Roger Köppel von der „Weltwoche“: Bärbock nicht mehr ernst zu nehmen…

Roger Köppel von der „Weltwoche“    https://wp.me/paI27O-4qx

27.1.23, Roger Köppel von der „Weltwoche“ über den Zustand der deutschen Politik und Medien, Bärbock nicht mehr ernst zu nehmen…  https://wp.me/paI27O-4qx

https://www.nachdenkseiten.de/?p=93190

Roger Köppel von der „Weltwoche“ über den Zustand der deutschen Politik und Medien

Erich volhardt, die erben che gevaras und ghandis, 2005, im Spiegelarchiv, Bericht über maidan:  Die Erben von Gandhi und Guevara https://www.booklooker.de/Bücher/DER-SPIEGEL-46-2005+Die-Erben-von-Gandhi-und-Guevara/id/A02Abz2501ZZu

tja, das ist der Artikel, auf den Koeppel hinweist. Er nennt den Titel im Video.

2005, neun Jahre vorm Maidan von 2014, erzaehlen sie wie sie – in bester Absicht –

boese gewaehlte Regierungen stuerzen und Bevoelkerungen und Medien beeindrucken.

Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht… lustig, der Maskolo ist auch beteiligt.

Was dann auf dem Maidan geschah, beschreibt Dr. Ivan Katchanovski in seiner Studie

(unter Bezug auf BBC- u Monitor-Aufnahmen)

auf deutsch

https://www.voltairenet.org/article189900.html

hier ist das paper (auf engl) verlinkt

https://www.voltairenet.org/IMG/pdf/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Uk-2.pdf

Danach Frau Nulands ‚fuck the EU‘ und die Anweisungen, wer in die Regierung in Kiew kommt

– aber das ist dann wieder eine andere Geschichte …

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Diskussion meines Aufrufs zu Prof. Moeglings  Friedensappell

Diskussion meines Aufrufs zu Prof. Moeglings  Friedensappellm      https://wp.me/paI27O-4qt

Liebe S

Er hat unterschrieben. Ich habe bisher nicht gehört, dass er seine Unterschrift zurückgezogen hat. Ja, er hat so etwas gesagt und glaubt, dass es richtig ist.

Aber es sind schon über 100.000 Ukrainer und über 100.000 Russen  gestorben oder schwer  verletzt worden. Übrigens angeblich „nur“ 30.000 Zivilsten. Bei den USA sind bei ihren vielen völkerrechtswidrigen Kriegen immer sehr viel mehr Zivilisten im Vergleich zu ihren eigenen Soldaten gestorben und ich kann mich nicht erinnern, dass wir die USA bekämpft und sanktioniert hätten. Und im April hätte, wie Harald Kujat und Michael von der Schulenburg sagt, der Krieg schon vorbei sein können. Ein Land kann sowieso militärisch nicht besetzt werden. Das sahen wir ja schon bei Afghanistan. 20 Jahre hat das stärkste Kriegsbündnis der Erde, die Nato, es besetzt. Vorher schon Russland. Und dann sind sie gegangenl wei es ihnen zu teuer wurde, diesen sinnlosen Krieg zu führen, der das Leid der Afghanen nur geschürt und ihre Wirtschaft zu Grunde gerichtet hat. Die Ukraine hat auch 40 Millionen Einwohner und Russland ist deutlich schwächer als die Nato (mit 140 Millionen Russen gegenüber vermutlich deutlich über 600 Millionen Natomitgliedern), und viel schwächerer Wirtschaft. Trotzdem haben sie gegen  Napoleon, Kaiser Wilhelm und Hitler gesiegt.

Lies doch bitte mal, was Harald Kujat sagt, und Michael von der Schulenburg, und Jaques Baud auf der Seite von Evelyn Hecht-Galinski, und Jürgen Rose, und Erich Vad. Alles Miltärs, die wissen, wovon sie reden.   Jeffrey Sachs  Den Richter Thomas Fischer , die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz,   Ich erwarte ja gar nicht, dass Du Sahra Wagenknecht oder Sevim Dagdelen in  Braunschweig Spiegel oder Daniele Ganser akzeptierst, die ich sehr schätze. Du kannst auch auf meine Belege gucken, und kannst das lesen, was Du willst. Vielleicht hältst Du meine Quellen für schlechter als Deine, aber das müsstest Du mir begründen.

Herzliche Grüße, Helmut

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0049 176 577 47 881, https://helmutkaess.de, www.ippnw.de ,

Gesendet: Freitag, 27. Januar 2023
Von: „S
An: „Helmut Käß“ <helmut_kaess@web.de>
Betreff: nicht mehr durchzuhalten…

hallo helmut, euren aufruf könnt ihr so nicht mehr aufrecht erhalten, denn euer erstunterzeichner dr. franz alt, hat gestern und heute im fernsehen einmal im zdf 26.1. 22.15 uhr und nun auch bei phoenix 16 uhr deutlich gesagt, dass er als friedenbewegung.–friedenschaffen mit waffen–gesagt hat. wir haben jetzt andere situationen. die weltuntergangsstimmung der kuba-krise ist nicht vergleichbar. reagan war kein pazifist und gorbatschov hat verhandelt….

ich als christ kann nicht wegsehen, es ist unterlassene hilfeleistung. er meint die bergpredigt.

vielleicht informiert ihr euch erst einmal und sucht euch andere unterstützer

s

——– Weitergeleitete Nachricht ——–

Betreff: Wegen großer Gefahr: ein dringend notwendiger Friedensappell!
Datum: Wed, 25 Jan 2023 23:28:24 +0100
Von: Helmut Käß <helmut_kaess@web.de>
An: buendnis_infoline buendnis_infoline <buendnis_infoline@listi.jpberlin.de>
Kopie (CC): Attac BS <attac_bs_intern@listi.jpberlin.de>

Liebe Freunde, liebe Mitbürger, liebe Kollegen

ich schicke diese Nachricht an Euch, denn ich halte es für sehr wichtig, dass die Friedensbewegung und die Zivilgesellschaft ein Hauptakteur für die Reaktion auf die furchtbaren Beschlüsse der Nato und Deutschlands sein sollte. Diese Reaktion sollte meines Erachtens unter dem „Banner“ des  Friedensappells stehen.

Jetzt besteht m.E. eine große Gefahr für uns alle:

Die Gefahr wird dokumentiert durch die Doomsdayclock, die warnt aktuell mehr denn je vor einer Vernichtung der Menschheit, die Atomkriegsgefahr wird anschaulich beschrieben von Caitlin Johnstone, von Nowhere to hide und The Day After, dem Film von 1983. Er soll seinerzeit Präsident Reagan zum Verhandeln mit Gorbatschow gebracht haben.

Und sie wird dokumentiert durch die gestern genehmigten Panzerlieferungen durch Deutschland, die Scholz vermutlich wegen der Gefahr des Platzens der Koalition beschloss. Dies ist ein falsches Signal und bedeutet:  “Die Büchse der Pandora öffnen”.

Ich sehe eine Chance in dem Friedensappell von Prof. Moegling, die von der IPPNW und der Friedensbewegung genutzt werden sollte. Der Appell wurde gerade gestern, siehe unten, nach meiner Meinung perfekt formuliert angeboten. Ein Friedensaufruf, der die Chance hat, zu einem menschheitsumfassenden Aufruf zu werden. Bei den Erstunterschreiber:innen steht zum Beispiel die IPPNW-Chefin Angelika Claussen, Franz Alt, Prof. Dr. Peter Brandt, Dr. h. c. Hans-C. von Sponeck, Dr. Antje Vollmer (eine Grüne, die die Entwicklung zur Kriegspartei nicht mitgemacht hat) und Prof. Dr. Klaus Moegling. Diesen Appell sollten wir m.E. zur höchsten Priorität machen und zum Leittext der Friedensbewegung bei Demonstrationen. Viele Millionen Unterschriften sollten wir anstreben.

Das Flugblatt mit dem  Text habe ich auch zu einem Link umgewandelt: auf Flugblatt klicken oder hier: https://helmutkaess.de/w p-content/uploads/2023/01/Flugblatt_Appell-fuer-den-Frieden-2.pdf

Herzliche Grüße, Helmut Käss

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0049 176 577 47 881, https://helmutkaess.de, www.ippnw.de
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Gedenkrede von Walter Steinmeier: Mörderische Barbarei!

Gedenkrede von Walter Steinmeier: Mörderische Barbarei! https://wp.me/paI27O-4qo

Die beiden Links der Rede  bei Youtube…

https://www.youtube.com/watch?v=UV3ERResa78

https://www.youtube.com/watch?v=vvOIPZQhp9M

 

„Die Rede des Bundespräsidenten Steinmeier am 18. 06. 2021 in Karlshorst zum Jahrestag des Deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941“  und zur Eröffnung der Ausstellung  „Dimensionen eines Verbrechens, Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg“

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Vortrag von Dr. Ehrhard Crome: »Russlands ukrainischer Krieg – ein Weltordnungskrieg?«

Vortrag von Dr. Ehrhard Crome  https://wp.me/paI27O-4q7

Am 19.1.23 hielt  Dr. Ehrhard Crome den Vortrag: »Russlands ukrainischer Krieg – ein Weltordnungskrieg?«

Dazu steht ein m.E. hervorragender Bericht von Elke Almut Dieter hier:

https://www.friedenszentrum.info/index.php/wege-zu-einer-kultur-des-friedens/930-wege-zu-einer-kultur-des-friedens-januar-2023-russlands-ukrainischer-krieg-ein-weltordnungskrieg

Dr. Erhard Crome ist Politikwissenschaftler und Geschäftsführender Direktor des WeltTrends-Institutes in Potsdam.
Buch zum Vortrag: »Russlands ukrainischer Krieg«, erschienen am 23.08.2022, ISBN/EAN: 9783897933507
» Ankündigungsflyer

Das Video ist verfügbar im youtube-Kanal des Friedenszentrums :  https://youtu.be/V7QrQQ1VMCU     Kritik an der irreführenden medialen Aufmachung der Braunschweiger Zeitung zu einem ansonsten korrekten redaktionellen Artikel zur Veranstaltung auf    https://braunschweig-spiegel.de/kriegsursachen-sind-vielfaeltig/

Hier der Artikel der BZ:  https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2023/01/BZ-Crome-Ukraine-Leoparden.pdf

Hier noch mal abgedruckt, in größerer Schrift…

Video zum Vortrag vom 19.1.2023 im Haus der Kulturen https://youtu.be/V7QrQQ1VMCU


von
Elke Almut Dieter

Achtzig interessierte Menschen trafen sich zu dem Vortrag von Ehrhard Crome im Haus der Kulturen. Er vermittelte eine andere Sicht auf den Ukrainekrieg, zeigte die geopolitischen Zusammenhänge auf und ordnete ihn in einen Weltordnungskrieg ein. Das Ende der USA als monopolare Welt, der Aufstieg Chinas und Indiens führt zu einer Gewichtsverschiebung in den asiatischen Raum und zu Machtkämpfen, die als Stellvertreterkriege geführt werden. Russlands Krieg in der Ukraine sollte seine Großmachtstellung demonstrieren.

Crome verurteilt den Einmarsch von Russland in die Ukraine als völkerrechtswidrigen blutigen Krieg, der gegen den Kriegsächtungspakt von 1928 verstößt, den die Sowjetunion damals unterzeichnet hat. Die leidvollen Erfahrungen des 2. Weltkrieges führten zur UNO Charta und deren Institutionen. Die russische  Kriegsführung ist ein schwerer Bruch gegen diese Verabredungen, den Krieg zu ächten.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der Westen keinen Grund für eine moralische Überheblichkeit hat. Saddams Einmarsch in den Kuwait begann mit einer Zustimmung der USA-Botschafterin und  war ebenso völkerrechtswidrig wie die Bombardierung  Jugoslawiens, der Einmarsch in Afghanistan, wie die Eingriffe der US-Army in Libyen und Syrien. Die Russen machen das dem Westen jetzt nach. Die russische Politik spiegelt den Westen.

1. Der Bürgerkrieg in der Ukraine zwischen den Östlichen Landesteilen und den westlich orientierten Landesteilen  ( > Maidan….)

2. Der Einvernahme der Krim

3. Und der Krieg zwischen der Ukraine und Russland, seit 2022 ein verschärfter Krieg mit hohen Opferzahlen und Millionen von Flüchtlingen, unterstützt vom Westen und der NATO, um dem Osten eine strategische Niederlage  zufügen zu können.

Die 1. Brzezinski-Falle

Die US Regierung hat unter Carter den Russen eine Falle gestellt, wollten ihnen damit ein „Vietnam“ bereiten, dem Sozialismus die Friedensfahne aus der Hand holen… In Kabul war eine linke Regierung – US-Amerika unterstützte und bewaffnete  die Mudjahedin – welche gegen die Kommunisten putschten.  Breshnew, Außenminister Gromyko, Verteidigungsminister Ustinow und Geheimdienstchef Andropow beschlossen, in Afghanistan einzugreifen. Mit der Unterstützung der Regierung in Kabul liefen sie in die US-amerikanische Falle. Der damalige Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hat in den 1990er Jahren offen zugegeben, dass das eine Falle war, die die USA der Moskauer Führung gestellt hatten.

Die 2. Brzezinski-Falle

In den 1990er Jahren schrieb Brzezinski: Russland ist ohne die Ukraine kein Imperium! Obama ordnete Russland als „Mittelmacht“ ein. Das wollte Putin widerlegen; er schloss die Krim Russland an und unterstützte die „Volksrepubliken“ Donbass mit Truppen. Eine Folge dessen war allerdings, dass sich die Wählerschaft und die Wahlergebnisse in der Ukraine dauerhaft änderten. Nachdem die russisch orientierten Landesteile Krim und Donbass fehlten, bekamen die westlich ausgerichteten Parteien dauerhaft die Mehrheit und Selenski erhielt breite Unterstützung. Mit dem Einmarsch in die Ukraine ist Russland in die 2. Brzezinski-Falle getappt.

Die Geopolitik

Das Hauptproblem für den Westen: er wird tendenziell immer schwächer. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft verlagert sich nach Asien, die USA und Europa sind auf dem absteigenden Ast.  Die Antwort der USA: die militärische  Machtpolitik zu nutzen, um den Niedergang aufzuhalten, das heißt Unterstützung  der Ukraine gegen Russland und Unterstützung von Taiwan gegen China. Die Ein-China-Politik ist international anerkannt, auch seit 1979 durch die USA. Taiwan kam nach 1945 mit der Entkolonialisierung der japanischen Kolonien an China zurück. Nachdem mit der Niederlage von Tschiang Kai-chek auf dem chinesischen Festland 1949 und der Machtübernahme von Mao die Kuomintang-Regierung auf die Insel Taiwan floh, bestanden zwei chinesische Regierungen, die wechselseitig beanspruchten, jeweils ganz China zu repräsentieren. Aktuelle Bemühungen taiwanesischer Kräfte, eine Selbständigkeit eines Staates Taiwan zu erklären, provozieren die Ein-China-Position Pekings, die dies nicht akzeptiert. Durch die Unterstützung dessen durch die USA und die weitere Aufrüstung Taiwans wird im Pazifik ein Spannungsherd geschaffen mit dem Ziel, China zu schwächen.

Was heißt das für Europa?

Das Morden im Krieg Ukraine-Krieg hält weiter an. Die Medien scheinen wie gleichgeschaltet, zumindest die „Qualitätsmedien“ der großen Pressekonzerne. Nicht passende Informationen kommen da nicht mehr vor. Beispiel: Der Chef der Vereinigten Stäbe der US-Streitkräfte, Mark Milley, nannte im November 2022 200.000 gefallene und verwundete russische und ukrainische Soldaten; in Deutschland gab es immer nur Meldungen über 100.000 Tote bei den Russen, die Toten der Ukrainer kommen in den Medien kaum vor. Die Opferzahlen steigen weiter (Vergleich zu Verdun 1915/16)

Der russische Blitzkrieg ist gescheitert durch den Widerstand der Ukrainer, Gebiets-Gewinne erlangten die Russen nur mit vielen Opfern. Es gibt keinen Wendepunkt im Ukrainekrieg. Trotz einer scheinbaren, propagandistischen Verhandlungsbereitschaft im Dezember beharren beide Seiten auf ihren Kriegszielen. Im Dezember wurde auf beiden Seiten Verhandlungsbereitschaft erklärt, aber die gestellten Bedingungen auf beiden Seiten sind keine Basis für Verhandlungen, sondern für einen Siegfrieden. Einen anderen als den Siegfrieden will man sich weder in Moskau noch in Kiew und Washington leisten.

Ist der Westen Kriegspartei?

Mit den Waffenlieferungen von schweren Geräten gibt es die Gefahr, dass der Westen als Kriegspartei angesehen wird. „Eine nukleare Großmacht verliert keinen Krieg!“ war bereits vor dem Ukraine-Krieg Russlands unter Militärs Allgemeinwissen. Auch der Einsatz von „kleinen“ atomaren Waffen – wie in Hiroshima und Nagasaki – ist möglich, und erhöht die Atomkriegsgefahr. Die Schwächung Russlands erhöht die Gefahr eines Atomkrieges.

Die deutsche Außenpolitik hat keine eigene Zielvorstellung. Der Ukrainekrieg ist auch ein Krieg gegen Deutschland! Deutschland erlebt einen Verlust der eigenen Position gegenüber der Positionen von vor 2022. Die wirtschafts- und finanzpolitische Macht, wie sie unter Merkel praktiziert wurde, spielt keine Rolle mehr, nachdem das Militär eine zentrale Rolle spielt. (Schon Egon Bahr mahnte: Deutschland ist nicht mehr kriegsverwendungsfähig.) Die politische Rolle Deutschlands ist jetzt die eines Juniorpartners von Präsident Biden. (>Nordstream 2 ) Eine eigene deutsche Position wäre der Ausweg aus der Entwicklung. Russland wird nicht von der Landkarte verschwinden. Gute Beziehungen zu Russland werden auch in der Zukunft notwendig sein.

Solange es aber auf dem Gefechtsfeld weiter geht, wird es keine Lösung geben.  Selbst 1000 Panzer werden nicht reichen. Russland hat 3 bis 4mal so viel Menschen wie die Ukraine, seine fehlende Ausrüstung wird nachgeholt, die funktionierende Rüstung steht außer Zweifel. Ohne eigene politische Initiativen wird der Krieg weiter andauern.

Für die Friedensbewegung sieht Crome die Aufgabe, die Stimmung in Deutschland zu verändern.

Elke Almut Dieter

 

 

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Friedensvertragsentwurf Ukrainekrieg im März/April 22

Friedensvertragsentwurf Ukrainekrieg im März/April 22  https://wp.me/paI27O-4q0

Lieber Helmut, lieber A,

einen „weitgehend unterschriftsreifen Friedensvertrag zwischen der Ukraine und Russland“ gab es noch nicht.

Man kann aber sagen, dass das, was Moskau forderte und das, was Kiew anbot, bzw. sich bereit zeigte zu verhandeln, nicht unüberbrückbar voneinander entfernt erschien.

Von Kiew kam:
Der 10-Punkte-Plan der Ukraine – Die Istanbuler Vorschläge der Ukraine an die russische Führung
Die Istanbuler Vorschläge der Ukraine an die russische Führung,
Meduza, 29.3.2022
und von Moskau ein 15-Punkte-Vorschlag:
Ukraine and Russia explore neutrality plan in peace talks – Russias Fifteen-Point Draft Deal,
Financial Times, 16.3.2022

Ukraine’s Best Chance for Peace
How Neutrality Can Bring Security—and Satisfy Both Russia and the West
By Samuel Charap, Foreign Affairs, 1.6.2022

Einziger Bericht in dt.-sprachigen Medien:
Mögliches Kriegsende: Russland und Ukraine diskutieren 15-Punkte-Plan, Business Insider Deutschland, 16.3.2022
Wie die Verhandlungen blockiert wurden, findet man hier:
Diplomacy Watch: Did Boris Johnson help stop a peace deal in Ukraine?, Responsible Statecraft,  2.9.2022
Der Artikel verweist als Quelle u.a. auf Foreign Affairs:
The World Putin Wants, Foreign Affairs, September/October 2022
Sowie auf das pro-westliche ukrainische Portal Ukrayinska Pravda:
Possibility of talks between Zelenskyy and Putin came to a halt after Johnson’s visit – UP sources, Ukrayinska Pravda, 5.5.2022

The Russian side…was actually ready for the Zelenskyy-Putin meeting.

According Ukrainska Pravda sources close to Zelenskyy, the Prime Minister of the United Kingdom Boris Johnson, who appeared in the capital almost without warning, brought two simple messages.

The first is that Putin is a war criminal, he should be pressured, not negotiated with. And the second is that even if Ukraine is ready to sign some agreements on guarantees with Putin, they are not.

Johnson’s position was that the collective West, …, now felt that Putin was not really as powerful as they had previously imagined, and that here was a chance to „press him.“ Three days after Johnson left for Britain, Putin went public and said talks with Ukraine  „had turned into a dead end“.

und From Zelenskyy’s “surrender“ to Putin’s surrender: how the negotiations with Russia are going, Ukrayinska Pravda, 5 May 2022, 09:30

Sevim Dagdelen hat noch einige weitere Hinweise gesammelt:
Wie ein Verhandlungsfrieden im Ukraine-Krieg torpediert wird
NDS, 16. Mai 2022
https://www.nachdenkseiten.de/?p=83910#more-83910

Beste Grüße,  Joachim

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Joachim Guilliard

Joachim Guilliard, sein Blog,

 

 

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Putin soll Johnson persönlich gedroht haben…

Putin soll Johnson persönlich gedroht haben:

https://web.de/magazine/politik/russland-krieg-ukraine/putin-johnson-persoenlich-gedroht-lage-ueberblick-37768398

Er soll ihn schon vor dem 24.2. bedroht haben. Das würde ich verstehen, weil die Forderungen Russlands unbeantwortet blieben. Und im April hat ja Boris Johnson die erfolgreichen Verhandlungen der Ukraine mit Russland torpediert und damit je 100.000 tote Russen und Ukrainer verursacht…

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MDR Kommentar, keine Kampfpanzer!

MDR Kommentar, keine Kampfpanzer!

https://www.mdr.de/mdr-aktuell-nachrichtenradio/audio/audio-2235940.html

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Caitlin Johnstone „Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Caitlin Johnstone „Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“ https://wp.me/paI27O-4po    https://caitlinjohnstone.substack.com/p/why-dont-you-ever-criticize-russias?utm_source=substack&utm_medium=email

Gesendet: Samstag, 28. Januar 2023 um 14:21 Uhr
von: „Caitlin Johnstone von Caitlin’s Newsletter“ <caitlinjohnstone@substack.com>
An: Helmut_Kaess@web.de

https://caitlinjohnstone.substack.com/p/why-dont-you-ever-criticize-russias?utm_source=substack&utm_medium=email

28. Januar

„Why Don’t You Ever Criticize RUSSIA’S Warmongering?“ von Going Rogue With Caitlin Johnstone

Zornig werden mit Caitlin Johnstone

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei Russlands?“ ist eine Frage, die mir oft mit großer Empörung gestellt wird. Die Leute können nicht verstehen, warum ich meine ganze Zeit damit verbringe, die Kriegstreiberei der Machtstruktur, unter der ich lebe, zu kritisieren, aber keine Zeit damit verbringe, die Regierung zu kritisieren, von der sie gewohnt sind, Kritik zu hören.

Es ist eine Frage, die aus der Verblendung und der Propaganda-Gehirnwäsche geboren wurde, und es gibt mehrere gute Antworten darauf. Hier sind einige meiner Favoriten.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Zunächst einmal kritisiere ich tatsächlich manchmal Russlands Kriegstreiberei, und zwar in dem begrenzten Umfang, den ich in einer Zivilisation für notwendig halte, die absichtlich mit Kritik an Russlands Kriegstreiberei in maximaler Lautstärke überflutet wird. Diese Kritik geht in der Regel in etwa so: Putin ist verantwortlich für Putins Entscheidungen, und das US-Imperium ist verantwortlich für die Entscheidungen des US-Imperiums. Putin ist verantwortlich für die Entscheidung, in die Ukraine einzumarschieren, und das US-Imperium ist dafür verantwortlich, diesen Einmarsch zu provozieren.

Das ist eigentlich nicht kompliziert. Wenn ich jemanden dazu provoziere, etwas Schlechtes zu tun, dann trägt jeder von uns ein gewisses Maß an moralischer Verantwortung für das Schlechte, das getan wurde. Ein Großteil der modernen Apologetik des Imperiums dreht sich darum, so zu tun, als gäbe es keine Provokation; als sei dieses sehr einfache und grundlegende Konzept, das wir alle als Kinder gelernt haben, erst letztes Jahr von der russischen Regierung erfunden worden. Das ist bizarr und würdelos, und die Leute sollten sich schämen, so etwas zu tun. Sie wissen, was eine Provokation ist. Hör auf, dich wie ein Idiot zu verhalten.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Warum verbringe ich nicht stattdessen meine ganze Zeit damit, die mächtigste und zerstörerischste Regierung der Welt zu kritisieren, deren Verbrechen von den politischen und medialen Institutionen der englischsprachigen Welt immer entweder ignoriert oder unterstützt werden?

Seine Kritik auf die mächtigste und zerstörerischste Regierung der Welt zu konzentrieren, ist eigentlich das einzig Normale und Vernünftige, was man tun kann. Es ist nicht seltsam und verdächtig, dass ich es tue, es ist seltsam und verdächtig, dass es nicht mehr Menschen tun.

Die Vereinigten Staaten sind die tyrannischste Regierung der Welt. Sie umkreisen derzeit den Planeten mit Hunderten von Militärbasen und führen Kriege, die allein seit der Jahrhundertwende Millionen von Menschen getötet und Dutzende von Millionen vertrieben haben. Ihre Sanktionen und Blockaden richten sich ständig mit tödlicher Gewalt gegen Zivilisten in Ländern wie Venezuela, Jemen und Syrien. Es arbeitet daran, jede Nation zu zerstören, die sich seinem Diktat widersetzt, indem es deren Regierungen durch CIA-Putsche, Stellvertreterarmeen, Teil- und Vollinvasionen und die ungeheuerlichste Anzahl von Wahleinmischungen auf der ganzen Welt stürzt.

Nichts von alledem trifft auf Russland zu. Es ist normal, sich auf den schlimmsten Verbrecher der Welt zu konzentrieren, vor allem in einem westlichen Medienumfeld, in dem dieser Verbrecher von den wichtigsten Institutionen kaum kritisiert wird. Das bedeutet nicht, dass ich Russlands Regierung für wunderbar und perfekt halte, sondern nur, dass die Regierung, die in unserer Gesellschaft am dringendsten kritisiert werden muss, nicht die russische ist.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Warum zeigen Sie mir nicht eine große westliche Institution, die das kriegstreibende Imperium, das ich kritisiere, angemessen kritisiert, anstatt 100 Prozent ihrer Zeit damit zu verbringen, ausländische Regierungen zu kritisieren?

Was? Das können Sie nicht? Weil die gesamte westliche politische und mediale Klasse zuverlässig die Informationsinteressen dieses Imperiums unterstützt?

Na gut, dann eben nicht. Das ist das Ungleichgewicht, das ich zu beheben versuche. Man trägt nicht zur Wiederherstellung des Gleichgewichts in einem wild unausgewogenen Informationsumfeld bei, indem man die Hälfte seiner Zeit damit verbringt, die Regierungen zu kritisieren, die in diesem Umfeld immer kritisiert werden, und die andere Hälfte seiner Zeit damit, den weitaus schlimmeren Übeltäter zu kritisieren, der nie kritisiert wird. Die Zeit, die Sie mit dem einen verbringen, ist die Zeit, die Sie nicht mit dem anderen verbringen können.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Das wird Sie umhauen, aber ich habe eigentlich kein russisches Publikum. Ich habe ein englischsprachiges Publikum, das überwiegend unter der Fuchtel des westlichen Imperiums lebt. Das ist der Ort, an dem meine Stimme gehört wird, und das ist der Ort, an dem meine Stimme etwas bewirken kann.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Der einzige Grund, warum Ihnen diese Frage überhaupt in den Sinn kommt, ist, dass Sie den ganzen Tag von Stimmen umgeben sind, die ihre ganze Zeit damit verbringen, Russlands Kriegstreiberei zu kritisieren und keine Zeit, die Kriegstreiberei der USA zu kritisieren. Daran sind Sie gewöhnt und darauf sind Sie konditioniert worden. Jemand, der seine Kritik auf die mächtigste und zerstörerischste Regierung der Welt konzentriert, erscheint Ihnen nur deshalb seltsam, weil Sie durch die Propaganda darauf konditioniert wurden, Kritik an Russland als normal und Kritik am US-Imperium als abartige Abweichung zu betrachten, und weil die Manager der imperialen Erzählung eine neo-mcCarthyitische Atmosphäre geschaffen haben, die alle Kritiker der US-Außenpolitik als verräterische Kreml-Loyalisten darstellt.

Nur in den von der Propaganda verwirrten Köpfen wirkt es seltsam und verdächtig, die mächtigste und zerstörerischste Regierung der Welt zu kritisieren. Nur in den am meisten gehirngewaschenen Gehirnen sieht die Kritik am mächtigsten Imperium, das je existiert hat, wie ein Zeichen von Unmoral, Dysfunktion, Verrat oder Unterstützung für den Kreml aus.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Warum gehen Sie nicht ins Fernsehen? Wenn Sie das verzweifelte Bedürfnis haben, von einem weiteren Westler eine weitere Kritik an Russlands Kriegstreiberei zu hören, schalten Sie einfach den nächsten Fernseher ein und warten Sie ein paar Minuten.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Niemand war jemals in der Lage, mir eine logisch kohärente Antwort darauf zu geben, warum ich überhaupt Zeit damit verbringen sollte, eine Regierung zu kritisieren, die von allen westlichen Institutionen 24/7/365 kritisiert wird, während diese Institutionen die imperiale Kriminalität der USA völlig ignorieren. Ich höre oft von Quasi-Linken, die dem Mainstream-Weltbild viel näher stehen als ich, dass ich sowohl Russland als auch das US-Imperium kritisieren sollte, aber kein einziger von ihnen war jemals in der Lage, mir ein klares Argument für diese Position zu liefern, das einer Überprüfung standhält. Es ist immer nur eine ungeprüfte Annahme, die sie für eine Überzeugung halten, weil sie nicht sonderlich viel darüber nachgedacht haben.

Niemand kann mir jemals verständlich erklären, was für ein tatsächlicher, konkreter Nutzen für die Welt dadurch entsteht, dass ein weiterer Westler seine Stimme einer Botschaft leiht, die bereits so weit verbreitet ist, wie eine Botschaft in der englischsprachigen Welt überhaupt verbreitet werden kann. Es endet immer damit, dass sie Dinge sagen wie „Nun, es lässt dich schlecht aussehen, wenn du nicht beides kritisierst“ – als würden sie sich in meine freiwilligen PR-Agenten verwandeln, die plötzlich so tun, als läge ihnen sehr viel daran, mein öffentliches Image zu schützen. In Wirklichkeit wollen sie nur, dass ich den Mund halte und aufhöre, das Imperium zu kritisieren.

„Warum kritisieren Sie nie die Kriegstreiberei RUSSLANDS?“

Weil ich kein gottverdammter Pentagon-Propagandist sein will. In einem Medienumfeld, das mit Propagandameldungen überschwemmt wird, die darauf abzielen, Zustimmung für weitere Stellvertreterkriege, Militarismus und nuklearen Brinkmanship zu erzeugen, müssen wir alle sehr vorsichtig sein, wofür wir unsere Energie einsetzen. Sich in einem solchen Umfeld für „Russland ist böse!“-Botschaften stark zu machen, ist ein unverantwortlicher Umgang mit der eigenen Stimme, vor allem, wenn man seine Stimme nutzen könnte, um zu Deeskalation, Diplomatie und Entspannung aufzurufen und den Menschen zu helfen, zu verstehen, dass sie getäuscht werden.

Bevor sie Bomben abwerfen, lassen sie Narrative fallen. Bevor sie Raketen abschießen, starten sie Propagandakampagnen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihre Energie in die narrativen Kontrolloperationen zu stecken, die den Weg zu Tod und Zerstörung ebnen sollen, dann sind Sie für Tod und Zerstörung genauso verantwortlich wie die Person, die den Abschussknopf drückt.

Sie sind verantwortlich für das, was Sie in die Welt setzen, und Sie sind verantwortlich für die Folgen. Hören Sie auf, als unbezahlter Propagandist des Imperiums zu fungieren, nur weil es manchmal unangenehm ist, es nicht zu tun.

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© 2023 Caitlin Johnstone
548 Market Street PMB 72296, San Francisco, CA 94104
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Gesendet: Samstag, 28. Januar 2023 um 14:21 Uhr
Von: „Caitlin Johnstone from Caitlin’s Newsletter“ <caitlinjohnstone@substack.com>
An: Helmut_Kaess@web.de
Betreff: „Why Don’t You Ever Criticize RUSSIA’S Warmongering??“
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Web.de Nachrichten Ukraine vom 27.1.23

https://web.de/magazine/politik/russland-krieg-ukraine/krieg-ukraine-live-ticker-russland-usa-konflikt-ukraine-beenden-37761424

Kremlsprecher Dmitri Peskow hält eine Rede.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hält eine Rede (Archivbild vom 12. Oktober 2022).

Krieg in der Ukraine im Live-Ticker: Russland: USA könnten Konflikt in Ukraine schnell beenden

➤ Russland: USA könnten Konflikt in Ukraine schnell beenden

  • 12:48 Uhr

Die USA könnten aus Sicht des russischen Präsidialamts den Krieg rasch beenden. „Der Präsident der USA kann das sehr schnell tun, indem er, sagen wir, seine Möglichkeiten einsetzt und dem Kiewer Regime faktisch einfach die Anweisungen erteilt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. In Washington liege ein Schlüssel zur Lösung, allerdings werde dort der Weg der Eskalation gewählt. So sei etwa der Beschluss zur Lieferung europäischer Kampfpanzern an die Ukraine unter dem Druck der USA gefallen.

Russland sieht den Westen mit den USA an der Spitze als Konfliktpartei. Die USA unternähmen unter Präsident Joe Biden keine Schritte, um den Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen, sagte Peskow. „Wir sehen jetzt, dass der derzeitige Chef im Weißen Haus dies nicht tun will, den ‚Schlüssel‘ nicht benutzen will und im Gegenteil den Weg einer weiteren Bewaffnung der Ukraine wählt“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Zugleich kritisierte Peskow, dass die USA die Privatarmee Wagner des Putin-Vertrauten Jewgeni Prigoschin als internationale kriminelle Vereinigung eingestuft haben. Die Anschuldigungen und die „Dämonisierung“ der Gruppe seien haltlos. Es seien keine Beweise für etwaige Verbrechen vorgelegt worden. Auch Prigoschin fordert von den USA immer wieder, Beweise zu erbringen.

Wagner werden Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Aus der Privatarmee seien derzeit rund 50.000 Kämpfer in der Ukraine im Einsatz, hieß es kürzlich aus dem Nationalen Sicherheitsrat der USA, darunter 10.000 Söldner und 40.000 Strafgefangene, die Prigoschin in Gefängnissen angeworben haben soll. Der Geschäftsmann wurde vom FBI wegen Einmischung in die US-Präsidentenwahl zur Fahndung ausgeschrieben. (dpa)

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Habecks Begründung der Panzerlieferungen sind eine Katastrophe

Habecks Begründung der Panzerlieferungen sind eine Katastrophe:

Er behauptet, sie seien notwendig, dabei ist das schon die gesamte Zeit gefährlicher Unsinn. Im April wäre ohne Waffenlieferungen der Krieg  durch die Verhandlungen zwschen der Ukraine und Russland schon zuende gewesen…

https://rtde.live/kurzclips/video/161077-habeck-sanktionen-und-waffenlieferungen-sind/?utm_source=Newsletter&utm_medium=Email&utm_campaign=Email

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General a.D. Harald Kujat

15.3. vor etwa 3 Wochen:

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=L6dbonhYkDE     1:07 / 54:59 Chatwiedergabe anzeigen Vortrag von General a. D. Harald Kujat in Berlin über Ukraine-Krieg und den geopolitischen Wandel

 

Gesendet: Donnerstag, 26. Januar 2023 um 14:17 Uhr
Von: udo
An: „Helmut Käss“ <helmut_kaess@web.de>
Betreff: WG: General a.D. Harald Kujat, ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr und als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses höchster Militär der Nato

Hallo Helmut, hier mal ein interessanter Beitrag zum Thema Ukraine. Falls Du ihn noch nicht kennst.  Viele Grüße    Udo

Von: hansi
Gesendet: Mittwoch, 25. Januar 2023 15:15
Betreff: Fwd: General a.D. Harald Kujat, ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr und als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses höchster Militär der Nato

Interview mit General a. D. Harald Kujat*

Zeitgeschehen im Fokus: Welchen Wert geben Sie der Berichterstattung über die Ukraine in unseren Mainstream-Medien?

General a. D. Harald Kujat Der Ukrainekrieg ist nicht nur eine militärische Auseinandersetzung; er ist auch ein Wirtschafts- und ein Informationskrieg. In diesem Informationskrieg kann man zu einem Kriegsteilnehmer werden, wenn man sich Informationen und Argumente zu eigen macht, die man weder verifizieren noch aufgrund eigener Kompetenz beurteilen kann. Zum Teil spielen auch als moralisch verstandene oder ideologische Motive eine Rolle. Das ist in Deutschland besonders problematisch, weil in den Medien überwiegend «Experten» zu Wort kommen, die über keine sicherheitspolitischen und strategischen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen und deshalb Meinungen äussern, die sie aus Veröffentlichungen anderer «Experten» mit vergleichbarer Sachkenntnis beziehen. Offensichtlich wird damit auch politischer Druck auf die Bundesregierung aufgebaut. Die Debatte über die Lieferung bestimmter Waffensysteme zeigt überdeutlich die Absicht vieler Medien, selbst Politik zu machen. Es mag sein, dass mein Unbehagen über diese Entwicklung eine Folge meines langjährigen Dienstes in der Nato ist, unter anderem als Vorsitzender des Nato-Russland-Rats und der Nato-Ukraine-Kommission der Generalstabschefs. Besonders ärgerlich finde ich, dass die deutschen Sicherheitsinteressen und die Gefahren für unser Land durch eine Ausweitung und Eskalation des Krieges so wenig beachtet werden. Das zeugt von einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein oder, um einen altmodischen Begriff zu verwenden, von einer höchst unpatriotischen Haltung. In den Vereinigten Staaten, einem der beiden Hauptakteure in diesem Konflikt, ist der Umgang mit dem Ukrainekrieg wesentlich differenzierter und kontroverser, gleichwohl aber immer von nationalen Interessen geleitet.

Sie haben sich Anfang 2022, als die Lage an der Grenze zur Ukraine immer zugespitzter wurde, zum damaligen Inspekteur der Marine, Vizegeneral Kai-Achim Schönbach, geäussert und sich im gewissen Sinne hinter ihn gestellt. Er warnte eindringlich vor einer Eskalation mit Russland und machte dem Westen den Vorwurf, er hätte Putin gedemütigt, und man müsse auf gleicher Augenhöhe mit ihm verhandeln.

Ich habe mich nicht in der Sache geäussert, sondern um ihn vor unqualifizierten Angriffen in Schutz zu nehmen. Ich war allerdings immer der Ansicht, dass man diesen Krieg verhindern muss und dass man ihn auch hätte verhindern können. Dazu habe ich mich im Dezember 2021 auch öffentlich geäussert. Und Anfang Januar 2022 habe ich Vorschläge veröffentlicht, wie in Verhandlungen ein für alle Seiten akzeptables Ergebnis erzielt werden könnte, mit dem ein Krieg doch noch vermieden wird. Leider ist es anders gekommen. Vielleicht wird einmal die Frage gestellt, wer diesen Krieg wollte, wer ihn nicht verhindern wollte und wer ihn nicht verhindern konnte. 0157

Wie schätzen Sie die momentane Entwicklung in der Ukraine ein?

Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger wird es, einen Verhandlungsfrieden zu erzielen. Die russische Annexion von vier ukrainischen Gebieten am 30. September 2022 ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die nur schwer rückgängig gemacht werden kann. Deshalb fand ich es so bedauerlich, dass die Verhandlungen, die im März in Istanbul geführt wurden, nach grossen Fortschritten und einem durchaus positiven Ergebnis für die Ukraine abgebrochen wurden. Russland hatte sich in den Istanbul-Verhandlungen offensichtlich dazu bereit erklärt, seine Streitkräfte auf den Stand vom 23. Februar zurückzuziehen, also vor Beginn des Angriffs auf die Ukraine. Jetzt wird immer wieder der vollständige Abzug als Voraussetzung für Verhandlungen gefordert.

Was hat denn die Ukraine als Gegenleistung angeboten?

Die Ukraine hatte sich verpflichtet, auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten und keine Stationierung ausländischer Truppen oder militärischer Einrichtungen zuzulassen. Dafür sollte sie Sicherheitsgarantien von Staaten ihrer Wahl erhalten. Die Zukunft der besetzten Gebiete sollte innerhalb von 15 Jahren diplomatisch, unter ausdrücklichem Verzicht auf militärische Gewalt gelöst werden.

Warum kam der Vertrag nicht zustande, der Zehntausenden das Leben gerettet und den Ukrainern die Zerstörung ihres Landes erspart hätte?

Nach zuverlässigen Informationen hat der damalige britische Premierminister Boris Johnson am 9. April in Kiew interveniert und eine Unterzeichnung verhindert. Seine Begründung war, der Westen sei für ein Kriegsende nicht bereit.

Es ist ungeheuerlich, was da gespielt wird, von dem der gutgläubige Bürger keine Ahnung hat. Die Verhandlungen in Istanbul waren bekannt, auch dass man kurz vor einer Einigung stand, aber von einem Tag auf den anderen hat man nichts mehr gehört.

Mitte März hatte beispielsweise die britische «Financial Times» über Fortschritte berichtet. Auch in einigen deutschen Zeitungen erschienen entsprechende Meldungen. Weshalb die Verhandlungen scheiterten, ist allerdings nicht berichtet worden. Als Putin am 21. September die Teilmobilmachung verkündete, erwähnte er zum ersten Mal öffentlich, dass die Ukraine in den Istanbul-Verhandlungen im März 2022 positiv auf russische Vorschläge reagiert habe. «Aber», sagte er wörtlich, «eine friedliche Lösung passte dem Westen nicht, deshalb hat er Kiew tatsächlich befohlen, alle Vereinbarungen zunichte zu machen.»

Darüber schweigt tatsächlich unsere Presse.

Anders als beispielsweise die amerikanischen Medien. «Foreign Affairs» und «Responsible Statecraft», zwei renommierte Zeitschriften, veröffentlichten dazu sehr informative Berichte. Der Artikel in «Foreign Affairs» war von Fiona Hill, einer ehemals hochrangigen Mitarbeiterin im nationalen Sicherheitsrat des Weissen Hauses. Sie ist sehr kompetent und absolut zuverlässig. Sehr detaillierte Informationen wurden bereits am 2. Mai auch in der regierungsnahen «Ukrainska Pravda» veröffentlicht.

Haben Sie noch weitere Angaben zu dieser Ungeheuerlichkeit?

Es ist bekannt, dass die wesentlichen Inhalte des Vertragsentwurfs auf einem Vorschlag der ukrainischen Regierung vom 29. März beruhen. Darüber berichten inzwischen auch viele US-amerikanische Medien. Ich habe jedoch erfahren müssen, dass deutsche Medien selbst dann nicht bereit sind, das Thema aufzugreifen, wenn sie Zugang zu den Quellen haben.

Sie äussern sich in einem Artikel folgendermassen: «Der Mangel an sicherheitspolitischem Weitblick und strategischem Urteilsvermögen in unserem Lande ist beschämend.» Was meinen Sie damit konkret?

Nehmen wir als Beispiel den Zustand der Bundeswehr. 2011 wurde eine Bundeswehrreform durchgeführt, die sogenannte Neuausrichtung der Bundeswehr. Neuausrichtung bedeutete weg vom Verfassungsauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung und hin zu Auslandseinsätzen. Zur Begründung hiess es, dass es kein Risiko eines konventionellen Angriffs auf Deutschland und die Nato-Verbündeten gebe. Personalumfang und Struktur der Streitkräfte, Ausrüstung, Bewaffnung und Ausbildung wurden auf Auslandseinsätze ausgerichtet. Streitkräfte, die über die Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung verfügen, können auch Stabilisierungseinsätze durchführen, zumal die Bundesregierung und das Parlament darüber im Einzelfall selbst entscheiden können. Umgekehrt ist das nicht der Fall, denn ob der Fall der Landes- und Bündnisverteidigung eintritt, entscheidet der Aggressor. Die damalige Lagebeurteilung war ohnehin falsch. Denn durch die einseitige Kündigung des ABM-Vertrages durch die USA war bereits 2002 ein strategischer Wendepunkt im Verhältnis zu Russland entstanden. Politischer Wendepunkt war der Nato-Gipfel in Bukarest 2008, als US-Präsident George W. Bush versuchte, eine Einladung der Ukraine und Georgiens zum Nato-Beitritt durchzusetzen. Als er damit scheiterte, wurde, wie in solchen Fällen üblich, eine vage Beitrittsperspektive für diese Länder in das Communiqué aufgenommen.

Sehen Sie aufgrund dieser Entwicklung zwischen Russland und den USA einen Zusammenhang mit der aktuellen Krise?

Obwohl durch den Ukrainekrieg das Risiko einer Konfrontation Russlands und der Nato für jedermann offensichtlich ist, wird die Bundeswehr weiter entwaffnet, ja, geradezu kannibalisiert, um Waffen und militärisches Gerät für die Ukraine freizusetzen. Einige Politiker rechtfertigen dies sogar mit dem unsinnigen Argument, dass unsere Freiheit in der Ukraine verteidigt würde.

Warum ist das für Sie ein unsinniges Argument? Alle argumentieren so, selbst der Vorsteher des Schweizer Aussendepartements, Ignazio Cassis.

Die Ukraine kämpft um ihre Freiheit, um ihre Souveränität und um die territoriale Integrität des Landes. Aber die beiden Hauptakteure in diesem Krieg sind Russland und die USA. Die Ukraine kämpft auch für die geopolitischen Interessen der USA. Denn deren erklärtes Ziel ist es, Russland politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit zu schwächen, dass sie sich dem geopolitischen Rivalen zuwenden können, der als einziger in der Lage ist, ihre Vormachtstellung als Weltmacht zu gefährden: China. Zudem wäre es doch höchst unmoralisch, die Ukraine in ihrem Kampf für unsere Freiheit allein zu lassen und lediglich Waffen zu liefern, die das Blutvergiessen verlängern und die Zerstörung des Landes vergrössern. Nein, in diesem Krieg geht es nicht um unsere Freiheit. Die Kernprobleme, weshalb der Krieg entstanden ist und immer noch fortgesetzt wird, obwohl er längst beendet sein könnte, sind ganz andere.

Was ist Ihrer Meinung nach das Kernproblem?

Russland will verhindern, dass der geopolitische Rivale USA eine strategische Überlegenheit gewinnt, die Russlands Sicherheit gefährdet. Sei es durch Mitgliedschaft der Ukraine in der von den USA geführten Nato, sei es durch die Stationierung amerikanischer Truppen, die Verlagerung militärischer Infrastruktur oder gemeinsamer Nato-Manöver. Auch die Dislozierung amerikanischer Systeme des ballistischen Raketenabwehrsystems der Nato in Polen und Rumänien ist Russland ein Dorn im Auge, denn Russland ist überzeugt, dass die USA von diesen Abschussanlagen auch russische interkontinentalstrategische Systeme ausschalten und damit das nuklearstrategische Gleichgewicht gefährden könnten. Eine wichtige Rolle spielt auch das Minsk II-Abkommen, in dem die Ukraine sich verpflichtet hat, der russischsprachigen Bevölkerung im Donbas bis Ende 2015 durch eine Verfassungsänderung mit einer grösseren Autonomie der Region Minderheitenrechte zu gewähren, wie sie in der Europäischen Union Standard sind. Es gibt inzwischen Zweifel, ob die USA und die Nato bereit waren, vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ernsthaft über diese Fragen zu verhandeln.

Wilfried Scharnagl zeigt in seinem Buch «Am Abgrund» bereits 2015 ganz deutlich auf, dass die Politik des Westens eine unglaubliche Provokation ist, und wenn EU und Nato ihren Kurs nicht ändern, es zu einer Katastrophe kommen könnte.

Ja, damit muss man rechnen. Je länger der Krieg dauert, desto grösser wird das Risiko einer Ausweitung oder Eskalation.

Das haben wir bereits in der Kubakrise gehabt.

Das war eine vergleichbare Situation.

Wie beurteilen Sie die beschlossene Lieferung von Marder-Panzern an die Ukraine?

Waffensysteme haben Stärken und Schwächen aufgrund technischer Merkmale und damit – abhängig vom Ausbildungstand der Soldaten sowie den jeweiligen operativen Rahmenbedingungen – einen bestimmten Einsatzwert. Im Gefecht der verbundenen Waffen wirken verschiedene Waffensysteme in einem gemeinsamen Führungs- bzw. Informationssystem zusammen, wodurch die Schwächen des einen Systems durch die Stärken anderer Systeme ausgeglichen werden. Bei einem niedrigen Ausbildungsstand des Bedienungspersonals oder wenn ein Waffensystem nicht gemeinsam mit anderen Systemen in einem funktionalen Zusammenhang eingesetzt wird und möglicherweise die Einsatzbedingungen schwierig sind, ist der Einsatzwert gering. Damit besteht die Gefahr der frühzeitigen Ausschaltung oder sogar das Risiko, dass die Waffe in die Hand des Gegners fällt. Das ist die gegenwärtige Lage, in der moderne westliche Waffensysteme im Ukrainekrieg zum Einsatz kommen. Russland hat im Dezember ein umfangreiches Programm zur Auswertung der technischen und operativ-taktischen Parameter eroberter westlicher Waffen begonnen, was die Effektivität der eigenen Operationsführung und Waffenwirkung erhöhen soll.

Darüber hinaus stellt sich grundsätzlich die Frage der Mittel-Zweck-Relation. Welchem Zweck sollen die westlichen Waffen dienen? Selenskij hat die strategischen Ziele der ukrainischen Kriegsführung immer wieder geändert. Gegenwärtig verfolgt die Ukraine das Ziel, alle von Russland besetzten Gebiete einschliesslich der Krim zurückzuerobern. Der deutsche Bundeskanzler sagt, wir unterstützen die Ukraine, solange das nötig ist, also auch bei der Verfolgung dieses Ziels, obwohl die USA mittlerweile betonen, es ginge darum, lediglich «das Territorium zurückzuerobern, das seit dem 24. Februar 2022 von Russland eingenommen wurde.»

Es gilt somit die Frage zu beantworten, ob das Mittel westlicher Waffenlieferungen geeignet ist, den von der Ukraine beabsichtigten Zweck zu erfüllen. Diese Frage hat eine qualitative und eine quantitative Dimension. Die USA liefern keine Waffen ausser solche zur Selbstverteidigung, keine Waffen, die das Gefecht der verbundenen Waffen ermöglichen und vor allem keine, die eine nukleare Eskalation auslösen könnten. Das sind Präsident Bidens drei Neins.

Wie will die Ukraine ihre militärischen Ziele erreichen?

Der ukrainische Generalstabschef, General Saluschnij, sagte kürzlich: «Ich brauche 300 Kampfpanzer, 600 bis 700 Schützenpanzer und 500 Haubitzen, um die russischen Truppen auf die Positionen vor dem Angriff vom 24. Februar zurückzudrängen. Jedoch mit dem, was er erhalte, seien «grössere Operationen nicht möglich». Ob die ukrainischen Streitkräfte angesichts der grossen Verluste der letzten Monate überhaupt noch über eine ausreichende Zahl geeigneter Soldaten verfügen, um diese Waffensysteme einsetzen zu können, ist allerdings fraglich. Jedenfalls erklärt auch die Aussage General Saluschnijs, weshalb die westlichen Waffenlieferungen die Ukraine nicht in die Lage versetzen, ihre militärischen Ziele zu erreichen, sondern lediglich den Krieg verlängern. Hinzu kommt, dass Russland die westliche Eskalation jederzeit durch eine eigene übertreffen könnte.

In der deutschen Diskussion werden diese Zusammenhänge nicht verstanden oder ignoriert. Dabei spielt auch die Art und Weise eine Rolle, wie einige Verbündete versuchen, die Bundesregierung öffentlich nun auch zur Lieferung von Leopard 2-Kampfpanzern zu drängen. Das hat es in der Nato bisher nicht gegeben. Es zeigt, wie sehr Deutschlands Ansehen im Bündnis durch die Schwächung der Bundeswehr gelitten hat und mit welchem Engagement einige Verbündete das Ziel verfolgen, Deutschland gegenüber Russland besonders zu exponieren.

Was nährt Selsenkijs Auffassung, man könne die Russen aus der Ukraine vertreiben?

Möglicherweise werden die ukrainischen Streitkräfte mit den Waffensystemen, die ihnen auf der nächsten Geberkonferenz am 20. Januar zugesagt werden, etwas effektiver in der Lage sein, sich gegen die in den nächsten Wochen stattfindenden russischen Offensiven zu verteidigen. Sie können dadurch aber nicht die besetzten Gebiete zurückerobern. Nach Ansicht des US-amerikanischen Generalstabschefs, General Mark Milley, hat die Ukraine das, was sie militärisch erreichen konnte, erreicht. Mehr ist nicht möglich. Deshalb sollten jetzt diplomatische Bemühungen aufgenommen werden, um einen Verhandlungsfrieden zu erreichen. Ich teile diese Auffassung.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die russischen Streitkräfte offenbar die Absicht haben, das eroberte Gebiet zu verteidigen und den Rest des Donbas zu erobern, um die von ihnen annektierten Gebiete zu konsolidieren. Sie haben ihre Verteidigungsstellungen gut dem Gelände angepasst und stark befestigt. Angriffe auf diese Stellungen erfordern einen hohen Kräfteaufwand und die Bereitschaft, erhebliche Verluste hinzunehmen. Durch den Abzug aus der Region Cherson wurden ungefähr 22 000 kampfkräftige Truppen für Offensiven freigesetzt. Zudem werden weitere Kampfverbände als Verstärkung in die Region verlegt.

Aber was sollen dann die Waffenlieferungen, die das Erreichen von Selenskijs Ziel nicht ermöglichen?

Die derzeitigen Bemühungen der USA, die Europäer zu weiteren Waffenlieferungen zu veranlassen, haben möglicherweise mit dieser Lageentwicklung zu tun. Man muss zwischen den öffentlich geäusserten Gründen und den konkreten Entscheidungen der Bundesregierung unterscheiden. Es würde zu weit führen, auf das ganze Spektrum dieser Diskussion einzugehen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Bundesregierung in dieser Frage wirklich kompetent beraten wird und – was vielleicht noch wichtiger ist – der Bedeutung dieser Frage entsprechend aufnahmebereit und urteilsfähig wäre.

Die Bundesregierung ist mit der Unterstützung der Ukraine schon sehr weit gegangen. Zwar machen Waffenlieferungen Deutschland noch nicht zur Konfliktpartei. Aber in Verbindung mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten an diesen Waffen unterstützen wir die Ukraine dabei, ihre militärischen Ziele zu erreichen. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags hat deshalb in seinem Gutachten vom 16. März 2022 erklärt, dass damit der gesicherte Bereich der Nicht-Kriegsführung verlassen wird. Auch die USA werden ukrainische Soldaten in Deutschland ausbilden. Das Grundgesetz enthält in seiner Präambel ein striktes Friedensgebot für unser Land. Das Grundgesetz toleriert die Unterstützung einer Kriegspartei also nur dann, wenn diese geeignet ist, eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Die Bundesregierung ist deshalb in der Pflicht, der deutschen Bevölkerung zu erklären, innerhalb welcher Grenzen und mit welchem Ziel die Unterstützung der Ukraine erfolgt. Schliesslich müssten auch der ukrainischen Regierung die Grenzen der Unterstützung aufgezeigt werden. Selbst Präsident Biden hat vor einiger Zeit in einem Namensartikel erklärt, dass die USA die Ukraine zwar weiter militärisch unterstützen werden, aber eben auch ihre Bemühungen, in diesem Konflikt einen Verhandlungsfrieden zu erreichen.

Seit Wochen rennt die ukrainische Armee gegen die Russen an – ohne Erfolg. Dennoch spricht Selenskij von Rückeroberung. Ist das Propaganda oder besteht diese Möglichkeit tatsächlich?

Nein, dazu sind die ukrainischen Streitkräfte sowohl nach Einschätzung des amerikanischen wie des ukrainischen Generalstabschefs nicht in der Lage. Beide Kriegsparteien befinden sich gegenwärtig wieder in einer Pattsituation, die durch die Einschränkungen aufgrund der Jahreszeit verstärkt wird. Jetzt wäre also der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die Waffenlieferungen bedeuten das Gegenteil, nämlich dass der Krieg sinnlos verlängert wird, mit noch mehr Toten auf beiden Seiten und der Fortsetzung der Zerstörung des Landes. Aber auch mit der Folge, dass wir noch tiefer in diesen Krieg hineingezogen werden. Selbst der Nato-Generalsekretär hat kürzlich vor einer Ausweitung der Kämpfe zu einem Krieg zwischen der Nato und Russland gewarnt.

Sie sagen, wir haben wieder eine «Pattsituation». Was meinen Sie damit?

Eine positive Ausgangslage für eine Verhandlungslösung hatte sich beispielsweise Ende März vergangenen Jahres ergeben, als die Russen entschieden, vor Kiew abzudrehen und sich auf den Osten und den Donbas zu konzentrieren. Das hat die Verhandlungen in Istanbul ermöglicht. Eine ähnliche Lage entstand im September, bevor Russland die Teilmobilisierung durchführte. Die damals entstandenen Möglichkeiten sind nicht genutzt worden. Jetzt wäre es wieder Zeit zu verhandeln, und wir nutzen auch diese Gelegenheit nicht, sondern tun das Gegenteil: Wir schicken Waffen und eskalieren. Auch dies ist ein Aspekt, der den Mangel an sicherheitspolitischem Weitblick und strategischem Urteilsvermögen offenlegt.

Sie haben in Ihrem Text noch erwähnt, dass der russische Verteidigungsminister Schoigu Bereitschaft für Verhandlungen signalisiert hat …

… das hat auch Putin gemacht. Putin hat am 30. September, als er zwei weitere Regionen zu russischem Territorium erklärte, ausdrücklich wieder Verhandlungen angeboten. Er hat das zwischenzeitlich mehrfach getan. Jetzt ist es allerdings so, dass Schoigu das nicht an Bedingungen geknüpft hat, aber Putin hat sozusagen die Latte höher gelegt, indem er sagte, wir sind zu Verhandlungen bereit, aber es setzt natürlich voraus, dass die andere Seite die Gebiete, die wir annektiert haben, anerkennt. Daran sieht man, dass sich die Positionen beider Seiten immer mehr verhärten, je länger der Krieg dauert. Denn Selenskij sagte, er verhandle erst, wenn sich die Russen vollständig aus der Ukraine zurückgezogen hätten. Damit wird eine Lösung immer schwieriger, aber sie ist noch nicht ausgeschlossen.

Ich möchte noch auf ein Ereignis zu sprechen kommen. Frau Merkel hat in einem Interview …

… ja, was sie sagt, ist eindeutig. Sie hätte das Minsk II-Abkommen nur ausgehandelt, um der Ukraine Zeit zu verschaffen. Und die Ukraine habe diese auch genutzt, um militärisch aufzurüsten. Das hat der ehemalige französische Präsident Hollande bestätigt.

Petro Poroschenko, der ehemalige ukrainische Staatspräsident, hat das ebenfalls gesagt.

Russland bezeichnet das verständlicherweise als Betrug. Und Merkel bestätigt, dass Russland ganz bewusst getäuscht wurde. Das kann man bewerten, wie man will, aber es ist ein eklatanter Vertrauensbruch und eine Frage der politischen Berechenbarkeit. Nicht wegdiskutieren kann man allerdings, dass die Weigerung der ukrainischen Regierung – in Kenntnis dieser beabsichtigten Täuschung – das Abkommen umzusetzen, noch wenige Tage vor Kriegsbeginn, einer der Auslöser für den Krieg war. Die Bundesregierung hatte sich in der Uno-Resolution dazu verpflichtet, das «gesamte Paket» der vereinbarten Massnahmen umzusetzen. Darüber hinaus hat die Bundeskanzlerin mit den anderen Teilnehmern des Normandie-Formats eine Erklärung zur Resolution unterschrieben, in der sie sich noch einmal ausdrücklich zur Implementierung der Minsk-Vereinbarungen verpflichtete.

Das ist doch auch ein Völkerrechtsbruch?

Ja, das ist ein Völkerrechtsbruch, das ist eindeutig. Der Schaden ist immens. Man muss sich die heutige Situation einmal vorstellen. Die Leute, die von Anfang an Krieg führen wollten und immer noch wollen, haben den Standpunkt vertreten, mit Putin kann man nicht verhandeln. Der hält die Vereinbarungen so oder so nicht ein. Jetzt stellt sich heraus, wir sind diejenigen, die internationale Vereinbarungen nicht einhalten.

Nach meinen Kenntnissen halten die Russen ihre Verträge ein, sogar während des aktuellen Krieges hat Russland weiterhin Gas geliefert. Aber Frau Baerbock hat vollmundig verkündet: «Wir wollen kein russisches Gas mehr!» Daraufhin hat Russland die Menge gedrosselt. So war es doch?

Ja, wir haben gesagt, wir wollen kein russisches Gas mehr. Alle Folgewirkungen, die Energiekrise, die wirtschaftliche Rezession etc. sind das Resultat der Entscheidung der Bundesregierung und nicht einer Entscheidung der russischen Regierung.

Aber wenn Sie die Nachrichten hören oder sehen – auch bei uns in der Schweiz – dann gibt es die Energiekrise aufgrund von Putins Entscheid, Krieg gegen die Ukraine zu führen.

In der Vergangenheit gab es zweimal Schwierigkeiten bei der Lieferung von Gas, die von der Ukraine verursacht wurden. Da sollte man ehrlich sein. Russland würde weiter liefern, aber wir wollen von dort nichts mehr, weil es die Ukraine angegriffen hat. Dann kommt noch die Frage auf: Wer hat eigentlich North-Stream II in die Luft gesprengt?

Haben Sie eine Einschätzung zur Sprengung?

Nein, das wäre reine Spekulation. Es gibt Indizien wie so häufig, aber keine Beweise. Jedenfalls keine, die öffentlich bekannt geworden sind. Aber Sie können ganz sicher sein: Die Sonne bringt es an den Tag.

Welche Erfahrungen haben Sie in Verhandlungen mit Russland gemacht?

Ich habe viele Verhandlungen mit Russland geführt, z. B. über den russischen Beitrag zum Kosovo-Einsatz der Nato. Die USA hatten uns darum gebeten, weil sie mit Russland zu keinem Ergebnis kamen. Russland war schliesslich bereit, seine Truppen einem deutschen Nato-Befehlshaber zu unterstellen. In den 90er Jahren entstand eine enge politische Abstimmung und militärische Zusammenarbeit zwischen der Nato und Russland, seit 1997 durch den Nato-Russland-Grundlagenvertrag geregelt. Die Russen sind harte Verhandlungspartner, aber wenn man zu einem gemeinsamen Ergebnis kommt, dann steht das und gilt auch.

Wie sah das Ergebnis aus?

Die Russen wollten in den Verhandlungen um den Grundlagenvertrag eine Art Mitentscheidungsrecht erhalten. Das war nicht möglich. Wir haben aber einen Weg gefunden, gemeinsame Lösungen in Fällen zu finden, in denen die Sicherheitsinteressen der einen oder anderen Seite betroffen sind. Nach dem Georgienkrieg hat die Nato die Zusammenarbeit leider weitgehend suspendiert. Es hat sich auch im Vorfeld des Ukrainekrieges gezeigt, dass Regelungen, die in Zeiten eines guten Verhältnisses für die Beilegung von Krisen und Konflikten geschaffen werden, dann ihren Wert haben, wenn es zu Spannungen kommt. Leider hat man das nicht verstanden.

Herr General Kujat, ich danke für das Gespräch.

Interview Thomas Kaiser

* General a.D. Harald Kujat, geboren am 1. März 1942, war u. a. Generalinspekteur der Bundeswehr und als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses höchster Militär der Nato. Zugleich amtete er als Vorsitzender des Nato-Russland-Rates sowie des Euro-Atlantischen-Partnerschaftsrates der Generalstabschefs. Für seine Verdienste wurde Harald Kujat mit einer grossen Zahl von Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Kommandeurskreuz der Ehrenlegion der Republik Frankreich, dem Kommandeurskreuz des Verdienstordens Lettlands, Estlands und Polens, der Legion of Merit der Vereinigten Staaten, dem Grossen Band des Leopoldordens des Königreichs Belgien, dem Grossen Bundesverdienstkreuz, sowie mit weiteren hohen Auszeichnungen, u.a. aus Malta, Ungarn und der Nato.

Quelle:
https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-1-vom-18-januar-2023.html

Weitere Texte, die ebenfalls das Thema beleuchten, aber unterschiedliche Akzente setzen:
https://hegefries.jimdofree.com/texte/texte-anderer/
https://hegefries.jimdofree.com/texte/prosa-und-lyrik/

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90 Sekunden vor Mitternacht…/ also in English

Doomsday Clock ,    90 Sekunden vor Mitternacht: Was bedeutet die „Schicksalsuhr“ im Jahr 2023? https://wp.me/paI27O-4oY

https://johnmenadue.com/it-is-90-seconds-to-midnight-what-the-doomsday-clock-means-in-2023/

The Doomsday Clock is a metaphor that warns the public about how close we are to destroying the world with dangerous technologies of our own making.

We are now at the most dangerous moment in history.

Verteidigung und Sicherheit, Menschenrechte, Politik
90 Sekunden vor Mitternacht: Was die Weltuntergangsuhr im Jahr 2023 bedeutet
Von Tilman Ruff

26. Januar 2023

 

Wir befinden uns in einem der gefährlichsten Momente der Geschichte.              Wir sind mit mehreren existenziellen Krisen konfrontiert, die nicht unter Kontrolle sind, sondern sich immer mehr zuspitzen, während das Versagen der Führung immer verheerender wird.

Wir dürfen keine Zeit verlieren.

Gestern gaben die internationalen wissenschaftlichen und politischen Experten des Wissenschafts- und Sicherheitsrates des Bulletin of the Atomic Scientists in Washington DC bekannt, dass sie die Zeiger der ikonischen Weltuntergangsuhr von 100 auf 90 Sekunden vor Mitternacht vorverlegt haben, so nah wie nie zuvor an der globalen Katastrophe.

Sie taten dies vor allem wegen der zunehmenden Gefahren, die von Russlands Krieg gegen die Ukraine ausgehen. Sie sagen: „Russlands kaum verhüllte Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen erinnern die Welt daran, dass eine Eskalation des Konflikts – sei es durch Unfall, Absicht oder Fehlkalkulation – ein schreckliches Risiko darstellt. Die Möglichkeit, dass der Konflikt außer Kontrolle gerät, ist nach wie vor groß.“

Russlands Einmarsch verstößt nicht nur gegen das Budapester Memorandum von 1994, in dem es feierlich erklärte, „die Unabhängigkeit und Souveränität der bestehenden Grenzen der Ukraine zu respektieren“ und „von der Androhung eines Krieges oder der Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit der Ukraine Abstand zu nehmen …“, sondern es hat den Krieg auch in die Nähe der Atomreaktoren von Tschernobyl und Saporischschja verlegt, wodurch eine radioaktive Katastrophe droht, und es hat die Bemühungen der Internationalen Atomenergiebehörde, diese Anlagen zu sichern, abgewiesen.

Sie stellen fest, dass Russlands Krieg die Umsetzung und Aushandlung eines Nachfolgeabkommens für den letzten verbliebenen Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, New START, der im Februar 2026 auslaufen soll, gefährdet.

Der Krieg in der Ukraine untergräbt auch die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels, da Länder, die von russischem Öl und Gas abhängig sind, ihre Investitionen in Gas ausweiten und versuchen, ihre Lieferanten zu diversifizieren, und die internationale Zusammenarbeit gerade dann unter Druck gerät, wenn wir sie am meisten brauchen. Russland hat auch damit gedroht, die zivilen Space X Starlink-Kommunikationssatelliten ins Visier zu nehmen, und unterdrückt aktiv wahrheitsgemäße öffentliche Informationen und verbreitet in großem Umfang cybergestützte Desinformationen.

Der Ausschuss stellt fest, dass die wiederholten russischen Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg zwar die schlimmste nukleare Entwicklung des letzten Jahres darstellen, dass aber alle atomar bewaffneten Staaten durch die Ausweitung und Modernisierung ihrer Atomwaffenarsenale das Problem noch verschärfen.

Das Bulletin wurde 1945 von Albert Einstein, dem Leiter des Manhattan-Projekts, Robert Oppenheimer, und anderen Wissenschaftlern gegründet, die die ersten Atomwaffen entwickelten und schnell über deren Verbreitung und die existenzielle Bedrohung, die sie für die Menschheit darstellten, alarmiert waren – die erste Bedrohung dieser Art, die von Menschenhand geschaffen wurde.

Die vom Künstler Martyl Langsdorf entworfene Doomsday Clock wurde 1947, zwei Jahre nach den verheerenden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, in Betrieb genommen. Sie ist die bekannteste und eine der aussagekräftigsten jährlichen internationalen Einschätzungen, wie die Menschheit bei ihren größten Herausforderungen vorankommt. Die Uhr wird jedes Jahr im Januar nach sorgfältigen Überlegungen über die Anfälligkeit der Menschheit für globale Katastrophen durch Atomwaffen, globale Erwärmung, biologische Bedrohungen, Desinformation und störende Technologien eingestellt. Die Uhrzeit wird unter Mitwirkung des Förderkreises der Bulletins festgelegt, dem zehn Nobelpreisträger angehören.

Die Uhr stand ursprünglich auf 7 Minuten vor Mitternacht und wurde seit 1947 24 Mal umgestellt. Am weitesten von Mitternacht entfernt war sie mit 17 Minuten vor Mitternacht im Jahr 1991, als die Spannungen des Kalten Krieges nachließen und Russland und die USA vereinbarten, Tausende ihrer Atomwaffen abzuschaffen. Vor dem heutigen Tag lag sie 2020 mit 100 Sekunden vor Mitternacht am nächsten an Mitternacht, wo sie bis heute geblieben ist. Die neue Zeit zeigt an, dass wir uns im gefährlichsten Moment der Geschichte befinden, in dem wir mit mehreren existenziellen Krisen konfrontiert sind, die nicht unter Kontrolle sind, sondern sich immer mehr zuspitzen, während das Versagen der Führung immer verheerender wird.

Die Weltuhr gibt den Bürgern und Beamten in aller Welt sachkundige und weise Ratschläge zu unseren wichtigsten Herausforderungen und dazu, wo unsere gemeinsamen Prioritäten liegen sollten. Natürlich stoßen solche nüchternen Einschätzungen des Ernstes unserer Lage viel zu oft auf Leugnung, händeringende Plattitüden und Ausreden. Die Erklärung, in der das Stellen der Uhr erläutert wird, soll ein Aufruf zu konzertiertem Handeln an Bürger und Regierungen sein, zu mutiger, ethischer Führung mit langfristiger Perspektive.

Was sind die wichtigsten Auswirkungen der neuen Weltuntergangsuhr für Australien? Im Bereich der disruptiven Technologien: Der Schutz von Informanten und freien Medien, eine strenge Regulierung von Desinformation, vorsätzlicher Falschdarstellung und einer Politik des Hasses und der Persönlichkeitsverletzung, die durch Cyberplattformen ermöglicht wird, ein strenges Menschenrechtsgesetz und ein entschiedenes Eintreten gegen tödliche autonome Waffensysteme wären ein guter Anfang.

In Bezug auf biologische Bedrohungen: Eine starke finanzielle Unterstützung und Sachleistungen für die globale Erreger- und Krankheitsüberwachung und die schnellen Reaktionskapazitäten, insbesondere durch die Stärkung der Weltgesundheitsorganisation, die Gewährleistung starker nationaler Labor- und Reaktionskapazitäten im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die Sicherstellung, dass das geplante nationale Zentrum für Seuchenkontrolle finanziell gut ausgestattet und unabhängig ist, und die Beibehaltung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Experten im Zentrum der Gesundheitspolitik wären alle hilfreich.

Was die globale Erwärmung betrifft, so wäre es sehr hilfreich, die Umstellung auf erneuerbare Energien erheblich auszuweiten und zu beschleunigen, die öffentlichen Subventionen für fossile Brennstoffe rasch einzustellen, keine neuen Projekte zur Ausbeutung fossiler Brennstoffe zuzulassen und großzügige Beiträge zu internationalen Fonds zu leisten, um die ärmsten und anfälligsten Länder bei der Bewältigung der zunehmenden Folgen des Klimawandels zu unterstützen und ihre Energiewende zu beschleunigen.

In Bezug auf Atomwaffen wäre das bei weitem Wirksamste, was unsere Regierung tun könnte, um ihre Unterstützung für eine atomwaffenfreie Welt in die Tat umzusetzen, der Beitritt mit fast allen unseren pazifischen und südostasiatischen Nachbarn zum UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen. Im Moment ist dieser erste Vertrag zum Verbot der schlimmsten Massenvernichtungswaffen das einzige helle Licht in der ansonsten immer dunkler werdenden nuklearen Landschaft. Er trägt dazu bei, Atomwaffen und nukleare Bedrohungen zu delegitimieren und die Profiteure, die diese inakzeptablen Waffen herstellen, zur Abkehr zu bewegen. Er enthält den einzigen international vereinbarten Rahmen, um die Abschaffung von Atomwaffen zu erreichen.

Der Beitritt zum Vertrag ist eine nationale politische Verpflichtung der Labour-Partei und wäre für Australien der bei weitem effektivste Weg, um zu beweisen, dass die Anschaffung von U-Booten mit Nuklearantrieb, die Stationierung von US-B-52-Kampfjets in Australien oder andere militärische Entwicklungen nicht das Ende der Fahnenstange für die Anschaffung oder Stationierung von Atomwaffen in Australien sind. Der Beitritt zu diesem Vertrag würde uns endgültig auf die richtige Seite der Geschichte stellen und bedeuten, dass wir den möglichen Einsatz von Atomwaffen nicht länger auf doppelzüngige und unmoralische Weise rechtfertigen und den möglichen Einsatz von Atomwaffen durch Einrichtungen wie Pine Gap, die an der Steuerung, Kontrolle und Ausrichtung von US-Atomwaffen beteiligt sind, unterstützen. Es würde unsere stillschweigende Ermutigung zur Weiterverbreitung von Atomwaffen nach dem Motto „Tu, was wir sagen, nicht was wir tun“ beenden.

Unser Beitritt würde sich mit Stolz in eine Reihe mit all den anderen Verträgen über das Verbot unterschiedsloser und unmenschlicher Waffen wie biologischer und chemischer Waffen, Landminen und Streumunition stellen, denen Australien sowohl unter den Regierungen der Labour Party als auch der Koalition beigetreten ist. Wie Neuseeland, die Philippinen und Thailand bereits bewiesen haben, ist der Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag durchaus mit der Fortsetzung der nichtnuklearen militärischen Zusammenarbeit mit den atomar bewaffneten USA, Großbritannien und Frankreich vereinbar.

Wie die frühere irische Präsidentin und UN-Menschenrechtsbeauftragte Mary Robinson bei der Ankündigung der Uhrzeit sagte, erinnert uns die Weltuntergangsuhr daran, dass wir die Zeiger der Uhr durch bürgerschaftliches Engagement, Krisenbewusstsein und couragierten, ethischen Führungsstil zurückdrehen müssen.

Wir dürfen keine Zeit verlieren.

 

Tilman Ruff

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Tilman Ruff AO ist Co-Präsident der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (Friedensnobelpreis 1985) und Mitbegründer und internationaler und australischer Gründungsvorsitzender der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, dem ersten für eine in Australien gegründete Organisation.

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90 seconds to midnight: what the Doomsday Clock means in 2023

Jan 26, 2023

The Doomsday Clock is a metaphor that warns the public about how close we are to destroying the world with dangerous technologies of our own making.

We are now at the most dangerous moment in history. We face multiple existential crises that are not under control, but growing more acute, while failures of leadership become more damning.

We have no time to lose.

Yesterday, in Washington DC, the international scientific and policy experts of the Science and Security Board of the Bulletin of the Atomic Scientists announced that they were moving the hands of the iconic Doomsday Clock forward from 100 to 90 seconds to midnight, the closest to global catastrophe it has ever been

They did so mainly because of the mounting dangers of Russia’s war on Ukraine. They say: “Russia’s thinly veiled threats to use nuclear weapons remind the world that escalation of the conflict – by accident, intention, or miscalculation – is a terrible risk. The possibility that the conflict could spin out of anyone’s control remains high.”

Russia’s invasion not only violates the 1994 Budapest memorandum in which it solemnly declared to “respect the independence and sovereignty of the existing borders of Ukraine” and “refrain from the threat of war or use of force against the territorial integrity or political independence of Ukraine …”, it has also brought the war to the heart of the Chernobyl and Zaporizhzhia nuclear reactors, risking a radioactive catastrophe, and rebuffed efforts by the International Atomic Energy Agency to secure these plants.

They note that Russia’s war jeopardises the implementation and negotiation of a successor agreement to the last remaining treaty limiting nuclear weapons between Russia and the United States, new START, due to expire in Feb 2026.

The war in Ukraine is also undermining global efforts to combat climate change, as countries dependent on Russian oil and gas expand their investments in gas and seek to diversify suppliers, and international cooperation takes a hammering just when we need it most. Russia has also threatened targeting civilian Space X Starlink communication satellites, and actively suppresses truthful public information as well as widely spreading cyber-enabled disinformation.

The Board notes that while repeated Russian threats to use nuclear weapons in the Ukraine war constitute the worst nuclear development over the last year, all nuclear-armed states are adding to the problem by expanding and modernising their nuclear arsenals.

The Bulletin was founded in 1945 by Albert Einstein, Manhattan Project director Robert Oppenheimer, and other scientists who developed the first atomic weapons and rapidly became alarmed about their spread and the existential threat they posed to humanity, the first such threat of human making.

Designed by artist Martyl Langsdorf, the Doomsday Clock was launched in 1947—two years after the devastating atomic bombings of Hiroshima and Nagasaki. It is the best known and one of the most authoritative annual international assessments of how humanity is tracking on our biggest challenges. The Clock is set late every January after careful deliberations on humanity’s vulnerability to global catastrophe from nuclear weapons, global heating, biological threats, and disinformation and disruptive technologies. The time is set with input from the Bulletins’ Board of Sponsors, which includes ten Nobel laureates.

The clock started at 7 minutes to midnight, and has been moved 24 times since 1947. It was furthest from midnight, at 17 minutes to midnight, in 1991, when Cold War tensions eased and Russia and the US agreed to eliminate thousands of their nuclear weapons. Before today, it was closest to midnight, at 100 seconds to midnight, in 2020, where it remained until today. The new time indicates we are now at the most dangerous moment in history, facing multiple existential crises that are not under control but growing more acute, while failures of leadership become more damning.

The Clock provides informed and wise counsel to citizens and officials worldwide about our key challenges and where our collective priorities should lie. Of course, far too often such sober assessments of the seriousness of our predicament meet with denial, hand-wringing platitudes and excuses. The Statement explaining the Clock setting is intended and hoped to be a call for concerted action to citizens and governments, for bold, ethical leadership with a long-term view.

What are the main implications for Australia of the new Doomsday Clock setting? On the disruptive technologies front: protection of whistleblowers and a free media, strong regulation of disinformation, wilful misrepresentation and politics of hate and personal destruction enabled by cyber platforms, a strong human rights bill, and firmly opposing lethal autonomous weapons systems would be a good start.

On the biological threats front: strong financial and in-kind support for global pathogen and disease surveillance and rapid response capacity, particularly through strengthening the World Health Organisation, ensuring strong national public health laboratory and response capacities, that the planned national Centre for Disease Control is well-funded and independent, and keeping scientific evidence and experts at the centre of health policy would all help.

On global heating: substantially scaling up and accelerating our renewable energy transition, quickly ending public subsidies for fossil fuels, allowing no new fossil fuel exploitation projects, and contributing generously to international funds to support the poorest and most vulnerable countries to address the mounting toll from climate change impacts and accelerate their energy transitions, would go a long way.

On nuclear weapons, by far the most effective thing our government could do to walk its talk of support for a world free of nuclear weapons would be to join almost all our Pacific and southeast Asian neighbours in the UN Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons. Right now this first ever treaty to prohibit the worst weapons of mass destruction is the only bright light in the otherwise darkening nuclear landscape. It is helping to delegitimise nuclear weapons and nuclear threats and drive divestment from profiteers that make these unacceptable weapons. It contains the only internationally agreed framework to achieve the elimination of nuclear weapons.

Joining the Treaty is a national Labor policy commitment, and it would be by far the most effective way for Australia to prove that any acquisition of nuclear-propelled submarines, stationing of US B-52s in Australia, or any other military developments are not the thin end of the wedge for acquisition or stationing of nuclear weapons in Australia. Joining this treaty would put us firmly on the right side of history and involve ending our duplicitous and immoral justification for the possible use of nuclear weapons and assistance for their possible use, through facilities such as Pine Gap involved in the command, control and targeting of US nuclear weapons. It would end our tacit ‘do as we say not as we do’ encouragement for nuclear proliferation.

Our joining would sit proudly alongside all the other treaties banning indiscriminate and inhumane weapons such as biological and chemical weapons, landmines and cluster munitions, that Australia has joined under governments both Labor and coalition. As New Zealand, the Philippines and Thailand have already demonstrated, joining the nuclear ban treaty is entirely compatible with continuing non-nuclear military cooperation with nuclear-armed US, UK and France.

As former Irish President and UN human rights chief Mary Robinson said at the Clock announcement, the Doomsday Clock reminds us that citizen action, a crisis mindset and bold, ethical leadership are needed to push the hands of the Clock back.

We have no time to lose.

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Jeffrey Sachs, Januar 23, Krieg in der Ukraine

Jeffrey Sachs, Krieg in der Ukraine  https://wp.me/paI27O-4oV
Gesendet: Mittwoch, 25. Januar 2023 um 19:25 Uhr
Von: „Barbara
An: „AK intern“
Betreff:  Jeffrey Sachs

Liebe Ak-Mitglieder,

heute habe ich an einem Webinar des Internacional Peace Buero (IPB) teilgenommen, bei dem  Jeffrey Sachs etwa 30 Minuten referiert hat.  Und er war hervorragend.

Er sieht den Krieg in der Ukraine als Krieg zwischen USA und Rußland. Er sagte, dieser habe nicht erst im Februar 2022 begonnen, sondern bereits 2014. 2022 sei die rote Linie für Rußland mit der Aufgabe der Neutralität der Ukraine und ihrer geplanten NATO-Mitgliedschaft im Rahmen der Osterweiterung überschritten worden. Seit 1 Jahr hätten der US-Präsident und der russische Präsident nicht mehr miteinander geredet,
noch nicht einmal telefoniert. Sie sollten sich endlich wie Erwachsene benehmen und miteinander reden. Er plädierte  für sofortigen Waffenstillstand und Aufnahme von Friedensverhandlungen. Dabei war er sehr aufgebracht, und besonders wütend auf die USA und die „Neocons“,
wie er sie nannte.

Obwohl auf englisch, konnte man ihn gut verstehen, da er langsam und deutlich sprach. Außerdem hat das Konferenzprogramm (ZOOM) eine Simultanübersetzung untertitelt, zwar mit kleineren, aber nicht allzu schlimmen Fehlern (einmal bei der Ankündigung durch den moderator Reiner Braun z.B. Sex statt Sachs)

Ich hoffe sehr, daß der Videomitschnitt irgendwann für alle zugänglich veröffentlicht wird.

Schönen Abend     Barbara

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Umfragen zum Frieden, Mehrheit für Verhandlungen…

r Umfrage, wonach eine große Mehrheit von 77 Prozent der deutschen Bevölkerung ist der Meinung, dass die westliche Staatengemeinschaft in der jetzigen Phase konkrete Bemühungen unternehmen solle, um Verhandlungen über eine Beendigung des Ukrainekrieges einzuleiten, ist https://www.n-tv.de/politik/77-der-Deutschen-wollen-dass-der-Westen-Verhandlungen-zum-Kriegsende-anstoesst-article23556418.html

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Der Friedensappell von Prof. Moegling

Friedensappell von Prof. Moegling          https://wp.me/paI27O-4oH
Friedensappell   nationalen  internationalen

Flugblatt:

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2023/01/Flugblatt_Appell-fuer-den-Frieden-2.pdf

Klicke, um auf Flugblatt_Appell-fuer-den-Frieden-2.pdf zuzugreifen

Ein Aufruf für unser Überleben und unser Glück,    

kurz, aber umfassend, auf das  Wichtigste beschränkt, ohne Schuldzuweisungen!

Gesendet: Dienstag, 24. Januar 2023 um 07:08 Uhr
Von: „Moegling, Klaus“ <klaus@moegling.de>
An: klaus@moegling.de
Betreff: Wichtige Neuigkeiten zum Appell für den Frieden

Liebe Unterzeichner_innen unseres Appells für den Frieden,

bisher haben über 2350 Personen, die maßgeblich aus der Friedensbewegung stammen, unseren Friedensappell auf Change.org unterschrieben. Ca. 550 Personen haben parallel dazu in namentlicher Nennung auf meiner Webseite https://www.klaus-moegling.de/peace-appeal/  unterzeichnet.

  1. Weitere Internationalisierung

Wir haben nun auch eine ansehnliche internationale Erstunterzeichnerliste mit Friedensaktivisten von vielen Ländern für das globale Portal ‚Action Network‘ zusammengestellt. Ab jetzt öffnen wir diese Möglichkeit der Unterzeichnung des englischsprachigen Friedensappells (Peace Appeal) ebenfalls für deutschsprachige Unterzeichner_innen. Sie sind ja auch Mitglieder der internationalen Friedensgemeinschaft und sollten also auch dort unterzeichnen. Daher:

Aufruf auch an Sie/euch alle, auch unseren internationalen Aufruf zu unterzeichnen:

https://actionnetwork.org/petitions/appeal-for-peace/

Je mehr Unterzeichnungen dort eintreffen, umso mehr Gewicht bekommt auch der internationale Appell!

Der internationale Friedensappell wird anschließend – bei genügend Unterzeichnungen – der EU-Kommission und dem UN-Generalsekretariat mit einem entsprechenden Anschreiben zugesendet. Im Mittelpunkt des Anschreibens wird die Forderung unseres Friedensappells stehen, dass eine internationale hochrangige und hochlegitimierte Verhandlungskommission unter der Leitung des UN-Generalsekretärs Guterres gebildet wird, die zusammen mit den Regierungen der Ukraine und der Russischen Föderation einen Waffenstillstand als Voraussetzung für einen Friedensvertrag verhandelt.

(Eine Zweifachunterzeichnung aufgrund der Unterzeichnung in beiden Internetplattformen ist kein Problem, da wir die beiden Zahlen der Unterzeichnungen nicht addieren, sondern getrennt voneinander behandeln.)

  1. Weitere Öffentlichkeitsarbeit für den Friedensappell

–          Idee: Bitte schreibt euch/Ihnen zugängliche Medien an, z.B. eure/Ihre Regionalzeitungen. Hier wäre eine kurze eigene Presseerklärung mit dem Hinweis auf den Friedensappell und z.B. auf den Link bei Change.org https://chng.it/N2ggCS5Q und auf die eigens für den Friedensappell eingerichtete Homepage https://www.klaus-moegling.de/peace-appeal/ sinnvoll. Dort finden sich ja auch der Text des Appells sowie die deutschen, österreichischen und internationalen Erstunterzeichnerlisten. Hieraus lässt sich sicherlich eine gute Presserklärung gestalten.

–          Ich füge euch/ Ihnen auch das Flugblatt zum Friedensappell mit der aktualisierten Unterzeichner_innenliste dieser Mail bei. Ganz neu sind erfreulicher Weise Dr. Antje Vollmer, Prof. Dr. Hajo Funke und Prof. Dr. Peter Brandt zur Erstunterzeichner_innenliste noch hinzugekommen. Herzlich willkommen! Das Flugblatt kann zum Weiterleiten, aber auch für die Verteilung beim Ostermarsch, bei Mahnwachen oder für die Presse verwendet werden.

–          Wir sind natürlich auch weiterhin aktiv in Sachen Öffentlichkeitsarbeit – hier ein paar Beispiele:

  • Videoansprache ‚Appell für den Frieden‘ (K.M.) (bitte Videokanal abonnieren u. Link weiterleiten):

https://www.youtube.com/watch?v=au-RZ4VJxAA

  • Klaus-Peter Haupt (Future Space, Kassel) im Gespräch über den Krieg in der Ukraine und den ‚Appell für den Frieden‘ mit Jason v. Juterczenka und Klaus Moegling

„Wenn der Frieden kippt, kippt auch das Klima.“

https://www.youtube.com/watch?v=v2Hh8o0s_xw, 19.12.2022.

·         ZDF – Inside PolitiX:

„Verhandeln, Kämpfen, Kapitulieren – Wie kann der Ukraine-Krieg enden?“

https://www.youtube.com/watch?v=rIICGAsizxk , 25.12.22, 2025.12.2022.

Interview in der Frankfurter Rundschau von:  Pitt von Bebenburg (Chefredakteur FR) mit Klaus Moegling

https://www.fr.de/politik/was-kann-die-bundesregierung-fuer-frieden-in-der-ukraine-tun-92031154.html, 16.1.2023, 16.1.2023, gedruckte Ausgabe 17.1.2023.

  • Video-Interview
    von Josef Mühlbauer (Varna, Institute for Peace Research, Austria)
    mit Klaus Moegling

https://www.youtube.com/watch?v=Qv6IscWmPI8
Ein ausführliches Gespräch (1.18 Std.) u.a. zu berufsbiografischen Fragen, zur Entwicklung und zum Inhalt des Appells für den Frieden sowie über den Krieg in der Ukraine und dessen friedenspolitischer Perspektiven.
20.1.2023.

(Gern erhalte ich wieder Rückmeldungen per E-Mail zu den einzelnen Beiträgen, die ich dann gern beantworte.)

  1. Planungen:
  • Am 2.1.2022 findet eine vorbereitende Zoom-Konferenz einer deutschen und einer österreichischen Delegation von jeweils ca. 15 Personen statt, die den Appell für den Frieden aktiv unterstützen. Vortragende sind hier u.a. Karl-Heinz-Hinrichs, Bernhard Trautvetter, Karl-Wilhelm Koch, Klaus Moegling. Hier soll eine größere Zoom-Konferenz zum Appell für den Frieden vorbereitet werden, an der dann alle Interessierten, natürlich auch die Unterzeichner_innen, teilnehmen können. Ich werde den Termin und das Programm der größeren Tagung, die wahrscheinlich im März 2023 stattfinden wird, rechtzeitig mitteilen, so dass sich alle Interessierten anmelden können.

Soweit erst einmal der neueste Stand zum Friedensappell, … während gleichzeitig der Krieg in der Ukraine immer weiter eskaliert. Kommen nun nach den Panzerforderungen auch noch Forderungen zur Lieferung von Kampfjets? …

Bitte denkt/ denken Sie an die Unterzeichnung auch des internationalen Friedensappells auf Action Network (siehe oben) und auch an die Weiterleitung dieser Information zum internationalen Einwirken auf die Problemlage an Interessierte im In- und Ausland. Jetzt kommt es darauf an, die Stimme zu erheben und zu zeigen, dass sich in Deutschland nicht nur Bellizisten öffentlich äußern.

Sicherlich sind die Reichweite und die Effizienz eines Friedensappells begrenzt. Doch wir können nur das tun, was im Rahmen unserer gesellschaftlichen Reichweite liegt – und das sollten wir tun. Der öffentliche Meinungsbildungsprozess, in den ein solcher vielfach unterzeichneter Friedensappell eingreift, ist ein wesentlicher Faktor, auf den die nationale (und auch die internationale) Aufmerksamkeit gerichtet ist. Die Unterzeichnung und mediale Verbreitung des Friedensappells mit allen herum angesiedelten kommunikativen Aktivitäten ist konkret gelebte Friedenspolitik!

Mit den besten Grüßen

Ihr/ euer

Klaus Moegling

————————————————————

Prof. i.R. Dr. habil. Klaus Moegling

Am Ahlberg 10

34376 Immenhausen

Tel.: 05673-5967

Homepage: https://www.klaus-moegling.de

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Hamburger Erklärung der IPPNW/ also in English

Hamburger Erklärung der IPPNW    https://wp.me/paI27O-4oy

Eine gute Hamburger Erklärung angesichts der enormen Atomkriegsrisiken. Allerdings halte ich es für wichtig, dass auf den Zusammenhang mit den gekündigten Abrüstungsverpflichtungen der USA und die Aufrüstung der Ukraine hingewiesen wird, weshalb sich Russland bedroht sieht.

Hamburger Erklärung
Zu Beginn dieses Jahres 2023 stehen Europa und die Welt vor einer Reihe von sehr tiefen Krisen konfrontiert. Wir, die Ärzte aus ganz Europa, sind uns einig in der Überzeugung, dass Krieg
nicht das Mittel sein kann, um politische Ziele zu erreichen.

Die Auswirkungen eines Atomkriegs in Europa auf die Menschheit und die mögliche Zerstörung des Lebens auf der Erde würden jede politische Rechtfertigung bei weitem übersteigen.
Deshalb hat kein Staatschef das moralische Recht, Atomwaffen einzusetzen, egal unter welchen Umständen einzusetzen.
Wir stehen zusammen mit allen europäischen Völkern, die unsere feste Überzeugung teilen, dass militärische militärische Aktionen auf unserem Kontinent unverzüglich beendet werden müssen und dass diplomatische Lösungen gesucht und durchgesetzt werden müssen. Dies muss unterstützt werden durch die Umsetzung internationaler gemeinsamer Sicherheitsstrukturen.
Wir lehnen das Konzept der nuklearen Abschreckung ab, da es die Zivilgesellschaften einem Zivilgesellschaften einem inakzeptablen Risiko der nuklearen Vernichtung aussetzt, sei es durch Unfall oder durch böswilligen politischen Willen.
Wir fordern, dass alle Nationen, die Atomwaffen besitzen, auf den „Ersteinsatz“ von Atomwaffen verzichten.
Um einen versehentlichen Atomkrieg und die damit verbundenen Risiken zu vermeiden, fordern wir alle Atomwaffenstaaten
Atomwaffenstaaten und alle NATO-Mitgliedsstaaten auf, alle ihre Atomwaffen zu deaktivieren. Wir begrüßen alle Staaten, die den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen unterzeichnet und ratifiziert haben. Die meisten von ihnen befinden sich außerhalb Europas. Wir empfehlen daher, dass alle nicht-nuklearen europäischen Länder dem fortschrittlichen Beispiel dieser Staaten folgen, indem sie den TPNW ohne weitere Verzögerung unterzeichnen und ratifizieren.

Wir bestehen darauf, dass die Kernwaffenstaaten mit den Vorbereitungen zur Erfüllung ihrer Abrüstungsverpflichtungen
im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags anfangen und den Weg für die Ratifizierung des TPNW frei machen.

Wir bekräftigen unser jahrzehntelanges Engagement innerhalb der weltweiten IPPNW-Bewegung, um als Ärzte und Gesundheitsfachkräfte über alle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, um einen Atomkrieg
und seine Folgen für die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt zu verhindern, um so ein ein friedliches Europa und eine friedliche Welt.
Wir ermutigen Ärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe, sich unserer globalen IPPNW-Bewegung und unseren Bemühungen um ein Ende des Atomwaffenzeitalters anzuschließen.

IPPNW-Regionaltreffen Europa, Hamburg, 22. Januar 2023

Hamburg Declaration
At the beginning of this year 2023, Europe and the world are facing a series of very deep crises. We, as physicians from across Europe, are united in our belief that war cannot be the means whereby political goals are accomplished.

The effects of a nuclear war in Europe on humankind and indeed the possible widespread destruction of life on Earth would grossly exceed any political justification. Therefore, no leader has the moral right to use nuclear weapons under any circumstances.

We stand together with all the European people who share our firm belief that military action on our continent must come to an end without delay, and that diplomatic solutions must be sought and accomplished. This must be supported by the implementation of international common security structures.

We denounce the concept of nuclear deterrence as this puts civil societies at an unacceptable risk of nuclear annihilation, by accident or by malign political will.
We demand that all nations possessing nuclear weapons renounce any ‚first use‘ of nuclear weapons. In order to avoid any accidental nuclear war and its attendant risks, we urge all nuclear weapon states and all NATO member states to dealert all their nuclear weapons.
We applaud all the states which have signed and ratified the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons. Most of them are outside Europe. We therefore recommend that all nonnuclear European countries follow the progressive example of those states by
signing and ratifying the TPNW without further delay.

We insist that the nuclear weapon states start preparing to fulfil their disarmament obligations under the NPT to fully abolish their nuclear arsenals and make way for the ratification of the TPNW.

We reaffirm our decadeslong commitment within the global IPPNW movement to work together as physicians and health workers across all borders to prevent nuclear war and its consequences on the health of people the world over, thereby achieving a peaceful Europe and a peaceful world.

We encourage physicians and health workers to join our global IPPNW movement in our effort to end the nuclear weapon era.


IPPNW European Regional Meeting, Hamburg, 22nd January 2023

Hamburg Declaration
At the beginning of this year 2023, Europe and the world are facing a series of very
deep crises. We, as physicians from across Europe, are united in our belief that war
cannot be the means whereby political goals are accomplished.

The effects of a nuclear war in Europe on humankind and indeed the possible
widespread destruction of life on Earth would grossly exceed any political justification.
Therefore, no leader has the moral right to use nuclear weapons under any
circumstances.

We stand together with all the European people who share our firm belief that military
action on our continent must come to an end without delay, and that diplomatic
solutions must be sought and accomplished. This must be supported by the
implementation of international common security structures.

We denounce the concept of nuclear deterrence as this puts civil societies at an
unacceptable risk of nuclear annihilation, by accident or by malign political will.

We demand that all nations possessing nuclear weapons renounce any ‚first use‘ of
nuclear weapons.

In order to avoid any accidental nuclear war and its attendant risks, we urge all nuclear
weapon states and all NATO member states to dealert all their nuclear weapons.

We applaud all the states which have signed and ratified the Treaty on the Prohibition
of Nuclear Weapons. Most of them are outside Europe. We therefore recommend that
all nonnuclear European countries follow the progressive example of those states by
signing and ratifying the TPNW without further delay.

We insist that the nuclear weapon states start preparing to fulfil their disarmament
obligations under the NPT to fully abolish their nuclear arsenals and make way for the
ratification of the TPNW.

We reaffirm our decadeslong commitment within the global IPPNW movement to work
together as physicians and health workers across all borders to prevent nuclear war
and its consequences on the health of people the world over, thereby achieving a
peaceful Europe and a peaceful world.

We encourage physicians and health workers to join our global IPPNW movement in
our effort to end the nuclear weapon era.

IPPNW European Regional Meeting, Hamburg, 22nd January 2023

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Harald Kujat:  Ukrainekonflikt

Harald Kujat:  Ukrainekonflikt: https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-1-vom-18-januar-2023.html#article_1460

Ukrainekonflikt: «Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen»

«Waffenlieferungen bedeuten, dass der Krieg sinnlos verlängert wird»

Interview mit General a. D. Harald Kujat*

General a. D. Harald Kujat (Bild commons.wikimedia)
General a. D. Harald Kujat (Bild commons.wikimedia)

Mit Hervorhebungen durch mich:

Zeitgeschehen im Fokus Welchen Wert geben Sie der Berichterstattung über die Ukraine in unseren Mainstream-Medien?

General a. D. Harald Kujat Der Ukrainekrieg ist nicht nur eine militärische Auseinandersetzung; er ist auch ein Wirtschafts- und ein Informationskrieg. In diesem Informationskrieg kann man zu einem Kriegsteilnehmer werden, wenn man sich Informationen und Argumente zu eigen macht, die man weder verifizieren noch aufgrund eigener Kompetenz beurteilen kann. Zum Teil spielen auch als moralisch verstandene oder ideologische Motive eine Rolle. Das ist in Deutschland besonders problematisch, weil in den Medien überwiegend «Experten» zu Wort kommen, die über keine sicherheitspolitischen und strategischen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen und deshalb Meinungen äussern, die sie aus Veröffentlichungen anderer «Experten» mit vergleichbarer Sachkenntnis beziehen. Offensichtlich wird damit auch politischer Druck auf die Bundesregierung aufgebaut. Die Debatte über die Lieferung bestimmter Waffensysteme zeigt überdeutlich die Absicht vieler Medien, selbst Politik zu machen. Es mag sein, dass mein Unbehagen über diese Entwicklung eine Folge meines langjährigen Dienstes in der Nato ist, unter anderem als Vorsitzender des Nato-Russland-Rats und der Nato-Ukraine-Kommission der Generalstabschefs. Besonders ärgerlich finde ich, dass die deutschen Sicherheitsinteressen und die Gefahren für unser Land durch eine Ausweitung und Eskalation des Krieges so wenig beachtet werden. Das zeugt von einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein oder, um einen altmodischen Begriff zu verwenden, von einer höchst unpatriotischen Haltung. In den Vereinigten Staaten, einem der beiden Hauptakteure in diesem Konflikt, ist der Umgang mit dem Ukrainekrieg wesentlich differenzierter und kontroverser, gleichwohl aber immer von nationalen Interessen geleitet.

Sie haben sich Anfang 2022, als die Lage an der Grenze zur Ukraine immer zugespitzter wurde, zum damaligen Inspekteur der Marine, Vizegeneral Kai-Achim Schönbach, geäussert und sich im gewissen Sinne hinter ihn gestellt. Er warnte eindringlich vor einer Eskalation mit Russland und machte dem Westen den Vorwurf, er hätte Putin gedemütigt, und man müsse auf gleicher Augenhöhe mit ihm verhandeln.

Ich habe mich nicht in der Sache geäussert, sondern um ihn vor unqualifizierten Angriffen in Schutz zu nehmen. Ich war allerdings immer der Ansicht, dass man diesen Krieg verhindern muss und dass man ihn auch hätte verhindern können. Dazu habe ich mich im Dezember 2021 auch öffentlich geäussert. Und Anfang Januar 2022 habe ich Vorschläge veröffentlicht, wie in Verhandlungen ein für alle Seiten akzeptables Ergebnis erzielt werden könnte, mit dem ein Krieg doch noch vermieden wird. Leider ist es anders gekommen. Vielleicht wird einmal die Frage gestellt, wer diesen Krieg wollte, wer ihn nicht verhindern wollte und wer ihn nicht verhindern konnte.

Wie schätzen Sie die momentane Entwicklung in der Ukraine ein?

Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger wird es, einen Verhandlungsfrieden zu erzielen. Die russische Annexion von vier ukrainischen Gebieten am 30. September 2022 ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die nur schwer rückgängig gemacht werden kann. Deshalb fand ich es so bedauerlich, dass die Verhandlungen, die im März in Istanbul geführt wurden, nach grossen Fortschritten und einem durchaus positiven Ergebnis für die Ukraine abgebrochen wurden. Russland hatte sich in den Istanbul-Verhandlungen offensichtlich dazu bereit erklärt, seine Streitkräfte auf den Stand vom 23. Februar zurückzuziehen, also vor Beginn des Angriffs auf die Ukraine. Jetzt wird immer wieder der vollständige Abzug als Voraussetzung für Verhandlungen gefordert.

Was hat denn die Ukraine als Gegenleistung angeboten?

Die Ukraine hatte sich verpflichtet, auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten und keine Stationierung ausländischer Truppen oder militärischer Einrichtungen zuzulassen. Dafür sollte sie Sicherheitsgarantien von Staaten ihrer Wahl erhalten. Die Zukunft der besetzten Gebiete sollte innerhalb von 15 Jahren diplomatisch, unter ausdrücklichem Verzicht auf militärische Gewalt gelöst werden.

Warum kam der Vertrag nicht zustande, der Zehntausenden das Leben gerettet und den Ukrainern die Zerstörung ihres Landes erspart hätte?

Nach zuverlässigen Informationen hat der damalige britische Premierminister Boris Johnson am 9. April in Kiew interveniert und eine Unterzeichnung verhindert. Seine Begründung war, der Westen sei für ein Kriegsende nicht bereit.

Es ist ungeheuerlich, was da gespielt wird, von dem der gutgläubige Bürger keine Ahnung hat. Die Verhandlungen in Istanbul waren bekannt, auch dass man kurz vor einer Einigung stand, aber von einem Tag auf den anderen hat man nichts mehr gehört.

Mitte März hatte beispielsweise die britische «Financial Times» über Fortschritte berichtet. Auch in einigen deutschen Zeitungen erschienen entsprechende Meldungen. Weshalb die Verhandlungen scheiterten, ist allerdings nicht berichtet worden. Als Putin am 21. September die Teilmobilmachung verkündete, erwähnte er zum ersten Mal öffentlich, dass die Ukraine in den Istanbul-Verhandlungen im März 2022 positiv auf russische Vorschläge reagiert habe. «Aber», sagte er wörtlich, «eine friedliche Lösung passte dem Westen nicht, deshalb hat er Kiew tatsächlich befohlen, alle Vereinbarungen zunichte zu machen.»

Darüber schweigt tatsächlich unsere Presse.

Anders als beispielsweise die amerikanischen Medien. «Foreign Affairs» und «Responsible Statecraft», zwei renommierte Zeitschriften, veröffentlichten dazu sehr informative Berichte. Der Artikel in «Foreign Affairs» war von Fiona Hill, einer ehemals hochrangigen Mitarbeiterin im nationalen Sicherheitsrat des Weissen Hauses. Sie ist sehr kompetent und absolut zuverlässig. Sehr detaillierte Informationen wurden bereits am 2. Mai auch in der regierungsnahen «Ukrainska Pravda» veröffentlicht.

Haben Sie noch weitere Angaben zu dieser Ungeheuerlichkeit?

Es ist bekannt, dass die wesentlichen Inhalte des Vertragsentwurfs auf einem Vorschlag der ukrainischen Regierung vom 29. März beruhen. Darüber berichten inzwischen auch viele US-amerikanische Medien. Ich habe jedoch erfahren müssen, dass deutsche Medien selbst dann nicht bereit sind, das Thema aufzugreifen, wenn sie Zugang zu den Quellen haben.

Sie äussern sich in einem Artikel folgendermassen: «Der Mangel an sicherheitspolitischem Weitblick und strategischem Urteilsvermögen in unserem Lande ist beschämend.» Was meinen Sie damit konkret?

Nehmen wir als Beispiel den Zustand der Bundeswehr. 2011 wurde eine Bundeswehrreform durchgeführt, die sogenannte Neuausrichtung der Bundeswehr. Neuausrichtung bedeutete weg vom Verfassungsauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung und hin zu Auslandseinsätzen. Zur Begründung hiess es, dass es kein Risiko eines konventionellen Angriffs auf Deutschland und die Nato-Verbündeten gebe. Personalumfang und Struktur der Streitkräfte, Ausrüstung, Bewaffnung und Ausbildung wurden auf Auslandseinsätze ausgerichtet. Streitkräfte, die über die Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung verfügen, können auch Stabilisierungseinsätze durchführen, zumal die Bundesregierung und das Parlament darüber im Einzelfall selbst entscheiden können. Umgekehrt ist das nicht der Fall, denn ob der Fall der Landes- und Bündnisverteidigung eintritt, entscheidet der Aggressor. Die damalige Lagebeurteilung war ohnehin falsch. Denn durch die einseitige Kündigung des ABM-Vertrages durch die USA war bereits 2002 ein strategischer Wendepunkt im Verhältnis zu Russland entstanden. Politischer Wendepunkt war der Nato-Gipfel in Bukarest 2008, als US-Präsident George W. Bush versuchte, eine Einladung der Ukraine und Georgiens zum Nato-Beitritt durchzusetzen. Als er damit scheiterte, wurde, wie in solchen Fällen üblich, eine vage Beitrittsperspektive für diese Länder in das Communiqué aufgenommen.

Sehen Sie aufgrund dieser Entwicklung zwischen Russland und den USA einen Zusammenhang mit der aktuellen Krise?

Obwohl durch den Ukrainekrieg das Risiko einer Konfrontation Russlands und der Nato für jedermann offensichtlich ist, wird die Bundeswehr weiter entwaffnet, ja, geradezu kannibalisiert, um Waffen und militärisches Gerät für die Ukraine freizusetzen. Einige Politiker rechtfertigen dies sogar mit dem unsinnigen Argument, dass unsere Freiheit in der Ukraine verteidigt würde.

Warum ist das für Sie ein unsinniges Argument? Alle argumentieren so, selbst der Vorsteher des Schweizer Aussendepartements, Ignazio Cassis.

Die Ukraine kämpft um ihre Freiheit, um ihre Souveränität und um die territoriale Integrität des Landes. Aber die beiden Hauptakteure in diesem Krieg sind Russland und die USA. Die Ukraine kämpft auch für die geopolitischen Interessen der USA. Denn deren erklärtes Ziel ist es, Russland politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit zu schwächen, dass sie sich dem geopolitischen Rivalen zuwenden können, der als einziger in der Lage ist, ihre Vormachtstellung als Weltmacht zu gefährden: China. Zudem wäre es doch höchst unmoralisch, die Ukraine in ihrem Kampf für unsere Freiheit allein zu lassen und lediglich Waffen zu liefern, die das Blutvergiessen verlängern und die Zerstörung des Landes vergrössern. Nein, in diesem Krieg geht es nicht um unsere Freiheit. Die Kernprobleme, weshalb der Krieg entstanden ist und immer noch fortgesetzt wird, obwohl er längst beendet sein könnte, sind ganz andere.

Was ist Ihrer Meinung nach das Kernproblem?

Russland will verhindern, dass der geopolitische Rivale USA eine strategische Überlegenheit gewinnt, die Russlands Sicherheit gefährdet. Sei es durch Mitgliedschaft der Ukraine in der von den USA geführten Nato, sei es durch die Stationierung amerikanischer Truppen, die Verlagerung militärischer Infrastruktur oder gemeinsamer Nato-Manöver. Auch die Dislozierung amerikanischer Systeme des ballistischen Raketenabwehrsystems der Nato in Polen und Rumänien ist Russland ein Dorn im Auge, denn Russland ist überzeugt, dass die USA von diesen Abschussanlagen auch russische interkontinentalstrategische Systeme ausschalten und damit das nuklearstrategische Gleichgewicht gefährden könnten. Eine wichtige Rolle spielt auch das Minsk II-Abkommen, in dem die Ukraine sich verpflichtet hat, der russischsprachigen Bevölkerung im Donbas bis Ende 2015 durch eine Verfassungsänderung mit einer grösseren Autonomie der Region Minderheitenrechte zu gewähren, wie sie in der Europäischen Union Standard sind. Es gibt inzwischen Zweifel, ob die USA und die Nato bereit waren, vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ernsthaft über diese Fragen zu verhandeln.

Wilfried Scharnagl zeigt in seinem Buch «Am Abgrund» bereits 2015 ganz deutlich auf, dass die Politik des Westens eine unglaubliche Provokation ist, und wenn EU und Nato ihren Kurs nicht ändern, es zu einer Katastrophe kommen könnte.

Ja, damit muss man rechnen. Je länger der Krieg dauert, desto grösser wird das Risiko einer Ausweitung oder Eskalation.

Das haben wir bereits in der Kubakrise gehabt.

Das war eine vergleichbare Situation.

Wie beurteilen Sie die beschlossene Lieferung von Marder-Panzern an die Ukraine?

Waffensysteme haben Stärken und Schwächen aufgrund technischer Merkmale und damit – abhängig vom Ausbildungstand der Soldaten sowie den jeweiligen operativen Rahmenbedingungen – einen bestimmten Einsatzwert. Im Gefecht der verbundenen Waffen wirken verschiedene Waffensysteme in einem gemeinsamen Führungs- bzw. Informationssystem zusammen, wodurch die Schwächen des einen Systems durch die Stärken anderer Systeme ausgeglichen werden. Bei einem niedrigen Ausbildungsstand des Bedienungspersonals oder wenn ein Waffensystem nicht gemeinsam mit anderen Systemen in einem funktionalen Zusammenhang eingesetzt wird und möglicherweise die Einsatzbedingungen schwierig sind, ist der Einsatzwert gering. Damit besteht die Gefahr der frühzeitigen Ausschaltung oder sogar das Risiko, dass die Waffe in die Hand des Gegners fällt. Das ist die gegenwärtige Lage, in der moderne westliche Waffensysteme im Ukrainekrieg zum Einsatz kommen. Russland hat im Dezember ein umfangreiches Programm zur Auswertung der technischen und operativ-taktischen Parameter eroberter westlicher Waffen begonnen, was die Effektivität der eigenen Operationsführung und Waffenwirkung erhöhen soll.

Darüber hinaus stellt sich grundsätzlich die Frage der Mittel-Zweck-Relation. Welchem Zweck sollen die westlichen Waffen dienen? Selenskij hat die strategischen Ziele der ukrainischen Kriegsführung immer wieder geändert. Gegenwärtig verfolgt die Ukraine das Ziel, alle von Russland besetzten Gebiete einschliesslich der Krim zurückzuerobern. Der deutsche Bundeskanzler sagt, wir unterstützen die Ukraine, solange das nötig ist, also auch bei der Verfolgung dieses Ziels, obwohl die USA mittlerweile betonen, es ginge darum, lediglich «das Territorium zurückzuerobern, das seit dem 24. Februar 2022 von Russland eingenommen wurde.»

Es gilt somit die Frage zu beantworten, ob das Mittel westlicher Waffenlieferungen geeignet ist, den von der Ukraine beabsichtigten Zweck zu erfüllen. Diese Frage hat eine qualitative und eine quantitative Dimension. Die USA liefern keine Waffen ausser solche zur Selbstverteidigung, keine Waffen, die das Gefecht der verbundenen Waffen ermöglichen und vor allem keine, die eine nukleare Eskalation auslösen könnten. Das sind Präsident Bidens drei Neins.

Wie will die Ukraine ihre militärischen Ziele erreichen?

Der ukrainische Generalstabschef, General Saluschnij, sagte kürzlich: «Ich brauche 300 Kampfpanzer, 600 bis 700 Schützenpanzer und 500 Haubitzen, um die russischen Truppen auf die Positionen vor dem Angriff vom 24. Februar zurückzudrängen. Jedoch mit dem, was er erhalte, seien «grössere Operationen nicht möglich». Ob die ukrainischen Streitkräfte angesichts der grossen Verluste der letzten Monate überhaupt noch über eine ausreichende Zahl geeigneter Soldaten verfügen, um diese Waffensysteme einsetzen zu können, ist allerdings fraglich. Jedenfalls erklärt auch die Aussage General Saluschnijs, weshalb die westlichen Waffenlieferungen die Ukraine nicht in die Lage versetzen, ihre militärischen Ziele zu erreichen, sondern lediglich den Krieg verlängern. Hinzu kommt, dass Russland die westliche Eskalation jederzeit durch eine eigene übertreffen könnte.

In der deutschen Diskussion werden diese Zusammenhänge nicht verstanden oder ignoriert. Dabei spielt auch die Art und Weise eine Rolle, wie einige Verbündete versuchen, die Bundesregierung öffentlich nun auch zur Lieferung von Leopard 2-Kampfpanzern zu drängen. Das hat es in der Nato bisher nicht gegeben. Es zeigt, wie sehr Deutschlands Ansehen im Bündnis durch die Schwächung der Bundeswehr gelitten hat und mit welchem Engagement einige Verbündete das Ziel verfolgen, Deutschland gegenüber Russland besonders zu exponieren.

Was nährt Selsenkijs Auffassung, man könne die Russen aus der Ukraine vertreiben?

Möglicherweise werden die ukrainischen Streitkräfte mit den Waffensystemen, die ihnen auf der nächsten Geberkonferenz am 20. Januar zugesagt werden, etwas effektiver in der Lage sein, sich gegen die in den nächsten Wochen stattfindenden russischen Offensiven zu verteidigen. Sie können dadurch aber nicht die besetzten Gebiete zurückerobern. Nach Ansicht des US-amerikanischen Generalstabschefs, General Mark Milley, hat die Ukraine das, was sie militärisch erreichen konnte, erreicht. Mehr ist nicht möglich. Deshalb sollten jetzt diplomatische Bemühungen aufgenommen werden, um einen Verhandlungsfrieden zu erreichen. Ich teile diese Auffassung.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die russischen Streitkräfte offenbar die Absicht haben, das eroberte Gebiet zu verteidigen und den Rest des Donbas zu erobern, um die von ihnen annektierten Gebiete zu konsolidieren. Sie haben ihre Verteidigungsstellungen gut dem Gelände angepasst und stark befestigt. Angriffe auf diese Stellungen erfordern einen hohen Kräfteaufwand und die Bereitschaft, erhebliche Verluste hinzunehmen. Durch den Abzug aus der Region Cherson wurden ungefähr 22 000 kampfkräftige Truppen für Offensiven freigesetzt. Zudem werden weitere Kampfverbände als Verstärkung in die Region verlegt.

Aber was sollen dann die Waffenlieferungen, die das Erreichen von Selenskijs Ziel nicht ermöglichen?

Die derzeitigen Bemühungen der USA, die Europäer zu weiteren Waffenlieferungen zu veranlassen, haben möglicherweise mit dieser Lageentwicklung zu tun. Man muss zwischen den öffentlich geäusserten Gründen und den konkreten Entscheidungen der Bundesregierung unterscheiden. Es würde zu weit führen, auf das ganze Spektrum dieser Diskussion einzugehen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Bundesregierung in dieser Frage wirklich kompetent beraten wird und – was vielleicht noch wichtiger ist – der Bedeutung dieser Frage entsprechend aufnahmebereit und urteilsfähig wäre.

Die Bundesregierung ist mit der Unterstützung der Ukraine schon sehr weit gegangen. Zwar machen Waffenlieferungen Deutschland noch nicht zur Konfliktpartei. Aber in Verbindung mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten an diesen Waffen unterstützen wir die Ukraine dabei, ihre militärischen Ziele zu erreichen. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags hat deshalb in seinem Gutachten vom 16. März 2022 erklärt, dass damit der gesicherte Bereich der Nicht-Kriegsführung verlassen wird. Auch die USA werden ukrainische Soldaten in Deutschland ausbilden. Das Grundgesetz enthält in seiner Präambel ein striktes Friedensgebot für unser Land. Das Grundgesetz toleriert die Unterstützung einer Kriegspartei also nur dann, wenn diese geeignet ist, eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Die Bundesregierung ist deshalb in der Pflicht, der deutschen Bevölkerung zu erklären, innerhalb welcher Grenzen und mit welchem Ziel die Unterstützung der Ukraine erfolgt. Schliesslich müssten auch der ukrainischen Regierung die Grenzen der Unterstützung aufgezeigt werden. Selbst Präsident Biden hat vor einiger Zeit in einem Namensartikel erklärt, dass die USA die Ukraine zwar weiter militärisch unterstützen werden, aber eben auch ihre Bemühungen, in diesem Konflikt einen Verhandlungsfrieden zu erreichen.

Seit Wochen rennt die ukrainische Armee gegen die Russen an – ohne Erfolg. Dennoch spricht Selenskij von Rückeroberung. Ist das Propaganda oder besteht diese Möglichkeit tatsächlich?

Nein, dazu sind die ukrainischen Streitkräfte sowohl nach Einschätzung des amerikanischen wie des ukrainischen Generalstabschefs nicht in der Lage. Beide Kriegsparteien befinden sich gegenwärtig wieder in einer Pattsituation, die durch die Einschränkungen aufgrund der Jahreszeit verstärkt wird. Jetzt wäre also der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die Waffenlieferungen bedeuten das Gegenteil, nämlich dass der Krieg sinnlos verlängert wird, mit noch mehr Toten auf beiden Seiten und der Fortsetzung der Zerstörung des Landes. Aber auch mit der Folge, dass wir noch tiefer in diesen Krieg hineingezogen werden. Selbst der Nato-Generalsekretär hat kürzlich vor einer Ausweitung der Kämpfe zu einem Krieg zwischen der Nato und Russland gewarnt.

Sie sagen, wir haben wieder eine «Pattsituation». Was meinen Sie damit?

Eine positive Ausgangslage für eine Verhandlungslösung hatte sich beispielsweise Ende März vergangenen Jahres ergeben, als die Russen entschieden, vor Kiew abzudrehen und sich auf den Osten und den Donbas zu konzentrieren. Das hat die Verhandlungen in Istanbul ermöglicht. Eine ähnliche Lage entstand im September, bevor Russland die Teilmobilisierung durchführte. Die damals entstandenen Möglichkeiten sind nicht genutzt worden. Jetzt wäre es wieder Zeit zu verhandeln, und wir nutzen auch diese Gelegenheit nicht, sondern tun das Gegenteil: Wir schicken Waffen und eskalieren. Auch dies ist ein Aspekt, der den Mangel an sicherheitspolitischem Weitblick und strategischem Urteilsvermögen offenlegt.

Sie haben in Ihrem Text noch erwähnt, dass der russische Verteidigungsminister Schoigu Bereitschaft für Verhandlungen signalisiert hat …

das hat auch Putin gemacht. Putin hat am 30. September, als er zwei weitere Regionen zu russischem Territorium erklärte, ausdrücklich wieder Verhandlungen angeboten. Er hat das zwischenzeitlich mehrfach getan. Jetzt ist es allerdings so, dass Schoigu das nicht an Bedingungen geknüpft hat, aber Putin hat sozusagen die Latte höher gelegt, indem er sagte, wir sind zu Verhandlungen bereit, aber es setzt natürlich voraus, dass die andere Seite die Gebiete, die wir annektiert haben, anerkennt. Daran sieht man, dass sich die Positionen beider Seiten immer mehr verhärten, je länger der Krieg dauert. Denn Selenskij sagte, er verhandle erst, wenn sich die Russen vollständig aus der Ukraine zurückgezogen hätten. Damit wird eine Lösung immer schwieriger, aber sie ist noch nicht ausgeschlossen.

Ich möchte noch auf ein Ereignis zu sprechen kommen. Frau Merkel hat in einem Interview …

ja, was sie sagt, ist eindeutig. Sie hätte das Minsk II-Abkommen nur ausgehandelt, um der Ukraine Zeit zu verschaffen. Und die Ukraine habe diese auch genutzt, um militärisch aufzurüsten. Das hat der ehemalige französische Präsident Hollande bestätigt.

Petro Poroschenko, der ehemalige ukrainische Staatspräsident, hat das ebenfalls gesagt.

Russland bezeichnet das verständlicherweise als Betrug. Und Merkel bestätigt, dass Russland ganz bewusst getäuscht wurde. Das kann man bewerten, wie man will, aber es ist ein eklatanter Vertrauensbruch und eine Frage der politischen Berechenbarkeit. Nicht wegdiskutieren kann man allerdings, dass die Weigerung der ukrainischen Regierung – in Kenntnis dieser beabsichtigten Täuschung – das Abkommen umzusetzen, noch wenige Tage vor Kriegsbeginn, einer der Auslöser für den Krieg war. Die Bundesregierung hatte sich in der Uno-Resolution dazu verpflichtet, das «gesamte Paket» der vereinbarten Massnahmen umzusetzen. Darüber hinaus hat die Bundeskanzlerin mit den anderen Teilnehmern des Normandie-Formats eine Erklärung zur Resolution unterschrieben, in der sie sich noch einmal ausdrücklich zur Implementierung der Minsk-Vereinbarungen verpflichtete.

Das ist doch auch ein Völkerrechtsbruch?

Ja, das ist ein Völkerrechtsbruch, das ist eindeutig. Der Schaden ist immens. Man muss sich die heutige Situation einmal vorstellen. Die Leute, die von Anfang an Krieg führen wollten und immer noch wollen, haben den Standpunkt vertreten, mit Putin kann man nicht verhandeln. Der hält die Vereinbarungen so oder so nicht ein. Jetzt stellt sich heraus, wir sind diejenigen, die internationale Vereinbarungen nicht einhalten.

Nach meinen Kenntnissen halten die Russen ihre Verträge ein, sogar während des aktuellen Krieges hat Russland weiterhin Gas geliefert. Aber Frau Baerbock hat vollmundig verkündet: «Wir wollen kein russisches Gas mehr!» Daraufhin hat Russland die Menge gedrosselt. So war es doch?

Ja, wir haben gesagt, wir wollen kein russisches Gas mehr. Alle Folgewirkungen, die Energiekrise, die wirtschaftliche Rezession etc. sind das Resultat der Entscheidung der Bundesregierung und nicht einer Entscheidung der russischen Regierung.

Aber wenn Sie die Nachrichten hören oder sehen – auch bei uns in der Schweiz – dann gibt es die Energiekrise aufgrund von Putins Entscheid, Krieg gegen die Ukraine zu führen.

In der Vergangenheit gab es zweimal Schwierigkeiten bei der Lieferung von Gas, die von der Ukraine verursacht wurden. Da sollte man ehrlich sein. Russland würde weiter liefern, aber wir wollen von dort nichts mehr, weil es die Ukraine angegriffen hat. Dann kommt noch die Frage auf: Wer hat eigentlich North-Stream II in die Luft gesprengt?

Haben Sie eine Einschätzung zur Sprengung?

Nein, das wäre reine Spekulation. Es gibt Indizien wie so häufig, aber keine Beweise. Jedenfalls keine, die öffentlich bekannt geworden sind. Aber Sie können ganz sicher sein: Die Sonne bringt es an den Tag.

Welche Erfahrungen haben Sie in Verhandlungen mit Russland gemacht?

Ich habe viele Verhandlungen mit Russland geführt, z. B. über den russischen Beitrag zum Kosovo-Einsatz der Nato. Die USA hatten uns darum gebeten, weil sie mit Russland zu keinem Ergebnis kamen. Russland war schliesslich bereit, seine Truppen einem deutschen Nato-Befehlshaber zu unterstellen. In den 90er Jahren entstand eine enge politische Abstimmung und militärische Zusammenarbeit zwischen der Nato und Russland, seit 1997 durch den Nato-Russland-Grundlagenvertrag geregelt. Die Russen sind harte Verhandlungspartner, aber wenn man zu einem gemeinsamen Ergebnis kommt, dann steht das und gilt auch.

Wie sah das Ergebnis aus?

Die Russen wollten in den Verhandlungen um den Grundlagenvertrag eine Art Mitentscheidungsrecht erhalten. Das war nicht möglich. Wir haben aber einen Weg gefunden, gemeinsame Lösungen in Fällen zu finden, in denen die Sicherheitsinteressen der einen oder anderen Seite betroffen sind. Nach dem Georgienkrieg hat die Nato die Zusammenarbeit leider weitgehend suspendiert. Es hat sich auch im Vorfeld des Ukrainekrieges gezeigt, dass Regelungen, die in Zeiten eines guten Verhältnisses für die Beilegung von Krisen und Konflikten geschaffen werden, dann ihren Wert haben, wenn es zu Spannungen kommt. Leider hat man das nicht verstanden.

Herr General Kujat, ich danke für das Gespräch.

Interview Thomas Kaiser

* General a.D. Harald Kujat, geboren am 1. März 1942, war u. a. Generalinspekteur der Bundeswehr und als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses höchster Militär der Nato. Zugleich amtete er als Vorsitzender des Nato-Russland-Rates sowie des Euro-Atlantischen-Partnerschaftsrates der Generalstabschefs. Für seine Verdienste wurde Harald Kujat mit einer grossen Zahl von Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Kommandeurskreuz der Ehrenlegion der Republik Frankreich, dem Kommandeurskreuz des Verdienstordens Lettlands, Estlands und Polens, der Legion of Merit der Vereinigten Staaten, dem Grossen Band des Leopoldordens des Königreichs Belgien, dem Grossen Bundesverdienstkreuz, sowie mit weiteren hohen Auszeichnungen, u.a. aus Malta, Ungarn und der Nato.

 

Die Mitverantwortung des Westens am Ukraine-Krieg

von Thomas Kaiser

Während sich die offizielle Berichterstattung über den Ukraine-Krieg an das schwarz-weiss Schema klammert – im Sinne von Ukraine, Selenskij und Nato gut, Russland und Putin schlecht – , gibt es zum Glück immer wieder Stimmen, die die Dinge nüchtern, ohne moralische Überhöhung und politische Arroganz betrachten. Man muss sie suchen, aber man findet sie. Als Kriegstreiberin steht jedoch die grüne (im doppelten Sinne des Wortes) deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock unangefochten an der Spitze. Doch wer von «Panzerschlachten im 19. Jahrhundert» fabuliert und von Ländern, die «Hunderttausende von Kilometern entfernt liegen», hat entweder keine Bildung oder den Bezug zur Realität verloren.

Bei ihrem kürzlichen Besuch in der Ukraine versprach sie weitere Waffenlieferungen. Neben den bereits gelieferten Marder-Panzern plädiert sie für die Lieferungen von Leopard-Kampfpanzern. Es hat den Anschein, als ob Annalena Baerbock als «erste stramme weibliche Militaristin» in die Geschichte eingehen möchte.

Es ist ein Irrsinn, denn dadurch vermittelt man der Ukraine das Gefühl, sie könnte mit ein paar Schützen- und Kampfpanzern Russland besiegen, was nach Auskunft verschiedener ehemaliger und aktiver hochrangiger Militärs in das Reich der Phantasie gehört. Der Oberbefehlshaber der US-Armee, Mark Milley, stellte klar: «Die Wahrscheinlichkeit eines ukrainischen militärischen Sieges – definiert als der Rauswurf der Russen aus der gesamten Ukraine, einschliesslich der von ihnen beanspruchten Krim – ist militärisch gesehen in naher Zukunft nicht sehr hoch.» Auch der ehemalige ranghöchste General und Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, in der Schweiz mit dem Chef der Armee vergleichbar, hält es für eine gefährliche Illusion, zu glauben, die Ukraine könnte den Krieg militärisch für sich entscheiden, wenn man ihr nur ordentlich Waffen liefert: «Die Aussicht auf einen totalen Sieg über Russland ist völlig ausgeschlossen, man kann eine Nuklearmacht nicht besiegen

Obwohl es Experten gibt, die diesen Titel aufgrund ihrer fundierten Kenntnisse und militärischen Erfahrungen zu Recht tragen und nicht, weil sie den Mainstream vertreten, scheren sich vor allem westliche Regierungen nicht im geringsten um die Warnungen professioneller Militärexperten. Der ehemalige Oberst der Schweizer Armee und Mitarbeiter des strategischen Nachrichtendienstes Jacques Baud, ein Warner der ersten Stunde, wird von offiziellen Stellen in der Schweiz ignoriert.

Im Eilverfahren die westlichen Armeen aufrüsten

Der Krieg läuft jetzt bald seit einem Jahr, und es gehört zu den Aufgaben eines seriösen Journalismus und einer Regierung, die Ursachen dieses Konflikts sorgfältig zu analysieren, bevor man irgendwelche «Wahrheiten» in die Welt setzt. Häufig war zu lesen, dass Putin aus heiterem Himmel diesen Krieg vom Zaun gebrochen habe und seine finsteren Pläne umsetzen wolle. Die einen warnten vor dem angeblichen Plan Putins, das alte zaristische Russland wieder zu etablieren und alles einnehmen zu wollen, was damals zum Territorium des Russischen Reichs gehörte; andere wiederum wollen die Wiederherstellung der alten Sowjetunion als Ziel des russischen Angriffs sehen. Meist im gleichen Atemzug berichten die Medien, dass die russische Armee in einem desolaten Zustand sei, die Soldaten reihenweise desertierten und die Strategie der Russen völlig veraltet sei. So titelte das Wochenmagazin «Focus»: «Dokumente offenbaren den katastrophalen Zustand der Putin-Truppen.» Auch die deutsche Tageszeitung «Frankfurter Rundschau» wird nicht müde, Russlands Vorgehen als dilettantisch zu bezeichnen: «Russland benutzt veraltete Strategien aus dem Zweiten Weltkrieg in der Ukraine.» Wenn der Zustand der russischen Armee so desaströs ist, warum muss man dann im Eilverfahren die westlichen Armeen aufrüsten? Scholz hat 100 Milliarden Euro gesprochen, um die deutsche Armee kampffähig zu machen. Auf der anderen Seite wird die ukrainische Armee für ihre angebliche Kampfkraft bejubelt. Wenn die medialen Aussagen alle stimmen sollten, dann hätte die ukrainische Armee die Russen schon längst aus dem Land geworfen oder die Russen müssten schon längst das Baltikum, Polen (als Teil des zaristischen Russlands) und weitere Länder mit Krieg überzogen haben. Was stimmt nun?

Nichts davon ist bisher geschehen, und es gibt auch keine Anzeichen dafür. Wir werden hingehalten, an der Nase herumgeführt und mit allen propagandistischen Tricks auf einen antirussischen (Kriegs-)Kurs eingespurt. Dass das nicht erst heute geschieht, sondern die antirussische Stimmung über einen Zeitraum von Jahren gelegt wurde, ist Inhalt einiger Bücher, die bereits 2014 oder 2015, also kurz nach den Unruhen auf dem Maidan und dem Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten, Viktor Janukowitsch, publiziert wurden. Unter anderen hat Wilfried Scharnagl, langjähriger Chefredaktor des Bayernkuriers und Vertrauter von Franz-Joseph Strauss, bereits 2015 eine kritische Betrachtung mit dem vielsagenden Titel: «Am Abgrund – Streitschrift für einen anderen Umgang mit Russland» publiziert.⁷ Der Inhalt ist erschreckend und erhellend zugleich.

Zerrbild von Russland und seinem Präsidenten

Man kann Scharnagl als Konservativem sicher keine antiamerikanische oder anti-EU-Einstellung vorwerfen, sondern seine Darstellung orientiert sich wie in anderen Büchern auch (vgl. Adleheid Bahr: Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen Frankfurt 2018), an den realen Gegebenheiten. Wilfried Scharnagl leistet eine historische Aufarbeitung der Beziehung zwischen Deutschland und Russland. Dabei erwähnt er im ersten Kapitel das eigens von einem russischen Soldaten komponierte Lied zum Abschied der russischen Truppen aus dem Osten Deutschlands. Am 31. August 1994 hat sozusagen der letzte russische Soldat gemäss den Verträgen Deutschland verlassen, und zu diesem Ereignis fand am Treptower Denkmal in Berlin eine Abschiedsparade statt. Das Lied, das von Tausenden russischer Soldaten gesungen wurde, hat auf Deutsch folgenden Wortlaut: «Deutschland, wir reichen dir die Hand / und kehr’n zurück ins Vaterland / Die Heimat ist empfangsbereit / Wir bleiben Freunde allezeit / Auf Frieden, Freundschaft und Vertrauen / sollen wir unsere Zukunft bauen. / Die Pflicht erfüllt! Lebwohl Berlin! / Unsere Herzen heimwärts zieh’n.» (S. 71) Das Lied musste die Herzen der Menschen bewegen, und es schien, dass tatsächlich eine neue Ära zwischen beiden Staaten beginnen könnte. Doch wenn man die Lage heute betrachtet, so muss man doch mit einer gewissen Ernüchterung feststellen, dass nichts davon zu sehen ist, und zwar nicht erst seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Schon seit Jahren dominiert ein Zerrbild von Russland und seinem Präsidenten in unseren Medien und in der Politik. Man denke nur an Biden, der sagte, Putin sei «ein Killer.» Ob er seine Vorgänger im Amt und sich selbst auch so bezeichnen würde…?

Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon

Zieht man Putins Rede vor dem deutschen Bundestag am 25. September 2001 als Quelle heran, ist unschwer zu erkennen, dass der junge Präsident, wie es einst der letzte Staatschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, formulierte, die Vision einer versöhnlichen Welt durch eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur und einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon vertrat: «Niemand bezweifelt den grossen Wert der Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Aber ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird.» Mit dieser Rede hat Putin zu Beginn seiner Präsidentschaft seine aussenpolitischen Ziele formuliert. Was ist danach geschehen? Nichts, was ernsthaft den weitsichtigen Überlegungen Putins Rechnung getragen hätte.

An der Münchner Sicherheitskonferenz sechs Jahre später wird Putin deutlicher. Inzwischen war die Nato- und EU-Osterweiterung trotz starker russischer Sicherheitsbedenken durchgezogen worden. Mit dem Beitritt der baltischen Staaten 2004 zur Nato rückte das Kriegsbündnis bis an die russische Grenze vor. Im Gleichschritt mit der Nato erfolgte die Aufnahme der Länder in die EU. Dass Russland das nicht als freundliche Umarmung erleben konnte, müsste allen auf der politischen Bühne klar gewesen sein. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 machte Putin diesen Schritt zum Thema, indem er an die Abmachungen im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gemahnte. «Ich denke, es ist offensichtlich, dass der Prozess der Nato-Osterweiterung keinerlei Bezug zur Modernisierung der Allianz selbst oder zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa hat. Im Gegenteil, das ist ein provozierender Faktor, der das Niveau des gegenseitigen Vertrauens senkt. Nun haben wir das Recht zu fragen: Gegen wen richtet sich diese Erweiterung?» Weiter führte der russische Präsident aus: «Ich möchte ein Zitat von einem Auftritt des Generalsekretärs der Nato, Herrn Wörner, am 17. Mai 1990 in Brüssel bringen. Damals sagte er: ‹Schon der Fakt, dass wir bereit sind, die Nato-Streitkräfte nicht hinter den Grenzen der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion Sicherheitsgarantien.› Wo sind die Garantien?»⁹

Keine Absicht, das Nato-Verteidigungsgebiet auszudehnen

Doch nicht nur der damalige Nato-Generalsekretär, Klaus Wörner, machte diese Zusage. Der damalige Aussenminister, Hans-Dietrich Genscher, äusserte sich bei einem Treffen mit dem US-Aussenminister James Baker in Washington noch deutlicher und versprach: «Wir waren uns einig, dass nicht die Absicht besteht, das Nato-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern das gilt ganz generell.»

Dieses Versprechen, auf das sich die russische Regierung bis heute beruft, wird vom Westen umgedeutet als nicht so gemeint, und weil nirgends schriftlich festgehalten, für obsolet erklärt. Ein Diplomat, der damals in seinen jungen Jahren Aussenminister Genscher begleitet hatte, meinte 30 Jahre später, dass Genscher als Aussenminister gar nicht die Kompetenz gehabt hätte, so etwas zu sagen und dass die Russen das auch gewusst hätten. Damit sei die Aussage nicht relevant. Tatsächlich aber hatte der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und damit der Regierungschef etwas Ähnliches gesagt. «Unstrittig ist, dass Helmut Kohl seinem Partner Michail Gorbatschow gegenüber davon sprach, dass die Wiedervereinigung Deutschlands keineswegs eine Ausdehnung des Atlantischen Bündnisses in Richtung Osten bedeute.»11 Es erstaunt, dass ein Diplomat sich dahingehend äussert. In der Nato gilt zumindest bis heute das Prinzip der Einstimmigkeit. Auch wenn die USA die Osterweiterung gewollt haben, wäre eine Umsetzung nicht möglich gewesen, denn Deutschland hätte sehr wohl die Kompetenz gehabt, mit seinem Veto die Osterweiterung der Nato zu verhindern. Dass das auch möglich gewesen wäre, zeigt das aktuelle Beispiel Schwedens. Die Türkei lehnt den Beitritt Schwedens zur Nato ab, und solange die Türkei auf ihrem Standpunkt beharrt, wird es keinen Beitritt Schwedens geben.

Russland von der Nato eingekreist

Wenn man den Frieden erhalten möchte und mit den Nachbarländern ein gutes Auskommen anstrebt, dann muss man auf die Sicherheitsbedürfnisse seiner Nachbarländer Rücksicht nehmen. Das ist im Falle Russlands nicht geschehen, im Gegenteil. Das Land wurde immer stärker von der Nato eingekreist. Selbst der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber, Philip Breedlove, sicher kein Freund Russlands, hat doch erkannt, welche Befindlichkeit ein immer stärkeres Heranrücken der Nato an die russische Grenze bewirkt: «Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich Präsident Putin offensichtlich von der Nato bedrängt fühlt.»12

Der gescheiterte Versuch von George W. Bush, die Ukraine und Georgien auf dem Gipfel von Bukarest 2008 als Kandidaten für die Nato zu nominieren, scheiterte am Widerstand Frankreichs und Deutschlands. Auch ein Beweis dafür, dass einzelne Mitgliedstaaten der Nato sehr wohl Möglichkeiten haben, negative Entwicklungen zu verhindern. Dennoch haben die USA kontinuierlich daran gearbeitet, die Ukraine näher an das Bündnis heranzubringen. Russische Bedenken ignorierend, spielte auch die EU unter dem Kommissionspräsidenten José Emanuel Barroso eine wenig konstruktive Rolle, indem er strikt ein Entweder – oder (entweder eine Annäherung an die EU – oder die Zusammenarbeit mit Russland) dem damaligen Staatspräsidenten Janukowitsch abverlangte. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der für seine klaren Worte und scharfsinnigen Gedanken bekannt war, äusserte sich im Mai 2014 zu den Vorgängen in der Ukraine und der Haltung der EU. «Die Politik der EU-Kommissare sei ‹grössenwahnsinnig›, liess er in einem Interview 2014 wissen. Brüssel mische sich in die Weltpolitik ein und provoziere damit die Gefahr eines Krieges. Die Bürokraten der EU hätten die Ukraine vor die ‹scheinbare Wahl› gestellt, sich zwischen Ost und West entscheiden zu müssen.»13 Doch die EU im Verbund mit der Nato führte ihre Politik weiter. Höhepunkt der Entwicklung war der Putsch gegen den Staatspräsidenten der Ukraine, bei dem die USA unbestritten die Finger im Spiel hatten. Das abgehörte Telefonat, in dem die Aussenbeauftrage der USA, Victoria Nuland, mit dem amerikanischen Botschafter in Kiew, Goeffrey Pyatt, die neue Regierung in der Ukraine besprachen, als der gewählte Präsident noch in Amt und Würden war, legt ein beredtes Zeugnis von US-amerikanischer Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates ab. Dies stellt einen Verstoss gegen die Uno-Charta, also einen Völkerrechtsbruch, dar. Danach nahm die Geschichte ihren Lauf.

Nicht ernsthaft für das Minsker Abkommen eingesetzt

Heute, 8 bzw. 9 Jahre später, müssen wir konstatieren, dass die warnenden Stimmen vor einer Eskalation im Ukraine-Konflikt bei manchen Akteuren Europas und Nordamerikas wenig Beachtung gefunden haben. Selbst Vorschläge zur Lösung des Konflikts, die verhindern sollten, «dass aus einem lokalen militärischen Brandherd ein Krieg erwächst, der in seiner Ausbreitung und Wirkung nicht gefährlich genug eingeschätzt werden kann», wurden sabotiert15. Um diese Gefahr, wie sie Wilfried Scharnagl in weiser Voraussicht erkannt hatte, einzudämmen, erhoffte man sich von dem Minsk II-Abkommen, das weitreichende Autonomierechte für die ukrainischen Ostprovinzen vorsah und das nach einer Änderung der ukrainischen Verfassung umgesetzt werden sollte. Doch die Ukraine machte keine Anstalten, dieses Abkommen umzusetzen, sondern spielte auf Zeit. Unterstützt wurde die ukrainische Regierung von alt Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in einem kürzlich veröffentlichten Interview zugab, sich nicht ernsthaft für die Umsetzung des Minsk II-Abkommens eingesetzt zu haben, sondern nur Zeit gewinnen wollte, damit die Ukraine militärisch stärker werde. Wie mies und menschlich verwerflich ist das völkerrechtswidrige Verhalten der deutschen Bundesregierung, denn das Minsk II-Abkommen wurde 2015 vom Uno-Sicherheitsrat in der Resolution 2202 gebilligt, also mit einer Mehrheit der Teilnehmerstaaten und ohne Einspruch einer der Vetomächte. Damit ist Deutschland als Signatarstaat verpflichtet, die Umsetzung des Abkommens zu begleiten. Auch der ehemalige ukrainische Staatpräsident und Oligarch, Petro Poroschenko, liess Gleiches in einer Videobotschaft verlauten. Man war sich darin einig, das Abkommen nicht umzusetzen, sondern die Ukraine aufzurüsten, um Krieg gegen Russland führen zu können Stattdessen hat die Ukraine die eigene Bevölkerung in den Ostprovinzen täglich mit Artillerie beschossen und damit die Minsker Vereinbarungen gebrochen. Das hat natürlich auch Putin realisiert und die mangelnden Bemühungen des Westens, das Minsker Abkommen durchzusetzen, immer wieder thematisiert und kritisiert. Als immer deutlicher wurde, dass ein Frieden gemäss Minsker Abkommen in weite Ferne gerückt war, die Angriffe der ukrainischen Armee auf die Ostprovinzen eskalierten (OSZE-Berichte) und die Nato damit spielte, die Ukraine doch noch aufzunehmen, hat Putin seinen Entscheid gefällt.

Gehörige Verantwortung des Westens

Es ist richtig, mit dem Beginn seiner «militärischen Sonderoperation» hat Russland die Souveränität der Ukraine und das Völkerrecht verletzt, wie es die USA in den letzten Jahrzehnten zigmal getan haben, als sie sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten eingemischt und Krieg geführt haben. (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien …) Aber, was sich im Vorfeld des Ukrainekriegs alles ereignet hat, und hier ist nur ein kleiner Ausschnitt dokumentiert, zeigt zumindest, dass der Westen eine gehörige Verantwortung an dieser Eskalation trägt, wenn er sie nicht sogar bewusst herbeigeführt hat. Wilfried Scharnagl warnte bereits 2015: «An guten Gründen, sich vor einer antirussischen Einseitigkeit zu hüten, um auch die andere Seite und ihre Position und Motive zu verstehen, fehlt es also nicht. Der amerikanischen, der europäischen und der deutschen Politik ist dringend zu raten, sich von jeder Konfrontation zu verabschieden.»18 Merkels Bekenntnis zeigt genau das Gegenteil.

Neutralität geopfert

Der Konflikt zwischen dem Westen und Russland, der in der Ukraine ausgetragen wird, hat also eine lange Vorgeschichte, die den wenigsten bekannt sein wird und die auf unseren Informationskanälen, sprich Medien, nicht thematisiert wird. Für neutrale Staaten wie die Schweiz würde das äusserste Zurückhaltung in einseitigen Schuldzuweisungen bedeuten. Leider ist das Gegenteil passiert. Die Schweiz, insbesondere in der Person von Ignazio Cassis, hat sich, unbesehen aller Ereignisse im Vorfeld des Konflikts, in moralischer Überhöhung auf die Seite der Ukraine gestellt und damit die Neutralität schwer geschädigt. Wie in der letzten Zeit mehrmals geschehen, hat sie eine mögliche Chance einer friedlichen Verhandlungslösung und das Verhindern eines anhaltenden Blutvergiessens achtlos vertan. Zum Glück gibt es andere Staaten, die sich ernsthaft bemühen, diesem Krieg ein Ende zu setzen. Die Einstellung Cassis’ hat der Schweiz und ihrer Neutralität einen unermesslichen Schaden zugefügt. Diesen gravierenden Fehler könnte das Parlament oder das Schweizer Volk korrigieren.


⁷ Wilfried Scharnagl: Am Abgrund – Streitschrift für einen anderen Umgang mit Russland; Berlin 2015 S. 72
⁹ Thomas Röper: Vladimir Putin – Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt? Gelnhausen 2019,S. 32f
11 Wilfried Scharnagl: Am Abgrund – Streitschrift für einen anderen Umgang mit Russland; Berlin 2015 S. 131.

12 ebenda S. 37
13 ebenda S. 91
15 ebenda S. 155.
18 ebenda S. 122

«Es ist wichtig, dass Brasilien zur Ruhe kommt und der Präsident sein sehr ambitioniertes Programm in die Tat umsetzen kann»

Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko

Andrej Hunko, MdB, DIE LINKE (Bild thk)

Andrej Hunko, MdB, DIE LINKE (Bild thk)Zeitgeschehen im Fokus Sie waren in Brasilien zur Amtseinsetzung des neuen Präsidenten Ignacio Lula da Silva. Was für einen Eindruck haben Sie bei Ihrem Aufenthalt in Brasilien bekommen?

Bundestagsabgeordneter Andrej Hunko Nachdem ich im Oktober bereits als Wahlbeobachter in Brasilien gewesen war, fuhr ich auch zur feierlichen Amtsübernahme. Ich halte diese Wahl für ein ganz herausragendes Ereignis. Vom 27. Dezember bis zum 9. Januar war ich in Brasilien und habe den ganzen Prozess der Amtseinführung beobachtet. Das ist eine lateinamerikanische Tradition, die wir in Europa so nicht kennen. Es ist ein ganz zentrales Ereignis. Wenn ein neuer Präsident gewählt wird, gibt es eine grosse Zeremonie mit Begleitung und Zuschauern. Es waren über 300 000 Menschen an der Feier in der brasilianischen Hauptstadt dabei. Die einzelnen Ministerien haben jeweils auch ihre offizielle Amtseinführung, indem sie dann ihr Programm vorstellen. Auch da finden sich viele tausend Menschen ein. Das war ein sehr interessanter Prozess mit grosser internationaler Aufmerksamkeit und Präsenz.

Welche Politgrössen waren anwesend?

Zum Beispiel war der deutsche Bundespräsident Steinmeier auch vor Ort und traf Lula da Silva. Das ist deshalb erwähnenswert, weil zum ersten Mal in der Geschichte ein deutscher Bundespräsident zu einer Amtseinführung nach Lateinamerika gereist ist. Aber auch andere Präsidenten oder Vertreter verschiedener Staaten waren anwesend.

Wie muss man das deuten?

Das hat damit zu tun, dass diesem Machtwechsel eine ausserordentliche Bedeutung beigemessen wird. Das hat auch mit der Amazonaspolitik in Bezug auf den Regenwald zu tun. Bolsonaro hatte während seiner Amtszeit die Hemmnisse abgebaut, den Regenwald weiter abzuholzen. Das ist sicher ein grosses Problem, auch für das weltweite Klima. Meines Erachtens ist das das Hauptmotiv gewesen. Dazu kommt, dass Brasilien, ein Land mit über 200  Millionen Einwohnern, von ausserordentlicher Relevanz ist. Zudem findet aktuell eine zentrale Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Rechtspopulismus statt, was wir auch in anderen Ländern feststellen können, z. B. in den USA mit Trump. Es gibt auch eine sehr enge Verbindung zwischen Bolsonaro und Trump, im Hintergrund Steve Bannon.

Obwohl man Bolsonaro von westlicher Seite 2019 unterstützt hat und Lula da Silva hat hängenlassen, als er im Gefängnis war, gab es in den letzten Jahren einen Wechsel in der Sichtweise der Bundesregierung, der EU und zum Teil auch der USA, weil man mit dieser Form des Bolsonarismus, diesen Ausprägungen des Rechtspopulismus bzw. Rechtsextremismus, auch nicht weiterkommt. Es gibt, so glaube ich, ein Interesse, dass die demokratischen Strukturen in Lateinamerika nicht völlig unterminiert werden. Die Entstehung von Bürgerkriegen oder die Etablierung einer Militärdiktatur ist kaum im Interesse der Europäer. Ich hatte mich im November im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags gegenüber der Bundesregierung, die auch anwesend war, stark gemacht, dass sie diese Amtseinsetzung ernst nimmt und hochrangig dorthin fährt, um gegen die Bedrohung, die von Bolsonaro ausgeht, ein Zeichen zu setzen, die demokratischen Institutionen zu schützen und die Wahl mit entsprechendem Nachdruck anzuerkennen.

Brasilien gehört zu den BRICS-Staaten und arbeitet darin mit Russland und China zusammen. Könnte das nicht auch eine Rolle spielen, dass man hier Brasilien ins westliche Lager ziehen möchte?

Ja, es gab diesen BRICS-Prozess, den Lula da Silva ins Leben gerufen hat. Das heisst nicht, dass er ein Verbündeter Russlands ist, aber BRICS ist sicher ein internationales Gegengewicht zur einseitigen US-Dominanz. Er hat auch im Vorfeld der Wahl klar gemacht, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der auch ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Nato ist, so schnell wie möglich beendet werden muss. Auch würde er alles dafür tun, um zu einem Ende des Krieges zu kommen. Ich denke nicht, dass die Zusammenarbeit mit Russland über das BRICS-Abkommen im Zentrum des westlichen Interesses an Lula da Silva steht, sondern es geht vor allem um die Amazonaspolitik und das EU-Mercosur-Abkommen.

Worum geht es konkret in diesem Abkommen?

Es ist ein klassisches Freihandelsabkommen, das 20 Jahre verhandelt und am 1. Juli 2019 «im Prinzip» angenommen wurde. Allerdings ist der Text weder finalisiert, noch wurde das Abkommen unterzeichnet oder gar ratifiziert. Im Laufe der Amtszeit Bolsonaros wurde es auf Eis gelegt. Jetzt hofft man, dass es verabschiedet werden kann. Das ist allerdings komplizierter, als es sich anhört, weil es in diesem Abkommen Mechanismen gibt, die weiter zur Umweltzerstörung Brasiliens beitragen. Das ist Lula da Silva und sogar Teilen der EU-Kommission bewusst. Sie sagen daher, man müsse noch ein paar Sachen korrigieren in punkto Nachhaltigkeit. Wenn man es allerdings wieder aufmacht, dann wollen so viele Punkte nachverhandelt werden, dass man wahrscheinlich gar nicht zum Abschluss kommt. Es ist die Quadratur des Kreises.

Worin liegt das Problem?

Wenn man es aufmacht, ist die grosse Befürchtung, dass dieses Abkommen nicht mehr erfolgreich zu Ende verhandelt werden kann, weil weitere Interessen z. B. von Argentinien dazukommen würden. Lula da Silva hatte davon gesprochen, dass es koloniale Züge hat. Die schnelle Ratifizierung ist die grosse Hoffnung der europäischen Liberalen und Konservativen, sie wollen das Abkommen schnell unter Dach und Fach bringen. Es gibt aber erst noch eine längere Auseinandersetzung. Für mich ist erst einmal zentral, überhaupt den Text zu kennen. Ich habe auch mit NGOs in Brasilien gesprochen, die das Ganze kritisch begleiten und sagen, sie kennten bis heute den vollständigen Text nicht. Das ist natürlich schon krass. Denn als allererstes sollte man wissen, worüber man urteilt. Ich werde mich jetzt darum bemühen, den konsolidierten Text zu bekommen.

Das ist der Hintergrund, vor dem sich das alles abspielt. Lula da Silva wird bei uns in den Medien sehr positiv dargestellt, es gibt eine Art Umarmungsstrategie. Man möchte sozusagen den Präsidenten ins westliche Lager einbinden.

Wird das erfolgreich sein?

Ich glaube nicht, dass das so einfach sein wird. Brasilien hat eine Militärdiktatur gehabt. Lula da Silva selbst hat darunter gelitten. Er war auch im Gefängnis. Auch viele von der politischen Führung heute, Mitglieder der Arbeiterpartei, wissen, dass die Militärdiktatur von der CIA gesteuert und somit von den USA unterstützt wurde wie damals in Chile. Das schafft automatisch eine gewisse Distanz. Die aussenpolitische Strategie der neuen Regierung ist das, was unter Bolsonaro stillgelegt wurde: Dazu gehört, die regionale Integration, zum Beispiel die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC), wiederzubeleben, die Süd-Süd-Kooperation weiter auszubauen mit Südafrika und anderen Ländern und BRICS weiter voranzubringen. Es werden in den nächsten Jahren wichtige aussenpolitische Weichen gestellt, in denen Lula eine Schlüsselrolle spielen kann. Er wird 2024 den Vorsitz der G-20 übernehmen. 2025 möchte er im Amazonasgebiet die Uno-Klimakonferenz COP abhalten. Es gibt eine Reihe von internationalen Treffen, bei denen Brasilien eine aktive Rolle spielen kann. Auf der Klimakonferenz in Scharm asch-Schaich war Lula da Silva der gefeierte Star, der dort sehr umworben wurde, weil er ein Akteur auf der internationalen Bühne ist, mit dem man Dinge aushandeln kann. Das war unter Bolsonaro nicht möglich.

Diese Entwicklung ist doch sehr interessant. Der Westen hat Lula da Silva einfach fallengelassen, als man ihn der Korruption verdächtigt hat.

Das ist richtig. Die Links-Fraktion hatte im Bundestag die Merkel-Regierung dazu befragt. Die Antwort war, dass das alles nach rechtsstaatlichen Normen abgelaufen sei. Sie haben Lula da Silva fallengelassen, als er im Gefängnis war. Dazu muss man allerdings sagen, dass das SPD-geführte Aussenministerium diese Antwort gegeben hat. Trotzdem hat Martin Schulz, der auch Präsident des Europaparlaments war und SPD-Mitglied ist, ihn im Gefängnis besucht. Das war sicher ein wichtiger Akt, dass er das gemacht hat. Aber die deutsche Regierung hat ihn fallenlassen. In seiner Rede nach seinem Wahlsieg Ende Oktober hat er zentral einer Person für ihre Unterstützung, gedankt, als er im Gefängnis war, und zwar dem US-amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald. Er hatte mit seinen Enthüllungen letztlich das Kartenhaus dieses Justizputsches zum Einsturz gebracht.

Welche Bedeutung hat die Wahl von Lula da Silva für Staaten wie z.B. Venezuela oder Kolumbien?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man muss wissen, dass der Versuch, in Venezuela die Maduro-Regierung zu stürzen letztlich das Ziel des US-betriebenen Putschversuchs war. Dazu gehören die Anerkennung Guaidós als Präsidenten, die Sanktionen, das Embargo gegen Venezuela etc. Das begann unmittelbar, nachdem Bolsonaro Präsident geworden war. Die beiden grossen Nachbarländer Venezuelas sind Brasilien und Kolumbien. Kolumbien hatte einen rechten Präsidenten. Drei Wochen nach der Amtsübernahme von Bolsonaro hat sich Guaidó zum Präsidenten Venezuelas ernannt. Das Ganze ist meines Dafürhaltens eine US-gesteuerte konzertierte Aktion Brasiliens und Kolumbiens mit ihren Präsidenten gewesen, die bei dem Versuch, die Regierung in Venezuela zu stürzen, aktiv mitgespielt haben. Die USA hatten sich letztlich erhofft, mit Guaidó eine von ihnen abhängige Marionette zu installieren. Was Kolumbien und Brasilien jetzt machen, ist, die Beziehungen zu Venezuela wieder aufzunehmen, zu normalisieren. Sie hatten damals alle diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Jetzt wird alles wieder aufgebaut, ohne dass man den engen politischen Schulterschluss mit Maduro sucht.

Warum findet der so nicht statt?

Ich vermute, dass es innenpolitisch sehr schwierig werden könnte. Die Aussenminister haben sich zwar getroffen und die Beziehungen wieder normalisiert. Maduro war aber nicht bei der Inauguration von Lula da Silva und auch nicht bei Gustavo Petro in Kolumbien. Das hängt damit zusammen, dass aus demokratischer Sicht in Venezuela manches auch kritikwürdig ist. Das hat natürlich seine Ursachen auch in den Sanktionen und im Embargo. Aber das zentrale Propagandamotiv der lateinamerikanischen Rechten ist immer, allen linken Bewegungen und Regierungen vorzuwerfen, man wolle venezolanische Verhältnisse schaffen. Das war bei Gustavo Petro in Kolumbien so, und bei Lula da Silva hat man das auch versucht.

Gehört der 8.Januar in diese Kategorie?

Ja, am 8. Januar gab es diesen Putschversuch. 4 000 Bolsonaristen stürmten mit Rückendeckung der lokalen Polizei den Kongress, das oberste Gericht und den Präsidentenpalast und hinterliessen unfassbare Verwüstungen. Ich war zu dem Zeitpunkt noch in Brasilien, wenn auch nicht direkt vor Ort. Das Ganze erinnert sehr an den Sturm aufs Kapitol in Washington. Man muss wissen, dass Bolsonaro bereits vor einem Jahr verlautbaren liess, dass er keinen anderen Wahlsieger als sich selbst anerkennen werde. Das ist für die westlichen Regierungen schwer akzeptierbar. Nach der Wahl am 30. Oktober hat er nicht direkt Lula da Silva als Wahlsieger anerkannt. Er hat ihm auch nicht gratuliert.

Ganz im Unterschied zu Kolumbien. Rodolfo Hernandez hatte Gustavo Petro gratuliert. Bolsonaro hat seine fanatische Anhängerschaft am Leben gehalten, indem er indirekt Wahlbetrug vorgeworfen hat, allerdings ohne irgendwelche Belege dafür. In seinem Twitter-Account steht immer noch «Präsident Brasiliens». Er hat auch die brasilianische Tradition, dass der scheidende Präsident dem neuen Präsidenten die Schärpe übergibt, ignoriert. Er ist wenige Tage vor dieser Zeremonie nach Florida geflogen, dorthin, wo auch Trump ist. Der Verantwortliche im Hauptstadtbezirk Brasilia namens Anderson Torres, der für die Polizei und die ganze Innenpolitik des Bezirks zuständig ist, reiste einen Tag vor dem Putsch nach Florida aus. Er hat wahrscheinlich eine Schlüsselrolle bei diesem Putschversuch gespielt. Es ist anzunehmen, dass der Gouverneur Brasilias auch involviert war und jetzt für drei Monate von seinem Amt suspendiert wird. Er steht unter Verdacht, diesen Putschversuch mit ermöglicht zu haben.

Ist damit dieser Putschversuch vorbei?

Ich habe mit verschiedenen Menschen Gespräche geführt und jetzt aus Brasilien Meldungen bekommen, dass der Kampf noch nicht vorbei ist. Ich bin davon ausgegangen, dass diese Bedrohung jetzt überwunden ist und Ruhe einkehrt. Ich habe den Eindruck, dass Lula da Silva gestärkt daraus hervorgeht. Ich habe aber heute die Meldung bekommen, dass man mit weiteren Attacken dieser Art rechnet. Es ist wichtig, dass Brasilien zur Ruhe kommt und der Präsident sein sehr ambitioniertes Programm in die Tat umsetzen kann.

Herr Bundestagsabgeordneter Hunko, vielen Dank für das Gespräch.

Interview Thomas Kaiser

Schulbücher im Besetzten Palästinensischen Gebiet

Interview mit Dr. Samira Alayan*

Dr. Samira Alayan (Bild zvg)

Dr. Samira Alayan (Bild zvg)hhg Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA)  und die EU werden von Israel immer wieder unter Druck gesetzt, damit sie im Besetzten Palästinensischen Gebiet (oPt) ihre Unterstützung im ­Bildungsbereich einstellen. Hauptargument dabei ist der Vorwurf, die palästinensischen Schulbücher seien antisemitisch, würden zu Hass und Gewalt aufrufen, den Terrorismus verherrlichen und den israelischen Staat nicht anerkennen. Als Lehrerin –  interessiert am Thema Schulbücher – wollte ich dazu Genaueres wissen und befragte daher Dr. Samira Alayan, die die palästinensischen Schulbücher¹ inhaltlich untersucht hat. Sie ist leitende Dozentin an der israelischen Seymour Fox School of Education der hebräischen Universität Jerusalem und an der David Yellin Academic School.

Palästinensische Schulbücher müssen vor ihrem historischen Hintergrund betrachtet werden, daher vorab ein kurzer historischer Rückblick. Mit der Ausrufung des Staates Israel 1948 im britischen Mandatsgebiet Palästina wurde die ursprüngliche palästinensische Bevölkerung aufgesplittert. Ein Teil² verblieb im neu gegründeten Staat und erhielt die israelische Staatsbürgerschaft. Die Palästinenser im Gazastreifen gerieten unter ägyptische Herrschaft und die Palästinenser in Ostjerusalem und in der West Bank unter jordanische Herrschaft. Dazu kamen die vielen palästinensischen Flüchtlinge, die im Nahen Osten bis heute in Flüchtlingslagern oder verstreut in der ganzen Welt leben.

Nach dem Sechstagekrieg von 1967 besetzte Israel neben dem Sinai und den Golanhöhen auch den Gazastreifen, die West Bank und Ostjerusalem, wo die Palästinenser seither den israelischen Militärbehörden unterstehen.

1993 kam es zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der israelischen Regierung zu Friedensverhandlungen, den sogenannten Oslo Abkommen. Im Grundsatzabkommen «Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung» (Oslo I) vom September 1993 einigte man sich auf die gegenseitige Anerkennung sowie auf eine friedliche Koexistenz, wobei die PLO das Existenzrecht Israels explizit anerkannte. Geplant war eine Interimsphase der palästinensischen Selbstverwaltung im oPt. Anschliessend sollte sich das israelische Militär zurückziehen und die Zwei-Staaten-Lösung – Israel und Palästina – umgesetzt werden.

1994 wurde gemäss Oslo I die Palästinensische Nationale Autonomiebehörde (PNA) eingesetzt, die auch für den Kultur- und den Bildungsbereich zuständig wurde. Im selben Jahr begann die PNA mit der Entwicklung von Schulbüchern für die palästinensischen Schulen. Bis dahin war im Gaza­streifen nach ägyptischem Lehrplan mit ägyptischen Lehrbüchern und in der West Bank und in Ostjerusalem nach jordanischem Lehrplan mit jordanischen Schulbüchern unterrichtet worden. Im folgenden Interview gibt Dr. Samira Alayan Einblick in ihre Forschungsergebnisse zu den palästinensischen Schulbüchern.

Zeitgeschehen im Fokus Nach den Verträgen von Oslo von 1994 rückte die Zwei-Staaten-Lösung in greifbare Nähe. Die Palästinensische Autonomiebehörde übernahm im Besetzten Palästinensischen Gebiet die öffentlichen Bildungseinrichtungen und gab dann auch eigene palästinensische Schulbücher heraus für die Schulen in der West Bank, im Gazastreifen und in Ostjerusalem. Was war das Ziel dieser Schulbücher?

Dr. Samira Alayan Nach Oslo begann 1994 die Arbeit an den palästinensischen Schulbüchern mit dem Ziel, die nationale Identität der Palästinenser zu stärken und die Geschichte Palästinas zu lehren. Das war das wichtigste Anliegen. Schulbücher bilden die Grundlage einer Nation.

…um die junge Generation zu Bürgern des neuen Staates Palästina heranzubilden?

Ja, das war die Vision. Das wichtigste Ziel im palästinensischen Lehrplan war, die nationale Identität zu stärken durch das Wissen über die eigene nationale Geschichte, über die Religion und über die Kultur.

Die meisten Autoren dieser Schulbücher versuchten nach den Verträgen von Oslo, sehr optimistisch zu sein. Sie verfassten – hoch motiviert für positive Entwicklungen – ausgewogene Schulbücher, die an vielen Stellen sowohl den palästinensischen wie auch den israelischen Staat erwähnten und anerkannten.

Sie haben diese Schulbücher wissenschaftlich untersucht. Wie wurden Israel und die Juden darin dargestellt?

Es gibt keine negative Darstellung der Juden. Wir haben keine Probleme mit den Juden, denn wir sind Moslems, und wir respektieren andere Religionen. Aber wir haben ein Problem damit, wenn man unser Recht und unsere Existenz als Nation nicht anerkennt. Wenn man auf die Landkarten schaut, sieht man, dass Israel als Staat in den Geschichtsbüchern erwähnt ist. Die Schulbücher stärken die nationale palästinensische Identität und entsprechen der Philosophie von Oslo.

Sie schreiben, dass die Schulbücher für die palästinensischen Schulen in Ostjerusalem vom israelischen Bildungsministerium kontrolliert werden…

Als ich den Inhalt der Schulbücher analysierte, gingen mir viele Fragen durch den Kopf, daher interviewte ich deren Autoren. Sie berichteten, dass nach dem Jahr 2000 in allen Schulen in Gaza, im Westjordanland und in Ostjerusalem mit diesen Lehrbüchern unterrichtet wurde. Die Schulbücher der Palästinensischen Autonomiebehörde (PNA) für die palästinensischen Schulen in Ostjerusalem werden vom Staat Israel kontrolliert. Alle dortigen öffentlichen Schulen werden von Israel kontrolliert. Für die Gehälter der Lehrer und der Angestellten sowie für die Gebäude ist Israel verantwortlich. Für den Inhalt der Lehrbücher ist die PNA zuständig. Schulbücher sind ein sehr wichtiges Werkzeug und ein sehr starkes Instrument, um die Schüler zu beeinflussen.

Das israelische Bildungsministerium hat sich den Inhalt der Schulbücher für Ostjerusalem angeschaut. Wenn ihnen am Inhalt etwas nicht gefiel, haben sie es gelöscht. Das ist weder professionell noch pädagogisch sinnvoll. Als gebildeter Mensch gibt man den Schülern keine Lehrbücher mit halben Sätzen, ausgelassenen Textstellen oder ganzen weissen Seiten. Aber diese Zensur wird gemacht. Viele Inhalte fehlen. Die Schüler sind nicht dumm. Da in der West Bank und im Gazastreifen nicht zensuriert wird, informieren sie sich dort über die zensurierten Inhalte.

Die Autoren der Schulbücher berichteten mir auch von einer indirekten Zensur. Wenn sie sich hinsetzten, um zu schreiben und über den Inhalt zu entscheiden, sassen auch fünf oder sechs Vertreter der Europäischen Union dabei.

Von der EU?

Ja, von der Europäischen Union. Die EU gibt der PNA eine Menge Geld für die Schulen. Wissen Sie, es gibt keinen Staat Palästina. Die PNA ist abhängig von ihren Geldgebern, welche entscheiden, ob sie ihnen das Geld geben, um die Schulbücher zu produzieren. Die Geldgeber entscheiden für sie, ob sie diesen oder jenen Inhalt schreiben sollen. Sie intervenieren. Es gibt keinen palästinensischen Staat, der ein eigenes Budget und eigene Regeln hat. Es gibt ein palästinensisches Volk, aber keinen palästinensischen Staat. Also haben sie sich an die EU, an die Weltbank zu halten…

Warum die Weltbank?

Ich glaube, es ist eher die EU. Die Autoren der Schulbücher haben mir berichtet, dass die EU-Vertreter, die dabei sind, ihnen sagen, welchen Satz sie ändern müssen, damit er zum Inhalt passt. Sie haben nicht wirklich die Freiheit zu schreiben, was sie möchten.

Wie beurteilen sie das?

Es ist eine Art moderner Kolonialismus. Wir sprechen von Menschen, die unter Besatzung ein Lehrbuch schreiben. Es ist nicht wie in der Schweiz, man sitzt hier und trinkt Kaffee. Es ist ein Volk unter Besatzung. Ein Schulbuch für Schüler zu schreiben, um ihre Identität als Palästinenser zu stärken und sie nicht zu verwirren, ist keine einfache Situation. Man fragt sich, welcher Satz ist zu schreiben und auf welche Weise ist er zu schreiben.

2018 hat die PNA ganz neue Schulbücher herausgegeben. Was hat sich verändert?

Vieles. Nach Oslo waren die Palästinenser optimistisch. Sie hofften, bald ihren Staat zu haben und zusammenzuleben. Seither ist vieles passiert. Im Jahr 2000 hat Israel mit dem Bau der Mauer begonnen, die den wirtschaftlichen Austausch und die Bewegungsfreiheit zwischen Gaza, Ostjerusalem und der West Bank massiv behindert. Der Siedlungsbau, verbunden mit der Enteignung palästinensischen Landes, wurde sehr massiv vorangetrieben.

In der palästinensischen Gesellschaft bildeten sich zwei Gruppen heraus: Aus Europa und Amerika kamen reiche Palästinenser zurück. Diese 10 % kontrollieren 90 % der palästinensischen Gesellschaft, von denen viele sehr arm sind. Innerhalb der palästinensischen Gesellschaft gibt es viele Probleme, und die Regierung ist korrupt. All das führt dazu, dass die Palästinenser nicht mehr in einer positiven und optimistischen Weise denken, mit dem Ziel, ihre Kinder zu Toleranz und Frieden zu erziehen.

Die Entwicklung seit Oslo führte dazu, dass die Palästinensische Autonomiebehörde beschloss, unseren Schülern nur unsere eigene Geschichte zu lehren, ohne irgend­etwas anderes zu erwähnen. Meiner Meinung nach ist das keine gute Entscheidung.

2010 hatte die EU beschlossen, das Budget für die Schulbücher der PNA zu streichen, weil sie glaubte, dass die PNA den Staat Israel nicht anerkenne und negative Punkte in den Lehrbüchern zu finden seien. Prof. Nurit Peled-Elhanan³ und ich wurden von der EU eingeladen. Dort habe ich genau das vorgestellt, was ich in der ersten Ausgabe der Schulbücher von 2000 gesehen habe und was meine Forschung ergeben hat. Daraufhin hat die EU der PNA das Geld zugesprochen.

In den Schulbüchern gab es viele Punkte, die verbessert werden sollten. Die EU gab das Geld unter der Bedingung, dass diese Punkte verbessert werden, ohne die Schulbücher grundsätzlich zu verändern. Zudem sollte eine akademische Evaluation mit Akademikern aus der Praxis, aus Palästina und von ausserhalb Palästinas, durchgeführt werden, um objektiv zu sein. Aber die PNA wollte das nicht und ersetzte die gesamten Schulbücher durch ganz neue. 2018 wurden diese in den Schulen eingeführt. Diese Schulbücher sind ganz anders,  das Innere der Bücher und das Äussere. Wenn man da Zensur machen will, ist es sehr schwierig. Auf dem Einband ist überall eine palästinensische Flagge, bei allen Büchern; im Geschichtsbuch, auf jeder einzelnen Seite, überall ist eine Flagge von Palästina, eine oder zwei oder drei oder vier, sie halten die Flagge, sie ziehen die Flagge hoch, sie tragen die Flagge. Es ist ein Zuviel des Zeigens an die Adresse der israelischen Seite: Wir sind hier! Aber das Ziel der Schulbücher ist immer noch das gleiche, die palästinensische Identität zu stärken.

Positiv ist, dass sich die neuen Schulbücher mit den Menschenrechten beschäftigen, mit der Gleichheit von Männern und Frauen. Wir sind alle gleich, ob rot, schwarz oder weiss. Es hat auch Bilder von Menschen mit Behinderungen. Man sieht eine Frau im Krankenhaus und auch zu Hause, sie ist Ärztin, aber sie kann auch Mutter sein. Das ist sehr schön. Diese Vielfalt sehen wir nicht in den alten Lehrbüchern.

In der palästinensischen Gesellschaft gibt es auch Christen, nicht nur Muslime. In den alten Büchern sieht man diese Stimmen nicht. Jetzt sieht man sie, man sieht eine Moschee, man sieht eine Kirche. Man sieht einen moslemischen Jungen mit einem Koran, und das christliche Mädchen trägt ein Kreuz. Das ist sehr positiv.

Auf der politischen Ebene wird Israel als Staat in den neuen Schulbüchern nicht erwähnt. Ich fragte einen der Autoren: «Warum erwähnen Sie Israel als Staat nicht?» Er antwortete: «Wir sprechen über das historische Palästina vor 1948. Damals existierte Israel nicht.» Ich entgegnete: «Ihr sprecht über das historische Palästina, aber wir leben heute.» Seine Reaktion war: «Ja, wir leben heute, aber das ist das historische Palästina! Und wir müssen Geschichte lehren, also lehren wir die Geschichte des historischen Palästina.» Im alten Lehrbuch gab es ein Kapitel dazu, im neuen Lehrbuch nicht; keine Erwähnung der Juden im historischen Palästina, keine Landkarte nach 1948 mit dem Staat Israel. Auch der Holocaust wird nicht erwähnt. Die Autoren anerkennen Israel, sie wissen um den Holocaust, aber sie erwähnen ihn nicht. Fragt man die Autoren, warum sie den Holocaust nicht erwähnen, sagen sie: «Das ist nicht der richtige Zeitpunkt. Es ist an der Zeit, unsere Geschichte zu präsentieren. Zur Zeit sind wir unter militärischer Besatzung.» Die Autoren nehmen die Besatzung als Begründung, um viele andere Fakten nicht zu erwähnen.

Mit den neuen Schulbüchern reagiert die PNA auf die schlimmen Entwicklungen seit den Verträgen von Oslo. Das ist eine grosse Tragik. Wenn man darauf wartet, dass sich etwas ändert, und es immer schlimmer wird, und man keinen Ausweg sieht, dann sind neue Schulbücher ein Mittel, um gegen die israelische Besatzung zu kämpfen. «Wir erwähnen Israel nicht, wir ignorieren Israel, das ist unsere Art zu kämpfen», so der Gedanke.

Wie müssten zukünftige palästinensische Schulbücher sein, um auch zu einer Versöhnung zwischen den Menschen beizutragen?

Sie müssen das tun, was die Palästinenser tun, die in Israel leben. Die meisten von ihnen kennen die palästinensische Sichtweise (Narrativ) und die israelische Sichtweise sehr gut. Es stärkt die Schüler, wenn sie beides kennen. Unsere Schüler sind nicht dumm, sie können gut denken, wenn man sie denken lässt und ihnen erlaubt zu denken.

Palästinenser, die als israelische Bürger in Israel leben, werden nach dem israelischen Lehrplan unterrichtet. Weil ich Arabisch und Hebräisch spreche, konnte ich das palästinensische und das israelische Narrativ lesen. Man muss beides kennen. Ein Beispiel ist die Tochter meines Bruders, der auch in Israel lebt. Sie fragt mich vieles, und ich gebe ihr immer ein Buch zu lesen. Ich möchte, dass sie gut Hebräisch und Arabisch spricht. Ich möchte, dass sie weiss, was in der israelischen Gesellschaft, aber auch was in der palästinensischen Gesellschaft vor sich geht. Sie ist schon eine starke Persönlichkeit mit ihren 19 Jahren. Wenn sie mit mir diskutiert, stellt sie mir anspruchsvolle Fragen, die ich nie gestellt habe, weil ich sie nicht hatte.

Das müsste man in den Schulen machen, nicht nach der Schule, weil nicht jede Familie das macht. In den Schulen in Israel und an der Universität habe ich gemäss den israelischen Lehrplänen gelernt, was ich als Mangel empfunden habe. Meine Familie, vor allem mein Vater, sagte mir damals, ich solle mehr lesen, damit ich weiss, dass ich Palästinenserin und Muslimin bin.

Meine Sorge heute ist, dass weder Israel noch die Palästinensische Autonomiebehörde in den Schulen beide Sichtweisen unterrichten. Ich bin der Ansicht, dass sowohl der israelische Student wie auch der palästinensische Student ein Opfer dieses Systems sind. Wenn der israelische Student an die Universität kommt und das erste Mal in seinem Leben neben einer arabischen Frau oder einem arabischen Mann sitzt, weiss er nichts über sie. Er ist ein armer Mensch, obwohl er eine Waffe hat und Soldat ist. Aber innerlich ist er arm. Er weiss nicht, wer dieser Mann ist, der neben ihm sitzt, und er hat Angst vor ihm, weil er nichts über ihn weiss. Und beim palästinensischen Studenten ist es dasselbe. Er meint, der Israeli denke, er sei ein Terrorist. Als Soldat würde er ihn töten. Diese Sichtweisen sind gefährlich. Meine Sichtweise ist eine andere.

Nämlich?

Ich glaube, dass wir optimistisch arbeiten müssen. Wir müssen über den palästinensischen und über den israelischen Staat nachdenken. Sowohl die israelische wie auch die palästinensische Sichtweise müssen unterrichtet werden. Die Schüler sind klug genug. Man muss sie nicht mit einem Narrativ füttern. Man muss sie unterrichten mit Informationen, mit Fakten. Sie brauchen ein Wissen über die Schulbücher hinaus, um später erfolgreich zu sein und auf die Universität zu gehen. Neulich ist ein Schulbuch erschienen. Auf der einen Seite ist die israelische Sichtweise dargestellt, auf der anderen die palästinensische. In der Mitte kann man die eigene Sichtweise aufschreiben. Das ist ein gutes  Beispiel. Darin sehe ich die Zukunft.

Frau Dr. Alayan, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview Henriette Hanke
Güttinger

¹ Dr. Alayan hat die palästinensischen Schulbücher von der 1. bis zur 12. Klasse untersucht. Samira Alaya: Education in East Jerusalem Occupation, Political Power, and Struggle. New York 2019.
2 Rund 156 000 Personen.
³ Dozentin für Spracherziehung, soziale Semiotik und Multimodalität der Seymour Fox School of Education an der hebräischen Universität Jerusalem und an der David Yellin Academic School.

Lieber getrennte Reihen für Mädchen und Buben als gar kein Unterricht

Interview mit Oumar Gouro Diall*

Oumar Gouro Diall (Bild zvg)

Oumar Gouro Diall (Bild zvg)Oumar Gouro Diall ist Bildungsexperte in Mali. Er arbeitet am Centre international d’expertises et de formation (CIEF) und hat ein von der Deza unterstütztes Programm zur Förderung der Bildungsdezentralisierung in die Wege geleitet. Dieses läuft seit 2006 und wird bis Ende 2022 mehr als 800 000 Kindern den Schulbesuch ermöglicht haben. Das Programm musste sich den bewaffneten Konflikten und mehreren Militärputschs anpassen, die das westafrikanische Land seit zehn Jahren in Atem halten.

Eine Welt Herr Gouro Diall, Kinder in Mali haben kein einfaches Los: Ihren Alltag prägen extreme Armut, Unterernährung, sexuelle Gewalt und die Klimakrise. Hinzu kommt der bewaffnete Konflikt, der das Land nach Unabhängigkeits- und dschihadistischen Aufständen seit 2012 erschüttert.

Oumar Gouro Diall Kinder in Konfliktgebieten leben in einer dramatischen Situation. Manche mussten zusehen, wie ihre Eltern gefesselt, misshandelt oder gar umgebracht wurden. Ihre Mütter und Schwestern wurden vergewaltigt, ihre Häuser geplündert. Der reinste Horror – viele der Kinder befinden sich danach in einem Schockzustand. Wir bringen sie in die nächsten gesicherten Dörfer, geben ihnen Nachhilfeunterricht, spielen, singen, tanzen und treiben Sport mit ihnen, damit sie ihre Traumata abbauen können. ­Betreut werden sie von Grossmüttern. Und sie erhalten psychosoziale Unterstützung: Ihre Lehrerinnen und Lehrer wurden dafür ausgebildet, schwere seelische Notlagen zu erkennen. Braucht ein Kind zusätzliche Begleitung, übernimmt ein spezialisiertes Zentrum.

Eine vom UNHCR betriebene und geschützte Schule in der Stadt Kaya in Burkina Faso: Im westafrikanischen Land kam es im Zuge der Ausbreitung der Gewalt in der Sahelzone zu einer massiven Vertreibung. (© UNHCR/Benjamin Loyseau) [Burkina Faso leidet unter denselben Problemen wie Mali.]

 

 

Im Norden und im Zentrum Malis greifen Dschihadisten Schulen an, die nicht ihre Werte vermitteln. Sie stürmen die Klassenzimmer, terrorisieren die Kinder, verbrennen Schulhefte und töten mitunter sogar Kinder oder Lehrkräfte. Diese unsichere Lage hat zur Schliessung von gegen 2000 Schulen geführt, die Ausbildung von fast 600 000 Kindern unterbrochen und knapp 12 000 Lehrkräfte am Unterrichten gehindert. Wie kann der Unterricht unter Konfliktbedingungen fortgesetzt werden?

Um ein Minimum an Unterricht aufrechtzuerhalten, versuchen wir via die religiösen Anführer Kontakt mit den Terroristengruppen aufzunehmen. In manchen Dörfern mussten wir Zugeständnisse machen: Vor dem Schulunterricht, der um acht Uhr beginnt, ist ab sechs Uhr Koranschule. Auch mussten wir Arabischunterricht einführen. Mädchen und Buben sitzen nun in getrennten Reihen, wie die Dschihadisten es gefordert hatten. Andernfalls findet kein Unterricht statt. Wo die Schulen geschlossen wurden, haben wir gemeinschaftliche Lernräume mit Betreuerinnen und Betreuern aus den Dörfern eröffnet.

Abgesehen von den Ausschreitungen der bewaffneten Gruppen hat auch die Covid-19-Pandemie den malischen Schulen zugesetzt.

Die Schulhäuser waren zwei Monate lang geschlossen. Weil der Internetzugang mehr schlecht als recht funktionierte, konnten wir die Kinder auch nicht zu Hause über Tablets unterrichten. Als die Schulen wieder aufgingen, wurden die Klassen verkleinert und Nachhilfeunterricht organisiert, den Lehrerinnen und Lehrern wurden Präventionsmassnahmen vermittelt und die Gemeinschaften für das Abstandhalten sensibilisiert. Aber auch ohne Gesundheitskrise ist es ein Problem, wenn die Kinder nicht zur Schule gehen: Sie sind weniger geschützt.

Die Schule ist ein wichtiges soziales Netz. Steigt das Risiko sexueller Gewalt, wirtschaftlicher Ausbeutung oder der Anwerbung durch bewaffnete Gruppen, wenn die Schulen geschlossen bleiben?

Ja, salafistische Dschihadisten setzen Vergewaltigung als Waffe ein. Die Mädchen kommen dann nur noch begleitet zur Schule, und die Buben riskieren, unterwegs von terroristischen Gruppen rekrutiert zu werden. Sie versprechen ihnen Geld und das Paradies, wenn sie jemanden umbringen. Wir sensibilisieren die Jugendlichen für die Gefahr, die von den Überredungsversuchen der Dschihadisten ausgeht, und bieten ihnen Ausbildungen an, etwa in Viehzucht, Gartenbau, Baumpflege oder im Bereich Solarenergie. Bisher haben wir damit über 80 Jugendliche erreicht.

Zurück zum Unterricht – wo findet dieser statt?

Oft gibt es in den Dörfern einen freien Raum oder ein ehemaliges Alphabetisierungszentrum. Wir stellen eine Tafel, Schulbänke und Bücher zur Verfügung, erarbeiten einen Plan zur Risikominderung rund um die Schulen und die Schulkommissionen werden in Risikomanagement geschult. Die Armee hingegen engagieren wir nicht, da sie ein Ziel der Terroristen ist. Kinder sind unschuldig, sie müssen aus dem Konflikt herausgehalten werden.

Welche Ansätze und pädagogischen Neuerung haben Sie entwickelt, damit die Kinder weiter lernen können?

Für die 8- bis 12-Jährigen, die nie eingeschult wurden oder die Schule abbrachen, haben wir einen neunmonatigen Schnellkurs entwickelt, nach dem sie direkt in die vierte Klasse wechseln können. Es handelt sich um eine Zusammenfassung der vier ersten Schuljahre, damit Tausende von Kindern überhaupt Zugang zu Bildung erhalten. Um das Verständnis und Lernen zu erleichtern, haben wir einen Lehrmittelkoffer mit 24 Werkzeugen aus lokaler Produktion entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler können die Unterrichtsthemen damit sehen und berühren. Im Matheunterricht etwa messen sie mit Holzstangen die Höhe eines Tischs, einer Bank, eines Fensters oder die Distanz zwischen dem Klassenzimmer und einem Baum auf dem Schulhof. Der einst rein theoretische Unterricht ist nun konkreter. Bei allzu formellen Ansätzen verlieren die Kinder ihre Inspiration.

Ist auch das Vermitteln von lokalem Wissen weniger formell?

Ja, wir haben vor Ort vorhandenes Wissen in den Lehrplan aufgenommen. Manche Eltern beklagten sich: «Wir erkennen unsere Kinder nicht mehr!». Sie wollten die Kinder nicht länger zur Schule schicken, weil die Schule ihnen angeblich ihre Werte nicht vermittelt und sie verzieht. Also haben wir mit Viehzüchterinnen, Hirtinnen, Fischern und den Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften eine Bestandesaufnahme des Wissens durchgeführt. Sie kommen nun selber in die Klassen und geben ihre Kenntnisse weiter. Die Schülerinnen und Schüler sind begeistert. Die Module wurden vom Staat anerkannt, aber was fast noch wichtiger ist: Die Eltern akzeptieren die Schule und erlauben ihren Kindern, herzukommen.

Für Nomadenkinder aus dem Nigerdelta haben Sie mobile Schulen eingerichtet. Wie funktionieren diese?

Im Jahr 2000 gingen nur zwei Prozent dieser Kinder zur Schule. Die nomadischen Gemeinschaften, die im Lauf der Jahreszeiten ihren Weiden folgen, bleiben zwei, drei Monate im selben Dorf. Während dieser Zeit richten wir dort eine Schule ein. Die Infrastruktur besteht aus lokalen Materialien: Die Felle kommen von den Tuareg, das Stroh von den Bozo und den Fulben. Danach wird die Einrichtung abgebaut, die Lehrerin-nen und Lehrer ziehen mit den Familien und den Kamelen für ein paar Monate weiter an den nächsten Standort. In der Region gibt es inzwischen mehr als 100 mobile Schulen mit Tausenden von Kindern. Der Mädchenanteil ist im Lauf der Jahre stark angestiegen.

Vor welchen Herausforderungen stehen die malischen Schulen?

Zunächst braucht es einen dauerhaften Frieden, der Entwicklung überhaupt erst möglich macht, und dann muss man die Armut reduzieren: Ein hungriger Bauch hat keine Ohren. Anschliessend muss die Grundausbildung der Lehrkräfte überprüft werden. Da der Staat Personen ohne pädagogischen Hintergrund einstellte, um den Lehrermangel zu beheben, hat die Qualität des Unterrichts stark gelitten. Dabei haben die Kinder eine hervorragende Bildung verdient: Ein Kind ist ein Wunder, man muss an seine Gaben glauben.

Interview Zélie Schaller

Zuerst erschienen in: EINE WELT, Nr. 4/2022. www.eine-welt.ch

Wir danken der Deza für die Abdruckgenehmigung.

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Caitlin Johnstone: lasst uns die Welt vernichten wegen der Ukraine…

Caitlin Johnstone: lasst uns die Welt vernichten wegen der Ukraine… https://wp.me/paI27O-4od

Hier Englisches Original 

https://caitlinjohnstone.substack.com/p/lets-nuke-the-world-over-who-governs?utm_source=post-email-title&publication_id=82124&post_id=98190621&isFreemail=true&utm_medium=email

Und hier Hörversion.

Und hier die deutsche Übersetzung

Hervorhebungen durch mich…

Gesendet: Sonntag, 22. Januar 2023 um 03:36 Uhr
von: „Caitlin Johnstone von Caitlin’s Newsletter“ <caitlinjohnstone@substack.com>
An: Helmut_Kaess@web.de
Betreff: Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea: Notizen vom Rand der narrativen Matrix

In App oder online öffnen
Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea: Notizen vom Rande der narrativen Matrix    Caitlin Johnstone
22. Januar

Hören Sie sich eine Lesung dieses Artikels an:

Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea von Going Rogue With Caitlin Johnstone

Kritiker des US-Imperiums haben Monate damit verbracht, Berge von Beweisen dafür zusammenzutragen, dass das Imperium den Krieg in der Ukraine wissentlich provoziert hat. Die Befürworter des US-Imperiums haben Monate damit verbracht, Hundememes zu posten und Fremde zu beschuldigen, von Putin bezahlt zu werden. Es ist klar, wer im Recht ist.

Dürfen also alle anderen Menschen auf der Welt darüber abstimmen, ob ihr Leben in einer Offensive riskiert werden soll, um zu kontrollieren, wer die Krim regiert? Oder wird die Regierung Biden diese Entscheidung im Namen aller Lebewesen treffen?

Es ist schon verrückt, wie das Schicksal aller Lebenden und aller, die in Zukunft geboren werden könnten, davon abhängt, wie zwei Regierungen einen Konflikt in der Ukraine lösen, nur weil diese beiden Regierungen über die meisten Atomwaffen der Welt verfügen. Das ist so, als ob zwei Leute in einer Bar in eine Schlägerei geraten, bei der jeder in ihrer Stadt ums Leben kommt. Niemand sonst auf der Welt hat ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen, die alle Lebenden töten und die Menschheit für immer auslöschen könnten; nur ein paar Leute innerhalb dieser beiden Regierungen und deren Militärs.

Das US-Imperium sagt Moskau: „Ich bin das verrückteste Arschloch, das es gibt, ich werde die Brinkmanship weiter steigern, euch direkt in die Augen schauen und euch herausfordern, Atomwaffen einzusetzen“, während es dem Rest der Welt sagt: „Ich bin die Stimme der Vernunft, auf die ihr alle schauen solltet, wenn es um Führung geht.“

Das eine Gesicht des Imperiums ist der tugendhafte Verfechter von Freiheit und Demokratie, während das andere Gesicht eine einschüchternde Show der Bösartigkeit abzieht, wie ein Gefangener, der jemandem im Gefängnishof die Wange abbeißt. Mindestens eines dieser Gesichter ist zwangsläufig eine Lüge.

Der einzige Grund, warum der westliche Mainstream mit der nuklearen Brinkmanship des US-Imperiums mit Russland einverstanden ist, liegt darin, dass die meisten es nicht verstehen, und diejenigen, die es verstehen, denken nicht sehr intensiv darüber nach. Sie vermeiden es, darüber nachzudenken, was ein Atomkrieg ist und was er bedeuten würde.

Wann immer ich dieses Thema anspreche, bekomme ich einen Haufen Antworten wie „Yeehaw! Das ist richtig, wir stellen uns gegen Putin!“ Sie gehen an das Thema nicht mit der Ernsthaftigkeit heran, die sie an den Tag legen würden, wenn sie verstehen würden, was passiert und ernsthaft darüber nachgedacht hätten, was passieren könnte. Sie verstehen nicht, wie entsetzlich gefährlich es ist, dass das Imperium erwägt, eine Krim-Offensive zu unterstützen, und sie haben nicht aufrichtig darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn jedes Lebewesen auf schreckliche Weise sterben und niemand mehr für alle Zeiten wiedergeboren werden würde.

Unabhängig davon, wie Sie zu diesem ganzen Konflikt stehen, sollten Sie die Möglichkeit einer nuklearen Vernichtung mit der größten Ernsthaftigkeit betrachten, die man sich vorstellen kann, denn sie ist ohne Übertreibung das Schlimmste, was passieren kann. Nehmen Sie es ernst, oder schweigen Sie.

Wenn ein Atomkrieg zwischen Russland und der NATO ausbricht, wird die Antwort auf die Frage „War es das wert?“ ein entschiedenes „Nein“ sein. Nicht nur für Leute wie mich, sondern für alle, egal wie sehr sie mit dem westlichen Machtgefüge sympathisieren und egal wie sehr sie Russland hassen. Wenn ihre Antwort nicht sofort „Nein“ lautet, wird es ihre Antwort in wenigen Stunden sein. Wenn die Menschen das Grauen, das über unsere Welt gekommen ist, nicht sofort verstehen, werden sie es in kürzester Zeit verstehen.

Der Begriff Mutually Assured Destruction (gegenseitig gesicherte Zerstörung) wurde erstmals 1962 von Donald Brennan vom Hudson Institute geprägt, aber er verwendete ihn ironisch, indem er das Akronym „MAD“ buchstabierte, um zu argumentieren, dass es verrückt ist, Waffen zu besitzen, die ein Armageddon verursachen können. Diese nuklearen Gedankenspiele sind irrsinnig.

Das Argument für Atomwaffen ist, dass die Bedrohung durch ihren Einsatz die großen konventionellen Kriege, wie wir sie im Ersten und Zweiten Weltkrieg erlebt haben, verhindert, aber das funktioniert nur, wenn die Angst vor ihrem Einsatz konventionelle Angriffe abhält. Das US-Imperium wird mit seiner Stellvertreterkriegsführung gegen Russland immer dreister.

Früher war es eine unbestrittene konventionelle Weisheit, dass ein heißer Krieg gegen Russland um jeden Preis vermieden werden muss, weil es eine nukleare Supermacht ist. Jetzt wird die Idee, Großoffensiven zu unterstützen, um Teile der Russischen Föderation abzutrennen, von der breiten Öffentlichkeit aufgegriffen. Damit wird die unbehagliche Stabilität, die MAD theoretisch schaffen soll, zunichte gemacht, denn MAD geht davon aus, dass die andere Seite nicht verrückt genug sein wird, konventionelle Offensiven gegen eine nukleare Supermacht zu starten, weil sie eine rasche Eskalation in einen umfassenden Atomkrieg befürchtet.

Wenn zwei Menschen mit Pistolen aufeinander zielen, könnte ein Schusswechsel aus Angst vor Vergeltung vermieden werden. Wenn aber einer der beiden Schützen die Pattsituation durchbricht, indem er mit einem Messer in der anderen Hand auf den anderen zugeht, stehen die Chancen gut, dass der andere den Abzug betätigt.

Ich hasse es, wenn Leute sagen: „Ich hoffe, dass wir uns selbst von der Landkarte ausradieren, wir sind furchtbar.“ Es ist nicht in Ordnung, dass ein paar Idioten mit jedem Leben auf diesem Planeten Spielchen treiben. Nur weil Sie mit dem Leben hier unzufrieden sind, heißt das nicht, dass alle Unschuldigen auf der Welt es auch sind, die Tiere nicht, die Käfer nicht, die Bäume auch nicht. Ihre unzufriedenen Gefühle sind kein triftiger Grund, diese Sache nicht mit allen Mitteln zu bekämpfen. Behalten Sie Ihre omnizidalen Gedanken für sich.

Im Westen wird der Gedanke, dass Nationen wie Russland und China „ihre Nachbarn angreifen“, so dargestellt, als sei das irgendwie weniger moralisch als der Angriff der USA auf Nationen auf der anderen Seite des Planeten, die unmöglich eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen können. Zumindest kann Russland argumentieren, dass sein Einmarsch in die Ukraine aufgrund der dortigen Militarisierung durch die USA/NATO im nationalen Sicherheitsinteresse lag, und China könnte ähnliche Argumente vorbringen, wenn es Taiwan angreifen würde. Die Kriege der USA dienen einzig und allein dazu, die Vorherrschaft der USA auf dem Planeten zu verteidigen, nicht die USA selbst.

Den Liberalen geht es nur darum, Privilegien zu prüfen, außer wenn es um westliche Privilegien geht. Dann sind sie mehr als glücklich, alles und jeden in die Luft zu jagen, weil sie an ihre inhärente ideologische Überlegenheit und ihr Recht, über jedes einzelne Land auf der Erde zu herrschen, glauben.

Facebook, Instagram und Whatsapp bezeichnen das neonazistische Asowsche Regiment nicht mehr als „gefährliche Organisation“. Um das klarzustellen: Am Asow-Regiment hat sich eigentlich nichts geändert. Es sind immer noch die gleichen Leute mit der gleichen Ideologie. Das Einzige, was sich geändert hat, ist das offizielle Narrativ.

Jahrelang, bis zum letzten Jahr, hatten die Massenmedien kein Problem damit, zuzugeben, dass die Ukraine ein Naziproblem hat, und die Asowschen Neonazis als das zu bezeichnen, was sie sind. Alles, was sich geändert hat, ist, dass wir in ein Informations-Ökosystem mit aggressiver Kriegspropaganda eingetreten sind.

Kein noch so großes PR-Rebranding wird die Asowschen Neonazis auf magische Weise in gesunde Gemäßigte verwandeln. Man kann Kentucky Fried Chicken in KFC umbenennen, aber es ist immer noch das gleiche Zeug im Eimer.

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Und noch mal das englische Original:

Gesendet: Sonntag, 22. Januar 2023 um 03:36 Uhr
Von: „Caitlin Johnstone from Caitlin’s Newsletter“ <caitlinjohnstone@substack.com>
An: Helmut_Kaess@web.de
Betreff: Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea: Notes From The Edge Of The Narrative Matrix

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Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea: Notes From The Edge Of The Narrative Matrix
Caitlin Johnstone
Jan 22

Listen to a reading of this article:

Let’s Nuke The World Over Who Governs Crimea by Going Rogue With Caitlin Johnstone

Critics of the US empire have spent months compiling mountains of evidence showing that the empire knowingly provoked the war in Ukraine. Supporters of the US empire have spent months posting dog memes and accusing strangers of being paid by Putin. It’s clear who’s in the right.

So does everyone else in the world get a vote on whether their lives should be risked in an offensive to control who governs Crimea? Or will the Biden administration just be making that call on behalf of all living creatures?

It’s so crazy how the fate of everyone alive and everyone who could potentially be born in the future is riding on the way two governments choose to navigate a conflict in Ukraine, just because those two governments have most of the world’s nuclear weapons. It’s like two people in a bar getting into a brawl that kills everyone in their city. Nobody else in the world gets a vote on the decisions being made that could kill everyone alive and end humanity forever; just a few people within those two governments and their militaries.

The US empire is telling Moscow „I’m the craziest motherfucker around, I’ll keep ramping up the brinkmanship looking you right in the eye and daring you to use nukes,“ while telling the rest of the world „I am the voice of sanity that you should all look to for leadership.“

One of the empire’s faces is the virtuous upholder of freedom and democracy, while the other face puts on an intimidating show of viciousness like a prisoner biting off someone’s cheek in the prison yard. At least one of those faces is necessarily lying.

Literally the only reason mainstream westerners are fine with the US empire’s nuclear brinkmanship with Russia is because most don’t understand it, and those who do understand it don’t think very hard about it. They avoid contemplating what nuclear war is and what it would mean.

Whenever I touch on this subject I get a bunch of replies like „Yeehaw! That’s right bitch, we’re standing up to Putin!“ They’re not approaching the subject with anything like the gravity they would if they understood what’s happening and had seriously thought about what could be. They don’t understand how horrifyingly dangerous it is that the empire is considering backing a Crimea offensive, and they haven’t sincerely contemplated what it would be like for every living creature to die horribly and for no one else to ever be born again for all of time.

Whatever position you have on this whole conflict, you should be approaching the possibility of nuclear annihilation with the most profound solemnity imaginable, because it is without exaggeration the single worst thing that could possibly happen. Take it seriously, or be silent.

If a nuclear war between Russia and NATO erupts, the answer to the question „Was it worth it?“ will be a decisive „No.“ Not just for people like me, but for everyone, no matter how sympathetic they are to the western power structure and no matter how much they hate Russia. If their answer isn’t „no“ immediately, it will be their answer in a matter of hours. If people don’t immediately understand the horror that’s been unleashed upon our world and how nothing could possibly have been worth it, they will understand it in short order.

The term Mutually Assured Destruction was first coined by Hudson Institute’s Donald Brennan in 1962, but he used it ironically, spelling out the acronym „MAD“ in order to argue that it’s insane to hold weapons that can cause armageddon. These games of nuclear chicken are insane.

The argument for nukes is that the threat of their use wards off the large-scale conventional wars we saw in WWI and WWII, but that only works if the fear of their use deters conventional attacks. The US empire is getting more and more brazen with its proxy warfare against Russia.

It used to be undisputed conventional wisdom that hot warfare against Russia must be avoided at all costs because they’re a nuclear superpower. Now the idea of backing full-scale offensives to carve off pieces of the Russian Federation is gaining widespread mainstream traction. This disintegrates the uneasy stability that MAD is theoretically supposed to create, because MAD assumes the other side won’t be crazy enough to launch conventional offensives against a nuclear superpower due to fear of rapidly spiraling escalation into full-scale nuclear war.

If you’ve got two people pointing pistols at each other, an exchange of gunfire might be avoided for fear of retaliation. But if one of the gunmen breaks the standoff by walking toward the other holding a knife in his other hand, odds are the other guy pulls the trigger.

I hate it when I get people saying „I hope we do nuke ourselves off the map, we’re horrible.“ It’s not okay for a few idiots to be playing games with every life on this planet. Just because you’re unhappy with life here doesn’t mean all the innocents around the world are, doesn’t mean the animals are, the bugs, the trees. Your disaffected feelings are not a valid reason not to fight this thing tooth and claw. Keep your omnicidal ideations to yourself.

Westerners frame the idea of nations like Russia and China „attacking their neighbors“ as though that’s somehow less moral than the US attacking nations on the other side of the planet who cannot possibly pose any threat to US national security. At least Russia can make an argument that its invasion of Ukraine was in its national security interests due to US/NATO militarization there, and China could make similar arguments if it ever attacks Taiwan. US wars are done solely to defend US planetary domination, not the US.

Liberals are all about examining privilege except when it comes to western privilege. Then they’re more than happy to blow up everything and everyone for their belief in their inherent ideological superiority and their right to rule over every single country on earth.

Facebook, Instagram and Whatsapp are no longer designating the neo-Nazi Azov Regiment as a “dangerous organization.” To be clear, nothing has actually changed about the Azov Regiment. It’s still the same people with the same ideology. All that changed is the Official Narrative.

For years and years, up until just last year, the mass media had no problem acknowledging that Ukraine has a Nazi problem and calling Azov neo-Nazis what they are. All that changed is we moved into an information ecosystem of aggressive war propaganda.

No amount of PR rebranding will magically transform Azov neo-Nazis into wholesome moderates. You can change Kentucky Fried Chicken to KFC, but it’s still the same stuff in the bucket.

________________

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Kenia, anmeldung…

Gesendet: Mittwoch, 18. Januar 2023 um 22:33 Uhr
von: „Michael Christ“ <mchrist@ippnw.org>
An: „IPPNW Forum“ <ippnwforum@googlegroups.com>, „IPPNW Rat“ <ippnwcouncil@googlegroups.com>, „ippnwstudents“ <ippnwstudents@googlegroups.com>, „ippnwafrica@googlegroups.com“ <ippnwafrica@googlegroups.com>
Betreff: [IPPNWFORUM] Mombasa Delegiertenzuschussantrag für IPPNW-Kongress

ANKÜNDIGUNG: IPPNW 23. WELTKONGRESS-SUBSTITIONSPROGRAMM

MOMBASA, KENIA – 26-29 APRIL 2023

Einsendeschluss für Anträge: 15. Februar 2023

Liebe Mitglieder der IPPNW,

da im April der erste IPPNW-Kongress in Afrika stattfinden wird, ist es an der Zeit, das formale Antragsverfahren für die Bezuschussung von Delegiertenreisen einzuleiten.

Die Mittel für dieses Programm stammen aus großzügigen freiwilligen Spenden von IPPNW-Mitgliedern und -Verbänden an den IPPNW International Fund“. Der Fonds wurde vom Vorstand vor vielen Jahren eingerichtet, um aktiven Mitgliedern des Verbandes aus einkommensschwachen Ländern die Teilnahme an internationalen IPPNW-Aktivitäten wie Kongressen zu ermöglichen.

Derzeit ist die Höhe der verfügbaren Mittel im Vergleich zum erwarteten Interesse und Bedarf recht gering.  Das bedeutet leider, dass nicht allen Anträgen entsprochen werden kann und nur eine teilweise Förderung möglich ist.

Wir würden es begrüßen und ermutigen Mitgliedsorganisationen und Einzelpersonen, die dazu in der Lage sind, über die IPPNW-Zentrale direkt in den Fonds zu spenden, damit andere aus Afrika und andere weniger wohlhabende Mitgliedsorganisationen in Mombasa teilnehmen können.

Um einen Zuschuss zu beantragen, füllen Sie bitte den beigefügten Antrag aus und senden Sie ihn bis zum 15. Februar an ippnwbos@ippnw.org und ippnwafricanstates@gmail.com.  Alle Anträge werden vom IPPNW-Exekutivausschuss in Absprache mit den Organisatoren des Kongresses in Mombasa geprüft und entschieden.  Bitte lesen Sie die Kriterien und sonstigen Bestimmungen auf dem Antrag sorgfältig durch, bevor Sie ihn zur Prüfung einreichen. Die Antragsteller sollten sich nicht ausschließlich auf diesen Fonds verlassen, um ihre Reise zu finanzieren.

EINSENDESCHLUSS FÜR ANTRÄGE IST DER 15. FEBRUAR 2023
ENTSCHEIDUNGEN ÜBER ZUSCHÜSSE WERDEN SO SCHNELL WIE MÖGLICH NACH ABLAUF DER FRIST GETROFFEN.

Weitere Informationen über den Mombasa-Kongress finden Sie hier.
Informationen zu den Visabestimmungen finden Sie hier.

Bitte lassen Sie mich wissen, wenn Sie Fragen zu dem Programm haben.
Mit freundlichen Grüßen,

Michael Christ

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Michael Christ

Geschäftsführender Direktor

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Friedensnobelpreis 1985

International Campaign to Abolish Nuclear Weapons, Gründungspartnerorganisation, Friedensnobelpreis 2017

339 Pleasant Street, Malden, MA 02148 USA

www.ippnw.org

 

 

 

 

Gesendet: Mittwoch, 18. Januar 2023 um 22:33 Uhr
Von: „Michael Christ“ <mchrist@ippnw.org>
An: „IPPNW Forum“ <ippnwforum@googlegroups.com>, „IPPNW Council“ <ippnwcouncil@googlegroups.com>, „ippnwstudents“ <ippnwstudents@googlegroups.com>, „ippnwafrica@googlegroups.com“ <ippnwafrica@googlegroups.com>
Betreff: [IPPNWFORUM] Mombasa Delegate Subsidy Application for IPPNW Congress

ANNOUNCEMENT: IPPNW 23rd WORLD CONGRESS SUBSIDY PROGRAM

MOMBASA, KENYA – 26-29 APRIL 2023

 

Deadline for Applications: 15 February 2023

Dear Members of IPPNW,

 

With the first IPPNW Congress in Africa coming in April, it is time to begin the formal application process for delegate travel subsidies.

 

Funding for this program comes from generous voluntary donations provided by IPPNW affiliates and members to the IPPNW “International Fund.” The fund was established by the Board many years ago to help active members of the federation from low income countries participate in international IPPNW activities such as Congresses.

 

At present, the amount of available funding is quite low compared to the expected interest and need.  Unfortunately that means not all requests can be met and only partial subsidies are possible.

 

We would welcome and encourage affiliates and individuals who are in a position to do so to make a donation directly to the fund via the IPPNW central office so that others from Africa and other less affluent affiliates can participate in Mombasa.

 

In order to apply for subsidy, please complete the attached application and return it to ippnwbos@ippnw.org and ippnwafricanstates@gmail.com by Feb 15th.  All applications will be reviewed and decided by the IPPNW Executive Committee in consultation with the Mombasa congress organizers.  Please read the criteria and other provisions on the application carefully before submitting it for consideration. Applicants should not rely solely on this fund to support their travel.

 

  • DEADLINE FOR APPLICATIONS IS 15 FEBRUARY 2023
  • GRANT DECISIONS MADE AS SOON AS POSSIBLE AFTER THE FLING DEADLINE

 

More information on the Mombasa Congress can be found here.

 

Information on visa requirements can be found here.

 

Please let me know if you have any questions about the program.

 

Sincerely,

 

Michael Christ

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Michael Christ

Executive Director

International Physicians for the Prevention of Nuclear War, 1985 Nobel Peace Prize

International Campaign to Abolish Nuclear Weapons, Founding Partner Organization, 2017 Nobel Peace Prize

339 Pleasant Street, Malden, MA  02148 USA

www.ippnw.org

 


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To unsubscribe from this group and stop receiving emails from it, send an email to ippnwforum+unsubscribe@googlegroups.com.
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