Die Wehrpflicht-Pläne von Eva Högl: Falsch und undurchdacht!

DFG-VK Pressemitteilung <admin_it@dfg-vk.de> Juli 2020

Die Wehrpflicht-Pläne von Eva Högl: Falsch und undurchdacht!
Die vor wenigen Wochen gewählte Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags und Eva Högl (SPD) spricht sich für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht aus. Dazu erklärt die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK):

Als DFG-VK haben wir seit der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1956 bis zu ihrer Aussetzung 2011 Hunderttausende junger Männer beraten und sie bei ihrer staatlichen Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz begleitet. Diese erfolgreiche Beratungstätigkeit würden wir im Fall der Wiedereinführung der Wehrpflicht umgehend flächendeckend wieder aufnehmen.
Der Bundesausschuss der DFG-VK als höchstes Gremium der ältesten und größten deutschen Friedensorganisation zwischen den zweijährlichen Bundeskongressen hat sich auf seiner Sitzung am 4./5. Juli mit der neuerlichen Wehrpflicht-Diskussion beschäftigt und erklärt dazu:


Es ist eine alte Märchenerzählung, dass die Wehrpflicht eine demokratische Sicherung gegen die Ausbreitung des Rechtsextremismus im Militär sei. Diese Behauptung wird auch durch Wiederholung nicht wahr. Als DFG-VK erinnern wir an diese Punkte:

  • Die Bundeswehr ist strikt hierarchisch aufgebaut und funktioniert nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Haltung, Bewusstsein, Kultur und Geist werden von Offizier- und Unteroffizierkorps geprägt, also von Zeit- und Berufssoldaten, nicht aber von Wehrpflichtigen am Ende der Befehlskette. Entscheidend dafür, dass Militär nicht zum Sammelbecken für Rechtsextremisten wird, sind klare Vorgaben bei der Personalauswahl, politisch-demokratische Bildung und strenge Kontrolle durch die Politik.
  • Hintergrund für den Vorschlag von Eva Högl sind die Vorkommnisse beim sog. Kommando Spezialkräfte (KSK). Gerade aber wegen der besonderen Spezialisierung würden auch bei einer Wiedereinführung der Wehrpflicht beim KSK keine Wehrpflichtigen eingesetzt werden (können).
  • Nach dem Grundgesetz (Artikel 12a) können nur Männer zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet werden. Eine solche Form der Ungleichbehandlung wäre heutzutage gesellschaftlich nur noch schwer vermittelbar und akzeptabel. Für eine Grundgesetzänderung gälte aber die hohe Hürde einer Zweidrittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat
  • Ebenfalls vom Grundgesetz verboten ist die von Annegret Kramp-Karrenbauer ins Spiel gebrachte allgemeine Dienstpflicht.
  • Der Blick in die deutsche Geschichte zeigt: Eine Wehrpflicht steht gerade nicht für Demokratie und Abwehr von Extremismus. Es war Hitler, der vier Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler in einer Rede vor den Spitzen der Reichswehr die Wiedereinführung der Wehrpflicht ankündigte und 1935 umsetzte. Mit der Wehrpflichtarmee Wehrmacht führte das nationalsozialistische Deutschland seine verbrecherischen Angriffskriege.

Für Interviews oder bei Nachfragen nehmen Sie bitte jederzeit telefonisch unter 017623575236 oder per E-Mail unter svg@dfg-vk.de Kontakt auf!

Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 5. Juli 2020Ein Newsletter der DFG-VK

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3. Newsletter: Für Frieden, Umwelt und Soziales, 07.07.2020

Liebe Newsletter-Freunde!

Nur noch 2 Monate bis zum Start meines Weltfrieden-Online-Kongresses 2020!
Während ich momentan also mitten in den Experten-Interviews stecke, passieren in diesen Wochen auf der Welt gerade wieder dramatische Dinge. Hier nur ein paar Stichworte:

  1. hochaktuelles Thema: „Kohleausstiegsgesetz“ – was in Wirklichkeit ein „Kohlekraftwerkerhaltungsgesetz“ ist! So schaffen wir auf keinen Fall das 1,5° Ziel! Siehe Prof. Eike Weber, und wir hatten dazu am Freitag eine Abstimmungskatastrophe!

  2. zu Frieden:
    1. „Flaggentag“ der Bürgermeister für den Frieden, gleichzeitig „Manifest-Tagvon Russell und Einstein: Wie können wir einen großen Krieg unmöglich machen?
    2. geplante Annektion in Israel von palästinensischem Gebiet
    3. Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg wurde veröffentlicht::
      Er sagt, Stalin hat viele Verbrechen begangen, aber am zweiten Weltkrieg war er nicht schuld!
    4. Die schärfste Kritik der atomaren Abschreckung liefert zur Zeit: die katholische Kirche! Jetzt direkt!

  3. zu Umwelt: Was können wir gegen die Klimakatastrophe tun? Und dies...?
    Die Interessen der fossilen Industrie sind nicht unsere Interessen! Und es wird dringend!

  4. zu Sozialem: Corona und die Kinder „Es braucht Geduld, Ausdauer und Zeit

  5. zu Sonstigem:
    1. Corona als Weckruf !
    2. Leise-spricht-dein-Seelenwesen Der Referent bei unserem Flaggentag in der Dornse bat mich, ihm dies Buch zu besorgen. Ich finde es großartig…
  6. Ich lege auch die letzten beiden Newletter bei: Zweiter Newsletter: https://helmutkaess.de/Wordpress/?p=9187 Erster Newsletter: https://helmutkaess.de/Wordpress/?p=8892
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Corona als Weckruf!

Corona als Weckruf! Hier ist ein kommentar aus der süd/nord gruppe der IPPNW Corona ist eine Pandemie, wie sie immer wieder und auch schon gefährlicher die Menschheit gequält hat. Aber die Menschheit reagiert plötzlich, was sie bei noch gefährlicheren, langfristigeren Risiken, insbesondere der Gefahr eines „finalen“ Krieges (siehe Einstein) und bei der Klimakatastrophe bisher noch nicht wirklich getan hat. Sie muss auf diese Gefahren genau so heftig als die Krisen reagieren, um die es sich handelt, dann ist alles zu schaffen!

Hier die Darstellung des Problems von Attac: Gesendet: Freitag, 03. Juli 2020 um 17:33 Uhr
Von: „Attac Trägerverein e.V.“ <noreply@attac.de>
An: helmut_kaess@web.de
Betreff: Für eine sozial-ökologische Wende statt „Normalzustand“!

Jetzt online Spenden: https://www.attac.de/kein-normalzustand
Jetzt Mitglied werden: https://www.attac.de/aktiv-werden/mitglied-werden

Liebe Freundinnen und Freunde von Attac, liebe Mitglieder,

die Corona-Krise hat überdeutlich gemacht: Das globale Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist weder gegenwartstauglich noch zukunftsfähig. Dennoch ist die Sehnsucht nach einer Rückkehr zum „Normalzustand“ groß, denn die Pandemie belastet uns alle auf verschiedene Arten. Doch wir sollten nicht vergessen: Der „Normalzustand“ ist kein erstrebenswertes Ziel. Deshalb engagieren wir uns weiterhin für einen sozial-ökologischen Wandel – bitte unterstützen Sie uns unter www.attac.de/kein-normalzustand dabei!

Denn die Corona-Krise birgt auch eine Chance: uns darauf zu besinnen, was für eine Gesellschaft wirklich wichtig ist. Jetzt gilt es, die Prioritäten geradezurücken und die Menschen, nicht den Profit ins Zentrum zu stellen. Statt das bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem buchstäblich um jeden Preis zu retten und zu erhalten, muss es grundlegend umgebaut werden. Attac arbeitet seit inzwischen 20 Jahren an gesellschaftlichen Gegenentwürfen, an denen zurzeit im öffentlichen Diskurs erhöhtes Interesse besteht. Diese Gelegenheit müssen wir gut nutzen!

Deshalb ist Attac auch und gerade jetzt sehr aktiv – mit Aktionen, online wie offline, mit politischen Bildungsangeboten, mit Online-Diskussionsveranstaltungen und vielem mehr. Denn es gibt viel zu tun: Die Rettungspakete müssen nicht „die Wirtschaft“ retten, sondern Menschen, die sonst ins Nichts fallen. Die Krisenprogramme dürfen nicht Klimakiller am Leben halten, sondern müssen den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft fördern. Und zur gesellschaftlichen Solidarität gehört zum einen eine öffentliche Daseinsvorsorge, die allen Menschen zugutekommt, im Gesundheitswesen und darüber hinaus, und zum anderen eine solidarische Politik, die nicht an Landesgrenzen oder an den Außengrenzen der EU Halt macht. Dafür macht Attac sich stark, jetzt und in Zukunft – unterstützen Sie uns dabei!Herzlichen Dank und viele Grüße

Sonja Taubert, Attac-KoordinierungskreisP.S. Attac hat sich in den vergangenen Monaten mit voller Kraft für positive Alternativen zum „Normalzustand“ engagiert. Damit wir weiter unvermindert dranbleiben können, unterstütze Sie uns unter www.attac.de/kein-normalzustand mit einer Spende – vielen Dank!

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Annektion!

Israel plant die völkerrechtswidrige Annektion von großen Teilen des sowieso besetzten Palästina. Erklärung von IALANA:

annektionannektion

Gesendet: Freitag, 26. Juni 2020 um 11:58 Uhr
Von: „Sabine Farrouh“ <farrouhs@gmx.de>
An: „IPPNW Deutschland“ <ippnw-deutschland@ippnw-lists.de>
Betreff: [Ippnw-deutschland] Fwd: IALANA Stellungnahme zu den Plänen weite Teile des besetzten palästinensischen Westjordanlands zu annektieren

Super Stellungsnahme von IALAN, unterzeichent von unserem wissenschaftlichem Beiratsmitglied Norman Paech.

IALANA Stellungnahme zu den Plänen weite Teile des besetzten palästinensischen Westjordanlands zu annektieren

IALANA PresseerklärungView online


IALANA fordert klare Stellungnahme und politische Schritte der Bundesregierung gegen die Pläne der israelischen Regierung, weite Teile des besetzten palästinensischen Westjordanlands zu annektieren

Die neugebildete Koalitionsregierung unter Benjamin Netanjahu und Benjamin Gantz hält an den schon vorher von Netanjahu verkündeten Plänen fest, alle 128 Siedlungen und das Jordantal, den fruchtbarsten Teil Palästinas, zu annektieren. Das Wahlergebnis zeigt, dass diese Annexionspläne von dem größten Teil der nichtarabischen Bevölkerung Israels geteilt werden. Voraussetzung für diesen radikalen Schritt war die Zustimmung der USA, die US-Außenminister Pompeo am 25. April gegeben hat. Andere Regierungen sind offenbar nicht konsultiert worden, vor allem nicht die betroffenen Palästinenser.

Jede Annexion fremden Territoriums ist ein schwerer Verstoß gegen internationales Recht und daher illegal. Die Vereinten Nationen haben nie die Annexion Jerusalems und der Golan-Höhen anerkannt, der Internationale Gerichtshof hat die Annexion in seinem Gutachten zur Mauer von 2004 ausdrücklich als rechtswidrig und nichtig bezeichnet. Daran ändert auch nichts, dass US-Präsident Trump die Völkerrechtswidrigkeit der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik bestreitet und die syrischen Golan-Höhen und Ostjerusalem als integralen Teil Israels anerkennt. Beides ist nach internationalem Recht irrelevant und selbst ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht. Dies gilt auch für den sog. Nah-Ost-Plan der Trump-Administration, der auf der weitgehenden Enteignung und Annexion palästinensischen Territoriums aufbaut. Er zerstört damit endgültig die Zwei-Staaten-Lösung, die entsprechend zahlloser UNO-Resolutionen immer noch die Grundlage der internationalen Palästinapolitik bildet. Das Ziel eines palästinensischen Staates neben Israel, das seit der UNO-Resolution 181 aus dem Jahr 1947 immer noch gültig ist, wird aufgegeben und eine von den Palästinensern geplante Hauptstadt Ost-Jerusalem illusorisch. Für einen Staat Palästina mit eigenen Grenzen bleibt kein Territorium übrig. Die Reste Palästinas werden ohne eigene Selbstbestimmung und Souveränität faktisch der israelischen Willkür ausgeliefert – eine neue Art von Kolonie.

Ein Prozess der Zerstörung, Enteignung und Kolonisierung hat sich durch die Jahrzehnte vor allen Augen in den besetzten Gebieten vollzogen, ohne dass die internationale Gemeinschaft dagegen erkennbaren Widerstand geleistet hätte. Insbesondere die deutsche Bundesregierung hat nicht nur weitgehend geschwiegen, sondern im Rahmen der EU aktiv Initiativen verhindert, die Israel zum Stopp der Siedlungs- und Aufhebung der Besatzungspolitik bewegen sollten. Ihre gelegentliche und vorsichtige „Kritik“ konnten die israelischen Regierungen eher als Unterstützung denn als Ablehnung ihrer Politik auffassen. Zudem hat die Bundesrepublik Palästina die Anerkennung als Staat in der UNO verweigert, obwohl es über alle Merkmale eines Staates verfügt und von über 2/3 der Mitgliedstaaten in der UNO anerkannt wird. Sie hat sogar im jüngsten Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag , in dem es um die Klage gegen Israel wegen schwerer Kriegsverbrechen im Krieg gegen Gaza 2014 und Menschenrechtsverstößen in den besetzten Gebieten geht, versucht, das Verfahren zu verhindern. Allerdings vergeblich, da die Generalanklägerin Fatou Bensouda die Rechtssprechungskompetenz des Gerichtshofs über Palästina ausführlich begründet und anerkannt hat.

Die Situation ist dramatisch. Netanjahu will unbedingt die Annexion bis zu den nächsten Wahlen in den USA unter der Präsidentschaft von Trump durchführen und hat den 1. Juli als Termin festgesetzt. Es bleibt wenig Zeit, in der die internationale Gemeinschaft ihr ständiges Bekenntnis zum Internationalen Recht durch wirksame Maßnahmen unter Beweis stellen kann. Die Staaten können nicht den Widerspruch begründen, Russland wegen des Anschlusses der Krim mit Sanktionen zu belegen, Israel aber bei der Zerstörung der staatlichen Existenz eines Volkes durch die Annexion ihres Territoriums gewähren zu lassen. Insbesondere die Bundesregierung muss ihre Verantwortung, die sie immer nicht nur gegenüber Israel sondern auch gegenüber den Palästinensern betont hat, wahrnehmen und ihre legitimen Rechte schützen.

Sie kann sich dabei auf internationale Kritik stützen, die sogar aus Israel selbst kommt. 56 ehemalige Knesset-Abgeordnete haben die Annexion als einen „tödlichen Schlag für eine Friedensmöglichkeit und die Schaffung eines Apartheid-Staates“ abgelehnt. 300 ehemalige Generäle und Offiziere der israelischen Armee und Chefs des Mossad haben ebenfalls die Pläne der Regierung scharf kritisiert. In Großbritannien haben sich 127 ehemalige und gegenwärtige Parlamentarier aller Parteien an die britische Regierung gewandt und  Premier Minister Johnson aufgefordert, die Illegalität der Annexionen zu rügen und „ernsthafte Konsequenzen inklusive Sanktionen“ anzukündigen.

Die Deutsche Sektion der International Association of Lawyers against Nuclear Armement (IALANA) schließt sich dieser Kritik an und fordert die Bundesregierung auf, ihren Verpflichtungen aus dem Internationalen Recht nachzukommen und alles zu unternehmen, dass Israel von seinen Annexionsplänen Abstand nimmt. Insbesondere sollte sie auf die Aussetzung des EU-Israel Assoziierungsabkommens dringen, solange Israel nicht die in Art. Zwei des Abkommens geforderte Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts garantiert. Dazu gehört, jegliche Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit den illegalen israelischen Siedlungen zu untersagen und sicherzustellen, dass keine Geschäftsbeziehungen mit israelischen Unternehmen in den besetzten Gebieten unterhalten werden. Desgleichen sollte jeder Waffenhandel untersagt und die militärische Kooperation mit Israel gestoppt werden. Die Bundesregierung sollte sich für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen in Gaza und dem besetzten Westjordanland einsetzen, statt zu versuchen, das Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu verhindern. Dazu fordern wir, dass die Bundesregierung endlich den Staat Palästina völkerrechtlich anerkennt. Die Bundesregierung darf sich nicht mehr hinter der verbrecherischen Geschichte der Nazi-Herrschaft verstecken und aus falsch verstandener Verantwortung zum Komplizen einer offen völkerrechtswidrigen Politik machen. Sie muss gegen die Annexion Stellung beziehen und ein Ende der seit Jahrzehnte dauernden illegalen Besatzung fordern.
                                                                                                     RA Otto Jäckel     Prof. Dr. Norman Paech
Vorsitzender         Wissenschaftlicher Beirat  
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WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT:
Jan van Aken, Hamburg ǀ Prof. Dr. Michael Bothe, Frankfurt a.M. ǀ Daniela Dahn, Publizistin, Berlin ǀ Prof. Dr. Wolfgang Däubler, Bremen ǀ Prof. Dr. Erhard Denninger, Frankfurt a.M. ǀ Dipl.-Pol. Annegret Falter, Berlin ǀ Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano, Bremen ǀ Prof. Dr. Hans-Joachim Heintze, Bochum ǀ Prof. Dr. Martina Haedrich, Jena ǀ Dr. Felix Hanschmann, Karlsruhe ǀ Gabriele Krone-Schmalz, Journalistin ǀ Karl-Wilhelm Lange, Regierungspräsident a.D., Braunschweig/Hann.-Münden ǀ Prof. Dr. Norman Paech, Hamburg ǀ Hans-Christof von Sponeck, Beigeordneter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Müllheim ǀ apl. Prof. Dr. Carmen Thiele, Frankfurt/Oder ǀ Jürgen Trittin, MdB, Göttingen ǀ Prof. Dr. Herbert Wulf, Pinneberg
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Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg wurde veröffentlicht

Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg wurde veröffentlicht

https://www.anti-spiegel.ru/wp-content/uploads/2019/07/putin-georgien1.jpg

Ende 2019 hat Putin angekündigt, einen Artikel über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges zu schreiben. Der sehr lange Artikel ist am Freitag veröffentlicht worden und sein Inhalt dürfte viele überraschen. Ich habe Putins Artikel übersetzt.

Da Putins Artikel in der Tat sehr lang ist, erlaube ich mir dazu ein paar einleitende und zusammenfassende Worte, die aus meiner Sicht beim Verständnis des Artikels helfen. In seinem Artikel schlägt Putin einen sehr weiten Bogen. Er schreibt über das, was er in Archiven über den Weg in den Zweiten Weltkrieg und über den Verlauf des Krieges gefunden hat und beruft sich auf neue, in Russland veröffentlichte Originaldokumente. Das macht den größten Teil des Artikels aus. Aber Putin schlägt dann den Bogen weiter zur Nachkriegszeit und bis heute. Er plädiert dafür, aus der Vergangenheit zu lernen, nicht die Geschichte umzuschreiben oder bestehende Regeln und Institutionen, die seit 1945 einen neuen Weltkrieg verhindert haben, zu schwächen. Im Gegenteil plädiert Putin für die Beibehaltung und die Achtung des nach 1945 entstandenen Völkerrechts und er plädiert für das, was manche Journalisten als „neue Jalta-Konferenz“ bezeichnet haben, wie Putin ganz am Ende des Artikels schreibt. Auf dieser Konferenz – so Putins Wunsch – sollen sich die „Großen Fünf“ auf Regeln einigen, die auch in Zukunft einen globalen Konflikt verhindern können. Zum Verständnis des Artikels ist es auch wichtig, Russland ein wenig zu kennen, denn ein Teil des Artikels ist durchaus auch für das russische Publikum bestimmt. Im Zweiten Weltkrieg hat jeder siebte Sowjetbürger sein Leben verloren, jede Familie hat Menschen verloren, der Krieg ist tief eingebrannt in die russische Seele und in das kollektive Gedächtnis der Russen. Der Zweite Weltkrieg ist in Russland immer noch präsent, wesentlich stärker, als in allen westlichen Ländern. Daher ist der Tag des Sieges über den Faschismus der wichtigste Feiertag in Russland und mit nichts zu vergleichen, was wir im Westen kennen. Vor kurzem wurde von der russischen Zivilgesellschaft eine neue Tradition ins Leben gerufen: Das Unsterbliche Regiment. Dabei ziehen die Menschen mit Fotos ihrer Vorfahren, die im Krieg gekämpft haben und gestorben sind, durch die Städte. Die Prozession dauert Stunden und am Straßenrand sehen Zehntausende zu. Es sind Millionen Menschen an dem Tag auf den Straßen und gedenken der Opfer und den Entbehrungen ihrer Vorfahren. Ich kenne keinen Feiertag in anderen Ländern, an dem die Menschen in so großer Zahl teilnehmen. Die Atmosphäre ist dabei nicht aggressiv oder „anti-deutsch“, es ist eine friedliche Atmosphäre, eine Mischung aus Gedenken, Respekt und Stolz. Zum Mitmachen müssen die Menschen nicht gezwungen werden, sie machen es aus eigenem Antrieb, weil ihnen dieses Gedenken wichtig ist. Das muss man zum Verständnis einiger Passagen dieses Artikels wissen. Putins Artikel ist so etwas wie ein Grundsatzprogramm. Putin erklärt in dem Artikel sowohl den einfachen Russen, als auch den wichtigen Politikern der Welt, wie er geschichtliche Zusammenhänge sieht und vor allem, welche Lehren seiner Meinung nach daraus für die heutige und zukünftige Politik gezogen werden sollten. Die geschichtlichen Fakten, die er nennt, sind unbestreitbar, sie erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, der Artikel ist kein Geschichtsbuch. Die Lehren, die Putin aus der Geschichte zieht, kann man diskutieren und genau dazu ruft er auf.

So viel zum besseren Verständnis, nun beginnt die Übersetzung von Putins sehr langem Artikel.

Beginn der Übersetzung:

75 Jahre sind seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges vergangen. Im Laufe der Jahre sind mehrere Generationen herangewachsen. Die politische Landkarte des Planeten hat sich verändert. Die Sowjetunion, die einen großen, vernichtenden Sieg über den Nationalsozialismus errungen hat und die ganze Welt gerettet hat, gibt es nicht mehr. Und die Ereignisse dieses Krieges sind, auch für seine Teilnehmer, in eine ferne Vergangenheit gerückt. Aber warum wird in Russland der 9. Mai als der wichtigste Feiertag gefeiert, und warum scheint am 22. Juni das Leben einzufrieren und man hat regelrecht einen Kloß im Hals? (Anm. d. Übers.: Am 22. Juni 1941 hat Deutschland die Sowjetunion angegriffen)

Bei uns sagt man, dass der Krieg eine tiefe Spur in der Geschichte jeder Familie hinterlassen hat. Hinter diesen Worten stehen die Schicksale von Millionen von Menschen, ihr Leiden und der Schmerz des Verlustes. Und auch Stolz, die Wahrheit und die Erinnerung.

Für meine Eltern bedeutete der Krieg die schreckliche Qual des belagerten Leningrad, wo mein zweijähriger Bruder Vitya starb, wo meine Mutter auf wundersame Weise überlebte. Mein Vater meldete sich freiwillig, um seine Heimatstadt zu verteidigen, er tat dasselbe wie Millionen sowjetischer Bürger. Er wurde an der Newski-Brücke schwer verwundet. Und je weiter diese Jahre sich entfernen, desto größer wird der Wunsch, mit den Eltern zu sprechen, mehr von ihnen über die Zeit des Krieges zu erfahren. Aber heute ist es unmöglich, irgendetwas zu fragen, also bewahre die Gespräche mit meinem Vater und meiner Mutter über dieses Thema in meinem Herzen, auch ihre zurückgehaltenen Emotionen.

Für mich und meine Altersgenossen ist es wichtig, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel die Prüfungen und Ängste verstehen, die ihre Vorfahren durchgemacht haben. Wie und warum konnten wir überleben und gewinnen? Woher kam ihre wirklich eiserne Stärke, die die ganze Welt überrascht und fasziniert hat? Ja, sie verteidigten ihr Zuhause, ihre Kinder, ihre Lieben, ihre Familien. Aber sie alle waren vereint durch die Liebe zum Vaterland. Dieses tiefe, persönliche Gefühl spiegelt sich voll und ganz im Wesen unseres Volkes wider und ist zu etwas Bestimmenden in seinem heldenhaften, opferbereiten Kampf gegen die Nazis geworden.

Oft frage ich mich: Wie wird sich die heutige Generation verhalten, was wird sie in einer kritischen Situation tun? Vor meinen Augen sehe ich junge Ärzte und Krankenschwestern, die eben noch Studenten waren, die heute in die „rote Zone“ gehen, um Menschen zu retten. Auch unsere Soldaten, die im Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Nordkaukasus, in Syrien dem Tode ins Auge sehen, sind sehr junge Leute! Viele Kämpfer der legendären, unsterblichen sechsten Landekompanie waren 19 oder 20 Jahre alt. Aber sie alle zeigten, dass sie unser Mutterland in dem Krieg würdig verteidigt haben.

Daher bin ich sicher, dass der Charakter der Völker Russlands darin besteht, ihre Pflicht zu erfüllen, wenn die Umstände es erfordern, anstatt sich selbst zu bemitleiden. Selbstlosigkeit, Patriotismus, die Liebe zur eigenen Heimat, zur eigenen Familie, zum Vaterland – diese Werte sind für die russische Gesellschaft nach wie vor von grundlegender Bedeutung. Sie sind im Großen und Ganzen die Garanten der Souveränität unseres Landes.

Jetzt sind neue Traditionen entstanden, die aus dem Volk gekommen sind, wie das Unsterbliche Regiment. Dieser Marsch unseres dankbaren Gedenkens ist die lebendige Verbindung zwischen den Generationen. Millionen von Menschen gehen mit Fotos ihrer Verwandten, die das Vaterland verteidigt und den Nationalsozialismus besiegt haben, zu den Veranstaltungen. Das bedeutet, dass ihr Leben, ihre Prüfungen und Opfer, der Sieg, den sie uns gegeben haben, niemals vergessen werden. (Anm. d. Übers.: Das Unsterbliche Regiment ist eine beeindruckende Veranstaltung, bei der Menschen mit den Fotos ihre Vorfahren, die am Krieg teilgenommen haben, durch die Städte ziehen. Hier in Petersburg, wo ich lebe, findet das auf der zentralen Straße statt. Sie ist in beide Richtungen vierspurig und die Prozession dauert Stunden, in der die Menschenmassen Schulter an Schulter an den Zuschauern vorbeiziehen. Die Stimmung dabei ist friedlich, aber die Bilder sind eindrücklicher, als jede Dokumentation oder jedes Buch über den Krieg. Wenn man auf diese Weise vorgeführt bekommt, wie viele Menschen alleine aus einer Stadt in dem Krieg gekämpft und gelitten haben oder gestorben sind, dann geht man wirklich mit dem Gedanken „nie wieder Krieg!“ nach Hause)

Es ist unsere Verantwortung gegenüber der Vergangenheit und der Zukunft alles zu tun, um eine Wiederholung einer so schrecklichen Tragödien zu verhindern. Daher sehe ich es als meine Pflicht an, in einem Artikel über den Zweiten Weltkrieg und den Großen Vaterländischen Krieg zu sprechen. Ich habe diese Idee wiederholt in Gesprächen mit führenden Politikern der Welt diskutiert und bin dabei auf ihr Verständnis gestoßen. Ende letzten Jahres, auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der GUS-Staaten, waren wir uns alle einig: Es ist wichtig, der Nachwelt die Erinnerung zu vermitteln, dass der Sieg über den Nationalsozialismus in erster Linie vom gesamten sowjetischen Volk errungen wurde, dass in diesem heldenhaften Kampf – an der Front und in der Heimat – Vertreter aller Republiken der Sowjetunion Schulter an Schulter gestanden haben. Im Dezember habe ich mit meinen Kollegen über die schwierige Vorkriegszeit gesprochen.

Dieses Gespräch hat in Europa und der Welt große Resonanz gefunden. Das bedeutet, dass es wirklich notwendig und aktuell ist, sich den Lehren der Vergangenheit zuzuwenden. Gleichzeitig gab es viele Emotionen, schlecht verborgene Komplexe und laute Anschuldigungen. Eine Reihe von Politikern erklärte schnell, dass Russland versuche, die Geschichte umzuschreiben. Dabei konnten sie jedoch keine einzige Tatsache, kein einziges Argument widerlegen. Natürlich ist es schwierig und sogar unmöglich, den Originaldokumenten zu widersprechen, die übrigens nicht nur in russischen, sondern auch in ausländischen Archiven aufbewahrt werden.

Daher ist es notwendig, die Analyse der Ursachen, die zum Weltkrieg geführt haben, fortzusetzen und über seine Ereignisse, Tragödien und Siege, über seine Lehren – für unser Land und die Welt – weiter nachzudenken. Und dabei, ich wiederhole das, ist es prinzipiell wichtig, sich nur auf Material aus Archiven und Aussagen von Zeitzeugen zu verlassen, um jede Ideologisierung und Politisierung auszuschließen.

Ich erinnere noch einmal an das Offensichtliche: Die Ursachen des Zweiten Weltkriegs sind größtenteils auf die Entscheidungen zurückzuführen, die nach dem Ersten Weltkrieg getroffen wurden. Der Versailler Vertrag ist für Deutschland zu einem Symbol tiefer Ungerechtigkeit geworden. De facto ging es darum, das Land auszurauben, das den westlichen Verbündeten enorme Reparationen zahlen musste, was seine Wirtschaft vollkommen erschöpft hat. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, der französische Marschall Foche, hat Versailles prophetisch charakterisiert: „Das ist kein Frieden, das ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“

Es war die nationale Demütigung, die den Nährboden für radikale und revanchistische Gefühle in Deutschland geschaffen hat. Die Nazis haben geschickt mit diesen Gefühlen gespielt, haben ihre Propaganda darauf aufgebaut und sie versprachen, Deutschland vom „Erbe von Versailles“ zu befreien, seine frühere Macht wiederherzustellen, damit haben sie das deutsche Volk in einen neuen Krieg getrieben. Es ist paradox, aber westliche Staaten, insbesondere das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, haben das direkt oder indirekt ermöglicht. Ihre Finanz- und Industriekreise haben sehr aktiv in deutsche Fabriken investiert, die militärisches Material hergestellt haben. Und unter der Aristokratie und dem politischen Establishment im Westen gab es viele Anhänger radikaler, rechtsextremer, nationalistischer Bewegungen, die damals in Deutschland und Europa an Zulauf gewannen.

Die „Friedensordnung“ von Versailles hat zahlreiche verborgene Widersprüche und offensichtliche Konflikte geschaffen. Ihr Grund waren die Grenzen der neuen europäischen Staaten, die von den Siegern des Ersten Weltkriegs willkürlich gezogen wurden. Fast unmittelbar nach ihrem Erscheinen auf der Landkarte begannen territoriale Streitigkeiten und gegenseitige Ansprüche, die zu Zeitbomben wurden.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Ersten Weltkriegs war die Gründung des Völkerbundes. Diese internationale Organisation weckte große Hoffnungen auf langfristigen Frieden und kollektive Sicherheit. Es war eine progressive Idee, deren konsequente Umsetzung ohne Übertreibung eine Wiederholung der Schrecken eines globalen Krieges hätte verhindern können.

Der Völkerbund, der von den Siegermächten Großbritannien und Frankreich dominiert wurde, demonstrierte jedoch seine Ineffizienz und ertrank schlicht in inhaltslosen Gesprächen. Im Völkerbund – und generell auf dem europäischen Kontinent – wurden wiederholte Forderungen der Sowjetunion nach einem gleichberechtigten System der kollektiven Sicherheit nicht beachtet. Insbesondere der Abschluss osteuropäischer und pazifischer Pakte hätte der Aggression einen Dämpfer versetzen können. Diese Vorschläge wurden ignoriert.

Der Völkerbund konnte neue Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt, wie den Angriff Italiens auf Äthiopien, den Spanischen Bürgerkrieg, Japans Aggression gegen China und den Anschluss Österreichs, nicht verhindern. Und im Falle der Münchner Verschwörung, an der neben Hitler und Mussolini die Führer Großbritanniens und Frankreichs beteiligt waren, wurde mit der vollen Zustimmung des Rates des Völkerbundes die Zerstückelung der Tschechoslowakei beschlossen. Ich stelle in diesem Zusammenhang fest, dass Stalin sich, im Gegensatz zu vielen der damaligen Führer Europas, nicht mit einem persönlichen Treffen mit Hitler befleckt hat, der damals in westlichen Kreisen als respektabler Politiker bekannt war und ein gern gesehener Gast in den europäischen Hauptstädten war. (Anm. d. Übers.: Das Münchner Abkommen wird in Russland „Münchner Verschwörung“ genannt. Und auch wenn es heute im Westen gerne vergessen wird, war Hitler tatsächlich über viele Jahre im Westen sehr respektiert. Noch 1938 wurde Hitler vom Time Magazine zum „Man of the Year“ erklärt)

Bei der Aufteilung der Tschechoslowakei arbeitete Polen mit Deutschland zusammen. Sie haben im Voraus und gemeinsam entschieden, wer welche Teile der Tschechoslowakei bekommen wird. Am 20. September 1938 informierte Polens Botschafter in Deutschland, Józef Lipski, den polnischen Außenminister Józef Beck über Hitlers Zusicherungen: „… Sollte es auf der Grundlage polnischer Interessen in Teschen zwischen Polen und der Tschechoslowakei zu einem Konflikt kommen, wird das Reich auf unserer (der polnischen) Seite stehen.“ Der Anführer der Nazis gab sogar Ratschläge und riet, dass der Beginn polnischer Aktionen „erst nachdem die Deutschen die Sudetenberge besetzt haben, erfolgen“ solle. (Anm. d. Übers.: Das wird in deutschen Geschichtsbüchern gerne verschwiegen, aber Polen hat tatsächlich Teile der Tschechoslowakei annektiert, als Deutschland die Sudetengebiete besetzt hat. Das kann jeder leicht nachprüfen, indem man die Geschichte des Gebietes Teschen – heute Cieszyn – googelt)

In Polen wusste man, dass ihre aggressiven Pläne ohne Hitlers Unterstützung zum Scheitern verurteilt gewesen wären. Hier zitiere ich eine Aufzeichnung des Gesprächs des deutschen Botschafters in Warschau, Moltke, mit Józef Beck über die polnisch-tschechischen Beziehungen und die Position der UdSSR in dieser Angelegenheit vom 1. Oktober 1938: „… Herr Beck… dankte für die loyale Auslegung polnischer Interessen auf der Münchner Konferenz, sowie für die Aufrichtigkeit der Beziehungen während des tschechischen Konflikts. Die Regierung und die Öffentlichkeit (Polens) würdigen die Position des Führers und Reichskanzlers voll und ganz.

Die Teilung der Tschechoslowakei war grausam und zynisch. München selbst hat die fragilen formalen Garantien, die noch auf dem Kontinent verblieben waren, zum Einsturz gebracht und gezeigt, dass gegenseitige Vereinbarungen wertlos waren. Es war die Münchner Verschwörung, die den Abzug gedrückt hat, wonach der große Krieg in Europa unvermeidlich wurde.

Heute möchten europäische Politiker, insbesondere polnische Politiker, München „verschweigen“. Warum? Nicht nur, weil ihre Länder damals ihre Verpflichtungen verraten haben, indem sie die Münchner Verschwörung unterstützt und einige sich sogar an der Aufteilung der Beute beteiligt haben, sondern auch, weil es irgendwie unangenehm ist, sich daran zu erinnern, dass in diesen dramatischen Tagen des Jahres 1938 nur die UdSSR für die Tschechoslowakei eingetreten ist.

Die Sowjetunion versuchte auf der Grundlage ihrer internationalen Verpflichtungen, einschließlich der Abkommen mit Frankreich und der Tschechoslowakei, die Tragödie zu verhindern. Polen hat bei der Verfolgung seiner Interessen mit allen Mitteln die Schaffung eines Systems kollektiver Sicherheit in Europa verhindert. Der polnische Außenminister Józef Beck schrieb am 19. September 1938 direkt an den bereits erwähnten Botschafter Józef Lipski vor dessen Treffen mit Hitler: „… Im vergangenen Jahr hat die polnische Regierung vier Mal Angebote abgelehnt, sich einer internationalen Initiative zur Verteidigung der Tschechoslowakei anzuschließen.“ (Anm. d. Übers.: 1938 hatte die Tschechoslowakei Bündnisse mit der Sowjetunion und mit Frankreich. Mit der Unterschrift unter das Münchner Abkommen hat Frankreich sein Schutzversprechen gegenüber der Tschechoslowakei gebrochen. Auch das wird heute gerne in Geschichtsbüchern verschwiegen, ist aber leicht nachprüfbar. Das französisch-tschechische Bündnis sah unter anderem vor, dass französische Flugzeuge im Falle eines Krieges mit Deutschland von der Tschechoslowakei aus die damals sehr wichtigen Industriegebiete in Sachsen bombardieren sollten)

Großbritannien und auch Frankreich, das damals der wichtigste Verbündete der Tschechen und Slowaken war, haben sich entschieden, ihre Garantien aufzugeben und das osteuropäische Land seinem Schicksal zu überlassen. Sie haben die Tschechoslowakei nicht nur im Stich gelassen, sondern haben damit die Bestrebungen der Nazis mit dem Ziel nach Osten gelenkt, dass Deutschland und die Sowjetunion unweigerlich zusammenstoßen und sich gegenseitig ausbluten würden.

Das war die westliche Politik des „Appeasement“. Und zwar nicht nur in Bezug auf das Dritte Reich, sondern auch auf andere Mitglieder des sogenannten Antikomintern Paktes, also das faschistische Italien und das militaristische Japan. Seinen Höhepunkt fand das im Fernen Osten im anglo-japanischen Abkommen vom Sommer 1939, das Tokio Handlungsfreiheit in China gab. Die führenden europäischen Mächte wollten die tödliche Gefahr für die ganze Welt, die von Deutschland und seinen Verbündeten ausging, nicht erkennen und sie erwarteten, dass der Krieg an ihnen vorbeigehen würde.

Die Münchner Verschwörung zeigte der Sowjetunion, dass westliche Länder Sicherheitsfragen lösen würden, ohne ihre Interessen zu berücksichtigen, und in einem passenden Moment eine anti-sowjetische Front bilden könnten.

Gleichzeitig hat die Sowjetunion versucht, jede Chance zu nutzen, um eine Anti-Hitler-Koalition zu schaffen, ich wiederhole es, trotz der zweideutigen Position der westlichen Länder. So erhielt die sowjetische Führung im Sommer 1939 über die Geheimdienste detaillierte Informationen über anglo-deutsche Kontakte hinter den Kulissen. Bitte beachten Sie: Sie wurden sehr intensiv und fast gleichzeitig mit den trilateralen Verhandlungen von Vertretern Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR geführt, welche die westlichen Partner bewusst verzögerten. In diesem Zusammenhang erwähne ich ein Dokument aus britischen Archiven – eine Anweisung an die britische Militärmission in Moskau, die im August 1939 eintraf. Darin heißt es ausdrücklich, dass die Delegation „sehr langsam verhandeln“ solle; dass „die Regierung des Vereinigten Königreichs nicht bereit ist, detaillierte Verpflichtungen einzugehen, die unsere Handlungsfreiheit einschränken können.“ Ich möchte auch anmerken, dass die sowjetische Delegation, im Gegensatz zu den Briten und Franzosen, von den höchsten Führern der Roten Armee geleitet wurde, die alle notwendigen Unterschriftsvollmachten hatten, um „ein Militärabkommen über die Organisation der militärischen Verteidigung Englands, Frankreichs und der UdSSR gegen eine Aggression in Europa zu unterzeichnen“.

Polen, das keine Verpflichtungen gegenüber der sowjetischen Seite eingehen wollte, hat seinen Teil zum Scheitern der Verhandlungen beigetragen. Selbst unter dem Druck westlicher Verbündeter verweigerte die polnische Führung gemeinsame Aktionen mit der Roten Armee gegen die Wehrmacht. Erst als Ribbentrops Flug nach Moskau bekannt wurde, teilte Herr Beck widerwillig und nicht direkt, sondern über französische Diplomaten, der sowjetischen Seite mit: „… Im Falle einer deutschen Aggression ist eine Zusammenarbeit zwischen Polen und der UdSSR unter noch festzulegenden technischen Bedingungen nicht ausgeschlossen.“ Gleichzeitig erklärte er seinen Kollegen: „… Ich bin nicht gegen diese Formulierung, aber nur aus taktischen Gründen, unsere grundsätzliche Sicht auf die UdSSR ist endgültig und bleibt unverändert.“

In der entstandenen Situation hat die Sowjetunion den Nichtangriffsvertrag mit Deutschland unterzeichnet und war damit das letzte der europäischen Länder, das so etwas mit Deutschland unterzeichnet hat. Es geschah vor dem Hintergrund einer realen Kriegsgefahr an zwei Fronten, mit Deutschland im Westen und mit Japan im Osten, wo es bereits heftige Kämpfe am Halhin-Gol-Fluss gab.

Stalin und seinem Umfeld kann man völlig zu Recht vieles vorwerfen. Wir erinnern uns sowohl an die Verbrechen des Regimes gegen sein eigenes Volk, als auch an die Schrecken der massenhaften Repressionen. Ich wiederhole, man kann den sowjetischen Führern in vielerlei Hinsicht Vorwürfe machen, aber man kann ihnen keinen Mangel am Verständnis von äußeren Bedrohungen vorwerfen. Sie sahen, dass man versuchte, die Sowjetunion alleine gegen Deutschland und seine Verbündeten zu lassen, und die sowjetische Führung handelten ausgehend von dieser realen Gefahr, um wertvolle Zeit für die Stärkung der Verteidigung des Landes zu erkaufen.

Es wird heute viel über den damals geschlossenen Nichtangriffsvertrag geredet und es werden deshalb dem modernen Russland viele Vorwürfe gemacht. Ja, Russland ist der Rechtsnachfolger der UdSSR und die Sowjetzeit mit all ihren Triumphen und Tragödien ist ein integraler Bestandteil unserer tausendjährigen Geschichte. Ich möchte Sie aber auch daran erinnern, dass die Sowjetunion eine rechtliche und moralische Bewertung des so genannten Molotow-Ribbentrop-Pakts vorgenommen hat. Die Resolution des Obersten Sowjet vom 24. Dezember 1989 verurteilte das geheime Zusatzprotokoll offiziell als einen „Akt der persönlichen Macht“, der nicht „den Willen des sowjetischen Volkes widergespiegelt hat, das nicht für diese Verschwörung verantwortlich ist“. (Anm. d. Übers.: Der Hitler-Stalin-Pakt heißt in Russland Molotow-Ribbentrop-Pakt)

Heute ziehen es andere Staaten vor, sich nicht an die Abkommen zu erinnern, auf denen die Unterschriften der Nazis und westlicher Politiker stehen. Ganz zu schweigen von einer rechtlichen oder politischen Bewertung dieser Zusammenarbeit, einschließlich des stillschweigenden Einverständnisses einiger europäischer Persönlichkeiten zu den barbarischen Plänen der Nazis bis hin zur direkten Ermutigung der Nazis. Alleine der zynische Satz des polnischen Botschafters in Deutschland, Józef Lipsky, den er am 20. September 1938 in einem Gespräch mit Hitler gesagt hat, spricht Bände: „… Für eine Lösung der jüdischen Frage stellen wir (die Polen) ihm … ein schönes Denkmal in Warschau auf.“

Wir wissen auch nicht, ob es „geheime Protokolle“ und Anhänge zu den Abkommen dieser Länder mit den Nazis gab. Wir müssen ihren Worten glauben. Insbesondere die Unterlagen zu den geheimen anglo-deutschen Verhandlungen wurden bis heute nicht freigegeben. Deshalb fordern wir alle Staaten auf, den Prozess der Öffnung ihrer Archive zu beschleunigen und bisher unbekannte Dokumente aus der Vorkriegs- und Kriegszeit zu veröffentlichen – wie es Russland in den letzten Jahren getan hat. Wir sind bereit für eine breite Zusammenarbeit, für gemeinsame Forschungsprojekte von Historikern.

Aber lassen Sie uns zu den Ereignissen zurückkehren, die unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg stattfanden. Es war naiv zu glauben, dass Hitler, nachdem er die Tschechoslowakei erledigt hatte, keine weitere territorialen Ansprüche erheben würde. Diesmal gegen Polen, seinen Komplizen bei der Teilung der Tschechoslowakei. Der Grund dafür war übrigens auch ein Vermächtnis von Versailles – das Schicksal des sogenannten Danziger Korridors. Die anschließende Tragödie Polens hat die damalige polnische Führung auf dem Gewissen, die den Abschluss einer anglo-französisch-sowjetischen Militärunion verhindert und auf die Hilfe ihrer westlichen Partner gehofft hat. Damit lieferte sie ihr Volk Hitlers Vernichtungsmaschinerie aus.

Die deutsche Offensive entwickelte sich in voller Übereinstimmung mit der Doktrin des Blitzkrieges. Trotz des erbitterten, heldenhaften Widerstands der polnischen Armee, standen deutsche Truppen eine Woche nach Kriegsbeginn, am 8. September 1939, am Stadtrand von Warschau. Und die militärische und politische Elite Polens floh am 17. September nach Rumänien und hat ihr Volk verraten, das weiter gegen die Invasoren kämpfte.

Die westlichen Verbündeten haben die polnischen Hoffnungen nicht erfüllt. Nach der Kriegserklärung gegen Deutschland rückten französische Truppen nur wenige Dutzend Kilometer tief auf deutsches Gebiet vor. Es machte nur den Anschein einer Demonstration aktiver Handlungen. Mehr noch, der Anglo-Französische Oberste Militärrat, der am 12. September 1939 in Abville (Frankreich) erstmals zusammentrat, beschloss, die Offensive wegen der raschen Entwicklung der Ereignisse in Polen ganz einzustellen. Der berüchtigte „seltsame Krieg“ begann. Ganz offen haben Frankreich und England ihre Verpflichtungen gegenüber Polen verraten. (Anm. d. Übers.: In Deutschland wird die Zeit vom Kriegsbeginn bis zur deutschen Offensive gegen Frankreich im Mai 1940 „Sitzkrieg“ genannt, in Frankreich spricht man vom „seltsamen Krieg“)

Später, während der Nürnberger Prozesse, erklärten die deutschen Generäle ihren schnellen Erfolg im Osten. Der ehemalige Stabschef der operativen Führung des Oberbefehlshabers der deutschen Streitkräfte, General Jodl, gab zu: „… Dass wir nicht schon 1939 verloren haben, liegt nur daran, dass etwa 110 französische und britische Divisionen, die während unseres Krieges mit Polen im Westen gegen 23 deutsche Divisionen standen, völlig passiv geblieben sind.“

Ich habe aus den Archiven die ganze Palette von Dokumenten angefordert, die mit Kontakten der UdSSR mit Deutschland während der dramatischen Tage im August und September 1939 zusammenhängen. Aus Ziffer 2 des geheimen Zusatzprotokolls zum Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der UdSSR vom 23. August 1939 geht hervor, dass im Falle des territorialen und politischen Umbaus der Regionen, aus denen der polnische Staat bestand, die Grenze der Interessensphären der beiden Länder „ungefähr entlang der Grenzen der Flüsse Narev, Weichsel und Sana verlaufen sollte“. Mit anderen Worten, es ging nicht nur um Gebiete, in denen eine überwiegend ukrainische und belarussische Bevölkerung lebte, sondern auch die historisch polnischen Gebiete zwischen Bug und Weichsel fielen in die sowjetische Einflusssphäre. Dieser Tatsache ist heute nicht jedem bekannt. (Anm. d. Übers.: Das ist wichtig, weil die Grenze nach der Eroberung Polens nicht dort verlaufen ist, wo sie laut Zusatzprotokoll hätte verlaufen sollen, sondern weiter östlich.)

Das gilt auch für die Tatsache, dass Berlin unmittelbar nach dem Angriff auf Polen in den ersten Septembertagen 1939 Moskau immer wieder zur Teilnahme an der Militäraktion aufgefordert hat. Die sowjetische Führung ignorierte solche Appelle jedoch und vermied bis zum letzten Moment eine Einmischung in die dramatischen Ereignisse.

Erst als endgültig klar wurde, dass Großbritannien und Frankreich nicht versuchten, ihrem Verbündeten zu helfen, und die Wehrmacht in der Lage war, ganz Polen schnell zu besetzen und sogar Minsk zu erreichen, wurde beschlossen, am Morgen des 17. September die militärischen Einheiten der Roten Armee in die Gebiete einrücken zu lassen, die heute Teile von Belarus, der Ukraine und Litauen sind.

Es ist offensichtlich, dass es keine andere Möglichkeit gab. Andernfalls wären die Risiken für die UdSSR um ein Vielfaches gewachsen, denn, ich wiederhole es, die vorherige sowjetisch-polnische Grenze verlief nur wenige Dutzend Kilometer von Minsk entfernt und der unvermeidliche Krieg mit den Nazis hätte für das Land aus einer äußerst ungünstigen strategischen Position begonnen. Und Millionen von Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter Juden, die in Brest und Hrodna, Peresim, Lemberg und Wilna lebten, wären den Nazis und ihren lokalen Handlangern, Antisemiten und radikalen Nationalisten, zur Vernichtung überlassen worden.

Genau diese Tatsache, dass die Sowjetunion bis zum Letzten versuchte, eine Beteiligung am eskalierenden Konflikt zu vermeiden und nicht auf der Seite Deutschlands spielen wollte, hat dazu geführt, dass der tatsächliche Kontakt der sowjetischen und deutschen Truppen weit östlich der Grenzen stattfand, die im geheimen Zusatzprotokoll festgelegt waren. Nicht an der Weichsel, sondern an der sogenannten Curzon-Linie, die 1919 von der Entente als Ostgrenze Polens empfohlen wurde.

Bekanntermaßen ist der Konjunktiv schwierig auf Ereignisse anzuwenden, die bereits eingetreten sind. Ich sage nur, dass die sowjetische Führung im September 1939 die Gelegenheit hatte, die westlichen Grenzen der UdSSR weiter nach Westen bis nach Warschau zu schieben, aber beschlossen hat, dies nicht zu tun.

Die Deutschen schlugen vor, den neuen Status quo festzuschreiben. Am 28. September 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in Moskau den Freundschafts- und Grenzvertrag zwischen der UdSSR und Deutschland, sowie ein geheimes Protokoll über die Änderung der Staatsgrenze, indem eine Demarkationslinie festgelegt wurde, an der de facto die zwei Armeen standen.

Im Herbst 1939 begann die Sowjetunion im Interesse ihrer militärstragischen Notwendigkeiten mit der Integration Lettlands, Litauens und Estlands. Ihr Beitritt zur UdSSR wurde auf vertraglicher Basis mit Zustimmung der gewählten Regierungen durchgeführt. Das entsprach damals dem Völker- und Staatsrecht. Darüber hinaus wurde die Stadt Vilno und die umliegende Region, die früher zu Polen gehörte, im Oktober 1939 an Litauen zurückgegeben. Die baltischen Republiken behielten als Teil der UdSSR ihre Regierungsorgane und ihre Sprachen und hatten Vertreter in den höheren staatlichen Strukturen der Sowjetunion.

In all diesen Monaten ging der diplomatische und militärisch-politische Kampf und die Arbeit der Geheimdienste weiter. In Moskau verstand man, dass man es mit einem unversöhnlichen und grausamen Feind zu tun hatte und dass der versteckte Krieg gegen den Nationalsozialismus bereits im Gange war. Es gibt keinen Grund, die offiziellen Erklärungen und formalen Protokollnotizen jener Jahre als Beweis für eine „Freundschaft“ zwischen der UdSSR und Deutschland zu sehen. Die UdSSR hatte nicht nur mit Deutschland, sondern auch mit anderen Ländern aktive Handels- und technische Kontakte. In der Zeit versuchte Hitler wiederholt, die UdSSR in eine Konfrontation mit Großbritannien zu ziehen, aber die sowjetische Führung hat sich nicht hineinziehen lassen.

Den letzten Versuch, die Sowjetunion zu überzeugen, gemeinsam zu handeln, unternahm Hitler während des Besuchs von Molotow in Berlin im November 1940. Aber Molotow folgte genau Stalins Anweisungen und beschränkte sich auf allgemeine Gespräche über die Idee der Deutschen, dem im September 1940 unterzeichneten Bündnis Deutschlands, Italiens und Japans beitreten, das sich gegen Großbritannien und die Vereinigten Staaten richtete. Es ist kein Zufall, dass Molotow am 17. November den sowjetischen Vertreter Maysky, der sich in London aufhielt, wie folgt instruierte: „Zu Ihrer Orientierung… In Berlin wurde kein Vertrag unterzeichnet, das war auch nicht beabsichtigt. In Berlin beschränkte es sich auf einen … Meinungsaustausch… Die Deutschen und die Japaner scheinen uns sehr in Richtung Persischer Golf und Indien drängen zu wollen. Wir haben solche Ratschläge über dieses Thema abgelehnt, weil wir solche Ratschläge Deutschlands für unangemessen halten.“ Und am 25. November hat die sowjetische Führung dem ein endgültiges Ende gesetzt: Offiziell wurden die Bedingungen der Nazis als inakzeptabel abgelehnt, darunter fiel die Forderung nach Abzug deutscher Truppen aus Finnland, der gegenseitige Hilfsvertrag zwischen der UdSSR und Bulgarien und einer Reihe anderer Verträge, wodurch absichtlich jede Möglichkeit eines Beitritts zu dem Pakt ausgeschlossen wurde. Diese Position bestärkte den Führer schließlich in seiner Absicht, einen Krieg gegen die UdSSR zu beginnen. Und im Dezember, alle Warnungen seiner Strategen vor der katastrophalen Gefahr eines Krieges an zwei Fronten beiseite werfend, billigte Hitler den Plan „Barbarossa“. Er tat dies, weil er erkannte, dass die Sowjetunion die wichtigste Macht war, mit der er in Europa konfrontiert war und dass die bevorstehende Schlacht im Osten über den Ausgang des Weltkriegs entscheiden würde. Er war sich sicher, dass der Weg nach Moskau schnell und erfolgreich sein würde.

Was ich besonders betonen möchte: Die westlichen Länder waren damals mit den sowjetischen Aktionen einverstanden, sie erkannten den Wunsch der Sowjetunion nach Gewährleistung ihrer Sicherheit an. So sagte der damalige Chef der britischen Admiralität, Winston Churchill, am 1. Oktober 1939 in einer Radioansprache: „Russland verfolgt eine kalte Politik seiner eigenen Interessen … Um Russland vor der Bedrohung durch die Nazis zu schützen, war es eindeutig notwendig, dass die russischen Armeen auf dieser Linie stehen.“ Am 4. Oktober 1939 erklärte der britische Außenminister Halifax im House of Lords: „… Es sei daran erinnert, dass die Sowjetische Regierung die Grenze im Wesentlichen auf die Linie verlagert hat, die Lord Curzon während der Konferenz von Versailles empfohlen hatte… Ich erwähne nur historische Fakten und ich glaube, dass sie unbestreitbar sind.“ Der bekannte britische Politiker und Staatsmann Lloyd-George unterstrich: „Die russische Armee hat Gebiete besetzt, die nicht polnisch sind und die nach dem Ersten Weltkrieg gewaltsam von Polen erobert wurden… Es wäre ein Akt des kriminellen Wahnsinns, die russischen Bewegungen mit den Bewegungen der Deutschen auf ein und dieselben Stufe zu stellen.“ (Anm. d. Übers.: Auch das findet sich nicht in deutschen Geschichtsbüchern: Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Russland Bürgerkrieg. Diese Schwäche Russlands hat Polen im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1919 bis 1921 genutzt, um sowjetische Gebiete im Baltikum, in Weißrussland und der Ukraine zu annektieren.)

In informellen Gesprächen mit dem sowjetischen Botschafter Maysky sprachen hochrangige britische Politiker und Diplomaten offener. Der britische Vizeaußenminister Butler teilte am 17. Oktober 1939 mit: „… In britischen Regierungskreisen steht die Rückgabe der Westukraine und Weißrusslands an Polen außer Frage. Wenn es gelingen würde, ein ethnisches Polen von bescheidener Größe mit einer Garantie nicht nur der UdSSR und Deutschlands, sondern auch Englands und Frankreichs zu schaffen, wäre die britische Regierung ziemlich zufrieden.“ Am 27. Oktober 1939 sagte der Chefberater von Neville Chamberlain, Wilson: „Polen muss… als unabhängiger Staat auf seiner ethnographischen Basis wiederhergestellt werden, aber ohne die Westukraine und Weißrussland.“

Man muss erwähnen, dass während dieser Gespräche eine Verbesserung der sowjetisch-britischen Beziehungen sondiert wurde. Diese Kontakte legten weitgehend den Grundstein für das künftige Bündnis und die Anti-Hitler-Koalition. Unter den verantwortlichen, visionären Politikern stach Churchill heraus, der trotz seiner bekannten Antipathie gegenüber der UdSSR eine Zusammenarbeit mit ihr befürwortete. Bereits im Mai 1939 erklärte er im Unterhaus: „Wir werden uns in Lebensgefahr wiederfinden, wenn wir kein großes Bündnis gegen die Aggression schaffen können. Es wäre die größte Dummheit, wenn wir die natürliche Zusammenarbeit mit Sowjetrussland ablehnen würden.“ Und nach dem Beginn der Feindseligkeiten in Europa – bei einem Treffen mit Maysky am 1. Mai 1939 – vertraute Churchill ihm an: „… Es gibt keine ernsthaften Widersprüche zwischen Großbritannien und der UdSSR, und daher gibt es keinen Grund für angespannte und unbefriedigende Beziehungen. Die britische Regierung… möchte die Handelsbeziehungen weiterentwickeln. Sie wäre auch bereit, alle möglichen anderen Maßnahmen zu erörtern, die die Beziehungen verbessern könnten.“

Der Zweite Weltkrieg begann nicht über Nacht, er begann nicht unerwartet oder plötzlich. Und Deutschlands Aggression gegen Polen geschah nicht plötzlich. Sie ist das Ergebnis vieler Tendenzen und Faktoren der Weltpolitik jener Zeit. Alle Ereignisse der Vorkriegszeit haben sich in einer schicksalhaften Kette aufgereiht. Aber natürlich ist der wichtigste Grund, der die größte Tragödie der Geschichte der Menschheit vorbestimmt hat, staatlicher Egoismus, die Feigheit, einem stärker werdenden Aggressor Widerstand zu leisten und der Unwillen der politischen Eliten, einen Kompromiss zu finden.

Es ist daher unfair zu behaupten, dass der zweitägige Besuch des Nazi-Außenministers Ribbentrop in Moskau der Hauptgrund für den Zweiten Weltkrieg ist. Alle führenden Länder tragen in unterschiedlichem Maße ihren Anteil an seinem Anfang. Jeder machte irreparable Fehler, weil man glaubte, man könne andere überlisten, sich einseitige Vorteile sichern oder sich von dem bevorstehenden, weltweiten Übel fernhalten. Und für diese Kurzsichtigkeit, kein System kollektiver Sicherheit zu schaffen, mussten Millionen von Menschen mit ihrem Leben zahlen.

Ich schreibe darüber, ohne die geringste Absicht, die Rolle des Richters zu übernehmen, jemanden zu beschuldigen oder zu rechtfertigen, und erst recht nicht, um eine neue Runde internationaler, verbaler Konfrontationen auf historischen Gebiet zu initiieren, die Staaten und Völker gegeneinander aufbringen kann. Ich glaube, dass die Suche nach einer ausgewogenen Bewertungen vergangener Ereignisse durch die akademische Wissenschaft unter Einbeziehung maßgeblicher Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern erfolgen sollte. Wir alle brauchen Wahrheit und Objektivität. Ich für meinen Teil habe meine Kollegen immer zu einem ruhigen, offenen, vertrauensvollen Dialog, zu einem selbstkritischen, unvoreingenommenen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit aufgerufen. Ein solcher Ansatz wird es uns ermöglichen, die damals gemachten Fehler nicht zu wiederholen und eine friedliche und erfolgreiche Entwicklung für die Zukunft gewährleisten.

Viele unserer Partner sind jedoch noch nicht zur Zusammenarbeit bereit. Im Gegenteil, indem sie ihre Ziele verfolgen, erhöhen die Zahl und das Ausmaß der medialen Angriffe gegen unser Land, um uns zu zwingen, uns zu entschuldigen. Damit wir uns schuldig fühlen, verbreiten sie heuchlerische und politisierte Erklärungen. So warf die vom Europäischen Parlament angenommene Entschließung „Über die Bedeutung der Bewahrung der historischen Erinnerung für die Zukunft Europas“ vom 19. September 2019 der UdSSR direkt – zusammen mit Nazi-Deutschland – die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs vor. Natürlich findet sich dort kein Wort über München.

Ich denke, dass solche „Papiere“, ich kann diese Entschließung nicht als Dokument bezeichnen, mit all der offensichtlichen Erwartung eines Skandals, eine gefährliche reale Bedrohungen bedeuten. Schließlich wurde sie von einem hoch angesehenen Gremium angenommen. Und was hat das gezeigt? So traurig es ist, das ist die bewusste Politik der Zerstörung der Weltordnung der Nachkriegszeit, deren Schaffung eine Frage der Ehre und Verantwortung der Länder war, deren Vertreter heute für diese verlogene Erklärung gestimmt haben. Auf diese Weise haben sie die Hand gegen die Ergebnisse des Nürnberger Tribunals erhoben, gegen die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die nach dem siegreichen Jahr 1945 universelle, internationale Institutionen geschaffen haben. Ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass der Prozess der europäischen Integration, in dem die entsprechenden Strukturen, einschließlich des Europäischen Parlaments, geschaffen wurden, nur durch die Lehren aus der Vergangenheit, durch ihre klaren rechtlichen und politischen Bewertungen ermöglicht wurde. Und diejenigen, die diesen Konsens absichtlich in Frage stellen, zerstören die Grundlagen des gesamten Nachkriegseuropas.

Neben der Bedrohung der Grundprinzipien der Weltordnung gibt es auch eine moralische Seite. Die Verspottung und die Verhöhnung des Gedenkens sind abscheulich. Die Abscheulichkeit ist absichtlich, heuchlerisch und bewusst, wenn Erklärungen zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs alle Mitglieder der Anti-Hitler-Koalition, mit Ausnahme der UdSSR, auflisten. Die Abscheulichkeit kann feige sein, wenn Denkmäler, die zu Ehren der Kämpfer gegen den Nationalsozialismus errichtet wurden, abgerissen werden, wenn so beschämende Aktionen mit falschen Parolen gegen eine unerwünschte Ideologie und eine angebliche Besetzung gerechtfertigt werden. Die Abscheulichkeit kann blutig sein, wenn diejenigen, die gegen Neonazis und die Erben von Bandera sind, getötet und verbrannt werden. Ich wiederhole es: Die Abscheulichkeit manifestiert sich auf unterschiedliche Weise, aber sie bleibt trotzdem ekelhaft.

Das Vergessen der Lehren der Geschichte kommt uns unweigerlich teuer zu stehen. Wir werden die Wahrheit auf der Grundlage dokumentierter, historischer Tatsachen entschieden verteidigen, und wir werden weiterhin ehrlich und unvoreingenommen über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs sprechen. Das ist das Ziel des großen Projektes zur Schaffung der größten Sammlung von Archivdokumenten, Film- und Fotomaterial zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der Vorkriegszeit in Russland. (Anm. d. Übers.: Als Mensch, der sich für Geschichte interessiert und auch Russisch und Deutsch spricht, freue ich mich schon sehr darauf, wenn dieses neue Zentrum seine Türen öffnet die Dokumente der Öffentlichkeit an einem Ort zugänglich gemacht werden)

Die Arbeit daran ist bereits im Gange. Viele neue, neu gefundene, deklassifizierte Materialien wurden auch bei der Vorbereitung dieses Artikels verwendet. In diesem Zusammenhang kann ich in aller Verantwortung feststellen, dass es keine Archivdokumente gibt, die die Absicht der Sowjetunion bestätigen würden, einen Präventivkrieg gegen Deutschland zu starten. Ja, die sowjetische Militärführung hielt sich an die Doktrin, dass die Rote Armee im Falle einer Aggression den Feind schnell zurückwerfen, in die Offensive gehen und den Krieg auf feindlichem Territorium führen wird. Solche strategischen Pläne bedeuteten jedoch nicht die Absicht, Deutschland als erstes anzugreifen.

Natürlich stehen Historikern heute Dokumente der militärischen Planungen, Weisungen des sowjetischen und deutschen Oberkommandos zur Verfügung. Und schließlich wissen wir, wie sich die Ereignisse in der Realität entwickelt haben. Aus der Höhe dieses Wissens reden viele Menschen über Fehler, Fehleinschätzungen der militärischen und politischen Führung der Länder. Ich sage in diesem Zusammenhang nur eines: Zusammen mit einem riesigen Strom aller möglichen Falschinformationen erhielten die sowjetischen Führer wahre Informationen über die bevorstehende Aggression der Nazis. Und in den Vorkriegsmonaten wurden Schritte unternommen, um die Kampfbereitschaft des Landes zu verbessern, einschließlich der verdeckten Einberufung von Wehrpflichtigen und Militärangehörigen zu Sammelpunkten, der Verlegung von Reserven aus Militärbezirken im Landesinneren an die westlichen Grenzen.

Der Krieg kam nicht plötzlich, er wurde erwartet, man bereitete sich darauf vor. Aber der Schlag der Nazis kam mit in der Geschichte wirklich beispiellos zerstörerischer Macht. Am 22. Juni 1941 stand die Sowjetunion der stärksten, mobilisierten und am besten ausgebildeten Armee der Welt gegenüber, für die das industrielle, wirtschaftliche und militärische Potenzial fast ganz Europas arbeitete. An dieser tödlichen Invasion nahm nicht nur die Wehrmacht teil, sondern auch die Satelliten Deutschlands, die Truppen vieler anderer Staaten des europäischen Kontinents.

Schlimmste militärische Niederlagen brachten das Land 1941 an den Rand der Katastrophe. Die Wiederherstellung der Kampffähigkeit und Kontrolle erforderte außergewöhnliche Methoden, eine allgemeine Mobilisierung, die Einspannung aller Kräfte des Staates und des Volkes. Bereits im Sommer 1941 begann unter feindlichem Beschuss die Evakuierung von Millionen von Bürgern, Hunderten von Fabriken und Produktionsstätten in den Osten des Landes. In kürzester Zeit wurde im hinteren Bereich die Produktion von Waffen und Munition etabliert, die im ersten militärischen Winter an die Front gelangten und 1943 die Zahlen der militärischen Produktion Deutschlands und seiner Verbündeten übertraf. In anderthalb Jahren hat das sowjetische Volk geschafft, was unmöglich schien, sowohl an der Front, als auch im Hinterland. Und es ist immer noch schwer zu verstehen, sich schwer vorzustellen, welche unglaublichen Anstrengungen, Mut und Hingabe diese größten Errungenschaften erfordert haben.

Gegen die mächtige, bis an die Zähne bewaffnete, kaltblütige Invasionsmaschinerie der Nazis erhob sich die gigantische Kraft der sowjetischen Gesellschaft, vereint durch den Wunsch, das Heimatland zu schützen, sich am Feind zu rächen, der das friedliche Leben, Pläne und Hoffnungen der Menschen zertrampelt hatte.

Natürlich waren während dieses schrecklichen, blutigen Krieges einige Menschen von Angst, Verwirrung und Verzweiflung besessen. Es gab Verrat und Desertation. Die gewalttätigen Verwerfungen, die in der Sowjetunion durch die Revolution und den Bürgerkrieg verursacht worden sind, der Nihilismus, die Schikanierung der nationalen Geschichte, der Traditionen, des Glaubens, die die Bolschewiki vor allem in den ersten Jahren nach ihrer Machtübernahme zu erzwingen versuchten, machten sich bemerkbar. Aber die allgemeine Haltung der sowjetischen Bürger und unserer Landsleute, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion im Ausland wiederfanden, war eine andere: das Mutterland zu beschützen und zu retten. Es war ein echter, unaufhaltsamer Impuls. Die Menschen suchten Unterstützung in wahrhaft patriotischen Werten.

Die Nazi-„Strategen“ waren überzeugt, dass ein riesiger, multinationaler Staat leicht in sich zusammenfallen würde. Es wurde erwartet, dass der plötzliche Krieg, seine Rücksichtslosigkeit und unerträglichen Härten unweigerlich die inter-ethnischen Beziehungen verschärfen würden und das Land zerstückelt werden könnte. Hitler sagte direkt: „Unsere Politik gegenüber den Völkern, die die weiten Weiten Russlands bewohnen, sollte darin bestehen, jede Form von Meinungsverschiedenheiten und Spaltung zu fördern.

Doch von den ersten Tagen an wurde klar, dass dieser Plan der Nazis scheiterte. Die Festung Brest wurde von Soldaten von mehr als dreißig Ethnien bis zum letzten Blutstropfen verteidigt. Während des Krieges – in großen, entscheidenden Schlachten und bei der Verteidigung jedes Brückenkopfes, jedes Meters der Heimat – sehen wir Beispiele dieser Einheit.

Für Millionen von Evakuierten wurden die Wolgaregion und der Ural, Sibirien und der Ferne Osten, die zentralasiatischen Republiken und der Kaukasus zu ihrer Heimat. Ihre Bewohner haben ihr Letztes geteilt, haben jeden unterstützt, den sie unterstützen konnten. Die Völkerfreundschaft und die gegenseitige Hilfe wurden für den Feind zu einer wirklich unzerstörbaren Festung.

Bei der Niederlage des Nationalsozialismus – was auch immer heute zu beweisen versucht wird – hat die Sowjetunion, die Rote Armee, den entscheidenden Beitrag geleistet. Es waren die Helden, die bis zum Ende in Bialystok und Mogilov, Umanya und Kiew, Wjasma und Charkiw gekämpft haben. Die vor Moskau und Stalingrad, Sewastopol und Odessa, Kursk und Smolensk zum Angriff übergegangen sind. Warschau, Belgrad, Wien und Prag wurden befreit. Königsberg und Berlin wurden gestürmt.

Wir treten für die wahre, unverklärte oder übertünchte Wahrheit über den Krieg ein. Diese volkstümliche, menschliche Wahrheit – hart, bitter und gnadenlos – wurde uns größtenteils von Schriftstellern und Dichtern gegeben, die durch das Feuer und die Hölle der Front gegangen sind. Für meine, wie für andere Generationen, haben ihre ehrlichen, tiefgründigen Geschichten und Romane, die durchdringende „Leutnant-Prosa“ und die Gedichte für immer ihre Spur in der Seele hinterlassen. Sie wurden zu einem Testament, um die Veteranen zu ehren, die alles in ihrer Macht Stehende für den Sieg getan haben und um denjenigen zu gedenken, die auf den Schlachtfeldern geblieben sind.

Auch heute sind die einfachen und großartigen Zeilen von Alexander Twardovskys Gedicht „Ich wurde vor Rzhev getötet…“, die den Teilnehmern der blutigen, brutalen Schlacht des Großen Vaterländischen Krieges im zentralen Teil der sowjetisch-deutschen Front gewidmet sind, erschütternd. Alleine die Rote Armee verlor von Oktober 1941 bis März 1943, einschließlich der Verwundeten und Vermissten, 1.342.888 Menschen während der Kämpfe um die Stadt Rzhev. Ich nenne diese, aus Archivquellen gesammelte, schreckliche, tragische und noch lange nicht vollständige Zahl zum ersten Mal, um das Andenken an die berühmten und die namenlosen Helden zu würdigen, über die in den Nachkriegsjahren aus verschiedenen Gründen zu Unrecht wenig oder gar nicht gesprochen wurde.

Ich erwähne noch ein weiteres Dokument. Es ist der Bericht der Internationalen Reparationskommission unter der Leitung von Maysky, der im Februar 1945 erstellt wurde. Die Aufgabe der Kommission war es, die Formel zu bestimmen, nach der das besiegte Deutschland die Siegermächte entschädigen sollte. Die Kommission kam zu dem Schluss: „Die Zahl der Soldaten, die Deutschland an der sowjetischen Front einsetzte, übersteigt die Zahl deutscher Soldaten an allen anderen verbündeten Fronten mindestens um das Zehnfache. Die sowjetische Front band auch vier Fünftel der deutschen Panzer und etwa zwei Drittel der deutschen Flugzeuge.“ Insgesamt trug die UdSSR etwa 75 Prozent aller militärischen Anstrengungen der Anti-Hitler-Koalition. Während des Krieges „zermahlte“ die Rote Armee 626 Divisionen der „Achsen“-Länder, 508 von waren deutsche.

Am 28. April 1942 erklärte Roosevelt in seiner Ansprache an die amerikanische Nation: „Russische Truppen haben mehr Soldaten, Flugzeuge, Panzer und Kanonen unseres gemeinsamen Feindes zerstört und zerstören sie weiterhin, als alle anderen Nationen zusammengenommen.“ Churchill schrieb in einem Brief an Stalin am 27. September 1944, dass „es die russische Armee war, die der deutschen Kriegsmaschine dem Mut genommen hat…“

Diese Einschätzung ist in der ganzen Welt auf Resonanz gestoßen. Denn in diesen Worten steckt die große Wahrheit, die damals niemand in Frage gestellt hat. Fast 27 Millionen Sowjetbürger sind an den Fronten, in deutscher Gefangenschaft, an Hunger und Bombenangriffen, in Ghettos und Öfen der NS-Todeslager gestorben. Die UdSSR verlor jeden siebten Bürger, das Vereinigte Königreich verlor einen von 127 und die Vereinigten Staaten verloren einen von 320. Leider ist diese Zahl schwerer, irreparabeler Verluste der Sowjetunion immer noch nicht endgültig. Die mühsame Arbeit, jeden Namen und das Schicksal jedes Toten festzustellen, dauert noch an: Soldaten der Roten Armee, Partisanen, Untergrundkämpfer, Kriegsgefangene und Gefangene in Konzentrationslagern, Zivilisten, die von den Strafbataillonen vernichtet wurden. Das Schicksal jedes Einzelnen zu ermitteln, ist unsere Pflicht. Hier kommt den Teilnehmern der Bewegung für die Suche nach ihnen, den militärisch-patriotischen und ehrenamtlichen Vereinigungen, sowie der elektronischen Datenbank „Erinnerung des Volkes“ auf Basis von Archivdokumenten eine besondere Rolle zu. Und natürlich ist eine enge internationale Zusammenarbeit erforderlich, um eine solche humanitäre Herausforderung zu lösen. (Anm. d. Übers.: Viele zivilgesellschaftliche Organisationen in Russland suchen heute noch intensiv auf den Schlachtfeldern des Krieges nach den Opfern und versuchen, sie zu identifizieren, um ihren Familien mitzuteilen, welches Schicksal ihre Vorfahren hatten. Dabei wird auch das Schicksal der deutschen Opfer erforscht und veröffentlicht. Auch hierbei geht es nicht um „anti-deutsche“ Tendenzen, es geht um die Aufarbeitung der Vergangenheit aller Opfer.)

Die Bemühungen aller Länder und Völker, die gegen den gemeinsamen Feind kämpften, haben zum Sieg geführt. Die britische Armee verteidigte ihre Heimat vor der Invasion, kämpfte gegen die Nazis und ihre Satelliten im Mittelmeer und in Nordafrika. Amerikanische und britische Truppen befreiten Italien und eröffneten die Zweite Front. Die USA versetzten dem Aggressor im Pazifik mächtige, verheerende Schläge. Wir erinnern uns an die enormen Opfer des chinesischen Volkes und an seine enorme Rolle bei der Zerschlagung der japanischen Militaristen. Wir vergessen nicht die Kämpfer des „Kämpfenden Frankreichs“, die die schändliche Kapitulation nicht anerkannten und weiter gegen die Nazis kämpften.

Wir werden auch immer dankbar sein für die Unterstützung der Alliierten durch die Bereitstellung von Munition, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Ausrüstung für die Rote Armee. Und sie war beträchtlich, sie umfasste etwa sieben Prozent der gesamten militärischen Produktion der Sowjetunion.

Der Kern der Anti-Hitler-Koalition nahm unmittelbar nach dem Angriff auf die Sowjetunion Gestalt an, als die Vereinigten Staaten und Großbritannien sie im Kampf gegen Hitlerdeutschland bedingungslos unterstützten. Während der Teheraner Konferenz von 1943 bildeten Stalin, Roosevelt und Churchill ein Bündnis der Großmächte, vereinbarten die Entwicklung der Koalitionsdiplomatie, eine gemeinsamen Strategie im Kampf gegen die gemeinsame tödliche Bedrohung. Die Führer der Großen Drei wussten, dass die Vereinigung der industriellen und militärischen Fähigkeiten der UdSSR, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens eine unbestreitbare Überlegenheit über den Feind schaffen wird.

Die Sowjetunion hat ihre Verpflichtungen gegenüber den Alliierten in vollem Umfang erfüllt und reichte stets eine helfende Hand. So unterstützte die Rote Armee die Landung der anglo-amerikanischen Truppen in der Normandie durch die groß angelegte Operation „Bagration“ in Weißrussland. Im Januar 1945 beendeten unsere Soldaten mit dem Erreichen der Oder die letzte mächtige Offensive der Wehrmacht an der Westfront in den Ardennen. Und drei Monate nach dem Sieg über Deutschland erklärte die UdSSR gemäß dem Jalta-Abkommen Japan den Krieg und besiegte die millionenschwere Kwantun-Armee.

Bereits im Juli 1941 erklärte die sowjetische Führung, dass „das Ziel des Krieges gegen die faschistischen Unterdrücker nicht nur darin besteht, die Bedrohung zu beseitigen, die über unserem Land schwebt, sondern auch allen Völkern Europas zu helfen, die unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhnen.“ Mitte 1944 wurde der Feind aus fast dem gesamten sowjetischen Territorium gedrängt. Aber er musste in seinem Versteck besiegt werden. Und die Rote Armee begann eine Befreiungsmission in Europa und rettete auf Kosten sowjetischer Soldaten Hunderttausende Menschenleben anderer Nationen vor der Vernichtung und Versklavung des Holocaust.

Es ist auch wichtig, die enorme materielle Hilfe, die die UdSSR den befreiten Ländern bei der Beseitigung des Hungers leistete und bei der Erholung der Wirtschaft und der Infrastruktur gewährt hat, nicht zu vergessen. Sie tat dies zu einer Zeit, als Tausende von Orten von Brest über Moskau bis zur Wolga in Schutt und Asche lagen. Zum Beispiel bat die österreichische Regierung im Mai 1945 die UdSSR um Hilfe bei Nahrungsmitteln, da sie „nicht wusste, wie sie in den nächsten sieben Wochen, bis zur neuen Ernte, die Bevölkerung ernähren sollte“. Die Vereinbarung mit der sowjetischen Führung und dem Staatskanzler der Provisorischen Regierung der Republik Österreich, Renner, Lebensmittel nach Österreich zu schicken, bezeichnete er als „Akt der Rettung“, den „die Österreicher nie vergessen werden“.

Die Alliierten haben gemeinsam den Internationalen Militärgerichtshof errichtet, um politische und Kriegsverbrecher der Nazis zu bestrafen. Seine Urteile setzten klare rechtliche Voraussetzungen zur Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie Völkermord, ethnische und religiöse Säuberungen, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Nürnberger Tribunal verurteilte auch die Komplizen der Nazis und Kollaborateure verschiedener Couleur.

Dieses beschämende Phänomen gab es in allen europäischen Ländern. Solche „Politiker“ wie Petain, Quisling, Wlassov, Bandera, ihre Handlanger und Anhänger, waren, obwohl sie sich als Kämpfern für nationale Unabhängigkeit oder Freiheit vom Kommunismus bezeichneten, Verräter und Mörder. In ihrer Unmenschlichkeit übertrafen sie oft ihre Herren. Als Teil besonderer Strafregimenter führten sie bereitwillig menschenverachtendste Befehle aus. Sie tragen das Blut der Hinrichtungen von Babi Jar, das Massakers von Volyn, des verbrannte Khatyn, Aktionen zur Vernichtung von Juden in Litauen und Lettland an ihren Händen. (Anm. d. Übers.: 1943 haben ukrainische Einheiten, die mit des SS zusammengearbeitet haben, bei einem Massaker in Khatyn über 150 Zivilisten abgeschlachtet. Der unglückliche Ort war im Krieg zweimal Schauplatz grausamer Massaker)

Bis heute bleibt unsere Position unverändert: Die kriminellen Handlungen von Nazi-Komplizen können nicht gerechtfertigt werden, sie haben keine Verjährungfrist. Es ist daher rätselhaft, wenn in einer Reihe von Ländern diejenigen, die sich mit der Zusammenarbeit mit den Nazis befleckt haben, plötzlich mit Veteranen des Zweiten Weltkriegs gleichgesetzt werden. Ich halte es für inakzeptabel, die Befreier mit den Besatzern gleichzusetzen. Und die Verehrung von Nazi-Komplizen kann ich nur als Verrat am Gedenken an unsere Väter und Großväter ansehen. Das ist ein Verrat an den Idealen, die die Völker im Kampf gegen den Nationalsozialismus vereint haben.

Damals standen die Führer der UdSSR, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens ohne Übertreibung vor einer historischen Aufgabe. Stalin, Roosevelt und Churchill vertraten Länder mit unterschiedlichen Ideologien, Zielen, Interessen und Kulturen, aber sie zeigten großen politischen Willen und erhoben sich über die Gegensätze und stellten die wahren Interessen der Welt an die erste Stelle. Daher konnten sie sich einigen und eine Lösung finden, die der gesamten Menschheit zugute kam.

Die Siegermächte hinterließen uns ein System, das zur Quintessenz intellektueller und politischer Bestrebungen mehrerer Jahrhunderte wurde. Eine Reihe von Konferenzen – Teheran, Jalta, San Francisco, Potsdam – legte den Grundstein dafür, dass die Welt trotz schärfster Gegensätze seit 75 Jahren ohne globalen Krieg lebt.

Der historische Revisionismus, den wir jetzt im Westen erleben, insbesondere im Hinblick auf das Thema des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen, ist gefährlich, weil er das Verständnis der Prinzipien der friedlichen Entwicklung, die 1945 auf den Konferenzen von Jalta und San Francisco festgelegt wurden, grob verzerrt. Die wichtigste historische Errungenschaft von Jalta und anderen Entscheidungen dieser Zeit war es, sich auf die Schaffung eines Mechanismus zu einigen, der es den Großmächten ermöglichte, bei der Lösung ihrer Differenzen im Rahmen der Diplomatie zu bleiben.

Das 20. Jahrhundert brachte totale und umfassende weltweite Konflikte und 1945 betraten auch noch Atomwaffen die Arena, die in der Lage waren und sind, die Erde zu zerstören. Mit anderen Worten: Die gewaltsame Regelung von Streitigkeiten wurde inakzeptabel gefährlich. Und die Sieger des Zweiten Weltkriegs verstanden das. Sie verstanden das und erkannten ihre Verantwortung gegenüber der Menschheit.

Die traurige Erfahrung des Völkerbundes wurde 1945 berücksichtigt. Der UNO-Sicherheitsrat wurde so erarbeitet, dass er als Garant des Friedens maximal handlungsfähig war. So entstanden die Ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates, ihr Vetorecht, ihre Privilegien und ihre Verantwortung.

Was ist das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat? Um es ganz offen zu sagen: Das ist die einzig vernünftige Alternative zu einem direkten Konflikt zwischen den großen Ländern. Es ist die Aussage einer der fünf Mächte, dass eine Lösung für sie inakzeptabel ist, ihren Interessen widerspricht. Und die übrigen Länder akzeptieren das, auch wenn sie anderer Meinung sind, und führen keine einseitigen Aktionen durch. Das bedeutet, dass Sie auf jeden Fall nach Kompromissen suchen müssen.

Die neue globale Konfrontation begann fast unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und war zuweilen sehr heftig. Und die Tatsache, dass sich der Kalte Krieg nicht zum Dritten Weltkrieg entwickelte, bestätigt überzeugend die Wirksamkeit der von den Großen Drei geschlossenen Abkommen. Die bei der Gründung der UNO vereinbarten Verhaltensregeln erlaubten es, Risiken zu minimieren und die Konfrontationen der Zukunft unter Kontrolle zu halten.

Natürlich sehen wir, dass das UN-System jetzt unter Spannungen arbeitet und nicht so effektiv ist, wie es sein könnte. Aber die UNO erfüllt immer noch ihre Hauptaufgabe. Die Grundsätze des UN-Sicherheitsrates sind ein einzigartiger Mechanismus zur Verhinderung eines großen Krieges oder eines globalen Konflikts.

Die Forderungen, die man in den letzten Jahren hört, das Vetorecht abzuschaffen und die Sonderrechte der ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats zu beschneiden, sind daher unverantwortlich. Denn wenn dies geschieht, werden die Vereinten Nationen im Prinzip zum Völkerbund werden, zu einem Treffen für leere Gespräche, ohne jeglichen Einfluss auf die weltweiten Prozesse; Wie das geendet hat, ist bekannt. Genau deshalb sind die Siegermächte mit großer Ernsthaftigkeit an die Bildung eines neuen Systems der Weltordnung herangegangen, um die Fehler ihrer Vorgänger nicht zu wiederholen.

Die Schaffung eines modernen Systems der internationalen Beziehungen ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs. Selbst die unversöhnlichsten Gegensätze – geopolitische, ideologische, wirtschaftliche – verhindern nicht, Formen friedlicher Koexistenz und Interaktion zu finden, wenn es dafür den Willen gibt. Heute durchläuft die Welt nicht ihre ruhigsten Zeiten. Alles ändert sich: vom globalen Gleichgewicht von Macht und Einfluss, bis hin zu den sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen von Gesellschaften, Staaten und ganzen Kontinenten. In früheren Epochen liefen Verschiebungen dieser Größenordnung fast nie ohne große militärische Konflikte ab, ohne einen Machtkampf um den Aufbau der neuen globalen Hierarchie. Dank der Weisheit und Weitsicht der politischen Persönlichkeiten der Alliierten Mächte war es möglich, ein System zu schaffen, das extreme Entwicklungen bei historisch inhärenten Rivalitäten der weltweiten Entwicklung verhindert.

Es ist unsere Pflicht, insbesondere die Pflicht der Vertreter der siegreichen Mächte des Zweiten Weltkriegs, sicherzustellen, dass alle, die politische Verantwortung tragen, dafür sorgen, dass dieses System erhalten und verbessert wird. Heute, wie auch 1945, ist es wichtig, politischen Willen zu zeigen und gemeinsam über die Zukunft zu diskutieren. Die Kollegen – Xi Jinping, Macron, Trump, Johnson – haben die russische Initiative, ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der fünf Atommächte – der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates – abzuhalten, unterstützt. Wir danken ihnen dafür und rechnen damit, dass das Treffen so bald wie möglich stattfinden kann.

Was sind aus unserer Sicht die Themen des bevorstehenden Gipfels? Erst einmal wäre es, unserer Meinung nach, angebracht, Schritte zur Entwicklung kollektiver Ansätze in der Weltpolitik zu erörtern, offen über Fragen der Friedenserhaltung, der Stärkung der globalen und regionalen Sicherheit, der Kontrolle strategischer Waffen, über gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung des Terrorismus, des Extremismus und anderer drängender Herausforderungen und Bedrohungen zu sprechen.

Ein eigenes Thema auf der Tagesordnung des Treffens ist die Lage in der Weltwirtschaft, insbesondere die Überwindung der Wirtschaftskrise, die durch die Coronavirus-Pandemie verursacht wurde. Unsere Länder ergreifen beispiellose Maßnahmen, um die Gesundheit und das Leben der Menschen zu schützen, um die Bürger in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Doch wie schlimm die Folgen der Pandemie sein werden, wie schnell sich die Weltwirtschaft von der Rezession erholen wird, hängt von unserer Fähigkeit ab, als echte Partner offen und koordiniert zusammenzuarbeiten. Umso unannehmbarer ist es, die Wirtschaft in ein Instrument des Drucks und der Konfrontation zu verwandeln. Umweltschutz und Klimawandel, sowie die Sicherheit des globalen Informationsraums gehören zu den wichtigen Themen.

Die von Russland vorgeschlagene Agenda für den bevorstehenden Fünfer-Gipfel ist äußerst wichtig, nicht nur für unsere Länder, sondern für die ganze Welt. Und zu allen Themen haben wir konkrete Ideen und Initiativen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gipfel Russlands, Chinas, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens eine wichtige Rolle bei der Suche nach gemeinsamen Antworten auf aktuelle Herausforderungen und Bedrohungen spielen und ein gemeinsames Engagement im Geiste der Allianz und ihrer hohen humanistischen Ideale und Werte zeigen wird, für die Väter und Großväter Schulter an Schulter gekämpft haben.

Ausgehend auf dem gemeinsamen historischen Gedenken können und sollten wir einander vertrauen. Das wird eine solide Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen und konzertierte Maßnahmen zur Verbesserung der Stabilität und Sicherheit in der Welt, für den Wohlstand und das Wohlergehen aller Nationen bieten. Ohne Übertreibung ist dies unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung gegenüber der Welt, gegenüber der heutigen und den zukünftigen Generationen.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Putin auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Vieles von dem, was er hier geschrieben hat, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Politik und Sie finden vieles davon auch in meinem Buch.


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft. Zeige alle Beiträge von Anti-Spiegel

Autor Anti-SpiegelVeröffentlicht am 20. Juni 2020Kategorien Aktuelles, Meldungen der russischen MedienSchlagwörter China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Putin, Russland, USA, Zweiter Weltkrieg

16 Gedanken zu „Überraschender Inhalt: Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg wurde veröffentlicht“

  1. TillSittersagt: 20. Juni 2020 um 20:38 Uhr Vielen Dank für die Übersetzung, werter Herr Röper. Beeindruckend. Zum Antworten anmelden
    1. Frank Gottschlichsagt: 20. Juni 2020 um 22:51 Uhr Kann man sich nur anschließen. Danke. Tja…. man las ja schon die dollsten Dinger über die schon stattgefundene neue JALTA-Konferenz , was nun mal alles Plumperquatsch ist.
      Ich denke mal, seit langer langer Zeit mal einen Punkt zu haben, dass ich Putin etwas kritisieren möchte. Nicht in Bezug auf die Vergangenheit. ( 2.Weltkrieg) Es geht um Weltfrieden heute. Und der findet nun mal unter den derzeitigen Geopolitischen Realitäten statt. Und diese Realitäten heißen nun mal CHINA – USA und natürlich Russland. Das er noch die Engländer ins Boot holen möchte, verstehe ich ja. Eben, um zumindest eine Stimmengleichheit zu schaffen. Doch was die Franzosen dort sollen ? Das kapiere wer will. Ich – mit den derzeitigen Infos, die man sich nun mal merkt, welche Rolle die Franzosen tatsächlich spielten von 1939-1945 , „schnalle“ mal seine Gedankengänge nicht. Da hätten, meines Erachtens sogar die Polen größere Rechte, sich als Sieger darzustellen, als die Franzosen. Seis drum… Man sollte sich schon mal auf des Röpers 2. Teil freuen 🙂 „Seht, was ihr angerichtet habt“ oder so ähnlich…. Zu letzterem: Gehe ich mal von aus… , weil dieses Rätsel von Mensch „Putin“ , dass schreit gerade danach, noch sehr viel tiefer, als bisher erforscht zu werden. Zum Antworten anmelden
      1. na_ichsagt: 21. Juni 2020 um 11:43 Uhr <>
        Frankreich war nie komplett besetzt von den Nazis!
        Und als ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat, sogar mit Vetorecht, wäre FR sicher sehr angepisst, wenn es nicht mehr mitspielen dürfte, obwohl ich es ähnlich sehe wie Sie! Zum Antworten anmelden
  2. U-Jsagt: 20. Juni 2020 um 23:10 Uhr Vorab: Vielen herzlichen Dank für die Übersetzung! Das war bestimmt viel Arbeit. Zum Text:
    Putins Artikel ist schon ein ziemlicher Hammer – nicht so sehr, weil er historischen Tatsachen widerspräche (das tut er an keiner Stelle), sondern weil er dem gängigen Narrativ zuwider läuft, das, nicht zuletzt durch viele Hollywoodfilme („James Ryan“), den Eindruck erweckt, erst durch die Landung der Alliierten in der Normandie sei Hitler das Genick gebrochen worden. Dass dies so nicht stimmt und es in der Tat die Sowjetunion war, die die Hauptlast der Kämpfe zu tragen hatte, darauf weist Putin zurecht hin. Dass Putin hier jedoch nicht nur als historisch gebildeter Patriot, sondern auch als Politiker, bzw. Diplomat schreibt, dürfte für niemanden ernsthaft eine Überraschung sein. Mir sind einige Dinge an seinem Artikel aufgefallen, von denen ich im Folgenden zumindest ein paar aufzählen möchte. 1. Putin unterscheidet im gesamten Artikel klar zwischen den Regierungen und Eliten auf der einen und dem Volk, bzw. den Völkern auf der anderen Seite. Das ermöglicht es ihm, erstere zu kritisieren, ohne den Stolz letzterer zu verletzen. Bemerkenswert: In keinem einzigen Satz sagt Putin etwas, das man als eine Kollektivschuld der Deutschen am zweiten Weltkrieg interpretieren könnte. 2. Putin wirft das ein oder andere Schlaglicht auf die geopolitischen Axiome einzelner Großmächte, allen voran Russland, bzw. die UdSSR. Auch hier bricht er mit gängigen Narrativen, z.B. wenn es um die Außenpolitik Stalins geht. Stalin war ohne Zweifel ein ehrgeiziger brutaler Machtmensch, aber auch er war sich im Klaren darüber, dass die innere Konsolidierung und der Aufbau seines Landes wichtiger war, als irgendwelche Expansionsgelüste (von einem Zugang zum Mittelmeer vielleicht abgesehen). Konsolidierung und Aufbau gelingen besser, wenn man zu seinen Nachbarn halbwegs friedliche Beziehungen unterhält. Stalin setzte hier lediglich eine alte russische geopolitische Strategie fort – was die Gulags natürlich nicht ungeschehen macht. 3. Interessant ist, was Putin in diesem Zusammenhang n i c h t erwähnt. Er erwähnt z.B. nicht die Hearlandtheorie von Mackinder, die die britische und us-amerikanische Außenpolitik bis in unsere Zeit hinein prägte und prägt. Demnach seien Deutschland und Russland unbedingt voneinander zu trennen, da eine Kooperation beider zu einer kontinentalen Supermacht führen könnte, die Eurasien kontrollieren und den anglo-amerikanischen Imperialismus beenden würde. Wer die beiden Weltkriege vor dem Hintergrund dieses Theorems betrachtet, sieht die Weltgeschichte der letzten 150 Jahre mit ganz anderen Augen. Auch Putin scheint das so zu sehen, allerdings bleiben seine Ausführungen hierzu (noch?) recht vage, bzw. diplomatisch. Putin erwähnt daher auch weder die Verwicklung der westlichen Siegermächte des ersten Weltkriegs in den russischen Bürgerkrieg noch „Operation Turncoat“, wonach sich die Briten nach WW2 mit dem Entwaffnen der Wehrmacht im britisch kontrollierten Sektor deutlich Zeit ließen, da Churchill plante, diese ggf. in einem weiteren Krieg gegen die geschwächte UdSSR zu führen. 4. Summa summarum hätte Putin dem Westen deutlich mehr vor den Karren fahren können, ohne das Fundament historisch klar belegter Fakten zu verlassen. Dass er es nicht tut, zeigt m.E. einmal mehr, dass Putin mit seinem Artikel vor allem ein diplomatisches Ziel verfolgt. Welches das ist, zeigt er im Text recht deutlich: Jalta. Putin will eine neue Nachkriegsordnung und dafür muss er an dem Nachkriegsnarrativ so Einiges ändern. Mit seiner offiziellen Deutung des Versailler Vertrages und der Vorgeschichte zum Zweiten Weltkrieg hat er einen großen Schritt in diese Richtung getan. Und jetzt?
    So sehr ich einerseits hoffe, dass der Artikel Putins auch in der deutschen Öffentlichkeit breit diskutiert wird, so sehr bin ich skeptisch, dass man sich in den MSM wirklich unvoreingenommen mit dem Text befassen wird. So sehr sich Putin auch bemüht hat, etwaige Steine des Anstoßes zu umgehen, die Tatsache, dass er vor allem den Versailler Vertrag als Hauptursache für WW2 betrachtet und nicht „die Deutschen“ insgesamt, ist für die Eliten hierzulande sicher schwer zu schlucken.
    Kein deutscher Politiker, Journalist oder Intellektueller könnte eine solche These vertreten, ohne seine Karriere zu riskieren- öffentliche Anfeindungen inklusive.
    Man denke nur, wie renommierte Historiker wie Prof. Gerd Krummeich über den Australier Christopher Clarke herfielen, als dieser in „Sleepwakers/Die Schlafwandler“ die Alleinschuld der Deutschen am 1. Weltkrieg in Frage stellte. Betreffend der Schuldfrage für den 2. Weltkrieg würden die Reaktionen wahrscheinlich deutlich heftiger ausfallen. Des Weiteren wäre es für die deutsche Öffentlichkeit wahrscheinlich schwer verdaulich, erfahren zu müssen, dass Hitler und seine Partei bis WW2 in weiten Teilen des Westens beste PR hatten. Höchst unverdaulich wäre zudem die Erkenntnis, dass Judenhass, unabhängig von Nazis und Faschisten, in ganz Europa grassierte. Putin deutete dies am Beispiel Polens an, wo der Judenhass der Bevölkerung über Jahrhunderte angewachsen war und sich dann in den 1930er und 40er Jahren teils massiv entlud. Auch wenn Putin das Thema nur streift (Die Judenpolitik des Königreiches Polen inklusive des Statuts von Kalisz 1264 zu erwähnen, wäre Thema für einen weiteren Artikel gewesen) – politischen Sprengstoff bergen seine Aussagen reichlich. Diesseits wie jenseits der Oder dürfte man über diesen kurzen Abschnitt nicht erfreut sein, ganz besonders jedoch in Deutschland, wo das Wissen hierüber äußerst Knopp-bemessen ist. Höchstwahrscheinlich werden „unsere“ Medien den Artikel daher als rechtsnational und den Holocaust verharmlosend brandmarken und Putin als „Naziversteher“ darstellen, „unsere“ Historiker darauf hinweisen, dass Staatschefs besser keine Aufsätze über Geschichtsthemen verfassen sollten, derweil „unsere“ Politiker über eine stärkere Finanzierung der Antifa nachdenken und die LINKE in Gelsenkirchen grübelt, ob sie sich jetzt zusätzlich zur Leninstatue noch einen Stalin kaufen soll, oder nicht. Zum Antworten anmelden
    1. Hummlsagt: 21. Juni 2020 um 11:16 Uhr Ja, dem Vorsteheden können wir uns o.w. anschließen, wenn uns da auch die eine oder andere „Ergänzung“ oder „um einige Grad abweichende Sicht“ vorschwebt. „Geschichte“ ist eine schwierige Angelegenheit, und jede Geschichtsschreibung ist im Verhältnis zur „Wirklichkeit“ vergleichsweise „unterkomplex“ – das ist halt so, und das kann man auch nicht grundsätzlich ändern.
      Und was die eines Staatschefs betrifft – nun diejenigen, die da derzeitig in dieser WWG damit beschäftigt sind, sich quasi zu entmachten – selbstverständlich im Namen von „Freiheit“ und „Demokratie“ – sollten das wirklich lassen.
      Allein der Umstand, daß in „freiheitlich-demokratischen“ Hirnen „Demokratie“ oder „Diktatur“ offensichtlich als die einzig denkbaren Formen einer „Staats- bzw. Herrschaftsorganisation“ zu finden sind – wahrscheinlich aus Platzgründen – läßt eine insoweit hinreichende Qualifikation eher unwahrscheinlich erscheinen.
      Und das „Autorität“ etwas ganz schreckliches, ja verabscheuungswürdiges sei, ist eine dieser aberwitzigen Vorstellungen, welche wir den „linksliberal“ verwirrten „68igern“ verdanken, mit u.a. den hinlänglich bekannten bildungspolitischen Folgen – besser „Katastrophen“. Wenn der Präsident der RF sagt:
      „И в этой связи хочу ещё раз сказать о том, что лежит в основе принятых мною
      решений.“
      („In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal sagen, was im Mittelpunkt der von MIR getroffenen Entscheidungen steht.“)
      so ist er für derartig gestrickte Hirne ein „autoritärer Herrscher“, ein „Autokrat“. Daß der Mann damit jedenfalls auch sagt: ICH trage und ICH übernehme die Verantwortung – auch soweit diese Entscheidungen nicht „auf meinem Mist“ gewachsen sind (was ja die Regel sein dürfte) – läßt sich solchen bescheidenen Geistern nicht vermitteln.
      Der einzige deutsche Politiker, der mir da vor längerer Zeit diesbezüglich positiv auf gefallen ist, war eine Frau.
      Heide Simonis soll einst in etwa geäußert haben: Wenn ich politische Verantwortung übernehme, heißt das auch, daß ich nicht einfach zurücktrete, wenn ein mir unterstellter Beamter Mist baut. Zum Antworten anmelden
      1. Hummlsagt: 21. Juni 2020 um 11:29 Uhr … und es schließt sich insoweit der Kreis mit dem, was ich hier
        https://www.anti-spiegel.ru/2020/berateraffaere-ist-von-der-leyen-kriminell-oder-nur-inkompetent/
        zitiert hatte. Zum Antworten anmelden
  3. Schwarzersagt: 21. Juni 2020 um 11:22 Uhr Was für ein Staatsmann!!! Davon kann man hier im Westen nur träumen. Zum Antworten anmelden
  4. na_ichsagt: 21. Juni 2020 um 12:37 Uhr Vielen Dank Herr Röper für die Übersetzung. Wer sich jedoch mit dem 2.WK beschäftigt, dem genügen die gängigen „Handbibeln“, wie „Nürnberger Prozesse“, „Nürnberger Tagebuch“ und die „Reichsgesetzblätter Teil II“, um genau dies Aussagen von Putin belegen zu können. Da bedarf es keiner „geheimen“ Archive oder Enthüllungen. In jeder Stadt-Bibliothek in Deutschland, kann man diese Bücher, Unterlagen oder Schriftstücke einsehen (ggf. per Fernleihe). Somit ist es ein Narretiv, dass niemand es wissen könnte!
    Es kann jeder wissen und es kann auch jeder nachlesen (noch!). Jedoch wird dies ungemein Zeit, Energie und Geld kosten, diese Unterlagen zu sichten und Querverweise zu recherchieren. Und wer will dies schon? Wer will schon wissen, wer-wann-was wirklich tat? Wozu?
    Es lebt sich doch einfacherer und besser, die Geschichte so hinzunehmen, wie sie in den Medien dargestellt wird. Noch schnell was auf Wiki herausgesucht und schon versucht er/sie/es mit dem auf wiki angeeignetem Halbwissen, als Wissender dazustehen! Würde sich dieser Halbwissende auch nur mal die Mühe machen, in eine Bibliothek zu gehen und anfangen nachzulesen, dann würde es ihm die Nackenhaare aufstellen.
    Denn er würde erkennen, dass seit Jahrzehnten in Deutschland, der Nationalsozialismus per Gesetze neu Einzug gehalten hat und die Regierungen bei den Gesetzen sogar weit über die nationalsozialistische Judenverfolgung hinaus gegangen sind! Mehr noch. Viele Gesetze die nur dem Juden galten, werden heute über das gesamte Volk gestreut.
    Ich habe alle NS-Gesetze und Verordnungen in meinem Fundus und nein, es ist nicht witzig, wenn man z.B. das Berliner Mietendeckel-Gesetz liest.
    Die haben sich heute nicht einmal die Mühe gemacht, den Gesetzestext der Nazis, was die Ausnahmen von Mieterhöhungen betrifft, abzuändern.
    Und was es mit ALG2/HartzIV dann so auf sich hat, dies ist dann wirklich nicht mehr witzig… Zum Antworten anmelden
  5. Wolfgang Letzsagt: 21. Juni 2020 um 14:12 Uhr Ich schließe mich den Danksagungen meiner Vorredner an, im Besonderen, sowie im Allgemeinen für die unendlich vielen Recherchen und den daraus resultierenden Kommentaren und freue mich schon jetzt auf die nächste Gesprächsrunde „Röper/ Stein“. Putins Rede, ich hätte wohl nichts anderes erwartet und fände es beglückend, wenn auf der westeuropäischen Seite ein Willy Brand und ein Egon Bahr ständen und antworten könnten! So aber, ist es wohl wieder (s. Berlin und München) leider nur ein „Perlen vor die Säue werfen“! – Schade…. Zum Antworten anmelden
  6. freizahnsagt: 21. Juni 2020 um 16:02 Uhr Putins Analyse geht sicher sehr weit über das hinaus, was man von anderen Politikern gewohnt ist und erwarten kann. Dennoch vermisse ich die Punkte, die am wichtigsten sind wenn man wirklich aus der Geschichte lernen will:
    Die Probleme der Energieversorgung und der Ernährungssicherung auf deutscher Seite und auch die Entwicklung nach 1945.
    Deutschlands Peak Coal war um 1940 (der Englands war übrigens schon 1913). Mit dem Versailler Vertrag hat man faktisch die pro Kopf verfügbare Nettoenergie der Deutschen massiv reduziert. Man hat Deutschland damit zu einem Versuchskanichen für das gemacht, was in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts in vielen Ländern der Welt, einschließlich China, Indien und ganz Westeuropa passieren wird. Siehe dazu auch meine Übersetzung http://www.freizahn.de/2017/09/blut-fuer-oel/ und die dort am Schluss verlinkten weiteren Artikel zum Thema Energie.
    Zur Ernährungslage Deutschlands siehe das Buch „Krieg, Ernährung, Völkermord“ von Christian Gerlach. Danach hat das deutsche Landwirtschaftsministerium Anfang 1940 berechnet, dass Deutschland binnen zwei Jahren wegen Nahrungsmangel kapitulieren müsste.
    Die Massenmorde an russischen Kriegsgefangenen und an Juden, sowie auch die für Putin persönlich wichtige Belagerung Leningrads waren wohl Versuche um die Ernährungslage im deutsche Reichen zu stabilisieren. Das heißt, dass Millionen Bürger der UdSSR elend gestorben sind, weil die deutsche Regierung um wirklich jeden Preis eine Hungersnot in Deutschland verhindern wollte. Der Hintergrund davon war, dass man wusste, dass die Revolutionen in Deutschland 1918, in Russland 1917 und auch in Frankreich 1789 alle durch Nahrungsmangel ausgelöst worden waren.
    Man kann und sollte aus dieser Geschichte lernen. Man stelle sich z.B. vor, die UdSSR hätte den Deutschen billig Öl und Kohle verkauft UND man hätte den deutschen Bauern z.B. die Möglichkeiten gezeigt, die ich inzwischen auf meinem Blog gesammelt und gezeigt habe (siehe z.B. http://www.freizahn.de/2018/07/moegliche-ertraege-im-biolandbau/ und http://www.freizahn.de/2019/12/natuerliche-null-budget-landwirtschaft/ ). Die Nachkriegsordnung nach 1945 hat nur funktioniert, weil man auf einmal jede Menge neue und dazu sehr gute fossile Energiequellen gefunden hat.
    Wirklich aus der Geschichte lernen und sich darauf aufbauend auf die Zukunft vor zu bereiten ist jedenfalls auch noch etwas ganz anderes, als das Putin auf Grund seiner Analyse meint. Zum Antworten anmelden
  7. Kutusowsagt: 21. Juni 2020 um 16:41 Uhr „Das Vergessen der Lehren der Geschichte kommt uns unweigerlich teuer zu stehen.“ Das ist für mich einer der Kernsätze, denn wir erleben es ja gerade, wenn ich an das Treiben westlicher Politik denke. An diese absurden Beschlüsse des EU-Parlaments, in dem eben dieser Hitler-Stalin-Pakt für den 2. WK verantwortlich gemacht wird, die damit ihre völlige Unkenntnis der Geschichte zu Protokoll gegeben haben.
    Der Inhalt dieser Rede wird natürlich vom deutschen „Qualitätsjournalismus“ verschwiegen, weil er ja ihre Narrative offenbart. Vielleicht pickt man sich ein paar Details heraus, um unter Verdrehung des Gesamtzusammenhangs die Mär vom „Diktator Putin“ und seinen aggressiven Handlungen zu wiederholen.
    Tja, ich habe es schon mal geschrieben, möchte es aber dennoch wiederholen. Am 09.05.2015 habe ich selber am Newski gestanden und dem Zug des unsterblichen Regiments zugesehen. Ja, das war sehr beeindruckend und bewegend, dies zu sehen, was hier natürlich auch totgeschwiegen wird. Zum Antworten anmelden
    1. Frank Gottschlichsagt: 21. Juni 2020 um 19:15 Uhr Das Video sollten sie sich wirklich von Anfang bis zur letzten Sekunde anschauen. ( Vor allem jedoch auch die, welche den letzten Absatz des hier kommentierten Kommentars nicht völlig verstehen.) Ich bin davon überzeugt, dass jeder, welcher sich wirklich das gesamte Video anschaut … der wird auch desöfteren daran erinnert…. https://www.facebook.com/watch/?v=425481298235202 ( Das Video wäre auch etwas für T.Röper, ( zum 09.Mai) weil besser und verständlicher , kann man des Russen Seele – in Verbindung des 9.Mai nicht erklären – ) Zum Antworten anmelden
  8. Harry_Bsagt: 21. Juni 2020 um 17:21 Uhr Kann man nicht aus dem Umstand, dass fast alle Regierungen ihre Völker jetzt auf die gleiche Weise mit der Corona-Lüge betrügen, darauf schließen, dass die Zeit der Kriege sowieso vorbei ist und jetzt eher wieder eine Zeit der Revolutionen beginnt?
    Die Machtelite war ja noch nie so dünn, auch wenn ihr Reich noch nie so groß war. Zum Antworten anmelden
  9. Kutusowsagt: 21. Juni 2020 um 19:40 Uhr Die WELT, das Qualitätsmedium aus dem Hause Springer, bei der die Redakteure US-freundlich berichten müssen, hat den Artikel von Putin schon zerpflückt:
    „Geschichtsumschreibung Putins Abrechnung mit dem Westen“ lautet der Titel. https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwiXwafwxJPqAhUKCuwKHapaCCwQFjADegQIAhAB&url=https%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fpolitik%2Fausland%2Farticle209924861%2FGeschichtsumschreibung-Putins-Abrechnung-mit-dem-Westen.html&usg=AOvVaw0CVrLBZRSwHoHVCfOn8xOu
    Hier kann sich jeder ein Bild davon machen. Aber wie immer wird bei den „Qualitätsmedien“ ÜBER jemanden bzw. das, was er gesagt hat, polemisiert, nicht aber aufgeführt oder gar verlinkt, was er denn tatsächlich gesagt hat. Und da erweist sich Die WELT eben wieder als transatlantisches Käseblatt. Zum Antworten anmelden
    1. Frank Gottschlichsagt: 21. Juni 2020 um 22:41 Uhr © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.
      Steht ganz unten- unter dem verlinkten WELT-Artikel. That’s all. Das Putin China mit einbaut ins Geschehen, damit kommt man gar nicht klar, bzw. will man nicht klar kommen.Die haben ja nun mal wenig mit dem alten Jalta zu tun . Man will auch einfach nicht verstehen, dass es eiligst Zeit wird, zu beginnen, als Atlantikbrücken-Diener so zu schreiben, dass der Druck auf die Politik beginnt, sich den tatsächlichen weltpolitischen Verhältnissen anzupassen. Es wird Zeit, da ihre eigene „Journalisten-Atlantikbrücken-Bibel“ , nach denen sie seit Jahrzehnten schreiben , Zbigniew Brzezinskis geopolitischen Leitfaden eben, für den Erhalt und die Ausübung der globalen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten, mächtig viel an Glanz gerade in den letzten Jahren verloren hat.
      Man wundert sich wirklich, wie starrsinnig diese Narren der Zunft an Brzezinskis Strategische Vorgaben festhalten, obwohl schon derjenige, welcher das Buch neu kaufen soll, spätestens nach der Zusammenfassung anfängt , sich schief und krumm zu lachen. Man hört 🙂 von dem Chefstrategen der Amis….
      “ Ende des 20. Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die einzige noch verbliebene Supermacht sind: Keine andere Nation besitzt eine vergleichbare militärische und ökonomische Macht oder verfolgt Interessen, die den ganzen Globus umfassen.
      Von zentraler Bedeutung ist bei seiner Analyse die Machtausübung auf dem eurasischen Kontinent, Heimat des größten Teils der Weltbevölkerung, der bedeutendsten Bodenschätze und Wirtschaftstätigkeiten. Eurasien ist das »große Schachbrett«, auf dem die amerikanische Vorherrschaft in den kommenden Jahren bestätigt und herausgefordert werden wird. Laut Brzezinski stehen die Vereinigten Staaten vor der Aufgabe, die Konflikte und Beziehungen in Europa, Asien und dem Nahen Osten so zu managen, dass keine rivalisierende Supermacht entstehen kann, die die Interessen und den Wohlstand der USA bedrohen kann.
      So erklärt er zum Beispiel, warum Frankreich und Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien und Japan eine geostrategische Schlüsselrolle spielen werden. Warum Amerika nicht nur die erste wirklich globale Supermacht ist, sondern auch die letzte. Brzezinskis überraschende Schlussfolgerungen stellen viele herkömmliche Auffassungen auf den Kopf, wenn er eine neue und stringente Vision der internationalen Interessen Amerikas entwirft. Zbigniew Brzezinski liefert einen geopolitischen Leitfaden für den Erhalt und die Ausübung der globalen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten. Nu ja….
      © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten. Tja, diesem IdiotenTraum jagen sie ALLE noch in Europa nach. Vom kleinsten Landrat in der Eifel, der seine Amis behalten will, bis hin zu den Großmäuligen aussenpolitischen Sprechern der Regierungsparteien und eben des Verrücktenhaufens in Brüssel, welche einem Russland gerade wieder die Sanktionen wegen „Minsk2“ verlängert hat… weil die NasenGurus aus Übersee, das so wollen. Also, ich sehe die Anforderungen von Putin an die westlichen Grossmammssucht-Mächte eher als warnender Fingerzeig, sich ein bisschen am Riemen zu reißen – auf der Jalta-Konferenz- weil Russlands Diplomatensprache auch ganz anders gedeutet werden kann, als man es liest. Auch Friedmanns klare Aussagen über die Ängste der USA über die strategische Verbindung der Russen mit den Deutschen in 2015 https://www.youtube.com/watch?v=QeLu_yyz3tc haben die arschkriechenden Journalisten-Nasen in ihrer Arbeit, all die Jahre auch beherzigt und jede, auch so kleine Annäherung mit einem Wutschwall an Blödsinns-Artikel begleitet. Doch auch die Aussagen von 2015 haben sich in der russischen Strategie sichbar verändert. Klar, machen die Russen den Deutschen die Investitions-Tore weit auf, doch Russlands Grundkurs geht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in eine ganz andere Richtung. Also, man sollte mal damit rechnen, dass die Chinesen mit den Russen und die Amerikaner das letztendlich unter sich aus machen. Und ich würde mich nicht wundern, wenns nicht doch auf der KRIM wird sich abspielen. Zum Antworten anmelden
  10. Max Mustermannsagt: 23. Juni 2020 um 00:34 Uhr Danke Herr Röper, mal wieder reicht Herr Putin der Welt die Hand. Bemerkenswert finde ich, dass Herr Putin dem deutschen Volk, mit der wahren Darstellung der Geschichte die “Allein-Schuld“ nimmt, die uns bis zum heutigen Tage eingeprügelt wird. Naja, die Sieger “schreiben ja bekanntlich die Geschichte“ – die USA (Transatlantifa) beherrschen bis heute die gesamten europäischen (EU) Medien und Universitäten
    (https://swprs.org/das-american-empire-und-seine-medien/)
    und bestimmen somit die Narrative.
    Man sollte also aufmerksam verfolgen, was die Regierungen der einzelnen EU-Länder zu dem Artikel sagen, will sagen – die “Meinung“ der Medien ist ebenso unwichtig, wie vorhersehbar. Gerade, wo im Zuge der “Corona-Krise“, einige EU-Staaten näher an Russland heran gerückt sind, allen voran Italien.
    Warum fordert Herr Putin eigentlich ein “neues Jalta“? Hat Deutschland (der gesamte Westen?!) schon wieder einen Krieg verloren? Zum Antworten anmelden

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Prof. Norman Paech

Prof. Norman Paech

Seine Homepage

Sanktionen töten ::: Wirtschaftskrieg beenden

InvidiousLog inCurrent Time 8:22/Duration 50:57Remaining Time -42:351xnorman paech –

Bei mir steht ja noch mehr von ihm, bitte im Suchfeld unter dem großen Bild suchen…

Bei Wikipedia steht: Norman Paech (* 12. April1938 in Bremerhaven) ist Jurist und emeritierter deutscherProfessor für Politikwissenschaft und für Öffentliches Recht an der Universität Hamburg. Er ist seit 2005 Politiker der Partei PDS, später Die Linke. Hauptschwerpunkt seiner politischen Tätigkeit ist die Friedensbewegung.

 

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2. Newsletter: Für Frieden, Umwelt und Soziales, 21.6.2020

Ihr Lieben!

Etwas mehr wegen der langen Pause: Ich werde versuchen, den Newsletter jeweils Sonntags etwa alle 14 Tage zu verschicken.
Er wird auch über den Facebook-Messenger bzw. per Email verschickt und kann hier auf meinem Blog rechts unter dem Titel-Bild angesehen werden.

Es tut sich Dramatisches in der Menschheit. 
Nach jahrelangem Stillstand in Friedens, Umwelt und Sozialpolitik hat Covid 19 die Lage aufgemischt. In Friedensfragen ist die Lage so prekär wie lange nicht, die Weltuntergangsuhr steht 100 Sekunden vor der allgemeinen Vernichtung. Die Klimakatastrophe nähert sich schnell und sozial geht es Millionen Menschen sehr schlecht. Andererseits haben wir jetzt eine Situation, wo Ernst Ulrich von Weizsäcker mit “Wir sind dran”, Naomi Klein mit “The Leap” und viele andere Mittel anbieten, mit denen wir die Lage retten können. Dazu hier einige diagnostische und therapeutische Empfehlungen:

Sonderthema Corona:

zu Frieden:

zu Umwelt:

zu Sozialem: diesmal nichts Spezielles

zu Sonstigem:

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Leise-spricht-dein-Seelenwesen


Ich höre öfters Katastrophenmeldungen.
Dafür ein Büchlein, das ich für einen Österreicher gekauft habe, der Schwierigkeiten in Linz bekommen hatte, es zu erhalten.

Jetzt sind Marlis und auch ich davon ziemlich begeistert: Eine Anleitung zum Umgang mit dem Leben…

Leise-spricht-dein-Seelenwesen



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Corona: Hinweise auf Ursachen der Pandemie und auf Wege zu deren Überwindung

10.7.20 Bedenkenswert, Video siehe ab etwa Minute 35:30…
Ein Untersuchungsausschuss wird gefordert…

Am 25.04.2020 um 08:49 schrieb Matthias.Jochheim@t-online.de:

Corona: Hinweise auf Ursachen der Pandemie und auf Wege zu deren Überwindung       M.J.                                                          

Scheinbar wie aus heiterem Himmel  ist eine Seuche über uns gekommen, verursacht durch SARS-Cov-2 –Viren.
       Bundesfinanzminister Olaf Scholz spricht im Interview von einer Naturkatastrophe –  aber seine Kabinettskollegin , Bundesumweltministerin Svenja Schulze weist darauf hin, dass die Pandemie durchaus wichtige zivilisationsbedingte Quellen erkennen läßt, die mit der global dominierenden Produktions- und Lebensweise zu tun haben:  „ Die Wissenschaft sagt uns, dass die Zerstörung von Ökosystemen Krankheitsausbrüche bis hin zu Pandemien wahrscheinlicher macht. Das zeigt:  Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Coronakrise.“
Dr. Sandra Junglen, Institut für Virologie, Charité Universitätsmedizin Berlin: „…. Intensive Landnutzung, die Verbreitung von Monokulturen oder Rodungen von Wäldern führen zu einem Verlust der Artenvielfalt und verändern die Zusammensetzung der Säugetierpopulationen. Weniger Artenvielfalt bedeutet mehr Tiere einer Art im selben Lebensraum. Wenn das Ökosystem derart aus dem Gleichgewicht gerät, können sich Infektionskrankheiten besser verbreiten…“
 Gut belegt ist bereits, dass circa 70 Prozent der menschlichen Infektionserreger ursprünglich aus dem Tierreich stammen, darunter Humane Immundefizienz-Virus (HIV), Ebola, Influenza, Middle East Respiratory Syndrome, Coronavirus (MERS) und Erreger des Schweren Akuten  Respiratorischen Syndroms (SARS). Besonders offenkundig ist die Gefahr von Übertragungen auf Wildtiermärkten, wo Menschen und unterschiedliche Tierarten auf engstem Raum zusammenkommen und die Tiere zusammengepfercht und unter hygienisch unhaltbaren Zuständen verwahrt werden. –

Viel grundlegender ist nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen wahrscheinlicher wird, wenn Ökosysteme durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht geraten.

Professor Josef Settele arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Department Biozönoseforschung (Eine Biozönose ist eine Gemeinschaft von Organismen verschiedener Arten in einem abgrenzbaren Lebensraum (Biotop)). Settele, Mitglied des Weltbiodiversitätsrats: „Der weltweite Stand der Wissenschaft ist trotz offener Fragen eindeutig: Der Erhalt intakter Ökosysteme und ihrer typischen Biodiversität kann das Auftreten infektiöser Krankheiten generell reduzieren. Wir Menschen sind von funktionierenden, vielfältigen Ökosystemen abhängig. Mit der Zerstörung von Ökosystemen zerstören wir auch unsere Lebensgrundlage, wie die Corona-Epidemie zeigt. Darum müssen wir uns gemeinsam für einen transformativen Wandel unserer Gesellschaft zum Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen. Die Kernelemente eines solchen Wandels stellt der globale Bericht des Weltbiodiversitätsrats heraus. Es geht um nicht weniger als eine grundlegende, systemweite Reorganisation über technologische, wirtschaftliche und soziale Faktoren hinweg, einschließlich Paradigmen, Zielen und Werten.”  

Quelle: https://www.bmu.de/pressemitteilung/schulze-weltweiter-naturschutz-kann-risiko-kuenftiger-seuchen-verringern/

Aus anderem Blickwinkel kommt die weltbekannte indische Autorin Arundhati Roy nach Schilderung der desaströsen Folgen der Pandemie für die sozial depravierten Bevölkerungsschichten auf dem indischen Subkontinent  zu folgender Schlussfolgerung:

„ Was immer es ist: das Corona-Virus hat die Mächtigen in die Kniee gezwungen, und brachte die Welt zu einem Stillstand, wie nichts anderes es vermocht hätte. Unser Geist rennt immer noch vor und zurück, sehnsuchtsvoll nach einer Rückkehr zur “Normalität” suchend und mit dem Versuch, unsere Zukunft an unsere Vergangenheit zu heften, und in der Weigerung, den Bruch anzuerkennen. Aber dieser Bruch existiert. Und mitten in dieser schrecklichen Verzweiflung bietet er uns eine Chance, die Weltuntergangsmaschine zu überdenken, die wir uns selbst gebaut haben. Nichts könnte schlimmer sein als eine Rückkehr zur Normalität. Historisch haben Pandemien Menschen gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen, und ihre Welt neu zu entwerfen. Die jetzige macht da keinen Unterschied. Es ist ein Portal, ein Tor von einer Welt zu der nächsten. Wir können uns entscheiden, da hindurchzugehen, und die Kadaver unserer Vorurteile und unseres Hasses, unserer Habsucht, unserer Daten-Banken und toten Ideen, unserer toten Flüsse und rauchigen Himmel mit uns zu schleifen. Oder wir können heiter dort hindurchgehen, mit wenig Gepäck, bereit, uns eine andere Welt vorzustellen. Und bereit, dafür zu kämpfen.“
Arundhati Roy

https://www.ft.com/content/10d8f5e8-74eb-11ea-95fe-fcd274e920ca   (Übersetzung: M.J.)

_______________________________________________

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Energieforum

Eine Gruppe in Braunschweig, die auf Initiative von Thomas Röver und mir gegründet wurde, um die Erneuerbaren Energien im Großraum Braunschweig zu fördern. Sie haben einige Jahre einigen Veranstaltungen zustande gebracht, und führte zur Gründung der Umweltwerkstatt. Teilweise haben Susanne und Oliver regelmäßig mitgearbeitet. Die Umweltwerkstatt baute dann insbesondere eine größere Solaranlage in Volkmarode. Im Moment besteht die Chance einer Verjüngung.

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Solarzeitalter und eine Abstimmungskatastrophe!

Das Schlimme ist passiert: eine Abstimmungskatastrophe, siehe unten.

Zuerst nahm ich an einem Webinar der Grünen teil: Grüne OV Region Bühl , ein Vortrag, Frage- und Gesprächsrunde mit Professor Eicke Weber vom 8.6.20. Dramatischer Beitrag:

Eicke Weber: Der Weg in das Solarzeitalter

Bei der Besprechung sagt Prof. Weber, natürlich sei es volkswirtschaftlich sinnvoll, möglichst schnell auf die preisgünstige Solarenergie umzusteigen. Der Preis pro kwh fällt und fällt und ist zur Zeit schon unter 2Cent und wird bald 1 Cent unterschreiten!!! (Minute 43.00 in seinem Vortrag!)

Aber die Firmen, die im Moment mit den fossilen gigantische Gewinne machen, lassen sich das doch nicht von „Ökospinnern“ kaputtmachen, auch wenn die Wirtschaft darunter leiden wird. Das wird mit sutilen Methoden erreicht: zum Beispiel mit dem Vorschlag der Bundesnetzagentur, „Prosumers“ also gleichzeitig Konsumenten wie Verbraucher sind, die erreichen soll, dass man den PV strom nicht mehr selbst verbraucht und damit den Preisvorteil nicht mehr hat. Der aktuelle Entwurf, Min 57,50 Sekunden:, des „Kohleausstiegsgesetzes“ sei in Wirklichkeit „ein Kohleverstromungs-garantiegesetz”, (oder ein Kohlekraftwerkserhaltungsgesetz…,) das sei eine Orwellsche Verdrehung der Tatsachen. Die “Stakeholder” versuchen dafür zu sorgen, dass das nicht passiert, was ökonomisch sinnvoll ist und uns ökologisch als Einziges noch retten kann, Die Kombination zwischen Eigenverbrauch und Speicher löst eine Revolution des Bedarfs aus. Wir brauchen eine gescheite Liberalisierung des Strommarktes. : Wir müssen alle Bremsen beseitigen, dann setzen sich die Eneuerbaren Energien von selbst durch!!

Ihr solltet Euch die Rede von Prof. Eicke Weber in „Wege in das Solarzeitalter“ anhören: im Original https://www.youtube.com/watch?v=nYMYp4kF_3Y&feature=youtu.be.

Ich glaube, wenn wir einige Gesetze, die in der Vergangenheit gelaufen sind und die jetzt geplant sind, so bezeichnen, was sie in Wirklichkeit waren und sind, so wie das „Kohleausstiegsgesetz“, das in Wirklichkeit “ein Kohleverstromungs-garantiegesetz” ist, dann geißeln wir völlig zu Recht diese orwellschen Verdrehungen, benennen sie volkstümlich und bringen sie zu Fall.

Hier erst mal ein paar Bilder von ihm als Skreenshot, ich hoffe auf alle Bilder, aber sie sind auch alle im Vortrag:

http://helmutkaess.de/Wordpress/wp-content/uploads/2020/07/Screenshot-182.png

In den letzten 400.000 Jahren schwankte die Temperatur ständig erheblich, überwiegend kalt, vor Millionen Jahren überwiegend heiß, erst in den lezten 12000 Jahren kam sie zur Ruhe. Jetzt drohen wir wieder zum Hothouse Erde zu werden.

http://helmutkaess.de/Wordpress/wp-content/uploads/2020/07/Screenshot-185.png

Wir müssen die Erde von ihrem „Fall“ in die Heißzeit abhalten und vorsichtig in die wacklige Lage der noch Jetztzeit zurückführen

http://helmutkaess.de/Wordpress/wp-content/uploads/2020/07/Screenshot-188.png

die fossilen Vorräte der Erde sind kumulativ viel weniger, als was die Sonne uns auf den festen Teil der Erde jährlich zukommen läßt.

https://helmutkaess.de/Wordpress/wp-admin/upload.php?item=9452

Seit dreißig Jahren verdoppelt sich die weltweite Photovoltaikleistung alle 3 Jahre

http://helmutkaess.de/Wordpress/wp-content/uploads/2020/07/Screenshot-197.png

Trotzdem ist die PV erst am Anfang. Wir müssen in den nächstes 1o Jahren aus Klimagründen noch sehr viel mehr gegenüber der Schätzung zulegen!

________________________________–

Anläßlich der Abstimmungskatastrophe am 3.7.20 sollten wir überlegen, was wir dagegen tun können. 

Mir fällt folgendes ein: eine grundsätzlicheres Antwort:
Wir brauchen ein Institut, das langfristig sich mit der Propangandapsychologie beschäftigt und psychologisch basierte, wissenschaftlich korrekte Gegenargumente aufbaut.
Zum Beispiel das Video von Eike Weber https://helmutkaess.de/Wordpress/?p=9151 auswertet und zusätzlich zu diesem 90 Minuten Video es in ein fünf Minuten- und ein eine Minutenvideo und in unterschiedlich lange Poster und Faltblätter verwandelt und sich überlegt, welche Worte für welche Zielgruppe verwandt werden sollten.
Und Anregungen gibt, wann man wie die Regierungsparteien auf ihre groben Fehler für die Zukunft der Menschheit aufmerksam machen kann und die Abgeordneten wieder und wieder ausdrücklich lobt, die gegen diese  Entscheidung gestimmt haben. Eigentlich sind nur diese noch wählbar. Und solche Listen sollten vor allen Wahlen mit den zentralen (Fehl) Entscheidungen zirkulieren, damit die Wähler das brühwarm zu den Wahlen auf den Tisch gelegt bekommen.


Eigentlich geht es mir um das Überleben und das Glück der Menschheit, um Frieden, eine gesunde Umwelt = Klima und um die viel zu großen sozialen Diskrepanzen, wobei diese zur Zeit ja von Oxfam ganz gut thematisiert werden.
Wir brauchen Listen von unterschiedlicher Wichtigkeit, Kohle und Öl und auch Erdgas müssen zügigst gestoppt werden. Daher brauchen wir Kampagnen bis zum Erfolg.


Zum Beispiel dieses katastrophale Gesetz muss bekämpft werden und andererseits muss das EEG wieder aufgefrischt werden, wobei es die Fossilen Konzerne seit dem Tod von Hermann Scheer 2010 geschafft haben, das Gesetz zu demontieren. Und dazu müssen Kampagnen gefahren werden, wobei es sehr hilfreich wäre, wenn wir eine Institution auch am besten mit Unibegleitung auf unserer Seite hätten.


Finanzierung eigentlich durch den Staat, aber auch durch Spenden, Gewerkschaften und Zuschüsse von vielen Zivilgesellschaftlichen Organisationen…

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Planetare Grenzen mit Hervorhebungen

https://de.wikipedia.org/wiki/Planetare_Grenzen#/media/Datei:Planetare_Belastungsgrenzen_2022.png

https://docs.google.com/document/d/1CNrfscmdjRrw9Imd4Yx8lijB0s0C7UwqB7OS5py8h8k/edit

https://helmutkaess.de/Wordpress/klima-und-die-planetaren-grenzen-ein-workshop/

Webinar “Planetare Grenzen – Europas Leben auf Messers Schneide” mit Jutta Paulus und Sven Giegold – Donnerstag, 11. Juni, 18 Uhr

Guten Abend! Ich heiße Leonie Wagener und fasse hier im Dokument auf Deutsch zusammen, was im Webinar auf Englisch gesagt wird.

Jutta: Wir freuen uns sehr auf unser Webinar heute Abend mit Johan Rockström, Tobias Lung und Andreas Hauser. Ich gebe das Wort an Sven Giegold, der erklärt, wie das Webinar heute abläuft.

Sven: Wir freuen uns sehr über unsere wunderbaren Gäste heute Abend. Die Frage ist heute: Wo befinden wir uns mit der Umwelt? Ich freue mich sehr, dass wir Prof. Rockström dabei haben, der das Konzept der planetaren Grenzen entwickelt hat. Was bedeutet das für uns in Europa? Gut, dass wir die European Environment Agency heute vertreten haben durch Tobias Lung. Wir müssen alles auf den Kopf stellen – die Wirtschaft, den Konsum usw., und zwar global.

Wir wollen hier gemeinsam lernen und uns untereinander austauschen. Dafür kann man im Webinar die Hand heben oder schriftlich Fragen stellen. Wir hatten 1000 Anmeldungen, deshalb kann nicht jede*r eine Frage stellen, aber wir werden unser Bestes geben.

Willkommen zu unserer Webinar-Reihe Europe Calling. Wir bringen hier Politiker*innen, kluge Köpfe und Bürger*innen zusammen.

Jutta: Danke für die Erklärung, Sven. Ich erkläre kurz die planetaren Grenzen, bevor unsere Redner mehr dazu sagen. 2009 wurde das Konzept erstmalig veröffentlicht. Prof. Rockström hat zusammen mit hochrangigen Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen die Frage untersucht, was die wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Menschheit bedeutet. Sie versuchten, einen sicheren Raum zu definieren, in dem die Menschheit überleben kann. Dazu haben sie Grenzen, planetare Grenzen, definiert. 2009 war auch Will Stephan aus Australien beteiligt, der Youtube-Videos zum Thema Klimawandel macht. 

2015 wurde das Konzept dann aktualisiert. Es ist nicht alles schlimmer geworden, es gab auch Fortschritte, z.B. bei der Ozonschicht. Das zeigt, dass die Politik etwas bewirken kann. Die Ozonschicht erholt sich im Moment wieder. Wenn die Politik also auf die Wissenschaft hört, können wir Verbesserungen bewirken, und es ist höchste Zeit dafür. 

Die EEA hat einen wicnhtigen bericht veröffentlicht zum Effekt, den Europa auf die planetaren Grenzen hat. Es geht nicht nur darum, was wir hier in Europa machen, sonder auch um unsere Zusammenarbeit mit anderen Ländern der Welt. Wir müssen dringend handeln, um einen Kollaps zu verhindern. 

Prof. Rockström wird gleich beginnen mit der globalen Perspektive. Dann hören wir von Tobias Lung von der EEA, und danach von Andreas Hauser aus der Schweiz, der uns die nationale Perspektive aufzeigt. Es geht nämlich um alle Ebenen. 

Es ist uns eine Ehre, dass diese Wissenschaftler heute ihr Wissen mit uns teilen. Vielen Dank dafür.

Prof. Rockström: Vielen Dank, Jutta und Sven, und hallo in die Runde. Könnt ihr meine Präsentation sehen?

Ich möchte euch gerne das Neueste über die planetaren Grenzen erzählen. Wir sind inzwischen bei Version 3.0.  Dann stelle ich euch unsere Visionen für die Zukunft vor.

Wir befinden uns gerade in der Coronaviruspandemie, die vorhersagbar war, weil unsere Welt des Anthropozäns so eng verbunden ist. Das war allerdings auch der Ausgangspunkt für die wissenschaftlichen Studien, die wir gemacht haben. Wir nähern uns unserer Grenze und riskieren einen instabilen Planeten. Bei Pandemien oder Hitzewellen o.ä. zeigt sich, wie eng unsere Welt verknüpft ist.

Wir liegen aktuell bei 1,3 Grad Erwärmung, und das ist ein gefährlicher Weg. Deshalb brauchen wir heute auf jeder Ebene Grenzen oder Ziele, in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. 

Wir haben aktuell drei Krisen: Die Klimakrise, die Gesundheitskrise und die Krise des Ökosystems.

Vor der Pandemie hatten wir ein Treffen von Wissenschaftler*innen und Politikerinnen und konnten die Kipppunkte vorstellen. Das war das Ergebnis von jahrelanger Forschung und Arbeit. Wir sind an einem Punkt, wo wir kurz vor dem Notfall sind und handeln müssen.

Wir leben heute im Anthropozän. Das ist observationell und beruht auf den Veränderungen der Erde seit der industriellen Revolution. Die 1950er gelten heute als Beginn des Anthropozäns. 

Was ist unser Ziel für den Planeten, welchen Zustand brauchen wir? Wir glauben, dass die letzten 12.000 Jahre des Holozäns der ideale Zustand waren. Hier sehen wir die Eisvorkommen auf der Welt. Bei -4.000 Grad sind wir im tiefsten Eiszeitalter, und dann kommt das stabile Holozän, bei etwa -1 Grad, und dann geht es in der Neuzeit stark hoch. Der Zustand des Holozäns ist der einzige Zustand, bei dem wir sicher sind, dass er stabil ist.

Wir verstehen die Prozesse auf der Erde heute sehr gut. Es ist das Zusammenspiel aus Biomen. Dieses Zusammenspiel ändert sich drastisch. die Kipppunkte werden hier visuell dargestellt. Man sieht die wichtigsten Systeme, die den Zustand der Erde beeinflussen, z.B der Regenwald im Amazonas, der zur Wüste wird und damit die Balance zerstört. Wir verstehen diese Balance immer besser. 

Vor ein paar Monaten haben wir das Modell aktualisiert. 9 der 15 bekannten Kipppunkte sind in Bewegung. Sie werden instabiler. Hier sehen wir den Energiefluss im Atlantik, der sich verschiebt und viele Ökosysteme beeinflusst, u.a. das Schmelzen des Eises. Diese Systeme sind komplex und miteinander verbunden.

Dieses Dokument wurde in der UN-Vollversammlung präsentiert. Die roten Diagramme zeigen die Ergebnisse von 30 Jahren Forschung. Jede Spalte ist ein Bericht des IPCC. Auf der Y-Achse sind die Abweichungen von der Temperatur vor der industriellen Revolution. Links sind Bedrohungen des Ökosystems, rechts sind Auslöser der sog. Kipppunkte. Die Risiken werden mit der sinkenden Temperatur geringer. Je mehr wissenschaftliche Fortschritte wir machen, desto mehr wird uns klar, dass die Erde fragiler ist als gedacht. 

Wir befinden uns also im Anthropozän und haben Kippunkte, und daraus ergeben sich die planetaren Grenzen. Welche Prozesse regulieren den Zustand der Erde? Und wenn das Holozän das Ideal ist, wo liegen dann unsere Grenzen, die wir nicht überschreiten dürfen, wenn wir stabil bleiben wollen?

2009 haben wir 9 Prozesse definiert, die universell gelten. Grün ist die sichere Zone. Klimawandel, STickstoff sind in der roten Zone. 

2015 haben wir eine gelbe Gefahrenzone ergänzt, wo noch Unsicherheiten bestehen in der Wissenschaft. Aber 4 der 9 Grenzen sind immer noch in der gelben oder roten Zone, die Biodiversität, Landnutzung, Stickstoff.

Diese 9 Grenzen wurden von Kolleg*innen evaluiert und bestätigt. wir haben das Klima, Ozeane und die Ozonschicht, aber auch biogeochemische Flüsse, landnutzung, Süßwasser, und auch Biodiversität. Zwei weitere Grenzen sind erdfremd: chemische Verschmutzung und Aerosolbelastung.

Bei manchen Grenzen gibt es Kipppunkte. Aber andere haben einen weicheren Verlauf. Trotzdem sind sie mit Systemen verbunden, die einen Kipppunkt haben. wir forschen viel zu den Wassersystemen der Erde. Wenn wir eine Grenze überschreiten, beeinträchtigt dies auch andere Grenzen. 

Auch regionale Veränderungen wirken sich auf den Rest der Welt aus, z.B. bei Wasser. Dunkelrot sind die Regionen, die den Niederschlag aus anderen Regionen brauchen und davon abhängig sind. Wasser ist also eine planetare Grenze.

Hier wird die Luftverschmutzung sichtbar, die auch Wettersysteme beeinflusst und die globale Durchschnittstemperatur. Es gibt also heute gar keine rein lokalen Themen mehr.

Es gibt verschiedene Initiativen, die die planetaren Grenzen erforschen und weiterentwickeln, z.B. FutureEarth. Eine der großen wissenschaftlichen Grenzen ist unser Punkt, dass wir am Beginn des Anthropozäns stehen. ES ist aber noch nicht fix, wir können noch zurück zum Zustand des Holozäns. Die gelbe Linie ist das Holozän, davor die Eiszeit, und dann 60 Millionen Jahre früher. Und ganz rechts geht die Temperatur dann dramatisch hoch, das wäre die Zukunft. Wenn wir die Uhr aber zum Myozän zurückdrehen könnten, würden wir das verhindern.

Im Potsdam Institut haben wir ein Modell erstellt, das die Funktion der Erde über die letzten 3 Mio Jahre darstellt und die Durchschnittstemperatur. Meist lag sie nicht über 3 Grad Celsius. Die planetaren Grenzen haben die Temperatur reguliert, und diese Grenzen reißen wir gerade ein.

Wir brauchen wohlstand und Gerechtigkeit innerhalb unserer planetaren Grenzen. Wir haben auf der X-Achse Länder, die gegen die Grenzen verstoßen, und bei Y die sozialen Indikatoren wie BIP, Bildung, Ernährung und so weiter. Hier ist die EU, die reichen OECD-Länder. Guter Sozialindikator, aber schlecht bei den planetaren Grenzen. Kein Land erreicht beides gleichzeitig. 

Wir haben uns mit Ernährungssystemen auseinandergesetzt mit Lancet zusammen. Wir haben gezeigt, dass wir die Menschheit innerhalb der planetaren Grenzen noch ernähren können. Aktuell ist die Ernährung eines der Felder, wo die Grenzen am meisten überschritten werden. Wir müssen in nachhaltige Landwirtschaft investieren, um im sicheren Raum zu bleiben. 

Ähnlich ist es beim Kohlenstoffgesetz. Wir müssen die Emissionen dringend reduzieren und klimaneutral werden bis 2050. Wir müssen unsere Kohlenstoffsenken bewahren. Wir haben 6 Transformationen definiert, die das Potential haben, uns im sicheren Raum zu bewahren. Nachhaltigkeit ist heute eine Möglichkeit, diese Ziele zu erreichen. Innerhalb der Entwicklungsziele haben wir auch die planetaren Grenzen schon enthalten, wir müssen sie nur umsetzen und einhalten. Die EU geht mit dem New Green Deal in die richtige Richtung. Wir versuchen, mit Unternehmen und Städten nachhaltige Ziele festzulegen und eine Erdkommission einzurichten in Verbindung mit der Wissenschaft. Wir müssen interdisziplinär arbeiten und die GEsundheit des Planeten und der Menschheit gemeinsam sehen. Die planetaren Grenzen können dafür eine Leitlinie sein.

Jutta: Vielen Dank an Prof. Rockström für diese reichhaltigen Informationen. Ich habe kürzlich von Kate Raeworth gehört, die das Donut-Modell entwickelt hat mit den sozialen Grenzen innen und den Umweltgrenzen außen. Ich freue mich, dass die Wissenschaft sich lautstark zu Wort meldet. Wenn die Wissenschaft versucht, vorsichtig zu sein, hören die Menschen Unsicherheit heraus. Wenn die Wissenschaft sagt, hier sind wir uns sicher, dann verstehen die Menschen das. Aber die Wissenschaft sagt eigentlich nie, dass es 100% Sicherheit gibt oder perfekte Daten. Es gibt immer Unsicherheiten. 

Die atlantischen Strömungen, damit ist der Golfstrom gemeint. Das würde für uns eine Abkühlung bedeuten. Wir hätten hier ein Klima wie in Kanada. Der Permafrost ist aktuell in den Medien aufgrund des schrecklichen Vorfalls in Sibirien. Da ist ein Tank ausgelaufen, weil die Erde aufgeweicht war, und diese Vorfälle werden in der Zukunft immer häufiger passieren, weil der Permafrost schneller als gedacht wegschmilzt.

Dieses Webinar wird übrigens aufgezeichnet, ihr könnt euch die Folien also nachträglich noch einmal anschauen, wenn ihr möchtet, und vielleicht können wir auch die Präsentation hochladen. Nun hat Tobias Jung das Wort von der European Environmental Agency (EEA). 

Tobias: Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre, dabei sein zu dürfen und die Ergebnisse unserer Arbeit zu den planetaren Grenzen auf europäischer Ebene vorzustellen. Wir schauen uns das Konzept des Fußabdrucks an innerhalb der planetaren Grenzen. Wir beziehen uns auf das 7. Umweltaktionsprogramm, dessen Vision ein gutes Leben innerhalb der planetaren Grenzen ist. Es wird ein besseres Verständnis dieser Themen gefordert. Wir haben ja jetzt eine neue EU-Kommission, aber die Prioriäten sind gleich geblieben. Präsidentin von der Leyen hat dies bestätigt. Wir brauchen sozialen Wohlstand und müssen gleichzeitig die Grenzen respektieren. Auch der New Green Deal ist sehr ehrgeizig, zB. Klimaneutralität bis 2050. Das ist der politische Rahmen, in dem wir untersucht haben, wie wir die planetaren Grenzen konkret anwenden können. 

Wir haben 2015 angefangen, die Herausforderungen zu identifizieren und eine Bestandsaufnahme zu machen. Wir verstehen immer besser, wie stark alles verknüpft ist. In letzter Zeit haben wir auch selbst Berechnungen angestellt und einen Bericht herausgebracht. Ich werde später meine Präsentation teilen und auch der Bericht ist öffentlich zugänglich. Wir haben mit vielen Partnern gearbeitet, die in der Präsentation aufgelistet sind. Mein Kollege vom BAFU wird mehr dazu sagen können. Auch mit Universitäten haben wir zusammengearbeitet.

Wir haben uns von drei Fragen leiten lassen. 1., wie sieht ein sicherer Handlungsraum für Europa aus? 2., wie schneiden wir aktuell ab? Wie groß ist unser Fußabdruck? Und 3. Befinden wir uns aktuell im sicheren Handlungsraum?

Diese Fragen schauen wir uns jetzt genauer an. Der sichere Handlungsraum ist ein globales Konzept. Wir müssen uns also den europäischen Anteil anschauen und ihn rausrechnen. Das ist immer ein normativer Prozess. Unser Ansatz hat sich verschiedenen Verteilungsmodelle angeschaut und alle durchgerechnet, anstatt nur einen Ansatz zu wählen. Wir haben Gerechtigkeit, das Prinzip, dass alle die gleichen Rechte und Zugang zu Ressourcen haben. Dann haben wir den Bedarf, das bedeutet, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Bedürfnisse haben, z.B. Ältere vs. Jüngere. Dann haben wir das Recht auf Entwicklung. Weiter entwickelte Regionen sollten den weniger entwickelten Regionen Raum geben, um aufzuholen. Souveränität ist das Gegenteil davon, das bedeutet, dass die Wirtschaft am wichtigsten ist und das Wirtschaftswachstum über allem steht. Der letzte Punkt sind die v.a. finanziellen Mittel. Wie viel können wir investieren, um die Umweltschäden zu reparieren oder auszugleichen? Diese Faktoren haben wir alle mit verschiedenen Modellen durchgerechnet und den europäischen Anteil ermittelt.

Das haben wir dann jeweils auf die planetaren Grenzen angewendet.

Die zweite Frage ist, wo stehen wir aktuell? Wir haben uns den Fußabdruck ausgerechnet und uns angeschaut, wie unser Verbrauch im Inland und im Ausland ist. Wir haben den Stickstoff-  und den Phosphorkreislauf aufgeteilt in unserer Berechnung, und dann haben wir noch die Landnutzung und das Süßwasser berechnet, die alle eng miteinander verbunden sind. Unsere Berechnungen zeigen uns, wie wir abschneiden. Die Tabelle ist etwas verwirrend. Das ist die europäische Ebene. Wir haben europäische Grenzen sowie den Fußabdruck für Europa berechnet und erhalten dadurch einen Wert, wie wir abschneiden. Bei Stickstoff und Phosphor und Landnutzung haben wir unsere Grenze für den sicheren Handlungsraum überschritten, aber nicht bei Süßwasser. Manche Regionen schneiden besser ab als andere, z.B. gibt es in Südeuropa eine Wasserknappheit. Wir schneiden insgesamt nicht gut ab.

Wir vergleichen die Ergebnisse jetzt mit den fünf Prinzipien. Das Abschneiden ist die vertikale schwarze Linie, und horizontal sind die fünf Prinzipien. Beim Stickstoff sind die Ergebnisse so oder so im roten Bereich, und bei Phosphor ähnlich, außer wenn man vor allem wirtschaftlich rechnet. 

Ähnlich sieht es aus bei der Landnutzung, da sind wir bei 4 von 5 Prinzipien über die Grenze hinaus. Bei Süßwasser wird auf europäischer Ebene keine Grenze überschritten.

Als Schlussfolgerung stehen wir in Europa vor einer großen Herausforderung, insbesondere bei diesen 4 Faktoren. Wir müssen unseren Fußabdruck auf ein Drittel bringen. Dazu brauchen wir grundlegende Veränderungen unserer Systeme, Energie, Mobilität und vor allem Ernährung, weil die Ernährung so direkt mit Umweltverschmutzung, Wasser und Landnutzung zusammenhängt. Der New Green Deal enthält gute Vorschläge, er enthält z.b. auch die Farm-to-Fork-Strategie mit ehrgeizigen Zielen.

Durch unsere Studie haben wir viel darüber gelernt, wie wir das Modell anwenden können, auch auf andere Prinzipien, und wie wir die Anteile sinnvoll berechnen können. Außerdem kombinieren wir die planetaren Grenzen mit dem verbrauchsbasierten Fußabdruck.

Es gibt auch noch Wissenslücken. Wir verstehen die planetaren Grenzen immer besser, und auch die Zusammenhänge zwischen lokalen und globalen Systemen. Aber es ist schwierig, das umzusetzen. Wir ins auch noch uneins bei der Ursachenforschung. Beim Fußabdruck sind auch die finanziellen Faktoren ein Thema. Hier brauchen wir mehr Investitionen, um die Modelle zu erweitern. Der aktuelle Ansatz reicht nicht aus. Viele der Studien sind Einzelprojekte und können nicht regelmäßig aktualisiert werden.

Wir brauchen eine Zusammenarbeit in Wissenschaftsnetzwerken, um die Grundlagenforschung auch in die Anwendung zu bringen.

Jutta: Vielen Dank, Tobias. Du hast gezeigt, dass die EU ihre Klimafolgen teilweise outgesourced hat in andere Länder. Danke, dass du dich für eine faire Verteilung einsetzt. Wir müssen bei diesen Indikatoren dringend Fortschritte machen und nicht nur pro Kopf rechnen. Deine Zusammenfassung war sehr eindrücklich. Die Zahlen im Bericht sind schwerer verständlich als wenn man sie grafisch aufbereitet sieht, und wir befinden uns ja ganz klar oben rechts in der Grafik von Prof. Rockström. Zum Thema Stickstoff- und Phosphorgrenzen: Das hat natürlich mit der Ernährung zu tun. Wir müssen dringend den Fleischkonsum reduzieren, und es ist schade, dass das in der Farm-to-fork-Strategie nicht deutlicher gemacht wird. Wir nutzen mehr Land für Tierfutter als für Menschen in Europa. Da sollte die Politik deutlicher sagen, dass wir unseren Fleischverbrauch halbieren sollten.

In den 27 Jahren der EEA hat sie ein hervorragendes Netzwerk aufgebaut, in dem Daten und Erkenntnisse ausgetauscht werden. Ich setze mich dafür ein, dass sie weiterhin ausreichende finanzielle Mittel für ihre Arbeit bekommt. Das Budget steht ja schon, und alle versuchen, Geld zu sparen, aber wir dürfen nicht bei der EEA sparen. Vielen Dank für deinen Beitrag.

Jetzt kommen wir zu Andreas und der nationalen Ebene.

Andreas: Vielen Dank für die Einladung. Wie Tobias bereits sagte, ist die Zusammenarbeit mit Wissenschaftsnetzwerken essenziell. Die Studie, die er vorgestellt hat, ist sehr inspirierend. Ich bin selbst Wirtschaftswissenschaftler. Warum spreche ich als Schweizer hier im EU-WEbinar? Die Schweiz ist natürlich kein EU-Mitglied, aber wir sind Vollmitglied der EEA. Die Schweiz hat schon lange den Fußabdruck berechnet, für das Klima und weitere Faktoren. Als wir von den planetaren Grenzen erfahren haben, wurde uns klar, dass das das fehlende Glied war.

Diese Grafik ist ein Rating der Bertelsmann-Stiftung. Hier sind alle Länder der Welt vertreten. Man könnte denke, dass die europäischen Länder gut abschneiden. Die Schweiz ist auch noch in Ordnung. Man könnte denken, dass das ausreicht. Aber stimmt das? Ich denke, nein. Die Grenzen sagen etwas anderes. Hier sehen wir die planetaren Grenzen als Außengrenze und innen die sozialen Grenzen, das Donut-Modell von Kate Raworth. Wenn man die Schwelle überschreitet, ist man in der Risikozone, und das ist schon eine ganz andere Botschaft.

solange man sich im Donut befindet, ist alles gut. Johan Rockström hat es den Garten Eden genannt. Sobald man aber einzelne Schwellen überschreitet, kommt man in die Risikozone, und das ist keine gute Idee.

Hier sehen wir verschiedene Fußabdrücke. Ein Großteil unseres Klimafußabdrucks findet außerhalb der Schweiz statt. In der Mitte sind die Treibhausgase, wo der Fußabdruck im Ausland immer größer wird. Rechts ist die Biodiversität und links ist der gesamte Fußabdruck. 

Was wir hier bei uns verbrauchen, hat Folgen für die ganze Welt. Unsere Ernährungsgewohnheiten wirken sich z.B. auf Indonesien und Brasilien aus, weil die Welt so eng verbunden ist. Wir versuchen, im Inland Verbesserungen zu erreichen, und vergessen dabei oft unseren Fußabdruck im Ausland. 

Wenn man sich die Entwicklung des Fußabdrucks anschaut, hier Treibhausgas pro Kopf, dann ist dieser langfristig so gesehen leicht entkoppelt. Das könnte man positiv betrachten, dass man trotz Wirtschaftswachstum den Fußabdruck stabilisieren kann. Aber eine Stabilisierung reicht nicht aus. Und hier kommen die planetaren Grenzen ins Spiel.

Hier haben wir den Treibhausgasfußabdruck, da sehen wir, wie oft wir die Schwelle überschreiten. Der Schwellenwert kann unterschiedlich definiert werden, aber das Ergebnis bleibt gleich. Das gleiche gilt für die Ozeanversauerung, die mit dem CO2 zusammenhängt. Bei Biodiversität und Eutrophierung überschreiten wir die Schwelle weniger stark, aber immer noch zu viel. Im Biodiversitätsfußabdruck ist nicht jede Komponente enthalten, sondern Biodiversität im Zusammenhang mit der Landnutzung.

Sich die Fußabdrücke anzuschauen, kann die Perspektive verändern, denn der Effekt beschränkt sich nicht auf unsere Landesgrenzen. Die gesamte Produktkette ist betroffen.

Wie Tobias schon sagte, hat die EU die Vision des guten Lebens innerhalb der planetaren Grenzen. Wir haben eine ähnliche Vision in unserer Strategie. Wir müssen die Grenzen des Planeten entlang der gesamten Wertschöpfungskette respektieren. Wie können wir eine Veränderung schaffen? Wir brauchen eine Vision für Ernährung, Wohnen und Verkehr. Wir haben intensiv diskutiert über Pestizide und Landwirtschaft. Vielleicht sollte die Frage aber eher sein, was wir essen sollten, insb. bei Milchprodukten und Fleisch.

Außerdem haben wir Hotspots entlang der Wertschöpfungskette identifiziert, die wir auch ins Gespräch mit der Wirtschaft einbringen können. Außerdem brauchen wir quantitative Ziele, auch, wenn es mühsam ist. Und wir müssen sektorenübergreifend arbeiten.

Der Umweltbericht der Schweizer Regierung zeigt mehrere Bereiche der Zusammenarbeit auf: Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Wir brauchen nicht ein Gesetz oder Ziel, sondern eine Kombination. wir brauchen Zusammenarbeit auf allen Ebenen und mehr Dialog mit der Wirtschaft und der Finanzwelt, und wir brauchen finanzielle Anreize. Wir brauchen einen Informationsaustausch und wir brauchen einen rechtlichen Rahmen, auch für die öffentliche Beschaffung.

Ich bewundere die EU für die Farm-to-fork-Strategie. Wir sollten uns nicht nur die Farm, sondern auch die Fork, also den Verbraucher anschauen. Die Landwirtschaft richtet sich ja nach den Wünschen der Verbraucher. Wir müssen nicht ganz auf Fleisch und Käse verzichten, aber es gibt so viele tolle pflanzenbasierte Produkte heute.

Vielen Dank für die Einladung.

Jutta: Danke für diese pragmatische nationale Perspektive. Es ist immer schwierig, denn wir haben klare Regeln in der Naturwissenschaft und dann haben wir auf der anderen Seite die Gesellschaft. Wie können wir einen Wandel bewirken und welche Rolle spielt die Politik? Der freie Markt hat es ja bisher nicht gelöst.

Ich fange jetzt an, Fragen aus dem Publikum entgegenzunehmen. Erstmal schriftliche Fragen. Gernot fragt Prof. Rockström: Die planetaren Grenzen werden vor allem durch Wachstum überschritten. Müssen wir uns vom Wachstum verabschieden?

Prof. Rockström: Das ist eine sehr wichtige Frage. Ich stehe Wachstum agnostisch gegenüber, ich finde, es ist die falsche Diskussion. Das Ziel muss immer das Wohlergehen der Menschheit sein, und unser Wachstum passt momentan nicht zu den planetaren Grenzen, aber es ist durchaus möglich, innerhalb der Grenzen zu wachsen, z.B. mit Kreislaufmodellen. Und wir wissen, dass die meisten Weltbürger*innen Wachstum brauchen, damit ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden.

Jutta: Christian B. will wissen, ob wir nicht vierteljährliche Berichte brauchen über unseren Fortschritt unseres Lebens im Kontext der planetaren Grenzen. Wie können wir die Menschen auf diese Krise aufmerksam machen? In der Coronakrise haben die schrecklichen Bilder aus Bergamo geholfen. Würden wöchentliche Berichte an die Regierung helfen?

Tobias: Der eine Punkt betrifft die Wissenschaftskommunikation, die verständlich sein muss. Das liegt uns als Wissenschaftler*innen nicht unbedingt im Blut und wir müssen daran arbeiten, unsere Erkenntnisse leicht verständlich zu präsentieren. Das ist bei schwierigen Konzepten nicht immer einfach. 

Konkret zum Thema eines vierteljährlichen Berichts: Das hängt von vielen Faktoren ab, vor allem an der Datenverfügbarkeit. Bei den Fußabdrücken haben wir riesige Datenlücken, das hast du ja gemerkt, Jutta. Viele Daten stammen aus dem Jahr 2012. Bisher haben wir noch keine besseren Modelle und Daten. Und wir müssen sicherstellen, dass wir diese Informationen auch für andere Parameter haben wie das BIP. Bei anderen Parametern ist die Datenlage schwieriger.

Jutta: Ja, die Dinge sind meist komplizierter als gedacht. Frage an Andreas: Gibt es Initiativen, das Konzept der planetaren Grenzen zu verbinden mit dem Konzept von Produkt-Lifecycles?

Andreas: Bei konkreten Produkten ist das schwierig umzusetzen, weil man schätzen müsste, wie viel von dem Produkt verbraucht wird. Oft ist es wichtiger, das richtige Produkt zu wählen als die nachhaltigste Version eines bestimmten Produkts. Die kurze Antwort wäre also nein.

Jutta: Ich habe gesehen, dass ein Apfel aus Neuseeland manchmal nachhaltiger ist als ein gelagerter Apfel aus Europa. Es ist also nicht immer alles so einfach.

Wir haben eine Frage an mich von Claudia. Der Verlust der Biosphäre hat auch mit genetisch modifizierten Organismen etc zu tun. Warum wollen die Grünen CRISPR erlauben? Claudia, ich glaube, der Einsatz von GMOs ist noch schwierig zu quantifizieren, aber natürlich müssen wir die Risiken kennen. Die Grünen setzen sich nicht für eine Lockerung der Regulierungen ein. Ich denke aber, dass wir auf jeden Fall einen evidenzbasierten Ansatz brauchen und vorsichtig vorgehen müssen. Ich setze mich für einen evidenzbasierten Ansatz ein und bin gespannt auf die Pro-GMO-Evidenz, und wenn das in dürregeplagten Regionen helfen kann, dann ist das etwas Gutes.

Eine Frage von Bernd: 9 dre 15 Kipppunkte sind ja schon aktviiert. Ist 2050 nicht viel zu spät für Klimaneutralität? Sollten wir nicht viel dringender handeln? Wenn die Kippunkte schon aktiviert sind, muss es schneller gehen.

Prof. Rockström: Danke für die Frage. Es gibt in der Wissenschaft da einen Unsicherheitsfaktor. Ja, 9 der 16 Punkte sind in Bewegung, wie der Permafrost, den Jutta erwähnt hat. Man könnte also für schnellere Maßnahmen argumentieren. Wenn man aber die 1,5 Grad ändert aufgrund der Kipppunkte, dann wäre das verfrüht. Wenn wir die Weltwirtschaft bis 2050 klimaneutral machen, haben wir noch die Chance, unter 2 Grad zu bleiben. Wir wollen nicht zurück in den Garten Eden, ich verstehe, dass das zu optimistisch ist, aber wir wollen näher heran an den Zustand des Holozäns. Also kein perfekter Zustand, aber zu mindesten stabiler als jetzt. Die IPCC bringt ihre sechste Einschätzung demnächst heraus und dort zeigt sich eine viel höhere Klimasensitivität als bisher. Wir verstehen Wolken und Aerosole inzwischen viel besser, das kann ein Grund dafür sein. Wir haben heute mehr Daten und mehr Evidenz als je zuvor, die zeigt, dass wir klimaneutral werden müssen

Jutta: Vielen Dank. Wir hier sind uns darüber natürlich einig, aber das gilt nicht für alle politischen Fraktionen. Ich habe mich gefreut über die Ausrufung des Klimanotstands seitens der EU letzten November. Eine schöne Botschaft: Wir haben die Mittel. Erneuerbare Energien sind preisgünstiger als je zuvor. Ich habe vor 20 Jahren meine PV-Anlage installiert, als sie noch 20-mal so teuer war wie heute. Es ist schon viel passiert, und wir müssen unser Potenzial noch besser ausschöpfen.

Nun hören wir von Gisela M., die sich gemeldet hat. 

Gisela, wir können dich nicht hören.

Gut, dann machen wir weiter mit Gisela H.

Ich höre nichts, also machen wir weiter mit Delphine.

Delphine: Ja, ich bin hier. Vielen Dank. Es ist schön zu sehen, wie sehr sie sich bemühen für eine positive Vision der Zukunft. Ich bin aber nicht so überzeugt, dass das in den nächsten 30 Jahren passieren wird. Wenn wir die CO2-Emmissionen aus der Vergangenheit zu den aktuellen Emissionen dazurechnen, haben wir den Effekt, dass es ums Jetzt geht und all die Bemühungen umsonst sein werden. Ich habe große Angst, dass wir uns aktuell nicht auf dem Schlimmstfall vorbereiten und dann die Ärmsten der Armen darunter leiden werden. Ich glaube, dass die EU-Politiker das nicht verstehen, dass wir noch mehr verändern müssen und zwar jetzt. Corona hat uns gezeigt, dass es geht, aber es passiert noch nicht. Die Automobilindustrie und die Gewerkschaften glauben, dass sie weitermachen können wie bisher. Ich wünsche mir, dass die Akademiker*innen auf die Straße gehen und aktiv werden. 

Jutta: Da ist jetzt was komisches passiert. Ich hatte mehrere Leute auf laut geschaltet. Zu der Frage möchte vielleicht Sven noch was sagen. Was ist die Rolle von Bewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion und brauchen wir zivilen Ungehorsam?

Sven: Erstmal würde ich sagen, dass die Wissenschaft zwar die Grundlage geschaffen hat beim Klima und das ist schon lange bekannt. Die IPCC-Berichte sind ja relativ konservativ und haben trotzdem nicht geschafft, was Fridays for Future geschafft hat. Das radikalere Image von Extinction Rebellion hatte nicht die gleiche Glaubwürdigkeit wie Fridays for Future. Radikales Handeln kann also auch nach hinten losgehen. Es kommt in Gorleben darauf an, wer blockiert, ob es die Bürger*innen sind oder linke Aktivist*innen, und was genau man blockiert. Aber friedliche Mittel sind immer legitim, und die können ganz unterschiedlich aussehen. Was ich nicht mag, ist dieses Sympathisieren mit der Radikalität. Wir müssen alle unsere legitimen demokratischen Mittel nutzen. 

Vielleicht missbrauche ich mal meine Rolle und stelle Prof. Rockström eine Frage. Wie sieht es mit der chemischen Verschmutzung aus und der Faktenlage? Diese Grenze scheint schwer zu definieren. Als Politiker*innen sehen wir oft, dass Menschen Angst vor der Verschmutzung durch Chemikalien haben, aber die Datenlage ist gar nicht so stark. Wo stehen Sie da bei der Grenze für die Chemikalienverschmutzung?

Prof. Rockström: Ich habe das ganz kurz in meinem Vortrag erwähnt, dass wir die planetaren Grenzen erneut aktualisieren werden und da werden auch Modelle zur Interaktion der Grenzen enthalten sein. Wir hatten Workshops zu neuartigen Substanzen mit wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen, um dafür die Grenzen zu bestimmen. Wir gruppieren die Chemikalien nach Funktionen für Menschen und für die Erde, und das ist sehr komplex, aber wir arbeiten daran und machen Fortschritte. Wir wollen bis Ende des Jahres dazu etwas veröffentlichen.

Sven: Was ich jetzt erfahren habe, ist, dass etwas kommt und dass wir gesundheitlich einen anderen Ansatz für die Quantifizierung des Problems brauchen.

Prof. Rockström: Die planetaren Grenzen sind kein Ersatz für die Umwelt- und Gesundheitsvorschriften für die menschliche Gesundheit. Wir interessieren uns dafür, ab wann es die Funktion des Planeten beeinträchtigt. Bei Chemikalien ist es so, dass sie für Menschen viel früher schon gefährlich sind als für die Erde

Jutta: Die neuartigen Substanzen sollen auch Plastik, GMO und radioaktive elemente enhalten?

Prof. Rockström: Ja.

Jutta: Ich gebe jetzt Frank W. das Wort. Sorry, ich komme nicht so gut zurecht mit diesem kleinen Fenster. Frank W., ich kann seine Stummschaltung nicht aufheben. Frank hat sich scheinbar selbst stummgeschaltet. Okay, dann probieren wir es mit Severin. 

Severin: Ich habe eine Frage… Wenn ich mir die planetaren Grenzen anschaue, kriege ich den Eindruck, dass die Lebensmittelindustrie und die Landwirtschaft den größten Fußabdruck hat. Stimmt das, und können wir hier den größten Unterschied machen? Das Konzept von prof. Rockström ist ja gut verständlich, aber es scheint in der Politik nicht anzukommen. Warum?

Prof. Rockström: Ja, die Lebensmittelindustrie ist heute der größte Verursacher von Überschreitungen der planetaren Grenzen, weil so viele Emissionen ausgestoßen werden, so viel Süßwasser verbraucht, so viel Biodiversität und Land zerstört werden und so viel Stickstoff udn Phosphor erzeugt werden. Die Lebensmittelbranche spielt also eine riesige Rolle, von der Landwirtschaft die ganze Kette entlang bis zu den Endverbrauchern.

Sven: Ich glaube, dass hinter der Frage die Überzeugung steht, dass Politik nur mit Wissen zu tun hat. Ich glaube, dass das nur teilweise demokratisch ist. In Europa fehlt es uns nicht an Wissen in der Politik. Wir wissen alle Bescheid, wie dringlich der Klimawandel ist. Aber Politiker*innen werden alle 5 Jahre gewählt von Leuten, denen oft andere Fragen wichtiger sind. Wir müssen auch in der Wirtschaft und im Sozialbereich überzeugen, wenn wir im Bereich Umwelt Fortschritte machen wollen. Wenn wir die Mehrheit im Parlament wollen, brauchen wir eine Agenda, die Soziales, Wirtschaft und die planetaren Grenzen vereint. Wenn wir glauben, dass die Wirtschaft es schon regelt, dann sind wir aber auch naiv. Es geht also nicht nur um Wissen, sondern auch um Strategie und Kommunikation. Selbst in der Coronakrise erfahren die Grünen überraschend viel Zuspruch, und zwar weil die Leute wissen, in welcher ökologischen Gefahr wir uns befinden.

Jutta: Nun hat sich Barbara gemeldet.

Barbara: Ich glaube, wir brauchen eine grundlegende Neuausrichtung in unserem Lebensstil, weg vom Ichbezogenen und hin zum Gemeinwohl. Wir brauchen eine neue Moral oder Ethik. Danke.

Jutta: Danke. Wir haben kaum noch Zeit, aber wir wollen allen noch kurz das Wort geben. Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, es war ein echtes Highlight. 

Andreas: Vielen Dank, auch für die Diskussion. Delphine hat schön gesagt, wie dringlich die Sache ist, und ich stimme zu und bin Fridays for Future sehr brauchen. Wir brauchen Montage, Dienstage und Donnerstage for Future. Egal wer, egal wo, wir können alle etwas tun und etwas bewirken. Wir müssen optimistisch bleiben. Danke.

Tobias: Ich stimme Sven zu, dass wir die Wirtschaft mit dem Sozialen und der Umwelt strategisch verbinden müssen. Wir haben kürzlich unseren Bericht herausgebracht, und eine Erkenntnis daraus war, dass die Herausforderungen größer und dringlicher sind als je zuvor, und dass wir nur erfolgreich sind, wenn wir die Menschen mit an Bord bringen und die Wirtschaft und die Rolle von Regierungen und Institutionen neu denken. Wir dürfen die Chance nicht verpassen, denn es gibt wirklich Kipppunkte und irgendwann ist es nicht mehr umkehrbar. Irgendwann ist es zu spät. Ich lade alle ein, sich diesen Bericht anzuschauen. Da wird auch deutlich, welche Chancen wir sehen für eine Veränderung.

Prof. Rockström: Danke an Jutta und Sven. Es ist leicht, zu verzweifeln. Aber wir sind in einer globalen Gesundheitskrise und reden trotzdem noch über nachhaltigen Wandel, unn das zeigt, wie weit wir gekommen sind. Vor 5 Jahren hätte man uns vorgeworfen, die Krise auszunutzen, um über die Umwelt zu reden. Wir sind an einem kritischen Punkt in der Narrative und sehen weniger die Opfer, die gebracht werden müssen, und mehr die Chancen. Wie Churchill sagte, man sollte keine Krise ungenutzt lassen. Die EU macht Fortschritte und geht in die richtige Richtung und ich bin froh, dass wir die planetaren Ziele aus Basis für unsere Diskussion nutzen können.

Sven: Noch ein paar politische Bemerkungen zum Schluss. Die Dinge haben sich wirklich geändert. Wir hatten vor 10 Jahren eine ähnliche Debatte, wo wir die Finanzkrise nutzen wollten, um einen grünen Wandel zu erreichen, aber damals hat es nicht ausgereicht. Heute können wir es schaffen, dass ein Großteil der europäischen Investitionen in der Coronakrise gegen den Klimawandel eingesetzt wird. Ich sehe aber auch die verwirrende Tendenz, dass man Umweltprobleme durch Investitionen lösen kann. Das glaube ich nicht. Wir brauchen nicht nur mehr grüne Investitionen, sondern wir brauchen Obergrenzen für Verschmutzung, Emissionen, Habitatverlust etc. Ja, wir brauchen Investitionen in die richtigen Stellen, aber wir brauchen auch Obergrenzen, und dazu reichen Investitionen nicht aus. In der EU-Umweltpolitik gibt es zwei Sachen: Das Klimathema sollte eine Priorität der deutschen Ratspräsidentschaft sein, und es kann sein, dass das jetzt vernachlässigt wird. Das wollen wir nicht zulassen. Und zweitens, was die Landwirtschaft betrifft, gibt es immer noch die Gefahr, dass die GAP und das Budget unverändert bleibt. Die Farm-to-fork-Strategie ist wichtig, aber wir müssen auch die Gemeinsame Agrarpolitik reformieren. Wenn die Öffentlichkeit so viel Geld in diesem Bereich ausgibt, können wir auch positive Ziele fordern.

Jutta: Der europäische Rechnungshof hat ja bestägt, dass die Ausgaben keinen Effekt haben und dass ökologische Landwirtschaft lohnender ist. 

Ich möchte erneut unseren Referenten und allen Teilnehmer*innen danken. Wenn noch Fragen unbeantwortet sind, schickt uns bitte eine E-Mail. Danke fürs Dabeisein. Bitte sagt weiter, dass wir nicht nur die Wirtschaft und die Politik ändern müssen, sondern auch unser Verhalten. Wir haben keine Zeit, uns noch 20 Jahre zu streiten.

Einen schönen Abend an alle und vielleicht sehen wir uns bald persönlich wieder. Und noch einmal danke an das Team, das im Hintergrund so super organisiert. Tschüss!

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1. Dr. Michael Köllisch
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Interview Michael Köllisch: https://vimeo.com/426782453/79bd0511f3

2. Frieder Schöbel
April 2020, berenteter Englischlehrer, Ostermärsche, Integrierte Gesamtschule, Seele des Friedenbündnis, von Jugend an, dem Gedanken an Frieden Kraft verleihen….
Trailer Frieder Schöbel: https://vimeo.com/414844560/5de1d0d241
Interview Frieder Schöbel: https://vimeo.com/435546744/b73964f4eb

3. Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker
27.5.2020, 80 jähriger Professor, SPD, Umweltpolitik, Faktor 5, Ernst Ulrich von Weizsäcker_WFK
Trailer E.U. von Weizsäcker: https://vimeo.com/431279033/0a5171dae5
Interview E.U. von Weizsäcker: https://vimeo.com/426594130/64e4c0780b

4. Reiner Braun
29.5., Friedensaktivist, kampfkräftig…,
Trailer Reiner Braun: https://vimeo.com/431279148/b87a88bf30
Interview Reiner Braun: https://vimeo.com/426666637/a7b0ec4883

5. Interview mit Alex Rosen
5a) offizieller Teil
11.6., Copräsident der Deutschen IPPNW, Alex Rosen_WFK,
WFK Trailer 1 Alex Rosen: https://vimeo.com/431213114/41b3572c15
WFK Testimonial Alex Rosen: https://vimeo.com/440097244/598c9aa721
WFK Interview Alex Rosen: https://vimeo.com/428507986/9a43023284

5b) interne IPPNW Version
Trailer 2 Alex Rosen: https://vimeo.com/431213310/362ff1537a
IPPNW Interview Alex Rosen: https://vimeo.com/428499204/bdb92f20a7

6. Hauke Schlesier
Trailer Hauke Schlesier: https://vimeo.com/431242291/0f190be19f
Testimonial Hauke Schlesier: https://vimeo.com/440123315/5d327e4539
Interview Hauke Schlesier: https://vimeo.com/430488699/576c79f45c

7. Hartmut Graßl
16.6., Prof. für Energie, Physiker,
Trailer Hartmut Graßl: https://vimeo.com/431237683/5ce4da40ae
Interview Hartmut Graßl: https://vimeo.com/431201259/f48d68b62b

8. Christian Enengl
18.6., Moderator der Lerngruppe für Onlinekonferenzen,
Trailer Christian Enengl:
Teaser 1: https://vimeo.com/443201888/d2e360919e
Teaser 2:
https://vimeo.com/443202149/eb57d8732d
Teaser 3:
https://vimeo.com/443202291/98c0a652d8
Teaser 4:
https://vimeo.com/443202421/ea9c9770be
Teaser 5:
https://vimeo.com/443199874/65e6290f89
Teaser 6:
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Interview Christian Enengl: https://vimeo.com/439728610/3cebee821

9. Jürgen Rose
24.6., Oberst a.D., kämpfte immer für die innere Führung, gegen die gesetzeswidrigen Auslandseinsätze,
Trailer Jürgen Rose: https://vimeo.com/435555804/1e143c76b0
Interview Jürgen Rose: https://vimeo.com/432928857/285df05a53
Bonus Interview Jürgen Rose: https://vimeo.com/447623595/033d37f26b

10. Christoph Krämer
5.7.,
Trailer Christoph Krämer: https://vimeo.com/443200184/210a5de6a8
Interview Christoph Krämer: https://vimeo.com/437674026/57841cfde1
Bonus Interview Christoph Krämer: https://vimeo.com/452566939/5e6b95f85a

11. Winfrid Eisenberg, Chefarzt einer Kinderklinik, Herford,
PDF... https://helmutkaess.de/Wordpress/?p=9519

12. Norman Paech, Prof. , 17.7., Schwerpunkt Völkerrecht,
Trailer Norman Paech: https://vimeo.com/443201219/c8ba3eae4e
Testimonial Norman Paech: https://vimeo.com/440305201/2b2c882586
Interview Norman Paech: https://vimeo.com/440116366/1e1e6f2722

13. Elke Schrage
Gynäkologin, IPPNW
Trailer Elke Schrage: https://vimeo.com/443200369/8af982c527
Interview Elke Schrage: https://vimeo.com/440129348/5bd9566515

14. Heiko Hilmer
Ingenieur, Klima und Menschheitsaktivist.
Trailer Heiko Hilmer: https://vimeo.com/443200726/9eaefc2d0b
Testimonial Heiko Hilmer: https://vimeo.com/440132071/0599d0d518
Interview Heiko Hilmer: https://vimeo.com/442471670/9e315a1e48

15. Roland Blach
DFG-VK, Stuttgart,
Trailer Roland Blach: https://vimeo.com/443369377/68e5ebe860
Interview Roland Blach: https://vimeo.com/442477275/83af909a71

16. Eckehard Binder
Pfarrer, Heidberg,
Trailer Eckehard Binder: https://vimeo.com/450527707/76ff11433c
Interview Eckehard Binder: https://vimeo.com/442492577/5e1c196498

17. Elu Ernst Ludwig Iskenius
Trailer Elu Ernst Ludwig Iskenius: https://vimeo.com/448867395/fde500d4f9
Interview Elu Ernst Ludwig Iskenius
: https://vimeo.com/442656765/d1a68e8e67

18. Uwe Meier

https://vimeo.com/442679164/133e83cb30 testimonial_Uwe Meier https://vimeo.com/445340023/d7b9b120d2 Trailer: https://vimeo.com/453091390/1823c049bc

19. Nirit Sommerfeld

Video: https://vimeo.com/445119421/ddff0bb9ed Trailer: https://vimeo.com/445340827/12bc8ce6e4 testimonial_Nirit Sommerfeld https://vimeo.com/445340083/1b7947ee3d

20. Wieder Jürgen Rose

31.8. Final: https://vimeo.com/444358131/b027475020 WFK_BONUS_Jürgen Rose https://vimeo.com/447623595/033d37f26b über eine Stunde, 20. testimonial_Jürgen ROSE https://vimeo.com/440330042/cbec563373

21: Brigitte Constein-Guelde
https://vimeo.com/450495653/50c7614e86 Testimonial: https://vimeo.com/445340991/0cc73255a0

22. Heinz Zemke  
7.8., Final: https://vimeo.com/449346202/98f482891f WFK_Trailer_Heinz Zemke https://vimeo.com/448949878/d0dd4d7125

23. Daniele Ganser
, 17.8., WFK_Daniele Ganser final https://vimeo.com/448784382/8c390ebdb1 .              Trailer: 1. https://vimeo.com/448950188/e9771dd9d0

2. https://vimeo.com/448950282/7c845e1576

3. https://vimeo.com/448950411/4f37fcae9b

4. https://vimeo.com/448950614/ac9cc83b71

5. https://vimeo.com/448950739/40af00aa68

6. https://vimeo.com/448950971/887545176a

24. Andreas Sarakacianis
, Final: https://vimeo.com/449416033/39c1cc24d9 WFK_Trailer_Andreas Sarakacianis https://vimeo.com/449753229/c89f3c0b65, testimonial_Andreas Sarakacianis, https://vimeo.com/449743150/2e4114f3c0

25. Jen Riedel
das Video:  https://vimeo.com/450706410/2ec13088c9 , testimonial_Jen Riedel, https://vimeo.com/449831772/6ef9135ac5

26. Klaus Mori
https://vimeo.com/452567726/5e8c94fac3 ,                                                            testimonial_Klaus Mori , https://vimeo.com/449836830/5b1a05f876

27. Christoph Krämer
: Bonus, 2. Interview:
https://vimeo.com/452566939/5e6b95f85a , Trailer https://vimeo.com/452623887/03a7695211

28.: Dr. Friedrich Käß                                                                                                           Trailer Friedrich Käss (leider mit Tonstörungen) https://vimeo.com/manage/videos/458618448/d07aee964e                                                                                           WFK_Bonus – Friedrich Käss https://vimeo.com/manage/videos/454308864/f3653b1d4a                        

29. Diether Dehm
https://vimeo.com/452700338/58b791d327

30. Hellen Barsosio 
https://vimeo.com/452701032/6ac9d47285

31. Abraham Behar
https://vimeo.com/453764918/a08b212acc

32. Angela Reinhard
https://vimeo.com/454658343/5e767ba582

https://vimeo.com/452657857/43a3d72f18

33. Felix Käss
https://vimeo.com/452627915/125fd0aae9 ,

34. Elsa Rassbach
Interview: https://vimeo.com/455093346/78add6b07b                                                            Trailer: https://vimeo.com/457528095/49094bfe83 ,

35. Helmut Käss
https://vimeo.com/455410117/e40a1e1b8f

 

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Webinar “Planetare Grenzen“

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,über 500 Menschen haben an unserem Webinar zu den planetaren Grenzen mit Prof. Rockström teilgenommen. Besten Dank für die spannende Diskussion!

Deutscher Text des englischen Originals: Webinar “Planetare Grenzen – Europas Leben auf Messers Schneide” mit Jutta Paulus und Sven Giegold und Prof. Rockström – Donnerstag, 11. Juni 2020,

und hier mit Hervorhebungen

Wir freuen uns euch und Ihnen nun die Original-Aufzeichnung des Webinars

sowie auch die Präsentationen von Professor Rockström (PIK), Tobias Lung (EEA) und Andreas Hauser (FOEN) zur Verfügung stellen zu können.

Weitere spannende Webinare und Aufzeichnungen gibt es auf der Website der grünen Europagruppe zu finden. Viel Vergnügen beim Nachsehen/lesen!….

H..

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Geschützt: Ende des Zweiten Weltkriegs

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mein Parteiausschlussverfahren der Linken

mein Parteiausschlussverfahren der Linken   https://wp.me/paI27O-2mZ

Jetzt ist der Beschluss des Bundesschiedsamtes da:

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2025/07/Bundesschiedsamt-Endbescheinigung1.pdf  mit Markierungen

https://helmutkaess.de/wp-content/uploads/2025/07/Bundesschiedsamt-Endbescheinigung.pdf ohne Markierungen

„Der Schiedsantrag (auf Parteiausschluss) wird zurückgewiesen.“  Die Entscheidung wurde einstimmig bei acht Mitgliedern getroffen.

Den 15 seitigen Text habe ich auf Rat von Ursula und Hans-Georg wieder aus Schweigepflichterwägungen auf eine private Seite verlegt, aber jetzt, 2025, veröffentliche ich ihn. Hier nur einige Zitate:

Zusammenfassung aus meiner Sicht:

Damit ist freies und unabhängiges Denken in unserer Partei weiterhin erlaubt, nachdem die Landesschiedskommission zu meinem großen Erstaunen das anders gesehen hatte.

Mir wurde eine zu große Nähe und Freundschaft zu der AfD und auch Antisemitismus vorgeworfen. Dabei geht es in Wirklichkeit um die Form des Streitens mit der AfD (Die auch ich für die schlechteste deutsche Partei halte, aber die meisten anderen sind auch nicht viel besser. Sie beschlossen überwiegend  völkerrechtswidrige Kriege) und um die gleichberechtigte Wahrnehmung der Interessen der jüdischen Israelis und der Palästinenser. Bei dem Streit mit der AfD geht es darum, ob man auf Grund der „Bösartigkeit“ der AfD Mitglieder mit ihnen keinen Dialog führen dürfe oder ob man die Meinungsverschiedenheiten auf gutbürgerliche Weise mit Dialog und notfalls mit Streitgesprächen austragen und Meinungsverschiedenheiten ertragen muss, um ein Aufeinander Schießen zu verhindern. Das Gleiche gilt für den Israelisch/Palästinensischen Konflikt. Konflikte können überall in der menschlichen Familie (= allen Menschen) zu Mord und Totschlag führen, aber Konflikte, auch zwischen Kindern und in Familien sind völlig normal. Man muss eine zivilisierte Form des Umgangs finden, um Mord und Totschlag zu verhindern.

Gesendet: Freitag, 06. Dezember 2019 um 02:51 Uhr
Von: „Helmut Käß“ <helmut_kaess@web.de>
An: „Hans-Georg Hartwig“ <H-G.Hartwig@t-online.de>


Betreff: „Grundsatzerklärung“Hallo, Linke in Braunschweig
Ihr habt sicher schon von meinem Parteiausschlussbeschluss des Landeschiedsamts der Linken gehört. Dagegen habe ich noch die Gelegenheit, das Bundesschiedsamt anzurufen. Dazu gibt es einen Artikel in BS Spiegel https://braunschweig-spiegel.de/helmut-kaess-vor-dem-parteiausschluss/ und umfangreiche Anschuldigungen von Udo Sommerfeld. Dazu werde ich vermutlich später noch Stellung nehmen (siehe der Schiedsamtsbeschluss), jetzt erst mal eine „Grundsatzerklärung“ von mir.
Herzliche Grüße, Helmut

Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: 0049 531 350513 Mobile: 0049 176 577 47 881http://helmutkaess.de/Wordpress/?page_id=1014/, www.ippnw.de , http://www.friedenszentrum.info/,

Nach der großen Anti-AfD Demo am letzten Samstag:  Protest gegen die AfD ist demokratisch legitim, aber die Gewichtung scheint mir falsch: In ihr gibt es m.E. falsche und zum Teil demokratiefeindliche Ansichten. Aber ist das etwas Ungewöhnliches in der Welt und in Deutschland?

Leider Nein!!! Deutschland hat eine furchtbare Vergangenheit durch Auslösung zweier Weltkriege.

Deutschland nahm an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien teil!

Deutschland nimmt zurzeit an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Syrien teil!

Deutschland duldet völkerrechtswidrige Drohnenmorde von Ramstein aus.

Deutschland verweigert die Teilnahme an dem Atombombenverbotsabkommen, übt den Abwurf von Atomwaffen in Büchel und nimmt aktiv an den kriegsgefährdenden Manövern der Nato teil (z.B. „Defender 2020“).

Deutschland quält die eigene Bevölkerung mit Harz 4 (ein Produkt des rechtmäßig Verurteilten Herrn Harz) und Agenda 2020….

Und das alles noch ohne Zutun der AfD!

Wir müssen die Fehler in unserer Politik in offener Diskussion benennen und beheben, davon ist die AfD ein Teil, aber nicht das Hauptproblem.

Hauptprobleme sind die Kriegsgefahr, die schlimmen Umweltprobleme, die auseinanderklaffende Reich/Armschere, die Vergiftung, der Müll, die Klimaerwärmung, die Einstellung, wir sind die Guten gegen die Bösen, die Furcht vor den Nachbarn, zum Beispiel Russland, dabei ist Deutschland der historisch schlimmste Mörder. (60 Millionen Tote in sechs Jahren)  

Wir müssen um Verzeihung bitten und uns mit der menschlichen Familie zusammenschließen, um die vielen Probleme zu lösen. Wir können es mit der  gewaltigen Erfindungskraft der Menschheit, aber nur gemeinsam! 

Und wir müssen es richtig machen, in differenzierter Auseinandersetzung, mit offenem Visier, langsam, Punkt für Punkt. Und immer wieder!

Und nicht mit Geschrei „Wir gegen die da“, das weltweit die Probleme nicht löst.

Gemeinsam können wir alle Probleme lösen, auch die einer Heißzeit.

Wir können auch in den großen Wüsten ungeheuer viel Solarenergie erzeugen, können das CO2 mit Power to Gas (und zukünftig sicher zum Beispiel auch zu Kohle, die wir wieder in die Erde versenken, z.B. als Terra preta) wieder aus der Atmosphäre holen, können Nahrungsmittel aus Algen und in den Wüsten und Gebirgen in Glashauskolonien z.B. Gemüse produzieren. Durch den künftigen Energieüberschuss können wir notfalls einen Großteil unserer Rohstoffe aus dem Meerwasser produzieren. http://helmutkaess.de/Wordpress/?p=1433

Wir können das uns von Albert Einstein im Manifest von Russell und Einstein versprochene Glück erreichen. Willy Brandt hatte es uns vorgemacht, wie man den russischen Bären versteht und zur Kooperation mit einer Europäischen Friedensinitiative brachte. Wir müssen das mit Trump und Erdogan auch erreichen!

Brüder und Schwestern, auf zur Sonne und Freiheit, aber nicht durch Krieg, durch beherzten Friedenswillen!

 Dr. med. Helmut Käss      Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel: +49 17657747881 , helmut_kaess@web.de

 

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EU-Parlament verurteilt den Deutsch-Russischen Nichtangriffs-Vertrag

Das EU-Parlament hat behauptet, dass die Sowjetunion genauso an dem zweiten Weltkrieg beteiligt sei wie Deutschland.

Dass dies nicht so ist, hat nach meiner Ansicht unsere Veranstaltung eindrucksvoll belegt.
Es wurden mehrere Videos geschnitten: Eins von einem Vertreter aus BS , noch nicht in seinem Blog und vermutlich kürzer, und eins vom Bruder von unserem Mitglied Gernot.

Dies ist die offzielle Endversion in etwa 20 Minuten: Aufstehen BS, Finale Endfassung https://vimeo.com/513392576/6529ce7c76

Die Schlacht um die Geschichte

Hier ist die Kurzversion des Videos ohne Vorspann: https://vimeo.com/511317502/f313a69343.  Und dies die Langversion von 2 Stunden: https://vimeo.com/472389023/3ac07c7f55

Es gibt den Beitrag: „Der deutsche Faschismus…“ von „Helle Panke“, der wichtige Beiträge des Referenten Stefan Bollinger enthältu und für 3€ erworben werden kann. (Mit Hervorhebungen durch mich) Hier das Original mit einem im Link abgedruckten zentralen Teil der Argumentation.

EU-Parlament verurteilt den Deutsch-Russischen Vertrag

Die These verbreitet sich zur Zeit, dass Deutschland und Russland eine etwa gleiche Schuld an der Katastrophe des zweiten Weltkriegs hätten. Da sind wir als Braunschweiger Aufstehgruppe völlig anderer Meinung. Hitler wollte Kriege, das hat er schon bei Machtantritt eindeutig gesagt. Stalin war auch zweifellos ein skrupelloser Massenmörder, aber er war nicht wahnsinnig wie Hitler und hatte nicht die Idee, dass er die Weltherrschaft an sich reißen könnte. Aber unser Mitglied Achim Spethmann drückt das in diesem Beitrag viel zurückhaltender aus…

Insbesondere die Deutschen sollten das Georg Eckert Institut beauftragen, dass sich gemeinsame Historikergruppen der verschiedenen Seiten in diesen strittigen Themen sich darüber abstimmen, wie die Dinge abgelaufen sind. Und bei den Resten, über die sie sich nicht einigen können, sollten die Auffassungen in gemeinsamen Erklärungen gegeneinander gestellt werden.

Passend dazu wurde inzwischen Putins Artikel über den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht. Und dazu passend von Gernot Lisson ein Beitrag über das Buch von Churchill

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*FRIEDENSJOURNAL*

 Vor kurzem ist das *FRIEDENSJOURNAL* Nr. 3 / Mai-Juni 2020
des Bundesausschusses Friedensratschlag (Kassel) erschienen.
Internet-Ausgabe:
http://www.frieden-und-zukunft.de/pdf/fj/FJ_2020-3_Web.pdf

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Wie umgehen mit der Klimaerwärmung?

Das wurde gerade bei der Sonnenseite von Prof. Eicke Weber thematisiert. Der direkte Link ist dieser. In einen dramatischen Bericht, der leider über eine Stunde dauert. Aber sehr lohnend ist…

Die nächsten 10 Jahre sind entscheidend! Dann droht laut Klimawissenschaftlern der Absturz in das „Hot-House Earth“. Allerdings siehe dazu die

Zwei Grad höher führt zur Heißzeit, zwei Grad kälter zur Eiszeit.

Wir brauchen deshalb unbedingt eine UN-Institution, die das Klima beobachtet und verbindliche Regeln aufstellt: Zum Beispiel die Höhe des CO2 Gehalts steuert. Zum Beispiel mit CO2 Steuern, je nach der Klimalage. Zur Zeit müssten diese sehr hoch sein, bei Rückgang der Temperaturen vielleicht sogar negativ.

andererseits ist ein Blick in die klimatische Vergangenheit auch wichtig. Wir hatten vor vielen Millionen Jahren viel höhere CO2 Spiegel (ein Video ist hier) und wir hatten Heißzeiten,wie sie in in zwei Screenshots aus diesem Artikel erkennbar sind.

Diese haben beleibe nicht zu einer Ausrottung der Tiere geführt, sondern in dem „Treibhaus Erde“ entstanden vor etwa 300 Mio Jahren die Kohle- und vor überwiegend 100-400 Mio Jahren die Ölvorräte, die und den momentanen Aufschwung möglich machten. Allerdings sollten wir die Zukunft jetzt in weltweiter Absprachen bestimmen.

Die Menschheit hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie den unterschiedlichsten Bedingungen anpassen kann. Vorsaussetzung ist aber, dass  wirgemäße dem Manifest von Russell und Einstein gemäß Kooperation statt Konfrontation leisten mit großen, weltweiten Absprachen im UN Maßstab.

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online world conference

Gesendet: Donnerstag, 21. Mai 2020 um 19:55 Uhr
Von: „Christoph Krämer“ <kraemer.ak-sn@ippnw.de>
An: „AK Süd Nord Intern“ <ak_s-n_intern@ippnw-lists.de>
Betreff: [Ak_s-n_intern] Fwd M. Christ: IPPNW May ENews
——– Weitergeleitete Nachricht ——–

Betreff:IPPNW May ENews
Datum:Thu, 21 May 2020 15:58:31 -0000
Von:director@ippnw.org <mchrist@ippnw.org>
Antwort an:mchrist@ippnw.org
An:kraemer.ak-sn@ippnw.de

TPNW Update, World Conference Report, New Articles, and much more!

Belize Ratifies the TPNW!The entry into force countdown continues with only 13 more ratifications needed for the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons (TPNW) to become international law. Despite the global lockdown, on Tuesday, May 19th, Belize became the 37th country to ratify the TPNW. This ratification marks the seventh CARICOM nation to become a States party to the Treaty.As we steadily approach 50 ratifications, we encourage you to continue to educate your government leaders on the humanitarian consequences of nuclear weapons and urge them to sign and/or ratify the TPNW as soon as possible.
IPPNW Endorses Joint Statement on the NPTIn light of the current pandemic, the Non-Proliferation Treaty (NPT) Review Conference, originally scheduled to take place April-May 2020, has been postponed to early 2021. In response to the delayed Review Conference, more than 80 civil society organizations, including IPPNW, have endorsed a joint statement to the states parties of the NPT. IPPNW Latin American Regional Vice President, Dr. Carlos Umaña, contributed to the joint statement.One of the many lessons to be learned from this global crisis is that science must not be ignored under the guise of “national security” policies that put profit before people and privilege the most powerful…The civil society organisations endorsing this statement put forward the following three key messages to NPT states parties: 1. Global support for the NPT is strong, but its long-term viability cannot be taken for granted.2. The grave state of global affairs and the rising risk of nuclear conflict and arms racing requires new and bolder leadership from responsible states.3. Those that resist change also say the “environment” is not right for further progress, but responsible actors everywhere are rising to the challenge.


Online World Conference 2020
and Youth AssemblyOn April 25th, 2020, the Online World Conference 2020: Abolish Nuclear Weapons, Resist and Reverse Climate Change, For Social and Economic Justice took place with over 2,000 Zoom participants and individuals viewing the livestream. A full recording of the World Conference can be found here. The two hour long event connected the issues of nuclear weapons, the climate crisis, and social and economic justice in the context of the COVID-19 pandemic.  IPPNW’s very own Dr. Carlos Umaña, Regional Vice President for Latin America, was the first speaker of the event, highlighting the humanitarian consequences of nuclear weapons and how this crisis connects with COVID-19. Additional speakers ranged from Xiye Bastida (Fridays for Future, Mexico) to United Nations High Representative for Disarmament Affairs Izumi Nakamitsu.
On May 2, 2020, one week after the Online World Conference, the first World Conference: Youth Assembly event took place with over 370 Zoom participants from 50+ countries around the world, including the United States, Japan, Nepal, the United Kingdom, Kenya, and Germany. A full recording of the Youth Assembly can be found here.

The event was moderated by the co-chairs of the Planning Committee, Molly McGinty, Program Associate at IPPNW and Emily Rubino, Director of Policy and Outreach at Peace Action New York State. We featured seven main panelists touching on different aspects of our main issue areas of nuclear abolition, climate change, social and racial justice. Among the panelists were Franca Bruggen and Kelvin Kibet, IPPNW Medical Student Representatives, who spoke to the medical aspect of COVID-19 and how that is impacting the world around us, tying this back to the threat of nuclear weapons. A full report of the Youth Assembly can be found here.
Regional Breakout SessionsOn Saturday, May 16th we hosted Regional Breakout Sessions, which served as a follow-up to the Youth Assembly to allow participants to be even more engaged and help us build a joint movement bridging our priorities together. The Regional Breakout Sessions brought 80+ youth participants together from around the world to discuss the issues which will impact our future the most. Participants left this event with concrete action steps to work towards a safer and more sustainable future for all. To stay up to date and to get involved with the global action steps, follow the Youth Assembly’s Twitter, Facebook, and Instagram, or contact Molly McGinty at mmcginty@ippnw.org

New Articles and PublicationsVital SignsIPPNW just released our latest Vital Signs, our biannual newsletter. It features IPPNW affiliate matters around the world, our response to the COVID-19 crisis, the 75th anniversary of Hiroshima and Nagasaki, and countless other topics. Check out the entire newsletter here
What the Coronavirus Can Teach Us About Nuclear WeaponsIPPNW leaders Dr. Ruth Mitchell and Dr. Ira Helfand were interviewed by Jon Letman in Responsible Statecraft, exploring ‚What the coronavirus can teach us about nuclear weapons”. While connecting the COVID-19 pandemic to nuclear weapons, Dr. Mitchell explains;“‘It’s not the Olympics to see who can suffer the most or what would be the worst scenario,’ she said, but noted that the devastation, disconnection, and disruption to daily life during the pandemic offers a glimpse of what we can expect after a nuclear weapon is used.‘It should sober us into action on what is an incredibly preventable cause of loss of life and livelihood…What we’re seeing with the coronavirus is just the tip of the iceberg of the amount of sick and dying and dead people that we would see in a nuclear war.’” The Novel Coronavirus and Nuclear WeaponsOn May 4th, IPPNW Co-President Dr. Ira Helfand and former United Nations High Representative for Disarmament Affairs Sergio Duarte published the article, “The Novel Coronavirus and Nuclear Weapons”. The two connect the current pandemic with the threat posed by nuclear weapons, but unlike COVID-19, we have the tool to abolish nuclear weapons, the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons (TPNW). They state, “Just as the threat of the new coronavirus must be met by cooperation, common-sense and solidarity among peoples and nations, so must the danger of a nuclear war.” 
„Don’t make new socks for me“: 75 years after the end of World War IIIPPNW leader and member of the German affiliate, Dr. Lars Pohlmeier, published an inspiring article in IPPNW’s Peace and Health Blog outlining his experiences growing up in West Germany post-World War II, truly embracing being a global citizen, and his vision of peace.“The good news is everything can also change for the better. With all my experience of peace work representing IPPNW—the International Physicians for the Prevention of Nuclear War—on numerous occasions at Russian, US, British, and French ministries, at NATO, or even in North Korea, I remain convinced that with the right political will we can make this world a better place.
One of the key messages for me is that peace and security are not topics that can be left to politicians, diplomats, and the military. To preserve the “good” in our society, the members of society must actively engage and defend its values.”COVID-19 and Nuclear WeaponsAs the world continues to respond to the ongoing COVID-19 crisis, IPPNW Co-President Dr. Tilman Ruff writes on Croakey.org about the ways in which the current pandemic exposes the fragility of our social and political infrastructures. He warns all about the preventable threat of nuclear weapons, which could lead to the „final epidemic“.That is why we have to act now to protect our Earth from rampant heating and the abrupt ice age that would follow the radioactive incineration of nuclear war; as if our lives depended on it, because they do.
We can’t stop all new epidemics. And we don’t yet know if we can eradicate the COVID-19 virus.
But we can and must end nuclear weapons before they end us. The Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons provides the best available path forward. We should heed the lessons of COVID and take that path while we still can.
Road to MombasaIPPNW’s 23rd World Congress in Mombasa, Kenya, previously scheduled to convene in May, has been postponed due to COVID-19.  Nevertheless, we will use our “newfound time” to hold a series of webinars and virtual regional meetings to advance the topics, interests, and initiatives that were planned for our May Congress, to make our discussions even more productive when we convene in Mombasa next year. Stay tuned for more information! 

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