Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg wurde veröffentlicht
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Ende 2019 hat Putin angekündigt, einen Artikel über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges zu schreiben. Der sehr lange Artikel ist am Freitag veröffentlicht worden und sein Inhalt dürfte viele überraschen. Ich habe Putins Artikel übersetzt.
Da Putins Artikel in der Tat sehr lang ist, erlaube ich mir dazu ein paar einleitende und zusammenfassende Worte, die aus meiner Sicht beim Verständnis des Artikels helfen. In seinem Artikel schlägt Putin einen sehr weiten Bogen. Er schreibt über das, was er in Archiven über den Weg in den Zweiten Weltkrieg und über den Verlauf des Krieges gefunden hat und beruft sich auf neue, in Russland veröffentlichte Originaldokumente. Das macht den größten Teil des Artikels aus. Aber Putin schlägt dann den Bogen weiter zur Nachkriegszeit und bis heute. Er plädiert dafür, aus der Vergangenheit zu lernen, nicht die Geschichte umzuschreiben oder bestehende Regeln und Institutionen, die seit 1945 einen neuen Weltkrieg verhindert haben, zu schwächen. Im Gegenteil plädiert Putin für die Beibehaltung und die Achtung des nach 1945 entstandenen Völkerrechts und er plädiert für das, was manche Journalisten als „neue Jalta-Konferenz“ bezeichnet haben, wie Putin ganz am Ende des Artikels schreibt. Auf dieser Konferenz – so Putins Wunsch – sollen sich die „Großen Fünf“ auf Regeln einigen, die auch in Zukunft einen globalen Konflikt verhindern können. Zum Verständnis des Artikels ist es auch wichtig, Russland ein wenig zu kennen, denn ein Teil des Artikels ist durchaus auch für das russische Publikum bestimmt. Im Zweiten Weltkrieg hat jeder siebte Sowjetbürger sein Leben verloren, jede Familie hat Menschen verloren, der Krieg ist tief eingebrannt in die russische Seele und in das kollektive Gedächtnis der Russen. Der Zweite Weltkrieg ist in Russland immer noch präsent, wesentlich stärker, als in allen westlichen Ländern. Daher ist der Tag des Sieges über den Faschismus der wichtigste Feiertag in Russland und mit nichts zu vergleichen, was wir im Westen kennen. Vor kurzem wurde von der russischen Zivilgesellschaft eine neue Tradition ins Leben gerufen: Das Unsterbliche Regiment. Dabei ziehen die Menschen mit Fotos ihrer Vorfahren, die im Krieg gekämpft haben und gestorben sind, durch die Städte. Die Prozession dauert Stunden und am Straßenrand sehen Zehntausende zu. Es sind Millionen Menschen an dem Tag auf den Straßen und gedenken der Opfer und den Entbehrungen ihrer Vorfahren. Ich kenne keinen Feiertag in anderen Ländern, an dem die Menschen in so großer Zahl teilnehmen. Die Atmosphäre ist dabei nicht aggressiv oder „anti-deutsch“, es ist eine friedliche Atmosphäre, eine Mischung aus Gedenken, Respekt und Stolz. Zum Mitmachen müssen die Menschen nicht gezwungen werden, sie machen es aus eigenem Antrieb, weil ihnen dieses Gedenken wichtig ist. Das muss man zum Verständnis einiger Passagen dieses Artikels wissen. Putins Artikel ist so etwas wie ein Grundsatzprogramm. Putin erklärt in dem Artikel sowohl den einfachen Russen, als auch den wichtigen Politikern der Welt, wie er geschichtliche Zusammenhänge sieht und vor allem, welche Lehren seiner Meinung nach daraus für die heutige und zukünftige Politik gezogen werden sollten. Die geschichtlichen Fakten, die er nennt, sind unbestreitbar, sie erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, der Artikel ist kein Geschichtsbuch. Die Lehren, die Putin aus der Geschichte zieht, kann man diskutieren und genau dazu ruft er auf.
So viel zum besseren Verständnis, nun beginnt die Übersetzung
von Putins
sehr langem Artikel.
Beginn der Übersetzung:
75 Jahre sind seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges
vergangen. Im Laufe der Jahre sind mehrere Generationen
herangewachsen. Die politische Landkarte des Planeten hat sich
verändert. Die Sowjetunion, die einen großen, vernichtenden Sieg
über den Nationalsozialismus errungen hat und die ganze Welt
gerettet hat, gibt es nicht mehr. Und die Ereignisse dieses
Krieges sind, auch für seine Teilnehmer, in eine ferne Vergangenheit
gerückt. Aber warum wird in Russland der 9. Mai als der wichtigste
Feiertag gefeiert, und warum scheint am 22. Juni das Leben
einzufrieren und man hat regelrecht einen Kloß im Hals? (Anm. d.
Übers.: Am 22. Juni 1941 hat Deutschland die Sowjetunion
angegriffen)
Bei uns sagt man, dass der Krieg eine tiefe Spur in der Geschichte
jeder Familie hinterlassen hat. Hinter diesen Worten stehen die
Schicksale von Millionen von Menschen, ihr Leiden und der Schmerz des
Verlustes. Und auch Stolz, die Wahrheit und die Erinnerung.
Für meine Eltern bedeutete der Krieg die schreckliche Qual des
belagerten Leningrad, wo mein zweijähriger Bruder Vitya starb,
wo meine Mutter auf wundersame Weise überlebte. Mein Vater meldete
sich freiwillig, um seine Heimatstadt zu verteidigen, er tat dasselbe
wie Millionen sowjetischer Bürger. Er wurde an der Newski-Brücke
schwer verwundet. Und je weiter diese Jahre sich entfernen, desto
größer wird der Wunsch, mit den Eltern zu sprechen, mehr von ihnen
über die Zeit des Krieges zu erfahren. Aber heute ist es unmöglich,
irgendetwas zu fragen, also bewahre die Gespräche mit meinem Vater
und meiner Mutter über dieses Thema in meinem Herzen, auch ihre
zurückgehaltenen Emotionen.
Für mich und meine Altersgenossen ist es wichtig, dass unsere
Kinder, Enkel und Urenkel die Prüfungen und Ängste verstehen, die
ihre Vorfahren durchgemacht haben. Wie und warum konnten wir
überleben und gewinnen? Woher kam ihre wirklich eiserne Stärke, die
die ganze Welt überrascht und fasziniert hat? Ja, sie verteidigten
ihr Zuhause, ihre Kinder, ihre Lieben, ihre Familien. Aber sie
alle waren vereint durch die Liebe zum Vaterland. Dieses tiefe,
persönliche Gefühl spiegelt sich voll und ganz im Wesen unseres
Volkes wider und ist zu etwas Bestimmenden in seinem heldenhaften,
opferbereiten Kampf gegen die Nazis geworden.
Oft frage ich mich: Wie wird sich die heutige Generation
verhalten, was wird sie in einer kritischen Situation tun? Vor meinen
Augen sehe ich junge Ärzte und Krankenschwestern, die eben noch
Studenten waren, die heute in die „rote Zone“ gehen, um Menschen
zu retten. Auch unsere Soldaten, die im Kampf gegen den
internationalen Terrorismus im Nordkaukasus, in Syrien dem Tode ins
Auge sehen, sind sehr junge Leute! Viele Kämpfer der legendären,
unsterblichen sechsten Landekompanie waren 19 oder 20 Jahre alt. Aber
sie alle zeigten, dass sie unser Mutterland in dem Krieg würdig
verteidigt haben.
Daher bin ich sicher, dass der Charakter der Völker Russlands
darin besteht, ihre Pflicht zu erfüllen, wenn die Umstände es
erfordern, anstatt sich selbst zu bemitleiden. Selbstlosigkeit,
Patriotismus, die Liebe zur eigenen Heimat, zur eigenen Familie, zum
Vaterland – diese Werte sind für die russische Gesellschaft nach
wie vor von grundlegender Bedeutung. Sie sind im Großen und Ganzen
die Garanten der Souveränität unseres Landes.
Jetzt sind neue Traditionen entstanden, die aus dem Volk gekommen
sind, wie das Unsterbliche Regiment. Dieser Marsch unseres
dankbaren Gedenkens ist die lebendige Verbindung zwischen den
Generationen. Millionen von Menschen gehen mit Fotos ihrer
Verwandten, die das Vaterland verteidigt und den Nationalsozialismus
besiegt haben, zu den Veranstaltungen. Das bedeutet, dass ihr Leben,
ihre Prüfungen und Opfer, der Sieg, den sie uns gegeben haben,
niemals vergessen werden. (Anm. d. Übers.: Das Unsterbliche
Regiment ist eine beeindruckende Veranstaltung, bei der Menschen mit
den Fotos ihre Vorfahren, die am Krieg teilgenommen haben, durch die
Städte ziehen. Hier in Petersburg, wo ich lebe, findet das auf der
zentralen Straße statt. Sie ist in beide Richtungen vierspurig und
die Prozession dauert Stunden, in der die Menschenmassen Schulter an
Schulter an den Zuschauern vorbeiziehen. Die Stimmung dabei ist
friedlich, aber die Bilder sind eindrücklicher, als jede
Dokumentation oder jedes Buch über den Krieg. Wenn man auf diese
Weise vorgeführt bekommt, wie viele Menschen alleine aus einer Stadt
in dem Krieg gekämpft und gelitten haben oder gestorben sind, dann
geht man wirklich mit dem Gedanken „nie wieder Krieg!“
nach Hause)
Es ist unsere Verantwortung gegenüber der Vergangenheit und der
Zukunft alles zu tun, um eine Wiederholung einer so schrecklichen
Tragödien zu verhindern. Daher sehe ich es als meine Pflicht an, in
einem Artikel über den Zweiten Weltkrieg und den Großen
Vaterländischen Krieg zu sprechen. Ich habe diese Idee wiederholt in
Gesprächen mit führenden Politikern der Welt diskutiert und bin
dabei auf ihr Verständnis gestoßen. Ende letzten Jahres, auf
dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der GUS-Staaten, waren
wir uns alle einig: Es ist wichtig, der Nachwelt die Erinnerung zu
vermitteln, dass der Sieg über den Nationalsozialismus in erster
Linie vom gesamten sowjetischen Volk errungen wurde, dass in
diesem heldenhaften Kampf – an der Front und in der Heimat –
Vertreter aller Republiken der Sowjetunion Schulter an Schulter
gestanden haben. Im Dezember habe ich mit meinen Kollegen über die
schwierige Vorkriegszeit gesprochen.
Dieses Gespräch hat in Europa und der Welt große Resonanz
gefunden. Das bedeutet, dass es wirklich notwendig und aktuell ist,
sich den Lehren der Vergangenheit zuzuwenden. Gleichzeitig gab es
viele Emotionen, schlecht verborgene Komplexe und laute
Anschuldigungen. Eine Reihe von Politikern erklärte schnell, dass
Russland versuche, die Geschichte umzuschreiben. Dabei konnten sie
jedoch keine einzige Tatsache, kein einziges Argument widerlegen.
Natürlich ist es schwierig und sogar unmöglich, den
Originaldokumenten zu widersprechen, die übrigens nicht nur in
russischen, sondern auch in ausländischen Archiven aufbewahrt
werden.
Daher ist es notwendig, die Analyse der Ursachen, die zum
Weltkrieg geführt haben, fortzusetzen und über seine Ereignisse,
Tragödien und Siege, über seine Lehren – für unser Land und die
Welt – weiter nachzudenken. Und dabei, ich wiederhole das, ist es
prinzipiell wichtig, sich nur auf Material aus Archiven und Aussagen
von Zeitzeugen zu verlassen, um jede Ideologisierung und
Politisierung auszuschließen.
Ich erinnere noch einmal an das Offensichtliche: Die Ursachen des
Zweiten Weltkriegs sind größtenteils auf die Entscheidungen
zurückzuführen, die nach dem Ersten Weltkrieg getroffen wurden. Der
Versailler Vertrag ist für Deutschland zu einem Symbol tiefer
Ungerechtigkeit geworden. De facto ging es darum, das Land
auszurauben, das den westlichen Verbündeten enorme Reparationen
zahlen musste, was seine Wirtschaft vollkommen erschöpft hat. Der
Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, der französische
Marschall Foche, hat Versailles prophetisch charakterisiert: „Das
ist kein Frieden, das ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“
Es war die nationale Demütigung, die den Nährboden für radikale
und revanchistische Gefühle in Deutschland geschaffen hat. Die Nazis
haben geschickt mit diesen Gefühlen gespielt, haben ihre Propaganda
darauf aufgebaut und sie versprachen, Deutschland vom „Erbe von
Versailles“ zu befreien, seine frühere Macht wiederherzustellen,
damit haben sie das deutsche Volk in einen neuen Krieg getrieben.
Es ist paradox, aber westliche Staaten, insbesondere das Vereinigte
Königreich und die Vereinigten Staaten, haben das direkt oder
indirekt ermöglicht. Ihre Finanz- und Industriekreise haben sehr
aktiv in deutsche Fabriken investiert, die militärisches Material
hergestellt haben. Und unter der Aristokratie und dem politischen
Establishment im Westen gab es viele Anhänger radikaler,
rechtsextremer, nationalistischer Bewegungen, die damals in
Deutschland und Europa an Zulauf gewannen.
Die „Friedensordnung“ von Versailles hat zahlreiche verborgene
Widersprüche und offensichtliche Konflikte geschaffen. Ihr Grund
waren die Grenzen der neuen europäischen Staaten, die von den
Siegern des Ersten Weltkriegs willkürlich gezogen wurden. Fast
unmittelbar nach ihrem Erscheinen auf der Landkarte begannen
territoriale Streitigkeiten und gegenseitige Ansprüche, die zu
Zeitbomben wurden.
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Ersten Weltkriegs war die
Gründung des Völkerbundes. Diese internationale Organisation
weckte große Hoffnungen auf langfristigen Frieden und kollektive
Sicherheit. Es war eine progressive Idee, deren konsequente Umsetzung
ohne Übertreibung eine Wiederholung der Schrecken eines globalen
Krieges hätte verhindern können.
Der Völkerbund, der von den Siegermächten Großbritannien und
Frankreich dominiert wurde, demonstrierte jedoch seine Ineffizienz
und ertrank schlicht in inhaltslosen Gesprächen. Im Völkerbund
– und generell auf dem europäischen Kontinent – wurden
wiederholte Forderungen der Sowjetunion nach einem gleichberechtigten
System der kollektiven Sicherheit nicht beachtet. Insbesondere
der Abschluss osteuropäischer und pazifischer Pakte hätte der
Aggression einen Dämpfer versetzen können. Diese Vorschläge wurden
ignoriert.
Der Völkerbund konnte neue Konflikte in verschiedenen Teilen der
Welt, wie den Angriff Italiens auf Äthiopien, den Spanischen
Bürgerkrieg, Japans Aggression gegen China und den Anschluss
Österreichs, nicht verhindern. Und im Falle der Münchner
Verschwörung, an der neben Hitler und Mussolini die Führer
Großbritanniens und Frankreichs beteiligt waren, wurde mit der
vollen Zustimmung des Rates des Völkerbundes die Zerstückelung der
Tschechoslowakei beschlossen. Ich stelle in diesem Zusammenhang
fest, dass Stalin sich, im Gegensatz zu vielen der damaligen Führer
Europas, nicht mit einem persönlichen Treffen mit Hitler befleckt
hat, der damals in westlichen Kreisen als respektabler Politiker
bekannt war und ein gern gesehener Gast in den europäischen
Hauptstädten war. (Anm. d. Übers.: Das Münchner Abkommen wird
in Russland „Münchner Verschwörung“ genannt. Und auch wenn es
heute im Westen gerne vergessen wird, war Hitler tatsächlich über
viele Jahre im Westen sehr respektiert. Noch 1938 wurde
Hitler vom Time Magazine zum „Man of the Year“ erklärt)
Bei der Aufteilung der Tschechoslowakei arbeitete Polen mit
Deutschland zusammen. Sie haben im Voraus und gemeinsam
entschieden, wer welche Teile der Tschechoslowakei bekommen wird. Am
20. September 1938 informierte Polens Botschafter in Deutschland,
Józef Lipski, den polnischen Außenminister Józef Beck über
Hitlers Zusicherungen: „… Sollte es auf der Grundlage polnischer
Interessen in Teschen zwischen Polen und der Tschechoslowakei zu
einem Konflikt kommen, wird das Reich auf unserer (der polnischen)
Seite stehen.“ Der Anführer der Nazis gab sogar Ratschläge und
riet, dass der Beginn polnischer Aktionen „erst nachdem die
Deutschen die Sudetenberge besetzt haben, erfolgen“ solle. (Anm.
d. Übers.: Das wird in deutschen Geschichtsbüchern gerne
verschwiegen, aber Polen hat tatsächlich Teile der
Tschechoslowakei annektiert, als Deutschland die Sudetengebiete
besetzt hat. Das kann jeder leicht nachprüfen, indem
man die Geschichte des Gebietes Teschen – heute Cieszyn –
googelt)
In Polen wusste man, dass ihre aggressiven Pläne ohne Hitlers
Unterstützung zum Scheitern verurteilt gewesen wären. Hier zitiere
ich eine Aufzeichnung des Gesprächs des deutschen Botschafters in
Warschau, Moltke, mit Józef Beck über die polnisch-tschechischen
Beziehungen und die Position der UdSSR in dieser Angelegenheit vom 1.
Oktober 1938: „… Herr Beck… dankte für die loyale Auslegung
polnischer Interessen auf der Münchner Konferenz, sowie für die
Aufrichtigkeit der Beziehungen während des tschechischen Konflikts.
Die Regierung und die Öffentlichkeit (Polens) würdigen die
Position des Führers und Reichskanzlers voll und ganz.“
Die Teilung der Tschechoslowakei war grausam und zynisch. München
selbst hat die fragilen formalen Garantien, die noch auf dem
Kontinent verblieben waren, zum Einsturz gebracht und gezeigt, dass
gegenseitige Vereinbarungen wertlos waren. Es war die Münchner
Verschwörung, die den Abzug gedrückt hat, wonach der große Krieg
in Europa unvermeidlich wurde.
Heute möchten europäische Politiker, insbesondere polnische
Politiker, München „verschweigen“. Warum? Nicht nur, weil ihre
Länder damals ihre Verpflichtungen verraten haben, indem sie die
Münchner Verschwörung unterstützt und einige sich sogar an der
Aufteilung der Beute beteiligt haben, sondern auch, weil es irgendwie
unangenehm ist, sich daran zu erinnern, dass in diesen
dramatischen Tagen des Jahres 1938 nur die UdSSR für die
Tschechoslowakei eingetreten ist.
Die Sowjetunion versuchte auf der Grundlage ihrer internationalen
Verpflichtungen, einschließlich der Abkommen mit Frankreich und der
Tschechoslowakei, die Tragödie zu verhindern. Polen hat bei der
Verfolgung seiner Interessen mit allen Mitteln die Schaffung eines
Systems kollektiver Sicherheit in Europa verhindert. Der
polnische Außenminister Józef Beck schrieb am 19. September 1938
direkt an den bereits erwähnten Botschafter Józef Lipski vor dessen
Treffen mit Hitler: „… Im vergangenen Jahr hat die polnische
Regierung vier Mal Angebote abgelehnt, sich einer internationalen
Initiative zur Verteidigung der Tschechoslowakei anzuschließen.“
(Anm. d. Übers.: 1938 hatte die Tschechoslowakei Bündnisse mit
der Sowjetunion und mit Frankreich. Mit der Unterschrift unter das
Münchner Abkommen hat Frankreich sein Schutzversprechen
gegenüber der Tschechoslowakei gebrochen. Auch das wird
heute gerne in Geschichtsbüchern verschwiegen, ist aber leicht
nachprüfbar. Das französisch-tschechische Bündnis sah unter
anderem vor, dass französische Flugzeuge im Falle eines Krieges mit
Deutschland von der Tschechoslowakei aus die damals sehr wichtigen
Industriegebiete in Sachsen bombardieren sollten)
Großbritannien und auch Frankreich, das damals der wichtigste
Verbündete der Tschechen und Slowaken war, haben sich
entschieden, ihre Garantien aufzugeben und das osteuropäische Land
seinem Schicksal zu überlassen. Sie haben die Tschechoslowakei nicht
nur im Stich gelassen, sondern haben damit die Bestrebungen der
Nazis mit dem Ziel nach Osten gelenkt, dass Deutschland und die
Sowjetunion unweigerlich zusammenstoßen und sich gegenseitig
ausbluten würden.
Das war die westliche Politik des „Appeasement“. Und zwar
nicht nur in Bezug auf das Dritte Reich, sondern auch auf andere
Mitglieder des sogenannten Antikomintern Paktes, also das
faschistische Italien und das militaristische Japan. Seinen
Höhepunkt fand das im Fernen Osten im anglo-japanischen Abkommen vom
Sommer 1939, das Tokio Handlungsfreiheit in China gab. Die
führenden europäischen Mächte wollten die tödliche Gefahr für
die ganze Welt, die von Deutschland und seinen Verbündeten ausging,
nicht erkennen und sie erwarteten, dass der Krieg an ihnen
vorbeigehen würde.
Die Münchner Verschwörung zeigte der Sowjetunion, dass westliche
Länder Sicherheitsfragen lösen würden, ohne ihre Interessen zu
berücksichtigen, und in einem passenden Moment eine anti-sowjetische
Front bilden könnten.
Gleichzeitig hat die Sowjetunion versucht, jede Chance zu
nutzen, um eine Anti-Hitler-Koalition zu schaffen, ich wiederhole
es, trotz der zweideutigen Position der westlichen Länder. So
erhielt die sowjetische Führung im Sommer 1939 über die
Geheimdienste detaillierte Informationen über anglo-deutsche
Kontakte hinter den Kulissen. Bitte beachten Sie: Sie wurden sehr
intensiv und fast gleichzeitig mit den trilateralen Verhandlungen von
Vertretern Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR geführt,
welche die westlichen Partner bewusst verzögerten. In diesem
Zusammenhang erwähne ich ein Dokument aus britischen Archiven –
eine Anweisung an die britische Militärmission in Moskau, die im
August 1939 eintraf. Darin heißt es ausdrücklich, dass die
Delegation „sehr langsam verhandeln“ solle; dass „die
Regierung des Vereinigten Königreichs nicht bereit ist, detaillierte
Verpflichtungen einzugehen, die unsere Handlungsfreiheit einschränken
können.“ Ich möchte auch anmerken, dass die sowjetische
Delegation, im Gegensatz zu den Briten und Franzosen, von den
höchsten Führern der Roten Armee geleitet wurde, die alle
notwendigen Unterschriftsvollmachten hatten, um „ein
Militärabkommen über die Organisation der militärischen
Verteidigung Englands, Frankreichs und der UdSSR gegen eine
Aggression in Europa zu unterzeichnen“.
Polen, das keine Verpflichtungen gegenüber der sowjetischen Seite
eingehen wollte, hat seinen Teil zum Scheitern der Verhandlungen
beigetragen. Selbst unter dem Druck westlicher Verbündeter
verweigerte die polnische Führung gemeinsame Aktionen mit der Roten
Armee gegen die Wehrmacht. Erst als Ribbentrops Flug nach Moskau
bekannt wurde, teilte Herr Beck widerwillig und nicht direkt, sondern
über französische Diplomaten, der sowjetischen Seite mit: „… Im
Falle einer deutschen Aggression ist eine Zusammenarbeit zwischen
Polen und der UdSSR unter noch festzulegenden technischen Bedingungen
nicht ausgeschlossen.“ Gleichzeitig erklärte er seinen Kollegen:
„… Ich bin nicht gegen diese Formulierung, aber nur aus
taktischen Gründen, unsere grundsätzliche Sicht auf die UdSSR ist
endgültig und bleibt unverändert.“
In der entstandenen Situation hat die Sowjetunion den
Nichtangriffsvertrag mit Deutschland unterzeichnet und war damit
das letzte der europäischen Länder, das so etwas mit Deutschland
unterzeichnet hat. Es geschah vor dem Hintergrund einer realen
Kriegsgefahr an zwei Fronten, mit Deutschland im Westen und mit Japan
im Osten, wo es bereits heftige Kämpfe am Halhin-Gol-Fluss gab.
Stalin und seinem Umfeld kann man völlig zu Recht
vieles vorwerfen. Wir erinnern uns sowohl an die Verbrechen des
Regimes gegen sein eigenes Volk, als auch an die Schrecken der
massenhaften Repressionen. Ich wiederhole, man kann den sowjetischen
Führern in vielerlei Hinsicht Vorwürfe machen, aber man kann
ihnen keinen Mangel am Verständnis von äußeren Bedrohungen
vorwerfen. Sie sahen, dass man versuchte, die Sowjetunion alleine
gegen Deutschland und seine Verbündeten zu lassen, und die
sowjetische Führung handelten ausgehend von dieser realen Gefahr, um
wertvolle Zeit für die Stärkung der Verteidigung des Landes zu
erkaufen.
Es wird heute viel über den damals geschlossenen
Nichtangriffsvertrag geredet und es werden deshalb dem modernen
Russland viele Vorwürfe gemacht. Ja, Russland ist der
Rechtsnachfolger der UdSSR und die Sowjetzeit mit all ihren Triumphen
und Tragödien ist ein integraler Bestandteil unserer tausendjährigen
Geschichte. Ich möchte Sie aber auch daran erinnern, dass die
Sowjetunion eine rechtliche und moralische Bewertung des so genannten
Molotow-Ribbentrop-Pakts vorgenommen hat. Die Resolution des Obersten
Sowjet vom 24. Dezember 1989 verurteilte das geheime Zusatzprotokoll
offiziell als einen „Akt der persönlichen Macht“, der nicht „den
Willen des sowjetischen Volkes widergespiegelt hat, das nicht für
diese Verschwörung verantwortlich ist“. (Anm. d. Übers.: Der
Hitler-Stalin-Pakt heißt in Russland Molotow-Ribbentrop-Pakt)
Heute ziehen es andere Staaten vor, sich nicht an die Abkommen zu
erinnern, auf denen die Unterschriften der Nazis und westlicher
Politiker stehen. Ganz zu schweigen von einer rechtlichen oder
politischen Bewertung dieser Zusammenarbeit, einschließlich des
stillschweigenden Einverständnisses einiger europäischer
Persönlichkeiten zu den barbarischen Plänen der Nazis bis hin zur
direkten Ermutigung der Nazis. Alleine der zynische Satz des
polnischen Botschafters in Deutschland, Józef Lipsky, den er am
20. September 1938 in einem Gespräch mit Hitler gesagt hat,
spricht Bände: „… Für eine Lösung der jüdischen Frage
stellen wir (die Polen) ihm … ein schönes Denkmal in Warschau
auf.“
Wir wissen auch nicht, ob es „geheime Protokolle“ und Anhänge
zu den Abkommen dieser Länder mit den Nazis gab. Wir müssen ihren
Worten glauben. Insbesondere die Unterlagen zu den geheimen
anglo-deutschen Verhandlungen wurden bis heute nicht freigegeben.
Deshalb fordern wir alle Staaten auf, den Prozess der Öffnung ihrer
Archive zu beschleunigen und bisher unbekannte Dokumente aus der
Vorkriegs- und Kriegszeit zu veröffentlichen – wie es Russland in
den letzten Jahren getan hat. Wir sind bereit für eine breite
Zusammenarbeit, für gemeinsame Forschungsprojekte von Historikern.
Aber lassen Sie uns zu den Ereignissen zurückkehren, die
unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg stattfanden. Es war naiv zu
glauben, dass Hitler, nachdem er die Tschechoslowakei erledigt hatte,
keine weitere territorialen Ansprüche erheben würde. Diesmal
gegen Polen, seinen Komplizen bei der Teilung der Tschechoslowakei.
Der Grund dafür war übrigens auch ein Vermächtnis von Versailles –
das Schicksal des sogenannten Danziger Korridors. Die anschließende
Tragödie Polens hat die damalige polnische Führung auf dem
Gewissen, die den Abschluss einer anglo-französisch-sowjetischen
Militärunion verhindert und auf die Hilfe ihrer westlichen
Partner gehofft hat. Damit lieferte sie ihr Volk Hitlers
Vernichtungsmaschinerie aus.
Die deutsche Offensive entwickelte sich in voller Übereinstimmung
mit der Doktrin des Blitzkrieges. Trotz des erbitterten, heldenhaften
Widerstands der polnischen Armee, standen deutsche Truppen eine Woche
nach Kriegsbeginn, am 8. September 1939, am Stadtrand von Warschau.
Und die militärische und politische Elite Polens floh am 17.
September nach Rumänien und hat ihr Volk verraten, das weiter gegen
die Invasoren kämpfte.
Die westlichen Verbündeten haben die polnischen Hoffnungen
nicht erfüllt. Nach der Kriegserklärung gegen Deutschland
rückten französische Truppen nur wenige Dutzend Kilometer tief auf
deutsches Gebiet vor. Es machte nur den Anschein einer Demonstration
aktiver Handlungen. Mehr noch, der Anglo-Französische Oberste
Militärrat, der am 12. September 1939 in Abville (Frankreich)
erstmals zusammentrat, beschloss, die Offensive wegen der raschen
Entwicklung der Ereignisse in Polen ganz einzustellen. Der
berüchtigte „seltsame Krieg“ begann. Ganz offen haben
Frankreich und England ihre Verpflichtungen gegenüber Polen
verraten. (Anm. d. Übers.: In Deutschland wird die Zeit vom
Kriegsbeginn bis zur deutschen Offensive gegen Frankreich im Mai 1940
„Sitzkrieg“ genannt, in Frankreich spricht man vom „seltsamen
Krieg“)
Später, während der Nürnberger Prozesse, erklärten die
deutschen Generäle ihren schnellen Erfolg im Osten. Der ehemalige
Stabschef der operativen Führung des Oberbefehlshabers der deutschen
Streitkräfte, General Jodl, gab zu: „… Dass wir nicht schon
1939 verloren haben, liegt nur daran, dass etwa 110 französische und
britische Divisionen, die während unseres Krieges mit Polen im
Westen gegen 23 deutsche Divisionen standen, völlig passiv geblieben
sind.“
Ich habe aus den Archiven die ganze Palette von Dokumenten
angefordert, die mit Kontakten der UdSSR mit Deutschland während der
dramatischen Tage im August und September 1939 zusammenhängen. Aus
Ziffer 2 des geheimen Zusatzprotokolls zum Nichtangriffspakt zwischen
Deutschland und der UdSSR vom 23. August 1939 geht hervor, dass im
Falle des territorialen und politischen Umbaus der Regionen, aus
denen der polnische Staat bestand, die Grenze der Interessensphären
der beiden Länder „ungefähr entlang der Grenzen der Flüsse
Narev, Weichsel und Sana verlaufen sollte“. Mit anderen Worten, es
ging nicht nur um Gebiete, in denen eine überwiegend ukrainische und
belarussische Bevölkerung lebte, sondern auch die historisch
polnischen Gebiete zwischen Bug und Weichsel fielen in die
sowjetische Einflusssphäre. Dieser Tatsache ist heute nicht jedem
bekannt. (Anm. d. Übers.: Das ist wichtig, weil die
Grenze nach der Eroberung Polens nicht dort verlaufen ist, wo sie
laut Zusatzprotokoll hätte verlaufen sollen, sondern weiter
östlich.)
Das gilt auch für die Tatsache, dass Berlin unmittelbar nach dem
Angriff auf Polen in den ersten Septembertagen 1939 Moskau immer
wieder zur Teilnahme an der Militäraktion aufgefordert hat. Die
sowjetische Führung ignorierte solche Appelle jedoch und vermied bis
zum letzten Moment eine Einmischung in die dramatischen Ereignisse.
Erst als endgültig klar wurde, dass Großbritannien und
Frankreich nicht versuchten, ihrem Verbündeten zu helfen, und
die Wehrmacht in der Lage war, ganz Polen schnell zu besetzen und
sogar Minsk zu erreichen, wurde beschlossen, am Morgen des 17.
September die militärischen Einheiten der Roten Armee in die Gebiete
einrücken zu lassen, die heute Teile von Belarus, der Ukraine
und Litauen sind.
Es ist offensichtlich, dass es keine andere Möglichkeit gab.
Andernfalls wären die Risiken für die UdSSR um ein Vielfaches
gewachsen, denn, ich wiederhole es, die vorherige
sowjetisch-polnische Grenze verlief nur wenige Dutzend Kilometer von
Minsk entfernt und der unvermeidliche Krieg mit den Nazis hätte für
das Land aus einer äußerst ungünstigen strategischen Position
begonnen. Und Millionen von Menschen verschiedener Nationalitäten,
darunter Juden, die in Brest und Hrodna, Peresim, Lemberg und Wilna
lebten, wären den Nazis und ihren lokalen Handlangern,
Antisemiten und radikalen Nationalisten, zur Vernichtung überlassen
worden.
Genau diese Tatsache, dass die Sowjetunion bis zum Letzten
versuchte, eine Beteiligung am eskalierenden Konflikt zu vermeiden
und nicht auf der Seite Deutschlands spielen wollte, hat dazu
geführt, dass der tatsächliche Kontakt der sowjetischen und
deutschen Truppen weit östlich der Grenzen stattfand, die im
geheimen Zusatzprotokoll festgelegt waren. Nicht an der Weichsel,
sondern an der sogenannten Curzon-Linie, die 1919 von der Entente als
Ostgrenze Polens empfohlen wurde.
Bekanntermaßen ist der Konjunktiv schwierig auf Ereignisse
anzuwenden, die bereits eingetreten sind. Ich sage nur, dass die
sowjetische Führung im September 1939 die Gelegenheit hatte, die
westlichen Grenzen der UdSSR weiter nach Westen bis nach Warschau zu
schieben, aber beschlossen hat, dies nicht zu tun.
Die Deutschen schlugen vor, den neuen Status quo festzuschreiben.
Am 28. September 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in
Moskau den Freundschafts- und Grenzvertrag zwischen der UdSSR und
Deutschland, sowie ein geheimes Protokoll über die Änderung der
Staatsgrenze, indem eine Demarkationslinie festgelegt wurde, an der
de facto die zwei Armeen standen.
Im Herbst 1939 begann die Sowjetunion im Interesse ihrer
militärstragischen Notwendigkeiten mit der Integration Lettlands,
Litauens und Estlands. Ihr Beitritt zur UdSSR wurde auf
vertraglicher Basis mit Zustimmung der gewählten Regierungen
durchgeführt. Das entsprach damals dem Völker- und Staatsrecht.
Darüber hinaus wurde die Stadt Vilno und die umliegende Region, die
früher zu Polen gehörte, im Oktober 1939 an Litauen zurückgegeben.
Die baltischen Republiken behielten als Teil der UdSSR ihre
Regierungsorgane und ihre Sprachen und hatten Vertreter in den
höheren staatlichen Strukturen der Sowjetunion.
In all diesen Monaten ging der diplomatische und
militärisch-politische Kampf und die Arbeit der Geheimdienste
weiter. In Moskau verstand man, dass man es mit einem unversöhnlichen
und grausamen Feind zu tun hatte und dass der versteckte Krieg gegen
den Nationalsozialismus bereits im Gange war. Es gibt keinen Grund,
die offiziellen Erklärungen und formalen Protokollnotizen jener
Jahre als Beweis für eine „Freundschaft“ zwischen der UdSSR und
Deutschland zu sehen. Die UdSSR hatte nicht nur mit Deutschland,
sondern auch mit anderen Ländern aktive Handels- und technische
Kontakte. In der Zeit versuchte Hitler wiederholt, die UdSSR in
eine Konfrontation mit Großbritannien zu ziehen, aber die
sowjetische Führung hat sich nicht hineinziehen lassen.
Den letzten Versuch, die Sowjetunion zu überzeugen, gemeinsam zu
handeln, unternahm Hitler während des Besuchs von Molotow in Berlin
im November 1940. Aber Molotow folgte genau Stalins Anweisungen und
beschränkte sich auf allgemeine Gespräche über die Idee der
Deutschen, dem im September 1940 unterzeichneten Bündnis
Deutschlands, Italiens und Japans beitreten, das sich gegen
Großbritannien und die Vereinigten Staaten richtete. Es ist kein
Zufall, dass Molotow am 17. November den sowjetischen Vertreter
Maysky, der sich in London aufhielt, wie folgt instruierte: „Zu
Ihrer Orientierung… In Berlin wurde kein Vertrag unterzeichnet, das
war auch nicht beabsichtigt. In Berlin beschränkte es sich auf einen
… Meinungsaustausch… Die Deutschen und die Japaner scheinen uns
sehr in Richtung Persischer Golf und Indien drängen zu wollen. Wir
haben solche Ratschläge über dieses Thema abgelehnt, weil wir
solche Ratschläge Deutschlands für unangemessen halten.“ Und am
25. November hat die sowjetische Führung dem ein endgültiges Ende
gesetzt: Offiziell wurden die Bedingungen der Nazis als inakzeptabel
abgelehnt, darunter fiel die Forderung nach Abzug deutscher Truppen
aus Finnland, der gegenseitige Hilfsvertrag zwischen der UdSSR und
Bulgarien und einer Reihe anderer Verträge, wodurch absichtlich jede
Möglichkeit eines Beitritts zu dem Pakt ausgeschlossen wurde. Diese
Position bestärkte den Führer schließlich in seiner Absicht, einen
Krieg gegen die UdSSR zu beginnen. Und im Dezember, alle Warnungen
seiner Strategen vor der katastrophalen Gefahr eines Krieges an zwei
Fronten beiseite werfend, billigte Hitler den Plan „Barbarossa“.
Er tat dies, weil er erkannte, dass die Sowjetunion die wichtigste
Macht war, mit der er in Europa konfrontiert war und dass die
bevorstehende Schlacht im Osten über den Ausgang des Weltkriegs
entscheiden würde. Er war sich sicher, dass der Weg nach Moskau
schnell und erfolgreich sein würde.
Was ich besonders betonen möchte: Die westlichen Länder waren
damals mit den sowjetischen Aktionen einverstanden, sie erkannten den
Wunsch der Sowjetunion nach Gewährleistung ihrer Sicherheit an. So
sagte der damalige Chef der britischen Admiralität, Winston
Churchill, am 1. Oktober 1939 in einer Radioansprache: „Russland
verfolgt eine kalte Politik seiner eigenen Interessen … Um
Russland vor der Bedrohung durch die Nazis zu schützen, war es
eindeutig notwendig, dass die russischen Armeen auf dieser Linie
stehen.“ Am 4. Oktober 1939 erklärte der britische
Außenminister Halifax im House of Lords: „… Es sei daran
erinnert, dass die Sowjetische Regierung die Grenze im Wesentlichen
auf die Linie verlagert hat, die Lord Curzon während der Konferenz
von Versailles empfohlen hatte… Ich erwähne nur historische Fakten
und ich glaube, dass sie unbestreitbar sind.“ Der bekannte
britische Politiker und Staatsmann Lloyd-George unterstrich: „Die
russische Armee hat Gebiete besetzt, die nicht polnisch sind und die
nach dem Ersten Weltkrieg gewaltsam von Polen erobert wurden…
Es wäre ein Akt des kriminellen Wahnsinns, die russischen Bewegungen
mit den Bewegungen der Deutschen auf ein und dieselben Stufe zu
stellen.“ (Anm. d. Übers.: Auch das findet sich nicht in
deutschen Geschichtsbüchern: Nach dem Ersten Weltkrieg
herrschte in Russland Bürgerkrieg. Diese Schwäche Russlands hat
Polen im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1919 bis 1921 genutzt, um
sowjetische Gebiete im Baltikum, in Weißrussland und der Ukraine zu
annektieren.)
In informellen Gesprächen mit dem sowjetischen Botschafter Maysky
sprachen hochrangige britische Politiker und Diplomaten offener. Der
britische Vizeaußenminister Butler teilte am 17. Oktober 1939 mit:
„… In britischen Regierungskreisen steht die Rückgabe der
Westukraine und Weißrusslands an Polen außer Frage. Wenn es
gelingen würde, ein ethnisches Polen von bescheidener Größe mit
einer Garantie nicht nur der UdSSR und Deutschlands, sondern auch
Englands und Frankreichs zu schaffen, wäre die britische Regierung
ziemlich zufrieden.“ Am 27. Oktober 1939 sagte der Chefberater
von Neville Chamberlain, Wilson: „Polen muss… als unabhängiger
Staat auf seiner ethnographischen Basis wiederhergestellt werden,
aber ohne die Westukraine und Weißrussland.“
Man muss erwähnen, dass während dieser Gespräche eine
Verbesserung der sowjetisch-britischen Beziehungen sondiert wurde.
Diese Kontakte legten weitgehend den Grundstein für das künftige
Bündnis und die Anti-Hitler-Koalition. Unter den verantwortlichen,
visionären Politikern stach Churchill heraus, der trotz
seiner bekannten Antipathie gegenüber der UdSSR eine Zusammenarbeit
mit ihr befürwortete. Bereits im Mai 1939 erklärte er im Unterhaus:
„Wir werden uns in Lebensgefahr wiederfinden, wenn wir kein
großes Bündnis gegen die Aggression schaffen können. Es wäre die
größte Dummheit, wenn wir die natürliche Zusammenarbeit mit
Sowjetrussland ablehnen würden.“ Und nach dem Beginn der
Feindseligkeiten in Europa – bei einem Treffen mit Maysky am 1. Mai
1939 – vertraute Churchill ihm an: „… Es gibt keine ernsthaften
Widersprüche zwischen Großbritannien und der UdSSR, und daher gibt
es keinen Grund für angespannte und unbefriedigende Beziehungen. Die
britische Regierung… möchte die Handelsbeziehungen
weiterentwickeln. Sie wäre auch bereit, alle möglichen anderen
Maßnahmen zu erörtern, die die Beziehungen verbessern könnten.“
Der Zweite Weltkrieg begann nicht über Nacht, er begann nicht
unerwartet oder plötzlich. Und Deutschlands Aggression gegen
Polen geschah nicht plötzlich. Sie ist das Ergebnis vieler
Tendenzen und Faktoren der Weltpolitik jener Zeit. Alle Ereignisse
der Vorkriegszeit haben sich in einer schicksalhaften Kette
aufgereiht. Aber natürlich ist der wichtigste Grund, der die
größte Tragödie der Geschichte der Menschheit vorbestimmt hat,
staatlicher Egoismus, die Feigheit, einem stärker werdenden
Aggressor Widerstand zu leisten und der Unwillen der politischen
Eliten, einen Kompromiss zu finden.
Es ist daher unfair zu behaupten, dass der zweitägige Besuch des
Nazi-Außenministers Ribbentrop in Moskau der Hauptgrund für den
Zweiten Weltkrieg ist. Alle führenden Länder tragen in
unterschiedlichem Maße ihren Anteil an seinem Anfang. Jeder
machte irreparable Fehler, weil man glaubte, man könne andere
überlisten, sich einseitige Vorteile sichern oder sich von dem
bevorstehenden, weltweiten Übel fernhalten. Und für diese
Kurzsichtigkeit, kein System kollektiver Sicherheit zu schaffen,
mussten Millionen von Menschen mit ihrem Leben zahlen.
Ich schreibe darüber, ohne die geringste Absicht, die Rolle des
Richters zu übernehmen, jemanden zu beschuldigen oder zu
rechtfertigen, und erst recht nicht, um eine neue Runde
internationaler, verbaler Konfrontationen auf historischen Gebiet zu
initiieren, die Staaten und Völker gegeneinander aufbringen kann.
Ich glaube, dass die Suche nach einer ausgewogenen Bewertungen
vergangener Ereignisse durch die akademische Wissenschaft unter
Einbeziehung maßgeblicher Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern
erfolgen sollte. Wir alle brauchen Wahrheit und Objektivität. Ich
für meinen Teil habe meine Kollegen immer zu einem ruhigen, offenen,
vertrauensvollen Dialog, zu einem selbstkritischen,
unvoreingenommenen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit
aufgerufen. Ein solcher Ansatz wird es uns ermöglichen, die damals
gemachten Fehler nicht zu wiederholen und eine friedliche und
erfolgreiche Entwicklung für die Zukunft gewährleisten.
Viele unserer Partner sind jedoch noch nicht zur Zusammenarbeit
bereit. Im Gegenteil, indem sie ihre Ziele verfolgen, erhöhen
die Zahl und das Ausmaß der medialen Angriffe gegen unser Land, um
uns zu zwingen, uns zu entschuldigen. Damit wir uns schuldig
fühlen, verbreiten sie heuchlerische und politisierte Erklärungen.
So warf die vom Europäischen Parlament angenommene
Entschließung „Über die Bedeutung der Bewahrung der historischen
Erinnerung für die Zukunft Europas“ vom 19. September 2019 der
UdSSR direkt – zusammen mit Nazi-Deutschland – die Entfesselung
des Zweiten Weltkriegs vor. Natürlich findet sich dort kein Wort
über München.
Ich denke, dass solche „Papiere“, ich kann diese Entschließung
nicht als Dokument bezeichnen, mit all der offensichtlichen Erwartung
eines Skandals, eine gefährliche reale Bedrohungen bedeuten.
Schließlich wurde sie von einem hoch angesehenen Gremium angenommen.
Und was hat das gezeigt? So traurig es ist, das ist die bewusste
Politik der Zerstörung der Weltordnung der Nachkriegszeit, deren
Schaffung eine Frage der Ehre und Verantwortung der Länder war,
deren Vertreter heute für diese verlogene Erklärung gestimmt
haben. Auf diese Weise haben sie die Hand gegen die Ergebnisse des
Nürnberger Tribunals erhoben, gegen die Bemühungen der
internationalen Gemeinschaft, die nach dem siegreichen Jahr 1945
universelle, internationale Institutionen geschaffen haben. Ich
möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass der Prozess
der europäischen Integration, in dem die entsprechenden Strukturen,
einschließlich des Europäischen Parlaments, geschaffen wurden,
nur durch die Lehren aus der Vergangenheit, durch ihre klaren
rechtlichen und politischen Bewertungen ermöglicht wurde. Und
diejenigen, die diesen Konsens absichtlich in Frage stellen,
zerstören die Grundlagen des gesamten Nachkriegseuropas.
Neben der Bedrohung der Grundprinzipien der Weltordnung gibt es
auch eine moralische Seite. Die Verspottung und die Verhöhnung des
Gedenkens sind abscheulich. Die Abscheulichkeit ist absichtlich,
heuchlerisch und bewusst, wenn Erklärungen zum 75. Jahrestag des
Endes des Zweiten Weltkriegs alle Mitglieder der
Anti-Hitler-Koalition, mit Ausnahme der UdSSR, auflisten. Die
Abscheulichkeit kann feige sein, wenn Denkmäler, die zu Ehren der
Kämpfer gegen den Nationalsozialismus errichtet wurden, abgerissen
werden, wenn so beschämende Aktionen mit falschen Parolen gegen eine
unerwünschte Ideologie und eine angebliche Besetzung gerechtfertigt
werden. Die Abscheulichkeit kann blutig sein, wenn diejenigen, die
gegen Neonazis und die Erben von Bandera sind, getötet und verbrannt
werden. Ich wiederhole es: Die Abscheulichkeit manifestiert sich auf
unterschiedliche Weise, aber sie bleibt trotzdem ekelhaft.
Das Vergessen der Lehren der Geschichte kommt uns unweigerlich
teuer zu stehen. Wir werden die Wahrheit auf der Grundlage
dokumentierter, historischer Tatsachen entschieden verteidigen,
und wir werden weiterhin ehrlich und unvoreingenommen über die
Ereignisse des Zweiten Weltkriegs sprechen. Das ist das Ziel des
großen Projektes zur Schaffung der größten Sammlung von
Archivdokumenten, Film- und Fotomaterial zur Geschichte des Zweiten
Weltkriegs und der Vorkriegszeit in Russland. (Anm. d. Übers.:
Als Mensch, der sich für Geschichte interessiert und auch Russisch
und Deutsch spricht, freue ich mich schon sehr darauf, wenn dieses
neue Zentrum seine Türen öffnet die Dokumente der Öffentlichkeit
an einem Ort zugänglich gemacht werden)
Die Arbeit daran ist bereits im Gange. Viele neue, neu gefundene,
deklassifizierte Materialien wurden auch bei der Vorbereitung dieses
Artikels verwendet. In diesem Zusammenhang kann ich in aller
Verantwortung feststellen, dass es keine Archivdokumente gibt, die
die Absicht der Sowjetunion bestätigen würden, einen Präventivkrieg
gegen Deutschland zu starten. Ja, die sowjetische Militärführung
hielt sich an die Doktrin, dass die Rote Armee im Falle einer
Aggression den Feind schnell zurückwerfen, in die Offensive gehen
und den Krieg auf feindlichem Territorium führen wird. Solche
strategischen Pläne bedeuteten jedoch nicht die Absicht, Deutschland
als erstes anzugreifen.
Natürlich stehen Historikern heute Dokumente der militärischen
Planungen, Weisungen des sowjetischen und deutschen Oberkommandos zur
Verfügung. Und schließlich wissen wir, wie sich die Ereignisse in
der Realität entwickelt haben. Aus der Höhe dieses Wissens reden
viele Menschen über Fehler, Fehleinschätzungen der militärischen
und politischen Führung der Länder. Ich sage in diesem Zusammenhang
nur eines: Zusammen mit einem riesigen Strom aller möglichen
Falschinformationen erhielten die sowjetischen Führer wahre
Informationen über die bevorstehende Aggression der Nazis. Und
in den Vorkriegsmonaten wurden Schritte unternommen, um die
Kampfbereitschaft des Landes zu verbessern, einschließlich der
verdeckten Einberufung von Wehrpflichtigen und Militärangehörigen
zu Sammelpunkten, der Verlegung von Reserven aus Militärbezirken im
Landesinneren an die westlichen Grenzen.
Der Krieg kam nicht plötzlich, er wurde erwartet, man
bereitete sich darauf vor. Aber der Schlag der Nazis kam mit in der
Geschichte wirklich beispiellos zerstörerischer Macht. Am 22.
Juni 1941 stand die Sowjetunion der stärksten, mobilisierten und am
besten ausgebildeten Armee der Welt gegenüber, für die das
industrielle, wirtschaftliche und militärische Potenzial fast ganz
Europas arbeitete. An dieser tödlichen Invasion nahm nicht nur die
Wehrmacht teil, sondern auch die Satelliten Deutschlands, die Truppen
vieler anderer Staaten des europäischen Kontinents.
Schlimmste militärische Niederlagen brachten das Land 1941 an
den Rand der Katastrophe. Die Wiederherstellung der
Kampffähigkeit und Kontrolle erforderte außergewöhnliche Methoden,
eine allgemeine Mobilisierung, die Einspannung aller Kräfte des
Staates und des Volkes. Bereits im Sommer 1941 begann unter
feindlichem Beschuss die Evakuierung von Millionen von Bürgern,
Hunderten von Fabriken und Produktionsstätten in den Osten des
Landes. In kürzester Zeit wurde im hinteren Bereich die Produktion
von Waffen und Munition etabliert, die im ersten militärischen
Winter an die Front gelangten und 1943 die Zahlen der militärischen
Produktion Deutschlands und seiner Verbündeten übertraf. In
anderthalb Jahren hat das sowjetische Volk geschafft, was unmöglich
schien, sowohl an der Front, als auch im Hinterland. Und es ist immer
noch schwer zu verstehen, sich schwer vorzustellen, welche
unglaublichen Anstrengungen, Mut und Hingabe diese größten
Errungenschaften erfordert haben.
Gegen die mächtige, bis an die Zähne bewaffnete, kaltblütige
Invasionsmaschinerie der Nazis erhob sich die gigantische Kraft
der sowjetischen Gesellschaft, vereint durch den Wunsch, das
Heimatland zu schützen, sich am Feind zu rächen, der das friedliche
Leben, Pläne und Hoffnungen der Menschen zertrampelt hatte.
Natürlich waren während dieses schrecklichen, blutigen
Krieges einige Menschen von Angst, Verwirrung und Verzweiflung
besessen. Es gab Verrat und Desertation. Die gewalttätigen
Verwerfungen, die in der Sowjetunion durch die Revolution und den
Bürgerkrieg verursacht worden sind, der Nihilismus, die
Schikanierung der nationalen Geschichte, der Traditionen, des
Glaubens, die die Bolschewiki vor allem in den ersten Jahren nach
ihrer Machtübernahme zu erzwingen versuchten, machten sich
bemerkbar. Aber die allgemeine Haltung der sowjetischen Bürger und
unserer Landsleute, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion im
Ausland wiederfanden, war eine andere: das Mutterland zu
beschützen und zu retten. Es war ein echter, unaufhaltsamer
Impuls. Die Menschen suchten Unterstützung in wahrhaft patriotischen
Werten.
Die Nazi-„Strategen“ waren überzeugt, dass ein riesiger,
multinationaler Staat leicht in sich zusammenfallen würde. Es wurde
erwartet, dass der plötzliche Krieg, seine Rücksichtslosigkeit und
unerträglichen Härten unweigerlich die inter-ethnischen Beziehungen
verschärfen würden und das Land zerstückelt werden könnte. Hitler
sagte direkt: „Unsere Politik gegenüber den Völkern, die die
weiten Weiten Russlands bewohnen, sollte darin bestehen, jede Form
von Meinungsverschiedenheiten und Spaltung zu fördern.“
Doch von den ersten Tagen an wurde klar, dass dieser Plan der
Nazis scheiterte. Die Festung Brest wurde von Soldaten von mehr
als dreißig Ethnien bis zum letzten Blutstropfen verteidigt.
Während des Krieges – in großen, entscheidenden Schlachten und
bei der Verteidigung jedes Brückenkopfes, jedes Meters der Heimat –
sehen wir Beispiele dieser Einheit.
Für Millionen von Evakuierten wurden die Wolgaregion und der
Ural, Sibirien und der Ferne Osten, die zentralasiatischen Republiken
und der Kaukasus zu ihrer Heimat. Ihre Bewohner haben ihr Letztes
geteilt, haben jeden unterstützt, den sie unterstützen konnten. Die
Völkerfreundschaft und die gegenseitige Hilfe wurden für den Feind
zu einer wirklich unzerstörbaren Festung.
Bei der Niederlage des Nationalsozialismus – was auch immer
heute zu beweisen versucht wird – hat die Sowjetunion, die Rote
Armee, den entscheidenden Beitrag geleistet. Es waren die Helden, die
bis zum Ende in Bialystok und Mogilov, Umanya und Kiew, Wjasma und
Charkiw gekämpft haben. Die vor Moskau und Stalingrad, Sewastopol
und Odessa, Kursk und Smolensk zum Angriff übergegangen sind.
Warschau, Belgrad, Wien und Prag wurden befreit. Königsberg und
Berlin wurden gestürmt.
Wir treten für die wahre, unverklärte oder übertünchte
Wahrheit über den Krieg ein. Diese volkstümliche, menschliche
Wahrheit – hart, bitter und gnadenlos – wurde uns
größtenteils von Schriftstellern und Dichtern gegeben, die durch
das Feuer und die Hölle der Front gegangen sind. Für meine, wie für
andere Generationen, haben ihre ehrlichen, tiefgründigen Geschichten
und Romane, die durchdringende „Leutnant-Prosa“ und die Gedichte
für immer ihre Spur in der Seele hinterlassen. Sie wurden zu einem
Testament, um die Veteranen zu ehren, die alles in ihrer Macht
Stehende für den Sieg getan haben und um denjenigen zu gedenken, die
auf den Schlachtfeldern geblieben sind.
Auch heute sind die einfachen und großartigen Zeilen von
Alexander Twardovskys Gedicht „Ich wurde vor Rzhev getötet…“,
die den Teilnehmern der blutigen, brutalen Schlacht des Großen
Vaterländischen Krieges im zentralen Teil der sowjetisch-deutschen
Front gewidmet sind, erschütternd. Alleine die Rote Armee verlor von
Oktober 1941 bis März 1943, einschließlich der Verwundeten und
Vermissten, 1.342.888 Menschen während der Kämpfe um die Stadt
Rzhev. Ich nenne diese, aus Archivquellen gesammelte, schreckliche,
tragische und noch lange nicht vollständige Zahl zum ersten Mal, um
das Andenken an die berühmten und die namenlosen Helden zu würdigen,
über die in den Nachkriegsjahren aus verschiedenen Gründen zu
Unrecht wenig oder gar nicht gesprochen wurde.
Ich erwähne noch ein weiteres Dokument. Es ist der Bericht der
Internationalen Reparationskommission unter der Leitung von Maysky,
der im Februar 1945 erstellt wurde. Die Aufgabe der Kommission war
es, die Formel zu bestimmen, nach der das besiegte Deutschland die
Siegermächte entschädigen sollte. Die Kommission kam zu dem
Schluss: „Die Zahl der Soldaten, die Deutschland an der
sowjetischen Front einsetzte, übersteigt die Zahl deutscher Soldaten
an allen anderen verbündeten Fronten mindestens um das Zehnfache.
Die sowjetische Front band auch vier Fünftel der deutschen Panzer
und etwa zwei Drittel der deutschen Flugzeuge.“ Insgesamt trug
die UdSSR etwa 75 Prozent aller militärischen Anstrengungen der
Anti-Hitler-Koalition. Während des Krieges „zermahlte“
die Rote Armee 626 Divisionen der „Achsen“-Länder, 508 von
waren deutsche.
Am 28. April 1942 erklärte Roosevelt in seiner Ansprache
an die amerikanische Nation: „Russische Truppen haben mehr
Soldaten, Flugzeuge, Panzer und Kanonen unseres gemeinsamen Feindes
zerstört und zerstören sie weiterhin, als alle anderen Nationen
zusammengenommen.“ Churchill schrieb in einem Brief an Stalin
am 27. September 1944, dass „es die russische Armee war, die der
deutschen Kriegsmaschine dem Mut genommen hat…“
Diese Einschätzung ist in der ganzen Welt auf Resonanz gestoßen.
Denn in diesen Worten steckt die große Wahrheit, die damals niemand
in Frage gestellt hat. Fast 27 Millionen Sowjetbürger sind an den
Fronten, in deutscher Gefangenschaft, an Hunger und Bombenangriffen,
in Ghettos und Öfen der NS-Todeslager gestorben. Die UdSSR
verlor jeden siebten Bürger, das Vereinigte Königreich verlor einen
von 127 und die Vereinigten Staaten verloren einen von 320.
Leider ist diese Zahl schwerer, irreparabeler Verluste der
Sowjetunion immer noch nicht endgültig. Die mühsame Arbeit, jeden
Namen und das Schicksal jedes Toten festzustellen, dauert noch an:
Soldaten der Roten Armee, Partisanen, Untergrundkämpfer,
Kriegsgefangene und Gefangene in Konzentrationslagern, Zivilisten,
die von den Strafbataillonen vernichtet wurden. Das Schicksal jedes
Einzelnen zu ermitteln, ist unsere Pflicht. Hier kommt den
Teilnehmern der Bewegung für die Suche nach ihnen, den
militärisch-patriotischen und ehrenamtlichen Vereinigungen, sowie
der elektronischen Datenbank „Erinnerung des Volkes“ auf Basis
von Archivdokumenten eine besondere Rolle zu. Und natürlich ist eine
enge internationale Zusammenarbeit erforderlich, um eine solche
humanitäre Herausforderung zu lösen. (Anm. d. Übers.: Viele
zivilgesellschaftliche Organisationen in Russland suchen heute noch
intensiv auf den Schlachtfeldern des Krieges nach den Opfern und
versuchen, sie zu identifizieren, um ihren Familien mitzuteilen,
welches Schicksal ihre Vorfahren hatten. Dabei wird auch das
Schicksal der deutschen Opfer erforscht und veröffentlicht. Auch
hierbei geht es nicht um „anti-deutsche“ Tendenzen, es geht um
die Aufarbeitung der Vergangenheit aller Opfer.)
Die Bemühungen aller Länder und Völker, die gegen den
gemeinsamen Feind kämpften, haben zum Sieg geführt. Die britische
Armee verteidigte ihre Heimat vor der Invasion, kämpfte gegen die
Nazis und ihre Satelliten im Mittelmeer und in Nordafrika.
Amerikanische und britische Truppen befreiten Italien und
eröffneten die Zweite Front. Die USA versetzten dem Aggressor im
Pazifik mächtige, verheerende Schläge. Wir erinnern uns an die
enormen Opfer des chinesischen Volkes und an seine enorme Rolle bei
der Zerschlagung der japanischen Militaristen. Wir vergessen nicht
die Kämpfer des „Kämpfenden Frankreichs“, die die
schändliche Kapitulation nicht anerkannten und weiter gegen die
Nazis kämpften.
Wir werden auch immer dankbar sein für die Unterstützung der
Alliierten durch die Bereitstellung von Munition, Rohstoffen,
Nahrungsmitteln und Ausrüstung für die Rote Armee. Und sie war
beträchtlich, sie umfasste etwa sieben Prozent der gesamten
militärischen Produktion der Sowjetunion.
Der Kern der Anti-Hitler-Koalition nahm unmittelbar nach
dem Angriff auf die Sowjetunion Gestalt an, als die Vereinigten
Staaten und Großbritannien sie im Kampf gegen Hitlerdeutschland
bedingungslos unterstützten. Während der Teheraner Konferenz von
1943 bildeten Stalin, Roosevelt und Churchill ein Bündnis der
Großmächte, vereinbarten die Entwicklung der
Koalitionsdiplomatie, eine gemeinsamen Strategie im Kampf gegen die
gemeinsame tödliche Bedrohung. Die Führer der Großen Drei
wussten, dass die Vereinigung der industriellen und militärischen
Fähigkeiten der UdSSR, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens
eine unbestreitbare Überlegenheit über den Feind schaffen wird.
Die Sowjetunion hat ihre Verpflichtungen gegenüber den Alliierten
in vollem Umfang erfüllt und reichte stets eine helfende Hand. So
unterstützte die Rote Armee die Landung der anglo-amerikanischen
Truppen in der Normandie durch die groß angelegte Operation
„Bagration“ in Weißrussland. Im Januar 1945 beendeten unsere
Soldaten mit dem Erreichen der Oder die letzte mächtige Offensive
der Wehrmacht an der Westfront in den Ardennen. Und drei Monate
nach dem Sieg über Deutschland erklärte die UdSSR gemäß dem
Jalta-Abkommen Japan den Krieg und besiegte die millionenschwere
Kwantun-Armee.
Bereits im Juli 1941 erklärte die sowjetische Führung, dass „das
Ziel des Krieges gegen die faschistischen Unterdrücker nicht nur
darin besteht, die Bedrohung zu beseitigen, die über unserem Land
schwebt, sondern auch allen Völkern Europas zu helfen, die unter dem
Joch des deutschen Faschismus stöhnen.“ Mitte 1944 wurde der
Feind aus fast dem gesamten sowjetischen Territorium gedrängt.
Aber er musste in seinem Versteck besiegt werden. Und die Rote Armee
begann eine Befreiungsmission in Europa und rettete auf Kosten
sowjetischer Soldaten Hunderttausende Menschenleben anderer Nationen
vor der Vernichtung und Versklavung des Holocaust.
Es ist auch wichtig, die enorme materielle Hilfe, die die UdSSR
den befreiten Ländern bei der Beseitigung des Hungers leistete und
bei der Erholung der Wirtschaft und der Infrastruktur gewährt hat,
nicht zu vergessen. Sie tat dies zu einer Zeit, als Tausende von
Orten von Brest über Moskau bis zur Wolga in Schutt und Asche lagen.
Zum Beispiel bat die österreichische Regierung im Mai 1945 die
UdSSR um Hilfe bei Nahrungsmitteln, da sie „nicht wusste, wie
sie in den nächsten sieben Wochen, bis zur neuen Ernte, die
Bevölkerung ernähren sollte“. Die Vereinbarung mit der
sowjetischen Führung und dem Staatskanzler der Provisorischen
Regierung der Republik Österreich, Renner, Lebensmittel nach
Österreich zu schicken, bezeichnete er als „Akt der Rettung“,
den „die Österreicher nie vergessen werden“.
Die Alliierten haben gemeinsam den Internationalen
Militärgerichtshof errichtet, um politische und Kriegsverbrecher der
Nazis zu bestrafen. Seine Urteile setzten klare rechtliche
Voraussetzungen zur Verfolgung von Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, wie Völkermord, ethnische und religiöse
Säuberungen, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Das
Nürnberger Tribunal verurteilte auch die Komplizen der Nazis und
Kollaborateure verschiedener Couleur.
Dieses beschämende Phänomen gab es in allen europäischen
Ländern. Solche „Politiker“ wie Petain, Quisling, Wlassov,
Bandera, ihre Handlanger und Anhänger, waren, obwohl sie sich
als Kämpfern für nationale Unabhängigkeit oder Freiheit vom
Kommunismus bezeichneten, Verräter und Mörder. In ihrer
Unmenschlichkeit übertrafen sie oft ihre Herren. Als Teil besonderer
Strafregimenter führten sie bereitwillig menschenverachtendste
Befehle aus. Sie tragen das Blut der Hinrichtungen von Babi Jar,
das Massakers von Volyn, des verbrannte Khatyn, Aktionen zur
Vernichtung von Juden in Litauen und Lettland an ihren Händen.
(Anm. d. Übers.: 1943 haben ukrainische Einheiten, die mit des
SS zusammengearbeitet haben, bei einem Massaker in Khatyn über 150
Zivilisten abgeschlachtet. Der unglückliche Ort war im
Krieg zweimal Schauplatz grausamer Massaker)
Bis heute bleibt unsere Position unverändert: Die kriminellen
Handlungen von Nazi-Komplizen können nicht gerechtfertigt werden,
sie haben keine Verjährungfrist. Es ist daher rätselhaft, wenn in
einer Reihe von Ländern diejenigen, die sich mit der
Zusammenarbeit mit den Nazis befleckt haben, plötzlich mit Veteranen
des Zweiten Weltkriegs gleichgesetzt werden. Ich halte es für
inakzeptabel, die Befreier mit den Besatzern gleichzusetzen. Und die
Verehrung von Nazi-Komplizen kann ich nur als Verrat am
Gedenken an unsere Väter und Großväter ansehen. Das ist ein
Verrat an den Idealen, die die Völker im Kampf gegen den
Nationalsozialismus vereint haben.
Damals standen die Führer der UdSSR, der Vereinigten Staaten und
Großbritanniens ohne Übertreibung vor einer historischen Aufgabe.
Stalin, Roosevelt und Churchill vertraten Länder mit
unterschiedlichen Ideologien, Zielen, Interessen und Kulturen, aber
sie zeigten großen politischen Willen und erhoben sich über die
Gegensätze und stellten die wahren Interessen der Welt an die
erste Stelle. Daher konnten sie sich einigen und eine Lösung finden,
die der gesamten Menschheit zugute kam.
Die Siegermächte hinterließen uns ein System, das zur
Quintessenz intellektueller und politischer Bestrebungen mehrerer
Jahrhunderte wurde. Eine Reihe von Konferenzen – Teheran, Jalta,
San Francisco, Potsdam – legte den Grundstein dafür, dass die
Welt trotz schärfster Gegensätze seit 75 Jahren ohne globalen
Krieg lebt.
Der historische Revisionismus, den wir jetzt im Westen erleben,
insbesondere im Hinblick auf das Thema des Zweiten Weltkriegs und
seine Folgen, ist gefährlich, weil er das Verständnis der
Prinzipien der friedlichen Entwicklung, die 1945 auf den Konferenzen
von Jalta und San Francisco festgelegt wurden, grob verzerrt. Die
wichtigste historische Errungenschaft von Jalta und anderen
Entscheidungen dieser Zeit war es, sich auf die Schaffung eines
Mechanismus zu einigen, der es den Großmächten ermöglichte, bei
der Lösung ihrer Differenzen im Rahmen der Diplomatie zu bleiben.
Das 20. Jahrhundert brachte totale und umfassende weltweite
Konflikte und 1945 betraten auch noch Atomwaffen die Arena, die in
der Lage waren und sind, die Erde zu zerstören. Mit anderen
Worten: Die gewaltsame Regelung von Streitigkeiten wurde
inakzeptabel gefährlich. Und die Sieger des Zweiten Weltkriegs
verstanden das. Sie verstanden das und erkannten ihre Verantwortung
gegenüber der Menschheit.
Die traurige Erfahrung des Völkerbundes wurde 1945
berücksichtigt. Der UNO-Sicherheitsrat wurde so erarbeitet, dass
er als Garant des Friedens maximal handlungsfähig war. So
entstanden die Ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates, ihr
Vetorecht, ihre Privilegien und ihre Verantwortung.
Was ist das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat? Um es ganz offen zu
sagen: Das ist die einzig vernünftige Alternative zu einem direkten
Konflikt zwischen den großen Ländern. Es ist die Aussage einer
der fünf Mächte, dass eine Lösung für sie inakzeptabel ist, ihren
Interessen widerspricht. Und die übrigen Länder akzeptieren das,
auch wenn sie anderer Meinung sind, und führen keine einseitigen
Aktionen durch. Das bedeutet, dass Sie auf jeden Fall nach
Kompromissen suchen müssen.
Die neue globale Konfrontation begann fast unmittelbar nach dem
Ende des Zweiten Weltkriegs und war zuweilen sehr heftig. Und die
Tatsache, dass sich der Kalte Krieg nicht zum Dritten Weltkrieg
entwickelte, bestätigt überzeugend die Wirksamkeit der von den
Großen Drei geschlossenen Abkommen. Die bei der Gründung der
UNO vereinbarten Verhaltensregeln erlaubten es, Risiken zu minimieren
und die Konfrontationen der Zukunft unter Kontrolle zu halten.
Natürlich sehen wir, dass das UN-System jetzt unter Spannungen
arbeitet und nicht so effektiv ist, wie es sein könnte. Aber die
UNO erfüllt immer noch ihre Hauptaufgabe. Die Grundsätze des
UN-Sicherheitsrates sind ein einzigartiger Mechanismus zur
Verhinderung eines großen Krieges oder eines globalen Konflikts.
Die Forderungen, die man in den letzten Jahren hört, das
Vetorecht abzuschaffen und die Sonderrechte der ständigen
Mitgliedern des Sicherheitsrats zu beschneiden, sind daher
unverantwortlich. Denn wenn dies geschieht, werden die Vereinten
Nationen im Prinzip zum Völkerbund werden, zu einem Treffen für
leere Gespräche, ohne jeglichen Einfluss auf die weltweiten
Prozesse; Wie das geendet hat, ist bekannt. Genau deshalb sind die
Siegermächte mit großer Ernsthaftigkeit an die Bildung eines neuen
Systems der Weltordnung herangegangen, um die Fehler ihrer Vorgänger
nicht zu wiederholen.
Die Schaffung eines modernen Systems der internationalen
Beziehungen ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Zweiten
Weltkriegs. Selbst die unversöhnlichsten Gegensätze –
geopolitische, ideologische, wirtschaftliche – verhindern nicht,
Formen friedlicher Koexistenz und Interaktion zu finden, wenn es
dafür den Willen gibt. Heute durchläuft die Welt nicht ihre
ruhigsten Zeiten. Alles ändert sich: vom globalen Gleichgewicht
von Macht und Einfluss, bis hin zu den sozialen, wirtschaftlichen und
technologischen Grundlagen von Gesellschaften, Staaten und ganzen
Kontinenten. In früheren Epochen liefen Verschiebungen dieser
Größenordnung fast nie ohne große militärische Konflikte ab,
ohne einen Machtkampf um den Aufbau der neuen globalen Hierarchie.
Dank der Weisheit und Weitsicht der politischen Persönlichkeiten der
Alliierten Mächte war es möglich, ein System zu schaffen, das
extreme Entwicklungen bei historisch inhärenten Rivalitäten der
weltweiten Entwicklung verhindert.
Es ist unsere Pflicht, insbesondere die Pflicht der
Vertreter der siegreichen Mächte des Zweiten Weltkriegs,
sicherzustellen, dass alle, die politische Verantwortung tragen,
dafür sorgen, dass dieses System erhalten und verbessert wird.
Heute, wie auch 1945, ist es wichtig, politischen Willen zu zeigen
und gemeinsam über die Zukunft zu diskutieren. Die Kollegen –
Xi Jinping, Macron, Trump, Johnson – haben die russische
Initiative, ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der
fünf Atommächte – der ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates – abzuhalten, unterstützt. Wir danken
ihnen dafür und rechnen damit, dass das Treffen so bald wie möglich
stattfinden kann.
Was sind aus unserer Sicht die Themen des bevorstehenden Gipfels?
Erst einmal wäre es, unserer Meinung nach, angebracht, Schritte
zur Entwicklung kollektiver Ansätze in der Weltpolitik zu erörtern,
offen über Fragen der Friedenserhaltung, der Stärkung der globalen
und regionalen Sicherheit, der Kontrolle strategischer Waffen, über
gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung des Terrorismus, des
Extremismus und anderer drängender Herausforderungen und Bedrohungen
zu sprechen.
Ein eigenes Thema auf der Tagesordnung des Treffens ist die
Lage in der Weltwirtschaft, insbesondere die Überwindung der
Wirtschaftskrise, die durch die Coronavirus-Pandemie verursacht
wurde. Unsere Länder ergreifen beispiellose Maßnahmen, um die
Gesundheit und das Leben der Menschen zu schützen, um die Bürger in
schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Doch wie schlimm die
Folgen der Pandemie sein werden, wie schnell sich die Weltwirtschaft
von der Rezession erholen wird, hängt von unserer Fähigkeit ab,
als echte Partner offen und koordiniert zusammenzuarbeiten. Umso
unannehmbarer ist es, die Wirtschaft in ein Instrument des Drucks und
der Konfrontation zu verwandeln. Umweltschutz und Klimawandel,
sowie die Sicherheit des globalen Informationsraums gehören zu den
wichtigen Themen.
Die von Russland vorgeschlagene Agenda für den bevorstehenden
Fünfer-Gipfel ist äußerst wichtig, nicht nur für unsere
Länder, sondern für die ganze Welt. Und zu allen Themen haben wir
konkrete Ideen und Initiativen.
Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gipfel Russlands, Chinas,
Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens eine
wichtige Rolle bei der Suche nach gemeinsamen Antworten auf aktuelle
Herausforderungen und Bedrohungen spielen und ein gemeinsames
Engagement im Geiste der Allianz und ihrer hohen humanistischen
Ideale und Werte zeigen wird, für die Väter und Großväter
Schulter an Schulter gekämpft haben.
Ausgehend auf dem gemeinsamen historischen Gedenken können und
sollten wir einander vertrauen. Das wird eine solide Grundlage für
erfolgreiche Verhandlungen und konzertierte Maßnahmen zur
Verbesserung der Stabilität und Sicherheit in der Welt, für den
Wohlstand und das Wohlergehen aller Nationen bieten. Ohne
Übertreibung ist dies unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung
gegenüber der Welt, gegenüber der heutigen und den zukünftigen
Generationen.
Ende der Übersetzung
Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Putin auf die Fragen der
internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die
Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und
ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Vieles von dem,
was er hier geschrieben hat, zieht sich wie ein roter Faden durch
seine Politik und Sie finden vieles davon auch in meinem Buch.
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Autor: Anti-Spiegel
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in
Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands-
und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner
Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und
spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen
Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der
Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen
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Anti-SpiegelVeröffentlicht
am 20.
Juni 2020Kategorien Aktuelles,
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der russischen MedienSchlagwörter China,
Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien,
Japan, Putin,
Russland,
USA, Zweiter
Weltkrieg
16 Gedanken zu
„Überraschender Inhalt: Putins Artikel über den Zweiten
Weltkrieg wurde veröffentlicht“
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TillSittersagt:
20.
Juni 2020 um 20:38 Uhr
Vielen Dank für die Übersetzung, werter Herr Röper.
Beeindruckend.
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Frank
Gottschlichsagt:
20.
Juni 2020 um 22:51 Uhr
Kann man sich nur anschließen. Danke.
Tja…. man las ja schon die dollsten Dinger über die schon
stattgefundene neue JALTA-Konferenz , was nun mal alles
Plumperquatsch ist.
Ich denke mal, seit langer langer Zeit
mal einen Punkt zu haben, dass ich Putin etwas kritisieren möchte.
Nicht in Bezug auf die Vergangenheit. ( 2.Weltkrieg)
Es geht um Weltfrieden heute. Und der findet nun mal unter den
derzeitigen Geopolitischen Realitäten statt. Und diese Realitäten
heißen nun mal CHINA – USA und natürlich Russland. Das er noch
die Engländer ins Boot holen möchte, verstehe ich ja. Eben, um
zumindest eine Stimmengleichheit zu schaffen. Doch was die
Franzosen dort sollen ? Das kapiere wer will. Ich – mit den
derzeitigen Infos, die man sich nun mal merkt, welche Rolle die
Franzosen tatsächlich spielten von 1939-1945 , „schnalle“ mal
seine Gedankengänge nicht. Da hätten, meines Erachtens sogar die
Polen größere Rechte, sich als Sieger darzustellen, als die
Franzosen.
Seis drum… Man sollte sich schon mal auf des Röpers 2. Teil
freuen 🙂 „Seht, was ihr angerichtet habt“ oder so ähnlich….
Zu letzterem: Gehe ich mal von aus… , weil dieses Rätsel von
Mensch „Putin“ , dass schreit gerade danach, noch sehr viel
tiefer, als bisher erforscht zu werden.
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-
na_ichsagt:
21.
Juni 2020 um 11:43 Uhr
<>
Frankreich war nie komplett besetzt von den
Nazis!
Und als ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat,
sogar mit Vetorecht, wäre FR sicher sehr angepisst, wenn es
nicht mehr mitspielen dürfte, obwohl ich es ähnlich sehe wie
Sie!
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-
U-Jsagt:
20.
Juni 2020 um 23:10 Uhr
Vorab: Vielen herzlichen Dank für die Übersetzung! Das war
bestimmt viel Arbeit.
Zum Text:
Putins Artikel ist schon ein ziemlicher Hammer –
nicht so sehr, weil er historischen Tatsachen widerspräche (das
tut er an keiner Stelle), sondern weil er dem gängigen Narrativ
zuwider läuft, das, nicht zuletzt durch viele Hollywoodfilme
(„James Ryan“), den Eindruck erweckt, erst durch die Landung
der Alliierten in der Normandie sei Hitler das Genick gebrochen
worden. Dass dies so nicht stimmt und es in der Tat die Sowjetunion
war, die die Hauptlast der Kämpfe zu tragen hatte, darauf weist
Putin zurecht hin.
Dass Putin hier jedoch nicht nur als historisch gebildeter
Patriot, sondern auch als Politiker, bzw. Diplomat schreibt, dürfte
für niemanden ernsthaft eine Überraschung sein. Mir sind einige
Dinge an seinem Artikel aufgefallen, von denen ich im Folgenden
zumindest ein paar aufzählen möchte.
1. Putin unterscheidet im gesamten Artikel klar zwischen den
Regierungen und Eliten auf der einen und dem Volk, bzw. den Völkern
auf der anderen Seite. Das ermöglicht es ihm, erstere zu
kritisieren, ohne den Stolz letzterer zu verletzen. Bemerkenswert:
In keinem einzigen Satz sagt Putin etwas, das man als eine
Kollektivschuld der Deutschen am zweiten Weltkrieg interpretieren
könnte.
2. Putin wirft das ein oder andere Schlaglicht auf die
geopolitischen Axiome einzelner Großmächte, allen voran Russland,
bzw. die UdSSR. Auch hier bricht er mit gängigen Narrativen, z.B.
wenn es um die Außenpolitik Stalins geht. Stalin war ohne Zweifel
ein ehrgeiziger brutaler Machtmensch, aber auch er war sich im
Klaren darüber, dass die innere Konsolidierung und der Aufbau
seines Landes wichtiger war, als irgendwelche Expansionsgelüste
(von einem Zugang zum Mittelmeer vielleicht abgesehen).
Konsolidierung und Aufbau gelingen besser, wenn man zu seinen
Nachbarn halbwegs friedliche Beziehungen unterhält. Stalin setzte
hier lediglich eine alte russische geopolitische Strategie fort –
was die Gulags natürlich nicht ungeschehen macht.
3. Interessant ist, was Putin in diesem Zusammenhang n i c h t
erwähnt. Er erwähnt z.B. nicht die Hearlandtheorie von Mackinder,
die die britische und us-amerikanische Außenpolitik bis in unsere
Zeit hinein prägte und prägt. Demnach seien Deutschland und
Russland unbedingt voneinander zu trennen, da eine Kooperation
beider zu einer kontinentalen Supermacht führen könnte, die
Eurasien kontrollieren und den anglo-amerikanischen Imperialismus
beenden würde. Wer die beiden Weltkriege vor dem Hintergrund
dieses Theorems betrachtet, sieht die Weltgeschichte der letzten
150 Jahre mit ganz anderen Augen. Auch Putin scheint das so zu
sehen, allerdings bleiben seine Ausführungen hierzu (noch?) recht
vage, bzw. diplomatisch.
Putin erwähnt daher auch weder die Verwicklung der westlichen
Siegermächte des ersten Weltkriegs in den russischen Bürgerkrieg
noch „Operation Turncoat“, wonach sich die Briten nach WW2 mit
dem Entwaffnen der Wehrmacht im britisch kontrollierten Sektor
deutlich Zeit ließen, da Churchill plante, diese ggf. in einem
weiteren Krieg gegen die geschwächte UdSSR zu führen.
4. Summa summarum hätte Putin dem Westen deutlich mehr vor den
Karren fahren können, ohne das Fundament historisch klar belegter
Fakten zu verlassen. Dass er es nicht tut, zeigt m.E. einmal mehr,
dass Putin mit seinem Artikel vor allem ein diplomatisches Ziel
verfolgt. Welches das ist, zeigt er im Text recht deutlich: Jalta.
Putin will eine neue Nachkriegsordnung und dafür muss er an dem
Nachkriegsnarrativ so Einiges ändern. Mit seiner offiziellen
Deutung des Versailler Vertrages und der Vorgeschichte zum Zweiten
Weltkrieg hat er einen großen Schritt in diese Richtung getan.
Und jetzt?
So sehr ich einerseits hoffe, dass der Artikel
Putins auch in der deutschen Öffentlichkeit breit diskutiert wird,
so sehr bin ich skeptisch, dass man sich in den MSM wirklich
unvoreingenommen mit dem Text befassen wird. So sehr sich Putin
auch bemüht hat, etwaige Steine des Anstoßes zu umgehen, die
Tatsache, dass er vor allem den Versailler Vertrag als Hauptursache
für WW2 betrachtet und nicht „die Deutschen“ insgesamt, ist
für die Eliten hierzulande sicher schwer zu schlucken.
Kein
deutscher Politiker, Journalist oder Intellektueller könnte eine
solche These vertreten, ohne seine Karriere zu riskieren-
öffentliche Anfeindungen inklusive.
Man denke nur, wie
renommierte Historiker wie Prof. Gerd Krummeich über den
Australier Christopher Clarke herfielen, als dieser in
„Sleepwakers/Die Schlafwandler“ die Alleinschuld der Deutschen
am 1. Weltkrieg in Frage stellte. Betreffend der Schuldfrage für
den 2. Weltkrieg würden die Reaktionen wahrscheinlich deutlich
heftiger ausfallen.
Des Weiteren wäre es für die deutsche Öffentlichkeit
wahrscheinlich schwer verdaulich, erfahren zu müssen, dass Hitler
und seine Partei bis WW2 in weiten Teilen des Westens beste PR
hatten. Höchst unverdaulich wäre zudem die Erkenntnis, dass
Judenhass, unabhängig von Nazis und Faschisten, in ganz Europa
grassierte. Putin deutete dies am Beispiel Polens an, wo der
Judenhass der Bevölkerung über Jahrhunderte angewachsen war und
sich dann in den 1930er und 40er Jahren teils massiv entlud. Auch
wenn Putin das Thema nur streift (Die Judenpolitik des Königreiches
Polen inklusive des Statuts von Kalisz 1264 zu erwähnen, wäre
Thema für einen weiteren Artikel gewesen) – politischen
Sprengstoff bergen seine Aussagen reichlich. Diesseits wie jenseits
der Oder dürfte man über diesen kurzen Abschnitt nicht erfreut
sein, ganz besonders jedoch in Deutschland, wo das Wissen hierüber
äußerst Knopp-bemessen ist.
Höchstwahrscheinlich werden „unsere“ Medien den Artikel
daher als rechtsnational und den Holocaust verharmlosend
brandmarken und Putin als „Naziversteher“ darstellen, „unsere“
Historiker darauf hinweisen, dass Staatschefs besser keine Aufsätze
über Geschichtsthemen verfassen sollten, derweil „unsere“
Politiker über eine stärkere Finanzierung der Antifa nachdenken
und die LINKE in Gelsenkirchen grübelt, ob sie sich jetzt
zusätzlich zur Leninstatue noch einen Stalin kaufen soll, oder
nicht.
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-
Hummlsagt:
21.
Juni 2020 um 11:16 Uhr
Ja, dem Vorsteheden können wir uns o.w. anschließen, wenn uns
da auch die eine oder andere „Ergänzung“ oder „um einige
Grad abweichende Sicht“ vorschwebt.
„Geschichte“ ist eine schwierige Angelegenheit, und jede
Geschichtsschreibung ist im Verhältnis zur „Wirklichkeit“
vergleichsweise „unterkomplex“ – das ist halt so, und das
kann man auch nicht grundsätzlich ändern.
Und was die eines
Staatschefs betrifft – nun diejenigen, die da derzeitig in
dieser WWG damit beschäftigt sind, sich quasi zu entmachten –
selbstverständlich im Namen von „Freiheit“ und „Demokratie“
– sollten das wirklich lassen.
Allein der Umstand, daß in
„freiheitlich-demokratischen“ Hirnen „Demokratie“ oder
„Diktatur“ offensichtlich als die einzig denkbaren Formen
einer „Staats- bzw. Herrschaftsorganisation“ zu finden sind –
wahrscheinlich aus Platzgründen – läßt eine insoweit
hinreichende Qualifikation eher unwahrscheinlich erscheinen.
Und
das „Autorität“ etwas ganz schreckliches, ja
verabscheuungswürdiges sei, ist eine dieser aberwitzigen
Vorstellungen, welche wir den „linksliberal“ verwirrten
„68igern“ verdanken, mit u.a. den hinlänglich bekannten
bildungspolitischen Folgen – besser „Katastrophen“.
Wenn der Präsident der RF sagt:
„И в этой связи
хочу ещё раз сказать о том, что лежит
в основе принятых мною
решений.“
(„In
diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal sagen, was im
Mittelpunkt der von MIR getroffenen Entscheidungen steht.“)
so
ist er für derartig gestrickte Hirne ein „autoritärer
Herrscher“, ein „Autokrat“.
Daß der Mann damit jedenfalls auch sagt: ICH trage und ICH
übernehme die Verantwortung – auch soweit diese Entscheidungen
nicht „auf meinem Mist“ gewachsen sind (was ja die Regel sein
dürfte) – läßt sich solchen bescheidenen Geistern nicht
vermitteln.
Der einzige deutsche Politiker, der mir da vor
längerer Zeit diesbezüglich positiv auf gefallen ist, war eine
Frau.
Heide Simonis soll einst in etwa geäußert haben: Wenn
ich politische Verantwortung übernehme, heißt das auch, daß ich
nicht einfach zurücktrete, wenn ein mir unterstellter Beamter
Mist baut.
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-
Hummlsagt:
21.
Juni 2020 um 11:29 Uhr
… und es schließt sich insoweit der Kreis mit dem, was ich
hier
https://www.anti-spiegel.ru/2020/berateraffaere-ist-von-der-leyen-kriminell-oder-nur-inkompetent/
zitiert
hatte.
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Schwarzersagt:
21.
Juni 2020 um 11:22 Uhr
Was für ein Staatsmann!!! Davon kann man hier im Westen nur
träumen.
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-
na_ichsagt:
21.
Juni 2020 um 12:37 Uhr
Vielen Dank Herr Röper für die Übersetzung.
Wer sich jedoch mit dem 2.WK beschäftigt, dem genügen die
gängigen „Handbibeln“, wie „Nürnberger Prozesse“,
„Nürnberger Tagebuch“ und die „Reichsgesetzblätter Teil
II“, um genau dies Aussagen von Putin belegen zu können. Da
bedarf es keiner „geheimen“ Archive oder Enthüllungen.
In jeder Stadt-Bibliothek in Deutschland, kann man diese Bücher,
Unterlagen oder Schriftstücke einsehen (ggf. per Fernleihe). Somit
ist es ein Narretiv, dass niemand es wissen könnte!
Es kann
jeder wissen und es kann auch jeder nachlesen (noch!).
Jedoch wird dies ungemein Zeit, Energie und Geld kosten, diese
Unterlagen zu sichten und Querverweise zu recherchieren.
Und wer will dies schon? Wer will schon wissen, wer-wann-was
wirklich tat? Wozu?
Es lebt sich doch einfacherer und besser,
die Geschichte so hinzunehmen, wie sie in den Medien dargestellt
wird. Noch schnell was auf Wiki herausgesucht und schon versucht
er/sie/es mit dem auf wiki angeeignetem Halbwissen, als Wissender
dazustehen!
Würde sich dieser Halbwissende auch nur mal die Mühe machen,
in eine Bibliothek zu gehen und anfangen nachzulesen, dann würde
es ihm die Nackenhaare aufstellen.
Denn er würde erkennen,
dass seit Jahrzehnten in Deutschland, der Nationalsozialismus per
Gesetze neu Einzug gehalten hat und die Regierungen bei den
Gesetzen sogar weit über die nationalsozialistische
Judenverfolgung hinaus gegangen sind! Mehr noch. Viele Gesetze die
nur dem Juden galten, werden heute über das gesamte Volk
gestreut.
Ich habe alle NS-Gesetze und Verordnungen in meinem
Fundus und nein, es ist nicht witzig, wenn man z.B. das Berliner
Mietendeckel-Gesetz liest.
Die haben sich heute nicht einmal
die Mühe gemacht, den Gesetzestext der Nazis, was die Ausnahmen
von Mieterhöhungen betrifft, abzuändern.
Und was es mit
ALG2/HartzIV dann so auf sich hat, dies ist dann wirklich nicht
mehr witzig…
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-
Wolfgang
Letzsagt:
21.
Juni 2020 um 14:12 Uhr
Ich schließe mich den Danksagungen meiner Vorredner an, im
Besonderen, sowie im Allgemeinen für die unendlich vielen
Recherchen und den daraus resultierenden Kommentaren und freue mich
schon jetzt auf die nächste Gesprächsrunde „Röper/ Stein“.
Putins Rede, ich hätte wohl nichts anderes erwartet und fände
es beglückend, wenn auf der westeuropäischen Seite ein Willy
Brand und ein Egon Bahr ständen und antworten könnten! So aber,
ist es wohl wieder (s. Berlin und München) leider nur ein „Perlen
vor die Säue werfen“! – Schade….
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-
freizahnsagt:
21.
Juni 2020 um 16:02 Uhr
Putins Analyse geht sicher sehr weit über das hinaus, was man
von anderen Politikern gewohnt ist und erwarten kann. Dennoch
vermisse ich die Punkte, die am wichtigsten sind wenn man wirklich
aus der Geschichte lernen will:
Die Probleme der
Energieversorgung und der Ernährungssicherung auf deutscher Seite
und auch die Entwicklung nach 1945.
Deutschlands Peak Coal war
um 1940 (der Englands war übrigens schon 1913). Mit dem Versailler
Vertrag hat man faktisch die pro Kopf verfügbare Nettoenergie der
Deutschen massiv reduziert. Man hat Deutschland damit zu einem
Versuchskanichen für das gemacht, was in der ersten Hälfte des
21. Jahrhunderts in vielen Ländern der Welt, einschließlich
China, Indien und ganz Westeuropa passieren wird. Siehe dazu auch
meine Übersetzung http://www.freizahn.de/2017/09/blut-fuer-oel/
und die dort am Schluss verlinkten weiteren Artikel zum Thema
Energie.
Zur Ernährungslage Deutschlands siehe das Buch
„Krieg, Ernährung, Völkermord“ von Christian Gerlach. Danach
hat das deutsche Landwirtschaftsministerium Anfang 1940 berechnet,
dass Deutschland binnen zwei Jahren wegen Nahrungsmangel
kapitulieren müsste.
Die Massenmorde an russischen
Kriegsgefangenen und an Juden, sowie auch die für Putin persönlich
wichtige Belagerung Leningrads waren wohl Versuche um die
Ernährungslage im deutsche Reichen zu stabilisieren. Das heißt,
dass Millionen Bürger der UdSSR elend gestorben sind, weil die
deutsche Regierung um wirklich jeden Preis eine Hungersnot in
Deutschland verhindern wollte. Der Hintergrund davon war, dass man
wusste, dass die Revolutionen in Deutschland 1918, in Russland 1917
und auch in Frankreich 1789 alle durch Nahrungsmangel ausgelöst
worden waren.
Man kann und sollte aus dieser Geschichte
lernen. Man stelle sich z.B. vor, die UdSSR hätte den Deutschen
billig Öl und Kohle verkauft UND man hätte den deutschen Bauern
z.B. die Möglichkeiten gezeigt, die ich inzwischen auf meinem Blog
gesammelt und gezeigt habe (siehe z.B.
http://www.freizahn.de/2018/07/moegliche-ertraege-im-biolandbau/
und
http://www.freizahn.de/2019/12/natuerliche-null-budget-landwirtschaft/
).
Die Nachkriegsordnung nach 1945 hat nur funktioniert, weil man
auf einmal jede Menge neue und dazu sehr gute fossile
Energiequellen gefunden hat.
Wirklich aus der Geschichte
lernen und sich darauf aufbauend auf die Zukunft vor zu bereiten
ist jedenfalls auch noch etwas ganz anderes, als das Putin auf
Grund seiner Analyse meint.
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-
Kutusowsagt:
21.
Juni 2020 um 16:41 Uhr
„Das Vergessen der Lehren der Geschichte kommt uns
unweigerlich teuer zu stehen.“ Das ist für mich einer der
Kernsätze, denn wir erleben es ja gerade, wenn ich an das Treiben
westlicher Politik denke. An diese absurden Beschlüsse des
EU-Parlaments, in dem eben dieser Hitler-Stalin-Pakt für den 2. WK
verantwortlich gemacht wird, die damit ihre völlige Unkenntnis der
Geschichte zu Protokoll gegeben haben.
Der Inhalt dieser Rede
wird natürlich vom deutschen „Qualitätsjournalismus“
verschwiegen, weil er ja ihre Narrative offenbart. Vielleicht pickt
man sich ein paar Details heraus, um unter Verdrehung des
Gesamtzusammenhangs die Mär vom „Diktator Putin“ und seinen
aggressiven Handlungen zu wiederholen.
Tja, ich habe es schon
mal geschrieben, möchte es aber dennoch wiederholen. Am 09.05.2015
habe ich selber am Newski gestanden und dem Zug des unsterblichen
Regiments zugesehen. Ja, das war sehr beeindruckend und bewegend,
dies zu sehen, was hier natürlich auch totgeschwiegen wird.
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Frank
Gottschlichsagt:
21.
Juni 2020 um 19:15 Uhr
Das Video sollten sie sich wirklich von Anfang bis zur letzten
Sekunde anschauen. ( Vor allem jedoch auch die, welche den letzten
Absatz des hier kommentierten Kommentars nicht völlig verstehen.)
Ich bin davon überzeugt, dass jeder, welcher sich wirklich das
gesamte Video anschaut … der wird auch desöfteren daran
erinnert….
https://www.facebook.com/watch/?v=425481298235202
( Das Video wäre auch etwas für T.Röper, ( zum 09.Mai) weil
besser und verständlicher , kann man des Russen Seele – in
Verbindung des 9.Mai nicht erklären – )
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-
Harry_Bsagt:
21.
Juni 2020 um 17:21 Uhr
Kann man nicht aus dem Umstand, dass fast alle Regierungen ihre
Völker jetzt auf die gleiche Weise mit der Corona-Lüge betrügen,
darauf schließen, dass die Zeit der Kriege sowieso vorbei ist und
jetzt eher wieder eine Zeit der Revolutionen beginnt?
Die
Machtelite war ja noch nie so dünn, auch wenn ihr Reich noch nie
so groß war.
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-
Kutusowsagt:
21.
Juni 2020 um 19:40 Uhr
Die WELT, das Qualitätsmedium aus dem Hause Springer, bei der
die Redakteure US-freundlich berichten müssen, hat den Artikel von
Putin schon zerpflückt:
„Geschichtsumschreibung Putins
Abrechnung mit dem Westen“ lautet der Titel.
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwiXwafwxJPqAhUKCuwKHapaCCwQFjADegQIAhAB&url=https%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fpolitik%2Fausland%2Farticle209924861%2FGeschichtsumschreibung-Putins-Abrechnung-mit-dem-Westen.html&usg=AOvVaw0CVrLBZRSwHoHVCfOn8xOu
Hier
kann sich jeder ein Bild davon machen. Aber wie immer wird bei den
„Qualitätsmedien“ ÜBER jemanden bzw. das, was er gesagt hat,
polemisiert, nicht aber aufgeführt oder gar verlinkt, was er denn
tatsächlich gesagt hat. Und da erweist sich Die WELT eben wieder
als transatlantisches Käseblatt.
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Frank
Gottschlichsagt:
21.
Juni 2020 um 22:41 Uhr
© Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.
Steht ganz
unten- unter dem verlinkten WELT-Artikel. That’s all.
Das Putin China mit einbaut ins Geschehen, damit kommt man gar
nicht klar, bzw. will man nicht klar kommen.Die haben ja nun mal
wenig mit dem alten Jalta zu tun . Man will auch einfach nicht
verstehen, dass es eiligst Zeit wird, zu beginnen, als
Atlantikbrücken-Diener so zu schreiben, dass der Druck auf die
Politik beginnt, sich den tatsächlichen weltpolitischen
Verhältnissen anzupassen.
Es wird Zeit, da ihre eigene
„Journalisten-Atlantikbrücken-Bibel“ , nach denen sie seit
Jahrzehnten schreiben , Zbigniew Brzezinskis geopolitischen
Leitfaden eben, für den Erhalt und die Ausübung der globalen
Vormachtstellung der Vereinigten Staaten, mächtig viel an Glanz
gerade in den letzten Jahren verloren hat.
Man wundert sich
wirklich, wie starrsinnig diese Narren der Zunft an Brzezinskis
Strategische Vorgaben festhalten, obwohl schon derjenige, welcher
das Buch neu kaufen soll, spätestens nach der Zusammenfassung
anfängt , sich schief und krumm zu lachen.
Man hört 🙂 von dem Chefstrategen der Amis….
“ Ende
des 20. Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass die Vereinigten
Staaten von Amerika die einzige noch verbliebene Supermacht sind:
Keine andere Nation besitzt eine vergleichbare militärische und
ökonomische Macht oder verfolgt Interessen, die den ganzen Globus
umfassen.
Von zentraler Bedeutung ist bei seiner Analyse die
Machtausübung auf dem eurasischen Kontinent, Heimat des größten
Teils der Weltbevölkerung, der bedeutendsten Bodenschätze und
Wirtschaftstätigkeiten. Eurasien ist das »große Schachbrett«,
auf dem die amerikanische Vorherrschaft in den kommenden Jahren
bestätigt und herausgefordert werden wird. Laut Brzezinski stehen
die Vereinigten Staaten vor der Aufgabe, die Konflikte und
Beziehungen in Europa, Asien und dem Nahen Osten so zu managen,
dass keine rivalisierende Supermacht entstehen kann, die die
Interessen und den Wohlstand der USA bedrohen kann.
So
erklärt er zum Beispiel, warum Frankreich und Deutschland im
Gegensatz zu Großbritannien und Japan eine geostrategische
Schlüsselrolle spielen werden. Warum Amerika nicht nur die erste
wirklich globale Supermacht ist, sondern auch die letzte.
Brzezinskis überraschende Schlussfolgerungen stellen viele
herkömmliche Auffassungen auf den Kopf, wenn er eine neue und
stringente Vision der internationalen Interessen Amerikas
entwirft. Zbigniew Brzezinski liefert einen geopolitischen
Leitfaden für den Erhalt und die Ausübung der globalen
Vormachtstellung der Vereinigten Staaten.
Nu ja….
© Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.
Tja, diesem IdiotenTraum jagen sie ALLE noch in Europa nach.
Vom kleinsten Landrat in der Eifel, der seine Amis behalten will,
bis hin zu den Großmäuligen aussenpolitischen Sprechern der
Regierungsparteien und eben des Verrücktenhaufens in Brüssel,
welche einem Russland gerade wieder die Sanktionen wegen „Minsk2“
verlängert hat… weil die NasenGurus aus Übersee, das so
wollen.
Also, ich sehe die Anforderungen von Putin an die westlichen
Grossmammssucht-Mächte eher als warnender Fingerzeig, sich ein
bisschen am Riemen zu reißen – auf der Jalta-Konferenz- weil
Russlands Diplomatensprache auch ganz anders gedeutet werden kann,
als man es liest.
Auch Friedmanns klare Aussagen über die Ängste der USA über
die strategische Verbindung der Russen mit den Deutschen in 2015
https://www.youtube.com/watch?v=QeLu_yyz3tc
haben die arschkriechenden Journalisten-Nasen in ihrer Arbeit,
all die Jahre auch beherzigt und jede, auch so kleine Annäherung
mit einem Wutschwall an Blödsinns-Artikel begleitet. Doch auch
die Aussagen von 2015 haben sich in der russischen Strategie
sichbar verändert. Klar, machen die Russen den Deutschen die
Investitions-Tore weit auf, doch Russlands Grundkurs geht mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in eine ganz andere
Richtung.
Also, man sollte mal damit rechnen, dass die Chinesen mit den
Russen und die Amerikaner das letztendlich unter sich aus machen.
Und ich würde mich nicht wundern, wenns nicht doch auf der
KRIM wird sich abspielen.
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-
Max
Mustermannsagt:
23.
Juni 2020 um 00:34 Uhr
Danke Herr Röper,
mal wieder reicht Herr Putin der Welt die Hand. Bemerkenswert
finde ich, dass Herr Putin dem deutschen Volk, mit der wahren
Darstellung der Geschichte die “Allein-Schuld“ nimmt, die uns
bis zum heutigen Tage eingeprügelt wird. Naja, die Sieger
“schreiben ja bekanntlich die Geschichte“ – die USA
(Transatlantifa) beherrschen bis heute die gesamten europäischen
(EU) Medien und
Universitäten
(https://swprs.org/das-american-empire-und-seine-medien/)
und
bestimmen somit die Narrative.
Man sollte also aufmerksam
verfolgen, was die Regierungen der einzelnen EU-Länder zu dem
Artikel sagen, will sagen – die “Meinung“ der Medien ist
ebenso unwichtig, wie vorhersehbar. Gerade, wo im Zuge der
“Corona-Krise“, einige EU-Staaten näher an Russland heran
gerückt sind, allen voran Italien.
Warum fordert Herr Putin
eigentlich ein “neues Jalta“? Hat Deutschland (der gesamte
Westen?!) schon wieder einen Krieg verloren?
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