die Friedfertigkeit und Weitsicht unserer Regierungen. Wir lehnen daher die nukleare Abschreckung als Fundament der internationalen Sicherheit entschieden ab. Sie ist ein fragiles Konzept, das letztlich in die Katastrophe führt. Wer uns die Abschreckung als Garant des Friedens verkaufen will, hat entweder das Konzept nicht verstanden oder er ist ein zynischer Hasardeur, der mit unserem Leben ein unverantwortliches Spiel treibt.
Die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen, wie kürzlich aus Russland zu hören war, und natürlich die Weitergabe von Atomwaffen von Russland an Weißrussland sind inakzeptabel. Und natürlich war es inakzeptabel, als Präsident Putin nur wenige Tage nach dem Einmarsch in der Ukraine die Atomwaffenalarmstufe erhöhte.
Aber was wir nicht vergessen dürfen:
1. Die gegenseitige Bedrohung ist Teil der Logik der nuklearen Abschreckung.
2. die Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen kommt also von beiden Seiten
3. beide Seiten behalten sich die Option des Ersteinsatzes von Atomwaffen vor
4. in einem Atomkrieg gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer.
Für mich ist folgendes entscheidend
5. Eine Atommacht kann in einem Krieg, der ihre nationale Sicherheit betrifft, nicht besiegt werden (und das ist hier aus Sicht Russlands der Fall).
6. wenn Russland militärisch, politisch oder wirtschaftlich in die Enge getrieben wird, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges. Und was oft übersehen wird:
7. wenn es dazu kommt, dann ist die Frage, wer verantwortlich ist und wer angefangen hat, nicht mehr relevant.
Das ist die Dimension, mit der wir es hier zu tun haben, das müssen wir alle erkennen. Und dann wird es uns dämmern: Wo auch immer wir in dieser Situation stehen. Ob wir Ukrainer oder Russen sind, ob wir aus Westeuropa oder den USA kommen. Ob wir Pazifisten sind oder Soldaten: Es kommt jetzt darauf an, ob wir das gemeinsam überleben – oder nicht.
Deshalb rufe ich von hier aus nach Berlin. Herr Scholz, Frau Baerbock: Denken Sie über Schritte nach, die zur Deeskalation führen. Überlegen Sie, ob die Worte, die Sie sprechen, die Waffen, die Sie liefern, ob die Destabilisierung Russlands mit Hilfe von Wirtschaftssanktionen, ob das alles nicht dazu beiträgt, diesen Krieg zu befeuern. Und ob es nicht möglich ist, Brücken zu bauen, anstatt sie alle einzureißen. Sorgen Sie dafür, dass es einen sofortigen Waffenstillstand gibt. Und dass umfassende Friedensverhandlungen aufgenommen werden. Und unterzeichnen Sie endlich den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen! Die Abschaffung von Atomwaffen ist der einzig sichere Weg, um das atomare Inferno dauerhaft zu verhindern.
Der Krieg, der in der Ukraine tobt, scheint unsere Welt schlagartig verändert zu haben. Und Alpträume, vor denen wir schon lange gewarnt haben, drohen wahr zu werden.
Und um das zu verhindern, liebe Friedensfreundinnen und -Freunde, brauchen wir mutige Menschen. Die erkennen: Es gibt in dieser Situation nur eine vernünftige Lösung. Verhandlungen sind notwendig und wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir einen Ausweg aus dieser Eskalationsspirale finden, die uns alle bedroht. Natürlich wird es in dieser Welt immer Konflikte geben. Wir sind keine Träumer, die vom Paradies fantasieren. Aber gerade deshalb müssen wir uns fragen, wie wir mit diesen Konflikten umgehen wollen. Meine Hoffnung ist, dass wir angesichts der drohenden eigenen Vernichtung lernen, dies mit friedlichen Mitteln zu tun.
Die Kriegstreiber auf beiden Seiten müssen Platz machen für diejenigen, die in der Lage sind, sich eine andere Welt vorzustellen und diese dann auch zu gestalten. Eine Welt, die Sicherheit nicht im Kampf gegeneinander, sondern in der gemeinsamen Anstrengung aller Menschen sieht. Und in der die Probleme, die uns bedrohen, gemeinsam angegangen werden: der Klimawandel und die Zerstörung unserer Umwelt, die gerechte Verteilung der uns verbliebenen Ressourcen und die grundsätzliche Frage, wie wir als Menschen auf diesem Planeten langfristig und in Frieden existieren können.
Ich – und ich hoffe wir alle – weigere mich zu glauben, dass dies nicht möglich sein sollte, liebe Freunde des Friedens.
Dr. Helmut Lohrer ist Allgemeinarzt und International Councilor der IPPNW Deutschland.
Dear friends of peace! War has been raging in Europe again for over a year. We, the peace movement, condemn this war. The attack on an independent country, Russia’sinvasion of Ukraine and the continuing violence cannot be justified by anything. The war violates theright to life of the now more than 200,000 people killed and theright to physical integrity of thecountless injured. And it violates international law. Like every war, it brings nothing but destructionand suffering. That is why we demand an immediate ceasefire. First of all from President Putin, but also from Selenskyj, Biden and all the others who bear responsibility here: Stop this war ! War is a crime. In wars, people die, people are maimed and traumatised for the rest of their lives.And: In every war, in every conflict, there are at least two sides. The fact thatthe West, that NATO and thus also the German government are partly responsible forthis war is usually quickly dismissed as Putin propaganda. But the refusal to see our own shares inthe unfolding catastrophe robs us of the chance to make an important contribution to ending it. Therefore, I will try to demonstrate this to you by naming 4 phases in which the West’s behaviourescalated the conflict instead of de–escalating it: 1. the West was as much responsible for the Cold War and the development of the East–Westconflict as the then Soviet Union together with its allies. The nuclear armament pursued by bothsides, the nuclear deterrence with the threat of comprehensive mutual annihilation that continuesto this day, constitutes per se a jointly committed crime against the whole of humanity. 2. After the end of the Cold War and the dissolution of the Warsaw Pact, the West failed to integrateRussia into a common concept of security in Europe (and beyond) and thus to realise the „dream ofthe common house of Europe“ formulated by Helmut Kohl and Mikhail Gorbachev. In this process,NATO should have dissolved itself instead of redefining itself as the military guarantor of the West’seconomic supremacy. The promise made to Gorbachev not to extend NATO to the territory of thedissolved Warsaw Pact, which is not doubted by historians, was broken and 10 former Warsaw Pactcountries are now members of NATO. Russia has repeatedly made it clear that it sees this as a threat to its security interests and has drawn a redline in particular with regard to Ukraine’s NATOmembership. It is not gladly heard by many, but it is an undeniable fact: 3. in the development of the current conflict situation, the security interests clearly formulated byRussia were ignored. On the part of the West, massive influence was exerted on the direction ofUkrainian policy: Towards association with the EU and the discussion of NATO membership. Ukrainefailed to take the steps agreed in the Minsk Agreement to bring peace to the region, while Russiacontinued to support the separatists in the eastern provinces of Donetsk and Luhansk.Draft agreements with NATO and the US presented by Russia in December 2021 were simply ignoredby the West instead of being seen as an entry point for serious negotiations on a new security orderand preventing the conflict from escalating further. 4. Since the Russian invasion of Ukraine on 24 February 2022, the West has actively contributed tothe escalation of the war and has undermined opportunities for a peacefulsettlement.
a. In March 2022, after negotiations between Russia and Ukraine, mediated by Turkey, were well advanced and an agreement was emerging that included far–reaching security guarantees for Russia and, in return, the withdrawal of Russian troops behind the pre–24 February borders, the agreementwas scuttled by Western governments. Instead, there are demands that Russia must now bedefeated and „ruined“. b. Extensive arms deliveries by the West to Ukraine, which had already begun before the Russianinvasion and now include heavy weapons such as modern battle tanks, contribute to the furtherescalation of the war. Meanwhile, the delivery of fighter jets and warships is also being discussed. c. Drastic economic sanctions against Russia are also helpingto destabilise the country and escalatethe conflict.Yes, the belligerent incursion of the Russian army into Ukraine is a crime. But the current policy–onboth sides–threatens to escalate this war into a dimension that we all do not want to imagine.And: the arms deliveries make us a party to the war. Step by step, we are being drawn into this war. More and more red lines are being crossed on both sides, the spiral is being driven further andfurther.There is a real danger today, in my estimation morethan ever before, that we are stumbling into anuclear war. My organisation, the IPPNW, published a study last year. Scientifically proven byclimatologists and nutrition experts. It’s on the internet, you can download it and read it. Searchword: „nuclear famine“. Even the limited use of a relatively small number of 100 nuclear weapons would lead to significantclimate change worldwide, resulting in famine and misery across the globe and exposing up to 2billion people to hunger.But we cannot assume thatnuclear war will remain limited. NATO’s military planning gamesregularly lead to total escalation and mutual annihilation when nuclear weapons are used. The humanitarian consequences and risks of such all–out nuclear war are catastrophic. While even asingle bomb can completely destroy the city centre of a large city like Stuttgart, with hundreds ofthousands of dead and just as many injured and contaminated, the use of numerous nuclear bombs,as would be expected in a nuclear war, would destroy the infrastructure, i.e. the electricity andwater supply, the traffic routes, the food supply and the health system over a large area. Therewould be no chance of restoring this in a sufficiently short time. There would be many millions ofdead. All the injured could not be cared for. Because of the number of casualties, the nature of theinjuries and the extensive destruction that can be expected, we doctors must make one thing veryclear: In the event of a nuclear war, there will be no medical aid. We will not beable to help you–orourselves! Worse still, both sides now possess over 6000 deployable nuclear weapons. The use of some ofthese would lead to catastrophic climate change with sustained temperature drops of over 10°C.Then human life in large parts ofthe planet would no longer be possible, nuclear winter.Then the millions of immediate victims will be the lucky ones, then the living will envy the dead.To put it in the words of one of my US colleagues: If we are lucky enough to survive the presentcrisis, we must see it as a global near–death experience and respond accordingly.With the NEW START agreement, the last remaining effective treaty to limit nuclear arsenals wassuspended in February. The only treaties under international law that point the way out of the spiral of escalation are the Nuclear Non-Proliferation Treaty, which the nuclear-weapon states repeatedly violate, and the Nuclear Banning Treaty, of which they want no part. We are currently observing a phenomenon of habituation.News that would have aroused horrorjust over a year ago is now taken as a marginal note. And so–called experts play down the danger ofnuclear war. The probability is low, they say. What probability of nuclear would be acceptable, I ask? And don’t be fooled: Talk of civil defence and nuclear shelters is dangerous nonsense. There is noprotection in nuclear war.We are led to believe that nuclear deterrence has secured peace for the past 50 years. The truth isthat since the Cold War, and unchanged to thisday, humanity has lived with the constant threat ofbeing destroyed by nuclear war. Some 2000 nuclear warheads are kept on permanent standby,ready to be launched within minutes–this does not make us safer, but more insecure. And the logicof deterrence, to be able to devastate the enemy even after an attack, itself became the motor ofnuclear armament and was partly responsible for the build–up of an insane arsenal with whichhumanity can destroy itself many times over. The principle of deterrence is, contrary to what we are told, extremely unstable. The fact that we arestill alive today, as one US general and commander–in–chief of the US Strategic Command, that weare still alive today is due not only to military discipline but also to sheer luck and,in his opinion,divine providence. But not to the peacefulness and foresight of our governments.We therefore firmly reject nuclear deterrence as the foundation of international security. It is afragile concept, ultimately leading to disaster. Anyone wanting to sell us deterrence as a garantor ofpeace has either not understood the concept or they are cynical haremers who are playing anirresponsible game with our lives. The threat to use nuclear weapons, as recently heard from Russia, and of course the transfer ofnuclear weapons from Russia to Belarus, are unacceptable. And of course it was unacceptable whenPresident Putin raised the nuclear alert just a few days afterthe invasion of Ukraine. But what we must not forget: 1. the mutual threat is part of the logic of nuclear deterrence 2. the threat to use nuclear weapons therefore comes from both sides 3. both sides reserve the option of first use of nuclear weapons 4. in a nuclear war there are no winners, only losers. I consider the following to be decisive 5. a nuclear power cannot be defeated in a war that affects its national security (and that is the casehere from Russia’s point of view). 6. if Russia is cornered militarily, politically or economically, the probability of a nuclear warincreases.And what is often overlooked: 7. if it comes to it, then the question of who is responsible and who started it will no longer berelevant. That is the dimension we are dealing with here, we all have to realise. And then it will dawn on us:Wherever we stand in this situation. Whether Ukrainians or Russians, whether we come fromWestern Europe or the USA. Whether we are pacifists or soldiers: What matters now is whether wesurvive this together–or not. That is why I am calling from here to Berlin. Mr Scholz, Mrs Baerbock: think about steps that will leadto de–escalation. Consider whether the words you speak, the weapons you supply, whether thedestabilisation of Russia withthe help of economic sanctions, whether all this does not contribute tofuelling this war. And whether it is not possible to build bridges instead of tearing them all down. Make sure that there is an immediate ceasefire. And that comprehensive peace negotiations arestarted. And finally sign the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons! The abolition of nuclear weaponsis the only secure way to permanently prevent the nuclear inferno. The war raging in Ukraine seems to have abruptly changed our world.And nightmares we have longwarned about are threatening to come true. And to prevent this, dear friends of pe ace, we need courageous people. Who recognise: There isonly one sensible solution in this situation. Negotiations are necessary and together we mustconsider how to find a way out of this spiral of escalation that threatens us all. Of course, there willalways be conflicts in this world. We are not dreamers who fantasise about paradise. But that isprecisely why we have to ask ourselves how we wantto deal with these conflicts. My hope is that,faced with the threat of our own annihilation, we will learn to do so by peaceful means. The warmongers on both sides must make room for those who are able to imagine and then shape adifferent world. A worldthat sees security not in fighting each other, but in the common effort of allpeople. And in which the problems that threaten us together are tackled: climate change and thedestruction of our environment, the fair distribution of the resources we have left, and thefundamental question of how we as human beings can exist on this planet in the long term and inpeace.
I–and I hope we all–refuse to believe that this should not be possible, dear friends of peace.
Dr Helmut Lohrer is a general practitioner and International Councilor of IPPNW Germany.