Antideutsch

„antideutsch“ ist eine Bewegung in Deutschland, sehr verbreitet unter Studenten. Nach der ausführlichen Begriffsbestimmung in Wikipedia Anmerkungen von mir. Seinerzeit wird anlässlich des Tortenwurfs gegen Sarah Wagenknecht die Position der Antideutschen bei den Nachdenkseiten beschrieben. Und aktueller  z.B. in einer Diskussion von Ken Jebsen mit Rolf Verleger  spricht dieser im Video ab etwa der Minute 56 über die merkwürdigen Ansichten der Antideutschen. Er sieht ihren Hauptfehler in mangelnder Liberalität. Wenn man Meinungen verbietet, richtet sich das früher oder später auch gegen die eigenen Meinungen.

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abgelaufenes Jahr 2017, kommendes Jahr 2018

2017 – 2018

Zuerst die Rede von Guterres, des Generalsekretärs der UN

und ein deutscher Bericht 

Ihr Lieben,

das abgelaufene Jahr hatte Höhen und Tiefen. Die Höhen waren

+ der „Nuclear Ban Treaty“ und der Friedensnobelpreis für ICAN. Dabei habe ich ein wenig mitgemacht, ich war bei den Vorbereitungskonferenzen in Oslo und Wien dabei.

+ die bedeutsame Rede von Jeremy Corbyn in Genf in diesem Dezember, in der er auf die Gefahren und die Chancen für Frieden, Gerechtigkeit und wirtschaftlich weltweiten Erfolg einging.

Die Tiefen waren

die andauernden Kriege,

die weiter bestehende Gefahr der Vernichtung der Menschheit,

die ungeheuren Rüstungsausgaben, die die Menschheit schwer belasten. Wenn wir den Weg des Friedens, richtiger Demokratie, weltweiter Bildung und kooperativer Wirtschaftspolitik gehen, sind alle diese Probleme lösbar. Nach meiner Meinung sollte dies auf dem Wege von Jeremy Corbyn und Bernie Sanders und Sarah Wagenknecht geschehen, aber wichtig sind nicht in erster Linie Personen, wichtig ist die Rückkehr zum Völkerrecht, die kräftige Einschränkung der Rüstungsausgaben und ein Verbot aller überwiegend für einen Angriff bestimmter Waffensysteme, das Verbot der Massenvernichtungswaffen, vor allem der () atomaren Waffen. Nur noch überwiegend zur Verteidigung geeignete Waffensysteme dürfen erlaubt bleiben.

Die UN müssen das Gewaltmonopol bekommen, das ihnen vom Völkerrecht her zusteht. Wir brauchen eine „gemeinsame Sicherheit“ gemäß Willy Brandt, wir brauchen den Ausbau der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa weltweit, wir brauchen die wirtschaftliche Unterstützung der Entwicklungsländer wie bei dem Global Marshall Plan. Wir brauchen eine jährliche Erinnerung an das Manifest von Russell und Einstein:

Nie wieder Krieg“

Dann sind alle im Moment so unüberwindlich erscheinenden menschlichen Probleme lösbar.

Helmut Käss
Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513, helmut_kaess@web.de

http://www.helmutkaess.de/Wordpress/

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Jeremy Corbyn!

Exklusiv: Jeremy Corbyn über die Kampagne des Establishments, ihn daran zu hindern, Premierminister zu werden

https://declassifieduk.org/exclusive-jeremy-corbyn-on-the-establishment-campaign-to-stop-him-becoming-pm/

 

Exclusive: Jeremy Corbyn on the establishment campaign to stop him becoming PM

 

Der ehemalige Vorsitzende der Labour-Partei setzt sich mit Declassified für sein bisher offenstes Interview zusammen – über die britischen Medien, das britische Militär und die Geheimdienste, Israel, Keir Starmer, Julian Assange und Saudi-Arabien.

MATT KENNARD

22. Juni 2022

UK MILITARY: „Sie haben mir eine Warnung geschickt“.
MI5 und MI6: „Sie haben mich absichtlich unterminiert“.
MIKE POMPEO’S DROHUNG: „Eine ganz bewusste Botschaft“.
THE GUARDIAN: „Ein Werkzeug des britischen Establishments“.
UK PRESS: „Die Medien in diesem Land sind verblödet“.
KEIR STARMER: ‚Ich hätte mir seiner Vergangenheit mehr bewusst sein müssen‘
ARMENTIERUNG IN SAUDI ARABIEN: ‚Außergewöhnliches Maß an Lobbyarbeit von Labour-Abgeordneten‘

„Ich hatte meine erste Rede außerhalb von Number 10 als Premierminister genau geplant“, erzählt Jeremy Corbyn. „Ich wollte verkünden, dass die Obdachlosigkeit in Großbritannien jetzt ein Ende hat, dass nächste Woche niemand mehr im Freien schlafen muss.“

Er sitzt auf einem Sofa in den Büros seines Peace & Justice Project in Finsbury Park, tief in seinem Wahlkreis im Norden Londons. „Nicht schlecht für eine erste Politik, oder?“, fragt er und zeigt sein typisches schiefes Grinsen.

Die Parlamentswahlen 2019 führten zu einem erdrutschartigen Sieg von Boris Johnsons Konservativen. Noch immer schlafen in Großbritannien jede Nacht mehr als 2.000 Menschen im Freien.

Als wir uns das letzte Mal trafen, sahen die Dinge noch ganz anders aus.

Es war im Oktober 2018 und ich interviewte ihn für La Jornada, eine unabhängige Zeitung in Mexiko, in seinem Büro in Westminster. Das war das Jahr nach dem schockierenden Wahlergebnis von 2017, als seine Labour-Partei den größten Wählerschwung zu ihren Gunsten seit 1945 erzielt hatte.

„Der mediale Angriff auf Corbyn während seiner Amtszeit als Labour-Chef von 2015-20 wird als das vielleicht intensivste politische Attentat in der modernen britischen Geschichte in die Geschichte eingehen.“

Damals sah es so aus, als hätte er gute Chancen, der nächste britische Premierminister zu werden.

Corbyn sagt, er erinnere sich an das Interview. „Es ist eine der wenigen positiven Kritiken, die Sie als Regierungschef bekommen haben“, wage ich zu behaupten. „Die einzige!“, schießt er lachend zurück, bevor er hinzufügt: „Um ehrlich zu sein, habe ich noch eine weitere gute Kritik vom Morning Star bekommen.“

Das ist lustig, aber kein Witz. Der mediale Angriff auf Corbyn während seiner Amtszeit als Labour-Chef von 2015-20 wird als der vielleicht intensivste politische Mord in der modernen britischen Geschichte in die Geschichte eingehen.

Die Kampagne, mit der sichergestellt werden sollte, dass er es nie in die No 10 schafft, wurde von den üblichen Verdächtigen der Rechten wie der Sun und dem Telegraph geführt, aber auch selbsternannte linke Publikationen wie der Guardian und der New Statesman waren maßgeblich daran beteiligt.

Die Kampagne umfasste auch – und das ist entscheidend – große Teile seiner eigenen Partei. In Wirklichkeit gab es kaum ein Element des britischen Establishments, das nicht mobilisiert wurde, um die von ihm ausgehende Bedrohung abzuwehren.

Anfang 2021 rief Corbyn das Peace & Justice Project ins Leben, um die von der britischen Linken während seiner Zeit als Labour-Chef gewonnene Dynamik aufrechtzuerhalten. Innerhalb eines Jahres nach seinem Amtsantritt stieg die Mitgliederzahl der Labour-Partei auf 600.000 und machte sie zur größten Partei in Westeuropa.

Das Büro seines neuen Projekts befindet sich an einem Ort, an dem Menschen aus der gesamten örtlichen Gemeinschaft zusammenkommen. Fußballtrainer, Unternehmer, Politiker – sie alle reiben sich an den gemeinsamen Schreibtischen. Ganz im Sinne von Corbyn. „Menschen zusammenbringen, das ist unsere Aufgabe“, sagt er, während er durch das Büro geht.

Corbyn, inzwischen 73, wurde von der Presse oft als ungepflegter und jähzorniger Dinosaurier dargestellt, aber heute trägt er ein frisches weißes Hemd und einen ordentlichen olivgrünen Anzug. Von dem Moment an, als wir uns treffen, hört er kaum auf, Witze zu reißen. Die letzten zwei Jahre außerhalb der Feuergrube von Westminster haben ihm gut getan. Er ist bereit, seine Sicht der Dinge zu erzählen.
Eine Warnung an mich

Im Monat vor der Wahl 2019 beschloss ich, die Zeitungsausschnitte aus Corbyns vierjähriger Amtszeit als Labour-Chef durchzugehen, um alle Schlagzeilen über ihn zu finden, die vom britischen Militär- und Geheimdienstapparat stammten. Was ich fand, schockierte mich.

Etwa 34 große nationale Berichte, in denen Corbyn als „Bedrohung“ für die britische Sicherheit angegriffen wurde, stammten von Elementen des nationalen Sicherheitsstaates. In chronologischer Reihenfolge sah das wie eine Kampagne aus – und das war nur das, was sie in der Öffentlichkeit taten. Es war wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs.

Ein Beispiel kam eine Woche nach der Wahl Corbyns zum Labour-Chef 2015. In der Sunday Times wurde ein „hochrangiger General“ zitiert, der davor warnte, dass die Streitkräfte „direkte Maßnahmen“ ergreifen würden, um eine Regierung Corbyn zu verhindern. Der anonyme General fügte hinzu: „Es würde Massenrücktritte auf allen Ebenen geben, und es bestünde die sehr reale Aussicht auf ein Ereignis, das praktisch eine Meuterei wäre.“

„Ich dachte, das sei eine Art Schuss vor den Bug, eine Warnung an mich.“

Corbyn erzählt: „Als diese Geschichte kurz nach meiner Wahl zum Parteivorsitzenden im Jahr 2015 von einem diensthabenden Militäroffizier veröffentlicht wurde, haben wir sie natürlich sofort angefochten, und sie sagten, es handele sich um ein abtrünniges Element und sie sprächen nicht für andere. Aber ich dachte, es war eine Art Schuss vor den Bug, eine Warnung an mich.“

Die Warnung, so Corbyn, richtete sich gegen seine internationale Politik, die „auf Frieden, Menschenrechten, Demokratie und fairem Handel basiert und nicht auf der sehr proamerikanischen Verteidigungs- und Außenpolitik“ des britischen Establishments.

Er fügt hinzu: „Ich wusste, dass dies zu Angriffen führen würde, und das hat es auch. Es diente auch als Warnung für viele unserer Unterstützer, mit was wir es zu tun haben, wenn wir das außenpolitische Establishment und die bis dahin gemütliche Übereinkunft zwischen den Frontabgeordneten im Parlament, dieselbe Außenpolitik zu unterstützen, herausfordern. Also… war ich schockiert? Ja. War ich überrascht? Nein.“
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Absichtlich unterminiert

Auch der MI5 und der MI6 waren an dieser offensichtlichen Kampagne beteiligt. Im September 2018 berichteten zwei anonyme hochrangige Regierungsquellen der Sunday Times, dass Corbyn vom damaligen MI5-Chef Andrew Parker zu einem „Faktengespräch“ über den Terror „vorgeladen“ worden sei. Der MI5 war wahrscheinlich an der undichten Stelle beteiligt, da in dem Artikel erwähnt wurde, worüber der Chef der Behörde Corbyn informieren wollte.

Die Reporter beriefen sich auch auf eine „Sicherheitsquelle“, die „bestätigte, dass einige der öffentlichen Äußerungen des Labour-Führers zum Terrorismus für die Sicherheitsdienste ‚beunruhigend‘ waren“.

Zwei Monate später „erfuhr“ der Daily Telegraph von einer nicht näher bezeichneten Quelle, dass Corbyn „kürzlich“ mit Alex Younger, dem damaligen Leiter des MI6, zusammengetroffen sei, bei dem ihm „die Bedeutung der Arbeit der Behörde und die Schwere der Bedrohungen, denen Großbritannien ausgesetzt ist, deutlich gemacht wurden“. Auch hier wurde Corbyn unterstellt, er sei naiv, was die Bedrohungen für das Vereinigte Königreich angeht.

Wahrscheinlich war der MI6 an der undichten Stelle beteiligt, da ein „Whitehall-Beamter“ innerhalb der Behörde „das Gefühl“ verbreitete, „dass die Zeit für Herrn Corbyn gekommen war, sich mit der Arbeitsweise des Geheimdienstes vertraut zu machen.“

„Das alles wurde dann durchsickern gelassen, um mich absichtlich zu unterminieren“.

„Es waren offensichtlich private Treffen“, sagt Corbyn. „Wir haben uns natürlich auf sie vorbereitet und sind hingegangen. Wir haben absolut niemanden über das Treffen informiert oder es an jemanden weitergegeben. Ich habe mein Büro angewiesen, dieses Treffen als absolut vertraulich zu behandeln. Und das war es auch. Es wurde von ihnen durchsickern gelassen, und zwar in einer Weise, die den Eindruck erwecken sollte, dass ich irgendwie vorgeladen und zurechtgewiesen worden sei. Das war aber überhaupt nicht der Sinn des Treffens.

Er fügt hinzu: „Das Treffen war eine Diskussion, in der verschiedene Teile der Welt und verschiedene Themen besprochen wurden, von denen keines für mich neu war und keines für mich eine Überraschung darstellte. Es ging um die Rolle von ISIS [Islamischer Staat], es ging um den Krieg in Syrien, es ging um die Zeit nach dem Irak-Krieg, um Afghanistan… Sie waren sich meiner Ansichten zu diesen Konflikten sehr wohl bewusst und wussten sehr genau, was ich gesagt hatte.“

Er fährt fort: „Sie erkannten an, dass ich eine andere Meinung vertrat als sie und die Regierung, und die Treffen waren … ziemlich offen. Waren sie aggressiv? Nein. Es war eine intelligente Diskussion. Offensichtlich wurde alles aufgezeichnet. Offensichtlich ist das alles dann durchgesickert, um mich absichtlich zu unterminieren.“
Andrew Parker, Leiter des MI5 von 2013-20, spricht in London im Oktober 2017. (Foto: Stefan Rousseau/Getty Images)
‚Eine absichtliche Botschaft‘

Es war nicht nur der britische Staat, der Corbyn unter Druck setzte. Im Juni 2019 besuchte der damalige US-Außenminister Mike Pompeo das Vereinigte Königreich und wurde bei einem privaten Gespräch aufgezeichnet: „Es könnte sein, dass Herr Corbyn es schafft, den Spießrutenlauf zu bestehen und gewählt zu werden. Das ist möglich. Sie sollten wissen, dass wir nicht darauf warten werden, dass er diese Dinge tut, um zu beginnen, zurückzuschlagen. Wir werden unser Bestes geben. Es ist zu riskant und zu wichtig und zu schwierig, wenn es erst einmal passiert ist.“

Verglichen mit der ausführlichen Berichterstattung über die angebliche russische Einmischung in das Brexit-Referendum wurden Pompeos Äußerungen in den britischen Medien kaum registriert. Ich frage Corbyn, warum das seiner Meinung nach so ist.

„Die Medien in diesem Land sind sehr zurückhaltend“, erklärt er mir. „Das britische Selbstbewusstsein, zu sagen, wir haben die besten Medien der Welt, den besten Rundfunk der Welt, die beste Demokratie der Welt. Das ist Unsinn, völliger, kompletter Unsinn. Wir haben Medien, die träge sind, die sich selbst zensieren, die D-Notices akzeptieren und sie nicht in Frage stellen, und die große Mehrheit der Mainstream-Medien hat nicht einmal einen kleinen Finger zur Unterstützung oder Verteidigung von Julian Assange gerührt.“

„Viele der sogenannten investigativen Reporter in den britischen Medien sind einfach nur erbärmlich.“

Er fügt hinzu: „Die Vorstellung, dass wir diese mutigen britischen Medien haben, die immer die Wahrheit aufdecken, ist völliger Unsinn. Selbst die liberalen, angeblich linksgerichteten Zeitungen wie der Guardian, wo sind sie bei all dem? Nirgends. Wo haben sie sich über Pompeos Äußerungen ausgelassen? Nirgends. Wir haben uns natürlich darüber aufgeregt, protestiert… Uns wurde nur gesagt, es sei ein privates Briefing… Das war es nicht. Es war eine ganz bewusste Botschaft.“

Pompeo war von 2017-18 Trumps CIA-Direktor, und das ist Corbyn nicht entgangen, der den von der CIA unterstützten Putsch anspricht, der 1973 den Präsidenten Salvador Allende und die chilenische Demokratie stürzte. „Ich habe erlebt, wie Allende gewählt wurde, ich habe erlebt, wie Allende getötet wurde, ich habe den Putsch in Chile miterlebt“, sagt er. Dies waren prägende Ereignisse in Corbyns politischer Entwicklung.

„Pompeo war mit diesen Äußerungen allerdings nicht allein“, so Corbyn weiter.

„Benjamin Netanjahu hat sich auch dazu geäußert und gesagt, dass ich nicht Premierminister werden darf. Entschuldigung, wer ist Benjamin Netanjahu, dass er entscheidet, wer britischer Premierminister werden soll? Es steht mir nicht zu, zu entscheiden, wer der israelische Premierminister sein sollte…wer ist er also, dass er solche Kommentare abgibt? Und wieder haben die britischen Medien es einfach aufgeschnappt… Offen gesagt, viele der sogenannten investigativen Reporter in den britischen Medien sind einfach nur erbärmlich.“

Im November 2019, einen Monat vor der Wahl, hatte der Daily Telegraph ein „exklusives“ Interview mit Netanjahu veröffentlicht, in dem er sagte: „Israel könnte seine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich einstellen, wenn Jeremy Corbyn Premierminister wird“.
Der damalige US-Außenminister Mike Pompeo spricht im Mai 2018 vor Reportern in New York City. (Foto: US-Außenministerium)
‚Ein Werkzeug des britischen Establishments‘

Der Guardian gilt seit langem als Sprachrohr der liberalen Linken in Großbritannien. Daher war es für viele überraschend, dass er während der Amtszeit von Corbyn als eines der wichtigsten Medien fungierte, über die die Kampagne zu seinem Sturz geführt wurde.

Die Zeitung spielte eine Schlüsselrolle in der „Antisemitismus-Krise“, die Corbyns Amtszeit überschattete. Von 2016 bis 19 veröffentlichte der Guardian 1.215 Artikel, in denen Labour und Antisemitismus erwähnt wurden, im Durchschnitt etwa einen pro Tag, wie eine Suche auf Factiva, der Datenbank für Zeitungsartikel, ergab.

Im gleichen Zeitraum veröffentlichte der Guardian nur 194 Artikel, in denen das viel ernstere Problem der Konservativen Partei mit Islamophobie erwähnt wurde. Eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2019 ergab beispielsweise, dass fast die Hälfte der Tory-Parteimitglieder lieber keinen muslimischen Premierminister hätte.

Die Berichterstattung des Guardian über Antisemitismus in der Labour-Partei war im Vergleich zum bekannten Ausmaß des Problems in der Partei verdächtig umfangreich, und die Fokussierung auf Corbyn persönlich ließ vermuten, dass das Thema politisch instrumentalisiert wurde.

Der verstorbene jüdische Anthropologe David Graeber kommentierte nach der Wahl 2019: „Was den Guardian betrifft, so werden wir nie vergessen, dass er während der ‚Labour-Antisemitismus-Kontroverse‘ sogar die Daily Mail übertraf und den größten Prozentsatz an Falschaussagen enthielt, von denen so ziemlich jede auf mysteriöse Weise ein versehentlicher Fehler zu Ungunsten von Labour war.“

„Ich habe absolut keine Illusionen in den Guardian, überhaupt keine“, sagt Corbyn. „Meine Mutter hat mich dazu erzogen, den Guardian zu lesen. Sie sagte: ‚Das ist eine gute Zeitung, der man vertrauen kann‘. Das kann man nicht. Nachdem sie mich so behandelt haben, traue ich dem Guardian nicht mehr.

„Ich habe absolut keine Illusionen in den Guardian, überhaupt keine.“

Er fährt fort: „Es gibt gute Leute, die im Guardian arbeiten, es gibt einige brillante Autoren im Guardian, aber als Zeitung ist er ein Werkzeug des britischen Establishments. Es ist eine Mainstream-Zeitung des Establishments. Solange alle Linken sich darüber im Klaren sind, dass sie mit dem Kauf des Guardian eine Zeitung des Establishments kaufen, ist das kein Problem.

Corbyn sagt, er habe die Büros des Guardian während des Wahlkampfes 2015 besucht, um sich mit den Journalisten zu treffen. Eines davon war ein Treffen mit allen Mitarbeitern, ein anderes mit der Kernredaktion.

„Das Treffen mit der gesamten Belegschaft war gut“, sagt er. „Es waren viele junge Leute da, es war interessant, es war lustig, es war schräg, sehr angenehm, ich wurde sehr gut aufgenommen. Und sie fragten: ‚OK, was willst du dem Vorsitzenden der Labour Party sagen? Und ich habe Anti-Austeritätspolitik und soziale Gerechtigkeit dargelegt… Einige der Fragen waren ziemlich hart. Gut, das ist in Ordnung. Es war sehr respektvoll, es war ein sehr nettes Treffen. Dann hatten wir ein Treffen mit dem Redaktionsteam.“

Er hält inne. „Etwas anders“, fügt er hinzu und zieht die Augenbrauen hoch. „Es war, als würde ich gewarnt; als würde ich von diesem Team von eigentlich unglaublich selbstgefälligen Leuten gewarnt“.

Er fährt fort: „War ich also überrascht? Nein. Und seitdem muss ich mit dem Verhalten des Guardian leben. Aber der Guardian ist in einer einzigartigen Position, denn er ist die Zeitung, die von den Mitgliedern der Labour-Partei am meisten gelesen wird und die für die Meinungsbildung in der Mitte und auf der linken Seite der britischen Politik am wichtigsten ist. Und sie sind sich dessen sehr wohl bewusst, weshalb ich denke, dass eine Analyse des Umgangs des Guardian mit der Zeit, in der ich Parteivorsitzender war, vorgenommen werden muss, denn sie und die BBC hatten mehr nicht belegte Berichte über antisemitische Vorwürfe gegen mich als jede andere Zeitung, einschließlich der Mail, des Telegraph und der Sun.“
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Was ist sein Verbrechen?

Ein weiterer unrühmlicher Teil der jüngsten Geschichte des Guardian ist die Behandlung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange, der einst mit der Zeitung zusammengearbeitet hat. Als Assange vom Vereinigten Königreich willkürlich in der ecuadorianischen Botschaft in London festgehalten wurde, wurde der Guardian zu einem wichtigen Medienorgan, über das seine verschiedenen Feinde den Informationskrieg gegen ihn führten.

Eine offensichtliche Minikampagne, die Assange mit Russland in Verbindung bringen sollte, lief sechs Monate lang bis November 2018 und gipfelte in einer auf anonyme Quellen gestützten Schlagzeile auf der Titelseite, in der behauptet wurde, dass Assange in der Botschaft drei geheime Treffen mit Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager Paul Manafort hatte.

Inzwischen ist weithin anerkannt, dass die Manafort-Geschichte falsch war, und der Guardian bezieht sich in Artikeln zu diesem Thema nicht mehr darauf, obwohl die Zeitung sie nie zurückgezogen hat.

„Nelson Mandela wurde nach dem Hochverratsprozess von 1964 in Rivonia zu lebenslanger Haft verurteilt“, sagt Corbyn, als ich ihn nach Assange frage. „Während der gesamten sechziger und siebziger Jahre und noch viel später, sogar in den achtziger Jahren, war Nelson Mandela eine einsame Figur, die von einigen wenigen Menschen in Afrika und in der ganzen Welt unterstützt wurde. Er war keineswegs eine populäre, ikonische Figur. Erst später wurde er zur Ikone im Kampf gegen die Apartheid.

„Und als er freigelassen wurde und ins britische Parlament kam, gab es einige erstaunliche Reden von Leuten, die offensichtlich unglaublich aktiv in der Apartheidbewegung gewesen waren. Aber irgendwie hatte ich ihre Teilnahme an all den Anti-Apartheid-Aktivitäten vermisst, an denen ich teilgenommen hatte.“ Er lächelt und fügt dann mit der für ihn typischen Ironie hinzu: „Sie wissen ja, wie es läuft, das ist schon in Ordnung.“

„Julian Assange, was ist sein Verbrechen?“ fragt Corbyn und fügt dann noch einmal mit Nachdruck hinzu: „Was ist sein Verbrechen?“

„Eines Tages habe ich Interviews für etwa 15 Medien in der ganzen Welt gegeben. Wo waren die Briten? Keine.“

Um seine eigene Frage zu beantworten, fährt er fort: „Assange hat es geschafft, Informationen über die Aktivitäten der USA, die Außenpolitik der USA, ihre illegalen Aktivitäten in Afghanistan, im Irak, in Guantanamo Bay und vieles mehr zu sammeln. In der großen Tradition eines Journalisten, der niemals seine Quellen preisgibt, sehr wichtig, und er wurde deswegen verfolgt und suchte schließlich, wie wir wissen, Asyl in der ecuadorianischen Botschaft, konnte aber nicht mehr herauskommen.“

Er fügt hinzu: „Dann entdecken wir, dass er die ganze Zeit in der ecuadorianischen Botschaft … von einer scheinbar unabhängigen Sicherheitsfirma überwacht wurde, die aber in Wirklichkeit für die Amerikaner arbeitete.“

Anfang 2021 enthüllte El Pais, dass die spanische Firma, die für die Sicherheit der ecuadorianischen Botschaft in London zuständig ist, Audio- und Videoaufnahmen von Assanges privaten Treffen mit der CIA weitergegeben hatte. Darunter waren auch vertrauliche Gespräche mit seinen Anwälten.

Später im Jahr zeigten neue Enthüllungen, dass ein Reporter des Guardian wusste, dass die Firma, die Assange schützen sollte, ihn in Wirklichkeit ausspionierte. Anstatt Assange zu warnen, forderte der Guardian-Journalist Abschriften seiner illegal aufgezeichneten Privatgespräche an.

Assange „wurde anfangs vom Guardian willkommen geheißen“, so Corbyn, und fügte hinzu, dass die Zeitung „all sein Material veröffentlichte und ihn dann fallen ließ und weiterhin fallen lässt“.

Corbyn sagte, er habe in den letzten Monaten an vielen Demonstrationen vor den Gerichten in Großbritannien teilgenommen, um auf Assanges Auslieferungsverfahren aufmerksam zu machen. „Es gibt dort eine große Anzahl von Medienvertretern aus der ganzen Welt“, sagt er.

„An einem Tag habe ich Interviews für etwa 15 Medien aus der ganzen Welt gegeben. Wo waren die Briten? Keine. Kein einziges, abgesehen von den sozialen Medien. Was ist also mit den britischen Medien los, dass sie nicht in der Lage sind, die größte Geschichte über die Freiheit des Wissens in der Welt heute vor ihrer eigenen Haustür zu bringen? Er fügt hinzu: „Das sagt alles über die dumpfe Natur der Mainstream-Medien in Großbritannien.“

Julian Assange befindet sich seit fast 1.200 Tagen im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London. „Er ist für nichts verurteilt worden“, sagt Corbyn. „Es gibt keine ungesühnte Verurteilung, für die er im Gefängnis sitzen muss. Und Belmarsh – ich habe in der Vergangenheit Gefangene besucht – ist ein schrecklicher, schrecklicher Ort, und er ist dort mit all den Gefahren für seine Gesundheit, die damit verbunden sind.“

Am Freitag genehmigte Innenministerin Priti Patel die Auslieferung von Assange an die USA, wo er wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt werden soll.
Jeremy Corbyn spricht vor einer Auslieferungsanhörung vor dem Westminster Magistrates Court in London im April 2022 zu Anhängern von Julian Assange. (Foto: Chris J Ratcliffe/Getty Images)
Ich hatte ihn noch nie getroffen

Eine Person, die in dem langwierigen Fall Assange eine Rolle spielte, ist Corbyns Nachfolger als Labour-Chef, Sir Keir Starmer.

Starmer war von 2008 bis 2013 Leiter der Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service, CPS), die sich um die geplante Auslieferung Assanges nach Schweden kümmerte, um ihn dort zu den Vorwürfen der sexuellen Nötigung zu befragen.

Der CPS hat zugegeben, dass er wichtige E-Mails im Zusammenhang mit dem Fall Assange vernichtet hat, die größtenteils aus der Zeit stammen, in der Starmer Direktor war. Ein CPS-Anwalt, der unter Starmer arbeitete, riet den schwedischen Behörden außerdem, 2010 oder 2011 nicht nach London zu reisen, um Assange zu befragen. Eine Befragung im Vereinigten Königreich zu dieser Zeit hätte das lang anhaltende Patt in der Botschaft verhindern können.

Starmer trat als Corbyns Schattenminister für Einwanderung während des „Hühnerputsches“ von 2016 gegen Corbyns Führung zurück. In seinem Rücktrittsschreiben verwies Starmer auf die „Notwendigkeit einer viel lauteren Stimme bei kritischen Themen“ und äußerte „Vorbehalte“ gegenüber Corbyns Führung.

Nachdem der Putsch gescheitert war und Corbyn mit einem Erdrutschsieg wiedergewählt wurde, wurde Starmer nicht nur in das Schattenkabinett berufen, sondern erhielt auch einen der höchsten Posten darin.

Corbyn sagte mir: „Ich habe Keir Starmer in das Schattenkabinett für den Brexit berufen… wegen seiner juristischen Kenntnisse und Fähigkeiten und weil es wichtig war, der parlamentarischen Labour Party zu sagen: ‚Seht her, ich verstehe die Zusammensetzung der PLP. Deshalb habe ich dieses breite und vielfältige Schattenkabinett ernannt.‘ War es dadurch einfach zu managen? Nein. Gab es viele Debatten im Schattenkabinett? Natürlich gab es die. Ich habe diese Debatten nicht unterbunden, ich habe sie gefördert.

Er fügt hinzu: „Aber ich muss sagen, als wir diese sehr schwierige Position in Bezug auf den Brexit entwickelten, wo wir eine 60:40-Spaltung der Parteianhänger hatten, die für den Verbleib oder den Austritt stimmten, waren wir der Ansicht, dass wir die Menschen irgendwie zusammenbringen mussten. Ich habe versucht, die Menschen mit der sozialen und wirtschaftlichen Botschaft zu vereinen, die da lautet: ‚Wenn du arm bist und es dir schlecht geht, egal wie du gestimmt hast, dann brauchst du eine Labour-Regierung, die den Reichtum und die Macht umverteilt.'“

Corbyn gibt zu, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht viel über seinen neu ernannten Schattenminister für den Brexit wusste.

„Stand ich Keir Starmer nahe? Nein, ich hatte ihn nie getroffen, bevor er Mitglied des Parlaments wurde. Natürlich wusste ich, wer er war, er war ein benachbarter Abgeordneter. Hatten wir viel Kontakt? Nein, eigentlich nicht. Und unsere Gespräche, als er im Schattenkabinett war, drehten sich größtenteils um die Feinheiten des Brexit, die verschiedenen Abkommen und die vielen Treffen, die wir in Brüssel mit den dortigen Beamten hatten… Abgesehen von gelegentlichen Gesprächen über den Fußballclub Arsenal war das alles.“

Corbyn fährt fort: „Wusste ich alles über seine Vergangenheit? Nein, nicht wirklich. Hätte ich es wissen müssen? Ja. Aber es gibt so viele Dinge, die man wissen könnte und sollte, die man aber nicht weiß.“

Corbyn fügt hinzu: „Mir ist aufgefallen, dass er, als er für die Wahl zum Parteivorsitzenden kandidiert hat, sehr klar gesagt hat, dass er das Manifest für 2019 und dessen Inhalt akzeptiert und dort seine zehn Punkte dargelegt hat. Diese scheinen nun, sagen wir, geparkt worden zu sein.“
Labour-Chef Sir Keir Starmer spricht im April 2020 im Unterhaus. (Foto: Jessica Taylor/UK Parlament)
Die Linke im Visier

Starmers berühmt-berüchtigte 10 Versprechen versprachen, dass seine Führung der Labour-Partei praktisch eine Fortsetzung des Corbynismus ohne Corbyn sein würde. Er versprach, eine Steuererhöhung für die obersten 5 % der Einkommensbezieher zu unterstützen, Bahn, Post, Energie und Wasser zu verstaatlichen und die Partei zu vereinen.

Aber das Markenzeichen von Starmers Führung war bisher tatsächlich sein Bemühen, die Linke anzugreifen. Corbyn, das Symbol des Wiederaufstiegs der Linken, wurde direkt angegriffen. Im Oktober 2020 wurde er von der Labour Party suspendiert, angeblich wegen seiner Reaktion auf den Bericht der Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission (EHRC) über Antisemitismus in der Partei.

In Corbyns Erklärung hieß es, Antisemitismus sei „absolut abscheulich“ und „ein Antisemit ist einer zu viel“ in der Partei. Er fügte hinzu: „Das Ausmaß des Problems wurde auch aus politischen Gründen von unseren Gegnern innerhalb und außerhalb der Partei sowie von einem Großteil der Medien dramatisch überbewertet.“

Für jeden, der die Ereignisse der letzten fünf Jahre verfolgt hat, war dies eine offensichtliche Feststellung. Die Aussage war auch wichtig, um die realen Ängste in der jüdischen Gemeinschaft über das Ausmaß des Antisemitismus in der Labour Party zu beschwichtigen. Doch Starmer sah das anders.

„Die Antwort auf den EHRC-Bericht, die ich gegeben habe und die ich für vernünftig und ausgewogen hielt, wurde mit der sofortigen Suspendierung meiner Mitgliedschaft beantwortet, wovon die Medien vor mir erfuhren“, erzählt Corbyn.

„Das erste Mal, dass ich davon hörte, war, als mich ein Journalist auf der Straße anhielt, als ich das Brickworks Community Centre in der Nähe von hier verließ, dessen Treuhänder ich bin, und mir gesagt wurde, dass meine Mitgliedschaft suspendiert worden sei. Ich sagte: „Was?“ Er sagte: „Nein, Sie wurden suspendiert. Und ich sagte: ‚Nein, nein, wovon reden Sie?'“

„Das Ausmaß des Problems wurde von unseren Gegnern aus politischen Gründen dramatisch überzeichnet.“

Corbyn hält inne. „Es war wahr. Wie auch immer, ich habe natürlich dagegen Berufung eingelegt und diese Berufung gewonnen, einstimmig, wiedereingesetzt, einstimmig, unterstützt von [dem Nationalen Exekutivausschuss der Labour Party], einstimmig, und dann wurde meine Mitgliedschaft in der parlamentarischen Partei suspendiert. Und es wurde kein Verfahren gegen mich von der Fraktion eingeleitet.

Das Fehlen eines ordentlichen Verfahrens verärgert Corbyn, der die parlamentarischen und parteipolitischen Verfahren sehr ernst nimmt. „Das macht meine Wähler sehr wütend. Sie sagen: ‚Sieh mal, Jeremy, wir haben für dich als unseren Labour-Abgeordneten gestimmt, also warum? Wir haben Vertrauen in dich, wir haben kein Problem mit dir. Wir glauben nicht, dass du irgendetwas falsch gemacht hast, und wir begrüßen deine Arbeit als unser lokaler Abgeordneter.‘ Und ich bin sehr stolz darauf, die Menschen in dieser Gemeinde zu vertreten.“

Corbyn sitzt nun als unabhängiger Abgeordneter für seinen Wahlkreis Islington North, den er seit 39 Jahren vertritt.

Er hat sich bisher nicht öffentlich gegen seine Behandlung ausgesprochen. „War ich wütend darüber? Ja, natürlich. Aber ich habe in der Politik immer versucht, mich von persönlichen Angriffen fernzuhalten“, sagt er. „Es ist sehr verlockend, aber… Politiker, die sich gegenseitig angreifen und beschimpfen, bringen niemanden weiter. Es bringt kein Brot auf den Tisch. Deshalb ist es wichtig, dass wir eine Kampagne mit politischen Punkten und politischen Prinzipien führen.

Corbyn ist in unserem Gespräch ungewöhnlich offen und greift nur auf eine Standardantwort zurück, als ich ihn frage, ob er als Unabhängiger kandidieren wird, wenn Labour ihm nicht den Fraktionsvorsitz zurückgibt. „Ich konzentriere mich im Moment darauf, den Fraktionsvorsitz zurückzubekommen“, sagt er schlicht.
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Die größte Rebellion aller Zeiten“: Saudi-Arabien

Während die britischen Medien in diesem Jahr auf den Einmarsch Russlands in der Ukraine fixiert waren, haben sie den von Saudi-Arabien geführten Krieg im Jemen, der 2015 begann und die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt ausgelöst hat, weitgehend ignoriert. Millionen von Kindern stehen am Rande des Hungertodes.

Die saudische Kriegsmaschinerie wird von den Briten entscheidend unterstützt, und zwar in Form von Waffenlieferungen in Milliardenhöhe, aber auch durch weitreichende logistische Unterstützung. Das Vereinigte Königreich hat seit 1964 10 hochrangige Soldaten in den saudischen Streitkräften stationiert, während drei britische Mitarbeiter ständig in der saudischen Lufteinsatzzentrale sitzen.

Die Unterstützung der wahhabitischen Diktatur in Riad ist seit langem ein fester Bestandteil der britischen Außenpolitik, der von allen Parteien unterstützt wird. Ich frage Corbyn, warum es diesen parteiübergreifenden Konsens für eine so eindeutig unhaltbare Politik gibt?

„Saudi-Arabien und Großbritannien haben eine sehr enge wirtschaftliche, politische und militärische Beziehung“, erklärt Corbyn mir. „Das ist nicht neu. Es geht bis zur Gründung Saudi-Arabiens zurück, das ursprünglich eine britische Erfindung war.“

Er fügt hinzu: „Man muss die Geschichte des gesamten Nahen Ostens lesen, um den böswilligen Einfluss der britischen Kolonialpolitik auf die gesamte Region zu erkennen. Das ist gut dokumentiert, muss aber besser verstanden werden… Eine meiner Leidenschaften ist es, den Geschichtsunterricht in unserem gesamten Bildungssystem zu verbessern, um die Brutalität des Kolonialismus und Imperialismus zu verstehen.“

Saudi-Arabien ist der Empfänger von rund 40 % aller britischen Waffenexporte. Der größte Auftragnehmer ist das britische Unternehmen BAE Systems, das seit Beginn des Jemen-Kriegs Waffen im Wert von mindestens 17,6 Milliarden Pfund an die Saudis verkauft hat. Die von Großbritannien unterstützte saudische Luftkampagne im Jemen war regelmäßig mit Kriegsverbrechen verbunden, darunter die Bombardierung von Schulen und Krankenhäusern.

Corbyns Labour-Partei drohte jedoch zum ersten Mal damit, diese gemütliche „besondere Beziehung“ zwischen Großbritannien und Saudi-Arabien zu stören.

„Ich traf auf ein außerordentliches Maß an Lobbyarbeit und Widerstand von Labour-Abgeordneten.“

„Ich habe darauf gedrängt, dass wir als Partei eine Erklärung abgeben, dass wir jeglichen Waffenhandel mit Saudi-Arabien einstellen werden“, erzählt Corbyn und fügt hinzu, dass er auch „interveniert hat, um sicherzustellen, dass die saudische Delegation nicht als Beobachter auf dem Labour-Parteitag willkommen geheißen wird. Viele Leute haben sich dagegen gewehrt, und ich habe gesagt: ‚Nein, solange sie den Jemen bombardieren und wir gegen Waffenverkäufe an Saudi-Arabien sind, bleibt das so.

Corbyn sagt, er habe daraufhin einen parlamentarischen Antrag auf Aussetzung der Waffenverkäufe an Saudi-Arabien gestellt. „Ich traf auf ein außerordentliches Maß an Lobbyarbeit und Widerstand von Labour-Abgeordneten, die sagten: ‚Das schadet den Arbeitsplätzen, es schadet großen britischen Unternehmen, British Aerospace und anderen, und Sie können das nicht durchziehen, das wird in unseren Gemeinden und Wahlkreisen Bestürzung und Schaden verursachen‘.

Ich sagte: „Ich verstehe die Auswirkungen auf die Beschäftigung über einen langen Zeitraum hinweg, aber wenn wir es mit den Menschenrechten ernst meinen, und das tun wir – und Sie alle tun es offenbar – dann muss dies die Politik sein: Wir setzen die Waffenverkäufe aus und wir schützen diese Arbeitsplätze, um diese Industrien in etwas anderes umzuwandeln.“

Im Oktober 2016 brachte Corbyn diese Abstimmung ins Unterhaus ein und forderte die Einstellung der britischen Unterstützung für die saudische Kriegsmaschinerie. Einhundert Labour-Abgeordnete stimmten dagegen oder enthielten sich der Stimme.

„Es war die größte Rebellion gegen meine Zeit als Parteivorsitzender“, sagt Corbyn. „Ich war entsetzt, traurig und enttäuscht darüber. Und es zeigt, wie tief der Druck des Waffenhandels ist… die treibende Kraft der Außenpolitik wird oft von den Interessen derjenigen angetrieben, die Waffen exportieren.“

Er fügt hinzu: „Schauen Sie sich an, wer die Think Tanks finanziert. Schauen Sie sich an, wer die Seminare organisiert. Schauen Sie sich an, wer die Artikel in den Zeitungen platziert, in denen es heißt: ‚Hier baut sich eine große Spannung auf’… Wir alle verstehen das. Wie löst man diese Spannungen, wirft man Waffen dagegen? Fängt man irgendwo einen neuen Krieg an … wohl wissend, dass all das Geld, das ein Land für diese Waffen ausgibt, nicht für Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen oder die Ernährung der Menschen verwendet wird.“

Die drei einflussreichsten außenpolitischen Denkfabriken in Großbritannien – RUSI, Chatham House und IISS – werden alle von einer Reihe der größten Rüstungsunternehmen der Welt finanziert.

„Die Macht der Waffenlobby ist in diesem Land absolut gewaltig“, sagt Corbyn, bevor er fragt: „Warum lassen wir nicht die Rhetorik sinken, den Frieden aufblühen und beginnen, Friedensinitiativen und Friedensprozesse zu unterstützen? Alle Kriege enden mit einer Konferenz. Alle Kriege enden mit einer Art von Abkommen. Warum lassen wir nicht die mittlere Phase aus und gehen bis zum Ende?“
Medizinische Teams tragen Leichensäcke mit den Leichen der 70 Menschen, die bei einem saudischen Luftangriff auf ein Gefängnis in Saada, im Nordwesten des Jemen, am 25. Januar 2022 getötet wurden. (Foto: AFP via Getty Images)
Labour Friends of Israel

Ein weiterer Bruch mit dem überparteilichen Konsens in der britischen Außenpolitik unter Corbyn war seine Haltung zu Israel.

Israel verstößt immer wieder gegen internationale Menschenrechtsgesetze und wird sowohl von den führenden Menschenrechtsgruppen der USA als auch des Vereinigten Königreichs, Human Rights Watch und Amnesty International, als Apartheid gegen die Palästinenser eingestuft. Auch die führende israelische Gruppe B’Tselem ist zu demselben Schluss gekommen.

Wie bei Saudi-Arabien ist die britische Unterstützung für Israel umfangreich und vielschichtig und umfasst auch die Unterstützung der Kampfhandlungen gegen die Palästinenser. In beiden Wahlprogrammen von Corbyn wurde jedoch dazu aufgerufen, die britischen Waffenlieferungen an Israel zu stoppen, die zur Verletzung der Menschenrechte der palästinensischen Zivilbevölkerung eingesetzt werden.

„Sie waren der erste pro-palästinensische Vorsitzende einer großen Partei seit langem, was umstritten war“, sage ich ihm.

„Ich glaube, wahrscheinlich der erste“, schießt Corbyn zurück.

Ich hatte gedacht, dass vielleicht Michael Foot, der letzte linke Vorsitzende der Labour-Partei von 1980-83, für die palästinensischen Menschenrechte eingetreten sei.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass Michael Foot sich jemals dazu geäußert hat“, stellt Corbyn klar und fährt fort: „Ich unterstütze das palästinensische Volk und die Beendigung der Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlandes. Und was wir in unseren Manifesten hatten, war die volle Anerkennung eines unabhängigen Staates Palästina.“

Doch Corbyns Position – die mit der erklärten Haltung der britischen Regierung übereinstimmt – löste eine heftige Gegenreaktion von Gruppen in Großbritannien aus, die sich für Israel einsetzen. Eine von ihnen war Labour Friends of Israel (LFI), eine parlamentarische Gruppe, die nach eigenen Angaben „für eine verhandelte Zweistaatenlösung für zwei Völker kämpft“.

Ich frage Corbyn, ob es einer nominell fortschrittlichen politischen Partei angemessen ist, eine Lobbygruppe innerhalb der Partei zu haben, die einen Apartheidstaat vertritt?

„Hätte die Partei wegen ihres Verhaltens härtere Maßnahmen gegen die Labour Friends of Israel ergreifen sollen? Ja.“

„Ich habe nichts dagegen, dass es innerhalb der Partei Freunde bestimmter Länder oder Orte auf der ganzen Welt gibt, ich denke, das ist ein fairer Teil des Mosaiks der demokratischen Politik“, sagt er. „Worüber ich mir Sorgen mache, ist die Finanzierung, die damit einhergeht – und die anscheinend sehr großzügige Finanzierung, die die Labour Friends of Israel von der israelischen Regierung erhalten, wie ich annehme.

LFI legt ihre Geldgeber nicht offen, aber eine Undercover-Dokumentation von Al-Jazeera aus dem Jahr 2017 zeigte, dass sie der israelischen Botschaft in London sehr nahe steht.

In einem Undercover-Film, der auf der Labour-Konferenz 2016 aufgenommen wurde, ist die damalige LFI-Vorsitzende und Labour-Abgeordnete Joan Ryan im Gespräch mit Shai Masot, einem israelischen Diplomaten der Botschaft, zu sehen. Sie fragt ihn: „Was ist mit den Namen passiert, die wir in der [israelischen] Botschaft angegeben haben, Shai?“

Masot antwortet: „Gerade haben wir das Geld bekommen, es ist mehr als eine Million Pfund, das ist eine Menge Geld.“

In einem weiteren Gespräch, das diesmal vor einem Londoner Pub gefilmt wurde, gibt Michael Rubin, damals parlamentarischer Beauftragter der LFI, zu, dass die LFI und die israelische Botschaft „sehr eng zusammenarbeiten, aber vieles davon findet hinter den Kulissen statt“. Er fügt hinzu, dass „die [israelische] Botschaft uns ziemlich viel hilft. Wenn schlechte Geschichten über Israel veröffentlicht werden, schickt uns die Botschaft Informationen, damit wir dagegen vorgehen können“.

Derzeit sind 75 Labour-Abgeordnete – weit mehr als ein Drittel aller Abgeordneten – „Unterstützer“ oder „Funktionäre“ der LFI, darunter Keir Starmer und fast alle seine hochrangigen Schattenminister. Weitere 38 Labour-Lords haben sich ebenfalls angeschlossen. Letzten Monat war der Schattengesundheitsminister Wes Streeting mit der LFI in Israel.

Ich frage Corbyn, warum die Labour-Partei keine Maßnahmen ergriffen hat, als die Al-Jazeera-Enthüllungen ausgestrahlt wurden.

„Wir haben tatsächlich gegen den Inhalt der Enthüllungen in der Al-Jazeera-Dokumentation protestiert“, sagt Corbyn zu mir. „Hätte die Partei härtere Maßnahmen gegen die Labour Friends of Israel wegen ihres Verhaltens ergreifen sollen? Ja. Vergessen Sie nicht, dass dies zu einer Zeit geschah, als mich viele hochrangige Funktionäre der Labour Party aktiv untergruben“.

Er fährt fort: „Haben wir das unterschätzt, bevor ich Vorsitzender wurde? Ja, das haben wir.“
Die israelische Botschafterin in Großbritannien, Tzipi Hotovely, spricht beim jährlichen Mittagessen der Labour Friends of Israel im November 2021. (Foto: LFI)
Antisemitismus-Krise

Inwieweit glaubt Corbyn, dass die Antisemitismuskrise, die ihn überrollt hat, auf seine pro-palästinensische politische Position zurückzuführen ist?

„Das ist größtenteils der Fall“, sagt er mir. „Ich habe mein Leben damit verbracht, Rassismus in jeder Form und an jedem Ort zu bekämpfen. Meine Eltern verbrachten ihre prägenden Jahre damit, den Aufstieg des Nazismus in Großbritannien zu bekämpfen, und das ist es, womit ich aufgewachsen bin. Und als in den 1970er Jahren die Nationale Front in Großbritannien auf dem Vormarsch war, gehörte ich zu den Organisatoren der großen Demonstration in Wood Green, mit der versucht wurde, den Durchmarsch der Nationalen Front zu verhindern.“

„Und auf die eine oder andere Weise wurde ich beschuldigt, antisemitisch zu sein“, so Corbyn weiter. „Die Anschuldigungen gegen mich waren schmutzig, unehrlich und absolut widerlich und entsetzlich von Leuten, die es besser wissen sollten und es auch besser wissen. Menschen, die mich seit 40 Jahren kennen, haben sich nicht ein einziges Mal über irgendetwas beschwert, was ich jemals in Bezug auf Antirassismus gesagt oder getan habe, bis ich Vorsitzender der Labour Party wurde. Interessanter Zufall des Zeitpunkts. Widerwärtige Anschuldigungen, die wir natürlich jederzeit zu entkräften versuchten.

„Und ich werde für immer dankbar sein für die Unterstützung durch jüdische Sozialisten, die vielen jüdischen Mitglieder der Labour Party im ganzen Land und natürlich die lokale jüdische Gemeinde in meinem Wahlkreis.“

Zu den Anschuldigungen gegen ihn fügt er hinzu: „Es war persönlich, es war abscheulich, es war widerlich, und es bleibt so.“

Was Corbyn widerfuhr, war ein extremes Beispiel für eine bewährte Taktik, die von Pro-Israel-Gruppen auf der ganzen Welt angewandt wird: der Versuch, Kritiker der israelischen Politik als antisemitisch zu verleumden. Der US-Senator Bernie Sanders, die Schriftstellerin Sally Rooney und die Eiscremefirma Ben & Jerry’s sind allesamt Beispiele aus jüngster Zeit.

„Die Taktik besteht darin, zu sagen, dass jemand von Natur aus antisemitisch ist, und das bleibt haften, und dann wird es von den Medien nachgeplappert und die ganze Zeit wiederholt“, sagt Corbyn.

„Dann erscheinen die Beschimpfungen in den sozialen Medien, die beleidigenden Briefe, die beleidigenden Anrufe und all das. Und das ist sehr schrecklich und sehr böse und dient dazu, sich zu isolieren und alle Energie darauf zu verwenden, diese abscheulichen Anschuldigungen zu widerlegen, was wir natürlich getan haben. Aber es lenkt von der grundlegenden Botschaft über Frieden, über Gerechtigkeit, über soziale Gerechtigkeit, über Wirtschaft und all das ab.“

Die Strategie der Konservativen für die Wahl 2019 schien darin zu bestehen, Labour daran zu hindern, mit ihrer Politik in Schwung zu kommen, indem sie sich in Antisemitismusvorwürfen verstrickten, während sie gleichzeitig wie besessen die Botschaft „Get Brexit Done“ verkündeten. Das hat funktioniert.

Corbyn wurde von den Medien immer als radikaler Ausreißer im britischen Parlament dargestellt, der im Widerspruch zu dessen Traditionen und Geschichte steht. In gewisser Weise stimmt das auch – seine Politik als Parteivorsitzender stellt Frieden und Gerechtigkeit über die Interessen des Establishments – aber Corbyn ist auch ein sehr traditioneller englischer Radikaler.

Er glaubt leidenschaftlich an das parlamentarische System und ist ein Verfechter seiner verschiedenen Mechanismen – Ausschüsse, Tagesanträge, parlamentarische Anfragen. Er neigt dazu, sich über die Feinheiten des parlamentarischen Verfahrens auszulassen, und seine Überraschung, wenn es nicht immer so funktioniert, wie es sollte, hat sogar einen Beigeschmack von Naivität. In dieser Hinsicht ist er seinem Helden Salvador Allende ähnlich.

Aber Corbyn ist vor allem ein engagierter Abgeordneter seines Wahlkreises. Auf dem Weg nach draußen frage ich ihn, ob er am Wochenende zum letzten Arsenal-Spiel der Saison gehen wird. „Ja“, sagt er und sieht plötzlich sehr ernst aus. „Ich gehe früher hin, um mich mit dem Stadionmanager zu treffen, weil sich einige Bewohner der Wohnungen, in denen die Busse der Auswärtsfans parken, über die Abgase beschweren, die sie stören. Wir werden versuchen, eine Lösung zu finden.“

Umgeben von dem politischen Zirkus macht er das, was er am besten kann: seine Gemeinde vertreten. Aber da die Linke von Frankreich bis Kolumbien auf dem Vormarsch ist, könnte es sein, dass der letzte Akt von Corbyns unwahrscheinlichem Aufstieg an die Spitze der britischen Politik noch nicht geschrieben ist.

Einmal mache ich den Fehler, zu sagen, er sei ein historisches Problem für das britische Establishment. „Warum sprechen Sie in der Vergangenheitsform?“, unterbrach er mich schnell. Ich glaube, es war ein Scherz, aber vielleicht auch nicht.
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ÜBER DEN AUTOR

Matt Kennard ist Chefermittler bei Declassified UK. Er war Stipendiat und später Direktor des Centre for Investigative Journalism in London. Folgen Sie ihm auf Twitter @kennardmatt
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  1. Dezember 2017 um 14:26 Uhr | Verantwortlich: Jens Berger

Jeremy Corbyns Rede im Dezember 2017 in Genf

Eine andere Welt ist möglich“ – so könnte man die glorreiche Rede betiteln, die Jeremy Corbyns zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember in Genf gehalten hat. Darin wirbt Corbyn für nicht weniger als eine neue Weltordnung, die auf internationaler Solidarität basiert. Das originale englischsprachige Transkript können Sie im „Monthly Review“ nachlesen. Josefa Zimmermann war so nett, die Rede für die Leser der NachDenkSeiten ins Deutsche zu übertragen.   Nachfolgend noch einige Verbesserungen von mir in Rot, darunter das Englischen Original.

Vielen Dank für die Einführung, Paul.

Mein besonderer Dank gilt dem Forschungsinstitut der Vereinten Nationen für Soziale Entwicklung.

Ihre Arbeit bildet eine wichtige Plattform für die Stimmen der marginalisierten Gruppen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen um die Politik herauszufordern und sich für gesellschaftliche Veränderungen stark machen.

Ich begrüße es sehr, wenn auf meine Partei, die Labor Party, und auf die Parteiführung Druck ausgeübt wird, soziale Gerechtigkeit immer wieder in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen.

Ich bedanke mich für die Einladung, hier an diesem historischen Ort, dem Palast der Nationen in Genf, zu sprechen, in einer Stadt, die seit der Zeit Rousseaus immer ein Ort der Zuflucht und er und der Philosophie war. Vor dem Zweiten Weltkrieg war hier das Hauptquartier des glücklosen Völkerbundes, heute sind die Vereinten Nationen hier untergebracht.

Es ist auch deshalb ein besonderes Privileg, hier zu sprechen, weil unser Parteiprogramm ein Bekenntnis zur Unterstützung der Vereinten Nationen enthält, ein Bekenntnis zur „Sicherung von Frieden, Freiheit, Demokratie, ökonomischer Sicherheit und Schutz der Umwelt für alle.“

Mein Dank gilt auch den beiden anderen Podiumsteilnehmern Arancha Gonzalez und Nikhil Seth, und dem Generalstaatsanwältin im Schattenkabinett der Labour Party, Shami Chakrabarti, die mich hierher begleitet hat. Sie ist eine herausragende Aktivistin und eine große Bereicherung für die internationale Bewegung für die Menschenrechte.

Und nicht zuletzt möchte ich allen danken, die heute hier anwesend sind.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, im Vorfeld des Internationalen Tags der Menschenrechte besonders auf die größten Bedrohungen für die gesamte Menschheit hinzuweisen.

Und auf die Frage, warum Staaten V ihr sich mit ihrem ganzes Gewicht hinter eine echte internationale Zusammenarbeit werfen müssen und auf die Menschenrechte auf individueller und kollektiver Ebene, sozial und ökonomisch, juristisch und auf Verfassungsebene, im eigenen Land und im Ausland, wenn wir den aktuellen Bedrohungen begegnen und sie überwinden wollen.

Mein Land steht am Scheideweg. Die Entscheidung des britischen Volkes, aus der Europäischen Union auszuscheiden, die mit dem Referendum getroffen wurde, erfordert ein Überdenken unserer Rolle in der Welt.

Manche wollen den Brexit nutzen, um Großbritannien auf sich selbst zurückzuwerfen, sich abzuwenden von der Außenwelt und alle anderen als Konkurrenten zu fürchten.

Andere wollen den Brexit nutzen, um das bestehende Wirtschaftssystem weiter anzuheizen, mit all seinen Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten, und Großbritannien als eine deregulierte Steueroase mit niedrigen Löhnen, eingeschränkten Rechten und gekappten Sozialleistungen zugrunde zu richten.

Meine Partei steht für eine völlig andere Zukunft, wenn wir die EU verlassen. Wir wollen an die besten internationalen Traditionen der Arbeiterbewegung und unseres Landes anknüpfen.

Wie stellen uns auch außerhalb der EU enge und kooperative Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn vor, auf der Basis von Solidarität, gegenseitigem Nutzen und fairem Handel, zusammen mit vorausschauenden internationalen Beziehungen in der ganzen Welt.

Wir sind stolz darauf, dass Großbritannien 1998 unter den Erstunterzeichnern der Europäischen Konvention für Menschenrechte war, die wir im Human Rights Act in unserem Gesetz verankert haben.

Daher wird Labour die Arbeit mit anderen europäischen Staaten, fortschrittlichen Parteien und Bewegungen im Europarat fortsetzen, um sicher zu stellen, dass unser Land und die anderen Länder ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen.

Ebenso wie der UN-Menschenrechtsrat dabei hilft, sicher zu stellen, dass Länder wie das Unsere zu unseren Verpflichtungen stehen, wie z. B. bei den Rechten für Menschen mit Behinderungen, wo wir laut dem diesjährigen Bericht gescheitert sind.

Internationale Zusammenarbeit, Solidarität, gemeinsames Handeln, sind die Werte, die wir in unserer Außenpolitik entschieden umsetzen wollen.

Diese Werten werden alles bestimmen, was die nächste Labour-Regierung auf der Bühne der Welt in Angriff nehmen wird, um mit Hilfe von Diplomatie ein progressives, regelbasiertes internationales System zu etablieren, das Gerechtigkeit und Sicherheit für alle bietet.

Sie müssen wirklich allumfassend sein und anwendbar für die Starken und die Schwachen, wenn sie global Unterstützung und Vertrauen genießen sollen.

Sie dürfen nicht zur Disziplinierung der Schwachen benutzt werden, während die Starken tun und lassen können, was ihnen beliebt, sonst werden sie als Machtmittel diskreditiert, nicht als Mittel der Gerechtigkeit.

Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die Mächtigen die internationalen Regeln und das internationale Recht aufrechterhalten und respektieren.

Wenn uns das nicht gelingt, werden die Ideale der Menschenrechtdeklaration von 1948 eher Hoffnung sein als Realität und die internationalen Regeln werden zu einem Selbstbedienungsmenü für die Mächte werden, die international das Sagen haben.

Eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern ist dringend erforderlich, um die Menschenrechte voran zu bringen und den vier größten zusammenhängenden Bedrohungen der Menschheit Herr zu werden.

Erstens, die zunehmende Konzentration von unermesslichem Reichtum und Macht in den Händen einer winzigen Elite, ein System, das von manchen Neoliberalismus genannt wird. Dadurch wurden in der ganzen Welt die Ungleichheit, die Marginalisierung, die Unsicherheit und die Wut extrem verschärft. !!!

Zweitens, der Klimawandel, der zu Instabilität führt, Konflikte in der ganzen Welt verschärft und unsere Zukunft bedroht.

Drittens, die beispiellose Anzahl von Menschen, die auf der Flucht sind vor Konflikten, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, sozialen Zusammenbrüchen und Klimakatastrophen. !!!

Und schließlich der Einsatz einseitiger militärischer Operationen und Interventionen anstelle von Diplomatie und Verhandlung zur Beilegung von Streitigkeiten und zum Absetzen von Regierungen.

Das dominierende globale Wirtschaftssystem bricht zusammen.

Es bringt eine Welt hervor, in der nur wenige Superreiche 90 Prozent der globalen Ressourcen kontrollieren, in der wachsende Unsicherheit und groteske Ungleichheit innerhalb und zwischen  einzelnen Nationen herrscht und den Entwicklungsländern schätzungsweise mehr als 100 Milliarden Dollar jährlich durch Steuerhinterziehung der Konzerne verloren gehen und in der jährlich 1 Billion Dollar durch illegale Finanzströme aus dem globalen Süden abgesaugt werden. !!!

Dies ist ein globaler Skandal.

Wie und für wen die Welt sich weiterentwickelt darf nicht weiterhin von den mächtigsten internationalen Konzernen diktiert werden.

Dreißig Jahre nach den ersten Strukturanpassungsprogrammen mit ihrer zerstörenden Wirkung in weiten Teilen der Welt und ein Jahrzehnt nach dem Finanzcrash von 2008 steht der orthodoxe Neoliberalismus vor dem Zusammenbruch.

Dieser Moment, eine Vertrauenskrise in einer bankrotten Wirtschafts-  und Sozialordnung, bietet uns die einmalige Gelegenheit zur Konstituierung eines neuen wirtschaftlichen und sozialen Konsenses, der die Interessen der Mehrheit ins Zentrum stellt. !!!

Aber das Bröckeln des Systems der globalen Elite und ihrer unangefochtenen Vorrechte verleitet einige Politiker dazu, Ängste zu schüren, zu spalten und die internationale Zusammenarbeit als nationale Kapitulation zu verspotten.

Präsident Trumps schändliches Einreiseverbot für Muslime und seine mexikofeindliche Rhetorik   verstärkten rassistische und sexistische Vorurteile und lenken den Fokus weg von den aktuellen Aktivitäten der Wallstreet-dominierten Regierung. !!!

In Großbritannien, wo im letzten Jahrzehnt die Löhne der meisten Menschen sanken, während den Unternehmen und den Superreichen Milliarden in Form von Steuerermäßigungen zuflossen, vertrat die Premierministerin eine weniger extreme Position, ohne jedoch das Ziel aus den Augen zu verlieren, vom Scheitern der Regierung und ihren wahren Plänen abzulenken.

Sie droht mit der Streichung des Human Rights Act, der alle politischen und bürgerlichen Rechte unseres Volkes garantiert und von dem jeder Einzelne in unserem Land profitiert. Und sie sagt : „Wer behauptet, Weltbürger zu sein, dem stehen  nirgendwo Bürgerrechte zu“.

Es gibt eine Alternative zu dieser bankrotten und zerstörerischen Ordnung. Wir können es nicht den größten Konzernen und Banken der Welt überlassen, die Regeln festzulegen und das System nach eigenem Gutdünken zu gestalten.

Die Weltwirtschaft kann und muss für das Gemeinwohl der Bevölkerungsmehrheit sorgen. Aber das erfordert einen echten und grundlegenden Strukturwandel auf internationaler Ebene.

Den Vereinten Nationen kommt eine entscheidende Rolle zu beim Finden eines neuen Konsenses und einer gemeinsamen Grundlage, die auf Solidarität und Achtung der Menschenrechte basiert, sowie auf internationaler Regulierung und Zusammenarbeit.

Dazu gehört als gemeinsame Plattform für demokratische Führungspersonen, dass Klartext über undurchsichtige Machtverhältnisse gesprochen wird.

Einen solchen Moment gab es am 4. Dezember 1972, als der chilenische Präsident Salvador Allende, der trotz mächtiger Opposition und Intervention der USA gewählt worden war, das Podium der UN-Generalversammlung in New York betrat.

Er forderte globale Maßnahmen gegen die Bedrohung durch transnationale Konzerne, die sich gegenüber keinem Staat, keinem Parlament und keiner Organisation, die die Interessen der Öffentlichkeit vertritt, rechenschaftspflichtig fühlen. !!!

Neun Monate später wurde Allende bei einen von General Augusto Pinochet geführten Staatsstreich ermordet. Er führte zu einer 17 Jahre dauernden Diktatur, die aus Chile ein Versuchslabor für fundamentalen Marktradikalismus machte.

Jedoch 44 Jahre später erheben sich überall auf der Welt Menschen gegen die unbeschränkte Macht der multinationalen Konzerne, Steuern zu umgehen, Land zu rauben, Ressourcen auszubeuten und Arbeitskräften und Kommunen das Herz aus dem Leib zu reißen.

Deshalb verspreche ich heute, dass die nächste Labour-Regierung in Großbritannien aktiv die Bemühungen des UN-Menschenrechtsrates um einen rechtsverbindlichen Vertrag unterstützen wird, der die transnationalen Konzerne einer an den Menschenrechten orientieren Regulierung unterwirft. !!!

Echte Unternehmensverantwortung muss sich auch auf alle Aktivitäten von Tochtergesellschaften und Lieferanten beziehen.

Es darf keine Straffreiheit mehr für Unternehmen geben, die Menschenrechte verletzen oder unsere Umwelt zerstören, wie in den Konflikten um die Mineralausbeutung in der Demokratischen Republik Kongo.

Zu lange basierte Entwicklungshilfe auf dem Dogma, dass uneingeschränkte Märkte und undurchschaubare multinationale Konzerne der Schlüssel zur Lösung globaler Probleme seien. Unter der nächsten Labour-Regierung wird das Entwicklungshilfe-Ministerium daher eine doppelte Aufgabe haben, nicht nur die Beseitigung der Armut, sondern auch die Reduzierung der Ungleichheit in der Welt. Um dieses Ziel zu erreichen müssen wir gegen den globalen Skandal der Steuerhinterziehung und gegen Rechnungsbetrug angehen – gegen das Ausplündern von Entwicklungsländern und das Abziehen von Ressourcen aus unserer eigenen öffentlichen Verwaltung. !!!

Allein in Afrika gehen jedes Jahr geschätzte 35 Milliarden Dollar durch Steuerhinterziehung verloren und 50 Milliarden durch illegale Finanzströme. Das übertrifft den 30- Milliarden-Zufluss an jährlicher Entwicklungshilfe bei Weitem.

Wie bei den Paradise- und Panama-Papers deutlich wurde, darf man es den Superreichen und Mächtigen nicht selbst überlassen, sich zu regulieren.

Wir müssen multinationale Konzerne dazu verpflichten, länderspezifische Berichte zu erstellen, während wir den Ländern im Süden dabei helfen müssen, sich vor finanziellem Ausbluten durch räuberische Konzerne zu schützen.

Daher wird die nächste Labour-Regierung sich bemühen, mit den Steuerbehörden der Entwicklungsländer zusammen zu arbeiten, wie es Sambia durch die Zusammenarbeit mit der norwegischen Hilfsorganisation NORAD gelungen ist, die Plünderungen zu stoppen.

Morgen ist der Internationale Tag gegen Korruption. Korruption ist nichts, was nur „da unten“ geschieht. Unsere Regierung spielte eine zentrale Rolle bei der Ermöglichung von Korruption, die Demokratien unterminiert und Menschenrechte verletzt. (unsere auch!!!) Es handelt sich um ein globales Thema, das globale Antworten erfordert.

Wenn Menschen in Armut gehalten werden, während Politiker öffentliche Mittel in Steuerparadiese umleiten, dann ist das Korruption. Und eine Labour-Regierung wird entschieden gegen Steuerparadiese vorgehen. Sie wird strenge Transparenzrichtlinien einführen für Kronkolonien und Überseeterritorien, inklusive öffentlichen Registern, in denen Eigentümer, Direktoren, die wichtigsten Shareholder und Nutznießer eingetragen werden, ebenso wie Konzerne und Trusts.

Der Klimawandel ist die zweite große Bedrohung für die Menschheit. Unser Planet ist in Gefahr. Die globale Erwärmung kann nicht geleugnet werden. Die Zahl der Naturkatastrophen hat sich seit 1970 vervierfacht.

Die Hurricans, wie der, von dem neulich in der Karibik betroffen war, sind stärker, weil sie weil sie mehr Feuchtigkeit aus wärmeren Ozeanen aufnehmen. Durch den Klimawandel steigt die Meerestemperatur. Die Ursache dafür sind Emissionen, vor allem aus den reichen Ländern.  Und die Länder mit der geringsten Luftverschmutzung, häufig Entwicklungsländer, sind am stärksten von den Verwüstungen betroffen – mit Umweltschäden, die zu Lebensmittelknappheit und sozialen Verwerfungen führen.

Wir müssen solidarisch zu ihnen stehen. Vor zwei Monaten versprach ich dem Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, dass ich diese Plattform nutzen würde, um diese Nachricht zu übermitteln.

Die Internationale Gemeinschaft muss Ressourcen zur Verfügung stellen und die größten Umweltverschmutzer sollten auch die größte Last übernehmen.

Daher meine Bitte an die Regierungen der Länder, die für die größten Umweltschäden verantwortlich sind, einschließlich Großbritannien:

Erstens, die Kapazitäten zu vergrößern, um auf die Katastrophen in aller Welt zu reagieren. Unsere Armeen, die zu den am besten ausgebildeten und fähigsten in der Welt gehören, sollten ihre Erfahrungen auch bei Einsätzen bei humanitären Katastrophen einbringen können. Italien ist hier in einer Vorreiterrolle mit seiner Marine, die inzwischen sehr vielseitig zum Einsatz kommt, !!!

zweitens, die Einbeziehung der Kosten für die Umweltzerstörung in die Finanzplanung, wie es Labour im britischen Finanzministerium vorhat,

drittens, fest zu historischen Pariser Klimaabkommen zu stehen,

und schließlich ernsthafte und unmittelbare Schritte in Richtung Schuldennachlass und Schuldenschnitt zu unternehmen.

Wir müssen als internationale Gemeinschaft gegen die Ungerechtigkeit aktiv werden, unter der die Länder leiden, die mit Folgen des Klimawandels konfrontiert sind, den sie nicht selbst verursacht haben und die gleichzeitig ihre Auslandschulden begleichen sollen.

Bedenkenswert sind die Worte des Präsidenten von Burkina Faso, Thomas Sankara, die er 1987 vor der Organisation der Afrikanischen Einheit sprach, wenige Monate bevor auch er bei einem Staatsstreich ermordet wurde:

„Die Schulden können nicht zurückgezahlt werden“, sagte er, „erstens, weil die Gläubiger nicht daran sterben werden, wenn wir nicht zahlen, aber wir werden daran sterben…, wenn wir zahlen“. !!!

Die wachsende Klimakrise erhöht die bereits jetzt die alles Vorausgegangene übertreffende Zahl von Menschen, die vor Konflikten und aus Verzweiflung fliehen.

Es gibt heute mehr Flüchtlinge und Vertriebene als je zuvor seit dem zweiten Weltkrieg.

Flüchtlinge sind Menschen wie wir.

Aber anders als wir sind sie gezwungen, wegen Gewalt, Verfolgung und Klimachaos aus ihrer Heimat zu fliehen.

Eine der größten moralischen Herausforderungen unserer Zeit ist, dem Geist und dem Buchstaben der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gerecht werden. Ihr Kernprinzip war einfach: Flüchtlinge schützen.

Aber 10 Länder, deren Wirtschaftskraft 2,5 Prozent der Weltwirtschaft ausmacht, beherbergen die Flüchtlinge der halben Welt.

Es ist an der Zeit, dass die reicheren Länder aufstehen und gemeinsam ihre Menschlichkeit zeigen.

Scheitern bedeutet, dass Millionen von Syrern innerhalb ihres zerstörten Heimatlandes vertrieben wurden oder ins Ausland flüchteten.  Rohingya kehrten ohne die Garantie von Staatsbürgerschaft oder Schutz vor staatlicher Gewalt nach Myanmar zurück oder Flüchtlinge wurden auf unbestimmte Zeit in Lagern gehalten, die nicht für die Unterbringung von Menschen geeignet waren, wie in Papua Neuguinea oder Nauru. Und afrikanische Flüchtlinge wurden im kriegszerstörten Libyen in die Sklaverei verkauft. Diese Tatsachen sollten unser Gefühl für Menschlichkeit und menschliche Solidarität verletzen.

Europäische Staaten sollen und können mehr tun angesichts der stetig zunehmenden Sterberate unter den Migranten und Flüchtlingen, die das Mittelmeer überqueren. Und wir müssen effektiver gegen Menschenhändler vorgehen.

Aber sagen wir es deutlich: Eine langfristige Lösung kann nur eine echte internationale Zusammenarbeit auf der Grundlage der Menschenrechte sein, die die Ursachen von Konflikten, Verfolgung und Ungleichheit klar ausspricht.

Ich habe den größten Teil meines Lebens zusammen mit vielen anderen damit verbracht, für Diplomatie und Dialog einzutreten, anstelle von Krieg und Konflikt, oft im Angesicht von Feindseligkeit.

Aber ich bin weiterhin überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, echte und dauerhafte Sicherheit für alle zu gewährleisten.

Und selbst nach den verheerenden Invasionen und Besatzungen der letzten Jahre gibt es erneut Druck, sich für militärische Maßnahmen zu entscheiden, America First oder Empire 2.0 als Weg zur globalen Sicherheit.

Ich weiß, dass die Menschen in Großbritannien weder gefühllos gegenüber dem Leiden anderer sind noch blind gegenüber den Auswirkungen und Rückschlägen der unverantwortlichen Kriege, die unser eigenes Land geführt hat.

Kriege zum Zwecke des Regime Change, Invasionen, Interventionen und Besatzungen, im Irak, in Afghanistan, Libyen und Somalia, sind selbst verschuldet gescheitert, haben Länder und Regionen verwüstet und die Welt und Großbritannien zu einem gefährlicheren Ort gemacht.

Und währ

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Flyerexperimente

Neues  in Blau… 

Wir wollen Frieden!!!              

Jeder Mensch will ein gutes Leben             Gute Arbeit, gutes Wohnen, gute Freizeit

Das nötige Geld dafür ist vorhanden

 

Zwei zentrale Themen:

Einstein und Russell sagten, es darf keine Kriege mehr geben, da jeder Krieg zu einem Atomkrieg ausarten und damit die Menschheit auslöschen könnte

Seit 2015 weisen wir am „Flaggentag“ der Bürgermeister für den Frieden Anfang Juli auf diese Gefahren hin.

Wir planen eine zusätzliche Kundgebung:       

Gegen die ungeheuren Ausgaben für das Militär,

weltweit etwa 1800 Mrd. Dollar

über das Dreißigfache der Kosten, die nötig wären, damit kein Mensch mehr verhungern muss und alle Kinder zur Schule gehen können

 

Die Demonstranten bei dieser Kundgebung können für die Dinge demonstrieren, für die sie gern mehr Geld hätten,

zum Beispiel Klima, Atomrisiken, Soziales, Tierleid und

 zum Beispiel die Garantie des Erhalts eines freien Internet…

Und: 

Wir möchten, dass der Staat für ein möglichst hohes Allgemeinwohl und damit auch die Interessen der Schwachen vertritt, für freie Bildung und auf dieser Erde auf ein zumindest ein Minimum an Ernährung und Wohnen und Kommunikation eintritt…

Es ist unser Geld, das jeder zumindest durch die Mehrwertsteuer bezahlt

Diese Unsummen von Geld werden für großteils völker-rechtswidrige Kriege und ihre Vorbereitung verschwendet.

 

Wir gehen dafür einmal im Jahr auf die Straße.

Zur Mahnung und gegen das Vergessen!!!

Kontakt: ViSdPG  Dr. med. Helmut Käss
Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513, helmut_kaess@web.dehttp://www.helmutkaess.de/Wordpress/     Dazu ein Überblick: http://helmutkaess.de/Wordpress/?p=4886

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Und eine Experimentierecke…

Flyerexperimente

Neues  in Blau…

und noch ein kurzer aktueller Flyer für den Friedensratschlag 2017

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USA

Die USA  (hier der ausführliche Link von Wikipedia) sind zur Zeit die beherrschende Macht auf dieser Erde. Sie haben sehr viele, darunter auch sehr dunkle Seiten. Zum Beispiel  in ihrer Politik gegenüber anderen Staaten.

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Israel-Palästina Konflikt: 2(k)eine Staaten Lösung

Protokollentwurf.  Und meine persönliche Stellungnahme zum Israel/Palästinakonflikt

Vortrag von Andreas Zumach
mit anschließender Diskussion und
Übersetzung in Gebärdensprache.

Andreas Zumach (Genf) ist Journalist, UNO-Korrespondent und Nahostexperte.

  1. November 2017 • 19 Uhr
    Kulturzentrum Brunsviga • Karlstraße 35

Vor genau 70 Jahren teilte die UNO-Generalversammlung das
britische Mandatsgebiet „Palästina“ in zwei Staaten auf. Doch bis
heute existiert nur der Staat Israel. Der Staat Palästina wird durch die
völkerrechtswidrige israelische Besatzung des Westjordanlands und
Ostjerusalems sowie die Belagerung des Gazastreifens verhindert.
Eine Realisierung der einst vorgesehenen Zwei-Staatenlösung
scheint immer unrealistischer. Doch was sind die Alternativen? Ein
gemeinsamer israelisch-palästinensischer Staat mit gleichen
Rechten für alle seine Bürger? Oder die inzwischen bereits von
Mitgliedern der Regierung Netanjahu ganz offen geforderte
endgültige Annexion der besetzten Gebiete durch Israel und die
Vertreibung der dort lebenden Palästinenser nach Jordanien und in
andere arabische Staaten?

Veranstalter: Deutsch-Palästinensischer Verein Braunschweig e.V. und Kunst Macht Politik
Unterstützer: Friedenszentrum Braunschweig e.V. und Braunschweiger Friedensbündnis


Hubert Schipmann
Friedenszentrum Braunschweig e.V.
Goslarsche Straße 93
38118 Braunschweig

Telefon: (0531) 89 30 33

www.friedenszentrum.info

Andreas Zumach hielt einen energischen Vortrag. Er ist sehr an einer Lösung der palästinensisch israelischen Probleme orientiert. Es werde viel die UN kritisiert, wegen ihrer mangelnden Lösungsfähigkeit für die Weltprobleme, aber sie habe gar nicht die Mittel dazu. Sie werde an das Palästinaproblem nicht herangelassen trotz vieler von ihr beschlossener Resolutionen.

Alle Aussagen, die er vortrage, seien bestens belegt. Die bekannte Karte von Palästina/Israel mit der rasant schwindenden Bedeutung der ursprünglichen Palästinenser wurde von ihm näher erklärt. Vor 101 Jahren sei das osmanische Reich zerfallen. Großbritannien und Frankreich teilten es sich auf in Einflusszonen. Das Gebiet von Palästina wurde zum Britischen Mandatsgebiet, ein feinerer Name für Kolonie. Bis zu 97% seien „Palästinenser“, Nichtjuden, gewesen. Er zeigte die bekannte eindrucksvolle Karte, wo im ersten Teil ein paar weiße Fleckchen, Juden, in der grünen Karte von bis zu 97% „Palästinensern“ waren. Nach der Uno Teilungsresolution in zwei Staaten, von einer knappen Mehrheit von seinerzeit 51 Uno Staaten beschlossen, gingen 46 % der Fläche an Palästina und 54% an Israel. Es kam dann zu einer militärischen Auseinandersetzung. Die israelische Regierung sagte, sie seien überfallen worden, jüdische Historiker dagegen sagten zum Teil, jüdische Milizen und Terrorgruppen hätten Dörfer in dem Israel zugedachten Gebiet angegriffen. Im Mai 1948 erfolgte die Gründung von Israel, als Kriegsfolge hatte Israel 78 % der Fläche unter Kontrolle, im 1967-er Krieg wurden die restlichen 22% auch noch besetzt. Alles, was danach an Verhandlungen stattgefunden hat, ging nur noch um die 22%. Die sind eingeschnürt und besetzt, manche sagen, warum reden wir nicht über die 46%? In UN- und Sicherheitsresolutionen, die zum Teil sogar einstimmig gefällt wurden, wie die Resolution 242 und die Resolution 184 steht das Recht auf Rückkehr.

Die Sowjetunion legte im Juni 1967 einen Resolutionsentwurf vor, dass sich Israel von allen besetzten Gebieten zurückziehen müsse. Der Kompromisstext 242 lautete in zwei Sprachversionen: „Rückzug von den kürzlich besetzten Gebieten“ auf Englisch oder von den „besetzten Gebieten“ auf Französisch. Es entwickelte sich die PLO, die schließlich auch von Israel als Verhandlungspartner anerkannt wurde. Es kam zum Oslovertrag, der zum Händeschütteln zwischen Rabin und Arafat unter den Augen von Clinton führte. Ein wesentlicher Grund für das Scheitern des Oslovertrags war nach Ansicht von Zumach, dass Israel einen Großteil seiner Verpflichtungen nicht eingelöst habe und entscheidend auch die Ermordung von Rabin durch einen Israeli. Friedenswillige Vertreter beider Seiten trafen sich bei der Genfer Initiative. Dies sei die bisher beste Blaupause, die mit viel Tränen für alle relevanten Fragen, mit Ausnahme der Wasserfrage (wo sie nicht ganz zum Schluss gekommen ist), Kompromisse fand.

Wenn die EU sich darauf gestützt hätte, hätten sich gute Chancen für einen Friedensschluss ergeben. Ab 2002 war das Dokument des „Quartetts“ (Europäischer Union, Vereinigten Staaten, Russland und die Vereinten Nationen.) der dann offizielle Bezugspunkt. Dies fand parallel zu den Vorbereitungen des Kriegsvorhabens gegen den Irak statt, er vermutet, dass dies ein Ablenkungsmanöver der USA war.

Jetzt ist er schon fast im Heute, das Leiden der Bevölkerung ist nicht besser, Israel verhält sich weiterhin völkerrechtswidrig. Es besteht ein steter Ausbau der illegalen Siedlungen, immer weniger Menschen können sich noch einen lebensfähigen Palästinenserstaat vorstellen, aber was ist die Alternative? Eine Ein-Staatenlösung dürfte nicht religiös definiert sein, er kann sich das auch von Palästinenserseite nicht vorstellen. Ein eigener Staat ist ihnen so wichtig, sie müssen ihn erst mal haben, dann könnte er sich nach 10-20 Jahren eine Föderation, dann einen gemeinsamen Staat vorstellen. Aber auch die israelische Klasse sei nicht bereit dazu, da gibt es noch größere Widerstände als zu einer Zweistaatenlösung.

Eine Lösung kann es nur durch internationale Forderungen und Druck geben, mit einem Selbstbestimmungsrecht für beide Parteien, es besteht als gefährliche Option die völlig völkerrechtswidrige Vertreibung der Palästinenser, die in Israel offen diskutiert wird. Der   Konflikt destabilisiert Jordanien, da dies schon von Millionen Migranten überschwemmt wurde. Angeheizt wird der Konflikt durch die israelische Regierungslobby in den USA. Diese  finanzieren die Wahlkämpfe von Abgeordneten. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sage der Israeli Liebermann: Er sehe drei Probleme: Iran, Iran, Iran. Der Saudivertreter sagte exakt dasselbe, und der USA-Vertreter ebenfalls. Die iranischen Hardliner sind ebenfalls gegen den Atomdeal. Netanyahu jubelt über diese Politik, es sei eine „Viererbande“: Netanyahu, die Saudis, die USA und die Hardliner in Teheran. Ein direkter Krieg gegen den Iran würde nach seiner Meinung weit verheerendere Auswirkungen als die Golfkriege haben. Vier Männer auf hohen Posten unter Trump sind Befürworter für Krieg: der Pentagonvertreter, die Homeland Security, die CIA und Flinn, der glücklicherweise wieder entlassen wurde.

Die israelische Regierungslobby bei uns ist wohlorganisiert, zum Beispiel Frau Knobloch, und Herr Broder, sie verwenden infame Mittel, sind völlig undemokratisch, sie setzen Veranstalter von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen unter Druck, sodass schon sehr viele Veranstaltungen nicht stattfinden konnten. „Wir“ haben gemeinsame Diskussionen angeboten, sie sind nie darauf eingegangen. Die Grüne Jugend ist unterlaufen, auch die Jugend der Linkspartei, die Fachschaften, die Gremien der Astenkonferenzen. Immer mehr Menschen knicken ein. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck gehört auch dazu. Die „Freunde“ Israels sind in Wirklichkeit die ärgsten Feinde für Israel. Ein Höhepunkt der Kampagne war es, dass auf Betreiben dieser Lobby das Konto der jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten von der GLS Bank gekündigt wurde, mit der Behauptung, diese Juden seien antisemitisch. Dies konnte rückgängig gemacht werden.

Diskussion:

Was ist mit dem BDS: Boykott, Desinvestition, Sanktionen, eine berechtigte Gegenwehr der Palästinenser gegen die Rechtsverletzungen der israelischen Regierung…

Wie sieht er Hamas? Das ist eine Widerstandsbewegung, ursprünglich vom Mossad unterstützt als Konkurrenz zur PLO.

Die Nakba ist die Bezeichnung für die Katastrophe der Vertreibung der Palästinenser durch Israel, die Ausstellung das Narrativ der Palästinenser, die Aussagen sind alle geprüft.

Er traf auf einer Veranstaltung auf drei alte Männer, deutsche Juden aus Köln, die erst nach Israel gingen, aber das Pervertierte stieß sie ab, und sie kehrten zurück…

Man kann die PLO als Hilfssheriff der Israelis sehen, das ist zwiespältig, wichtig ist die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht, es besteht die Gefahr einer Dynamik zu einer dritten Intifada. Zur Zeit sind gewichtige arabische Staaten (alles Diktaturen), auf Israels Seite, noch 2003 gab es aber ein Friedensangebot der arabischen Staaten, das von Israel nicht angenommen wurde.

Aus der UNESCO sind die USA und Israel ausgetreten, weil Palästina eintrat, das ist empörend.

Ostjerusalem ist Illegal besetzt.

In Israel gäbe es stark religiöse Kräfte, niemand vertrete die Interessen der Palästinenser…  Zumach: Das ist nicht richtig, wir tun alles, um das Wissen an der Rechtslage am Leben zu halten.

Meine Bemerkungen:

  1. ist eine Vollversammlungsresolution nicht noch sinnvoll, angesichts des Nuklear Ban Treaty? Antwort: Dies werde sowieso jährlich gemacht…

  2. es gibt eine extreme Vermehrung beider Bevölkerungsgruppen Dies ist eine Zeitbombe. Es ist dringend der Frieden nötig, um ein großes Sterben zu verhindern.. Das sieht er auch so: Sein Rat an Netanyahu: schleunigst eine Zweistaatenlösung anzustreben…

  3. Eine Bemerkung: Wir als Friedensbündnis in Braunschweig sind wegen der auch in unserem Namen veranstalteten Nakbaausstellung auch als Antisemiten bezeichnet worden, wie bei so vielen Gelegenheiten…

Dr. med. Helmut Käss

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Uri Avnery 

Hier Nachrufe auf ihn

Uri Avnery ist der große alte Mann der Friedensbewegung in Israel. Nach einer Phase als jugendlicher „Terrorist“, wo er kurz in der Irgun war, nahm er am Krieg gegen die Araber 1948 teil, wurde schwer verwundet und beschloss nach dem siegreichen Krieg, dass nun der Moment gekommen sei, mit den Arabern Frieden zu schließen, wie das auch im Lauf der Zeit noch viele Israelis vorschlugen. Aber er hatte die Mehrheit  stets gegen sich.

Er schreibt seit vielen Jahrzehnten aufklärende kurze Artikel in Englisch und Deutsch, zur Zeit wieder überwiegend wöchentlich! Lest Sie unter „Texte“ auf seiner Seite und entscheidet Sie selbst.

Hier sein für mich phänomenaler Artikel vom November 2017, als er 94 war, „die Geschichte der Idiotie“

Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich !!

Uri Avnery vertritt seit 1948 die Idee des israelisch-palästinensischen Friedens und die Koexistenz zweier Staaten: des Staates Israel und des Staates Palästina, mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt. Uri Avnery schuf eine Weltsensation, als er mitten im Libanonkrieg (1982) die Front überquerte und sich als erster Israeli mit Jassir Arafat traf. Er stellte schon 1974 die ersten geheimen Kontakte mit der PLO-Führung her.

  • Bild Interview Sternenjaeger.ch Copyright 2012 – sternenjaeger.ch

  • Uri Avnery trifft Jassir Arafat – Foto Uri Avnery 1982

  • Festakt zur Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008 der Internationalen Liga für Menschenrechte. Von links nach rechts: Mohammed Khatib & Abdallah Aburama (Bürgerkomitee von Bil’in), Rachel Avnery, Fanny-Michaela Reisin (Präsidentin der Liga), Uri Avnery, Adi Winter & Yossi Bartal (Anarchists against the wall) – Foto Michael F. Mehnert CC BY-SA 3.0

  • Bild Interview Sternenjaeger.ch Copyright 2012 – sternenjaeger.ch

  • Uri Avnery trifft Jassir Arafat – Foto Uri Avnery 1982

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 www.uri-avnery.de/news/445/17/Eine-Geschichte-der-Idiotie

Texte von Uri Avnery

Nov 18, 2017

Eine Geschichte der Idiotie


Uri Avnery, 18.November 2017

ICH BIN wütend. Und ich habe gute Gründe, wütend zu sein.

 

Ich war im Begriff, einen Artikel über ein Thema zu schreiben, über das ich seit langer Zeit nachgedacht habe.

 

In dieser Woche öffnete ich die New York Times und siehe da, mein noch ungeschriebener Artikel erscheint auf ihrer Meinungsseite im Ganzen, ein Argument nach dem anderen.

 

Wie kommt es dazu? Ich habe nur eine Erklärung: der Autor – ich habe den Namen vergessen – hat die Ideen mit einem magisches Mittel, das gewiss als kriminell bezeichnet werden muss, aus meinem Kopf gestohlen. Eine Person versuchte, einmal, mich deswegen umzubringen.

Doch habe ich mich trotz allem entschieden, diesen Artikel zu schreiben.

DAS THEMA ist Idiotie. Speziell die Rolle der Idiotie in der Geschichte.

Je älter ich werde, umso überzeugter werde ich, dass reine Idiotie eine größere Rolle in der Geschichte der Nationen spielt.

Große Denker, verglichen mit denen ich nur ein intellektueller Zwerg bin, haben andere Faktoren verfolgt, um zu erklären, wie die Geschichte in ein Schlamassel verwandelt wurde. Karl Marx klagte die Wirtschaft an. Die Wirtschaft hat die Menschheit von Anfang an begleitet.

Andere klagen Gott an. Die Religion hat schreckliche Kriege verursacht und tut es noch immer. Schauen wir uns die Kreuzzüge an, die fast zweihundert Jahre in meinem Land gewütet haben. Schauen wir auf den 30jährigen Krieg, der Deutschland verwüstet hat. Kein Ende in Sicht.

Einige klagen die Rasse an. Weiße gegen die Indianer. Arier gegen Untermenschen. Nazis gegen Juden. Schrecklich.

Oder Geopolitik. Die Bürde des Weißen Mannes. Der Drang nach Osten.

Seit vielen Generationen haben große Denker nach einer tiefsinnigen Erklärung gesucht, der den Krieg verursacht. Es muss solch eine Erklärung geben. Schließlich können schreckliche Ereignisse sich nicht nur ereignen. Da muss es etwas Unerklärliches geben, etwas Unheimliches, das all dieses unerhörte Elend verursacht. Etwas, das die menschliche Rasse von Anfang an begleitet und das unser Schicksal leitet.

ICH HABE die meisten dieser Theorien meiner Zeit akzeptiert. Viele von ihnen beeindruckten mich sehr. Große Denker. Tiefsinnige Gedanken. Ich las viele dicke Bände. Aber am Ende ließen sie mich unbefriedigt.

Am Ende hat es mich getroffen. Es gibt tatsächlich eine allgemeine Kraft, die all diese historischen Ereignisse verursacht hat: die Idiotie, die Torheit.

Ich weiß, dass dies unglaubwürdig klingt. Idiotie? All diese Tausenden von Kriege? All diese Hunderte von Millionen von Opfern? All diese Tausenden Herrscher, Könige, Staatsmänner, Strategen? Alle Toren?

Vor kurzem wurde ich um ein Beispiel gebeten. „Zeige mir, wie das funktioniert,“ fragte ein ungläubiger Zuhörer.

Ich erwähnte den Ausbruch des ersten Weltkrieges, ein Ereignis, das das Gesicht Europas und der Welt für immer veränderte und der nur fünf Jahre, bevor ich geboren wurde, endete. Meine früheste Kindheit wurde im Schatten der Katastrophe verbracht.

Es geschah folgendermaßen:

Ein österreichischer Erzherzog wurde in der Stadt Sarajewo von einem serbischen Anarchisten getötet. Es geschah fast durch Zufall. Der geplante Versuch scheiterte, aber der Terrorist stieß zufällig später noch einmal auf den Herzog und tötete ihn.

Und nun? Der Herzog war eine ganz unbedeutende Person. Tausende solchef Aktionen haben sich vorher und danach ereignet. Aber dieses Mal dachten österreichische Staatsmänner, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, den Serben eine Lektion zu lehren. Sie nahm die Form eines Ultimatums an.

Keine große Sache. So etwas geschieht immer wieder. Aber das mächtige russische Reich war mit Serbien verbündet, deshalb hat der Zar eine Warnung erlassen: er befahl, die Mobilisierung seiner Armee, nur um seine Ansicht durchzusetzen.

In Deutschland gingen alle roten Lichter an. Deutschland liegt in der Mitte Europas und hat keine unüberwindlichen Grenzen, keine Meere, kein hohes Gebirge. Es war umgeben von zwei großen Militärmächten, Russland und Frankreich. Jahrelang hatten deutsche Generäle darüber nachgedacht, wie das Vaterland gerettet werden kann, wenn es von beiden Seiten gleichzeitig angegriffen wird.

Ein Meisterplan entwickelte sich. Russland war ein riesiges Land, und es würde mehrere Wochen dauern, bis die russische Armee mobilisiert war. Diese Wochen müssen ausgenützt werden, um Frankreich zu zerschlagen, die Armee umzudrehen und die Russen anzuhalten.

Es war ein brillanter Plan, der bis ins kleinste Detail von brillanten militärischen Planern ausgearbeitet war. Aber die deutsche Armee wurde vor den Toren von Paris angehalten. Die Briten intervenierten und halfen Frankreich. Die Folge war ein Krieg von vier Jahren, in denen sich wirklich nichts bewegte, außer dass Abermillionen menschlicher Wesen hingeschlachtet oder zum Krüppel gemacht wurden.

Am Ende wurde ein Frieden geschlossen, ein Frieden, der so dumm war, dass er einen zweiten Weltkrieg unvermeidbar machte. Dieser brach kaum 21 Jahre später aus mit einer viel größeren Anzahl von Todesfällen/ Gefallenen.

VIELE BÜCHER sind über den „Juli 1914“ geschrieben worden, den entscheidendsten Monat, in dem der 1. Weltkrieg unvermeidbar wurde.

Wie viele Leute waren in die Entscheidungsfindung in Europa involviert? Wie viele Herrscher, Könige, Minister, Parlamentarier. Generäle – ganz abgesehen von Akademikern, Journalisten, Schriftstellern und anderen?

Waren sie alle dumm? Waren sie alle blind gegenüber dem, was sich in ihrem Lande und auf ihrem Kontinent zutrug?

Unmöglich, man ist versucht, aufzuschreien. Viele von ihnen waren äußerst kompetente, intelligente Leute, Leute, die die Geschichte kannten. Sie wussten alles über die früheren Kriege, die während Jahrhunderten in Europa gewütet haben.

Aber all diese Leute spielten ihre Rolle, den schrecklichsten Krieg in den Annalen der Geschichte zu verursachen. Ein Akt reinster Idiotie-

Der menschliche Verstand kann solch eine Wahrheit nicht akzeptieren. Da muss es andere Gründe geben. Tiefsinnige Gründe. Sie schrieben unzählige Bücher, um zu erklären, warum dies logisch war, warum es geschehen war, welches die „hintergründigen“ Ursachen waren.

Die meisten dieser Theorien sind sicherlich plausibel. Aber verglichen mit den Auswirkungen, sind sie kümmerlich. Millionen Menschen marschierten hinaus, um geschlachtet zu werden, singend und fast tanzend vertrauten sie ihrem Herrscher, König, Präsident, Oberkommandeur. Und kehrten nie zurück.

Konnten all diese Führer Idioten sein? Sicherlich konnten sie und sie waren es.

ICH BRAUCHE nicht die Beispiele von tausenden ausländischer Kriege und Konflikte zu nennen, weil ich mitten in solch einem gerade jetzt lebe.

Es ist egal, wie er zustande kam. Die gegenwärtige Situation ist die, dass in dem Land, das gewöhnlich Palästina genannt wird, zwei Völker von verschiedenen Ursprüngen, Kulturen, Geschichte, Religion, Sprachen, Lebensstandard u.a. m. leben. Sie sind jetzt von mehr oder weniger gleichem Umfang.

Zwischen diesen beiden Völkern hat sich seit mehr als einem Jahrhundert ein Konflikt abgespielt.

Theoretisch gibt es nur zwei vernünftige Lösungen: entweder sollen die beiden Völker zusammen als gleiche Bürger in einem Staat leben oder sie sollen Seite an Seite in zwei Staaten leben.

Die dritte Möglichkeit ist keine Lösung – ein ewiger Konflikt, ein ewiger Krieg.

Dies ist offensichtlich so einfach, sie zu leugnen, ist reine Idiotie.

In einem Staat zusammen zu leben, klingt logisch, ist es aber nicht. Es wäre ein Rezept für einen ständigen Konflikt und internen Krieg. Es bleibt also nur, was „Zwei-Staaten für zwei Völker“ genannt wird.

Als ich direkt nach dem 1948er-Krieg, in dem Israel gegründet wurde, darauf hinwies, war ich mehr oder weniger allein. Jetzt ist es ein weltweiter Konsens, überall – außer in Israel.

Gibt es eine Alternative? Es gibt keine. Man macht mit der gegenwärtigen Situation weiter: ein kolonialer Staat, in dem 7Millionen israelische Juden 7 Millionen palästinensische Araber unterdrücken. Die Logik sagt, dass dies eine Situation ist, die so auf Dauer nicht bestehen kann. Früher oder später wird sie zusammenbrechen.

Was sagen unsere Führer dazu? Nichts. Sie geben vor, sich dieser Wahrheit nicht bewusst zu sein.

An der Spitze der Pyramide haben wir einen Führer, der intelligent aussieht, der gut spricht, der kompetent erscheint. Tatsächlich ist Benjamin Netanjahu ein mittelmäßiger Politiker, ohne Vision, ohne Tiefe. Er gibt nicht einmal vor, dass er eine andere Lösung hat. Auch seine Kollegen und möglichen Erben haben keine Lösung.

Was ist das also? Es tut mir leid, dies zu sagen: es gibt dafür keine andere Definition als dass dies die Herrschaft der Idiotie ist.

(dt. Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

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Friedensratschlag 2017

Friedensratschlag 2017

Gestern, am 5.12. ging der Friedensratschlag 2017 zu Ende. Er war intensiv. Näheres zum Inhalt hier: http://www.friedensratschlag.de . Wir  waren sechs Leute aus Braunschweig, die ich kannte: Elke Almut Dieter, Ute Lampe, Hans Georg Hartwig, Horst Vergin und Christoph Sündermann, der natürlich wieder Videos aufnahm, die Ihr bald auf seiner YouTube Seite sehen könnt (das aktuelle Video von Andreas Zumach ist noch nicht online, aber hier könnt ihr ein Interview über das Nahostthema mit Andreas Zumach sehen: „Über die brisanten Folgen westlicher (Nahost-)Politik – Andreas Zumach im Gespräch mit MrMarxismo“   https://www.youtube.com/watch?v=hU15KjJejkc ) Meine leider ungenügende paar Fotos hier:

https://photos.app.goo.gl/MmEVZHwqtWHEC6Jr2

Der Hauptslogan von dem Ratschlag für das nächste Jahr lautet:

Abrüsten statt Aufrüsten!   Das Aufrüstungssignal der Nato „2% des Bruttosozialprodukts“ in diesem Jahr ist völlig daneben.

Ich habe daher auch unseren Braunschweiger Flyer aktuell für dieses Ereignis verteilt, der sich mit zwei Hauptproblemen der Menschheit beschäftigt, die mit diesem Thema zu tun haben.

http://helmutkaess.de/Wordpress/wp-content/uploads/2017/12/Flyer-für-Friedensratschlag-Text.pdf

Bei den Hauptvorträgen hielt ich Folgendes für sehr wichtig: Anne Rieger sprach von den unsinnig hohen Ausgaben für Rüstung bei hohem sozialen Bedarf, Ingar Solty sprach über die möglichen linken Alternativen (mit Jeremy Corbyn und Bernie Sanders) und über die westliche Militär und Handelspolitik und damit über wirtschaftspolitische Brandstifter, über neue und ziemlich alte Verantwortungslosigkeit. Wolfgang Lemb, vom Vorstand der IG Metall, sprach vom Kampf der Gewerkschaften um Frieden, Abrüstung und Rüstungskonversion, vom Traum einer gerechteren Welt in Frieden, ein Bruchteil der Rüstungsausgaben würde reichen. Der Italiener Prof. Domenico Losurdo, Philosoph (Urbino, Italien) sprach über das „Dekret über den Frieden“ und dass die Macht korrumpiert, die absolute Macht korrumpiert absolut, die USA haben die absolute mediale und militärische Macht, das korrumpiert auch die „Vasallen“ wie Deutschland.

Den Plenumsvortrag „Die Charta von Palermo“ Leoluca Orlando (Palermo), der sehr gut gewesen sein soll, über eine Stadt, die beschlossen hat, die Flüchtlinge menschlich aufzunehmen, verpasste ich, weil ich mit meinem Gastgeber von der Buchoase und Kerstin Cardematori über die Kämpfe der Israellobby und der Leute, die für die Rechte der Palästinenser eintreten, darunter zum Beispiel Rolf Verleger, ein sehr interessantes Gespräch führte. Nach meiner Meinung muss man mit allen reden, vor allem mit Leuten, die anderer Ansicht sind. Aber die Israellobby versucht den anderen, auch wenn es Israelis oder Juden sind, das Wort zu verbieten.

Dann kam ein hervorragendes Endplenum „EU- und NATO-Aufrüstung: Wie organisieren wir den internationalen Widerstand? “mit Alain Rouy (Frankreich); Ann Wright (USA), Ludo de Brabander (Belgien); Görkan Bicici (Türkei); Moderation: Willi van Ooyen, Bundesausschuss Friedensratschlag

Ludo de Brabander (Belgien) Wir geben viel zu viel für das Militär aus, notwendig ist „Abrüsten statt aufrüsten“, ein drittes Thema  sind die Atomwaffen, jedes Jahr gibt es in Belgien eine Pressemitteilung bei dem Nobelpreis, diesmal gab es keine (denn diesmal hat ja ICAN www.icanw.org wegen ihrem großen Erfolg, dem Nuclear Ban Treaty, diesen gewonnen)… dann sprach Alain Rouy, die französische Friedensbewegung hat Probleme, weil dort die Atombombe populär ist, aber die NATO ist unpopulär, sie sind ungern die Helfer der USA. Dieses Jahr Demos in 100 Städten, Friedensmärsche, sie schufen ein Weißbuch des Friedens, Solidarität mit Kurden, Palästinensern, Saharhoui (Schreibweise? die Leute in Nordafrika). „Wir dürfen in die Schulen, brauchen dafür Leute, aber das ist sehr begeisternd“. Wir brauchen ein Helsinki 2, die OSZE. Auch Solidarität mit Opfern der Klimaveränderungen.

Dann Ann Wright aus den USA,  zur Zeit aus Bangladesh. Sie war in einem Rohinga- Refugee Camp, dort sind zur Zeit fast eine Millionen Menschen. „Vieles von dem Terrorismus auch in dieser Region geht auf das Konto meiner  Regierung“, Trump stellt alles auf den Kopf. Er hat das Militärbudget um 10% angehoben, das Außenministerium um 23% gekürzt,

 Es gibt sehr viele Proteste. Wir müssen Kandidaten fördern, die die Kriege enden möchten, Obama hat sieben Länder bombardiert, den Drohnenkrieg ausgeweitet, wir brauchen „no to nato“, „stop ramstein“.

Dann sprach ein Türke, Görkan Bicici, in der Türkei sind USA und Nato  unbeliebt, sie haben eine starke Armee, eine der stärksten der Nato, Gladio hat dort gewütet, Erdogan machte anfangs eine Koalition mit Gülen, jetzt macht er eine neues  Bündnis mit der kemalistischen Bewegung, er versucht, die Macht zu behalten. Es kam der Putsch mit nachfolgend heftigster Repression,  Erdogan sei viel schwächer geworden, sie konnten die gegen ihn gerichteten 50% nicht verkleinern, Bei der Referendumskampagne hat er 2% „gestohlen“, dennoch erhielt er nur 52%, vielleicht ein Fehler, vorher reichten 40% zur Führung des Staates, jetzt braucht er 50%, starke Kader hat Erdogan nicht, er ist abhängig von den Machtzentren und  den Rechtspopulisten.

Schlusswort Willy van Ooyen,

nächstes Jahr liegen viele Termine an. Februar„Sicherheitskonferenz“, April Ostermarsch, Mai Ende des zweiten WK. (Am 8.7. ist der Flaggentag der Mayors for Peace) Am 9.juli (?) geht es um die Soldaten der BW, die „familienfreundlich behandelt werden sollen“, z.B. mit Probeliegen im Sarg, Hiroshimatag am 6.august, Antikriegstag am 1.9., einige wichtige Gedenktage, zum Beispiel Ende des ersten WK.

„Am 1.und 2.12. 2018 sehen wir uns hoffentlich wieder hier…“

 

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Rolf Verleger

Rolf Verleger ist ein prominenter Jude aus Kiel. Der Wikipediaartikel ist kurz, aber gut.

Er setzt sich für die palästinensischen Rechte  ein, die von der israelischen Regierungslobby seit vielen, vielen Jahren schwer verletzt werden.

kürzlicher Link:  Meinungsfreiheit nur für Israel-Freunde, ansonsten Zensur? https://www.rubikon.news/artikel/meinungsfreiheit-nur-fur-israel-freunde-ansonsten-zensur

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Positives und Gefahren

Ich halte die Weltlage auch für kritisch und halte grundsätzliche Veränderungen für absolut erforderlich. Da stimme ich Dir voll zu. Im Gegensatz zu Dir sehe ich diese Veränderungen aber um mich herum! Die Welt verändert sich momentan derart rasant, und es gibt auch sehr viele positive Entwicklungen.
Hier sind mein Mausfeld und mein Russel/Einstein-Manifest:
https://www.youtube.com/watch?v=xKCuDxpccYM
Das ist Elon Musk (11 Minuten), den finde ich sehr überzeugend (ist ein Physiker).
Und hier nochmal 2 wichtige Statistiken, die die positiven weltweiten Entwicklungen zeigen:
https://ourworldindata.org/a-history-of-global-living-conditions-in-5-charts/
https://ourworldindata.org/war-and-peace/#war-and-peace-after-1945

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kurze Rede

Zwei zentrale Themen für die Menschheit

Liebe Mitmenschen                                                                                 November 2017

Albert Einstein hat mit elf Wissenschaftlern im sogenannten Manifest von Russell und Einstein unter dem Eindruck großer Wasserstoffbombentests 1955 gesagt, es darf keine Kriege mehr geben, da jeder Krieg zu einem Atomkrieg werden kann, was die Existenz der Menschheit gefährdet. Dies halten wir für eine Aussage, die nahezu jeder Mensch versteht und sie ist mit dem Namen Einstein verbunden, den fast jeder kennt.

Seit 2015 machen wir am sogenannten Flaggentag der Mayors for Peace mit Unterstützung des OB (der ein Bürgermeister für den Frieden ist) eine Feier, in der wir auf diese Aussage hinweisen.

In diesem Jahr planen wir zusätzlich eine Kundgebung, wo wir insbesondere auf die ungeheuren Ausgaben für das Militär hinweisen wollen. Das sind weltweit etwa 1800 Mrd Dollar, eine ungeheure Summe (das ist heutzutage etwa die gleiche Summe in Euro), Dies ist über das Siebzigfache der Kosten, die benötigt würden, damit kein Mensch mehr verhungern müsste und alle Kinder zur Schule gehen könnten.

Wir wollen statt dessen dies Geld für soziale Bedürfnisse ausgeben wie z.B. auch Arbeitslosengeld, Krankheitskosten, Pflege und so weiter. Die Demonstranten bei dieser Kundgebung können alle für die Dinge demonstrieren, für die sie gern mehr Geld hätten, zum Beispiel auch Klima, Umweltverschmutzung, Tierleid und vieles mehr.

Denn dies ungeheuer viele Geld wird, wie gesagt, für Kriege verschwendet, die viel schaden, und wenn überhaupt, wenig nutzen, uns aber, wie schon im Manifest gesagt, schwer gefährden.

Wir möchten erreichen, dass mindestens 90% aller Menschen uns zustimmen und 1% der Menschheit bereit ist, dafür einmal im Jahr auf die Straße zu gehen.. Denn die Menschheit vergisst schnell und muss immer wieder an diese Gefahr erinnert werden. Dies ist eine Aktion für alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, politischer Überzeugung und so weiter.

Wir haben damit zwei zentrale Stoßrichtungen: Keine Kriege und das Militär nur für reine Verteidigung, dem Auftrag des GrundgesetzesAlle Angriffswaffen müssen nach und nach verboten werden. Bisher sind es schon die Biologischen und Chemischen Waffen, Landminen und Streubomben und jetzt auch die schlimmsten von allen, die Atomwaffen. Viele andere müssen folgen wie zum Beispiel Kampfroboter, darunter auch die sogenannten Drohnen, und andere. Nur weit überwiegende Verteidigungswaffen sollen erlaubt bleiben. Dann ist jeder Angriff zum Misserfolg verurteilt. (Denn die Verteidigungswaffen entwickeln sich weiter, die Angriffswaffen aber nicht. Natürlich braucht es dafür einen UN Ausschuss, der regelmäßig die Kriterien überprüft) Dafür müssen wir die UN unterstützen. Wir müssen auch alle Staaten, wie auch Deutschland, dazu motivieren, dem „Nuclear Ban Treaty“, dem Vertrag für das Nuklearwaffenverbot, dieser großen Errungenschaft, beizutreten.

Für diese beiden Aktionen im Juli hätten wir gern Eure Zustimmung und Unterstützung.

Natürlich freuen wir uns über jeden, der zu unserer Gruppe hinzustößt, sei es für den Flaggentag, sei es für die Organisation der Kundgebung.

Ein Überblick zum Thema

Helmut Käss

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Ordnungsprinzipien

Einige Prinzipien, die zentral für das menschliche Glück scheinen:

  • Menschheit vor Kleingruppen: wenn man seine eigene Gruppe vor die Interessen der Menschheit stellt, leiden alle. Die basalen Interessen der Menschheit müssen vorgehen.
  • Verteidigung ist als Notfall erlaubt, aber Angriff nur der UN als Polizeieinsatz mit Genehmigung eines „Sicherheitsrates“ oder eines künftigen „Notfallrates“ (z.B. Forum Crisis prevention) vorbehalten.
  • Reich/Armutsrelation in einem vernünftigen und konstruktiven Verhältnis: global marshalplan…
  • Globaler Fußabdruck muss akzeptabel sein, sowohl fossil wie auch bei Vermüllung und Umweltgiften: jeweils muss für „Grenzwerte“ von der Gemeinschaft und den UN gesorgt werden.

 

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Paradise Papers: Es ein Kraut gewachsen gegen Steuerflucht

Gesendet: Montag, 06. November 2017 um 12:33 Uhr
Von: Attac-Pressestelle <presse@attac.de>
An: attac-d-presse@listen.attac.de
Betreff: [attac-d-presse] Paradise Papers: Es ein Kraut gewachsen gegen Steuerflucht
Pressemitteilung
Attac Deutschland
Frankfurt am Main, 6. November 2017

* Paradise Papers: Es ein Kraut gewachsen gegen Steuerflucht

* Attac fordert öffentliches Transparenzregister, Verbot von Geschäften
in Steueroasen und EU-weite Gesamtkonzernsteuer

(mit Fotos und Video der Apple-Aktion am 1.11.)

Die Paradise Papers zeigen für das globalisierungskritische Netzwerk
Attac das Versagen der Politik bei der Bekämpfung von Steuerflucht.
„Wenn Noch-Bundesfinanzminister Schäuble sagt, der Kampf gegen
Steuerflucht gleiche dem gegen eine Hydra, der für jeden abgeschlagenen
Kopf ein neuer nachwächst, dann ist das eine Bankrotterklärung der
Politik“, sagte Alfred Eib vom Attac-Koordinierungskreis „Es gibt
durchaus wirksame Mittel gegen Steuertricks von Konzernen und Reichen –
sie müssen nur angewandt werden. Was fehlt, ist der politische Wille,
denn die Regierungen der großen Industrieländer sind Komplizen des
weltweiten Offshore-Systems.“

Attac fordert unter anderem:

– Öffentliche Transparenzregister:
Die wahren wirtschaftlichen Eigentümer hinter Briefkastenfirmen, Trusts
und Stiftungen müssen offengelegt und öffentlich einsehbar sein. Das
EU-Parlament fordert solche Register, doch Schäuble und viele
EU-Regierungen wollen den öffentlichen Zugang einschränken. Somit dient
Deutschland weiterhin selbst als Steueroase für Diktatoren und
Verbrecher aus anderen Ländern, die hier ihr Geld verstecken.

– Verbot und hohe Geldstrafen für Geschäfte in Steueroasen:
Allen in Deutschland bzw. der EU tätigen Banken und Firmen muss verboten
werden, Geschäfte in Staaten zu machen, die nicht mit den deutschen oder
europäischen Steuerbehörden kooperieren. Dazu ist ein
Unternehmensstrafrecht notwendig, wie es viele Länder bereits haben.
Banken muss die Lizenz entzogen werden.

– Country-by-country-reporting:
Multinationale Konzerne müssen in öffentlich einsehbaren Länderberichten
offenlegen, in welchen Staaten sie aktiv sind und wieviel Umsatz,
Beschäftigte, Investitionen, Gewinne und Steuern in dem jeweiligen Land
anfallen. Die Bundesregierung wehrt sich gegen entsprechende Vorschläge
des EU-Parlaments.

– Gesamtkonzernsteuer:
Eine starke EU-weit einheitliche Besteuerung von Konzernen mit
verpflichtenden Mindeststeuersätzen würde Steuertricks durch
Gewinnverschiebung in Steueroasen effektiv verhindern

Attac setzt sich seit Jahren für eine konsequente Bekämpfung von
Steuerhinterziehung, Steuerflucht und Steuervermeidung ein – aktuell mit
einer Kampagne für eine Gesamtkonzernsteuer.

Erst am Mittwoch erregte eine Aktion gegen Steuertricks von Apple
Aufsehen: Attac-Aktive bemalten die Schaufenster eines Stores in Köln
mit abwaschbarer Farbe und sprühten Forderungen wie „Zahlt die 13
Milliarden“ zurück, „Pay your Taxes“ und „Steuertricks stoppen“ auf
Scheiben und Fassade. (http://t1p.de/Apple-Aktion-Pressefoto;
http://t1p.de/Apple-Aktion-Video). Apple findet sich auch in den
Paradise Papers prominent wieder.

Weitere Informationen:

* Aktion am Apple-Store in Köln (1.11.)
www.attac.de/apple-aktion
Pressefoto: http://t1p.de/Apple-Aktion-Pressefoto
Video: http://t1p.de/Apple-Aktion-Video

* Attac-Vorschläge gegen Steuerflucht:
www.attac.de/steuerflucht

* Attac-Kampagne für Gesamtkonzernsteuer:
www.attac.de/gesamtkonzernsteuer

* Broschüren zur Steuervermeidung und zur Gesamtkonzernsteuer
(Attac-Autor Karl-Martin Hentschel):
https://netzwerk-steuergerechtigkeit.de/material/info-steuergerechtigkeit

Für Rückfragen und Interviews:

* Alfred Eibl, Attac-Koordinierungskreis, Tel. 0160 9078 0266

* Karl-Martin Hentschel, Attac-Arbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuern,
Tel. 0151 5908 4268

* Detlev von Larcher, Attac-Arbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuern, Tel.
Tel. 0160 9370 8007


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Frauke Distelrath
Pressesprecherin Attac Deutschland
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Post: Münchener Str. 48, 60329 Frankfurt/M
Tel.: 069 900 281-42; 0151 6141 0268
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Die Welt ist in Unordnung

Die Welt ist in Unordnung

Sie ist schlecht verwaltet

.

Es ist absurd, dass eine Person viele Milliarden € oder auch Dollar besitzt und andernorts viele Leute verhungern und es ist absurd, dass für die Rüstung viel mehr ausgegeben wird, als für die soziale Grundversorgung der Menschheit gebraucht wird, wobei  die Menschheit immer reicher wird, da die Produktivität enorm angestiegen ist

.

wir wollen Frieden,

eine gute Verwaltung

.

Wir wollen

deutlich mehr Geld für Leben und Glück für alle,

von dort, wo es ist,

.

vom Militär

und den Super-Reichen

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Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 8.7.96

Atomwaffeneinsatz ist völkerrechtswidrighttp://www.ag-friedensforschung.de/themen/Atomwaffen/10jahre-igh.html

und  https://www.facebook.com/events/254543378258820/

Beim 5. Flaggentag der Mayors for Peace:  20 Jahre : Atomwaffen sind generell völkerrechtswidrig.

Der Einsatz von Atomwaffen ist grundsätzlich illegal. Es besteht eine Verpflichtung, Verhandlungen zu beginnen, alle Atomwaffen abzurüsten. Das sind die zwei Kernsätze des Rechtsgutachtens des Internationalen Gerichtshofs (IGH) vom 8. Juli 1996.

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etwa 23 Mrd Dollar

Laut Internet etwa 23 Mrd Dollar:

  1. das Hungerproblem: „7 Milliarden Dollar nötig, um Hungerproblem zu lösen“: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/762435/7-Milliarden-Dollar-noetig-um-Hungerproblem-zu-loesen  und

2. Schule für alle Kinder!  www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/unesco-bericht-weltweit-72-millionen-kinder-ohne-chance-auf-bildung-a-672821.html  (…Doch selbst dann bleibe eine Finanzierungslücke von 16 Milliarden Dollar jährlich für 46 arme Länder…)

Lasst es das Doppelte sein: Immer noch viel weniger als die über 1700 Mrd. Dollar an  jährlichen Ausgaben  für Rüstung und Kriege, die unseres Erachtens total vergeudet und die  wegen des Russell-Einsteinmanifests sowieso verboten sind …

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a letter about two themes, which belong to each other

„No wars anymore“ and the Impact on Politics:

Dear Peace loving People

After the agreeable result of the very effective campaign for the banning of nuclear weapons and the shameful non-participation of our Germany I hope the peace movement proceeds.

One of the reasons that my friends and I participate in actions against the horrible military development oft this time is the Russell-Einstein Manifesto, which calls for an end to all war.

We succeeded in creating a yearly commemoration of the Manifesto here in Braunschweig in 2015. The commemoration of the Manifesto takes place one day after the Flag Day of the Mayors for Peace (which honors the International Court’s decision on the illegality of nuclear weapons), so we celebrate these days together, as we have a Mayor for Peace (so we get a representative room for free and a speech by the mayor of the city each year). We think every town and village in the world should have at least one day of this kind. So we hope that our commemoration spreads all over the world.

Now we have had a second idea to make this a more effective event. The military–industrial complex is such a parasite sucking the very blood of humanity; it gorges on more money than we would need to feed the poor of this world and give everyone a good education. Therefore we want to establish a big event to call attention to this, and we plan to do it the day after the commemoration of the Manifesto. We’re taking the „Munich Security Conference“ as a model – each February influential people and the armaments industry meet, while the peace movement has a parallel peace conference on Friday, usually with over a hundred attendees and some actions on Saturday morning and evening and a demonstration at midday on Saturday with over a thousand people. To bring attention to the terrible waste of the military complex, we also want to have a very big demonstration the day after the Manifesto commoration day in Braunschweig. In the long run, we hope to do this annually and spread the idea world-wide. Humanity forgets quickly and has to be reminded yearly, otherwise it might destroy itself, as we all fear.

What do you think about our idea from Braunschweig?

Could you imagine supporting a yearly commemoration of the manifesto (or even such a weekend) in your city each July?

Dr. med. Helmut Käss
Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513, 0176 57747 881

helmut_kaess@web.de

http://helmutkaess.de/Wordpress/

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Two central themes for humanity

Dies auf Deutsch

 In the peace movement in Braunschweig there is this initiative :

First: a commemoration of the request of the Manifest of Russell und Einstein: War never again!  This is said in the Manifest, because each war can escalate to an atomic war, which can lead to the total annihilation of mankind.

The yearly commemoration has already started in Braunschweig. It happens around the 8. July late afternoon in the old room „Dornse“, former city hall, Altstadtmarkt. It will happen again next July.

And a Protest Rally: It is a shame, that much more money is spent for the military (which endangers the existence of mankind) than would be needed for the basic needs of humanity and education for all as precondition for a good life.

We will try to form such a protest rally the saturday after the commemoration in Braunschweig as well once a year and to spread this idea all over the world.

For this in summary a presentation

And a suggestion for a central poster: 

The world is in disorder

It is organized badly

It is absurd, that for for the military is spent much more than would be needed for getting free education for any child and the feeding of the hungry and it is absurd, that a person owns more than a billion € or $, while other people dy by hunger. It should be easy to do, as productivity has risen enormously.

We want Peace and

a good Administration

We want more money for all, from, where it is (partly misused)

The Military

And the Super-Rich

 

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a presentation of „No wars anymore“

a presentation of „No wars anymore“

Dies auf Deutsch

Two themes, which belong to each other:No wars anymore“ and the Impact on Politics:

And a somewhat ironical appellation by a friend named Fritz Walz: „a humanist shows ways to everlasting peace on earth.“

The world situation is precarious. We live under the swort of Damokles by the risk of atomic war. In a world, where the rich become mostly extremly richer, but the poor do not participate. Where we realize a dramatic climate warming and the seas become more and more acidic and littered with plastics. Wars are waged more and more for the reason of dominance though forbidden by international law. According to our opinion (of a little group of the peace movement in Braunschweig) this is all stupid. Humanity is so creative that all problems could be solved by cooperation. How can we reach such an cooperation? According to our opinion a yearly worldwide commemoration linked with a demonstration would be useful.

I begin with this two thesis:

  1. No wars are allowed any more,as each war could lead by escalation to an atomic war and by this to the annihilation of humanity.
  2. The costs of  the worldwide military (in the last years about 1800 billion Dollar,mostly by USA and the Nato) should be reduced to the ability to defend oneself and the money saved should be used for the clean up of humanity. (Nutrition for the very hungry and free school for every child on earth as precondition for a good life and a worldwide real democracy ) According to my very crude researches 23 billion Dollar could be sufficient for this. Let it be more, even 500 Billion Dollar would be easily possible, as so much money is wasted mostly for dominance reasons.

To  the first thesis:  we say it in the memory  of  the manifest of Russell and Einstein that wars are not allowed any more. There they make this request, because each war might  escalate to an atomic war and might lead to  the extinction of mankind. This is a sentence nearly everyone understands and it is connected to  the name of Einstein, which is known to nearly everybody.

This memoration day has started already in Braunschweig. It nearly coincides with the Flagday of the Mayors for Peace, Therefore we have chosen a date around the 8. Juli (the day the international court has declared the illegality of atomic weapons) as memory of both days also, as our mayor is a mayor for peace. More than seven thousand cities of this world, from these five hundred in Germany, have such a mayor and each city, each village should have such a mayor, as nobody wants  to be killed by atomic weapons.

On the other hand it is said, that wars ever existed and will always exist. But this means by the existing technology of weapons, that  humanity will in fact destroy itself. We have to use our brains to make a big step in our developement and to choose human cooperation instead of doom. Willy Brandt and Egon Bahr (as well as Martin Luther King) have shown us the way in a time, when the social democratic party in Germany was still the party of normal working families (and did not give in to  the interests oft he rich). Common security, where you think of the safety necessities of your enemy too and the Organisation for Security and Cooperation in Europe were hopeful and strong steps in the right direction.

To reach out to this, we as peace movement must become more effective. To us this seems possible by a yearly remembrance to this commemoration of the manifest, but also according to human nature by a yearly big demonstration. The idea for this I got in München.

There each Febuary the „Security-Conference“ takes place, a meeting of  the rich and influential. (The peace movement calls it an Insecurityconference) There the main action of the peacemovement occurs at a Friday evening in a former city-hall with excellent speeches and a welcoming speech by a mayor of the city (with about 100-200 people) and some other peace meetings happen around it. On Saturday midday is a colorful demonstration, which encircles the place of  the  „Securityconference“  with about 1000-2000 people…

This is our idea to do it next year: On Friday the memory of  the flagday and the manifest with the main sentence: Never war again! And on Saturday a demonstration with a slogan like: „Social welfare instead of tanks“ or „adequate supply instead of doom“.

Therefore according to  the second thesis we want to make in Braunschweig and everywhere a demonstration as big as possible, where there are shown slogans, which are important to anyone: „it is absurd, that for  the military much more is spent than would be needed for the humanitarian basic services and it ist absurd, that one person owns more than a billion Dollar, while on the same time elsewhere people dy by hunger.“  We want our share there, where the money is misspent, from the military and the super-rich. And under this  main topic all the many humanitarian interests should be present with topics as clima, souroundings, bad farming, poison in food and clothes and so on, where the spoilt money is much better spent.

This is in the interest of nearly all human beings but the tiny minority oft he worlwide billionaires, but who have a tremendous influence und who do a lot of harm to humanity with their combined effort as you can hear by Rainer Mausfeld and others. (for instance a discussion from R.M. with Ken Jebsen with English Sublines: https://www.youtube.com/watch?v=dBPUGRnzcdo )

We, that means a little group of  the peace movement on Braunschweig: The local IPPNW (www.ippnw.org) and other peace groups have decided to start the program descibed above in the hope that it spreads all over the world.

The peacemovement, especially ICAN (www.icanw.org) and it´s „parents“ IPPNW (www.ippnw.orghad the big success this summer when the nuclear ban treaty was decided. This means, that not only biological and chemical weapons and for instance landmines are forbidden by international law, but also the most horrendous weapons of mass murder, the atomic weapons. Many arms of offence must follow: The bombers, the tanks, the cruise missiles, the rockets, the armed drones, the weapons with artificial intelligence and much more. Allowed should be only weapons which are best in defense like bazookas and flak. Then an attack on other countries would be hardly possible. We should try to influence our governments (in Germany international law is  part of the constitution, yet it doesn´t work) to respect fully the international law. Why does  Germany take part in the Syrian war in breach of international law? Why does it tolerate the drone murders  from the us-base in Ramstein?

This are our plans. We need every possible support!

Helmut  Käss

These arguments in a shorter way: http://helmutkaess.de/Wordpress/?p=4609


 

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